HOMER
Sonntag, 24. Mai 2009
Das Phänomen Homer
In Papyri, Handschriften und Drucken
ÖNB, Papyrusmuseum
20. Mai ‘09 bis 15. Januar ‘10
Das Phänomen Homer in der Österreichischen Nationalbibliothek

Mit einem Apfel hat die ganze Geschichte begonnen.
Gemeint ist nicht der langweilige Zwischenfall mit Adam und Eva, sondern die Zankapfel bedingte Schönheitskonkurrenz zwischen den Göttinnen Hera, Pallas Athene und Aphrodite. Nachdem Paris, gemeint ist natürlich der Prinz von Troja, sich für Aphrodite entschied, bekam er statt Macht (Hera) oder Verstand (Pallas Athene) eine hübsche Frau. Dass die schöne Helena einem anderen, dem mächtigen Menelaos von Sparta, angetraut war, spielte für Paris weder politisch noch moralisch eine Rolle. Nach dieser echt männlichen Entscheidung, die nicht im Kopf, sondern in tieferen Regionen getroffen wurde, gab es noch größeren Streit. Hera und Pallas Athena waren beleidigt, Menelaos stand als mächtiger Verlierer und somit vor seiner Welt als echter Machtverlierer da.
Die Folge waren 10 Jahre Krieg um Troja mit aktiver GöttInnenbeteiligung, Unmengen von Blut und gefallenen Helden sowie - je nach Sichtweise - mehr oder minder heroischen und findigen Taten.
Und da es mit dem Krieg nicht getan ist, mussten jene, die ohne dies nicht mitmachen wollten auch wieder nach Hause segeln und rudern. Noch einmal 10 Jahre strapaziöse Heimreise für Kriegsveteran Odysseus, bieten bis heute nicht nur unterhaltsames Seemannsgarn, sondern eine mächtige Fundgrube für Wissenschafter aller Sparten.
Die traumatisierenden familiären und machtpolitischen Probleme nach zehnjähriger Absenz des Odysseus als Ehemann, Vater und König von Ithaka, erfreuen letztlich sogar die Psychologen.
Und weil es so eine unglaublich zeitlose Story ist, ist es Homer gelungen den ersten europäischen Best- und ungeschlagenen Longseller zu verfassen.
Am Anfang wurden die homerischen Verse mündlich überliefert. Und je nach Forschungsmeinung - Archäologen erfreuen sich z. B. an den Beschreibungen von Objekten - hat es etliche Jahrzehnte der ”stillen Post” gedauert, bis sich jemand die Mühe des Aufschreibens gemacht hat. Erst um 700 v. Chr. wurde die erste Schriftfassung erstellt. Und ganz im Stile von “copy & paste” hat sich beim Abschreiben, das eine oder andere sprachlich, inhaltlich oder manches sogar vom Umfang verändert. Seit der Antike wird daher die “homerische Frage” nach der Urheberschaft gestellt, nach der Urfassung geforscht und immer wieder heftig darüber gestritten. Homers Verse sind den Wissenschaftern ein steter Quell der Faszination und dem Publikum bis heute schweißtreibender Prüfungsgegenstand oder spannende Unterhaltung.
Von der Antike bis heute befassen sich SchülerInnen mit dem Text. Nicht nur die Geduld von LehrerInnen wird dabei überstrapaziert, wie die Kritzeleien auf einem antiken Buchdeckel beweisen. Schön ist auch, dass sich an den jungen “Narrenhänden” bis heute nichts geändert hat. Um ganz ehrlich zu sein, meine Schulausgabe hat genauso ausgesehen. Bis heute bin ich außerdem dankbar, dass Homers Werk existiert. Ebenso dankbar bin ich meinem Lehrer*, dass er den Kurzweiler Homer und nicht den Langweiler Platon zum Abiturthema machte.
Sogar die Wörterbücher zu Homers Texten haben sich seit der Antike nicht wesentlich verändert: Funktionales Kultur- und Sprachkompetenzdesign zum altsprachlichen Longseller.
Alles das gibt es Papyrusmuseum zu sehen.
Die Ausstellung legt Papyri und Pergamente der Ilias und Odyssee sowie der ägyptischen erzählenden Literatur vor, archäologische Objekte runden den antiken Teil ab.
