Archiv für die Kategorie ‘Publikationen’

Historische Blumen

Donnerstag, 28. April 2011

Non-Fiction

Brigitte Wachsmuth
Historische Blumen
Sorten - Anbau - Geschichten 
Thorbecke 2011, 136 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 7995 3571 7

Historische Blumen: Sorten, Anbau, Geschichten

Das Buch “Historische Blumen. Sorten - Anbau - Geschichten” hält, was der erfreulich präzise Titel verspricht. Brigitte Wachsmuth erzählt voller Elan von Blumenmoden, Manien und den Menschen, die den kostbaren Pflanzen viel Zeit, Geld und Liebe schenkten. Jedes der zahlreichen Blumenporträts schließt mit einer kommentierten Liste, in der bewährte, noch im Handel erhältliche alte Sorten besprochen werden. An passender Stelle eingefügte Tipps zum richtigen Umgang mit den historischen Pflanzensorten, machen die Texte auch zu einer Fundgrube für praktizierende GärtnerInnen.

Geografisch liegt der Schwerpunkt der historischen Betrachtung geliebter Gartenblumen auf dem europäischen Kontinent - womit sich eine Lücke in der einschlägigen Literatur schließt. Zeitlich setzt das Buch an der Schwelle vom Spätmittelalter zur frühen Neuzeit ein, als der dem Vergnügen und der Repräsentation gewidmete Garten begann, an Bedeutung zu gewinnen. Doch nicht die Entwicklung der Gartenkunst steht im Mittelpunkt der schmucken Publikation, sondern Aufstieg, Niedergang und Wiederentdeckung ausgewählter Blumen, darunter Tulpe, Hyazinthe, Iris, Martagonlilie, Aurikel, Primel, Veilchen, Schneeglöckchen, Helleborus und Hosta.

Die Serie der Pflanzenporträts beginnt mit der Akelei, der Blume der Gotik, die mit ihrer christlichen Symbolik noch mittelalterliches Gedankengut spiegelt. Im Gegensatz zu ihr gelang es der am Beginn der Neuzeit nördlich der Alpen seltenen und in der Pflege anspruchsvolleren Nelke ihrer religiösen Bedeutung eine weitere Dimension hinzuzufügen: Sie wurde zum Zeichen der Freundschaft, Liebe und des Verlöbnisses. Von 1600 bis 1850 zählten die alten Nelken, allesamt Topfpflanzen, mit einer unüberschaubaren Sortenvielfalt zu den beliebtesten Blumen Kontinentaleuropas, um danach langsam aus den Gärten zu entschwinden.
In der Vorliebe für bestimmte Pflanzen spiegeln sich sowohl der Zeitgeist als auch der wirtschaftliche Entwicklungsstand einer Epoche. Paradebeispiel dafür ist die Tulpenmanie, die 1637 zum Zusammenbruch des ersten Spekulationsmarktes der Geschichte führte. Doch Tulpen waren nicht die einzigen Blumen, die im Barock mit großer Leidenschaft gesammelt wurden. Auch Hyazinthen, Anemonen und Ranunkeln waren heiß begehrt.

Die Begeisterung der Enthusiasten kannte keine Grenzen, sogar Kuriositäten wurden angepflanzt und in Florilegien verewigt. Dass zu diesen einst auch Pflanzen mit gefüllten Blüten zählten - über deren Qualität sich die Ansichten von Botanikern und Gärtnern übrigens schieden - ist ein pikantes Detail der Blumengeschichte.

Im 19. Jahrhundert bereicherte eine Flut neuer Pflanzen aus fernen Ländern die Gärten. Die Erfindung des Ward´schen Kastens sicherte ihr Überleben auf den langen Transportwegen. Die Tatsache, dass sich in ihnen auch einheimische Farne wohlfühlten, führte in England zu einer wahren Farnhysterie von der Kontinentaleuropa weitgehend unberührt blieb. Internationalen Anklang konnte hingegen das Veilchen verbuchen. Als Blume der Patrioten brachte das zarte Pflänzlein die Gemüter in Wallung. Die Enthusiasten des 20. Jahrhunderts schließlich entdecken Schneeglöckchen und Hosta für sich.

Der Kulturgeschichte all dieser herrlichen Pflanzen stehen im lebhaft geschriebenen Text des Buches Botanik und gärtnerische Praxis gleichberechtigt zur Seite. Auf das Aussehen und die Eigenheiten der porträtierten Blumen wird ebenso eingegangen wie auf ihre Bedürfnisse im Topf oder Garten. Tipps zu Anbau, Pflege und Vermehrung noch im Handel erhältlicher Sorten ermutigen GartenbesitzerInnen es doch mit der einen oder anderen historischen Schönen zu versuchen. So preziös und anspruchsvoll - wie oft angenommen - sind die historischen Blumensorten nämlich gar nicht.

Wie historische Blumen in heutigen Gärten zum Einsatz kommen können, beschreibt das letzte Kapitel. Ein kommentiertes Literaturverzeichnis und eine Liste von Anbietern historischer Blumen runden das gelungene Werk ab.

“Historische Blumen. Sorten - Anbau - Geschichten” ist ein Lesegenuss von der ersten bis zur letzten Seite. Brigitte Wachsmuth hat die seltene Gabe Texte mit hoher Informationsdichte zu verfassen, die spannend, abwechslungsreich und sprachlich geschliffen zugleich sind. Optisch wird das Buch durch eine bunte Mischung aus historischen botanischen Illustrationen und seitenfüllenden Nahaufnahmen der Blumen zur Augenweide. Von vegetabilen Ornamenten umrankte Initialen verleihen der grafischen Gestaltung Charme.

