Archiv für die Kategorie ‘Fiction’
Sonntag, 19. Dezember 2010

Sabine Hueck, Margit Knapp
Höllisch scharf und himmlisch süß
Eine kulinarische Verführung
Heyne 2009, 224 S., farbig illust. und S-w.-Fotos.
ISBN 978 3 4531 6552 6
Höllisch scharf und himmlisch süß
In neun Gängen wird hier kulinarisch-literarisch zum Kochen verführt. Im ersten Gang trifft Nicht-Köchin Margit auf Köchin Sabine aus São Paulo. “Kochen, nein Danke!” und “leidenschaftliche Köchin” machen durch ihre Annäherung aneinander die LeserInnen neugierig aufs Hantieren mit Esswaren und nicht alltäglichen Zutaten sowie das aktive Verstehen internationaler Küchen.
Anfangs scheinen peruanische Hähnchenspieße, Ceviche im Limetten-Koriander-Dressing und Pisco Sour eine echte Herausforderung zu sein. Doch in der gemeinsamen Annäherung wird nicht nur Filmemacherin und Lektorin Margit mutiger, es beginnt auch den LeserInnen in den Fingern zu prickeln.
Von Gang zu Gang enthüllt sich die Welt der internationalen Kochkunst ein bisschen mehr. Wo man Zutat erhält, woran man sich gleich kochend versuchen kann und wofür man ein wenig mehr Erfahrung braucht, wird hier beschwingt formuliert. Ebenso luftig leicht dienen die Illustrationen und zurückhaltend eingestreuten Schwarz-Weiß-Fotos als optische Erklärung. Im Register des strapazfähigen und handlichen Buchs finden sich sämtliche Rezepte noch mal säuberlich gelistet wieder, die zuvor charmant dem Text untergeschmuggelt wurden. Erstaunlich, wie viel sich mit ein bisschen Mut und Unterstützung auf den Tisch zaubern lässt.
Fremde Kochwelten machen neugierig und die flotte Schreibe nimmt Kochmuffel mehr und mehr für die Küche und das Kochen ein. Zum immer wieder Lesen und Nachkochen.
© S. Strohschneider-Laue
Höllisch scharf und himmlisch süß
Gastmahl | Ama/Koch/zon/e
AugenBlick | AmaZino
Tags:do-it-yourself, Ebensolch Rez-E-zine 64/10, Genuss, Literatur, Sistlau
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Sonntag, 05. Dezember 2010

Eva Lirot
Seelenbruch
Ein Thriller aus Frankfurt
Schardt 2010, 204 S.
ISBN 978 3 8984 1504 0
Seelenbruch: Ein Thriller aus Frankfurt
Dieser Krimi ist ein blutiges Lesevergnügen. Starke Nerven sind somit Voraussetzung für prickelnden Schauder.
Und wie es sich für einen packenden Thriller gehört, muss man nicht lange auf die - vermeintlich - erste Leiche warten. Die Behauptung, dass öffentliche Orte und Menschenmengen sichere Plätze seien, relativiert sich durch diesen Mord schnell; denn die junge Frau wird im vollen Frankfurter Kaiserdom ermordet. Pikanterweise hatten Opfer und Täter während der Bischofsweihe Sex in einem Beichtstuhl. Sex, dessen Höhepunkt mit einer durchschnittenen Kehle beendet wurde. Es war nicht die erste Leiche und wird nicht die letzte Leiche dieses Falles sein. Der Mörder ist ein Getriebener und was ihn antreibt, ist in jeder Hinsicht der blanke Wahnsinn.
Eine Leiche im Kaiserdom ist also Eva Lirot nicht genug. Nach und nach zieht sie ihre Leser genussvoll tiefer in die verstörenden Hintergründe der Morde. Die wendungsreiche Suche nach dem Serienmörder halten den Ermittler Jim Devcon und sein Team ständig auf Trab. Spuren, die auch in die Welt der sozialen Netzwerke zu finden sind, führen schließlich zu einer Studentengruppe um Laura Münchenberg.
Die kniffelige Mischung aus Philosophie, Psychologie und Wahnsinn ist es, die den Leser kalte Schauer über den Rücken jagt. Die exzellent beschriebene Arbeit des Ermittlungsteams sowie der Lokalkolorit von Mainhatten verschaffen “Seelenbruch!” genau jene Prise bildhafte Realität, die einen guten Krimi auszeichnet.
Eindeutig auch filmtauglich. Es verwundert, dass Eva Lirot ihren Thriller auch noch nicht zu einem Drehbuch umgearbeitet hat und sich die Studios um die Rechte reißen.
© S. Strohschneider-Laue
Seelenbruch: Ein Thriller aus Frankfurt
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Gastmahl | Ama/Koch/zon/e
AugenBlick | AmaZino
Tags:Deutschland, Ebensolch Rez-E-zine 63/10, Krimi, Literatur, Sistlau
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Montag, 22. November 2010

Daniel Krieg
Kreuzworträtselkarte Österreich
Hallwag 2010, Faltplan XXL-Format (138,6×92 cm)
ISBN 978 3 898283 0693 6
Kreuzworträtselkarte Österreich
Sie schaut aus wie eine Straßenkarte und lässt sich tischfüllend auffalten wie eine Straßenkarte. Wie es sich für eine Landkarte gehört, ist ganz Österreich mit allen Bundesländern abgebildet. Ringsherum gesellen sich im fröhlichen Reigen Persönlichkeiten, die mit Österreich verbunden werden, darunter auch solche, die eigentlich Deutsche, Italiener oder Tibeter sind. Auf der Innenseite des Covers befindet sich eine Tasche in dem der Fragenkatalog steckt sowie - zur Verhinderung von Tränenausbrüchen, Herzinfarkten und Selbstmorden - eine Minirätselkarte mit der Auflösung.
Wer jetzt glaubt, Einzel-Rätselnuss-Knacker spielen zu müssen, dem stehen schwere Tage ins Haus und nur der halbe Spaß. Es ist - allein wegen der Schadenfreude - unterhaltsamer aus dem Lösungsversuch eine Spielerunde zu gestalten. Die 1.066 Fragen drehen sich um Kunst und Kultur, Flora und Fauna, Sport und Politik, Geografie und Persönlichkeiten und Vieles mehr. Damit nicht genug, hat sich Daniel Krieg mit spürbarer Wonne und großem Geschick bemüht, die Fragen möglichst doppelbödig zu formulieren.
Natürlich habe ich mich zuerst auf die Burgenlandfragen gestürzt. Ganz in der irrigen Meinung, dass mir diese am leichtesten fallen würden.
“In Bayern ein Synonym für Bier, Dirndl und Gesang. Im Burgenland für ein Jazzfest und gute Bands.”
Und tatsächlich hatte ich ein - rasch vorrübergehendes - Erfolgserlebnis, da mir das burgenländische Jazzfestival in Wiesen schneller eingefallen ist als die bayrische Bezeichnung für das Oktoberfest. Danach brauchte ich Hilfe, viel Hilfe, denn Schummeln gilt nicht. Aufgefaltet wurde erst wieder im Freundeskreis bei mehreren sehr vergnüglichen Rätselabenden.
Diese Karte lässt RätselgroßmeisterInnen vom Schummeln träumen. Neun Bundesländer mit Stift und Köpfchen zu bereisen, treibt den Schweiß in Strömen auf die Stirn. Zugleich ist der intellektuelle Urlaub auf dieser Landkarte abenteuerlich und informativ. Österreich-Fans, Vorzeige-ÖsterreicherInnen und Rätselfreunde wird hiermit eine harte Staatsnuss im XXL-Format zum Knacken präsentiert.
© S. Strohschneider-Laue
Kreuzworträtselkarte Österreich
siehe auch:
Kreuzworträtsel Karte Deutschland
Kreuzworträtsel Karte Schweiz
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Tags:Österreich, Ebensolch Rez-E-zine 63/10, Humor, Reise, Sistlau
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Sonntag, 24. Oktober 2010

Martina Fiess, Silvija Hinzmann (Hgg.)
Bis zum letzten Tropfen
Mörderische Weinkrimis
emons: 2010, 240 S.
ISBN 978 3 8970 5765 4
Bis zum letzten Tropfen
Kriminelle Schreibenergie rund um den Wein zu entfalten, ist besonders leserInnenfreundlich. So manche gedruckte Schandtat wird auch von mir zur späten Stunde, begleitet von einem guten Tropfen, gelesen. Im Vertrauen und ganz “in vino veritas”, begleitet von Blaufränkisch Reserve 2007 las ich die letzte Nacht Bis zum letzten Tropfen durch. Manche Bücher kann man nicht aus der Hand legen und bestimmte Flaschen muss man bis zum letzten Tropfen genießen. Kein Wunder, dass ich die Anthologie nicht aus der Hand legte, bevor nicht der beste Wein zu Champagner veredelt seinen Korken zielgerichtet knallen ließ.
Von 19 AutorInnen wendungsreiche, hinterfotzige, zuweilen augenzwinkernde und allesamt fesselnde Kurzkrimis zu lesen, ist wie die besten Appetithäppchen zu genießen. So kommt es, dass ein leichter Abgang hier ganz gewaltig unter die Haut gehen kann oder - ganz im Sinne von ”Weinverkostertum verpflichtet” - es zu allerlei vergnüglich zu lesenden Schandtaten kommt. Auf 240 Seiten wird gestorben, betrogen, gestohlen und noch viel mehr, ohne dass Schuld und Sühne im Vordergrund stehen. Es ist der Wein, der sein zart-herbes Bouquet verströmt und den Geruch von Schweiß und Saumagen lieblich werden lässt; denn so manche Tat wird erst durch den Wein richtig schmackhaft.
Ulf Annel, Matthias Biskupel, Wolfgang Burger, Horst Eckert, Martina Fiess, Monika Geier, Brigitte Glaser, Carsten Sebastian Henn, Elisabeth Herrmann, Silvija Hinzmann, Thomas Hoeth, Regine Kölpin, Tatjana Kruse, Christine Lehmann, Ulla Lessmann, Hannes Nygaard, Heidi Rehn, Britt Reißmann und Nina Schindler sind die genialen PlotterInnen. Sie präsentieren die Deutsche Anbaugebiete von ihren tätlichen Seiten und werden selbst in kurzen Steckbriefen am Ende des Bandes umrissen.
“Bis zum letzten Tropfen” ist die perfekte Lektüre für Krimifans unter den WeinkennerInnen und für solche, die eines von beiden noch werden wollen! Begleitet mit der richtigen Flasche - ich empfehle nach meiner mit einem fantastischem, aber schweren ostösterreichischen Barrique verbrachten Nacht einen lieblichen Moselwein als idealen Lesebegleiter - ein geschmackvoll verbrecherisches Vergnügen.
© S. Strohschneider-Laue
Bis zum letzten Tropfen
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Montag, 21. Juni 2010