Handschriften der Renaissance, Homer im lateinischen Mittelalter, frühe Drucke, Marginalien in frühen Homerdrucken, Homer in berühmten Bibliotheken, Homer in Sprachen der Neuzeit, Homers Büste aus der Sammlung Lavater, Exlibris und freie Grafik mit “homerischen” Themen folgen der Rezeption Homers bis in die Gegenwart.
Das feine Minimuseum in Wien zaubert aus seiner großen Sammlung - oft in Kooperation mit anderen Instutionen - immer wieder Erstaunliches hervor. Die für BesucherInnen oft unscheinbaren beschrifteten “Fetzerln” sind pures Wissensgold.
Die Papyri, Pergamente und Drucke und vor allem die BesucherInnen würden es allerdings verdienen, dass mehr Geld - falls für diese Ausstellung überhaupt Geld zur Verfügung stand - in die Präsentation gesteckt würde. Es geht dabei nicht einmal um “Behübschungen”, sondern um das publikumsgerechte inhaltliche Erschließen des Gezeigten. Dafür gibt es einfache - leider unbeachtete - Regeln. Dazu gehören: Leitsystem, grafische Aufbereitung und publikumsgerechte Texte (Wortwahl, Satzlänge, Textlänge, Gliederung) . Schade daher, dass die großartigen Exponate und der interessante Inhalt durch die staubtrockene und hochwissenschaftliche Aufbereitung völlig verblassen. Ausstellungen sollen keine begehbaren Bücher von Fachleuten für Fachleute sein, sondern für das breite Publikum von einem Spezialistenteam (KuratorIn, GestalterIn, GrafikerIn, TexterIn) gemacht werden. Nur so bekommen die Ausstellungen auch jene Aufmerksamkeit, die sie inhaltlich wirklich verdienen.
Trotzdem unbedingt anschauen, denn Homer ist in dieser Ausstellung fast zum An- und Begreifen nahe. Den exzellenten Katalog Das Phänomen Homer in Papyri, Handschriften und Drucken zu kaufen, versteht sich von selbst.

Cornelia Römer (Hg.)
Das Phänomen Homer
In Papyri, Handschriften und Drucken
Nilus 16, Studien zur Kultur Ägyptens und des Vorderen Orients
Phoibos 2009, 128 S., Farb- und Sw-Abb.
ISBN 978 3 85161 014 7
Das Phänomen Homer in Papyri, Handschriften und Drucken
Zur Ausstellung ist ein unentbehrlicher Katalog erschienen. Unentbehrlich, weil man alle jene Details erfährt, die die kleine Ausstellung schon platzbedingt nicht bieten kann. Unentbehrlich, weil man einen winzigen Teil der Papyrussammlung und damit etwas Essentielles zu und über Homer greifbar hat. Abgesehen davon präsentiert der Katalog das ”Phänomen Homer” aktuell, abwechslungsreich und spannend.
Cornelia Eva Römer, Direktorin des Papyrusmuseums, schreibt unter dem täuschend schlichten Titel “Einleitung” ein herrliches Essay über das “Phänomen Homer” und die Ausstellung selbst. Von der Betrachtung der präsentierten Papyri und Pergamente aus Ägypten, Bildliche Zeugnisse, Handschriften und Drucke spannt sie den lebendigen Bogen Homers bis in die Gegenwart.
In “Homer lebt!” spürt Georg Danek Homer selbst bzw. der Personifikation der episch-heroischen Erzähltradition nach. Er zeigt auf wie Homer angezweifelt und diskutiert wurde, in Vergessenheit versank, erneut entdeckt wurde und, dass Homer zeitlos von Vortrag bis Film für jedes Medium geeignet ist.
Der Brand der königlichen Bibliothek von Alexandria, noch verheerender als die Kölner Archiv-Katastrophe vom 3. März ‘09, erweist sich einmal mehr als Knackpunkt der Forschung. Herwig Maehler zeigt in “Ilias und Odyssee als Objekte der Forschung in der Antike” auf, welche Probleme in Archivierung, Verwaltung und Textforschung die damalige Gelehrtenwelt zu bewältigen hatte und was davon Homer betreffend bis in Gegenwart überliefert wurde.
Ian Rutherford widmet sich in “Homer and Egypt” nicht nur dem Verhältnis von Homer zu Ägypten als Schauplatz, sondern auch der Spuren Homers in der ägyptischen Literatur. Die ägyptische Variante des Amazonenkampfes hat jedenfalls einen besonderen Reiz.
