Philosoph & Wolf

Mark Rowlands
Der Philosoph und der Wolf
Was ein wildes Tier und lehrt
Rogner&Bernhard 2009, 152 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 938045 36 7
Der Philosoph und der Wolf: Was ein wildes Tier uns lehrt
Brenin begleitete seinen Philosophen überall hin - sogar in die Vorlesungen. Am Beispiel dieses ungewöhnlichen Zusammenlebens mit einem Wolf voller Marotten offenbart sich für den Philosophen eine neue Weltsicht. Mark Rowlands gelingt es Philosophie am tierischen Beispiel so fesselnd zu schildern, dass man das Buch erst zur Seite legt, wenn die letzte Seite erreicht ist. Und selbst dann legt man das autobiografische Werk nur ungern aus der Hand.
Wolfswelpen 500 $ + Reparatur der Wohnung 500 $ = 0 $ Kontostand. Diese ganze Minusrechnung entstand innerhalb einer Stunde, aber Geld bedeutet nichts und ein dagegen Rudelmitglied alles. Diese Erkenntnis ist die erste, der sich Rowlands stellen muss als der Wolfswelpe Brenin das Zusammenleben mit ihm begann. Der Unterschied zeigt sich schon dadurch, dass man nicht “Wolfsbesitzer” - abgesehen vom rechtlichen Status den man hat, wenn man den Schaden zahlen muss - ist, sondern mit einem Wolf zusammenlebt.
Wölfe sind nicht gerne von ihrem Rudel getrennt. Sie langweilen sich überaus schnell und ihre Selbstbeschäftigungstherapie kostet rasch viel Geld. Die marginale Grundregel “lass’ mich nicht allein” führte dazu, dass Brenin Rowlands ständiger Begleiter wurde. Egal ob Vorlesungen, Reisen oder Übersiedelungen von Amerika nach Europa, Brenin war immer dabei. Die StudentInnen wird es gefreut haben, wenn Brenin im Hörsaal zu heulen begann. Vermutlich hätten sie gerne ab und an eingestimmt. Die Nachbarin in Irland verdankte Brenin, dass ihr Exmann durch Brenins Rudelmenschen in die Schranken gewiesen wurde. Ein guter Anlass für Rowlands sein Verhalten, wie des Öfteren in Zusammenhang mit Brenin, bei dieser “Nachbarschaftshilfe” einem Zivilisations-TÜV zu unterziehen. Das Zusammenleben mit Brenin prägte sicherlich auch den Wolf, aber in erster Linie beeinflusste es die Sichtweisen des Philosophen. Fundamentale Erkenntnisse rund um menschliche Wertesysteme, Zivilisation, Freundschaft, Liebe, Hoffnung und Tod werden anhand dieser Erfahrungen hinterfragt und neu bewertet. Elf anstrengende aber unvergleichliche Jahre enden mit dem Tod Brenins in Frankreich.
Schreiben ist mehr oder weniger für AutorInnen Therapie. Bei Rowlands war es nicht anders und er musste den Verlust seines Rudelmitglieds verarbeiten. Deshalb bleibt von Brenin mehr als dieses Buch, denn Rowlands teilt den gewonnenen Lebenssinn, Verantwortung und nicht zuletzt Liebe mit den LeserInnen. Nicht nur die Studenten hat es gefreut Brenin kennenzulernen, sondern auch mich - auf jeder einzelnen Seite des Buches.
© S. Strohschneider-Laue
Der Philosoph und der Wolf: Was ein wildes Tier uns lehrt
The Philosopher and the Wolf
The Philosopher and the Wolf: Lessons from the Wild on Love, Death, and Happiness
siehe auch
Oxford Center for Animal Ethics
Tags: Biologie, Ebensolch Rez-E-zine 52/09, Humor, Kommunikation, Literatur, Sistlau