Archiv für die Kategorie ‘Film’

Die Höhle der vergessenen Träume

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Notiz

Die Höhle der vergessenen Träume - Film
Film von Werner Herzog Frankreich/USA/Großbritannien/Deutschland 2010, 90′, 3D, Kinostart 4. November ‘11.
Trailer

Die Sondervorführung des Films “Höhle der vergessenen Träume” fand im Haydnkino statt. Zu dieser Preview, die zusätzlich zum Pressetermin abgehalten wurde, waren insbesondere ArchäologInnen eingeladen.

Im Mittelpunkt des Films steht die Grotte Chauvet in Südfrankreich. Die Höhle, die den Namen des Höhlenforschers und Entdeckers Jean-Marie Chauvet trägt, wurde erst Ende 1994 entdeckt. Sie offenbarte eine erstaunliche Menge und Vielfalt an erstklassig erhaltener, altsteinzeitlicher Höhlenkunst, deren Alter die bisher bekannten Malereien wie z. B. in Lascaux übertrifft. Die ältesten Bilder entstanden in der Zeit vor 35.000-32.000 Jahren, die jüngsten vor rund 25.000 Jahren. Ein Felssturz vor 22.000 Jahren, der die Höhle verschloss, verhinderte seither das Betreten des Gangsystems durch Menschen, trug aber zugleich zum guten Erhaltungszustand der Kunstwerke bei. Der restriktive Zugang, nur einem ausgewählten Wissenschaftsteam ist es vorbehalten die Höhle zu Forschungszwecken zu betreten, soll dazu beitragen, dass der Höhle nicht der derselbe Verfall droht, wie jener von Lascaux. Dort waren die Bilder von 1948 bis 1963 zu viel Licht, Wärme, Besuchsströmen und damit der Schimmelbildung ausgesetzt und konnten nur durch aufwendige Restaurierungsarbeiten vor dem vollständigen Verlust bewahrt werden. In der über 8.000 m² großen Chauvet-Höhle befinden sich vier Säle, an deren Wänden zahlreiche Tiere (u. a. Mammuts, Wollnashörner, Rentiere, Großkatzen, Bären, Hyänen) sowie Symbole und Handabdrücke zu sehen sind. Auf dem Höhlenboden hat sich eine menschliche Fußspur erhalten. Knochenfunde - vor allem von Höhlenbären - komplettieren das Fundspektrum aus der Höhle.

Interessierten war es bisher nur möglich wissenschaftliche Publikationen und Berichte zu verfolgen, um den Stand der Dinge rund um die Chauvet-Höhle zu erfahren. Der große Verdienst des Filmes ist es daher, einen 3D-Eindruck des reichen Bildschatzes zu vermitteln, der aus Denkmalschutzgründen nur wenigen Menschen zugänglich gemacht wird. Mit dem Film “Die Höhle der vergessenen Träume” werden 3D-Eindrücke der Höhle nach außen gebracht, die kein  Printmedium in diesem Ausmaß bieten kann. Dafür erträgt man im Kino gerne eine zusätzliche Brille. Erfreut sich das Fachpublikum auch an dem ausführlich gebotenen Überblick im Inneren der Höhle, so schränkt sich die Freude bei der Interpretation, die weit über den wissenschaftlichen Rahmen hinausgeht, deutlich ein. Woran es auch liegen mag - seien es sprachliche Missverständnisse,  Interviewmethoden oder mediale Ungeschicklichkeit der WissenschaftlerInnen - es gibt wissenschaftlich Unbelegbares, erzählerisch Unnötiges und zukunftsorientiert Spekulatives, das in einer an sich seriösen Dokumentation nichts verloren hat. Andererseits ist es ein Film von Werner Herzog. Er lebt seinen Hang zu poetischen Bildern, mystischen Zusammenhängen und zu spirituell angehauchter Musik aus und bringt andere dazu, es ihm gleichzutun - zumindest solange bis er sie bei seiner Vision von sprechenden Atom-Krokodilen im Epilog endgültig verliert.