Dem Dichterfürsten Homer ein Gesicht zu geben, wurde schon in der Antike versucht. Der Beitrag “Das Homerporträt in der Antike” von Monika Laubenberger zeigt minutiös diese Bemühungen auf.
Eindrucksvoll beschreibt Karoline Zhuber-Okrog in “Odysseus in Lykien: Die Darstellung des Freiermordes am Heroon von Trysa” die an der Grabanlage dargestellten homerischen Szenen. Für wen das Grab errichtet wurde, ist unbekannt. Ebenso unbekannt ist, warum der Freiermord so einen zentralen Platz einnahm. Dennoch spiegelt der Bau die Bedeutung der homerischen Verse für die Zeit letztlich für die Erbauer wider.
Und wieder einmal steht das Mittelalter den Errungenschaften und dem Kulturgut der Antike zwiespältig gegenüber. Frei nach dem Motto: Mögen wir Homer oder dürfen wir nicht mögen. “Homer im lateinischen Mittelalter” von Andreas Fingernagel spürt dieser Ambivalenz nach.
Werner Rotter verfolgt in “Vom Pennälerschreck zur Kulturquelle. Wandlung des Homerbildes bei Egon Friedell (1878-1938)” die Entwicklung Friedells Sichtweisen auf und dessen Verhältnis zu Homer.
Der elaborierte Katalog zur Ausstellung legt Papyri und Pergamente der Ilias und Odyssee sowie der ägyptischen erzählenden Literatur vor. Die in der Ausstellung gezeigten archäologischen Zeugnisse runden den antiken Teil ab. Handschriften der Renaissance, Homer im lateinischen Mittelalter, Drucke, Marginalien in frühen Homerdrucken, Homer in berühmten Bibliotheken, Homer in Sprachen der Neuzeit, Homers Büste aus der Sammlung Lavater, Exlibris und freie Grafik mit “homerischen” Themen folgen der Rezeption Homers bis in die Gegenwart.
Erfreulich wie kontinuierlich brillant die Nilus Reihe ist!
© S. Strohschneider-Laue
* Rainer Glückert, in bester Erinnerung!

Afrika, Asien und Amerika sind die Stationen der Ausstellung, die der Gliederung des berühmten 11-bändigen Atlas Major (1662) von Joan Blaeu folgt.
Und von frühen Berichten bis zum begehrten Sammelobjekten aus fernen Ländern reicht.
Sie sind einzigartig. Sie sind selten oder nie zu sehen. Alles gute Gründe die Ausstellung zu besuchen. Aber der beste Grund ist, dass die Ausstellung exzellent kuratiert wurde. Es werden fantastische Geschichten über Sichtweisen und ihre Veränderungen offenbart. Es wird deutlich herausgearbeitet wie die Welt langsam immer größer wurde und wie das Unbekannte dieser Welt immer schneller weniger wurde.
Und nicht zuletzt wird deutlich, wie nahe sich Wissenschaft, Kunst, Sammelleidenschaft und Geheimhaltung kommen können. Nur kurze Zeit ist eine Seite aus dem 50-bändigen ”Atlas Blaeu-Van der Hem” zu sehen, der alles dies in sich vereint. Seit 2003 steht das Monumentalwerk einer Sammlerleidenschaft - die auch geheimes Material einschloss - auf der UNESCO-Liste Memory of the World als Weltdokumentenerbe.
Geografie, Topografie, kulturelle, wirtschaftliche, politische und naturwissenschaftliche Betrachtungen wurden in Karten und Tagebüchern aufgezeichnet. Einige vermischten Fundiertes und Fiktion, andere hielten sich strikt an das Beobachtete.
Und auch funktionale Land- und Seekarten überschreiten oft die Grenze zur fiktionalen Kunst. Und genau das ist es, was das ausführliche Betrachten selbst für Laien so spannend macht. Jedes Objekt lädt zum intensiven Hinschauen ein. Unendliche Details können entdeckt werden. Details, die nicht nur Verzierung waren, sondern Bezüge zum damaligen Geschehen, den Auftraggebern und Benutzern herstellen.
Schiffe, die beflaggt und unter vollen Segeln Kanonen abfeuern.
Schiffe, die mit vollen Segeln Fahrt aufnehmen.
Seeungeheuer, die den Längengrad durchschwimmen.
Einheimische in ihren Booten , die sich auf die offene See wagen.