Die Beschäftigung mit historischen Pflanzensorten lohnt sich, schließlich haben sie dank ihrer bewegten Geschichte weit mehr als ihr hübsches Aussehen zu bieten. Das Buch “Historische Blumen” weiht in ihre Geheimnisse ein und hält für GärtnerInnen in Geiste wie im Blumenbeet vergnügliche Überraschungen bereit.

© Ch. Ranseder

Historische Blumen: Sorten, Anbau, Geschichten

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von Humboldt: Schönheit, Grazie und Geist

Donnerstag, 28. April 2011

Non-Fiction

Beate Neubauer
Schönheit, Grazie und Geist
Die Frauen der Familie Humboldt
edition ebersbach 2010², 144 S., 6 Sw-Abb.
ISBN 978 3 9387 4039 2

Schönheit, Grazie und Geist

Lebensgeschichten von Frauen werden gerne im Kombipack angeboten. In Sammelbänden über Literatinnen, Entdeckerinnen, Gärtnerinnen oder Malerinnen geben sich die, vorzugsweise Kreativen, Pionierinnen ein Stelldichein. In dem hübschen Buch “Schönheit, Grazie und Geist. Die Frauen der Familie Humboldt” sind es adelige Damen mit berühmten Namen, die ins Licht der Aufmerksamkeit gerückt werden. Beate Neubauer folgt den Lebensläufen von fünf Frauen der kinderreichen Familie Humboldt, die über vier Generationen das Schicksal der Dynastie mitbestimmten. 

Die Erfolgsgeschichte beginnt mit Marie Elisabeth (1741-1796), der Strategin. Die reiche Bürgerstochter heiratet 18-jährig in den Adel ein. Nach dem Tod des ersten Mannes ehelicht die gutsituierte Witwe 1766 den, noch sehr jungem Adel entstammenden, Alexander Georg von Humboldt, der gute Verbindungen zum Hof in die Beziehung einbringt. Durch die Vereinigung beider Vermögen finanziell unabhängig geworden, lassen die Eltern ihren Söhnen, den später berühmten Alexander und Wilhelm, eine umfassende Bildung angedeihen, um sie für den Staats- und Hofdienst Preußens vorzubereiten.

Caroline (1766-1829), die Lebenslustige, lernt Wilhelm kennen und lieben. Sie ist der Star des Buches. Lebte sie heute, würde sie als Vertreterin des Jetsets der Yellow Press vermutlich viel Freude bereiten. Im Geist der Aufklärung erzogen und für die Literatur des Sturm und Drang entbrannt, begegnet sie ihrem späteren Ehemann auf gleicher Augenhöhe. Durch Wilhelms Erbe finanziell abgesichert, widmen sich die Eltern von acht Kindern der Persönlichkeitsbildung. Die junge Familie und ihre Dienerschaft ist viel unterwegs und lebt lange im Ausland. Aus beruflichen Gründen ist Wilhelm oft jahrelang von seiner Frau getrennt und bleibt ihr dennoch innig verbunden. Die emotionale, extrovertierte Caroline führt in Rom, Paris und Wien einen Salon und glänzt als Gastgeberin. Auch als Kunstkennerin vermag sie sich zu etablieren.

Ihre Tochter Adelheid (1800-1859), die Managerin, erbt Carolines Organisationstalent. Resolut und praktisch veranlagt, zeigt sie früh Interesse an Haushaltsführung. Das ist ein Glück, denn sie wird bereits mit 14 Jahren verheiratet. Ihr Leben verläuft in konventionellen Bahnen. Sie managt nicht nur das Personal ihres eigenen Haushalts, sondern auch das der Mutter auf Schloss Tegel, wenn diese abwesend ist. Selbst kinderlos, kümmert sie sich zeitweise sogar um das Wohlergehen der Sprösslinge ihrer Schwester Gabriele.

Gabriele (1802-1887), die Diplomatengattin, konzentriert sich als Ehefrau Heinrich von Bülows, den sie mit 19 Jahren heiratet, auf ihre Repräsentationspflichten. Die Mutter von sieben Kindern erweist sich als versierte Gastgeberin und ist, dank hervorragender Kenntnisse der Etikette und ihrer Nähe zum Hof, als Beraterin in gesellschaftlichen Belangen gefragt.

Deren Tochter Constance (1832-1920), die anpassungsfähige Introvertierte, gilt als Schönheit. Sie wirkt kühl, gefühlsbeherrscht und ist überaus lernfähig. Als brave Ehefrau und Mutter von drei Kindern führt sie ein konventionelles, auf die Familie und ihre hofnahen Freundschaften ausgerichtetes Leben. Mit 35 ist Constance Witwe, finanziell unabhängig, und nach dem Tod ihrer Mutter auch Herrin auf Schloss Tegel. Die letzte der Geschwister Bülow und Bewahrerin des Humboldt´schen Erbes stirbt 1920, am Ende einer Ära.

Das Buch “Schönheit, Grazie und Geist”, dessen zeitlicher Rahmen sich von der Aufklärung bis zum Ende der Vorherrschaft des Adels nach dem Ersten Weltkrieg spannt, zeigt den Stellenwert von Töchtern in der Familienpolitik. Durch Heiraten werden nicht nur Vermögen und Besitz vermehrt, sondern auch Netzwerke aufgebaut, die dem gesellschaftlichen Aufstieg dienlich sind. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Was das Buch interessant macht, ist der lange Beobachtungszeitraum weiblichen Schaltens und Waltens. Denn die unterschiedlichen Lebensentwürfe der fünf Frauen spiegeln die gesellschaftlichen Werte einer privilegierten Klasse im Wandel der Zeiten. Schwerpunkte und Interessen verschieben sich von Generation zu Generation - weg vom Bildungshunger, hin zur Beschäftigung mit sich selbst und dem gesellschaftlichen Leben im Umkreis des preußischen Hofes.