Aveleen Avide
Samtene Nächte
rororo 2010, 237 S.
ISBN 978 3 4992 5243 3
Samtene Nächte: Erotische Geschichten
Aveleen Avide hat es endlich wieder getan: Frau nimmt sich, was Frau möchte. Sinnlich, erotisch, begehrend - Aveleen Avide weiß, was Frauen wünschen. Wieder verführt die Meisterin der Erotik lesend zu allerlei Spielarten der Lust und Leidenschaft und immer sind es Frauen, die im Mittelpunkt stehen. Ihre Heldinnen genießen, entscheiden und werden überrascht und die LeserInnen mit ihnen. Egal ob es Singlefrauen oder Verheiratete sind, sie wissen, was sie von Horst und Hami wollen oder was Dietmar verdient.
Vom intimen Kuschelsex zur erotisierenden Wohlfühlmassage spannt sie den Bogen. Dazwischen tummeln sich Singlefrauen, alte Paare, frisch Verliebte in Swingerklubs und mehr oder weniger privaten Räumen. Und alle Frauen erhalten, wonach sie sich gesehnt haben, die Luxusstripperin ebenso wie die Theaterbesitzerin. Sex kann dabei alles sein auch voyeuristisch oder ultimativ. Und selbst die Entscheidung den Partner zum Teufel zu schicken, ist erregend.
Zehn erotische Geschichten, gewürzt mit dem gewissen erzählerischen Kick, der über das Lustprinzip hinausgeht, versprechen sinnlich-fesselnde Lesestunden. Natürlich dürfen auch Männer an diesen weiblichen Freuden teilhaben. Eigentlich sollte es Männerpflichtlektüre sein, denn es könnte ihnen und ihren PartnerInnen gut tun.
© S. Strohschneider-Laue
Samtene Nächte: Erotische Geschichten
siehe auch:
Seidene Küsse: Erotische Geschichten
Heiße Bescherung: Erotische Geschichten
Sinnliche Fluchten: Erotische Erzählungen
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Tags:Ebensolch Rez-E-zine 61/10, Erotik, Literatur, Sistlau
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Sonntag, 20. Juni 2010

Annemarie Schwarzenbach
Orientreisen
Herausgegeben von Walter Fähnders
edition ebersbach 2010, 192 S.
ISBN 978 3 8691 5019 2
Orientreisen: Reportagen aus der Fremde
Annemarie Schwarzenbach war Historikerin. Ihre Zugehörigkeit zu eine reichen, angesehen Schweizer Familie ermöglichte ihr zumindest wirtschaftliche Unabhängigkeit, wenn auch die inhaltliche Unterstützung ausblieb. Die intelligente Beobachterin fährt mit offenen Augen durch Europa, den Orient und Amerika und sie behält ihre dabei gewonnenen Eindrücke sowie bedrückenden Erkenntnisse nicht für sich. Sie ist unverhohlen lesbisch, antifaschistisch und definitiv ihrer Zeit und zuweilen ihrer Familie zu weit voraus. Als Autorin, Fotografin und Reporterin wird sie bekannt. Viel zu jung stirbt sie bereits mit 34 Jahren nicht an den Folgen ihres Drogenmissbrauchs, sondern durch eine Fehldiagnose ihrer Kopfverletzungen nach einem Fahrradunfall.
Zwischen 1933 und 1940 bereiste Annemarie Schwarzenbach währen vier Reisen den Orient. Die Reisereportagen der außergewöhnlichen Schweizerin bestechen durch ihre vielfältige Mischung aus historischen, zeitgeschichtlichen und persönlichen Eindrücken. Sie sind zugleich präzise auf den Punkt gebrachte Sozial- und Befindlichkeitsstudien. Denn Austauschbarkeit scheint nicht nur die logistischen Strukturen römische Legionslager zu betreffen, sondern auch weltweite Hotelketten und ihre NutzerInnen. Annemarie Schwarzenbach hält diese Beliebigkeiten fest und spießt sie auf, wie eine Insektensammlerin ihre Trophäen. Sie beobachtet die Reisenden - die heute genauso sind, aber massenhafter auftreten - wie sie genau das tun, was daheim von ihnen erwartet wird. Sie besuchen die richtigen Länder, sehen dort die richtigen Sehenswürdigkeiten, essen und trinken das Richtige - also das was man von daheim kennt -, schlafen in der richtigen Hotelkette, sprechen mit Ihresgleichen über die Banalitäten ihrer eigenen Wichtigkeit und hätten den Einheimischen einen großen Gefallen getan, wenn sie daheim geblieben wären. Es liest sich, als ob der Kolonialismus nahtlos durch Tourismus ersetzt wurde, getragen von der gleichen Gesinnung.
Wie moderne, inhaltsstarke Videoclips sind die bewusst nicht chronologisch gereihten Texte zu lesen. Schwarzenbachs Stil und Themenwahl hat ihre Aktualität in den letzten über 65 Jahren nicht verloren. Die Lektüre bleibt Seite für Seite ein fesselnder, inhaltsstarker Genuss.
Im Anhang setzt sich der Herausgeber mit dem Werk von Annemarie Schwarzenbach auseinander. Im Mittelpunkt seiner Betrachtungen stehen die vorgelegten Reportagen aus der Fremde und leider nur äußerst randlich die Autorin selbst.
© S. Strohschneider-Laue
Orientreisen: Reportagen aus der Fremde
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Bertha Buch | Amazon(e)Store
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AugenBlick | AmaZino
Tags:Ebensolch Rez-E-zine 61/10, Gender, Literatur, Sistlau, Völkerkunde
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Sonntag, 20. Juni 2010

Dennis DiClaudio
Der kleine Erotiker
DVA 2010, 208 S., zahlr. Sw-Abb.
ISBN 978 3 4210 4410 5
Der kleine Erotiker: Lexikon der unzüchtigen Vergnügungen
Nach Der kleine Hypochonder
folgte Der kleine Neurotiker
. Mit einer Steigerung war eigentlich nicht mehr zu rechnen, bis der neue Geniestreich auch auf Deutsch vorgelegt wurde. Wer den Neurotiker und den Hypochonder gelesen hat, kommt an diesem lüsternen Brevier nicht vorbei. Die Pflichtlektüre für unbefangene SchmunzlerInnen lässt kein schrilles Verlangen aus und hat der Übersetzerin Anne Uhlmann einiges abverlangt.
Wer die ersten beiden Bände versäumt hat, sei gesagt, dass es sich auch hierbei nicht um ein medizinisches Nachlagewerk handelt, dafür wurden zu viele Fakten ausgelassen. Es ist auch keine Anleitung für Experimentierfreudige, dazu ist es ebenfalls zu unpräzise. Worin es wirklich präzise ist, ist die Absurdität der menschlichen - im größeren Ausmaß männlicher - Neigungen.
Mit den Titeln schöner Schmerz, Körperteile und ihre Funktionen, unbeseelte Gegenstände, im Land der Fantasie(n), Fauna und Flora, Kostüm und Rollenspiel unterteilt er feinsäuberlich den Lustgewinn in Kapitel. Wie oft dabei der sexuelle Mehrweit durch Ein- und - mehr oder weniger erfolgreich - Abgeführtes erreicht wird, davon können wohl nur Chirurgen berichten, die Sammlungen von allerlei kalziniertem Getier, floralen Resten oder unbeseelten Objekten wie - anscheinend aus gutem Grund torpedoförmigen - Marienstatuetten vorweisen können. Wer jemals gehört hat, dass Liebe durch den Magen geht, denkt an gutes Essen und hat nicht unbedingt mit Hüttenkäse gefüllte Badewannen im Sinn. Ja so sind manche Sinnsprüche von mehr Doppelbödigkeit als man annehmen möchte. Sollten Sie jemals den Spruch “wie die Nase des Mannes, so sein Johannes” gehört haben, sind sie eindeutig noch nie einer Nasophilien begegnet. Ihr ist nämlich der Johannes mit seinem Johannes völlig gleichgültig, wenn sie nur sein unwiderstehliches Riechorgan ohne den restlichen Johannes behalten könnte. Was den nasophilen ihn hingegen beflügelt, lesen Sie lieber selbst nach.
DiClaudio behauptet, dass er bestimmte Details ausgelassen habe, wenn man allerdings jene liest, die er zu publizieren willens war, verzichtet man gerne auf den Rest, aber nicht auf “Der kleine Erotiker”. Dass er in vielen Belangen recht hat, bestätigt folgendes Zitat: “Jahrzehnte hindurch, in denen Fetischisten gezwungen waren, ihre Lebensweise geheim zu halten, galten Leder und Latexbekleidung als Marken- und Erkennungszeichen des Bondage. Heute gehen Zehn- bis Zwölfjährige so in die Schule. Die Zeit hat schon einen schrägen Sinn für Humor.” Und so beweist auch Dennis DiClaudio mit seinen Büchern immer wieder seinen schrägen Sinn für Humor, den seine Fans lieben!
© S. Strohschneider-Laue
Der kleine Erotiker: Lexikon der unzüchtigen Vergnügungen
siehe auch:
Der kleine Neurotiker
Der kleine Hypochonder
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AugenBlick | AmaZino
Tags:Ebensolch Rez-E-zine 61/10, Erotik, Humor, Literatur, Sistlau
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Donnerstag, 19. November 2009