Tiere, die faszinierten oder als landestypisch angesehen wurden.
Natürlich auch die unvermeidlichen Piraten, die bis heute ein Problem der Seefahrt sind, in zeitgenössischen Bildern.
Und besonders spannend sind Berichte und Bilder über ferne Kulturen und fremde Völker. Erstaunlich ist, dass zunächst noch wertfrei abgebildet wird. Weniger überraschend wie schnell sich der Wandel vollzieht und Verachtung, Sklaverei und Völkermord dominieren.
Die Förderung internationaler Kontakte war aus wirtschaftlichen Gründen dringend nötig. Internationale Beziehung wurden auch bei Weltausstellungen angestrebt. Die japanische Leistungschau bewährte sich aber nicht durch Anpassung an westliche Vorbilder, sondern durch die Beibehaltung traditioneller Produkte. Japanische Kunst beeinflusste schließlich die westliche Welt und ihre Künstler - nicht zuletzt den Jugendstil - nachhaltig.
Österreich war auch um die Jahrhundertwende zwar nicht unter den Letzten, aber wieder einmal sehr spät dran. Erst 140 Jahre bestehen die diplomatischen Beziehungen zu Japan. 1873 präsentierte Japan einen traditionsverhafteten Reigen kunsthandwerklicher Produkte auf der Wiener Weltausstellung. Ein große Anzahl der Objekte wurde von der japanischen Regierung damals an europäische Museen übergeben. Ein Teil dieser Schenkung gelangte auch in die Sammlung des heutigen MAK und ist in dieser Ausstellung zu sehen.
Ergänzt wird die Schau durch Objekte, die Japanreisende und Sammler gestiftet haben. Zwischen 1870 und 1912 sind die 90 exquisiten Objekte entstanden, die in der Ausstellung gezeigt werden. Und jedes einzelne Objekt verdient beim Betrachten die volle Aufmerksamkeit. Chronologisch gereiht verweilt man genüsslich bei Tassen, Schalen, Schüsseln, Vasen, Schreibschatullen, Zigarrenkiste, Teekassette, Ziergegenständen aller Art und nicht zuletzt auch bei drei nur auf den ersten Blick einfachen Korbflechtereien. Und auch an den schmalen Körbchen mit den hochgezogenen zarten Bügeln sollte man nicht achtlos vorbeigehen. Bis ins letzte Detail kunstfertig gearbeitet, lassen sie schon jetzt Vorfreude auf eine zukünftige Ausstellung aufkommen, die sich der Korbflechterei widmen wird.
Die nüchterne Ausstellungshalle kommt den unvergleichlichen Objekten zu Gute. Obwohl man es sich doch bei einigen Stücken wünschen würde, dass Spiegel auch deren Rückseite oder Unterseite zeigen würden.
Manches Objekt ist täuschend schlicht gearbeitet und enthüllt seine außergewöhnliche Verarbeitungstechnik oder Gestaltung erst beim genauen Hinschauen. Andere wieder prunken mit allem was technisch möglich und künstlerisch zu verantworten war. Skurriles und nonfunktionales Design ist hier genauso vertreten wie Meilensteine für den Japonismus.
Nichts hätte mich dazu gebracht das Landesmuseum zu betreten, solange die achtbeinigen Monster vor zwei Jahren das Haus regierten. Spinnen sind mit meiner Psyche absolut inkompatibel. Mit Ameisen will ich zwar nicht die Dusche teilen - was seit einem Jahr leider nicht zu verhindern ist -, aber interessant finde ich Ameisen trotz oder auch aufgrund ihrer Hartnäckigkeit auf jeden Fall. Und in dieser Ausstellung bin ich vollkommen auf meine Kosten gekommen und das werden alle BesucherInnen. Egal, ob sie nun Ameisen mögen oder nicht und völlig gleichgültig welchen Alters sie sind.
Damit man die richtige Perspektive gewinnt, wird man beim Betreten der Ausstellung ”geschrumpft”. Ameisenfakten und Zahlen sowie das erste
Riesige Grashalme und saftiges Grün säumen den weiteren Weg zum in heimeliges Rot getauchten Bau am Ende der Wiese. Und der Weg dortin ist gespickt mit Information. Man erfährt z. B. viel über 130 Millionen Jahre Entwicklungsgeschichte, das Geheimnis des Kastensystems, den Vorteil in der Kolonie zu leben, warum die Lebensweisen der Ameisen Charles Darwin nervös machten und warum Ameisen nicht beißen, sondern auch stechen.
