Das Porträt

Notiz

Das Porträt - Fotografie als Bühne
Kunsthalle Wien
3. Juli bis 18. Oktober ‘09

Ausstellungsansicht/exhibition view Kunsthalle Wien © Foto/photo: Stephan Wyckoff, 2009: Gerhard Klocker, Courtesy der Künstler/the artist © Gerhard Klocker

Seit dem 19. Jahrhundert hat die Porträtfotografie kontinuierlich an breitenwirksamen und preisgünstigen Stellenwert gegenüber der Malerei oder Bildhauerei gewonnen. Und  selbst die Motivation zu porträtieren hat sich durch die Fotografie weiterentwickelt. Das Porträt kann Abbild oder Charakterstudie, Pose oder Momentaufnahme sein. Die Aufnahme kann Anonymität oder Intimität vermitteln. Aber eines ist das Porträt in jedem Fall: Zeitzeichen.
Die Schau in der Kunsthalle Wien widmet sich den Porträtfotografie ab 1980 mit Werken von Roger Ballen, Tina Barney, Valérie Belin, Dirk Braeckman, Clegg & Guttmann, Andrea Cometta, Anton Corbijn, Rineke Dijkstra, Amy Elkins, JH Engström, Bernhard Fuchs, Albert García-Alix, Luigi Gariglio, Anthony Gayton, Nan Goldin, Greg Gorman, Kathy Grannan, Jitka Hanzlová, Peter Hujar, Jean-Baptiste Huynh, Leo Kandl, Barbara Klemm, Gerhard Klocker, Andreas Mader, Sally Mann, Robert Mapplethorpe, Hellen van Meene, Judith Joy Ross, Thomas Ruff, Stefano Scheda, Beat Streuli und Wolfgang Tillmans (Kulturpreis 2009).

Valérie Belin, Untitled, 2006, aus der Serie/from the series Models II © Valérie Belin, VBK Wien,2009, Courtesy of Michael Hoppen Contemporary, London and Valérie Belin Luigi Gariglio, Naomi, Torino (I), 2005, aus der Serie/from the series Lap Dancer, Museo di Fotografia Contemporanea, Cinisello, Milano © Luigi Gariglio 
Jean-Baptiste Huynh, Christian Portrait III, 2004, Privatsammlung / Private Collection, © Jean-Baptiste Huynh 
Zwischen Porträts liegen Welten und die Spannung, die sich zwischen Voyeur und Exhibitionist während des fotografischen Akts aufgebaut hat. Egal ob formalistische Studiofotografie, fotografische Dokumentation oder unverfälschte, schnappschussartige Tagebücher, sie haben den gelenkten Blick gemeinsam. Geschminkt oder ungeschminkt, das ausdruckslose, nackte “Passfoto”, entkleidet von Attribut und Aussage erschließt sich nur durch Zusammenspiel von Foto und künstlerischem Gesamtkonzept der FotografInnen.

Anton Corbijn, David Bowie, Chicago, 1980, © Anton Corbijn, Courtesy der Künstler/the artist, Galerie Anita Beckers, Frankfurt Amy Elkins, Bon, Brooklyn, NY, 2008, aus der Serie/from the series Wallflower © Amy Elkins, Courtesy Yancey Richardson Gallery, New York 
Greg Gorman, Heath Ledger, Venice, 2004, © Greg Gorman Anthony Gayton, Prince R. at seventeen, shortly before his marriage, 2008, aus der Serie/from the series Ladslove © Anthony Gayton

Die Inszenierung des Porträts liegt zwischen Verletzlichkeit und Herausforderung und spiegelt die Beziehung zwischen den ProtagionistInnen vor und hinter der Kamera.

Roger Ballen, Dresie and Casie, twins, Western Transvaal, 1993, Münchner Stadtmuseum, © Robert Ballen Robert Mapplethorpe, Ken Moody and Robert Sherman, 1984, © Robert Mapplethorpe Foundation, New York. Used by permission.

Berührend, beklemmend, verstörend sind die absoluten Blicke gegenüber dem inszenierten Blicke. Politische und soziale Realitäten, ganz abseits von Gefühl oder Urteil. Beobachtend, festhaltend, aufzeigend, dokumentarisch haben sie bereits erzählerische Qualitäten bevor sich noch das Gesamtkonzept der Serie erschließt.

Beat Streuli, Eighth Avenue/35th Street 02, 2003 © Beat Streuli, Courtesy Galerie Conrads, Düsseldorf Leo Kandl, Georges NYC, 25. Februar 2000, Courtesy Leo Kandl 

Katy Grannan, Ghent, NY), 1999, © Katy Grannan, Courtesy Greenberg Van Doren Gallery, New York; Fraenkel Gallery, San Francisco; Salon 94, New York Tina Barney, Mark, Amy, and Tara, 1983 © Tina Barney, Courtesy Janet Borden, Inc., New York

Semidokumentarisches, tagebuchartiges und fotojournalistisches abseits der Studioinszenierungen fangen das Tagesgeschehen, Lebensfacetten von anonym bis privat - über das Porträt - hinaus ein. Ob die privaten Fotoalben außerhalb der jeweiligen Familie inhaltlich und fotografisch von Interesse sind, mag offen bleiben. 

Ausstellen bedeutet mehr als Stellen und Hängen von Objekten, mehr als Kleingedrucktes im Post-it-Format mit Objektdaten, mehr als minimalistische Künstlerinformationen. Dem Publikum muss “die Geschichte” der Objekte und der Gesamtschau erzählt werden. Das macht unter anderem den Unterschied zu einem begehbaren Bilderbuch aus dem der Inhalt abhanden gekommen ist.
Schlicht und interessant, denn wer sehen will, sieht mehr als nur Porträts.

© S. Strohschneider-Laue

Das Porträt - Fotografie als Bühne
Kunsthalle Wien
3. Juli bis 18. Oktober ‘09
 
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