Corinna Rückert (Hg.)
Heiße Bescherung
Erotische Geschichten
Rowohlt 2009, 223 S.
ISBN 978 3 499 25292 1
Heiße Bescherung: Erotische Geschichten
Weihnachten ist das Fest der Liebe. Verbunden wird Weihnachten wohlige Wärme, knisterndes Feuer und prickelnde Vorfreude. Völlig richtige Assoziationen, wenn auch ein wenig kindlich. Die erwachsene Variante ist sinnlicher, wohliger, knisternder, prickelnder und wird gekrönt von einer heißen Bescherung.
Zehn Autorinnen verführen zum Lesen und locken mit Versuchungen der besonderen Art. Sie beschenken sich selbst und ihre PartnerInnen mit dem Unerwarteten. Regina Nössler, Sophie Andresky, Luna, Laura Mérrit, Corinna Rückert, Susanna Calaverno, Patricia Amber, Astrid Martini, C. C. Stern und Aveleen Avide entfachen das Feuer, stellen die Kerzen auf und verführen zu sinnlichen Höhepunkten.
Corinna Rückert wählte für diesen Band hochkarätige Autorinnen aus. Das Arrangement der lustvollen Momente entspricht der Weihnachtzeit. Es beginnt mit der Vorfreude “Auf engstem Raum” und steuert unaufhörlich über “Brust oder Keule”, “Bye-bye Dr. Feelgood”, “Das Abendmahl”, “Der Connaisseur”, “Ein ganz besonderer Adventkalender”, “Engel im Schnee, “Himmlische Eroberung” und ”Hot ‘n’ Cold” quer durch die Weihnachtszeit auf “Michelle und ihre Weihnachtsmänner” zu. Jede Story ist ein besonderes Geschenk. Wundervoll geschrieben und immer wieder lustvoll überraschend.
Eindeutig ein Buch zum selbst behalten oder als Überraschung im erotischen Weihnachtskalender einplanen. Meine Empfehlung lautet: Lesen Sie die letzten zehn Tage vor Weihnachten täglich eine Story und genießen sie Aveleen Avides Hauptgang ”Weihnachtsmänner” am 24. Dezember als unvergleichlichen Nachtisch. Es wird ein unvergessliches Fest werden.
“Be”sinnliche Weihnachten!
© S. Strohschneider-Laue
Heiße Bescherung: Erotische Geschichten
Teeblätter | AmazonStory/e
Gastmahl | Ama/Koch/zon/e
AugenBlick | AmaZino
Tags:Ebensolch Rez-E-zine 57/09, Erotik, Literatur, Sistlau
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Mittwoch, 04. November 2009

Kerstin Gier
In Wahrheit wird viel mehr gelogen
Lübbe 2009, 269 S.
ISBN 978 3 7857 6014 7
In Wahrheit wird viel mehr gelogen
Carolin ist 26 und das erste Mal in ihrem Leben Witwe. Das kann passieren, wenn man sich in einen viel älteren Mann verliebt. Blöd nur, wenn der Mann der Vater ihres Exfreundes ist, mit dem sie sich nun um das nicht unbeträchtliche Erbe streiten darf. Mit ihm und seinen beiden zänkischen Schwestern, die in etwa genauso blond sind wie deren Mutter. Aber nicht umsonst hat Carolin einen IQ von 158 und einen ganzen Haufen ausgefallener Ideen sowie eine “pflaumige” Schwester, einen ausgestopften Yorkshire Terrier mit Namen “Zweihundertdreiundvierzig” und eine feuchtigkeitscremebenutzenden Apotheker an ihrer Seite. Da macht notorisches Zählen auch schon nichts mehr aus…
“In Wahrheit wird viel mehr gelogen” ist eine erfrischende Abwechslung. Gut, es ist außen rosa, aber irgendwas ist ja immer. Ideenreich und selten sarkastisch bringt es so manches Schmunzeln mit sich - und meine erst durchlesene Nacht seit Langem!
Fazit: ein echter Lesetipp!
© K. Zotzmann
In Wahrheit wird viel mehr gelogen
Teeblätter | AmazonStory/e
Gastmahl | Ama/Koch/zon/e
AugenBlick | AmaZino
Tags:Ebensolch Rez-E-zine 57/09, Humor, KlaZo, Literatur
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Donnerstag, 22. Oktober 2009

Ukrike Schweikert
Das Herz der Nacht
Lyx 2009, 478 S.
ISBN 978 3 8025 8223 3
Das Herz der Nacht
Mystery trifft auf History: Ulrike Schweikert reiht sich mit Herz der Nacht in die Reihe der prominenten Vampirschriftstellerinnen Anne Rice und Barbara Hambly. Sie alle hauchen Untoten jene realistisch anmutende Unsterblichkeit ein, die die LeserInnen wirklich fasziniert.
“Das Herz der Nacht” spielt in der Ära nach Napoleon in Wien und Hamburg. Die historischen Städte - vor allem der Hauptschauplatz Wien - mit den typischen Plätzen dienen Schweikert als Kulissen für ihre realistisch gezeichneten Figuren. Der Realitätseindruck wird zusätzlich durch die berühmten Namen der Protagonistinnen verstärkt. Alle könnten jenen Familien entstammen, die ihre politischen und wirtschaftlichen Wurzeln in der k.u.k. Monarchie hatten und die mehr oder minder zwielichtigen Drahtzieher jener Epoche waren. Der Adel amüsierte sich zu dieser Zeit zwischen teuerem Spiel, opulenten Bällen und geistreicher Salonkultur, während das soziale Elend in den Vorstädten auf dem Vormarsch war. Den anziehenden Mittelpunkt in diesem schillerenden Reigen bildet der Vampir András Petru Báthory, der nicht umsonst den Namen der ebenso historisch verbürgten wie berüchtigten Blutgräfin trägt. Alles scheint perfekt, bis sich seltsame Todesfälle - weit in hocharistokratische Kreise hinein - ereignen, die eine Verbindung mit Báthory vermuten lassen. Vor diesem Hintergrund entspinnt sich ein perfektes Intrigenszenario in dem sich alles um Macht und Liebe dreht und auch reale historische Persönlichkeiten die Story bereichern dürfen.
Romantischer Horror und spannender Krimi bilden in diesem Roman eine harmonische und vor allem gut recherchierte Einheit. Die bildhafte Sprache von Schweikert sowie die abwechslungsreich gestalteten Szenenfolge machen es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Der Handlungsverlauf ist schlüssig und mit einigen überraschenden Wendungen garniert, so dass die Spannung, die durch den alten Bekannten Peter von Borgo ( Feuer der Rache,
Der Duft des Blutes
) angeheizt wird, konstant aufrecht bleibt.
AnhängerInnen des romantischen Vampirgenres werden beim Lesen ebenso auf ihre Kosten kommen wie Krimifans.
© S. Strohschneider-Laue
Das Herz der Nacht

siehe auch:
Feuer der Rache
Der Duft des Blutes
Die Erben der Nacht - Nosferas
- Rezension
Die Erben der Nacht - Pyras
Lycana: Die Erben der Nacht
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Tags:Ebensolch Rez-E-zine 56/09, Horror, Krimi, Literatur, Sistlau, Wien
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Montag, 21. September 2009

MFK Fisher
Die Kunst des Essens
Herausgegeben und übersetzt von Brigitte Ebersbach
edition ebersbach 2009, 168 S.
ISBN 978 3 938740 88 0
Die Kunst des Essens: Anleitung zum Genuss
Mary Frances Kennedy Fisher (1908-1992) gehört zu den großen Damen der kulinarischen Literatur. Die erzählerische Kraft und Lebendigkeit ihrer sehr persönlich gefärbten Essays über Kochen und Essen sind unübertroffen. Mit Kochbüchern haben ihre literarischen Leckerbissen nichts gemeinsam. Gelegentlich wird ein Rezept erwähnt, doch eigentlich geht es um den geselligen Akt des Essens, die Freuden der Nahrungszubereitung und die verführerische Qualität der Zutaten. MFK Fisher beschreibt Geschmack, Konsistenz, Farbe und Duft der Lebensmittel, dass einem beim Lesen das Wasser im Mund zusammenläuft. Im Mittelpunkt der kulinarischen Geschichten stehen aber stets Menschen. Sie tragen die Erzählung und treiben die Handlung voran. Meist schöpft Fisher aus dem großen Repertoire eigener Erinnerungen an die Kochkünste und Vorlieben von Freunden, Familienmitgliedern, Wirten und Zufallsbekanntschaften. Sie schreibt über die kleinen, alltäglichen Dinge des Lebens: Ihre Freude, wenn sie als Kind der Großmutter beim Marmeladekochen helfen durfte. Den Geschmack der ersten Auster. Die Kniffeligkeit ein Familienessen reibungslos über die Bühne zu bringen. Manchmal gerät sie dabei ins Philosophieren. Über die Veränderungen des Geschmacksinns, der mit dem Altern einhergeht, zum Beispiel. Geschickt komponiert sie eigene Beobachtungen und Beschreibungen längst nicht mehr praktizierter Haushaltsrituale ihrer Kindheit mit kulinarischer Kulturgeschichte oder Zitaten der Klassiker zu locker-leichten Texten.
Dass auch in der deutschen Übersetzung Fishers Eleganz der Sprache, ihr Witz und die Präzision ihrer Beschreibungen von Menschen, Orte und Situationen erhalten bleibt, ist der große Verdienst von Brigitte Ebersbach. Die von ihr für “Die Kunst des Essens” ausgewählten und perfekt ins Deutsche übertragenen Texte entstammen vier Büchern von MFK Fisher, die zwischen 1937 und 1949 erschienen. Als 20-gängiges Menü dargeboten, lassen die sinnesfreudigen Essays, bei deren Lektüre vor dem inneren Auge in goldenes Licht getauchte Bilder idyllischen Lebens entstehen, die mühselige Realität des Alltags vergessen.
In “Achthundert Tage und Nächte Kauen und Schlucken” meint MFK Fischer, dass kulinarische Experimente in Jugendjahren zeigen würden, “… wohin man sich entwickeln wird, das heißt, für welche der beiden oft zitierten Möglichkeiten man sich entscheidet: ob man isst, um zu leben, oder ob man lebt, um zu essen”. Ich gehöre zu jenen, die Essen weil es notwendig ist. Für mich ist Einkaufen eine Quälerei, kochen würde ich am liebsten mit dem Flammenwerfer, damit es schneller geht, und der Gedanke stundenlang bei Tisch zu sitzen, treibt mir die Schweißperlen auf die Stirn. “Die Kunst des Essens” habe ich dennoch mit Begeisterung verschlungen und mich dabei prächtig unterhalten. Damit ist eines bewiesen: MFK Fishers Texte sind auch für kulinarische Muffel ein Genuss.
© Ch. Ranseder
Die Kunst des Essens: Anleitung zum Genuss
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Gastmahl | Ama/Koch/zon/e
Tags:CRans, Ebensolch Rez-E-zine 55/09, Genuss, Literatur
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Dienstag, 15. September 2009