Mit flinker Feder beschreibt Beate Neubauer beschauliche Phasen sowie Höhe- und Tiefpunkte im Leben der porträtierten Frauen, die durch Zitate aus ihrem umfangreichen Briefwechsel auch selbst zu Wort kommen. Ein Stammbaum rundet das, mittlerweile in seiner zweiten Auflage vorliegende, Buch über die Frauen der Familie Humboldt ab.

© Ch. Ranseder

Schönheit, Grazie und Geist

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Schwan

Mittwoch, 06. April 2011

Non-Fiction

Peter Young
Schwan 
Gerstenberg 2011, 200 S., zahlr. Illustrationen und Fotos.
ISBN 978 3 8369 2644 7

Schwan: Mythos Tier

Dieser Band aus der beispielgebenden biologisch-kulturgeschichtlichen Reihe ist dem Schwan gewidmet. Der anmutige Vogel mit dem Ruf ein Todesbote zu sein, hat tatsächliches Erstaunliches vorzuweisen. So sind Schwäne genetisch dichter an den Sauriern als andere Vogelarten - und wer einen aggressiven Schwan sein Nest verteidigen sah, ist sofort bereit das zu glauben. 25.000 Federn schmücken seine elegante Erscheinung und der singende Flug verschaffte ihm seinen Namen “Schwan”.

Flott und launig plaudernd ist der Erzählton von Peter Young, der auch in der Übersetzung aus dem Englischen von Stephanie Singh erhalten bleibt. In acht undogmatischen Kapiteln, die u. a. den Schwanen-Mythos kunst- und kulturgeschichtlich sowie biologisch umkreisen, erweisen sich die inhaltlichen Übergänge als fließend, ohne dabei den roten Faden zu verlieren. Unversehens hat man sich in die Lektüre vertieft, fasziniert von überraschenden Querverbindungen zwischen Wissenschaftlern, Künstlern und Schwänen. Dann wundert man sich wieder über Maße und Gewichte, um im nächsten Moment amüsiert über das putzige und absolut nicht hässliche “Entlein” zu schmunzeln, das ein eleganter Trompetenschwan werden wird. Ein Trompetenschwan, der durch die Jagd auf viel bewunderte, aber leicht zu treffende Trophäen fast ausgerottet wurde. Götter erscheinen als Schwäne, Schwäne werden zu hübschen Frauen und grade bei Letzteren könnte fast stimmen, wenn man Marlene Dietrichs fantastischen Mantel aus Schwanendaunen betrachtet.

Die ebenso gehaltvolle wie lockere Lektüre, die zuletzt noch durch eine Zeitleiste, zahlreiche Anmerkungen, Literatur, weiterführende Hinweise sowie ein benutzerfreundliches Register fachlich und sachlich abgerundet wird, ist fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite. Beispielgebend!

Nachdem dieser Band für eine englische Reihe (Pinguin, Tiger, Katze, sind bereits auf Deutsch erschienen) konzipiert und geschrieben wurde, ist der Querbezug zu Großbritannien deutlich hervorgehoben. Im Grunde müsste für jedes Land, in dem das Buch als Lizenz erscheint, ein landestypisches Kapitel ergänzt werden, denn der “Schwan kleban” hat überall ganz spezifische kulturelle Spuren hinterlassen.

Mir schwant, dieses Buch wird nur das erste von allen sein, die ich mir aus dieser Reihe kaufen und auch an Freunde verschenken werde.

© S. Strohschneider-Laue

Schwan: Mythos Tier

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WildfrüchteKüche

Mittwoch, 06. April 2011

Non-Fiction

Annette Kretzschmar
Die Wildfrüchteküche 
Thorbecke 2011, 112 S., zahlr. Farbfotos.
ISBN 978 3 7995 3568 7

Die Wildfrüchteküche

Erdbeertorte ist angeblich der Deutschen liebste Torte. Beliebt vielleicht, aber vielleicht doch nicht das beste Dessert, denn sie kann locker durch einige Rezepte aus diesem Buch getoppt werden. Überraschend, was man z. B. aus Felsenbirne, Maulbeere oder Weißdorn zaubern kann. Zwischen Berberitze und Zwetschge pflückt die Autorin 18 wunderbare und nicht immer ganz geläufige Früchte. 

Jeder Frucht wird ein gut strukturierter Überblick mit exzellenten Fotos gewidmet, der u. a. Wuchshöhe, Blüte, Erntezeit und Standort berücksichtigt. Viele der vorgestellten Pflanzen haben mehr als einen Namen, die, um Verwirrung vorzubeugen, gelistet werden. So wird Quitte z. B. auch Baumwollapfel, Köttenbaum oder Schmeckbirne genannt und Hagebutten sind auch Vielen als Hägen, Hiffen, Rosenäpfel oder Hetscherln geläufig. Erfreulicherweise wird auch Aussehen und Anbau, Verwendung in der Küche, Heilwirkung und Wissenswertem ausreichend Platz eingeräumt.

Die Früchte inhaltlich abrundend findet man zuletzt das Beste, was aus ihnen gemacht werden kann. Dazu gehören u. a. Persischer Berberitzenreis mit Geflügel, Brombeersenf, Hagebuttenlikör, Holunderbeersirup und kandierte Kornelkirschen. Die Rezepte überzeugen durch appetitanregende Kombinationen, ”Kochbarkeit” - was nicht alle Koch- und Backbücher von sich behaupten können - und ihre starke Verführung zum weiteren Experimentieren mit Wildfrüchten.