© S. Strohschneider-Laue

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Mehr als ich kann

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Notiz

Mehr als ich kann - Film
Ein Film über den Pflegealltag im Verborgenen
Was es noch dazu zu sagen gibt (Zusatzfilm)
Ein Film von Herbert Link 2011, Dt., Gehörlosen Fassung, 45′, Zusatzfilm 13′.
Trailer

Regisseur Herbert Link und Dr. Werner Kerschbaum (stv. Generalsekretär Rotes Kreuz) © Sistlau © Sistlau

Die Filmpremiere im Votiv Kino war ein besonderer Abend, deshalb war bereits 14 Tage zuvor die letzte Karte vergeben. Der Saal war restlos ausgebucht, 200 InteressentInnen mussten abgewiesen und auf den 26. November ‘11 im Cine Magic vertröstet werden. Das Publikum war überraschend jung, wesentlich jünger als erwartet. In einer immer langlebigeren Gesellschaft sind es tatsächlich die Jungen, die - auch am Beispiel ihrer Großeltern und Eltern - erkennen oder erkennen sollten, dass auch sie länger alt sein werden, als sie je jung waren. Die Premiere leitete Birgit Meinhard-Schiebel (Präsidentin der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger) ein.

Birgit Meinhard-Schiebel (Präsidentin der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger) © Sistlau Nach dem Film über die Hospizbewegung und SR Mag.a Hildegard Teuschl CS (*1937-†2009), widmet sich der Filmemacher Herbert Link dem Pflegealltag. Die drei Kapitel des Hauptfilms “Mehr als ich kann” zeigen Aspekt zu “Warum wir?”, “Was darf ich noch leben?”, “Du bist die Starke!”. Bewegende, fesselnde und aufrüttelnde 45 Minuten, die alle Menschen betreffen. Der Zusatzfilm bietet noch weitere 15 Minuten über das “Was es noch zu sagen gibt …”.

Unverkennbar die Handschrift des Regisseurs: Unaufgeregtheit und Ruhe sind seine magischen Schlüssel, die die InterviewpartnerInnen öffnen. Zu Wort kommen Pflegende und Pflegebedürftige. Es sind sehr junge und alte Menschen - auf beiden Seiten des Pflegealltags. Kinder, die über das alterstypische Fürsorgemaß hinaus versorgt werden müssen und Schulkinder, die ihre hilfsbedürftigen Eltern versorgen. Vor allem Kinder agieren völlig unerkannt. Die Dunkelziffer soll laut Birgit Meinhard-Schiebel bei 20.000 Kindern in Österreich liegen, die als PflegerInnen von Angehörigen aktiv sind. Es sind sehr viele kranke und/oder alte Menschen, die in der Familie gepflegt werden und das ohne jene Unterstützungen, die für einen weniger aufreibenden Ablauf notwendig wären. Im Pflegealltag eingebundene Personen schildern in diesem Film ungedrängt ihre persönliche Situation. Oft verlieren sich die Pflegenden während der Pflege selbst, reiben sich unaufhörlich auf. Es ist ein 24-Stunden-Job ohne finanzielles Entgelt und Urlaubsanspruch oder Anerkennung. Ein gewaltiges Burnoutrisiko geprägt von Angst, Schuldgefühlen und Überforderung - selbst bei jenen, die aus der Branche kommen, den Umgang mit Patienten gelernt haben. Schuldgefühle, die von gesellschaftlichen Erwartungshaltungen, die am Land stärker sind als in der Stadt, noch verstärkt werden.

Herbert Link verschafft den Betroffenen genau jene private Zeit in der Öffentlichkeit, die sie benötigen, um über das Kostbarste zu sprechen: Veränderung, Gesundheit, Zeit und (fehlende) Zuwendung. In Zeiten der budgetären Kürzungen in unwirtschaftlich geltenden Bereichen - somit alle soziale, bildungsrelvante und kulturelle Angelegenheiten - muss der alle Menschen betreffende Pflegealltag besonders laut und deutlich in die Öffentlichkeit getragen werden.

Bärbel Dannberg (Autorin: Alter Vogel flieg ...) © Sistlau Die Botschaft des Films lautet daher: Werden Sie laut! Sprechen Sie über Pflege - besonders bevor sie notwendig wird. Der Pflegealltag findet (noch) im Verborgenen statt, das darf nicht so sein, das muss anders werden.

Filmvorführungen in Verbindung mit einer Lesung von Bärbel Danneberg aus Alter Vogel flieg können über die Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger gebucht werden.

© S. Strohschneider-Laue

Mehr als ich kann ist zu beziehen bei avp

Siehe dazu auch:
Ein “…ganz langsamer Walzer”, Film (30′) über das Wirken der Hospiz-Pionierin Sr. Hildegard Teuschl CS. Der Film ist bei avp erhältlich.
Alter Vogel flieg
- Rezension

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Helmut Böhm-Raffay

Sonntag, 01. November 2009

Notiz

Was ist das Nichts?  
Helmut Böhm-Raffay
Einer, der zwischen Realität und Illusion mühelos hin- und herspaziert 
Ein Film von Herbert Link 2009, ca. 40′.