Harry Rowohlt
Gottes Segen und Rot Front
Nicht weggeschmissene Briefe II
Kein & Aber 2009, 272 S.
ISBN 978 3 0369 5536 0
Gottes Segen und Rot Front: Nicht weggeschmissene Briefe zweiter Teil
Sich darauf einlassen und sich dann darüber auslassen, kann keiner wie Harry Rowohlt. Der zweite Teil der wortgewandten Briefsammlung der andersartigen Art beweist dies mit jeder Zeile.
Jedes Mal frisst mich beim Lesen von Rowohlt-Texten der Neid über flockig-lockere Eloquenz, sprachliche Treffsicherheit und unverblümte Kernaussagen. Umso mehr hat es mich gefreut diese Briefsammlung zu lesen und Harry Rowohlt in schriftlicher Höchstform zu erleben. Bei ihm gibt es keinen sprachlichen oder inhaltlichen Unfall, es sei denn, er will ihn verursachen. Rowohlt schreibt wie er redet und er redet wie er ist. Das kann gut oder schlimm für die Adressaten sein und ist oft genug überraschend. Überraschend, weil die meisten gar nicht mehr wissen wie es ist Ehrlichkeit zu begegnen. Höfliches Salbadern und diplomatisches Formulieren darf man nicht von Rowohlt erwarten. Erwarten muss man hingegen geschliffene Aussagen, deutliche oder verspielte Worte oder ein stilistisch passendes Echo in dem alles von ätzender Kritik bis zum warmherzigen Glückwunsch enthalten sein kann.
“Gottes Segen und Rotfront” ist Pflichtlektüre für Rowohlt-Fans, Sprachfanatiker und Hirnbesitzer. Also kein Gelabere über ein tolles Buch, wer es jetzt noch nicht liest, dem ist sowieso nicht zu helfen.
“WARUM KÖNNEN DIESE MAKAKEN NICHT ALLES SO LASSEN, WIE ICH ES HINGESCHRIEBEN HABE?! ICH SCHREIB DAS JA NICHT ZUM SPASS SO HIN.” (Harry Rowohlt, Brief an Nikolaus Heidelbach)
© S. Strohschneider-Laue
Gottes Segen und Rot Front: Nicht weggeschmissene Briefe zweiter Teil
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Tags:Ebensolch Rez-E-zine 55/09, Kommunikation, Literatur, Sistlau
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Sonntag, 30. August 2009

Henning Ahrens
Provinzlexikon
Knaus 2009, 304 S., sw. illustriert.
ISBN 978 3 8135 0324 1
Provinzlexikon
Frisches Grün lädt in die Provinz und frisches Grün lädt ein, das Provinzlexikon aufzuschlagen. Was mit einem harmlosen Blättern im Buch beginnt, erinnert an einen geplanten kurzen Spaziergang, der in eine großartige Wanderung ausartet.
Was ist eigentlich Provinz? Sicherlich auch das, was man selbst im Kopf hat. Was man aus seiner persönlichen Provinz macht, ist ein individuelles Problem - zumindest solange Provinzgedanken nicht anderen Menschen und schlimmer noch einer ganzen Nation aufgezwungen werden. Dem geistigen Provinzialismus so viele Breitseiten zu verpassen wie möglich, ist - hoffentlich nicht nur - ein Anliegen des Autors. Es ist daher die Individualität der geografischen Provinz, die das Provinzlexikon so herrlich abwechslungsreich vollkommen unvollkommen macht. Genauso wie es Henning Ahrens ankündigt, wird das Provinzlexikon nicht - und soll es auch nicht - der Vielfalt gerecht werden, sondern sich auf die Provinz Norddeutschlands beziehen.
In 274 scharfsichtig dacht gewählten Stichworte klärt Ahrens über die mehr oder weniger wahnsinnigen Provinztatsachen auf. Das frische Design und die minimalistischen Illustrationen von Jana Cerno unterstreichen den pointierten Inhalt zusätzlich. Lexikalisch, humorig, doppelbödig und noch viel mehr ist das provinzdurchtränkte Buch. Dem Ackerrain nähert man sich durch den Tagebucheintrag von Karl. Der Leserbrief des Studienrates Horst an die Allgemeine Provinzzeitung bezieht (eine) Stellung zu Fettleibigkeit. Heuboden wird durch den Brief von Lieselotte an ihre Jugendliebe Karl erschlossen und Trecker (Traktor) bekommt eine eigene und völlig ungeahnte Dimension im Radio-Interview mit Udo. Übrigens derselbe Udo, der nicht nur von 280 PS fasziniert ist, sondern auch über Viagra einiges im selben Medium verlautbart. Das Provinzlexikon ist nicht so norddeutsch wie Ahrens selbst glaubt, kenne ich doch Niedersachsen (Deutschland) seit meiner Kindheit ebenso gut wie das Burgenland (Österreich). Manches, Menschen und Gedanken, sind zuweilen bis zur Austauschbarkeit gleich.
Danke Henning Ahrens, jetzt gewinne ich der Provinz andere Aspekte ab, obwohl ich mich weiterhin einer abgewandelten Form des Woddy-Allan-Zitats auf der Buchrückseite anschließe: “Das Land macht mich nervös. Da sind Spinnen und in der Früh ist es laut, und man kann - vor allem montags - nirgendwo zum Essen hingehen.” Immerhin kann ich jetzt kann lachen, wo ich vorher schreien wollte. Kann die verdrehten Vorzeichen sehen, die die Stadt nur zu einer anderen Form der Provinz macht. Dem Menschelnden, das Wilhelm Busch einst bei seinen Familienbesuchen in Wolfenbüttel zeichnerisch festhielt, setzt Henning Ahrens in seinem Provinzlexikon ein literarisches Denkmal.
© S. Strohschneider-Laue
Provinzlexikon
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Tags:Deutschland, Ebensolch Rez-E-zine 54/09, Humor, Kommentar, Literatur, Sistlau
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Montag, 22. Juni 2009

Stefan Slupetzky
Lemmings Zorn
Lemmings vierter Fall
Rowohlt 2009, 303 S.
ISBN 978 3 499 24889 4
Stefan Slupetzky Lemmings Zorn: Lemmings vierter Fall
Wien ist anders und bei Slupetzky mal wieder ganz typisch Wien, schlimmer geht es einfach nicht. Die Bücher rund um den Lemming sind viel mehr als nur Regionalkrimis. Sie sind in ein kriminelles Geschehen eingebettete, literarisch pointierte Sozialkritik. Die viel zitierte “Wiener Seele” wird außerhalb der Sissi-Stadt gründlich falsch als zuckerlsüße Romantik interpretiert. Alle, die des Wienerischen nicht mächtig sind, halten ja auch die übelsten Aussagen für den charmantesten Wiener Schmäh. Genau deshalb werden die skurrilen Figuren der Lemming-Reihe als überzogen skurril empfunden, obwohl jede einzelne davon bitter-real ist und unbehelligt mit ihrem angeborenen Devot-Buckel in Wien herumläuft.
Es ist Weihnachten, die beste Zeit des Jahres, um in Wien keine Stille zu finden. Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr: Der Lemming kommt nicht zur Ruhe. Nachwuchs Ben stellt sich äußerst übereilig und mit tatkräftiger Hilfe von Angela ein. Jene Angela, die am Heiligen Abend auf den Juniorlemming aufpasst - zumindest bis sie tot neben dem Kleinen liegt. In dieser unaufhörlich lärmenden, lebensfeindlichen Welt sind Klara, die starke Frau an Lemmings schwacher Seite, und der schutzbedürftige Benjamin die treibenden Kräfte. Für sie läuft der Lemming zur Höchstform auf. Wieder steht er nahezu allein gegen Ignoranz, Fremdenhass, Korruption, gedruckten und personifizierten Kleinformaten. Was ein echter Lemming (eigentlich Leopold Walisch und Ex-Krimineser) ist, lässt keinen Fettnapf aus. So trifft allgegenwärtige Faulheit und Inkompetenz gepaart mit Überheblichkeit, die nur noch von Unterwürfigkeit übertroffen wird, auf die Beharrlichkeit des lärmgestressten Lemmings. Und wenn dem Lemming schließlich das zielgerichtete Kotzen kommt, möchte man nur noch applaudieren.
Zuletzt bleibt nur noch eine Frage offen: Wann erscheint bitte das Nächste? Und ich fürchte die Antwort wird lauten: Erst, wenn Wien den Lemming wieder viel zu weit getrieben hat!
Nominiert für Friedrich-Glauser-Preis 2010 in der Sparte “Roman”!
© S. Strohschneider-Laue
Lemmings Zorn: Lemmings vierter Fall
Siehe auch die ersten drei:
Der Fall des Lemming
Lemmings Himmelfahrt: Lemmings zweiter Fall
Das Schweigen des Lemming: Lemmings dritter Fall
Lemmings Himmelfahrt. 8 CDs + 1 MP3-CD . Lemmings zweiter Fall
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Sonntag, 07. Juni 2009