So exzellent der Inhalt, so gut der Aufbau und so ansprechend das allgemeine Layout, so wenig gelungen erweist sich optisch die grafische Gestaltung der dreispaltig angeordneten Rezepte. Dieser Abschnitt ist eine Herausforderung an Seh- und Lesefähigkeiten. Großbuchstaben, die bekanntermaßen schlecht lesbar sind, mit geringer Spationierung für die Zutatenliste und zu wenig Durchschuss im Rezeptteil bei allgemein viel zu kleiner Schriftgröße, dürfen im Layout einfach nicht passieren. Dies wird der anregenden Lektüre und ihrem hohem Nutzfaktor nicht gerecht.

Benutzerfreundliches findet sich noch im Anhang. Sammel- und Küchentipps, eine Erntetabelle, das obligate Register der Rezepte und besonders erfreulich auch die Webadressen und Bezugsquellen sowie Literaturtipps.  Dazu auch noch ein Ausflugstipp für Österreich: Arche Noah hat sich der Erhaltung der Naturpflanzenvielfalt verschrieben. Hier erhält man wertvolle Tipps und vor allem Samen und alte Nutzpflanzensorten für den eigenen Garten.

Das Buch bedient nicht nur Feinschmecker und Gartenkundige, sondern spricht den inneren “Jäger und Sammler” an. Die “Jagd” nach und das “Sammeln” von wild wachsenden Früchten kann zur Leidenschaft werden und wie bei der Autorin zu neuen Freundschaften führen. So gesehen ist die Lektüre auch ein wunderbarer Anstoß mit offenen Augen in die Natur zu gehen und heimischen Früchten eine Chance - ggf. im eigenen Garten - zu geben. Früchte, die nicht um den halben Globus transportiert wurden, in echter Erde und natürlichem Sonnenschein gereift sind, sind purer Luxus, der vor der Haustür zu finden ist.

© S. Strohschneider-Laue

Die Wildfrüchteküche

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Stempel, Walzen & Schablonen

Mittwoch, 06. April 2011

Non-Fiction

Traci Bunkers
Stempel, Walzen & Schablonen 
52 Ideen für selbstgemachte Druckwerkzeuge 

Haupt 2011, 160 S. zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 2586 0027 7

Stempel, Walzen & Schablonen

Seit ich “Stempel, Walzen und Schablonen” gelesen habe, kann ich nicht mehr einkaufen gehen, ohne gedankenverloren vor Regalen zu stehen und mich zu wundern, wie der Abdruck dieses oder jenes Gegenstandes wohl aussehen würde. Besonders ergiebige Jagdgründe sind Baumärkte und 1-Euro-Shops. Ob Hühneraugenpflaster, Zehenspreizer, Flaschenverschlüsse, Haargummis, Rohrleitungsisolierungen, Draht, Beilagscheiben oder Papierzierdeckchen – Traci Bunkers beweist in ihrem mitreißendem Buch, dass es möglich ist, mit fast allem interessante Muster zu drucken. Die Begeisterung, mit der sich die erfinderische amerikanische Künstlerin an die Arbeit macht und ihre Freude am Experimentieren sind ansteckend. Das liegt zum einen am entspannten Plauderton der Texte, zum anderen an den exzellenten Anleitungen zur Herstellung und Verwendung zahlreicher Druckwerkzeuge.

Traci Bunkers beginnt ihre Einführung in die faszinierende Welt des experimentellen Druckens mit einer kleinen Materialkunde. Sie erklärt auf welchem Trägermaterial die Fundstücke zur besseren Handhabung montiert werden können und welche Klebstoffe sich dazu eignen, vergleicht die Eigenheiten von Acrylfarben und Stempelkissen, listet Ausrüstungsgegenstände vom einfachen Schneidemesser bis zum Embossingfön auf und gibt Tipps zum Reinigen der Druckwerkzeuge.

Der Hauptteil des Buches ist in vier Kapitel – “Druckstöcke und Stempel”, “Stempel aus formbarem Schaumstoff”, “Walzen” und “Schablonen” – gegliedert. In insgesamt 52 Projekten führt Traci Bunkers nachvollziehbar vor Augen, wie aus Alltagsgegenständen innovative Druckwerkzeuge werden. Jede Projektbeschreibung besteht aus einer Liste des benötigten Materials, einem Erfahrungsbericht der Künstlerin und einer leicht verständlichen Anleitung. Tipps helfen, gute Ergebnisse zu erzielen und mögliche Tücken des Materials zu meistern. Hinzu kommen zahlreiche Abbildungen, darunter Druckbeispiele vom einfachen Abdruck bis zu komplexen Mustern, die durch Kombination mit anderen Werkzeugen erzielt werden können. Sehr benutzerfreundlich sind auch die Vergleiche des Druckbildes bei Verwendung von Farbe und Stempelkissen.

Zu guter Letzt können aus einer Galerie mit Anwendungsbeispielen weitere Anregungen geschöpft werden.

“Stempel, Walzen und Schablonen” ist ein packendes Buch, das die Fantasie beflügelt. Auf den Spuren von Traci Bunkers zu wandeln ist weder aufwendig noch teuer, macht aber jede Menge Spaß. Möge Ihnen dieses Buch ebenso viele glückliche Stunden kreativen Schaffens bereiten wie mir!

© Ch. Ranseder

Stempel, Walzen & Schablonen

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Taschen für Fashionistas

Mittwoch, 06. April 2011

Non-Fiction

nani coldine
Taschen für Fashionistas 
entwerfen - nähen - verkaufen  

Haupt 2011, 160 S. zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 2586 0021 5

Taschen für Fashionistas

Eine Frau ohne Handtasche ist ein seltener Anblick. Für die meisten von uns sind die - mehr oder weniger praktischen - Transportbehälter unverzichtbare Begleiter. Dieses innige Nahverhältnis zu ihrer Besitzerin macht die Handtasche zu mehr als nur einem modischen Accessoire. Sie ist ein sehr persönlicher mobiler Raum, eine miniaturisierte Privatsphäre fern der Wohnung. Daher liegt es nahe, dass eine Handtasche nicht nur schick sein soll, sondern auch individuellen Ansprüchen genügen muss. Also schneidert frau sich das gute Stück am besten gleich selbst - Handarbeit liegt ohnedies im Trend. Anleitungen, guten Rat und Inspirationen für eigene Projekte steuert das Modelabel nani coldine mit “Taschen für Fashionistas. entwerfen - nähen - verkaufen” bei.

