Wikinger Kochbuch

27. Juni 2011
Non-FictionEbensolch Rez-E-zine 67/11

Saeta Godetide, Carolin Küllmer
Wikinger Kochbuch
J. Neumann-Neudamm, FEL!X 2011, 161 S., zahlr. Farbfotos.
ISBN 978 3 7995 0859 9

Wikinger Kochbuch Das Wikinger-Kochbuch

Aus wenigen Epochen liegen Küchenrezepte vor, auf die man bei seinen Recherchen aufbauen kann. Kochbücher, wie das des römischen Starkochs Apicius, haben quer durch die Geschichte Seltenheitswert. Hinter historischen Kochbüchern steckt daher sehr viel Arbeit. Es gilt in Originalquellen zu recherchieren, Funde und Befunde von Ausgrabungen zu analysieren und mit viel Sachkenntnis rund um die zeitgenössische Flora und Fauna sowie mit Geduld zu experimentiert. Nicht zuletzt gilt es persönliche Opfer zu bringen, wenn es um das Verkosten der Erstversuche geht. Dass sich alle diese Mühen lohnen, zeigt das vorliegende Buch.

Dass die beiden Autorinnen nicht im luftleeren Raum ihren Brei rührten, belegen die Einführungskapitel. Zuerst werden Zeitrahmen, Umfeld und Bewohner vorgestellt; denn über die Wikinger kursieren zwar unausrottbare Gerüchte, aber um so weniger bekannte Gerichte. Göttermythen, Ausgrabungsfakten und vor allem eine riesige Portion Reenactment-Erfahrung liefern eine nachvollziehbare Basis, die es auch ermöglicht, selbst eine Lagerküche auszustatten.

Der übersichtlich gestaltete Rezeptteil folgt der heutigen Tradition, das Essen mit der Suppe beginnen zu lassen und es nach der Hauptspeise mit dem Dessert zu beenden. 50 Rezepte mit Angaben wie viele (oft sehr viele!) Personen man damit verköstigen kann und wie viel Aufwand es bedeutet, diese Speisen über einem offenen Feuer zu kochen, lesen sich wie ein appetitlicher Erfahrungsbericht. Lebenspraktisch und nachvollziehbar sind die Beschreibungen, die selbstverständlich auch in einer modernen Küche zubereitet werden können. Zahlreiche Fotos begleiten die Rezepte, sodass an einem appetitlichen Ergebnis kein Zweifel aufkommen kann.

Wildkräuter- und Brotsuppe, Sauerteigbrot mit Kräuterquark, Gemüsespieße, Dinkelsalat oder vegetarische Buletten erfreuen auch Vegetarier. Fleisch in Unmengen kam nämlich auch bei den Wikingern nicht auf den Tisch. Aber Fisch ist ja auch nicht zu verachten. Allein die Heilbuttsuppe und die Fischbällchen sind es wert, das Fleisch stehen zu lassen. Andererseits mag auch ein Fleischtopf mit Rotkohl, ein Methuhn oder Hammel  mit Kohl viele Anhänger gewinnen. Hirsebrei, Eierkuchen und Holundersuppe mit Grießklößchen ist hingegen der Traum für alle Leckermäulchen. Andere Spezialitäten polarisieren wahrscheinlich. Gesengter Lammkopf und der berüchtigte fermentierte Hai sind eher etwas für unverdrossene und mutige Esser.

Nützliche Tipps abseits der Rezepte schließen sich zuletzt an. Wann man am besten zu Wildfrüchten und Kräutern kommt, verrät der Sammelkalender und Saetas Einkaufsliste sollte man wie eine Gabe der guten Küchenfee beherzigen. Literaturliste und Internetverweise beschließen das ebenso lebensfroh wie reich bebilderte Wikingerkochbuch inhaltlich.

© S. Strohschneider-Laue

Das Wikinger-Kochbuch


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