Mark Crick
Goethe im Baumarkt
Blessing 2009, 142 S., Illust.
ISBN 978 3 89667 390 9
Goethe im Baumarkt: Wenn Weltliteraten heimwerken müssten
Der Originaltitel “Sartre’s Sink” gefällt mir persönlich viel besser. In Deutschland kommt man leider nicht um Goethe herum. Aber spätestens wenn im Goethe-Stil versucht wird den Badewannenrand abzudichten, merkt man, dass sich Dichtung und Dichtung in ihrer Unterschiedlichkeit sich sehr wohl vereinen lassen. Obwohl es die eine nur im Baumarkt und die andere nur im Buchladen gibt. Und wenn Werther Dichtungskitt für die Badewanne benötigt, entschädigt das für die Zeit, die man schulkonform mit diesem hormongesteuerten, selbstmitleidigen Stalker in EU-Farben verbringen musste. Ähnlich wird es jenen gehen, die in ihrer Schulzeit mit dem Werk des gerne tötenden Wichtigtuers Hemingway angeödet wurden. Wenn der alte Mann mit der Blümchentapete ringt, weiß man endlich, dass der Stoff doch zu mehr als purer Langeweile taugt.
Vorangestellt jeder bautechnischen Neuerzählung literarischer Highlights findet sich - in orange gesetzt -wie in jeglicher Anleitung ”benötigtes Werkzeug” und “benötigtes Material”. Schwarz auf Weiß folgt die Story, die den diversen Heimwerker-Schicksalen vom “Auswechseln eines Lichtschalters” (Jelinek) oder dem “Aufstellen eines Gartenzauns” (Thompson) auf den Grund geht.
14 Parodien auf 14 literarische Ergüsse, die es in den Kanon geschafft haben. Und das volle Vergnügen geht auf Kosten der olympisch Großen im Literaturgeschehen. Mit ihren eigenen Worten werden sie literarisch auf das normalsterbliche Maß aller Heimwerkereien heruntergeholt. Zum Niederknien respektlos zeigt Mark Crick die Beliebigkeit der Inhalte gemessen an der typischen Sprache und Erzählweise von Samuel Beckett, Emily Brontë, Julius Cäsar, Dostojewski, Marguerite Duras, Johann Wolfgang von Goethe, Ernest Hemingway, Elfriede Jelinek, Milan Kundera, Haruki Murakami, Anäis Nin, Edgar Allan Poe Jean-Paul Satre und Hunter S. Thompson auf.
Dante wurde leider (noch) nicht von Mark Crick “durch den Baumarkt gezogen”, trotzdem ist es eine göttliche Komödie geworden. Und das köstlichste Literaturrecycling, das man sich nur wünschen kann. Dass das Buch zudem auch noch sehr ansprechend zeitgeistig gestaltete ist, perfektioniert das Werk auch für Hand und Augen.
Zuletzt bleibt nur noch eine Frage offen: Wann erscheint bitte das Nächste?
© S. Strohschneider-Laue
Goethe im Baumarkt: Wenn Weltliteraten heimwerken müssten
Die Suppe des Herrn K: Eine vollständige Geschichte der Weltliteratur in 15 Rezepten
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Freitag, 17. April 2009

Léonard Autié
Léonard der Coiffeur der Königin
Galantes, Frivioles und Extravagantes vom Hofe der Marie-Antoinette
edition ebersbach 2009, 263 S., Sw-Abb.
ISBN 978 3 938740 84 2
Léonard, der Coiffeur der Königin: Galantes, Frivoles und Extravagantes vom Hofe der Marie-Antoinette
Der Friseur als Beichtvater?
Der Friseur als Künstler?
Der Friseur als minutiöser Beobachter einer intriganten Gesellschaft, die mit vollen Haarsegeln (inklusive Fregatte) auf den Untergang zu steuert?
Stimmt alles, aber vor allem war Léonard ein ehrgeiziger und bauernschlauer Gascogner, ein genialer Klatschreporter, der auf der fetten Adelssuppe surfte. Mitten zwischen dekadenten Adel und überfressenem Klerus ein Friseur, der die Locken so hoch auftürmt wie es der Adel der Kundinnen erforderte und so willig war wie es die Kundinnen wünschten. Er hatte seine Augen und Ohren offen, denn er wusste eindeutig Zweideutiges zu berichten und die jeweilige Gunst der Stunde zu nutzen. Die Locken- und Bettenkarriere eines Mannes, der der Adelsgesellschaft gab, was sie wollte, bevor das Volk ihr gab, was sie verdiente.
In diesem Buch ist es aufgeschrieben das Galante, Frivole und Dekadente der auftoupierten Glanzzeit von Marie-Antoinette und ihren Zeitgenossinnen. Egal ob Léonard die amüsanten und geistreich formulierten Anekdoten selbst schrieb oder nicht - das Buch kam deutlich nach seinem Tod in den späten 30ern des 19. Jahrhunderts erstmals auf den Markt und vielleicht war Georges Touchard-Lafosse der Ghostwriter - es ist eine pikant-glamouröse Betrachtung jener Gesellschaft, die durch Eitelkeit zusammengehalten wurde.
So gesehen, hat das Buch Aktualitätswert bis in die Gegenwart. Auch wenn die dümmliche Eitelkeit der Frauen heute eher durch Untergewicht unter und Silikon auf den Rippen, blonde Haare sowie übergroße Sonnenbrillen repräsentiert wird. Während sich die unersättliche Gier der Männer durch unkontrolliertes Scheffeln aus den versiegenden Geldpool und den Lohntüten der Angestellten manifestiert. In Anbetracht, dass am Ende von Léonards Karriere die Flucht vor der französischen Revolution stand, stellt sich die Frage in welchen Untergang die vollständig aufgetakelte heutige Upperclass segelt.
Hinter rosa Umschlag und passend verspieltem Layout mit etlichen historischen Abbildungen verbirgt sich nicht nur pures Lesevergnügen und ein historischer Einblick. Carolin Fischer wählte für diese erste Deutsche Ausgabe jene Episoden, die in unmittelbaren Zusammenhang mit Marie-Antoinette stehen. Anmerkungen und Zeittafel runden die hintergründige Betrachtung des Ancien Régime ab.
© S. Strohschneider-Laue
Léonard, der Coiffeur der Königin: Galantes, Frivoles und Extravagantes vom Hofe der Marie-Antoinette
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Samstag, 15. November 2008

Birgit Primig
Platons Hundeleben: Episoden und mehr
BoD 2008, 72 S.
ISBN 978 3 8370 6775 0
Platons Hundeleben: Episoden und mehr
Für Weihnachten, Geburtstage, HundeliebhaberInnen und Katzenmenschen - das kleine Mitbringsel mit hohem Unterhaltungswert.
Platon ist einfach super. Klug, eigenwillig, alltagstauglich und lebensbereichernd. Platon ist aber auch Philosoph und Vordenker, denn Nachdenker gibt es bereits genug. Platon weiß, was Frauchen will und wo Herrchen Nachhilfe braucht. Keine larmoyante, zuckersüße Hundeschnulze. Eine tolle Biographie über einen tollen Hund. Das richtige kleine Book-on-Demand-Buch.
Ach ja: aufgeschrieben hat Birgit Primig wie Platon lebt und was er liebt. Wer die Autorin kennt, versteht sofort, dass Frau und Hund haargenau zueinander passen.
Hoffentlich wird es bald eine weitere Konzert-Lesung geben!
© B. Meinhard-Schiebel
Platons Hundeleben: Episoden und mehr
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Dienstag, 01. Juli 2008

Carmen Winter (Text), Hermann Naehring (Percussion)
Männertöne - Weiberworte
Phonector 2008, Laufzeit 63,48′
Männertöne - Weiberworte
Diese Konzert-Lesung ist ein ungewöhnlicher Ohrgenuss. Die Texte von Carmen Winter, die auch selbst liest, stimmen nachdenklich und bringen Seelensaiten zum Klingen. Laut Carmen Winter “lebten Männer und Frauen einst auf verschiedenen Planeten (…)”. Ich persönlich bin von den bestehenden Kommunikationsproblemen überzeugt. Viele Frauen sind des männlichen marsianisch nicht mächtig und Männer scheinen es gar nicht erst mit einer “Fremdsprache” zu versuchen. Mal ganz abgesehen davon, dass ich anscheinend oft selbst ausschließlich venusisch zu reden scheine… Die verschiedenen Sprache behindern bis heute die Kommunikation zwischen den Geschlechtern. Man kann sich allerdings der Autorin anschließen, die es erfreulich findet, dass es immer noch Männer und Frauen gibt, “die den Versuch, einander etwas mitzuteilen, nicht aufgegeben haben”.
In dieser Konzert-Lesung werden defintiv zwei Sprachen gesprochen, die ohne Dolmetscher miteinander kommunizieren können ohne die Eigenständigkeit zu verlieren. Gleichberechtigt neben der Textlesung stehen die Kompositionen und Percussionimprovisationen von Hermann Naehring. Der Rhythmus leitet ein, verstärket die Textstimmung und lässt sie nachwirken.
Über eine Stunde lauscht man Vortrag und Konzert und die Zeit vergeht wie im Fluge, weil beide Aspekte von der ersten bis zur letzten Sekunde kurzweilig bleiben ohne in die Belanglosigkeit abzugleiten. Ein ausgezeichnetes Beispiel, dass Anspruch und Publikumstauglichkeit bestens vereinbar sind. Mein persönlicher Favorit ist “Vernebelte Nebenwege”. Hier spielen Lesung und Percussion miteinander, lösen sich ab und stacheln einander an. Echt genial, man wird regelrecht mitgerissen. Ich glaube, dass unter den 18 Tracks jeder sein persönliches besinnliches oder von anderen Sichtweisen getragenes Lieblingswerk finden wird.
Hoffentlich wird es bald eine weitere Konzert-Lesung geben!
© S. Strohschneider-Laue
Männertöne - Weiberworte
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Montag, 30. Juni 2008

