Mode - Funktion - Luxus

04. Juni 2013
Non-FictionEbensolch Rez-E-zine 75/13

José Warmud-Cordelier
Mode zwischen Funktion und Luxus

Verlag Johannes Petri
, Basel 2013, 147 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 0378 4028 3

Mode zwischen Funktion und Luxus Mode zwischen Funktion und Luxus

Bekleidung ist Kommunikation

Geld ist Macht und Mode ist deren teure Schwester. Wer weder Macht noch Geld besitzt, versucht zumindest den äußeren Anschein zu erwecken. Mode ist demnach ein sozialer Spiegel. Zeitgeistiges -  Weltanschauungen, politische Strömungen und wirtschaftliche Verhältnisse - werden nach Maßgabe der persönlichen Finanzen und Ziele reflektiert. Ganz unabhängig von bestehenden oder fehlenden Bekleidungsregeln politischer und religiöser Instanzen unterwerfen sich daher bis in die Gegenwart Menschen dem jeweiligen Modediktat. Es gilt Gruppenzugehörigkeit modisch zu beweisen. Das ist für die Mehrheit auch ohne Kleiderordnungen überlebensnotwendig. Exzentrizität muss man sich dagegen in jeder Hinsicht wirklich leisten können und vor allem auch wollen.

“Mode zwischen Funktion und Luxus” informiert in sieben Kapiteln über die historische Entwicklung von Bekleidung, Material und Accessoires - auch mit Fokus auf die Schweiz - bis in die Gegenwart. Die  Konsumgesellschaft und ihre modischen Rollenspiele sind jedenfalls immer einer besonderen Betrachtung wert.

Von Puppen, Designern und Fotografen

Die Modepüppchen (Mannequins) von Marie Antoinette für den Hochadel und die Barbiepuppe für die Gemeindebauprinzessinnen haben eines gemeinsam: Sie zeigen den Modebewussten, was grade angesagt ist. Puppen und Puppenhäuser haben hingegen weitere Aufgaben. Sie bereiten Mädchen auf ihre zukünftige Rolle als Hausfrau, Mutter vor. Dass deren Brüder “nicht” mit Puppen spielen (dürfen), sondern mit Action-Figuren (!) gleicher Fabrikation und Größe aber mit martialischer - oft rudimentärer - Bekleidung, sei hier randlich als kleiner Denkanstoß vermerkt.

Warmund-Cordelier greift den modischen Mikrokosmos der Puppenwelt auf, um von den manneken zu den lebenden Mannequins und den Modeschauen in den Designern des 19. und 20. Jahrhunderts überzuleiten. Boulevardartig bunte Steckbriefe bedeutender Designer, Modeunternehmen, Models sowie Kooperationen mit anderen Unternehmen ergänzen die Informationen. Je ein Seitenblick auf einen Sammler, Journalisten Fotografen gelten den anderen modischen Blickwinkeln.

Material, Form und Detail

Bekleidung benötigt Material. Mohairwolle, Seide, Karomuster, Verschlüsse von Schlingen über Knöpfe zum “Zipp” haben es in das Buch geschafft. Einzelne Bekleidungsstücke wie Blazer, Hosen, T-Shirts und Bademode werden gesondert vorgestellt. Die Details sind zuletzt noch das modische Sahnehäubchen des gesamten Outfits. Kragen, BH, Hut, Brille, Handschuhe sind einige von vielen wichtigen Utensilien, die in der Publikation  einen historischen Kontext gebracht werden.

Dass die prähistorischen bzw. antiken Querbezüge oberflächlich bleiben und nicht dem aktuellen Forschungsstand entsprechen, ist schade - allerdings ob der komplexen Materie auch zum Teil verständlich. Wer sich dazu detailliert informieren möchte, seien Prähistorische Textilkunst in Mitteleuropa und Kleidung und Mode im Mittelalter empfohlen.

Mode ist überall

Manches kommt nie aus der Mode und dazu gehört definitiv der Bubikopf. Düfte mögen flüchtig sein, aber manche davon haben Anspruch auf Unsterblichkeit erworben. Dass zu einem guten Duft ein perfekter Flakon gehört, ist selbstverständlich. Ist es kein individueller Flakon, der befüllt wird, so kann man sicher sein, dass hohe Qualität in produkttypischen Fläschchen geliefert wird. Make-up ist hingegen ein komplexes Thema, dass hier nur gestreift wird. Der Sprung von der Körperpflege zur Handtasche ist zwar wenig schlüssig aber deswegen nicht minder informativ, zumal auch Freitag-Taschen besondere Berücksichtigung erfahren. Kühlerfiguren und Briefmarken mit textilem Design bilden den thematischen Schluss.

Ein knappes Glossar, Bildinformationen und die Kurzbiografie des Autors runden den Band ab.

