Im DETAIL: Ausstellen und Präsentieren

Non-Fiction

Christian Schittich (Hg.)  
im DETAIL
Ausstellen und Präsentieren. 
Museumskonzepte, Markeninszenierung, Messedesign

Birkhäuser 2009, 176 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 7643 9954 2

Im Detail: Ausstellen und Präsentieren: Museumskonzepte, Markeninszenierung, Messedesign

Siebenundzwanzig Museumsbauten, Ausstellungen, Brand Center, Supermärkte und Messestände werden in dem reich bebilderten Buch “Ausstellen und Präsentieren. Museumskonzepte, Markeninszenierung, Messedesign” vorgestellt. Die Aufmerksamkeit gilt in erster Linie der architektonischen Hülle, die als Bühne für die zur Schau gestellten Exponate oder Waren dient. Sie ist zugleich Lockvogel, gebautes Verkaufsgespräch und - gerade für Kulturinstitutionen, die vom Bilbao-Effekt träumen - Hoffnungsträger. Bis auf wenige Ausnahmen konzentrieren sich die Texte der steckbriefartigen Projektbeschreibungen auf die technischen Aspekte der jeweiligen Bauaufgabe. Präsentationskonzepte und die Disposition von Exponaten und Ausstellungselementen in den Räumen werden in Hinblick auf ihre Interaktion mit der gebauten Substanz, die ja gerade im Fall der Corporate Architecture eine Botschaft vermitteln soll, kurz geschildert. Grundrisse, Schnitte und Isometrien ermöglichen die virtuelle Orientierung. Exzellente Fotos vermitteln einen Eindruck der für die hochwertigen Gestaltungslösungen zum Einsatz gekommenen Materialien sowie der Wirkung des Raumes. Dimensionen und Kosten können anhand der Projektdaten verglichen werden. Leider machen Detaillösungen der eigentlichen Objektpräsentation beim Design der Vitrinen halt. Für das verführerische Zurschaustellen von frischem Gemüse mag dies keine Rolle spielen. Im kulturellen Sektor hingegen steht oder fällt der Erfolg einer Inszenierung historischer Artefakte mit dem “wie” der Befüllung der Vitrine bzw. Bestückung der sonstigen Präsentationssysteme nach den, vom Gestalter umzusetzenden, Vorgaben des kuratorischen Ausstellungskonzepts und der Storyline, die sich im Buch auf kurze Gastauftritte beschränken. Der im Rahmen der Projektbeispiele, unter denen sich nur wenige kulturhistorische Ausstellungen befinden, eng gesetzte Focus ist sichtlich auf ein aus Architekten und Designern, die das große Ganze im Auge haben, bestehendes Zielpublikum zugeschnitten.

Dennoch sei das Buch “Ausstellen und Präsentieren” auch Gestaltern, deren Wurzeln in anderen Disziplinen liegen, sowie wissenschaftlichen und künstlerischen Kuratoren ans Herz gelegt. Außer der heterogenen Sammlung von Fallbeispielen bietet der Sammelband auch Aufsätze zu einer Vielzahl von Themen, die für das komplexe Aufgabengebiet der Kommunikation mittels Raumerfahrung relevant sind. Der Primat des Kommerzes ist auch hier nicht zu übersehen.

Der dem musealen Umfeld gewidmete Themenblock am Beginn des Buches wird von Christian Schittichs Essay zu aktuellen Museumskonzepten eingeleitet. Ihm folgen zwei an Gedankennahrung reiche Artikel, die zur Pflichtlektüre für Kulturwissenschaftler und Ausstellungsgestalter werden sollten.

Ruedi Baur setzt sich in “Ausstellen - Vom Löffel bis zum Staat” kritisch mit der Bandbreite unterschiedlicher Ausstellungsarten sowie der Vielzahl an Möglichkeiten der Verknüpfung von narrativem Inhalt und szenografischer Umsetzung auseinander. Über den Prozess des Gestaltens von Ausstellungen und die Realisierung körperlich erfahrbarer Raumerlebnisse in unterschiedlichen musealen Präsentationsmodi erzählen in “Zeigen und zeigen lassen” HG Merz und Patrick Wais.

Die Themenblöcke Markeninszenierung und Messedesign gehen Hand in Hand. Alles dreht sich um die, bei der Platzierung eines Unternehmens im Wettlauf um die Aufmerksamkeit der Konsumenten und der Bindung derselben durch die Verheißungen der Marke eingesetzte, Corporate Architecture. Ihre entscheidende Rolle streichen sowohl Jons Messedat in “Gebaute Identität. Architektur - Design - Kommunikation” als auch Susanne Schmidhuber in “Temporäre Architektur für Marken nachhaltig gestalten” heraus. Teilaspekten des Weges zum Ziel, den Kunden kostengünstig und nachhaltig zu umgarnen, widmen sich Thomas Schielke in “Präsentieren im richtigen Licht” und Günther Röckl in “Messebausystem oder Sonderanfertigung”.

Der in der Reihe “im DETAIL” erschienene Band “Ausstellen und Präsentieren” macht mit dem Nebeneinander von Projekten aus Kommerz und Kultur Unterschiede und Gemeinsamkeiten sichtbar. Manches mutet austauschbar an. Jede Zeit hat nicht nur ihre Kunst, sondern auch ihre Architektur. Ich fürchte, die Liebe zu Sichtbeton und Kubus wird uns noch eine Weile begleiten.

Bücher wie “Ausstellen und Präsentieren” schärfen den Blick und regen dazu an, jene Gebäude und Ausstellungen, die über Permanenz verfügen, zu besuchen. Schließlich geht nichts über die räumliche Erfahrung vor Ort und die Qualität des Besuchererlebnisses - sehr zur Freude der Betreiber der diversen Einrichtungen, vom Museum bis zum Flagship-Store.

© Ch. Ranseder

Im Detail: Ausstellen und Präsentieren: Museumskonzepte, Markeninszenierung, Messedesign

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