Ulrike Schweikert
Die Erben der Nacht -Nosferas
cbt 2008, 448 S.
ISBN 978 3 5703 0478 5
Die Erben der Nacht - Nosferas
Der Roman „Die Erben der Nacht - Nosferas” von Ulrike Schweikert folgt den neuerlichen Trend für Vampirliteratur auf seine ganz eigene Weise. Die Hauptakteure sind Vampirkinder, die für ihre Fortbildung für den Weiterbestand ihrer aussterbenden Spezies bei jedem der Clans je ein Jahr in die Schule gehen sollen. Denn die Vampire haben ein essentielles Problem: Überleben! Daher begibt sich Ende des 19. Jahrhunderts der vampirische Nachwuchs Europas zum Überlebenstraining nach Rom. Die fantasy- und krimierprobte Autorin schuf mit dieser Story - den Auftakt einer Reihe - ein Buch, das Jugendliche ab 12 Jahren, aber ganz sicher auch älteres Publikum begeistern wird.
Im Jahr 1877 gelangen die Anführer der Vampirklans der Dracas aus Wien, Vamalia aus Hamburg, Lycana aus Irland, Nosferas aus Rom, Pyras aus Paris und Vyrad aus London zusammen mit einer weisen Druidin zum Entschluss ihre letzten Kinder zu jedem Clan in die Schule zu schicken. So sollen sie jene geheimen Fähigkeiten von allen Clans lernen, die überlebenswichtig für die Zukunft aller Vampire sein werden. Es steht um die Vampire wegen zahlreicher Fehden zwischen und innerhalb der Clans, eifriger Vampirjäger und ausbleibenden Nachwuchs nämlich schlecht. Das erste Unterrichtsjahr wird bei den Nosferas in Rom abgehalten, wie es das Los entschied. Dort angekommen, müssen die Erben der Clans zunächst ihre Vorurteile gegenüber den anderen überwinden. Manche schließen rasch Freundschaft miteinander, wie der Nosferas Luciano, die Vamalia Alisa und die Lycana Ivy-Maire. Die Nachkommen der Dracas jedoch zeichnen sich besonders durch ihre Arroganz und Gemeinheit aus. Sie erachten es als unter ihrer Würde sich mit den anderen abzugeben, während die Vyrad reserviert und höflich und die Pyras sich selbstgenug und schmuddelig sind. Doch in der vermeintlich sicheren Umwelt verschwinden immer wieder Mitglieder des Nosferas Clans und zu weilen wird so mancher hochgestellter menschlicher Würdenträger mit gefälschten Vampirbisswunden aus dem Tiber gefischt. Mit diesen Ereignissen dürfte wohl der geheimnisvolle Vampirjägerbund der Roten Masken zu tun haben, wie die Jungvampire entdecken.
Bei dieser flüssigen Erzählweise erweist es sich als besonders reizvoll, dass zwischen den Sichtweisen häufig gewechselt wird, wobei sich darunter nicht nur jene einiger ausgewählten Jungvampire befinden. Meistens wird jedoch aus der Sicht von der abenteuerlustigen und wissbegierigen Alisa die Geschichte vorangetrieben. Gastauftritte berühmter Persönlichkeiten wie Oscar Wilde, Bram Stoker und Papst Pius IX. verfeinern die Kulisse des zu dieser Zeit politisch unruhigen Roms. Der spannende Plot und des gut dargestellten historischen Hintergrund machen auch die neue Serie von Ulrike Schweikert gleichermaßen zu einem Leckerbissen für Horrorfans und AnhängerInnen des Historienromans. Das außergewöhnliche Vampirdrama um Verrat und Liebe lässt die “Untoten” jedenfalls wieder ein bisschen unsterblicher werden und bietet den “Lebenden” ein grandios-umfangreiches Lesevergnügen zum kleinen Preis.
© V. Strohschneider
Die Erben der Nacht - Nosferas
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Sonntag, 29. Juni 2008

C. S. Lewis
Prinz Kaspian von Narnia
Ueberreuter 2008.
ISBN 978 3 8000 5416 9
Die Chroniken von Narnia 04. Prinz Kaspian von Narnia - Das Buch zum Film
Seit zwei Generationen gehören die Chroniken von Narnia bereits in jedes Bücherregal, da darf auch das zweite Abenteuer von Peter, Susan, Edmund und Lucy nicht fehlen…
Während für die Pevensie-Kinder seit ihrem ersten Aufenthalt in Narnia nur rund ein Jahr vergangen ist, sind in Narnia Jahrhunderte ins Land gezogen. In Narnia steht es seit den goldenen Tagen nicht zum Besten. Die Narnia-Bewohnern kämpfen gegen einen Thronräuber, der für immer Schluss mit sprechenden Tieren, Zwergen, Zentauern und allen anderen mythischen Wesen machen will. Prinz Kaspian, der wahre Thronerbe kämpft an ihrer Seite. Er ruft über das Zauberhorn die vier Kinder, d. h. die ehemaligen Königinnen und Könige, zurück nach Narnia und in eine dramatische Geschichte.
Das fantastische Abenteuer, das von Treue und Heldenmut erzählt, liegt nun in einer Neuübersetzung von Christian Rendel und Wolfgang Hohlbein vor. Fotos aus dem Film bereichern das Buch und reizen auch Lesemuffel zusätzlich zum Schmökern.
© S. Strohschneider-Laue
Die Chroniken von Narnia 04. Prinz Kaspian von Narnia - Das Buch zum Film
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Sonntag, 29. Juni 2008

C. S. Lewis, Robert Sabuda
Die Chroniken von Narnia. Das Pop-up-Buch
Ueberreuter 2008.
ISBN 978 3 8000 5405 3
Die Chroniken von Narnia. Das Pop-up-Buch
Die Chroniken von Narnia gehören bereits seit zwei Generationen in jedes Bücherregal. Das vorliegende Pop-up-Buch sollte unmittelbar daneben stehen. Der Geist der einzelnen Bände wurde von Robert Sabuda kunstvoll in dreidimensionale Papiermodelle umgewandelt. Wie aufwändige Theaterkulissen für die kindliche Fantasie springen Seite für Seite zentrale Motive der Bücher regelrecht aus den Seiten in die Herzen der Betrachter. Beginnend mit Aslan und dem Wunder von Narnia, wandert man verzaubert durch die Kulissen, die immer wieder aufs Neue überaschen und unentdeckte Details erkennen lassen. Glitzernd beflittertes Papier verströmt einen Hauch des ewigen Winters, während die Laterne gelbfunkelnd einen Hauch von Wärme in dieser verzauberten Welt erahnen lässt. Mehr soll nicht verraten werden, denn jede Seite ist es wert immer und immer wieder neu entdeckt zu werden.
Genial entworfen, gestanzt, geklebt, gefaltet und mit beweglichen Elementen ausgestattet, ist diese Augenweide eine wertvolle Bereicherung für große und kleine Narnia-Fans. Für diese wunderschöne Ausstattung ist der Preis moderat und das Buch daher jeden Cent wert, den man dafür bezahlt. Eigentlich viel zu schade, um es ins Regal zu räumen oder den Kindern den Spaß ganz alleine zu gönnen. Ich für meinen Teil werde mein Exemplar in Reichweite behalten und ein wachsames Auge darauf haben.
© S. Strohschneider-Laue
Die Chroniken von Narnia. Das Pop-up-Buch
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Montag, 16. Juni 2008