Das hinreißend illustrierte Buch ist die ideale Einführung für alle, die ihre Lieblingshandtasche selbst anfertigen wollen. Vermutlich wird es nicht bei einem Täschchen bleiben, denn die 25 Schritt-für-Schritt-Anleitungen machen Lust jedes der gezeigten Modelle nachzuschneidern. Ob Clutch, Hobo-Bag, Weekender-Bag, Tote-Bag, Baguette-Bag, Pochette oder Messenger-Bag - begehrenswert sind sie alle. Jede Anleitung besteht aus Angaben zu Material und Werkzeug, dem Schnitt und einer detaillierten Erklärung des Nähvorganges. Charmante Zeichnungen und Fotos des fertigen Modells stehen dem Text hilfreich zur Seite. Blutige Anfängerinnen an der Nähmaschine lernen in der Einführung wie Schnitte vergrößert, Innenfutter angefertigt und Reißverschlusstaschen genäht werden. Wer gar nicht nähen mag, findet im Kapitel “Pimp my bag” Vorschläge, wie alten Handtaschen mit Heißklebepistole, Farbe oder diversen Broschen neues Leben eingehaucht werden kann.

Mit ein bisschen Geschick und Übung lassen sich, inspiriert von “Taschen für Fashionistas”, eigene Ideen zu Entwürfen entwickeln, die aus Materialien aller Art umgesetzt werden können. Mutige, denen das Entwerfen und Produzieren von Taschen so viel Spass macht, dass sie ihren Lebensunterhalt damit bestreiten möchten, sei die Lektüre der Interviews mit jungen HandtaschendesignerInnen und das nützliche Kapitel “Existenzgründung” ans Herz gelegt. Damit auf den Traum von der Selbstständigkeit kein allzu böses Erwachen folgt …

Nadine Heintze, der Gründerin des Taschenlabels “nani coldine”, und ihrem Team ist mit “Taschen für Fashionistas” ein wunderbares Buch gelungen, das sich nicht zuletzt durch seine bezaubernde grafische Gestaltung wohltuend von anderen do-it-yourself-Publikationen abhebt.

© Ch. Ranseder

Taschen für Fashionistas: entwerfen, nähen, verkaufen

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Future Beauty - Mode aus Japan

Montag, 28. März 2011

Non-Fiction

Akiko Fukai, Barbara Vinken, Susannah Frankel, Hirofumi Kurino
Future Beauty
30 Jahre Mode aus Japan 

Prestel 2011, 256  S. zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 7913 4551 2

Future Beauty

Dreißig Jahre Kleidungsstücke mit Löchern, ausfransenden Säumen und nach außen gekehrten Nähten, triste Farben sowie körperferne Schnitte sind längst ein Bestandteil des modischen Mainstreams geworden. Vor 30 Jahren, als Rei Kawakubo und Yohji Yamamoto erstmals ihre Kollektionen in Paris zeigten, konnte man mit diesem scheinbaren Minimalismus noch die Gemüter der Modejournalisten erregen. Die dem Power Dressing und einer schrillen Farbigkeit huldigende westliche Modewelt der 1980er-Jahre reagierte zunächst verstört und weitgehend ablehnend auf die, eine radikal andere Ästhetik vertretenden, Schöpfungen der beiden japanischen Designer. Die Entrüstung währte nicht lange. Dank wachsender Präsenz in den Medien galt Mode aus Japan bald als innovativ und avantgardistisch. Rei Kawakubo, die Gründerin von Comme des Garçons, Yohji Yamamoto und Issey Miyake bereicherten die europäische Couture mit neuem Gedankengut und ebneten den Weg für nachfolgende Designer aus Japan. Ausgehend von diesem Dreigestirn der zweiten Generation von Modemachern aus Tokyo, ist das Buch “Future Beauty” bemüht, einen Überblick über Geschichte, Eigenheiten und markante Positionen der Mode aus Japan zu gewähren. Mit den Texten, die von insgesamt sieben Autoren stammen, gelingt dies auch hervorragend. Sie vermitteln fundiertes Basiswissen und schenken dabei sowohl der in Paris gezeigten konzeptorientierten Couture, die von Beginn an danach trachtete sich in der Nähe der Kunst zu positionieren, als auch den modischen Ausdrucksformen diverser japanischer Jugendgruppen Aufmerksamkeit.

Zwei einleitende Essays erzählen, wie es den Designern aus Japan gelang, im europäischen Modebusiness Fuß zu fassen, welche Strategien der Selfpromotion sie dabei anwendeten und durch welche Merkmale sich ihre Mode auszeichnet. Geprägt von der japanischen Ästhetik, dem asiatischen Verständnis der Beziehung zwischen Körper und Kleidung sowie neuerdings auch der Definition des Niedlichen kommentieren japanische Modemacher seit drei Jahrzehnten das sich in der westlichen Mode manifestierende Verständnis von Erotik, Eleganz und der Geschlechterdifferenz. Welche traditionellen japanischen Gestaltungsprinzipien sie dabei in den Dialog mit westlichen Kleidungsformen einbringen, wird in vertiefenden Kurztexten untersucht. Das Spektrum dieser Beiträge reicht von der Flächigkeit und der Liebe zur Farbe Schwarz über die Experimentierfreudigkeit bei der Entwicklung von neuen Technologien für Stoffe sowie deren Weiterverarbeitung bis zum Einfluss von Manga, Anime und Cosplay.

