Ausstellung: KUNSTWERK

02. Februar 2009
NotizEbensolch Rez-E-zine 48/09

KUNSTWERK
Kunst von Menschen mit Behinderung aus den Werkstätten von JaW im KHM

3. bis 15. Februar ‘09

Irokese, Caktas Wohl die meisten BesucherInnen im Kunsthistorischen Museum wünschen sich reich genug zu sein, um sich zumindest ein den Ausstellungsstücken vergleichbares Kunstwerk leisten zu können. Vielleicht ein dürres Mädchen von Cranach oder eine pralle Frau von Rubens. Atelierbetriebe, die damals die Reichen und Schönen so malten wie es sich die Fotografen-Kundschaft von heute ebenfalls erträumt. Denn auch vor der Erfindung der Fotografie und lange vor Photoshop wurde weggelassen, was unerwünscht war und ergänzt, was fehlte. Nicht umsonst ist Heinrich VIII. auf der Suche nach der idealen vierten Frau auf das Porträt der Anna von Cleve (Hans Holbein) “hereingefallen”. Jahrhunderte formten das Verhältnis von Künstlern und Kunden. Ein Verhältnis das übrigens selten eine Auftragsbeziehung zwischen Künstlerinnen und Kundinnen war und sich daher deutlich in den von Männern bevorzugten Sujets niedergeschlagen hat. Und Vieles hat vielleicht die Aktualität eingebüßt aber trotzdem die Anziehungskraft behalten. Und alle, deren Geldbeutel zu klein und das Plakat aus dem Museumshop zu schäbig ist, hoffen auf den zeitgenössischen Glückskauf als Wohnungsbehübschung mit Identifikationspotential. Leider haben die Dauerausstellung des KHM und die Sonderausstellung KUNSTWERK mehr als nur die Qualität der Bilder, Zeichnungen, Druckwerke und Skulpturen gemein. Man kann auch von den ausgestellten zeitgenössischen KUNSTWERKen nichts im Kunsthistorischen Museum kaufen. Es geht nämlich bis zum 15. Februar ‘09 nicht um Charity, sondern es geht um Kunst.

Schwimmerin, Lutschaunig Ohne den Streit “Künstler oder Kunsthandwerker” oder “Was ist Kunst” anzufachen, der ohnedies schon längst geführt wird, sind die Fragen nach “Künstler” oder “Kunsthandwerker”, Einzel- oder Atelierleistung zumindest berechtigt. Unberechtigt ist hingegen die Frage, ob Kunst von Menschen mit Behinderung überhaupt Kunst ist. Erlebtes verarbeiten, Befindlichkeit zum Ausdruck bringen, Sichtweisen zeigen, Erzählen durch Gestalten und vieles mehr macht Kunst(handwerk) zur Kunst. Obwohl rein finanziell gesehen erst das phrasenreiche Verkaufsgespräch und “Kaisers” Kaufbereitschaft so manche Kunst zum Kassenschlager macht.

Vision, Weissenbacher “Kunst ist das gemalte Wort”, sagte Thomas Weissenbacher (Künstler und Vorsitzender von Vienna People First) bei seiner Eröffnungsrede.
Direkt und unverfälscht, sind die Werke, die in KUNSTWERK gezeigt werden. Und sie lösen beim Betrachten “etwas” aus, ganz unabhängig von den SchöpferInnen werden die Werke unvoreingenommen wertvoll. Denn Begeisterung und Anerkennung für die gezeigte Kunst zu empfinden, hat ganz und gar nichts mit Mitleid zu tun.  Stolz sind daher die KünstlerInnen, die sie geschaffen haben. Sie sind stolz ernst genommen zu werden, dass ihre Kunst gefällt und auch ein bisschen stolz, dass ihre Werke im altehrwürdigen Bassano-Saal des Kunsthistorischen Museum gezeigt werden. Aber als KünstlerInnen sind vor allem eines: unprätentiös, begeisteurngsfähig und unabhängig.