Prinz Kaspian von Narnia - Der Film
Die Chroniken von Narnia 04. Prinz Kaspian - Fotos aus dem Film
Die Chroniken von Narnia 04. Prinz Kaspian von Narnia - Das Buch zum Film
Die zweite Narnia Verfilmung “Prinz Kaspian von Narnia” aus den Walt Disney Studios startet am 31. Juli in Österreich. Man darf sich also während des Sommers wieder auf glatt inszeniertes Familien-Kino freuen.
Der Kinderbuchklassiker aus der Narnia-Serie von C. S. Lewis, den auch Erwachsene noch gerne lesen, lieferte die Vorlage. Die vor dem Hintergrund des zweiten Weltkrieges angesiedelte Story der vier Pevensie Geschwister, die vom tristen Londoner Kriegsalltag in die Fantasiewelt Narnia wechseln, wird im Prinz Kaspian von Narnia fortgesetzt. Beim ersten Besuch beenden die vier Kinder gemeinsam mit dem zauberhaften Mischwesen Narnias und dem Löwen Aslan die Herrschaft der bösen weißen Hexe, die das Land mit ewigem Winter überzog. Bei ihrem aktuellen zweiten Besuch ist bereits eine halbe Ewigkeit in Narnia vergangen, während es für die heranwachsenden Kinder nur ein knappes Jahr war. Den mythischen Bewohnern droht jetzt die Ausrottung durch König Miraz. Prinz Kaspian - der rechtmäßige Thronfolger - verbündet sich mit den vom Untergang bedrohten Narnianer gegen den Usurpator Miraz. Die zurückgekehrten Könige und Königinnen von Narnia stehen ihnen bei ihrem kräfteraubenden Widerstand zur Seite.
Eine unglaublich fesselnde Geschichte voll christlicher Moral, die in Bild und Ton umgesetzt zu einer vollendeten Schlachtplatte mutiert. Sauber und blutfrei ist der auf Familien und größere Kinder abzielende Film dennoch, wenn auch keinesfalls gewaltlos. Er ist die jugendgerechtere Variante der Herr der Ringe Thematik. Es wird unaufhörlich für die gute Sache ehrenvoll gekämpft und gestorben, auch wenn das sichtbare - wenn auch diskret ausgeblendete - Töten hauptsächlich den “bösen” Menschen überlassen wird. Man muss den gewalttätigen Tatsachen ins Auge blicken ohne den hohen Unterhaltungswert des Films zu schmälern, in dem es von großen Gesten, heroischen Taten und gefühlvollen Momenten nur so wimmelt. Herzige und knuddelige Figuren, die es im ersten Teil noch gab, wird man allerdings vergeblich suchen, schließlich werden auch die Pevensie Kinder älter und entwickeln dementsprechend andere Interessen.
Superspannend von der ersten bis zur letzten Minute inszeniert und handwerklich in jeder Hinsicht sauber produziert. Kein Wunder standen doch viele große Filmwerke mit ihren innovativsten Szenen und die Besten ihres Fachs Pate. Daher ist das eine oder andere déjà vu verzeihlich, schließlich findet man z. B. den Flussgott Narnias, der die Armee von der Brücke in den Fluss spült und Heerführer verschluckt, genauso beeindruckend wie die Wassermassen die Imhotep in “Die Mumie kehrt zurück” beschwört oder die durch Elfenkraft herbeigerufenen “Wasserpferde” in “Herr der Ringe - Die Gefährten”. Gut gewählte Drehorte in Neuseeland, Tschechische Republik, Polen und Slowenien sowie fantastische Sets geben den passenden Rahmen und Hintergrund für die bewegte Geschichte. Die vertrauten DarstellerInnen, die Kinder aus dem ersten Film, sind inzwischen nicht nur körperlich gewachsen, sondern auch reifer im Spiel geworden. Dennoch werden nicht nur die Hauptcharaktere von Peter Dinklage (Trumpkin) und Warwick Davis (Nikabrik) glatt an die Wand gespielt. Da helfen auch die beeindruckenden Kostüme oder die Bärte im El-Greco-Stil der restlichen Besetzung nicht.
Resumee: Wunderbares Popcorn Kino bei dem “Prinz Kaspian” den ersten Teil übertrifft, und dem man eigentlich nur vorwerfen kann, dass die computeranimierte Schwert schwingende Maus Riepitschiep unmausig ausgefallen ist. Zurücklehnen, ansehen und spätestens nach dem Film endlich die Narnia-Bücher von C. S. Lewis (wieder) lesen.
© S. Strohschneider-Laue
Die Chroniken von Narnia 04. Prinz Kaspian - Fotos aus dem Film
Die Chroniken von Narnia 04. Prinz Kaspian von Narnia - Das Buch zum Film
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Dienstag, 27. Mai 2008

Thomas Raab
Der Metzger sieht rot
Leykam 2008, 319 S.
ISBN 978 3701 17619 9
Der Metzger sieht rot: Kriminalroman
Nach dem erfolgreichen Roman “Der Metzger muss nachsitzen” sieht der ruhige Willibald Adrian Metzger in seinem zweiten Auftritt plötzlich rot. Wo die Liebe hinfällt macht sie Menschen zu Schattenspringern. Auch der zurückhaltende Restaurator Metzger springt über seinen Schatten und begleitet Danjela Djurkovic auf “eine dieser Massenveranstaltungen” ins Fußballstadion. Als der Tormann während des Spiels stirbt, glaubt Danjela nicht an einen tragischen Zufall. Ihr Misstrauen wird ihr am nächsten Tag vor dem Stadion zum Verhängnis. Sie wird vom aktiven - und zu neugierigen - Fußballfan zum komatösen Opfer geprügelt. Dies ist genau jener Moment in dem jegliche Gelassenheit von Metzger abfällt. Ee mausert sich wieder zum Ermittler und entdeckt viel mehr und abgründigeres als erwartetet.
Auf staatlichen 319 Seiten geben Humor, Gesellschaftkritik und kriminalsitischer Spürsinn einander die Hand. Wien ist offensichtlich ein guter Nährboden für skurrile (Roman)figuren und herzlich-verzweifeltes Lachen, das im Hals steckenbleibt. Abgesehen davon muss man nicht ausgemachter Krimifan sein, um den “Metzger” zu mögen, denn die vielschichtige und ausgereifte Erzählweise von Thomas Raab ist nicht umsonst 2008 zum Friedrich-Glauser-Preis nominiert worden.
© S. Strohschneider-Laue
Der Metzger sieht rot: Kriminalroman
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Donnerstag, 24. April 2008

Holly Loose (Hg.)
Weiße Geschichten: Eine Fan-Anthologie
Periplaneta 2008, 220 S., Sw-Fotos.
ISBN 978 3940767 06 6
Weiße Geschichten: Eine Fan-Anthologie
Dem Aufruf von Holly Loose, Sänger der Folk-Rockband Letzte Instanz, an die Fans sich von den Liedtexten inspirieren zu lassen und selbst zu schreiben, folgten überraschend viele. Die besten Texte wurden in den vorliegenden Weißen Geschichten, in Anlehnung an die aktuelle CD ”Das weiße Lied”, vereint. In die Fan-Anthologie ains Texte, denen jeweils der inspierende Liedtext vorangestellt ist, von folgenden AutorInnen zu lesen:
Sonja Boltz, Victoria Engel, Stephanie Gerdes, Lisa Grimm, Magdalena Hangel, Steffen Heidrich, Tatjana Heinz, Stefanie Jung, Alex Kager, Pauline Lörzer, Holly Loose, Kristina Lorrek, Ulrike Madest, Denise Meschenitz, Christiane Ranft, Svenja Reiner, Anja Schindelar, Patrizia Sophie Schneider, Claudia Thoß, Matthias Wilhelmy, Kathrin Knoch, Jonas Zeit-Altpeter.
So vielfältig die Stories sind, ist ihnen doch eines gemeinsam, sie sind berührend und persönlich. Somit stehen sie in enger Verbindung mit dem hohen lyrischen Anspruch der Band, deren Worte und Musik deutlich mehr als nur Konsumgut sind; denn sie inspirieren HörerInnen. In der Musik der Letzten Instanz kann man sich ebenso spiegeln, wie in den Texten der Fans, die in die Anthologie aufgenommen wurden. Eine Eigendynamik, die ebenso beachtlich wie nachvollziehbar ist und ein ganz besonderes Licht auf Musik- und Fanszene wirft.
Kann es noch größere Freiheiten geben als mit Musik, Buch und dem Feuer in sich das Paradies zu suchen? Nein, man muss nicht Fan sein, um das Buch zu lieben. Nicht zuletzt kann man das Buch auch aus sozialen Erwägungen - immer ein guter Grund - kaufen, denn aus dem Verkaufserlös werden Musiker ohne Grenzen unterstützt, die zur Zeit ein Projekt mit Kindern aus Armenvierteln in Ecuador durchführen. Ein in jeder Hinsicht engagiertes wie gelungenes Buchprojekt.
Die Letzte Instanz lässt niemanden kalt und schon gar nicht die Fans. Fans und solche, die es noch werden wollen, haben am 3. Mai ‘08 in Wien im Planet Music Gelegenheit zum Hören und Verstehen.
© S. Strohschneider-Laue
Weiße Geschichten: Eine Fan-Anthologie
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Mittwoch, 23. April 2008

Dennis DiClaudio
Der kleine Neurotiker
DVA 2008, 208 S., zahlr. Sw-Abb.
ISBN 978 3 421 04324 5
Der kleine Neurotiker
Vorab eine kleine Selbsterforschung:
Kennen Sie Ihre Ängste?
Glauben Sie gefestigt zu sein?
Haben Sie keine Störungen - nicht einmal Schlafstörungen?
Wetten, dass Sie sich irren?
Bei Lektüre dieses Buches bekommen Sie garantiert alle (un)erwünschten Zustände.
Nach dem Der kleine Hypochonder. Lexikon der eingebildeten Krankheiten
ist dies der zweite Geniestreich von Dennis DiClaudio. Wieder sind die grundsätzlichen Fakten des Buches durchaus stimmig, wenn auch ganz gezielt - zu Gunsten des frech-frischen Blicks auf gesellschaftlichen Verhältnisse und allgemein-menschliche Unvollkommenheit - unvollständig. Man wird zum “Adrian Monk” beim Lesen, obwohl das Buch meilenweit von medizinischen Lexikon entfernt ist und auch nicht als solches geschrieben wurde.
Angststörungen, Dissoziative und Artifzielle Störungen, Persönlichkeitsstörungen, Psychotische, Sexuelle Störungen sowie Schlaf- und Somatoforme Störungen werden in diesem Band mit minutiös-boshaften Anleitungen zur “Selbsterforschung” vorgestellt. Erstaunlich ist, dass man bei der Selbstanalyse auf jeden Fall fündig wird. Und noch erstaunlicher ist, wie oft Politiker, Beamte, Chefs und die LehrerInnen (natürlich nur die der eigenen Kinder) eindeutig schwerste Mehrfach-Neurotiker sind.
Von etlichen Störungen hört man immer wieder, auch wenn man eigentlich viel zu wenig darüber weiß. Mit dem Münchhausensyndrom - wer kennt heute noch Münchhausen - wird inzwischen wesentlich medientauglicher Eminems Mutter gleichgesetzt, während mancher Wahn richtiggehend massentauglich ist. Immerhin stürzten sich plötzlich die Deutschen mit “Wir sind Papst” unhabhängig von ihren jeweiligen Bekenntnissen in den religösen Wahn. Andererseits hat der Doppelgängerwahn nichts damit zu tun, dass Ihr Chef seine Reisenspesen zusätzlich auch noch über einen Verein abrechnet, während Konfabulation keine Politikerkrankheit ist, auch wenn diese erstklassig von ihrem selektiv-fabulösen Gedächtnis leben. Latah ist der Traum so manches Ausbildners und das Trauma von Azubis: die Disziplinierung zum absoluten Befehlsempfänger. Um es kurz zu machen, das Buch beschreibt auch die “gemeinsame psychotische Störung”, der man spielend selbst bei der Lektüre anheim fallen kann. Aber man kann auch versuchen all diesen Störungen den “Inneren Monolog” entgegenzusetzen, sich an der ”Diagnose” festhalten oder über ”Ursache” und “Behandlung” eine Lösung anstreben. Die gut gewählten Grafiken tragen jedenfalls zu Angst und Schrecken ebenso bei wie zum permanent (un)heimlichen Schmunzeln.
Der kleine Neurotiker ist ein exzellentes Beispiel dafür, dass man wirklich ernste Themen mit jenem seriös unseriösen Augenzwinkern betrachten kann, die den Ernst des Lebens erst erträglich machen.
© S. Strohschneider-Laue
Der kleine Neurotiker
Der kleine Hypochonder
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Freitag, 11. April 2008