Fazit

Ein geschmackvoller Überblick mit interessanten Einblicken in die Welt der Mode. Der kurzweilig zu lesende, journalistisch verfasste modische Streifzug wird von zahlreichen Abbildungen begleitet. Dass die prähistorischen, antiken und mittelalterlichen Abschnitte schwächeln, ist schade. Was in jedem Fall bleibt, ist ein Buch, das Einsteiger neugierig auf mehr macht und Versierte frisch sensibilisiert.

© S. Strohschneider-Laue

Mode zwischen Funktion und Luxus Mode zwischen Funktion und Luxus

Siehe auch

Mode sprengt Mieder: Silhouttenwechsel - Rezension

Korsett: figur in form - Rezension

Future Beauty - Mode aus Japan - Rezension

Kleidung und Mode im Mittelalter - Rezension

Prähistorische Textilkunst - Rezension

Schuhtick. - Rezension

Ebensolch
Teeblätter
Textzone

Eis & Sorbets

02. Mai 2013
eb_000_011.gifEbensolch Rez-E-zine 75/13

Christa Schmedes
Eis & Sorbets
Gräfe und Unzer 2013, 64 S., durchgehend Farbfotos.
ISBN 978 3 8338 2389 3

Eis und Sorbets Eis & Sorbets-Set (inkl. Kugelformer)

Den Sommer eiskalt genießen

Das perfekte Geschenkset bestehend aus Rezeptbuch und schickem Eiskugelformer, das man zweimal kaufen wird: zum Behalten und zum Verschenken. Alles, was Sie dann noch für den perfekten Genuss benötigen, ist eine Eismaschine - obwohl man es auch ohne und mit viel mehr Zeit versuchen kann. Eismaschinen gibt es in vielen Varianten von sehr preisgünstig fürs erste Ausprobieren bis hochwertig für Perfektionisten.

Konkurrenzlos perfekt

Küchenratgeber von G|U haben mich noch nie enttäuscht. Im Gegenteil, sie überraschen mich immer wieder. So auch Eis & Sorbets, das die Eismaschine beim Durchtesten zum Glühen brachte.

Übersichtlicher und appetitlicher geht es nicht. Das Buch zeichnet sich durch ein Maximum an gut aufbereiteter Basisinformation aus. Dieses Grundwissen wird systematisch soweit gesteigert, dass man zuletzt auch seine eigenen Eiskreationen problemlos zubereiten kann. Bereits im ausklappbaren Cover werden die zehn wichtigsten Erfolgsgaranten vom Einkauf bis zur Resteverwertung vorgestellt. Die Praxistipps sollte man beherzigen, wenn man zuvor noch nie selbst Eis hergestellt hat. Sie sind Erfolgsgaranten. Die Rezepte für Cremige Klassiker, Fruchtige Sorbets, und Zarte Parfaits sind perfekte Ausgangsbasis für schmackhafte kalte Desserts. Und wer sich zuerst an den Grundrezepten wie z. B. Vanilleeis versucht, wird auch bei den Gaumenschmeichlern wie Schokotrüffel-Törtchen, Beeren-Joghurt-Parfait mit Vanillesabayon oder Cassata-Eisbombe erfolgreich sein. Die Rezepte sind systematisch von Zutaten, über Arbeitsschritte, bis zu Varianten und Tipps aufgebaut. Sie lassen sich dadurch nicht nur perfekt nachvollziehen, sondern auch gut miteinander vergleichen.

Selbstverständlich gibt es ein benutzerfreundliches Register, um das Auffinden der Rezepte mit bestimmten Zutaten noch einfacher zu machen. Und weil bei G|U-Büchern kein Platz verschwendet wird, ist auf der letzten Seite sogar das Rezept für Waffelhörnchen zu finden. Schließlich braucht ein exzellentes Eis auch schmackhaft-knusprige Waffeln. Der hintere Umschlag lässt sich ebenfalls aufklappen. Hier findet man  Softeis und Eis am Stiel - nicht nur für Kinder- und als eiskalten Abschluss für die heißesten Tage die Granités.

Das Buch ist strapazfähig - wie der Dauereinsatz vor der Rezension bewiesen hat. Das übersichtliche Layout ist beispielgebend. Die Fotos von Jörn Rynio, die die eisigen Köstlichkeiten ins beste Licht rücken, sind so appetitlich, dass man sie fast schon verkosten möchte.

Fazit: Dieses Eis ist heiß!

Funktioniert perfekt, schmeckt sensationell und der beigefügte Portinierer für Eiskugeln ist ebenso praktisch wie hübsch. Wien ist die Stadt mit ausgezeichneten italienischen Eissalons und bekannten Eiskonditioreien. Mit Eis & Sorbets bekommen sie erstmals echte Konkurrenz.