Ameisen leben nicht alle in riesigen Ameisenhaufen, manche Völker finden auch in einer Eichel ausreichend Platz. Und die Ausstellung zeigt sie (fast) alle, die großen und die kleinen Unterkünfte, ihre riesigen oder winzigen Baumeister oder Untermieter. Beeindruckend daher der große Waldameisenhaufen, der sich über mehrere durch Laufröhren verbundene Quadratmeter erstreckt. Nicht weit davon entfernt, in einer eigenen grasgrünen Sockelvitrine untergebracht, eine unscheinbare aber bewohnte Eichel.
Sind die BesucherInnen im warmen Rot getauchten Bau angelangt, können die kleinsten unter ihnen gerne auch Abkürzungen durch das Wegsystem nehmen. Die Entdeckerlust ist aber für Erwachsene auch ohne Schlupflöcher in Bodennähe genauso groß. Formicarien für verschiedene Ameisenvölker mit unterschiedlichen Bedürfnissen zeigen die Vielfalt und die Ansprüche dieser Insekten.
Die Bedeutung von Ameisen für die Umwelt wurde schon recht früh erkannt und die meisten haben auch schon davon gehört. Dennoch überrascht es sicher viele BesucherInnen wie wichtig heimische Ameisen für die Verbreitung der Frühjahrsblüher sind und welche Pflanzen eine “süße” Wechselbeziehung mit Ameisen pflegen. Das es aber auch einen parasitischen Kreislauf gibt, an dem Ameisen (unfreiwillig) beteiligt sind, ist sicher den wenigsten geläufig.
Ab und an menschelt es auch bei den Ameisen. Sie sind territorial und achten darauf, dass ihnen alles Unerwünschte fernbleibt. Friedlich geht es im Bau nicht zu. Skrupellose Herrscher, Intrigen, Meuchelmord, Untermieter (gebetene und ungebetene), Hochzeitsflug, Sklaverei, Bettelei, Raub und vieles mehr halten die wohl organisierten Staaten ständig auf Trab.
Die Bedeutung der Ameise ist vielfältiger als man glaubt: Sparverein und Dorf sind nach ihr benannt, Ameisen zieren T-Shirt und Gesellenbrief. Sogar wirtschaftliche Bedeutung hatten Ameisen. Ameisler sammelten bis zu Beginn der 1970er Jahre die Puppen und verkauften sie als Vogel- und Fischfutter.
Dass dieser gewaltige Informations-Tsunami, den der Ausstellungskurator Christian Dietrich über Ameisen zusammengestellt hat, nicht so gewaltig wirkt wie er wirklich ist, ist der flockig-lockeren Umsetzung zu verdanken. Es gibt eine wahre Textflut, etliche Ameisenvölker mit unzähligen Individuen, viel Bild- und Filmmaterial und zahlreiche Objekte. Die abwechslungsreiche Gestaltung von Doris Prenn (
Wohl die meisten BesucherInnen im Kunsthistorischen Museum wünschen sich reich genug zu sein, um sich zumindest ein den Ausstellungsstücken vergleichbares Kunstwerk leisten zu können. Vielleicht ein dürres Mädchen von Cranach oder eine pralle Frau von Rubens. Atelierbetriebe, die damals die Reichen und Schönen so malten wie es sich die Fotografen-Kundschaft von heute ebenfalls erträumt. Denn auch vor der Erfindung der Fotografie und lange vor Photoshop wurde weggelassen, was unerwünscht war und ergänzt, was fehlte. Nicht umsonst ist Heinrich VIII. auf der Suche nach der idealen vierten Frau auf das Porträt der Anna von Cleve (Hans Holbein) “hereingefallen”. Jahrhunderte formten das Verhältnis von Künstlern und Kunden. Ein Verhältnis das übrigens selten eine Auftragsbeziehung zwischen Künstlerinnen und Kundinnen war und sich daher deutlich in den von Männern bevorzugten Sujets niedergeschlagen hat. Und Vieles hat vielleicht die Aktualität eingebüßt aber trotzdem die Anziehungskraft behalten. Und alle, deren Geldbeutel zu klein und das Plakat aus dem Museumshop zu schäbig ist, hoffen auf den zeitgenössischen Glückskauf als Wohnungsbehübschung mit Identifikationspotential. Leider haben die Dauerausstellung des KHM und die Sonderausstellung KUNSTWERK mehr als nur die Qualität der Bilder, Zeichnungen, Druckwerke und Skulpturen gemein. Man kann auch von den ausgestellten zeitgenössischen KUNSTWERKen nichts im Kunsthistorischen Museum kaufen. Es geht nämlich bis zum 15. Februar ‘09 nicht um Charity, sondern es geht um Kunst.