Als Scharnier zwischen dem allgemeinen Teil des Buches und den Einzelpräsentationen ausgewählter Modemacher fungiert ein Abschnitt über die zahlreichen Street Styles der Jugendlichen in Japans Metropolen.

Die zweite Hälfte von “Future Beauty” ist der Vorstellung prägender Modeschöpfer sowie einem Ausblick auf neun aufstrebende Jungdesigner vorbehalten. Mini-Porträts machen mit Issey Miyake, Rei Kawakubo, Yohji Yamamoto, Junya Watanabe, Jun Takahashi und Tao Kurihara bekannt und berichten von den wichtigsten Ereignissen in ihren Karrieren. Das begleitende Bildmaterial setzt leider nur Schlaglichter auf ausgewählte Modelle einiger weniger Kollektionen, anstatt einen Querschnitt durch das Schaffen des jeweiligen Modeschöpfers zu zeigen. Weder Werdegang noch Entwicklung sind daher optisch nachvollziehbar, selbst Meilensteine fehlen zuweilen. Besonders offensichtlich wird diese, fallweise auch andernorts im Buch festzustellende, mangelnde Abstimmung zwischen Fließtext und Abbildungen in der Einzelpräsentation von Issey Miyake. So wird zum Beispiel von den plissierten Kleidungsstücken seiner pleats-please-Reihe im gesamten Buch kein einziges Foto gezeigt, obwohl diese in den Texten mehrfach erwähnt wird. Stattdessen können auf 13 Seiten – zugegebenermaßen faszinierende – Modelle aus einer Kollektion des Jahres 2010 bewundert werden.

Die Zusammenstellung der dargebotenen Abbildungen präsentiert bedauerlicherweise keine lückenlose visuelle Chronologie, wie sie für eine Übersicht des facettenreichen Outputs der Couturiers aus Japan wünschenswert wäre. Vielmehr lenken die Fotos den Blick auf bestimmte Charakteristika der von japanischem Gedankengut und Innovationskraft geprägten Mode. Das macht das Buch zur praktischen Stilkunde, die das kulturelle Verständnis fördert. Als exzellente Einführung und Ausgangspunkt für eine tiefer gehende Auseinandersetzung gebührt “Future Beauty. 30 Jahre Mode aus Japan” ein Spitzenplatz im Ranking der Modeliteratur.

© Ch. Ranseder

Future Beauty

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Aiwasowski - Maler des Meeres

Mittwoch, 16. März 2011

Aiwasowski - Maler des Meeres
Bank Austria Kunstforum
17. März bis 10. Juli ‘11

Aiwasowski: Maler des Meeres

Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski (1817-1900) wurde in Feodossija auf der Krim geboren. Ein Stipendium ermöglicht es ihm ab 1833 an der Akademie in St. Petersburg zu studieren und erste Fernreisen zu unternehmen. Zahlreiche Stadt- und Landschaftsbilder geben eindrucksvolles Zeugnis seiner Reistätigkeit. Der viel beschäftigte Künstler blieb er seiner Heimatstadt verbunden. Atelier und Wohnhaus des Malers des Meeres in Feodossija ist heute ein ihm gewidmetes Museum und Leihgeber für diese außergewöhnliche Ausstellung.

 

Bereits 1844 wurde der aufstrebende und bereits ausgezeichnete Künstler zum offiziellen Maler des Marinestabs ernannt. Durch seine somit gesicherten Auftragsarbeiten war er finanziell gut situiert. Aus einer armenischen Kaufmannsfamilie stammend, war ihm durchaus bewusst, dass man Geld anlegen und sich gesellschaftlich integrieren muss. Sein Engagement für Wirtschaft und Kultur - er setzte sich für die Eisenbahnlinie und die Gründung eines archäologischen Museums in Feodossija ein - waren somit auch privates Kalkül.

Marinemalerei ist ein Genre, das nicht unbedingt jeden auf Anhieb anspricht. Ein Vorurteil, das durch Monumentalbilder von Seeschlachten, die für Repräsentationsräume, Hafenszenen für Amtsstuben und Schiffsbilder, die für Veteranen gemalt wurden durchaus gerechtfertigt erscheint.

 

Unter den sprichwörtlichen grauen Wellenfluten der ungezählten - vor allem holländischer Seestücke -, die sich einmal links, einmal in der Bildmitte und zur Abwechslung rechts des voll aufgetakelten oder bereits halb gesunkenen Schiffes zeigen, sticht die außergewöhnliche Sichtweise und Darstellung von Aiwasowski hervor. Man muss sich nicht der Marine verbunden fühlen, um die erzählerische Qualität der Szenen zu erfassen. Man muss nicht dem Ertrinken nahe gewesen sein, um die Angst der Schiffsbrüchigen zu spüren. Aiwasowskis Bilder sind Berichterstattung und Kunst zu gleichen Teilen und das macht ihre zeitlose Qualität aus.

 

Wer das Wasser nur vom Strandurlaub kennt, aber dessen Gewalt nur aus Katastrophenberichten, wird nach dem Besuch der Ausstellung einen geschulten Blick haben. Wellenkämme und Gischt betrachten, das Farbspiel, das Licht und die Transparenz bewundern. Spürbarer und beeindruckender als Aiwasowski Gemälde ist nur das Meer selbst.

Der bei Hatje Cantz erschiene Katalog Aiwasowski: Maler des Meeres zeichnet sich durch vielschichtige Beiträge aus. Die gewohnt ausgezeichnete Druckqualität erfreut, kann aber trotzdem - auch aufgrund der monumentalen Originale -, die optische Wucht und Farbpracht nicht völlig gerecht werden. Dennoch ein unverzichtbarer Ausstellungsbegleiter, der es Normalsterblichen möglich macht, Aiwasowski mitzunehmen.