BarLust
Erotic Short Stories & Cocktails
Storia 2007, 200 S.
ISBN 978 3 9809768 7 9
BarLust. Erotic Short Stories & Cocktails
AutorInnen aus Deutschland, Österreich und Frankreich sowie zwei Barspezialisten laden zur erotisch aufgeladenen Cocktailrunde in die nächste oder übernächste Lokalität ein. Prickelnde Shortstories kombiniert mit süffigen Cocktails werden während der nächtlichen Tour geboten. Von hart direkt bis zu verspielt charmant werden die Begegnungen zwischen weiblichen und männlichen Nachtschwärmern geschildert. Die Flirts sind wie “Spicy Lips” oder “Chocolate Kiss” und überraschend wie “Sweet and Hot”. Kurze Stories, kurze Flirts, ein vorübergehendes Vergnügen bei dem zuweilen der Humor nicht zu kurz kommt. Nicht zuletzt reift bei den Lesenden die Erkenntnis, dass manchmal eine Cocktailkirsche auffallend mehr Einblick - allerdings weniger Perspektive - hat als Mann und Frau zusammengenommen. Die Rezepte für “Selfmade Erotic Coktails” runden das Lesevergnügen süffig ab. Definitiv eine Lektüre, die Saiten zum Klingen bringt und Nachgeschmack hinterlässt. Ein prickelndes - durchaus teilbares oder zumindest mixbares - Vergnügen bei erfrischend kleinen Preis und das unsagbar neugierig macht auf die anderen erotischen Anthologien aus dem Storia Verlag.
© S. Strohschneider-Laue 12. September 2007
BarLust. Erotic Short Stories & Cocktails
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Gastmahl | Ama/Koch/zon/e
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Freitag, 11. April 2008

Charlaine Harris
Der Vampir, der mich liebte
dtv 2007, 337 S.
ISBN 978 3 423 20982 3
Der Vampir, der mich liebte

Ball der Vampire
dtv 2007, 381 S.
ISBN 978 3 423 20987 8
Ball der Vampire

Diese Bücherreihe besticht aus ihrem genialen Genre-Mix aus Romantik und Erotik, Mystery, Fantasy, Humor und Action. Die liebens- und hassenswerten Nebencharaktere ziehen den Leser in den Südstaaten Flair durch ihre - übernatürlichen - Eigenheiten hinein. Darunter sind die misstrauischen Bellefleur-Geschwister, Bubba der zurückgebliebene Vampir, der eigentlich Elvis ist, Sam der Barbesitzer, ein harmloser Wercollie, und die örtliche Polzei und ansässigen Kirchendiener verschiedener Konfessionen. Dazu kommen eine Schar von Ex-Freunden und Verehren die von Buch zu Buch mehr zu werden scheinen. Es wird bis zum Ende spannend bleiben, für wen sich Sookie, die Gedankenleserin entscheiden wird. Ein leichtes Lesevergnügen, das schon allein aufgrund Sookies typischer Kommentare zu den Gedanken ihrer Mitmenschen hämische Freude bereitet. In Amerika sind die “Sookie Stackhouse Vampire Mysteries” von Charlaine Harris schon mit der Erscheinung des ersten Bandes 2001 in den Bestsellerlisten gelandet. Auch hierzulande gibt es eine stetig anwachsende Fangemeinde. Inzwischen ist sogar schon der achte Band der Erfolgsreihe in Arbeit.Für diejenigen, die mit der gedankenlesenden Barmaid Sookie Stackhouse noch nicht bekannt sind, nachfolgend eine kurze Einführung. Die Heldin der Buchreihe lebt in einen verschlafenen Nest namens Bon Temps in Louisiana. Zwei Jahre zuvor hatten sich die Vampire zu einem “Coming-out” entschieden, da in Japan synthetisiertes Blut erfunden wurde. Nichts Außergewöhnliches passiert in Sookies Leben (ausgenommen, dass sie seit frühester Jugend Gedankenlesen kann), bis sie den Vampir Bill kennen lernt und in die Welt der Vampire und des Übernatürlichen in allgemeinen hineingezogen wird.
Der Vampir, der mich liebte
“Der Vampir, der mich liebte” ist der vierte Band der Reihe und nimmt seinen Anfang als ihr inzwischen Ex-Freund Bill sich von ihr verabschiedet, da er im Auftrag der Vampirkönigin von Louisiana nach Peru geht. Als sie wieder einmal spät von der Arbeit nach Hause fährt, sammelt sie den auf der Straße umherirrenden Eric, der Chef aller Vampire in der Umgebung, auf. Sookie kennt den nicht gerade angenehmen Vampir aus geschäftlichen Treffen mit Bill, doch ist sie nicht gefasst darauf, dass dieser sich anscheinend an überhaupt nichts erinnern kann. Zu Hause angekommen ruft sie Pam, Erics rechte Hand, und informiert sie über den Zustand ihres Bosses. Noch in der gleichen Nacht taucht Pam mit Chow, einer seiner weiteren vampirischen Untergebenen, auf und unterbreitet ihr ein Angebot. Anscheinend wurde er von einer rachsüchtigen Hexe verflucht und sollte bis alles wieder in Ordnung ist, untertauchen. Pam bietet ihr 50.000 Dollar, was dem Kopfgeld auf Eric entspricht, für die “Aufbewahrung” an. Das Geld wird dringend von Sookie und ihrem Bruder Jason benötigt. So willigt sie ein, mit dem Hintergedanken, dass sie wahrscheinlich wieder in Schwierigkeiten kommen könnte. Bei ihr enden Schwierigkeiten nämlich immer im Krankenhaus. Natürlich hatte sie damit vollkommen Recht, doch nur mit Erics Verhalten hatte sie nicht gerechnet. Der ehemals schroffe gefährliche Draufgänger ist nun ein charmanter leicht hilfloser Vampir mit altmodischen Vorstellungen. Dabei hilft es nicht unbedingt, dass er über 1,90m groß, blond und gut aussehend ist. Bald lässt sie sich auf eine Affäre mit ihm ein, obwohl sie weiß, dass er nun mal nicht der “echte” Eric ist. Auch lässt die Vampirblut trinkende Hexe, die sich überdies noch in einen Werwolf verwandeln kann, samt nur etwas weniger gefährlichen Bruder und Anhängerschaft nicht lang auf sich warten. Um Alles Heil zu überstehen werden sie die Hilfe von Vampiren und den Shreveport Werwölfen, die nicht gerade scharf darauf sind mit Blutsaugern zusammenzuarbeiten, brauchen…
Ball der Vampire
Der 6. Band, “Ball der Vampire”, lässt sich noch viel turbulenter an. Sookie muss sich nicht nur mit den Pelts herumärgern, einer Gestaltwandlerfamilie dessen Adoptivtochter sie in Notwehr tötete, sondern auch noch feststellen, dass ihr umtriebiger Bruder seine Werpanther-Freundin heiraten will. Zudem wird sie auf ihrem ersten Date mit dem Wertiger Quinn von Werwölfen angefallen. Nachdem das nicht genug ist, muss sie eine Kindesentführung lösen und in dem Wäldchen vor ihrem Haus liegt eine in zwei Hälften geschnittene Halbdämonin. Diese hätte ihr einen Brief von der Vampirkönigin von Louisiana überbringen sollen, die ihre Anwesenheit bei einer Konferenz verlangt. Da ihr nicht viel übrig bleibt als hinzufahren, nimmt sie den Anlass gleich zur Auflösung des Nachlasses ihrer kürzlich verstorbenen Cousine Hadley war. Seit zwei Jahren hatten sei nicht mehr miteinander nach einem Streit gesprochen, trotzdem hinterließ Hadley ihr seinen gesamten Besitz. Doch in Hadleys Leben hat sich seitdem einiges geändert zumal sie eine Vampirin und die Geliebte der Vampirkönigin bis diese den Vampirkönig von Arkansas geheiratet hatte, war. Von da an wird es so richtig gefährlich und sie deckt mit der Hilfe von einem zum großen Teil aus Amateuren bestehenden Hexenzirkel, Quinn und der Elfe Claudine, die ihr Schutzengel ist, ein Komplott und so manche unangenehme Tatsache auf… Ein turbulentes Lesevergnügen von der ersten bis zur letzten Seite - so richtig zum Leersaugen…
V. I. Strohschneider
Der Vampir, der mich liebte
& Ball der Vampire
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Tags:Ebensolch Rez-E-zine 39+40/08, Horror, Humor, Literatur, ViStro
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