Kundinnen I

Alltagsdrama: Sprachfrau trifft auf Baumarktmann

Neulich wollten wir unsere Wohnung wieder etwas auffrischen. Eine neue Brausetasse sollte es unter anderem sein. Bei solchen Gelegenheiten möchte man nicht die gleichen Fehler - egal ob geschmäcklerischen oder bautechnischen - wiederholen und nochmals zehn Jahre den Anblick der letzten Fehlentscheidung ertragen müssen. Wir einigten uns auf ein technisch-futuristisch anmutendes Badezimmerdesign. Möglichst viel Chrom und Glas sowie möglichst kein weißes Porzellan oder Plastik sollte es sein.
Dass Männer und Frauen nicht die dieselbe Sprache sprechen - auch wenn sie die gleiche nutzen -, dürfte wohl allgemein bekannt sein. Dass das Zuhören und Verstehen aber auch wesentliche Aspekte sind, wird immer unter den Tisch gekehrt. Wie gravierend sich dies beim Einkaufen auswirken kann, wenn es nicht um Grundnahrungsmittel, Hygieneprodukte und Bekleidung geht, sei hier am ersten Beispiel dargestellt. Es war ein Ding der Unmöglichkeit den diversen Angestellten in den zahlreichen Baumärkten und Heimwerkerzentren diese Wünsche darzulegen. Die Dialoge zwischen den durchwegs männlichen Angestellten und mir - definitiv Frau - entspannten sich zusammenfassend etwa so:
Ich: Guten Tag, ich bräuchte ein Brausetasse - möglichst 90 x 90 - im Nirosta-Design.
Er: So was gibt’s nicht.
Ich: Was gibt’s nicht, die Größe oder das Nirosta?
Er: Die Größe gibt’s schon.
Ich: Haben Sie wirklich keine Metalltassen?
Er: Doch, aber das baut man heute nicht mehr ein. Die Restbestände stehen dahinten in der Ecke.
Ich: Nein, die meine ich nicht. Das sind Emailwannen.
Er: Was? Bei E-Mail haben’s wohl was verwechselt. HAHAHA
Ich: Sehr witzig, selten so gelacht. Das ist Gusseisen mit Emailschicht - was nichts mit E-Mail zu tun hat. Ich will ein Hochglanz-Edelstahl-Produkt. Sehr hygienisch, wenn Sie das verstehen.
Er: So was gibt’s gar nicht. Putzen muss man sowieso alles.
Ich: Es geht nicht ums Putzen, sondern um Material und Oberflächenqualität. Brausetassen aus Nirosta gibt’s sehr wohl. Nirosta wird oft in Fabriken oder auf Raststationen eingebaut.
Er: Wenn’s so schlau san, dann schau’n mir mal in den Katalog, da ist alles drin was’ gibt.
Gelangweiltes Blättern folgt, wobei sämtliche Plastik- und Emailwannen von ihm triumphierend durch Fingerklopfer hergezeigt werden. Da schaun’s her, so schau’n Brausetassen aus.
Ich (bereits ausgereizt): Guter Mann, ich bin sogar mit der Benutzung vertraut. Ich will aber eine aus Metall ohne Email. So ein Ding, das aus schaut wie eine Küchenspüle, bloß die flache und quadratische Variante, zum Reinstellen von Menschen.
Er: Warum sagen’s das nicht gleich? Das haben wir hier gleich hier.
Er stapfte zwei Regalreihen weiter. Zufrieden zeigte er auf ein rechteckiges Metallobjekt, das meinen Wünschen nur mit äußerster Fantasie ähnlich war. In den mediterranen Ländern nennt man so etwas eine Stehtoilette.
“Baumarktberatung” ist ein Oxymoron und ich war einem “Ox-Moron” ausgeliefert.
© S. Strohschneider-Laue
siehe auch Kundinnen II
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