Stadtlandschaft, Lehner Die KünstlerInnen wollen/müssen es niemand recht machen. Sie sind frei. Sie bringen ihre Befindlichkeiten zum Ausdruck und verarbeiten Erlebtes. Sie können über ihre Arbeiten sprechen ohne Schlüsselworte wie Position, Installation, ästhetisches Leitmotiv, abrupter Stilwechsel, minimalistische Farbfeldmalerei, eruptive Energie oder expressiv abstrakte Monochromie zu gebrauchen. Zufriedenheit ist befriedigend, Ehrlichkeit ansteckend. So ansteckend, dass BMin Dr. Claudia Schmied über das Bild, das ihr im Zuge der Eröffnung überreicht wurde, erfreut sagte: “Es sind meine Farben!”
Der Koloss KHM kommt langsam in Bewegung und entdeckt seine sozialen Kompetenzen - u. a. mit Führungen für blinde und sehbehinderte Menschen ab Frühjahr ‘09. Und für den kaufmännischen Direktor Dr. Paul Frey war es auch eine persönliche ”Herzensangelegenheit” diese Ausstellung zu ermöglichen. Trotzdem ist die Ausstellung KUNSTWERK viel zu kurz. Andererseits besteht an keinem anderen Ort eine bessere Chance, dass sie in dieser Zeitspanne von sehr vielen Menschen auf der Suche nach hoher Qualität und der Kunstelite gesehen wird.

Ich schließe mich dem Wunsch von Thomas Weissenbacher vollinhaltlich an: “Ich hoffe, es wird ein Riesenerfolg!”

© S. Strohschneider-Laue

KUNSTWERK
Beteiligte KünstlerInnen und Gruppen der Ausstellung

Bilder/Zeichnungen

Harfe, Basnar Charlotte Basnar (*1980 Wien), Werkstätte Im Werd, 1020 Wien.

Thomas Weissenbacher (*1945 Steiermark) Werkstätte Grundsteingasse, 1160 Wie

Frühlingswiese, Im Werd 2 Gruppe Werd Zwei,  Werkstätte Im Werd, 1020 Wien

Pharao, Mirkovic Dragan Mirkovic (*1982), Werkstätte Kuefsteingasse, 1140 Wien

Abstrakt Rot, Katic Zeljko Katic (*1976 in Kroatien), Werkstätte Ayrenhoffgasse/FlipFlap, 1090 Wien

Hannes Lehner (*1986 Wien), Werkstätte Ayrenhoffgasse/FlipFlap, 1090 Wien

Schlangen, Grasnek Kurt Grasnek (*1944 Wien), Werkstätte Speckbachergasse, 1160 Wien

Bienen, Kuzma Susanne Kuzma (*03.06.1966), Werkstätte Ayrenhoffgasse/FlipFlap, 1090 Wien

Lisi Seidl (*12.11.1952), Werkstätte Ayrenhoffgasse/FlipFlap, 1090 Wien

Sarah Lutschaunig (*24.04.1984), Werkstätte Ayrenhoffgasse/FlipFlap, 1090 Wien

Schiff, Coban Michael Coban (*18.01.1967), Werkstätte Ayrenhoffgasse/FlipFlap, 1090 Wien

Teletubbies, Klaus Christine Klaus (*01.06.1949), Werkstätte Im Werd, 1020 Wien

Franz Widmann (*18.02.1957), Werkstätte Elisenstraße, 1230 Wien

Rudolf Steindl (*25.05.1969), Werkstätte Im Werd, 1020 Wien

Kunstobjekte

Schnecke, Wagner Wolfgang Wagner (*19.10.1971), Werkstätte ALPHA, 1220 Wien

Keramikgruppe Landstraße, Werkstätte Landstraße, 1030 Wien

Rudolf Proschek (*18.01.1956), Werkstätte Kuefsteingasse, 1140 Wien

Vogel, Horizont Metallgruppe HORIZONT, Werkstätte HORIZONT, 1210 Wien

Dino Caktas (*1978 Wien), Werkstätte Speckbachergasse, 1160 Wien

Silvia Annerl (*1977 Wien), Werkstätte Speckbachergasse, 1160 Wien

Kunstwerk Kunst von Menschen mit Behinderung aus den Werkstätten von JaW im KHM 3. bis 15. Februar ‘09

Kunst kommt von Innen Kunst von Innen: Art Brut in Österreich

Buntes Haus Buntes Haus
siehe auch Rezension “Buntes Haus”

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