Mut zur Freiheit

Notiz

Petra Unger  
Mut zur Freiheit 
Faszinierende Frauen - bewegte Leben
Metroverlag 2009, 157 S., Sw-Abb.
ISBN 978 3 9025 1781 4

Mut zur Freiheit  Mut zur Freiheit: Faszinierende Frauen, bewegte Leben

Vierzehn Österreicherinnen, die trotz gesellschaftlicher Zwänge ihre Lebensziele abseits traditioneller Rollenbilder verwirklichten: Tina Blau 1845-1916, Tilla Durieux 1880-1917, Margarete Schütte-Lihotzky 1897-2000, Mimi Grossberg 1905-1997, Marie Jahoda 1907-2001, Lotte Lenya 1898-1981, Irene Harand 1900-1975, Ida Maly 1894-1941, Helene von Druskowitz 1856-1918, Friedl Dicker-Brandeis 1898-1944, Cilli Wang 1909-2005, Auguste Fickert 1845-1910, Alma Rosé 1906-1944, Berta Pappenheim 1859-1935.

Strahlendes Sonnengold flutet beim Aufschlagen aus dem Buch. So gülden-verlockend muss die Freiheit für die von Petra Unger vorgestellten Frauen ausgesehen haben, endlich selbstbestimmt agieren zu können. Das männliche “Gatekeepertum” macht Frauen bis heute erfinderisch im Umgehen und/oder kämpferisch im Vorgehen. Wie muss sich Tina Blau, die “Waldmüller-Enkelin” - wurde sie doch von dessen Schüler unterrichtet -, immer wieder gefühlt haben, wenn sie trotz ihres Könnens durch männliches Einschreiten nicht zugelassen, abgedrängt oder ausgebootet wurde. Frauen wurden abgewertet und unterbewertet. Sie hatten bis zum Umfallen zu funktionieren und von göttlicher Männlichkeit Vorgegebenes vorbehaltlos zu akzeptieren. Nicht zu vergessen, dass viele - darunter Tilla Durieux - auch die Hüterinnen der Norm gegen sich hatten. Es war ein steter Kampf um jedes noch so kleine Stückchen Freiheit und berufliche Anerkennung. Auch die gut bekannte Architektin Schütte-Lihotzky wurde vor allem als Einrichterin/Innenarchitektin eingesetzt und wird bis heute auf ihre “Frankfurter Küche” reduziert. Bis auf Lotte Lenya, die arm war und aus dem Gegenteil eines “gutbürgerlichen Hause” stammte, haben sie alle Geld und Bildung gemeinsam. Was sie inhaltlich aber eint, war der unbändige Wille ihre Leben nach ihren eigenen Bedingungen und gegen jeden Widerstand zu leben. Bei Ida Maly (ermordet in Hartheim) und Helene von Druskowitz führte es in die geschlossene Anstalt. Für Bertha Pappenheim (Anna O.) war der Beginn ihrer Selbstbestimmtheit zugleich ihr Weg aus Behandlung und Sanatorium.

Die umrissenen Leben werden von Petra Unger auf ihre Essenz reduziert. Wer mehr wissen möchte, findet in der Bibliographie vertiefende Literaturhinweise. Die Lektüre ist bewegend, aufrüttelnd und, angesichts der sich verschärfenden Wirtschaftskrise, von zunehmender Aktualität. Alle Versammlungen und Repräsentationen von Stadt und Land haben ein entsprechendes Quantum von Frauen aufzuweisen war 1905 eine der zukunftsweisenden Forderungen der Philosophin Helene von Druskowitz. Schade, dass man das Buch nicht zur Pflichtlektüre für Männer machen, sondern nur empfehlen kann, aber “frau” sollte es allen Mädchen auf das Kopfkissen legen.

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