Helmut Böhm-Raffay lebt seinen Traum. Spontan will er sein und kreativ nach dem Ende seines minutiös geplanten, technisch orientiertem Berufslebens. Unter dem Pseudonym “Heinz Brandtner” ist er schriftstellerisch tätig. Er schreibt für die Bühne und wird sein eigener Darsteller. Er schreibt zu Bildern und wird so ein Teil von ihnen. Kreativ und spontan sucht er nach seinen persönlichen Plattformen und findet sie oft an ungewöhnlichen Orten. Doch für ihn ist nichts davon raumgreifend genug. Böhm-Raffay hatte seine Liebe zum Tanzen als Junge entdeckt und ist ihr bis in die Gegenwart treu geblieben. Dabei hat er den nach und nach den Gesellschaftstanz hinter sich gelassen. Über Masken, Pantomime und Afro Dance entdeckt er schließlich den Ausdruckstanz für sich. Helmut Böhm-Raffay ist einer, der den Sog spürt und einer, der ein ewig Suchender bleiben wird.

Herbert Link gelang es den kreativen Freigeist Helmut Böhm-Raffay mit der Kamera einzufangen. In der biografischen Dokumentation bewies er sich als Formgeber der Spontaneität und Bändiger einer kreativen Lebensflut. Ganz passend dient daher das Ende des Interviews als Einstieg in den Film. Rückwärts tritt Helmut Böhm-Raffay ins Bild, setzt sich, bekommt das Mikrophon angesteckt von dem er am Ende des Films wieder befreit wird, um diese Bühne zu Gunsten einer anderen zu verlassen. Mit dem spannend inszenierten Film und der verdichteten Biografie unterstreicht Herbert Link dezent das zufällig Unzufällige des “Heinz Brandtner”.

© S. Strohschneider-Laue

Siehe auch:
Don Quixote am Michaelerplatz - Film
Der verzauberte Spiegel. Schauspiel in zwei Abteilungen. - Buch

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Film: Mobiles Caritas Hospiz

Mittwoch, 01. April 2009

Notiz

Die fallenden Blätter geben dem Wind die Gestalt - Film
20 Jahre Mobiles Caritas Hospiz
Ein Film von Herbert Link 2008, Dt., Engl., Gehörlosen Fassung, ca. 40′, Booklet 20 S.

Die Hospizbewegung existiert seit über vierzig Jahren. Vor zwanzig Jahren hat man die Idee des “Leben bis zuletzt” außerhalb von Heil- und Pflegeanstalten auch in Österreich aufgegriffen. Der unheilbare, sterbende Mensch und seine Angehörigen bilden den Mittelpunkt. Ihnen zur Seite steht ein interdisziplinäres Team von Angestellten und Freiwilligen, das sich durch gute Kenntnisse der Symptomkontrolle und kontinuierliche Verfügbarkeit auszeichnet.

Zwanzig Jahre Mobiles Caritas Hospiz sind der Anlass für den Film “Die fallenden Blätter geben dem Wind die Gestalt”. Der Hauptfilm gliedert sich in zwei Kapitel, die sich der “Zeit des Aufbruchs” und der Frage nach dem “Wie es geworden ist” annehmen. Wer einen Betroffenheitsfilm erwartet, irrt. Es geht um eine Bestandaufnahme, um Tatsachen. Es geht nicht um abstrakte Möglichkeiten, sondern konkrete Situationen und Menschen, die sie gemeinsam tragen. Krankheit, Leid und langsames Sterben betreffen Viele und vielleicht gehört man selbst eines Tages dazu. In Zeiten aufbrechender sozialer Netze, sind es nicht “nur” die verwaisten Alten. Und der soziale Tod tritt für die meisten früher ein als der physische, weil man unbequem für die Spaßgesellschaft und uninteressant für die Erwerbswelt wird.