© S. Strohschneider-Laue

Eis und Sorbets Eis & Sorbets-Set (inkl. Kugelformer)

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Bowlen, Punsche und Liköre

11. April 2013
eb_000_011.gifEbensolch Rez-E-zine 74/13

Walter Gaigg

Bowlen, Punsche und Liköre
Selbstgemachte Köstlichkeiten
Leopold Stocker Verlag 2013, 128 S., durchgehend Farbfotos.
ISBN 978 3 7020 1402 5

Bowlen, Punsche und Liköre Bowlen, Punsche und Liköre: Selbstgemachte Köstlichkeiten

Genuss im Glas - mit und ohne Alkohol

Alkoholische Getränke in kleinen Gläsern zu servieren, hat etwas vom Tante-Jolesch-Knödelerfolg: immer zu wenig. Aber das ist auch gut so, wenn man die Wirkung bzw. unerwünschte Wirkung denkt. Wenn man das Prinzip Qualität-kommt-in-kleinen-Gläsern an den Rezepten in diesem Buch anwenden würde, müsste man Fingerhüte ausgeben auch, wenn es sich um alkoholfreie Getränke geht. Also dann grundsätzlich das perfekte Glas zum köstlichen Gaumenschmeichler und die perfekte Menge ohne verheerende Wirkung.

Geschirr - Zutaten - Zubereiten - Servieren

Egal, ob Bowle, Punsch oder Likör, zuerst wird die Planung vorgestellt. Das ist gut so, denn manches schmeckt besser, funktioniert besser oder braucht eine besondere Behandlung. Man sollte daher den Informationen rund um Geschirr, den Zutaten und der Vorgangsweise besondere Beachtung schenken, die den Kapiteln vorangestellt sind. Ebenso wie man den wichtigsten Ratschlag des Autors befolgen sollte: Geschmäcker sind verschieden, variieren sie nach eigener Vorliebe. So teile ich die Vorliebe des Autors österreichischen Rum, ein Spezialerzeugnis mit ganz typischem Geschmack, zu verwenden nicht. Kein Problem, entweder nehme ich einen Rum, den ich dafür geschmacklich passend finde, oder halte mich an die Empfehlung Weinbrand zu verwenden. Das harmonische Zusammenspiel der diversen Zutaten mit den reifen Früchten ist eben Gaumensache.

Zahlreiche Klassiker und auch weniger bekannte Bowlen finden sich in der Rezeptsammlung. Das  Grundgerüst der Zutaten lässt genau jenen persönlichen Spielraum, der nötig ist, um zur persönlichen Wunschbowle zu kommen. Selbstverständlich werden auch alkoholfreie Varianten, die wesentlich mehr nur kindergeburtstagstauglich sind, vorgestellt.

Die Heißgetränke rund um Kaffee, Tee, Kakao, Milch bzw. Punsch sind nicht ganz zu Unrecht mit drei Warnungen versehen, deren alkoholische Wirkung nicht zu unterschätzen. Heiße alkoholische Getränke und Winter gehören zusammen. Und hier beweist grade die Feuerzangenbowle, dass es schwierig ist, eine Bowle von einem Heißgetränk bzw. Punsch sprachlich und inhaltlich abzugrenzen. Manchmal und unabhängig von der konsumierten Menge verschwimmt sprichwörtlich die Grenze. Es zahlt sich jedenfalls aus, sich in die Sammlung einzulesen und für den nächsten Winter vorzuplanen. Schön, dass in der Sammlung auch da und dort anekdotenhaft über die Getränke berichtet wird.

Der letzte Abschnitt ist den Ansatzschnäpsen und Likören gewidmet. Wieder werden ausführlich die großen Fragen, was, womit, worin, wie lange und was sonst noch zu beachten ist, beantwortet. Dass dazu noch eine Reihe nützlicher Tipps und Tricks kommen, macht jenen, die noch nicht über Bowle und Punsche hinausgekommen sind, Mut sich auch an die Likörproduktion zu wagen. Wer nun unter den vielen exotischen Fruchtlikören und Trockenobstvarianten die einheimischen Früchte vermisst, findet unter den Klassikern den Johannisbeerlikör. Für den Überschuss aus dem eigenen Obstgarten kann dies als Basisrezept verwendet werden.

Fazit

Eine gediegene Sammlung, die viel für einen moderaten Preis bietet. Damit kommt jeder Einsteiger zurecht und auch die Klassiker gelingen perfekt.

Wie der Autor ganz richtig feststellt: “Freilich meint jeder, seines sei das Beste”. Mit dieser Rezeptsammlung rund um Bowlen, Punsche und Liköre wird die Zubereitung leicht gemacht. Für eigene Varianten wird hier ideale Basis geboten und damit wird bald das eigene Rezept ungeschlagen sein und am besten schmecken.

© S. Strohschneider-Laue

Bowlen, Punsche und Liköre Bowlen, Punsche und Liköre: Selbstgemachte Köstlichkeiten

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