Grafik Design

Non-Fiction

Timothy Samara
Grafik Design
Theorie, Konzept, Realisierung

Stiebner 2009, 365 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 8307 1361 6

Grafik Design Theorie, Konzepte, Realisierung Grafik Design: Theorie, Konzept, Realisierung

Timothy Samara hat ein Buch geschrieben, dem ich wünschen würde, dass es möglichst vielen jungen Menschen in die Hände fiele, bevor sie sich zum Grafik-Design-Studium entschließen. Eigentlich müsste “Grafik Design. Theorie, Konzept, Realisierung” in jeder Berufsberatungsstelle aufliegen. Neben vielen anderen Dingen zeigt die Publikation nämlich sehr anschaulich, dass Kommunikationsdesign Knochenarbeit ist und so mancher Kunde dem Designer das Leben schwer machen kann - auch wenn das natürlich niemals explizit ausgesprochen wird. Abgesehen davon hat der Beruf durchaus seinen Reiz. Schließlich bietet fast jedes Projekt neue Herausforderungen. Von Kreativen wird verlangt, dass sie Ideen am laufenden Band produzieren, deren Weiterentwicklung sich selten als linearer Prozess gestaltet. Ganz im Gegenteil, der Weg vom ersten Skribble zum fertigen Produkt ist oft gewunden und manchmal steinig. Nie wird er allein begangen, sondern gemeinsam mit dem Kunden, dessen Wünsche berücksichtigt werden müssen, und Kollegen aus verwandten Disziplinen, die ihren Beitrag zum Gelingen eines Projektes beisteuern. Selbstverwirklichung ist nur wenigen Designern vergönnt. Das bringt Timothy Samara in einer seiner 20 Regeln, die helfen sollen Entwürfe zu optimieren, deutlich zum Ausdruck. Regel Nummer 11 des in New York arbeitenden Grafikdesigners lautet: “Universalität ist gefragt; es geht nicht um Sie.” Sein Vorschlag, wenn man sich ausleben möchte, möge man doch Maler werden, das sei lukrativer, hat mich allerdings zum Schmunzeln gebracht. Hierzulande (Österreich) verhungern Maler noch schneller als Grafikdesigner.

Im Anschluss an seine 20 Gebote stellt der Autor im Blitzdurchgang die visuellen Elemente des Grafikdesigns (oder wie es so passend heißt, den “visuellen Werkzeugkasten”) vor: Form und Raum, Farbe, Typografie, Bilder und Layout.

Den Löwenanteil des reich bebilderten Buches bestreiten 40 Fallstudien. Sie führen vor Augen, wie aufwändig und komplex Designprozesse von der ersten Ideenskizze bis zum fertigen Produkt sein können. Ein lehrreicher Leckerbissen sind die zahlreichen Abbildungen von Handskizzen und Entwurfsvarianten, die Außenstehende gewöhnlich nicht zu Gesicht bekommen. Vieles verschwindet im Verlauf eines Projektes ja in der Schublade. Zusammen mit kurzen Texten, die Aufgabenstellung und Verlauf des Projektes beschreiben, illustrieren sie die Vielzahl möglicher Arbeitsweisen. Die für das Buch getroffene Auswahl der Projekte ist aber auch noch aus anderen Gründen gelungen. Timothy Samara ist sichtlich bestrebt, eine möglichst große Bandbreite des Grafik Designs zu zeigen - sowohl in seinen Anwendungsmöglichkeiten als auch in den zur Verfügung stehenden Ausdrucksformen. Das Spektrum der Arbeiten umfasst die Entwicklung von Markenidentitäten für Weine, die Gestaltung von Büchern, Foldern, Postern und anderen Printprodukten ebenso wie Web-, Messestand- und Textildesign. Um die jeweiligen Botschaften zu vermitteln, bedienen sich die Gestalter der unterschiedlichsten Techniken. Sogar Linolschnitte kommen für einen Auftrag, mit wirklich zauberhaftem Ergebnis, zum Einsatz. Auffallend ist auch die Internationalität der Mitwirkenden. Das Verzeichnis der 38 Designer und Designstudios, die Einblick in ihre Projekte gewähren, liest sich wie das Programm einer Reise um die Welt.

“Grafik Design. Theorie, Konzept, Realisierung” zeigt, wie die Theorie des Grafik Designs in der Praxis umgesetzt wird. Nichts befriedigt die Wissbegier spannender und nachhaltiger, als als ein Blick hinter die Kulissen. Das Konzept geht auch in Buchform auf.

© Ch. Ranseder

Grafik Design: Theorie, Konzept, Realisierung

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