Mit viel Gespür - also auch so mit ausreichend Zeit und Respekt  - für persönliche Belange werden die Statements von Betreuenden, Angehörigen und Patienten von Herbert Link eingeholt. Eingeblendete Fotos, unterstreichen durch ihre Schwarzweiß-Optik die Distanz zwischen Leben und Tod. Rasche Wechsel zwischen den Stellungnahmen aus unterschiedlichen Perspektiven geben dem Film über das würdevolle Sterben jene lebendige Note, die dem Hospiz-Motto “Ja zum Leben ist kein Nein zum Lebensende” entspricht. Die Goldberg-Variationen von Bach, die von Gerda Zens interpretiert wurden, begleiten den Film. Sie gaben Manfred Dvorak, der seine Frau bis zu ihrem Tod zuhause betreute, Kraft. Ein Zitat aus seinem Tagebuch wurde zum Filmtitel. Das mit dem Mund gemalte Bild eines Baumes Walter Sikula ziert die DVD.

Zu Wort kommen in diesem Pflichtfilm Hildegard Teuschl (Hospiz-Expertin, Krebspatientin, 1937-2009), Walter (ALS-Patient) und Elfriede Sikula, Petra (Krebspatientin, 1970-2005) und Manfred Dworak, Franz Zdrahal (Ärztl. Leiter Caritas Wien), Rudi Babits (Caritas-Hospizarzt), Kurt Alker (Caritas-Hospizarzt), Klaus Schweiggl (Hospiz-Seelsorger), Agnes Glaser-Hekman (Caritas-Hospizschwester), Franz Eder (ehrenamtlicher Hospizbegleiter), Claudia Chizzali-Bonfadin (Ärztin, Mobiles Caritas Hospiz), Tilli Egger (Strahlen- und Psychotherapeutin, Hospiz-Förderin) , Christian Metz (Theologe, Ausbildungsleiter Kardinal-König-Haus).

Der fünfminütige Zusatzfilm ist SR Mag.a Hildegard Teuschl CS (1937-2009) gewidmet. Ihr Name ist untrennbar mit der Hospizbewegung in Österreich verbunden. Die Vorkämpferin wurde 2007 selbst zur unheilbaren Patientin. Ihre Insider-Kenntnis als Hospizinitiatorin ist in Kombination mit ihrem Erfahrungsbericht als betroffene Patientin ein unermessliches Erbe an Offenheit und Ehrlichkeit an Jene, die die Hospizbewegung in Österreich ohne sie weitertragen. Ihre Hoffnung und Stärke, aber auch ihre Angst und Sorge werden durch die Totentanz-Grafiken von Herwig Zens, die das Interview optisch gliedern, zur Passion.

Besser hätte man 20 Jahre Mobiles Caritas Hospiz nicht zeigen können.

© S. Strohschneider-Laue

Siehe dazu auch:
Ein “…ganz langsamer Walzer”, Film (30′) über das Wirken der Hospiz-Pionierin Sr. Hildegard Teuschl CS. Der Film ist absofort bei avp Link erhältlich.
Würdig leben bis zum letzten Augenblick: Idee und Praxis der Hospiz-Bewegung
Hospizpraxis: Ein Leitfaden für Menschen, die Sterbenden helfen wollen
Leitfaden Palliativmedizin - Palliative Care
Palliative Care: Handbuch für Pflege und Begleitung
Erfülltes Leben - würdiges Sterben
Sterbende begleiten lernen. Mit CD-ROM: Das Celler Modell zur Vorbereitung Ehrenamtlicher in der Sterbebegleitung
Sterbebegleitung: Hilfen zur Pflege Sterbender
Sterben, Tod und Trauer: Handbuch für Begleitende

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Endlich 1968

Freitag, 24. Oktober 2008

Notiz

Endlich 1968 - Film
die 68er sind in die Jahre gekommen
Ein Film von Herbert Link 2008, 55′

1968 wurde ich sieben Jahre und kam in die Grundschule. Wenn man mich zu 1968 befragt, fallen mir trotzdem spontan Dinge, wichtige Ereignisse dieser Zeit ein. Wahrscheinlich, weil die Ereignisse in meiner Familie diskutiert wurden oder wir direkt betroffen waren: Studentenunruhen, Einmarsch der Russen in der Tschechoslowakei, Martin Luther King und Robert Kennedy erschossen, Brandanschlag auf Kaufhaus in Frankfurt und Demonstrationen gegen den Springer Verlag. Und es fällt mir ein Urlaub in Österreich ein, bei dem Betrunkene im Wirtshaus in Deutschland verbotenes Liedgut anstimmten und einem jungem Wiener die langen Haare von der grölenden Dorfjugend abgeschnitten wurden. Erinnerungen, die sich mir erst nach und nach inhaltlich erschlossen haben. Erschlossen, weil ich von der 68er Bewegung ausgelösten Bildungsreform des Deutschen Schulsystems profitierte. Den 68ern habe ich zu verdanken, dass ich in einem meinungsbildenden, kritischen Umfeld aufgewachsen bin und auch in der Schule zum kritischen Hinterfragen und freien Meinungsaustausch ausgebildet wurde. Und den 68ern habe ich es zu verdanken, dass ich als heranwachsende Frau am sich neu formierenden Feminismus und dessen Erfolge teil hatte. Mit Österreich verband ich bezogen auf 1968 höchstens den Wiener Aktionismus, Sigi Maron und sonst nichts und niemanden. Und Sigi Maron war mir auch nur bekannt, weil meine Jugendfreundin, die in ihrer Schule in den 70er Jahren in den Pausen noch im Kreis gehen musste, seine Kritik so schätzte.

