Essbare Stadt

18. März 2014
eb_000_011.gifEbensolch Rez-E-zine 77/14

Maurice Maggi
Essbare Stadt
Wildwuchs auf dem Teller. Vegetarische Rezepte mit Pflanzen aus der Stadt
AT Verlag 2014, 319 S. zahlr. Farbfotos
ISBN 978 3 0380 0777 7

Essbare Stadt
Essbare Stadt: Wildwuchs auf dem Teller. Vegetarische Rezepte mit Pflanzen aus der Stadt

Augenfreude und Gaumenschmaus

Es ist der falsche Ansatz dieses Buch wie jedes andere rezensieren zu wollen. Genauso wie es der falsche Ansatz ist, aus Tofu einen fleischlosen Burger zu produzieren. Maurice Maggi hat recht, wenn er vegetarische Speisen, die ein Fleischgericht imitieren, als “Sünde” bezeichnet. Geschmack, Geruch, Farbe, Konsistenz und viel mehr soll aus sich heraus und nicht als Ersatz zelebriert werden.

Hier geht es dennoch um mehr als “nur” ein vegetarisches Kochbuch. Es geht um ein buchgewordenes Gesamtkonzept. Basisgedanken, Aufbau und Vermittlung, Rezepte und Präsentation, Fotografie und Design wurden zu einer harmonischen Einheit - genussvoll zwischen zwei extravagant einfachen Buchdeckeln serviert.

Eine Stadt und vier gute Esser

Die Pflasterritze, der Minigrünstreifen entlang einer Mauer: Löwenzahn, Klee, Erdbeeren und mehr wächst dort. Ein schlichtes zweiseitiges Foto mit viel Hauswandweißraum oben und einem appetitlichen Grünstreifen unten, das zum Betrachten, Überlegen und nicht zuletzt zum Einspeicheln einlädt. Und diese erste fesselnde Seite guten Geschmacks bietet nur das Inhaltsverzeichnis. Wenn man es mit dem Cover vielleicht noch nicht wahrhaben wolle, spätestens dann weiß man, dass man dieses Buch unvergesslich - auch ob manch schweiztypischen Vokabulars - finden wird.

Einleitung, vier Jahreszeiten und der Anhang bilden die Hauptabschnitte. Tipps am Anfang werden gefolgt von jahreszeitlich servierten Rezepten und der gedeckten Tafel - mit geladenen Gästen - sowie jeweils zugehörigen Pflanzenporträts, der Anhang stellt weitere Zutaten vor, bietet Rezept- und Pflanzenverzeichnis.

Es muss nicht Zürich und frei verfügbares Grün sein. Es ist die urbane Nische, die als Essenslieferant in den Fokus gerückt wird. Zutaten für die Rezepte wachsen (fast) überall - zur Not (!) natürlich auch im Regal oder am Marktstand. Ausgelegt sind die Rezepte für “vier gute Esser”. Erfreulich ist, dass  Zutaten und Zubereitung optisch und inhaltlich strukturiert aufbereitet sind, weiterführende Hinweise geboten werden und Vorschläge für Varianten auch vorhanden sind.

Rezepte, Zubereitung und Essenstafel zeigen, dass man überall kulinarisch voll und ganz seinem Genuss frönen kann.

Wahre Schönheit springt ins Auge und liegt nicht darin …

Der kochende Landschaftsgärtner und landschaftsgärtnernde Koch Maurice Maggi hatte ein wunderbares Team für sein Buch zur Seite. Juliette Chrétien ist eine Fotografien mit dem Blick für mehr als nur das Wesentliche. In Zusammenarbeit mit Boris Périsset, der auch für den Satz verantwortlich zeichnet, sowie Mira Gisler, die Styling und Illustration übernahm, ist es gelungen, ein Kunst-Fotografie-Band mit Kochbuch-Botanik-Lifestyle-Anspruch zu gestalten.

Beginnend mit dem starken Buchbinderkarton, der roh und geprägt als Einband fungiert und den Blick auf die grüne Bindung am offenen Buchrücken gewährt. Zurückhaltend und in gedämpften, natürlichen Farben zieht sich eine jahreszeitlich abgestimmte Farbpalette durch. Eine unaufdringliche Gliederung ist die Folge.

Obwohl ich mir die Schrift ein wenig größer und somit barrierefreier (…) wünschen würde und kein Fan von zentrierter Schreibweise bin, verzeiht das wunderbare Layout dies komplett. Ich möchte es eigentlich doch nicht anders haben. Es ist tatsächlich perfekt, genauso wie es geworden ist.

Fazit

Ein wunderschönes Buch, ein gehaltvolles Buch, ein benutzbares Buch und trotzdem oder genau deswegen für die Küche viel zu schade. Ich weiß, dass ich dafür mehrfach und trotzdem - gemessen am Gebotenem - recht wenig Geld ausgeben werde. Es steht auf der Geschenkeliste für einige sehr gute FreundInnen ganz oben.

© S. Strohschneider-Laue

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