Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Wilhelm Angeli 90

Freitag, 15. März 2013
Notiz Ebensolch Rez-E-zine 74/13

Festschrift zum 90 Geburtstag

Wilhelm Angeli (*7. März 1923)

Hofrat Dr. Wilhelm Angeli schloss 1950 an der Universität Wien das Studium der Urgeschichte, Ethnologie und Anthropologie mit der Promotion ab. Der berufliche Werdegang des Prähistorikers führte nach Aufenthalten in der Schweiz, Italien und Deutschland wieder zurück nach Österreich. Er war ab 1958 Mitarbeiter der Prähistorischen Abteilung am Naturhistorischen Museum Wien, die er von 1967 bis 1988 als Direktor leitete.

Zu Ehren des 90. Geburtstages von Hofrat Dr. Wilhelm Angeli wurde von der Anthropologischen Gesellschaft in Wien ein Festband in der AG-Reihe “Prähistorische Forschungen” (9/2013) herausgegeben. Der Band bündelt Beiträge zu Wissenschaftstheorie und Methode des Faches Urgeschichte aus dem Lebenswerk von Wilhelm Angeli.

Der Verlag des Naturhistorischen Museums Wien stellt die Online-Publikation kostenfrei zum Download zur Verfügung.

© S. Strohschneider-Laue

Ebensolch | Kulturzone

Liebe zwischen den Seiten - sammeln oder beten?

Dienstag, 26. Februar 2013
NotizEbensolch Rez-E-zine 73/13

Mehr als ein Bekenntnis?!

Das kleine Kirchenblatt 1955 Was bisher gefunden wurde

Bücher sind Freunde, gehören zur Familie. In den späten 1970ern kam der kleine spitzartige Hund “Kleist” (Kleist kam zu erst) in unsere Familie. Er schlich sich geschmeidig über Heinrich Kleist’s sämtliche Werke ein und gehört seither dazu. Etwa 2007 zog das ruhige Michael-Baby (Michael Yerry/Terry Ramirez Jr.) mit The Mummy bei uns ein. Seit dem dritten Advent 2009 wohnen Karl und Josef in Kriegsbriefe gefallener Studenten bei uns und Albert Francis Rosa (Loving Memory) kam mit Luck of Relian Kru im selben Jahr. Zuletzt trafen 2011 die Fotos der Rosi Z. (Hass zwischen den Fotos) ohne Buch aber in einer Schuhschachtel ein.

Sammelwürdig: Nationalsozialismus und röm.-kath. Kirche

Es gab einen Bücherflohmarkt. Fündig zu werden, war leicht und die Tasche anschließend schwer. Drei Bände zur Kunstgeschichte fanden ein neues Heim, darunter:

Wilhelm Lübke, Max Semrau
Die Kunst des Mittelalters
Stuttgart 1909 (14. Auflage)

Sammelkarte Austria TabakSammelkarte Austria TabakKunsthistorische Forschungsgeschichte, mehr nicht? Doch mehr! Die Lesezeichen befanden sich noch im Band über das Mittelalter. Wenn man Rückschlüsse zur Gesinnung des Vorbesitzers ziehen möchte, denkt man sogar an den finstersten Teil des tiefsten Mittelalters. Es scheint auch in diesem österreichischen Haushalt keine Unvereinbarkeit zwischen Glauben und Nationalsozialismus geherrscht zu haben. Nicht jeder war ein Franz Jägerstetter und nicht jeder ein Hasenjäger.

Sammelkarte Austria Tabak

Sammelkarte Austria Tabak

Die Sammelbilderserie “Adolf Hitler und sein Weg zu Großdeutschland” der Austria Tabakwerke erzählt vom Werden des Nationalsozialismus trotz Parteiverbots, den mutigen Kämpfern in Österreich und nicht zuletzt von der Idylle auf dem Berghof Hitlers. Eine Reichsmark kostete das zugehörige Sammelalbum mit ausführlichem Text. Es war in jeder Trafik erhältlich. Die Zigarettenbilder wurden wie Sportlerkarten oder Sticker gesammelt, in Alben eingeklebt und die Doppelten gegen die Fehlenden getauscht. Mit dem Unterschied, dass eine Botschaft darüber vermittelt wurde. Es ging nicht ums Kommerzielle, es ging um Politik, um Indoktrination, um Gleichschaltung.

