Rahmenkunst

Bayerische Staatsgemäldesammlungen München (Hg.)
Rahmenkunst
Auf Spurensuche in der Alten Pinakothek

Hatje Cantz 2010, 264 S., zahlre. Farbabb.
ISBN 978 3 7757 2606 1

Rahmenkunst: Auf Spurensuche in der Alten Pinakothek

Was wäre ein Gemälde ohne einem passenden Rahmen! Er gibt der Leinwand Halt, definiert die Grenze des Dargestellten und erleichtert die Integration des Bildes in ein übergreifendes Raumkonzept. Meist nicht minder kunstvoll gefertigt als das Werk, das er schützend umschließt, sollte er dieses dennoch nicht überstrahlen.

Wie vielfältig die Designaufgabe, einen Bilderrahmen zu entwerfen, gelöst werden kann, zeigen 91 erlesene Exemplare, die für das schmucke Buch “Rahmenkunst” aus dem Bestand der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen ausgewählt wurden. Vom schlichten schwarz-goldenen Leistenrahmen bis zum nahezu vollplastisch geschnitzten und üppig vergoldeten Prunkrahmen reicht deren stilistisches Spektrum.

Fünf reich illustrierte Essays werfen Licht auf die Herstellung von Bilderrahmen und die Einrichtung von Galerien im 18. Jahrhundert, das Wechselspiel zwischen der Art der Hängung und der für passend erachteten Rahmenleisten sowie die Geschichte der Rahmensammlung der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Besonderes Augenmerk wird auf die Ausstattung der Residenz Würzburg mit Gemälderahmen gelegt.

Eine Abbildung im Textteil des Buches, die vier Hofdamenporträts von Hans Schöpfer d. J. zeigt, erweist sich als besonders aufschlussreich. Jedes der Frauenbildnisse aus dem 16. Jahrhundert ist anders gerahmt. Die Variationen reichen von der schlichten grauen Leiste des Originalrahmens bis zu einer Neurahmung im Stil des Rokoko. Die Gegenüberstellung zeigt einerseits deutlich, wie subtil eine Rahmung die Wirkung eines Gemäldes beeinflusst. Andererseits ist sie auch ein Hinweis darauf, dass Bild und Rahmen von ihren Besitzern nur selten als untrennbare Einheit gesehen wurden. Mit jedem Rahmenwechsel erhielten die Gemälde einer Sammlung ein neues, dem Geschmack der Zeit entsprechendes Kleid, um mit der Innenraumgestaltung zu harmonieren.

An der Herstellung eines Rahmens waren zahlreiche Handwerker beteiligt, darunter Kistler, Bildhauer und Vergolder. Nicht nur Holz wurde verarbeitet und mit Blattgold oder -silber veredelt. Unter den Bilderrahmen, die in dem Buch “Rahmenkunst” bestaunt werden können, sind auch jeweils ein Exemplar mit einer aufgelegten Platte aus Jaspachat, mit Strohintarsien und mit einem Muschel- und Ledermosaik zu finden.

Im großzügig gestalteten Katalog wird jeder Rahmen seitenfüllend abgebildet. Einer detaillierten Beschreibung können Informationen zu Besonderheiten, Herstellung, Provenienzgeschichte und zugehörigem Gemälde entnommen werden. In einigen Fällen wird auch die Rahmenrückseite wiedergegeben, um eine Schlagmarke, Aufkleber oder Beschriftungen zu zeigen.

Am Beginn des chronologisch geordneten ersten Katalogteils, der einen Überblick über die Rahmenkunst gewährt, steht ein um 1560 geschaffener runder Kapselrahmen. Den zeitlichen Abschluss des Streifzugs durch die Rahmenkunst macht ein um 1830 datierender Empirerahmen.

Viele der im Buch vorgestellten Galerie- und Kabinettrahmen entstanden im Zusammenhang mit Raumausstattungen bayerischer Schlösser, Residenzen und fürstlicher Gemäldegalerien. Im zweiten Teil des Katalogs sind die Rahmen daher nach den Orten, für die sie angefertigt wurden, gereiht.

“Rahmenkunst” ist ein Buch voller Überraschungen, das dazu animiert beim nächsten Museumsbesuch nicht nur den gemalten Kunstwerken, sondern auch ihren wunderbaren Rahmen Aufmerksamkeit zu schenken

© Ch. Ranseder

Rahmenkunst: Auf Spurensuche in der Alten Pinakothek

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