Archäologie: Europäische Straßen

Non-Fiction

Thomas Szabó (Hg.)
Die Welt der europäischen Straßen
Von der Antike bis in die Frühe Neuzeit
Boehlau 2009, Dt., Eng., Fr., Ital., Span., 378 S., sw. Abb.
ISBN 978 3 4122 0336 8

 Die Welt der europäischen Straßen: Von der Antike bis in die Frühe Neuzeit

Eine urgeschichtliche, antike oder mittelalterliche Straße ist mehr als eine interessante und oft schwer nachweisbare Baustruktur. Wege und Straßen stellten - oft über weite Strecken - vielfältige Verbindungen her. Dabei darf nicht vergessen werden, dass großräumige Straßennetze bis in die Gegenwart hinein nur vordergründig zum Transport von Handelsgütern und dem Personenverkehr dienen. Straßen ermöglichten in Zeiten vor der Entdeckung moderner Kommunikationsmittel wie der Telegraphie raschen Austausch von Informationen und Befehlen sowie dem Militär effiziente Truppenverschiebungen. Genau aus diesen Gründen war - und wird - die staatliche Finanzierung von Hauptverbindungen gewährleistet, während das Nebenstraßensystem mehr oder minder ein Anrainerproblem blieb. Nicht überschätzt werden darf der Personenverkehr, der selbst in Knotenpunkte wie der Großstadt Byzanz, in der Fernhandelswege und Heerstraßen eine Rolle spielten, gering war. Ein bedeutender Faktor ist der mit guten Straßen einhergehende wirtschaftliche und kulturelle Austausch, wobei der “Ideentransport”, der ebenfalls von den Straßen profitierte, am schwersten wissenschaftlich fassbar ist. 

Die Beiträge belegen ab den frühen Bohlenwegen aus der Mitte des 4. Jahrtausends, dass bestehende naturräumliche Gegebenheiten im Zusammenspiel mit historischen, politischen, religiösen und wirtschaftlichen Faktoren den Aufbau eines Straßennetzes in vieler Hinsicht zugleich förderlich wie abträglich sein konnten. Das baulich und rechtlich systematisierte antike Straßensystem, das sich seinerseits an bestehenden Wegenetzen orientierte, ist auf Grund der schriftlichen und archäologischen Quellenlage oft besser fassbar als Straßenstrukturen früherer oder sogar nachfolgender Epochen. Es bildet zudem vielerorts die Basis nachfolgender Straßen. 

Straßenforschung ist ohne interdisziplinäre Kooperationen nicht denkbar. Die Sichtung von Schriftquellen sowie die Gewinnung und die Aufarbeitung archäologischer Funde und Befunde sind erforderlich, um solide wissenschaftliche Ergebnisse zu erzielen. Sicher ist, Altstraßen beeinflussten historische Entwicklungen maßgeblich und die Gegenwart wäre ohne sie undenkbar.

Der Sammelband des gleichnamigen Kolloquiums in Göttingen (2006) bietet trotz seiner sprachlichen Hürden einen exzellenten Überblick zur Forschungsgeschichte und zum aktuellen Stand der Straßenforschung. Die Abhandlungen von 19 WissenschafterInnen beziehen Stellung zu “Antike”, “Das europäische Mittelalter”, “Die Zeugnisse der Archäologie”, “Die Straßen in der mittelalterlichen Literatur und Kunst”, “Von der Kartographie zu den Poststraßen” und “Das Straßenwesen in der Neuzeit”. Eine wesentliche Schwachstelle des fünfsprachigen Bandes zeigt sich in fehlenden mehrsprachigen Zusammenfassungen der Artikel. Es wäre Pflicht der Wissenschaftsredaktion gewesen für Resümees in Deutsch und Englisch Sorge zu tragen. Das gute zusammenfassende Nachwort zu “Ergebnissen und Problemen” von Thomas Szabó entschädigt für das Fehlen jedenfalls nicht. 

© S. Strohschneider-Laue

Die Welt der europäischen Straßen: Von der Antike bis in die Frühe Neuzeit

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