Sammelkarte Austria Tabak

Wie diese Sammelkarten zum Kinderkirchenblatt passen, gibt tatsächlich zu denken. Und darin liegt das Hauptproblem: Wer denkt tatsächlich und wer von den Denkenden auch kritisch?

Werbemittel, die als Zielgruppe Kinder und junge Erwachsene haben, sind nicht harmlos. Das Jesusprinzip “lasset die Kindlein zu mir kommen” heißt heute Juniortüte und folgt denselben Zielen. Mit Anreizen des Sammeltriebs und unter Ausnutzung des Spaßfaktors werden Begehrlichkeiten geweckt. So kann Minderwertiges aufgewertet, können Inhalte transportiert und manifestiert werden. Aus unkritischen Kindern werden erwachsene Gefolgsleute - lebenslange Abhängigkeit, Distanzlosigkeit und Akzeptanz inbegriffen.

So gesehen, passen die Lesezeichen mittelalterlich-finster zusammen.

© S. Strohschneider-Laue

Siehe auch

Kleist kam zu erst
Michael Yerry/Terry Ramirez Jr.
Loving Memory
Kriegsbriefe
Die Fotos der Rosi Z.

Teeblätter

Peter Handke - Handkeonline

Freitag, 18. Januar 2013
Notiz Ebensolch Rez-E-zine 73/13

Forschungsplattform der Österreichischen Nationalbibliothek

Peter Handke Polaroid Selbstportrait © ONB

Peter Handke (*6 12. 1942)

Der österreichische Schriftsteller bezieht seit jeher Stellung. Er polarisiert, kritisiert. Kein Wunder also, dass sein Lebensmittelpunkt nicht Österreich ist. Peter Handke ist also unbequem. Gut so, denn einer muss es ja tun, nachdem Thomas Bernhard tot ist. Der Vergleich musste einfach sein, obwohl die beiden nicht miteinander konnten; denn sie haben zumindest zwei wichtige Gemeinsamkeiten. Da wäre zunächst der unrühmliche Schlagzeilen produzierende Suhrkamp Verlag, der die Werke beider Autoren publiziert. Der Rechtsstreit um Suhrkamp wurde von Peter Handke via “Die Zeit” kritisiert. In einem weiteren Artikel bezeichnete er die Streitparteien als Unholde. Bernhard hätte sich vermutlich auch nicht zurückgehalten oder sich gar freundlich geäußert. Aber der wesentlich Wichtigere ist: Sie teilen die Hassliebe Österreichs. Die staatsgerechte beamtliche Hassliebe, die respektlos vereinnahmend genug ist, konsequent inkonsequent gegenüber österreichischen Kreativen und Kritikern zu sein.

Handke gelingt es allerdings, die wesentlich höheren internationale Wellen zu schlagen. Vor allem, wenn man z. B. an Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien und seine folgenden Aktivitäten bzw. öffentlichen Reaktionen darauf, denkt. Die Entlarvung der politischen Steuerung scheinbar unhabhängiger Literaturpreise, ist das Dessert des nur sehr schwer verdaulichen serbischen Menüs à la Handke. Den mit 50.000 Euro dotierten Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf lehnte er 2006 ab, das Angebot der Österreichischen Nationalbibliothek, seinen Vorlass um 500.000 Euro anzukaufen, nahm er 2007 an. Damit ist der Platz für Peter Handke im Kanon der österreichischen Literatur reserviert.

Handkeonline

Die Forschungsplattform, die aus dem Handke Vorlass entstand, ist durch eine Leihgabe von Johann Widrich erweitert worden. Die Sammlung enthält Notizbücher, Werkfassungen, Typoskripte und Bleistiftmanuskripte sowie Bücher, Fotos und Wanderkarten mit eingezeichneten Routen. Handkeonline liegt ein dreijähriges Forschungsprojekt zugrunde, das vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung finanziert wird und am Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek im Mai 2011 gestartet wurde. Die  Wissenschaft und die interessierte Öffentlichkeit darf via Handkeonline einen spezifischen Zugang zum Werk Peter Handkes erwarten. Die integrierte Open-Access-Datenbank macht die Ergebnisse der internationalen Handke-Forschung frei zugänglich. Die Einreichung geeigneter Beiträge dafür sind ebenso willkommen, wie Anregungen und Kritik zu Handkeonline.
© S. Strohschneider-Laue

siehe auch

Meister der Dämmerung: Peter Handke. Eine Biographie

Teeblätter | Lesetipp
Textzone | Schreibtipp

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