1968 war doch in dem kleinen und bescheidenen Österreich spürbar. Es gab Empörung, es gab junge Menschen, die das eine oder andere, mehr oder minder laut in Frage stellten. Es gab StudentInnen, die feststellten, das weite Bevölkerungsteile von partieller politischer Amnesie befallen waren, die ihnen ein Leben in selig unbehelligter Verantwortungslosigkeit ermöglichte. Zumindest lässt das der Film von Herbert Link, der im “Endlich 1968. Die 68er sind in die Jahre gekommen” vermuten.
Herbert Link lässt Menschen, die 1968 erwachsen waren, zu Wort kommen. Gibt ihnen Plattform über die Ereignisse und ihr Leben zu dieser Zeit und danach zu sprechen. Nicht alle Interviewten sind Österreicher, nicht alle waren zu dieser Zeit hier und nicht jeder konnte sich mit den rebellischen Zeitgeist junger Menschen im Aufbruch zu neuen geistigen Ufern identifizieren. Sie sind ZeitzeugInnen von Entwicklungen geworden, die auch die “Geschöpfe der Agonie” - wie Thomas Bernhard die Österreicher 1968 bezeichnete - erfasste.
Zu Wort kommen:
Bruno Aigner - Pressesprecher des Bundespräsidenten
Gertrude Fröhlich-Sandner - Vizebürgermeisterin i. R.
Dirk Jarré - Soziologe
Wolfgang Kos - Historiker und Museumsdirektor
Julia Logothetis - Bildende Künstlerin
Said Manafi, Filmemacher
Birgit Meinhard-Schiebel - Vorsitzende der Grünen Senioren Wien
Sigi Maron - Liedermacher
Joop Roeland - Priester
Andreas Unterberger - Chefredakteur
Werner Vogt - Arzt und Publizist
Emmy Werner - Theatermacherin

Vierzig Jahre schaffen Distanz. Manche Aktion wird heute als Abenteuer oder - gescheitertes - Experiment bewertet. Etliches wurde als spannendes Neuland entdeckt, an dem man andere teilhaben lassen wollte. Und es gab jene, die plötzlich mit offenen Augen hässliche Wirklichkeiten erblickten, die sie nie für Wahrheiten gehalten hätten und die es durch sie zu bekämpfen galt. Es kommen in dem Film die ewigen Rebellen genauso zu Wort wie jene, die sich erst nach und nach zu RebellInnen entwickelt haben und solche, die sich konformistisch etabliert haben oder nie einen Grund zum Aufbegehren wahrgenommen haben. Sieben Männer und vier Frauen sprechen sehr persönlich über 1968 und die Folgen.

Eine Dokumentation, die viel Anlass zur Diskussion bietet. Eine angeregte kritische Diskussion von der man nur hoffen kann, dass sie folgen wird; denn 1968 ist vorbei und wir haben stattdessen 1984 in einem untragbaren Ausmaß zugelassen. Junge Wilde werden in Zeiten wirtschaftlicher Katastrophen, totaler Überwachung und in Zeiten in dem sich Armut zum Frauenprivileg entwickelt, systematisch am Denken gehindert.
Brave new world!

© S. Strohschneider-Laue

Siehe und höre Mediathek: 1968 Zeitzeugen

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Prinz Kaspian - Film

Montag, 16. Juni 2008

Notiz

Prinz Kaspian von Narnia - Der Film

Prinz Kaspian Fotos Die Chroniken von Narnia 04. Prinz Kaspian - Fotos aus dem Film

Prinz Kaspian Buch zum Fim Die Chroniken von Narnia 04. Prinz Kaspian von Narnia - Das Buch zum Film

Die zweite Narnia Verfilmung “Prinz Kaspian von Narnia” aus den Walt Disney Studios startet am 31. Juli in Österreich. Man darf sich also während des Sommers wieder auf glatt inszeniertes Familien-Kino freuen.

