Gründen: Kultur- & Kreativwirtschaft

Andrea Rohrberg, Alexander Schug
Die Ideenmacher
Lustvolles Gründen in der Kultur- und Kreativwirtschaft.
Ein Praxis-Guide
transcript 2010, 253 S., zahlr. S-W.-Abb.
ISBN 978 3 8376 1390 2
Der Kopf ist voller Ideen, das Herz voller Tatendrang, aber dennoch zögern viele Kreative, ihre Ideen in eine Geschäftsgründung münden zu lassen. Kein Wunder, denn bürokratisches Schubladendenken und Kreativität sind so gut wie unvereinbar. Außerdem sind die mit einer Gründung und dem weiteren Geschäftsgebaren zu überwindenden Hürden vielfältig und leicht zu übersehen. Einen Masterplan hat kaum jemand von Anfang an in der Tasche. Die meisten “stümpern” sich unbedacht durch und nicht alle haben dabei das Glück zu überleben, sondern viele bleiben auf der Strecke. Daher ist es die gute Planung, die das Gründen enorm erleichtert und später dazu führt, beruhigt seiner Kreativität freien Lauf lassen zu können.
Die Publikation “Die Ideenmacher” will bei dieser Planung vor allem Kreativen aus insgesamt zwölf Bereichen (Musikwirtschaft, Buchmarkt, Kunstmarkt, Filmwirtschaft, Rundfundwirtschaft, Darstellende/r Kunst/Markt, Designwirtschaft, Architekturmarkt, Werbemarkt, Software-/Games-Industrie, Pressemarkt sowie Sonstige im Kunst- und Bildungsbereich angesiedelte Unternehmen) unterstützen. Wobei der Begriff “Kreative” über den schöpferischen Part hinaus auch jene - wie z. B. Buchhändler - erfasst, die die Produkte der Kreativen vermarkten oder wie Bibliotheken und Archive im Bildungsbereich angesiedelt sind.
In neun übersichtlich gegliederten Kapiteln wird der Weg in die Selbstständigkeit von Andrea Rohrberg und Alexander Schug beschrieben. Jedem Kapitel werden die wichtigsten darin besprochenen Punkte vorangestellt.
Auftakt macht im Kapitel eins die Aufforderung zur Selbstreflexion mit zentralen Fragen rund um das eigene inhaltliche und menschliche Potenzial. Das Kapitel wird am Beispiel einer Gründungswilligen, die sich mit ihrer kreativen Idee künftig als Schlussstein jedes Kapitels erweisen wird, beispielgebend zusammengefasst.
Dem Markt und der Stellung des zukünftigen Gründers innerhalb des Marktes ist das Kapitel zwei gewidmet. Die konkrete Aufforderung die Nase vor die Tür und in die Szene zu stecken, in der man selbst einmal mitmischen oder noch besser den Ton angeben will, ist ein zentraler Themenpunkt.
Anhand der eigenen Recherchen ergeben sich im dritten Kapitel Geschäftsmodell und Businessplan fast schon “von selbst”. Denn nun sollte klar werden, ob man markttauglich ist und was man braucht, um finanziell über die Runden zu kommen.
Da es mit den Finanzen immer so eine Sache ist, ist diesem essenziellen Faktor das Kapitel vier gewidmet. Darin wird das Geld angesprochen, das man haben sollte, solches, das man sich noch sichern muss und letztlich, wie man jenes Geld vernünftig einsetzt, um das beste daraus zu machen. Wer sich bis hierher durch das wohlstrukturierte Handbuch gearbeitet hat, ist auf einem guten Weg.
Die Rechtsform bestimmt im Kapitel fünf, wie es weitergeht. Alleine oder mit Partnern ist eine Frage, die sich schon zuvor abgezeichnet hat. Wie man das nun rechtlich für alle Beteiligten absichert und welche Risiken bedacht werden müssen, wird so anschaulich erklärt, dass man keinen BWL-Abschluss dafür benötigt.
Was den Kreativen eher Freude bereiten wird, ist der Werbepart im Kapitel sechs. Irgendwann ist es schließlich nötig, für den zukünftigen Kundenkreis sichtbar zu werden. Natürlich muss das Preis-Leistungs-Verhältnis bedacht werden, aber das ist gemessen an den vorherigen Überlegungen ein Klacks.
Arbeitsorganisation ist auch für den chaotischsten unter den Kreativen eine Überlebensstrategie. Die Inhalte des Kapitels sieben sind deshalb besonders zu beherzigen. Projektabläufe und Zeitmanagement sind sowieso einer steten und meist unvorhergesehenen sowie unerwünschten Veränderung unterworfen. Daher erweist es sich als günstig wenigstens selbst gut organisiert zu sein und ggf. delegieren zu können, wie es im Kapitel acht (Führen und Kooperationen) angesprochen wird.
Buchhaltung und Controlling ist mehr als nur die Steuererklärung, wie Kapitel neun verrät. Schließlich kann man nicht alles ausgeben, was man eingenommen hat und selbst, wenn alle Abgaben gezahlt sind, muss ein Polster für Notfälle geschaffen werden. Und ein guter Überblick öffnet die Augen für günstigere Verträge und Einsparungen.
Wer nach dieser umfassenden Lektüre noch immer meint, nicht genug gelesen zu haben, dem seien die weiterführenden Literaturhinweise und Links ans Herz gelegt, die das - auch hinsichtlich seiner Überschaubarkeit - exzellente Buch beschließen.
© S. Strohschneider-Laue
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