Fazit: Ein beeindruckender Bilderreigen, der in dieser Fülle und vor allem nach Aiwasowskis Tod außerhalb Russlands nicht zu sehen war. Die Präsentation erhebt sich erfrischend, faszinierend und gewaltig wie das Meer vom Ausstellungseintopf Österreichs mit seinen Impressionisten-Schiele-Picasso-Mainstream ab.

© S. Strohschneider-Laue

Aiwasowski: Maler des Meeres

Aktuelle Ausstellungskataloge
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Leben im Zoo

Donnerstag, 10. März 2011

Non-Fiction

Lukas Beck (Foto), Renate Pliem (Text)
Leben im Zoo
Vom Ameisenbär bis Zebrastreifen

echomedia 2011, 160 S., zahlr. Farbfotos.
ISBN 978 3 9026 7237 7

Leben im Zoo Das Leben im Zoo 

Der älteste, seit 1752 bestehende Zoo ist der Tiergarten Schönbrunn in Wien. Seit seinem Bestehen hat sich die Anlage in Etappen von einer Menagerie für Schaulustige zu einer Bildungsoase für BesucherInnen, Zentrum für ForscherInnen und einem Ressort für vom Aussterben bedrohter Tierarten entwickelt. Nicht von ungefähr wurde daher der Tiergarten Schönbrunn 2011 unter 80 europäischen Zoos in 21 Ländern, die der britische Geschäftsmann und Zooliebhaber Anthony Sheridan akribisch testete, nach 2009 erneut zum besten Zoo gewählt.

Forschung, Ökonomie und Außenkommunikation sind die drei Standbeine, die einem wissenschaftlich geführten Zoo mit dem Ziel der artgerechten Haltung die nötige Stabilität verleihen. Zur Umsetzung dieser Ziele sind geschulte Fachkräfte und eine visionäre Leitung nötig. Die TierpflegerInnen und ihre Pfleglinge stehen deshalb erstmals im Mittelpunkt eines Bildbandes, der inhaltlich vom Originalton der Hauptprotagonisten vor und hinter den Kulissen getragen wird.

Der Fotograf Lukas Beck zollt jedem Motiv, jedem Porträtierten den gleichen Respekt. Er macht deshalb keinen Unterschied, ob er österreichische Prominenz oder tierische Exoten fotografiert. In punktgenauem Licht werden Pfleger und “ihre” Tiere zu solch genialen Einheiten verschmolzen, dass sie zuweilen an Hochzeitsbilder erinnern. Einander herzlich zugetane Paare, die in den gemeinsamen Jahren liebenswert-obskure Ähnlichkeiten entwickelt haben.

Die Radiojournalistin Renate Pliem hat den PflegerInnen zugehört und ihren O-Ton festgehalten. In den so entstandenen Texten offenbaren sich Beruf und Berufung, Sachkenntnis und anekdotenhafter Spaß. Obwohl von den PflegerInnen jeweils ein persönlich erzählter Minieinblick geboten wird, kommt das tief gehende Verständnis für die Schnittpunkte von Pflege, Forschung und Öffentlichkeit im Rahmen der ökonomischen Möglichkeiten des Tiergartens Schönbrunn zwischen den Zeilen nicht zu kurz.

Erwähnt werden muss noch das erfrischende Layout von Elisabeth Waidhofer. Je eine Doppelseite, bestehend aus einer Textseite und einem großformatigen Foto, werden jedem Mensch-Tier-Team gewidmet. Gradlinig strukturiert, kommt der Weißraum nicht zu kurz. Das große und klare Schriftbild in harmonisch abgestimmtem sowie unauffällig wechselndem Farbkonzept steht unterstützend gleichberechtigt an der Seite von Text und Fotografie des Bandes.

Ein erschwinglicher und attraktiver Pflichtkauf für JahreskartenbesitzerInnen, Zoobegeisterte und junge Menschen, die den Beruf des Tierpflegers ernsthaft in Erwägung ziehen. Alle anderen werden das Buch haben wollen, weil sie sich der einzigartigen Beziehungen zwischen Wildtieren und Menschen, die über Text und Fotos transportiert werden, nicht entziehen können.

© S. Strohschneider-Laue

Das Leben im Zoo: Von Ameisenbär bis Zebrastreifen

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Wissenschaftliches Schreiben

Donnerstag, 03. März 2011

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Helmut Gruber, Birgit Huemer, Markus Rheindorf
Wissenschaftliches Schreiben
Ein Praxisbuch für Studierende 
Böhlau /utb 2009, 240 S.
ISBN 978 3 8252 3286 3 (utb)
ISBN 978 3 2057 8432 4  (Böhlau)

 Wissenschaftliches Schreiben

Das Handbuch wendet sich vor allem an angehende Geistes- und SozialwissenschaftlerInnen. Vom Großen ins Kleine aufgebaut, finden sich im Buch mit Symbolen gekennzeichnete sowie typografisch hervorgehobene oder unterlegte Denkanstöße, Arbeitsaufgaben, Tipps und weiterführende Literatur. Der fachspezifische Aufbau einer Arbeit sowie die formale Manuskriptgestaltung sind nicht Thema dieser Publikation und finden daher nur im geringen Maß Berücksichtigung. Zu verschieden sind die Anforderungen in den Fachbereichen und die Fachmedien. Diese Fragen muss der Studierende mit dem Betreuer der Arbeit und der Redaktion des Publikationsmediums, in dem die Arbeit erscheinen soll, in einem möglichst frühen Stadium der Arbeit klären, um später mühsame Anpassungen zu vermeiden. 