Der Kinderbuchklassiker aus der Narnia-Serie von C. S. Lewis, den auch Erwachsene noch gerne lesen, lieferte die Vorlage. Die vor dem Hintergrund des zweiten Weltkrieges angesiedelte Story der vier Pevensie Geschwister, die vom tristen Londoner Kriegsalltag in die Fantasiewelt Narnia wechseln, wird im Prinz Kaspian von Narnia fortgesetzt. Beim ersten Besuch beenden die vier Kinder gemeinsam mit dem zauberhaften Mischwesen Narnias und dem Löwen Aslan die Herrschaft der bösen weißen Hexe, die das Land mit ewigem Winter überzog. Bei ihrem aktuellen zweiten Besuch ist bereits eine halbe Ewigkeit in Narnia vergangen, während es für die heranwachsenden Kinder nur ein knappes Jahr war. Den mythischen Bewohnern droht jetzt die Ausrottung durch König Miraz. Prinz Kaspian - der rechtmäßige Thronfolger - verbündet sich mit den vom Untergang bedrohten Narnianer gegen den Usurpator Miraz. Die zurückgekehrten Könige und Königinnen von Narnia stehen ihnen bei ihrem kräfteraubenden Widerstand zur Seite.

Eine unglaublich fesselnde Geschichte voll christlicher Moral, die in Bild und Ton umgesetzt zu einer vollendeten Schlachtplatte mutiert. Sauber und blutfrei ist der auf Familien und größere Kinder abzielende Film dennoch, wenn auch keinesfalls gewaltlos. Er ist die jugendgerechtere Variante der Herr der Ringe Thematik. Es wird unaufhörlich für die gute Sache ehrenvoll gekämpft und gestorben, auch wenn das sichtbare - wenn auch diskret ausgeblendete - Töten hauptsächlich den “bösen” Menschen überlassen wird. Man muss den gewalttätigen Tatsachen ins Auge blicken ohne den hohen Unterhaltungswert des Films zu schmälern, in dem es von großen Gesten, heroischen Taten und gefühlvollen Momenten nur so wimmelt. Herzige und knuddelige Figuren, die es im ersten Teil noch gab, wird man allerdings vergeblich suchen, schließlich werden auch die Pevensie Kinder älter und entwickeln dementsprechend andere Interessen.

Superspannend von der ersten bis zur letzten Minute inszeniert und handwerklich in jeder Hinsicht sauber produziert. Kein Wunder standen doch viele große Filmwerke mit ihren innovativsten Szenen und die Besten ihres Fachs Pate. Daher ist das eine oder andere déjà vu verzeihlich, schließlich findet man z. B. den Flussgott Narnias, der die Armee von der Brücke in den Fluss spült und Heerführer verschluckt, genauso beeindruckend wie die Wassermassen die Imhotep in “Die Mumie kehrt zurück” beschwört oder die durch Elfenkraft herbeigerufenen “Wasserpferde” in “Herr der Ringe - Die Gefährten”. Gut gewählte Drehorte in Neuseeland, Tschechische Republik, Polen und Slowenien sowie fantastische Sets geben den passenden Rahmen und Hintergrund für die bewegte Geschichte. Die vertrauten DarstellerInnen, die Kinder aus dem ersten Film, sind inzwischen nicht nur körperlich gewachsen, sondern auch reifer im Spiel geworden. Dennoch werden nicht nur die Hauptcharaktere von Peter Dinklage (Trumpkin) und Warwick Davis (Nikabrik) glatt an die Wand gespielt. Da helfen auch die beeindruckenden Kostüme oder die Bärte im El-Greco-Stil der restlichen Besetzung nicht.

Resumee: Wunderbares Popcorn Kino bei dem “Prinz Kaspian” den ersten Teil übertrifft, und dem man eigentlich nur vorwerfen kann, dass die computeranimierte Schwert schwingende Maus Riepitschiep unmausig ausgefallen ist. Zurücklehnen, ansehen und spätestens nach dem Film endlich die Narnia-Bücher von C. S. Lewis (wieder) lesen.

© S. Strohschneider-Laue

Die Chroniken von Narnia 04. Prinz Kaspian - Fotos aus dem Film
Die Chroniken von Narnia 04. Prinz Kaspian von Narnia - Das Buch zum Film