Ohne den Streit “Künstler oder Kunsthandwerker” oder “Was ist Kunst” anzufachen, der ohnedies schon längst geführt wird, sind die Fragen nach “Künstler” oder “Kunsthandwerker”, Einzel- oder Atelierleistung zumindest berechtigt. Unberechtigt ist hingegen die Frage, ob Kunst von Menschen mit Behinderung überhaupt Kunst ist. Erlebtes verarbeiten, Befindlichkeit zum Ausdruck bringen, Sichtweisen zeigen, Erzählen durch Gestalten und vieles mehr macht Kunst(handwerk) zur Kunst. Obwohl rein finanziell gesehen erst das phrasenreiche Verkaufsgespräch und “Kaisers” Kaufbereitschaft so manche Kunst zum Kassenschlager macht.
“Kunst ist das gemalte Wort”, sagte Thomas Weissenbacher (Künstler und Vorsitzender von Vienna People First) bei seiner Eröffnungsrede.
Die KünstlerInnen wollen/müssen es niemand recht machen. Sie sind frei. Sie bringen ihre Befindlichkeiten zum Ausdruck und verarbeiten Erlebtes. Sie können über ihre Arbeiten sprechen ohne Schlüsselworte wie Position, Installation, ästhetisches Leitmotiv, abrupter Stilwechsel, minimalistische Farbfeldmalerei, eruptive Energie oder expressiv abstrakte Monochromie zu gebrauchen. Zufriedenheit ist befriedigend, Ehrlichkeit ansteckend. So ansteckend, dass BMin Dr. Claudia Schmied über das Bild, das ihr im Zuge der Eröffnung überreicht wurde, erfreut sagte: “Es sind meine Farben!”
Charlotte Basnar (*1980 Wien), Werkstätte Im Werd, 1020 Wien.
Gruppe Werd Zwei, Werkstätte Im Werd, 1020 Wien
Dragan Mirkovic (*1982), Werkstätte Kuefsteingasse, 1140 Wien
Zeljko Katic (*1976 in Kroatien), Werkstätte Ayrenhoffgasse/FlipFlap, 1090 Wien
Kurt Grasnek (*1944 Wien), Werkstätte Speckbachergasse, 1160 Wien
Susanne Kuzma (*03.06.1966), Werkstätte Ayrenhoffgasse/FlipFlap, 1090 Wien
Michael Coban (*18.01.1967), Werkstätte Ayrenhoffgasse/FlipFlap, 1090 Wien
Christine Klaus (*01.06.1949), Werkstätte Im Werd, 1020 Wien
Wolfgang Wagner (*19.10.1971), Werkstätte ALPHA, 1220 Wien
Metallgruppe HORIZONT, Werkstätte HORIZONT, 1210 Wien
Friedensreich
Gelungen! Unbedingt anschauen, was auch dann - inklusive Hund - täglich ab 10:00 Uhr möglich ist, wenn andere Museen dem Feiertagsschlaf oder ihrem wöchentlichen Ruhetag frönen.


“Essen hält Leib und Seele zusammen” ist in überfütterten Industrienationen schon lange kein Thema mehr. Hier gehört sowohl Essen als auch essen zum Lifestyle. Kochen ist längst salonfähig geworden. Und das Einkochen - pardon - Bekochen von Konsumenten zieht sich erfolgreich durch alle Medien. Also, wenn es keine Kochshows gäbe, wären einige TV-Sender aufgrund mangelnder Einschaltquoten und daher fehlender Werbeschaltungen vermutlich schon pleite. Mit anderen Worten: E/essen ist weit mehr als die Befriedigung des Grundbedürfnisses nach Sättigung durch Nahrungsaufnahme. Diese Grundidee griff auch das Team des
Gleich fünf Rohstoffe - Getreide, Milch, Fleisch, Kaffee, und Kakao - werden aufgegriffen. Anhand von Geräten und Verarbeitungstechniken wird aufgezeigt wie aus diesen Rohstoffen Endprodukte mit typischen Eigenschaften und Geschmacksrichtungen werden. Das TMW konnte hierzu erstaunliche Objekte aus dem Depotschlaf wecken und frisch aufpoliert ausstellen. Darunter erweist sich das Modell der Wiener Molkerei (1906/07), das die ganze Betriebsanlage zeigt, als besonders eindrucksvoll. Natürlich gibt es auch unzählige unbekannte, weniger bekannte oder längst wieder in Vergessenheit geratene Spezialgeräte zu bestaunen. Die mehr oder minder vertrauten Haushaltsobjekte belegen, welche technische Vielfalt bei der Zubereitung von Essen zum Einsatz kam und immer noch kommt.
