Geografische Kostbarkeiten

Annäherung an die Ferne
Geografische Kostbarkeiten aus der Österreichischen Nationalbibliothek
ÖNB Prunksaal
24. April bis 8. November ‘09
Annäherungen an die Ferne: Geografische Kostbarkeiten aus der Österreichischen Nationalbibliothek

Es ist doch immer wieder erstaunlich, was aus dem Bestand der Österreichischen Nationalbibliothek für kurze Zeit ans Licht gezaubert wird. Jenes Licht, das für die kostbaren Objekte auf Dauer so schädlich ist, dass sie dem staunenden Publikum nur selten präsentiert werden können, um ihre Brillanz auch für die nächsten Generationen zu erhalten.
Afrika, Asien und Amerika sind die Stationen der Ausstellung, die der Gliederung des berühmten 11-bändigen Atlas Major (1662) von Joan Blaeu folgt.
Und von frühen Berichten bis zum begehrten Sammelobjekten aus fernen Ländern reicht.
Sie sind einzigartig. Sie sind selten oder nie zu sehen. Alles gute Gründe die Ausstellung zu besuchen. Aber der beste Grund ist, dass die Ausstellung exzellent kuratiert wurde. Es werden fantastische Geschichten über Sichtweisen und ihre Veränderungen offenbart. Es wird deutlich herausgearbeitet wie die Welt langsam immer größer wurde und wie das Unbekannte dieser Welt immer schneller weniger wurde.
Und nicht zuletzt wird deutlich, wie nahe sich Wissenschaft, Kunst, Sammelleidenschaft und Geheimhaltung kommen können. Nur kurze Zeit ist eine Seite aus dem 50-bändigen ”Atlas Blaeu-Van der Hem” zu sehen, der alles dies in sich vereint. Seit 2003 steht das Monumentalwerk einer Sammlerleidenschaft - die auch geheimes Material einschloss - auf der UNESCO-Liste Memory of the World als Weltdokumentenerbe.
Geografie, Topografie, kulturelle, wirtschaftliche, politische und naturwissenschaftliche Betrachtungen wurden in Karten und Tagebüchern aufgezeichnet. Einige vermischten Fundiertes und Fiktion, andere hielten sich strikt an das Beobachtete.
Und auch funktionale Land- und Seekarten überschreiten oft die Grenze zur fiktionalen Kunst. Und genau das ist es, was das ausführliche Betrachten selbst für Laien so spannend macht. Jedes Objekt lädt zum intensiven Hinschauen ein. Unendliche Details können entdeckt werden. Details, die nicht nur Verzierung waren, sondern Bezüge zum damaligen Geschehen, den Auftraggebern und Benutzern herstellen.
Schiffe, die beflaggt und unter vollen Segeln Kanonen abfeuern.
Schiffe, die mit vollen Segeln Fahrt aufnehmen.
Seeungeheuer, die den Längengrad durchschwimmen.
Einheimische in ihren Booten , die sich auf die offene See wagen.
Tiere, die faszinierten oder als landestypisch angesehen wurden.
Natürlich auch die unvermeidlichen Piraten, die bis heute ein Problem der Seefahrt sind, in zeitgenössischen Bildern.
Und besonders spannend sind Berichte und Bilder über ferne Kulturen und fremde Völker. Erstaunlich ist, dass zunächst noch wertfrei abgebildet wird. Weniger überraschend wie schnell sich der Wandel vollzieht und Verachtung, Sklaverei und Völkermord dominieren.
Unglaublich faszinierend, eindrucksvoll und ewig schade, wenn man den Besuch verpasst.
© S. Strohschneider-Laue
Annäherungen an die Ferne: Geografische Kostbarkeiten aus der Österreichischen Nationalbibliothek
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