Giftmord

Helga Schimmer
Giftmord
Gerichtschemiker in ihrem Element
Kremayr&Scheriau 2009, 192 S., Sw.-Abb.
ISBN 978 3 2180 0801 3
Giftmord: Gerichtschemiker in ihrem Element
Wie die Gerichtsmedizin zur heutigen Wissenschaft wurde, bietet die Grundlage zu den nachfolgenden spektakulären, unheimlichen und nahezu perfekten Todesfällen durch Gift. Säuberlich in giftige Elemente und anorganische Verbindungen sowie toxische organische Verbindungen getrennt, legt Helga Schimmer die passenden Verbrechen zu den entsprechenden Substanzen vor. In flotter journalistischer Manier wird erzählt, wie forensischen Toxikologen die jeweiligen Fälle nachweisen konnten.
Über die Wirkung und den Erfolg von Gift war man vermutlich schon in Urzeiten, aber ganz sicher ab der Antike bestens informiert. Den Nachweis des freiwilligen oder meist eher unfreiwilligen Giftkonsums zu erbringen, war - und ist es teilweise heut noch jedenfalls - nicht so einfach. Mal ganz abgesehen davon, dass bekanntlich “die Dosis das Gift macht”, kann in kleinen Mengen durchaus Verträgliches - wie z. B. Alkohol - in großen Mengen konsumiert zum Tode führen. Die minutiöse wissenschaftliche Spurensuche und ihre Beweise konnten sich vor Gericht außerdem nicht seit jeher behaupten. Auch James Marsh musste 1836 erst einen besseren Arsennachweis als den des Homöopathen Samuel Hahnemann entwickeln - die sog. Marshsche Probe -, um seine wissenschaftliche Glaubwürdigkeit vor Gericht durchsetzen zu können. Wegen der guten Nachweisbarkeit ist Arsen bei Giftmischern aus der Mode gekommen - zumindest solange bis die Gerichtsmedizin begann Arsentests zu vernachlässigen.
Egal ob Arsen, Thallium, Selen, Blausäure dem Essen, Getränken oder Medikamenten beigemischt werden oder ein bisschen Knollenblätterpilzgift heimtückisch unter die Haut gespritzt wird, das Ergebnis ist in jeden Fall verheerend. So locker und flockig auch die Schreibe sein mag, die Autorin weiß, worüber sie berichtet. Helga Schimmer nicht nur Chemikerin, sondern auch bestens mit Giftstoffen und ihren Wirkungen in realen Vergiftungsfällen vertraut. Ihr Buch ist eine fesselnde Lektüre für KrimispezialistInnen, schließlich wollen AutorInnen und LeserInnen wissen, welche Mittelchen probate Opferproduzenten sind. Und wer dann noch nicht genug von Gift hat, wird unter der weiterführenden Literatur sicher fündig werden.
© S. Strohschneider-Laue
Giftmord: Gerichtschemiker in ihrem Element
Siehe auch:
Kriminologie: Eine praxisorientierte Einführung mit Beispielen
Mordmethoden: Ermittlungen der bekanntesten Kriminalbiologen der Welt
CSI-Forensik für Dummies
Von Arsen bis Zielfahndung: Das aktuelle Handbuch für Krimiautorinnen und Neugierige
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