Trotzdem täuschen die stimmigen Inszenierungen der einzelnen Themenkreise, die Menge, die Vielfalt und die Qualität der Objekte leider nicht darüber hinweg, dass dem Ausstellungskonzept Grundlegendes zum Haubenmenü fehlt. Und wenn das unglaublich engagierte Vermittlungsprogramm nicht wäre, nicht einmal ein schaler Nachgeschmack von der “Geschmacksache” bliebe. Weniger wäre hier deutlich mehr gewesen. Ein einziges der fünf Rohprodukt in seiner Gesamtheit zu präsentieren, in seinem naturwissenschaftlichen und kulturhistorischen Kontext zu betrachten und die technische Aspekte der Auf- und Zubereitung zu zeigen bzw. begreifbar zu machen, hätte einen echten Mehrwert bedeutet. Auch eine Trennung zwischen heimischen Grundnahrungsmitteln und importierten Genussmitteln wäre denkbar gewesen. So zieht der Individualbesucher aus einer Fülle von Objekten nur minimalistische Information. Und nur jene, die das umfangreiche Veranstaltungsprogramm nutzen werden, werden sehr viel nachhaltigen Geschmack an der “Geschmacksache” finden.
Oskar Kokoschka, Helft den baskischen Kindern!, 1937, Farblithografie. Kunstgewerbemuseum, Prag
Oskar Kokoschka, Prag, Karlsbrücke, 1934, Öl auf Leinwand. Národní Galerie, Prag
Oskar Kokoschka, Time, Gentlemen please, 1970/1972, Öl auf Leinwand, Tate, London

Fanny, mit ihren rund 32.000 Jahren die ältere von beiden, hat ihren Auftritt von 8. März bis 17. Mai. Die Willendorferin, bekannter aber mit “nur” rund 25.000 Jahren die jüngere, ist von 17. Mai bis 8. August in St. Pölten zu Gast.
Und wo betreten die modernen Ausstellungsbesucher die Bühne? Sie werden am Eingang zur Sonderausstellung von einem lebensgroßen Mammut begrüßt, dem man gerne verzeiht, dass es nur aus einer vorderen Hälfte besteht. Es ist deswegen nicht weniger beeindruckend.
Und seine Rückseite wird stimmig auf den heutigen skelettierten Fundzustand gebracht.Von dort wird man entlang einer Zeitleiste, die mit wichtigen Funden und erläuternden Texten kombiniert ist, in die Ausstellung begleitet.
Wichtige tierische Vertreter dieser Klimaperiode werden als Konturschnitte mit eingepassten Originalfunden vor stimmigen Landschaftshängern gezeigt.
Und über alles menschliche Treiben schweift von der “Bergwiese” der kritische Blick tierischer Eiszeitler.
Die zahlreichen jungen Besucher erhalten tolles Zusatzangebot. Ein großer Raum steht für die Vermittlung zur Verfügung und zusätzlich ein eigener Raum für Grabungssimulationen. Ein großes Profil zeigt leicht fassbar die Schichtabfolgen bis zur Gegenwart. Manches wirkt alelrdings inhaltlich befremdlich.Insbesondere das Venusvoting, bei dem anscheinend Geldstücke eingeworfen werden können, wirkt in jeder Hinsicht ziemlich fragwürdig. Interpretation ist schließlich kein Mehrheitsentscheid und fraglich bleibt auch, ob die Kinder gar eigenes ihr Geld dafür hergeben sollen. Aber vielleicht bzw. hoffentlich ist die personale Vermittlung besser als der inhaltlich Eindruck, der beim Betrachten erweckt wird.
Zuletzt noch ein Hinweis auf den großartigen Katalog 

