Nardo y los Zapatitos de Oro

09. Oktober 2011
ab achtEbensolch Rez-E-zine 68/11

Sandra López
Nardo y los Zapatitos de Oro

Amiguitos 2011, 31 S., farbig illustriert (Nardo und die goldenen Schuhe erscheint 31.10.’11)
ISBN 978 3 9430 7911 1

Nardo und die goldenen Schuhe

Mit diesem Kinderbuch hat die Autorin Sandra López dem wohl berühmtesten Sportler Ecuadors ein literarisches Denkmal gesetzt. Jefferson Leonardo Pérez Quezada ist dreifacher Weltmeister und Olympiasieger in der Disziplin „Gehen”. Seine Goldmedaille 1996 war die erste Olympiamedaille, die ein Sportler aus Ecuador gewonnen hat. Bis heute ist er trotz wiederholter Verletzungen erfolgreicher Teilnehmer an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Damit ist er zu einem Idol einer ganzen Nation geworden.

Jefferson „Nardo” Peréz stammt aus einem ärmlichen Vorort der ecuadorianischen Stadt Cuenca. Sein Vater ist früh verstorben, seine Mutter musste 5 Kinder alleine aufziehen, die neben der Schule alle mithelfen mussten, die Familie finanziell über Wasser zu halten. Kinderarbeit steht in diesem Viertel und vielen anderen Gegenden Lateinamerikas ganz selbstverständlich auf der Tagesordnung. Das Buch begleitet den achtjährigen Nardo, wie ihn seine Mutter nannte, und seinen sechsjährigen Bruder Fabian auf einem sehr kurzen Stück ihres Weges. Es sind die letzten Ferienwochen, bevor Fabian eingeschult wird und auch für Nardo ein neues Schuljahr beginnt.
Die Schuluniformen sind bereits unter großen Entbehrungen angeschafft. Der größte Wunsch der beiden Kinder sind dazu passende neue Schuhe, wie sie in einer Auslage ein Paar gesehen haben.
Die Geschichte schildert, wie die beiden gemeinsam mit Ausdauer, maximalem Einsatz und Fleiß zusätzlich Geld verdienen, um diese Schuhe, die für sie „den Preis von Gold” haben, kaufen zu können. Rückschläge und Enttäuschungen bleiben ihnen nicht erspart, doch am Ende erreichen sie ihr Ziel.

Die Form des Kinderbuches wurde wohl gewählt, weil mit dieser wahren Geschichte den Kindern und Jugendlichen aus armen und meistens tristen Verhältnissen Mut gemacht werden soll. Es soll gezeigt werden, dass auch Ihnen alle Möglichkeiten offenstehen, wenn sie ein Ziel vor Augen haben, für das sie bereit sind, Entbehrungen in Kauf zu nehmen und konsequent daran arbeiten, es zu erreichen. Die Geschichte vermittelt auch den Wert von Freundschaft und vom Zusammenhalt der Familie und lässt nicht unberücksichtigt, dass es auf dem Weg zum Erfolg oft Helfer und Förderer gibt, die in diesem Buch Schutzengeln genannt werden.

Der Erfolg dieses Buches in Ecuador ist zweifellos mit dem Namen des berühmten Sohnes dieser Nation verbunden. Das Erscheinungsdatum 2009, also nach dem Gewinn der zweiten Olympiamedaille (olympisches Silber 2008 in Peking) spielt dabei natürlich eine wichtige Rolle. Für die deutsche Übersetzung würde ich die Erwartungen nicht zu hoch schrauben und vor allem ist dieses Buch aus meiner Sicht in unserem Kulturkreis keinesfalls für Kinder in der Altersklasse, an die es sich aufgrund des sprachlichen Niveaus und der Illustrationen richtet, geeignet. Die Lebensumstände von Nardo und seiner Familie, Kinderarbeit von früh morgens bis spät abends mit guten Chancen, auf dem Heimweg überfallen und ausgeraubt zu werden, bedürfen einer Erklärung. Die idealisierende Darstellung der Lebenssituation der Menschen in diesem armen Viertel, die durch die fröhlichen Illustrationen verstärkt wird, ist zu hinterfragen.

Für Jugendliche kann man allerdings sowohl die deutsche Übersetzung und das spanische Original als Unterrichtsmaterial empfehlen, um die gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation vieler lateinamerikanischer Länder zu erläutern.

Weltweiter Erfolg ist dem Buch jedenfalls zu wünschen, denn mit dem Erlös aus dem Verkauf wird die Jefferson Perez Stiftung unterstützt, die „Nardo” ins Leben gerufen hat, um Kinder und Jugendliche aus finanziell benachteiligten Schichten zu unterstützen. Er selbst hat neben seiner Sportlerlaufbahn auch ein Universitätsstudium abgeschlossen und nützt nun seinen Ruhm und seine finanziellen Möglichkeiten, um soziale Verantwortung für all jene wahrzunehmen, die noch dort stehen, wo auch er als Kind begonnen hat: am äußersten Rand der Gesellschaft.

© P. Kunz

Siehe auch:
Cantado y contado para los amiguitos. Spanisch für Kinder

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