Prinz Eugen - Feldherr, Philosoph und Kunstfreund

Prinz Eugen - Feldherr, Philosoph und Kunstfreund
Belvedere 11. Februar bis 6. Juni ‘10
Prinz Eugen Feldherr Philosoph: Der edle Ritter als europäischer Kulturheros.



Prinz Eugen Franz von Savoyen-Soissons (1663-1736) ist in seiner Sommerresidenz, Belvedere Wien, eine Sonderausstellung gewidmet. In sechs Abschnitten wird der Versuch unternommen, ausgewählte Aspekte seiner Persönlichkeit zu beleuchten und seine Leistungen zu würdigen. Der Franzose mit italienischen Wurzeln machte als Türkenbezwinger in Österreich Militärkarriere. Vor dem Hintergrund einer bewegten Zeit, deren höfische Intrigen die politisch angespannte Lage zusätzlich anheizten, wird das öffentliche Leben von Prinz Eugen vorgestellt.

Vor allem wird dabei Prinz Eugens Bautätigkeit und seine Sammelleidenschaft hinsichtlich Büchern, Gemälden, Pflanzen und Tieren besondere Beachtung gezollt. Das Belvedere steht dabei nicht nur als Präsentationsfläche zur Verfügung, sondern bildet zu gleich den passenden Mittelpunkt. Die Residenz des Prinzen war und ist bis heute eines der schönsten und geschmackvollsten Schlösser Österreichs. In vielen Bereichen noch im Originalzustand, fehlt dennoch Wesentliches, um den Geist des ehemaligen Bewohners spürbar werden zu lassen: Die unermessliche Sammlung.

Für kurze Zeit gelingt es, diese vergangene Pracht - trotz der Fülle exzeptioneller Exponate nur in kleinen Ansätzen - sichtbar zu machen. Selbst im Kriegslager beschäftigte sich Prinz Eugen mit Bauplänen und Ankäufen für seine Sammlung.
Er kaufte niemals unbedacht, auch wenn er hin und wieder überhöhte Preise zahlte, denn es standen ihm ausgezeichnete Berater zur Seite. Und seine Planungen waren niemals oberflächlich. Sie betrafen nicht nur den Ankauf, sondern auch die Verpackung und den geeigneten Transport.
Naturwissenschaftlich interessiert, war es ihm daher auch wichtig exotische Wildtiere artgerecht über Unterbringung bis hin zum geeigneten Futter zu halten.
Ungewöhnlich für eine Zeit in der Tiere zur Hatz und Belustigung dienten. Ein Schicksal, dass den Tieren nach dem Tod des Prinzen nicht erspart blieb. Sie wurden an Schausteller verkauft.
Die Bibliothek des Prinzen Eugen war und ist bis heute legendär. Seine Bücher bilden den Grundstock der heutigen Österreichischen Nationalbibliothek. Etliche Werke sind so einzigartig, dass sie in dieser Ausstellung aus konservatorischen Gründen nicht im Original gezeigt werden und man mit vielen Faksimiles vorlieb nehmen muss. Unverständlich ist zuweilen für die Schau getroffene Auswahl der Bücher. Etliches lässt sich weder durch Präsentationsform, inhaltlichen Zusammenhang noch durch Beschriftung erschließt. So hätte man u. a. erwarten dürfen, dass man von der berühmten Tabula Peutingeriana (mittelalterliche Abschrift aus dem 13. Jh. einer römischen Straßenkarte des 4. Jh. n. Chr.) jenes Blatt auswählt auf dem Wien zu sehen ist. Dass es sich ehemals um eine Pergamentrolle und nicht um Einzelblätter gehandelt hat, wird dem Laienpublikum in dieser Präsentationsform ebenfalls verborgen bleiben. Was bleibt, ist jedenfalls der Eindruck von vielen, schönen und wertvollen Büchern.

Die Ausstellung spart weitgehend Persönliches aus. Das anscheinend als heikel empfundene Thema “Homosexualität” gehört auch dazu und man versäumt dadurch die Gelegenheit den tatsächlichen Menschen hinter dem Kriegshelden, Kunst- und Büchersammler darzustellen. Dafür beschäftigt sich der letzte Ausstellungsraum um so großzügiger mit dem Verbleib des Erbes. Der politische Entscheid, der sich leicht als juristisch korrekter Entscheid darlegen lässt, zu Gunsten der Nichte Prinz Eugens, führte zu einer massiven Ausverkauf des enormen Erbes. Ankäufe, die das Kaiserhaus nicht hätte tätigen können, wenn statt Prinzessin Anna Maria Viktoria von Savoyen Kardinal Colonna geerbt hätte. Ohne die prekäre Ausgangssituation der Erbin, ein typisches Frauenschicksal dieser Zeit, dem interessierten Publikum hinreichend darzulegen, entsteht ein völlig anderer Eindruck. Was bleibt, ist die Büste einer älteren, übergewichtigen Frau, die in ihrer Lebensechtheit das Bild einer gierigen, hässlichen Banausin in den Köpfen der BesucherInnen verankern hilft.
Fazit: Unbedingt ansehen, aber zum tieferen Verständnis sind Führung und Katalog nötig!
© S. Strohschneider-Laue
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Tags: Ausstellung, Österreich, Biografie, Ebensolch Rez-E-zine 59/10, Katalog, Neuzeit, Wien