Sahibs, Sklaven und Soldaten
27. Juli 2012
Ebensolch Rez-E-zine 71/12
Michael Mann
Sahibs, Sklaven und Soldaten
Geschichte des Menschenhandels rund um den Indischen Ozean
Philipp von Zabern 2011, 254 S., Sw-Abb.
ISBN 978 3 8053 4363 3
Sahibs, Sklaven und Soldaten. Geschichte des Menschenhandels rund um den Indischen Ozean
Sklaverei und Menschenhandel
Aus dem Inhalt
Die Studie entstand - ausgelöst von zwei Vorlesungen und begleitet von etlichen Seminaren - im Laufe von zehn Jahren. In fünf Kapiteln wird die Sklaverei einer näheren Betrachtung aus vorwiegend europäischer Sicht unterzogen, wobei der Fokus auf die Gebiete rund um den Indischen Ozean liegt. Von wenigen antiken Quellen ausgehend, wird Sklaverei umschrieben, um anschließend, asiatisch kleinräumig die Sklavenarbeit einerseits sowie den Sklavenhandel andererseits bis zu deren - versuchten und vermeintlichen - Abschaffung abzuhandeln. Ein Blick auf die Sklaverei, Globalgeschichte und Globalisierung im 19. Jh. beendet die Betrachtungen. Anmerkungen, ein erfreulich umfangreiches Literaturverzeichnis sowie ein benutzerfreundliches Register komplettieren den Band.
Sklaverei einst und jetzt
Am Anfang der Sklaverei steht Arbeitskräftebeschaffung. Sklaverei als Alternative zur Todesstrafe zu betrachten, war die einfachste Form dieser Beschaffung. Zugleich verlor die betreffende Person jegliche Rechte und wurde zur besitzbaren Sache. Die Folge: Der Sklavenhandel gedieh und blüht bis heute. Denn erfolgreicher Handel ist gewinnmaximierend markt- und zielgruppenorientiert, der sich auf billige Beschaffung von Mangelwaren konzentriert.
Schon in frühen Schriftquellen werden Sklaven erwähnt, ihre Rechte definiert. Schriften antiker Autoren bieten zahlreiche Blickwinkel zur Sklaverei, die, wären sie in der Einführung berücksichtigt worden, die Allgemeinplätze aussagekräftig ergänzt hätten. Eine breitere Perspektive wäre auch in späterer Zeit und z. B. aus moslemischer Sicht möglich gewesen.
Letztlich gilt: Der ökonomische Vorteil von Sklaverei ist für alle Beteiligten, außer den Betroffenen selbst, enorm. Kein Wunder, dass es bis 1946 (Vereinte Nationen) gedauert hat, dass Leibeigenschaft, Frondienst, Schuldknechtschaft etc. als Sklaverei definiert wurden. Sklaverei ist häufiger als jede andere Form von Gewalt wie Joana Adesuwa Reiterer anlässlich des Women’s World Congress 2009 in Wien - begleitet von erschütternden Fakten rund um 12 Millionen Menschen - ausführte. Aspekte, denen in den historischen Betrachtungen nur randliche oder gar keine Beachtung geschenkt wird. Schade, denn das Schlusskapitel “Sklaverei, Globalgeschichte und Globalisierung”, dass sich in seinem kurzen Abriss auf das 19. Jh. bezieht, hätte dazu ausreichend Gelegenheit geboten, über den kolonialen Tellerrand hinauszublicken.
Fazit
Der Verdienst von “Sahibs, Sklaven und Soldaten” ist, sich der Sklaverei rund um den Indischen Ozean anzunehmen. Der Anteil am Menschenhandel sowie das Verhältnis der europäischen Mächte zur Sklaverei wird deutlich herausgearbeitet.
Die Schwäche von “Sahibs, Sklaven und Soldaten” ist, die mangelnde interdisziplinäre Zusammenarbeit, die ein solches Projekt erfordern würde, um es in seiner Komplexität aufzuarbeiten. Man muss der Arbeit allerdings zu Gute halten, dass dies den hier vorgelegten Rahmen bei weitem sprengen würde.
© S. Strohschneider-Laue
Sahibs, Sklaven und Soldaten. Geschichte des Menschenhandels rund um den Indischen Ozean
