Innovationen für den Journalismus

Susanne Fengler, Sonja Kretzschmar (Hgg.)
Innovationen für den Journalismus
VS Verlag 2009, 165 S.
ISBN 978 3 5311 5450 3
Innovationen für den Journalismus
Die Spirale von Fortschritt und Veränderung dreht sich immer rasanter. Auch die Medienwelt ist davon erfasst. Der Journalismus hat im letzten Jahrzehnt eine massiven Wandel in Verarbeitung von Input und Erstellen von Output sowie in den dazwischen befindlichen redaktionellen Belangen erfahren.
Die Reihe Kompaktwissen Journalismus hat zum Ziel die Ergebnisse aus Wissenschaft und Praxis in Lehrbüchern zu vereinen. Die Herausgeberinnen arbeiteten für diesen Band mit den Medienprofis Soheil Dastyari, Gabriele Fischer, Kai Gniffke, Christoph Keese - im Autorenverzeichnis fehlend -, Marcus Lindemann, Christoph Moss, John V. Pavlik und Jens Radü zusammen. In zwölf Kapiteln und einem Exkurs werden Aspekte des Redaktionsmanagements, Leserkommunikation, Darstellungsformen, Themenfindung, Recherche, aber auch weiterführende Aspekte, die oft vergessen werden, wie Bedürfnisperspektive, Technik und Ethik, werden einer näheren Betrachtung unterzogen. Zugleich wird der Inhalt - bis auf ein schmerzlich vermisstes Register im Anhang - benutzerfreundlich gegliedert. Praxisbeispiele, Lernziele sowie Zusammenfassungen am Schluss der Kapitel werden zusätzlich optisch hervorgehoben.
An der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis angesiedelt, ist der Band guter Ausgangspunkt für Diskussionen. Diese Schnittstelle bietet ausreichend Reibungsflächen, die letztlich wiederum die Stärke von “Innovationen für den Journalismus” ausmachen. Erfahrungen mit und Sichtweisen auf Recherchen oder Arbeitsabläufe zeigen, dass bei aller aufgezeigten Effizienz letztlich die redaktionelle Zielsetzung prägend für den Umgang mit und die Verarbeitung von In- und Output ist.
Journalistisches Transportieren von Inhalten trifft somit auch auf wissenschaftliches Publizieren. Gemeinsam ist beiden Seiten, Qualitätskriterien zu finden, die für Journalismus im größeren Rahmen des schnelllebigen digitalen Zeitalters maßgeblich sein sollen. Und das, obwohl sich gar nicht so viel geändert hat. Es geht in einer - zugegebenermaßen - vielfältigeren Publikationspalette immer noch um inhaltliche Qualität und zielgruppenorientierte Vermittlung bei größtmöglicher Effektivität. Geändert hat sich die Konkurrenz hinsichtlich Struktur und Umfang. Niemals zuvor war es für “Otto Normalverbraucher” so einfach und so billig selbst auf Sendung zu gehen, zu veröffentlichen, einen öffentlichen Stammtisch zu betreiben. So vielfältig die Laienanbieter sind, so unterschiedlich sind auch der gebotene Inhalt und die Qualität. Deshalb gilt es wie bisher für LeserInnen jede Nachricht hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit einer genauen Personal- und Contentkritik zu unterziehen. Daher ist es ebenso fragwürdig Blogs pauschal als Graswurzeljournalismus von wenig vertrauenswürdigen Laien zu bezeichnen, wie es unkritisch ist kommerzielle und öffentlich-rechtliche Nachrichtenlieferanten automatisch für vertrauenswürdig zu halten. Im Ethikkapitel wird dies nochmals deutlich, wenn die verhängnisvolle Verquickung des Journalismus mit Kommerz und Politik angesprochen wird. Der Profijournalismus ist dabei sein Claim neu zu definieren und deutlich gegenüber der Laien-Grauzone abzustecken, dass viele Journalisten auch Blogger sind, wird nicht weiter diskutiert.
Die Berichterstattung aus Politik und Wirtschaft stehen bei den vorgelegten Insider-Betrachtungen im Vordergrund. Dass in einem Journalismus-Buch unglückliche Formulierungen Platz finden, ist teilweise ebenso unterhaltsam wie befremdlich. Opernkritiker, die in die Ecke der Verhaltensaufälligen gerückt werden, locken noch ein Schmunzeln hervor. Befremdlich ist hingegen, wenn schnelle Berichterstattung als wenig konzentrationsintensiv dargestellt wird - es erklärt aber so manche Ente. Wichtig ist hingegen, dass auf die wachsende Problematik der Urheberrechtsverletzungen eingegangen wird, die digital schneller machbar, aber auch leichter strafrechtlich verfolgbarer ist. Naiv, wer glaubt, dass Journalisten nur Opfer wären.
“Innovationen für den Journalismus” bietet sehr spannende Einblicke in Redaktionsstrukturen. Darüber hinaus werden wichtige Bereiche von der Qualitätssicherung bis zu ethischen Fragen angesprochen. Das Spannungsfeld von Profis und Laien wird angesprochen. Es würde aber eine umfassende und sachliche Betrachtung, nicht nur hinsichtlich des Journalismus, verdienen - vielleicht sogar einen eigenen Band in dieser neuen Reihe “Kompaktwissen Journalismus”.
© S. Strohschneider-Laue
Innovationen für den Journalismus
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