Themenfindung, Strukturen schaffen, Einbinden der Literaturrecherchen und Formulierung des Forschungsergebnisses sind Hauptkomponenten einer wissenschaftlichen Arbeit und thematisches Ziel dieser Publikation. Den wenigsten Studierenden sind diese Faktoren von Beginn an geläufig. Für Studierende ist es wichtig, gleich am Anfang ihrer Recherchen ohne unnötigen Arbeitsaufwand oder Umwege das inhaltliche Ziel abzustecken, umzusetzen und keine “copy & paste” Sünden zu begehen. Daher ist es umso wichtiger, auf eine Arbeitshilfe wie diese zurückgreifen zu können, die solche Fehler vorab aufzeigt und zu vermeiden hilft.

Neun Kapitel geben Einblick in das wissenschaftliche Arbeiten. Etliche Bereiche können dabei nur allgemein umrissen werden, da von Fach zu Fach große Variationsbreiten bestehen. Die Anregung im Kapitel zwei sich selbst zunächst über das eigene Fach näher zu informieren und sich der eigenen Motivation dieses zu studieren, bewusst zu werden, sollte deshalb ernst genommen werden.

Mit Kapitel drei beginnt die Einführung in das wissenschaftliche Schreiben. Für Organisation der Recherche und die Aufarbeitung des Materials wird ein guter, allgemein gültiger Strukturplan vorgeschlagen, der vor allem Studienbeginnern, wenn nicht schon von Oberstufenschülern, beherzigt werden sollte. Sich mit dem Zielpublikum der Arbeit auseinanderzusetzen mag ein gut gemeinter, zukunftsweisender und von der Grundidee lobenswerter Vorschlag sein, dennoch hat sich m. E. noch immer bewährt für die Zielperson zu schreiben, die letztlich die Noten und Scheine verteilt - auch wenn darunter die Qualität der Arbeit u. U. leidet. Praxisnahe Beschreibungen und Beispiele helfen, Struktur in die zunächst unauffindbar scheinende Information und anschließend unübersichtliche Flut zu bekommen. Da niemand blinder für den Text ist als der Autor selbst, sind Tipps wie den Text einige Tage vor dem Korrekturlesen “abliegen zu lassen” ebenso wertvoll wie die Hinweise zur guten, ggf. aufgelockerten Präsentationsform.

Kapitel vier ist der Wissenschaftssprache gewidmet, der im deutschsprachigen Raum eine besondere Bedeutung beigemessen wird. Mit den sprachlichen Konventionen des Faches muss sich der Studierende ebenso vertraut machen, wie mit den allgemeinen Gepflogenheiten eines sachlichen, fundierten und exakten sowie nachvollziehbaren Austauschs wissenschaftlicher Inhalte. Das im deutschsprachigen Raum übliche Phänomen des Passiven und Unpersönlichen wird - leider zu Recht - besonders betont. Nicht berücksichtigt wird dabei allerdings, dass dies grade im internationalen Bereich - aber auch an der Schnittstelle zur breiten Öffentlichkeit -  häufig zu massiven Verständigungsproblemen führt. Das deutschsprachige Relikt des Zurücknehmens der eigenen Person, übermäßige Nutzung von Nominal- und Passivkonstruktionen führt außerhalb des wissenschaftlichen Elfenbeinturms sowie bei Kommunikation- und Publikationsversuchen im englischsprachigen Raum zu massiven Problemen, die meist erst dann deutlich werden, wenn ein fremdsprachiges Abstract geschrieben werden muss oder eine internationale Jury durchaus fundierte Texte ablehnt. Wer glaubt, dass überdurchschnittliche Satzlänge, seltene Verwendung des Pronomens “ich”, häufige Verwendung von Nomina, Nominalkomposita sowie Passivkonstruktionen den wissenschaftlichen Anspruch eines Textes unterstreichen, beurteilt auch die inhaltliche Qualität eines Menschen nach dem Markenaufdruck seiner Bekleidung. Diese Schlussfolgerung ist richtiger als sie angenehm ist.

Mit einer guten Gliederung steht und fällt der Arbeitsprozess und damit die Arbeit selbst. Kapitel fünf setzt sich daher minutiös - auch mit formalen Aspekten - mit Struktur vom Großen ins Kleine auseinander. In Anbetracht der jüngsten Ereignisse in Deutschland erhält Kapitel sechs eine noch größere Bedeutung. Wie man mit der Leistung anderer umgeht, d. h., wie man Literatur auswertet, verwendet und nicht zuletzt korrekt zitiert, wird hier deutlich vorgelegt. Beschreiben, Erklären und Argumentieren sowie das Verfolgen des roten Fadens in der eigenen Arbeit beschließen ein überaus nützliches Buch, das den gelungenen Spagat “fachspezifischer Allgemeingültigkeit” bewältigt.

© S. Strohschneider-Laue

 Wissenschaftliches Schreiben

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The Book of Palms

Donnerstag, 03. März 2011

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Carl Friedrich Philipp von Martius
The Book of Palms
H. Walter Lack (Text)
Taschen 2010, Dt./En./Fr., 412 S. zahlr. Farbtafeln
ISBN 978 3 8365 1779 9

Martius - Book of Palm

Dreißig Jahre mussten sich Botaniker und Sammler erlesener Bücher gedulden, bis sie 1853 endlich die vollständige Historia naturalis palmarum des Carl Friedrich Philipp von Martius ihr Eigen nennen konnten. Heute geht das, dank des Taschen Verlages, schneller. Ein Spaziergang in die nächstgelegene Buchhandlung genügt, um “The Book of Palms” in Händen halten zu können.

Carl Friedrich Philipp von Martius (1794-1868) fasste in seinem Buch das damals über Palmen verfügbare Wissen zusammen und legte mit der monumentalen Publikation den Grundstein für deren weitere Erforschung. Auslöser für seine intensive Auseinandersetzung mit diesen exotischen und dennoch auf den ersten Blick recht unscheinbaren Gewächsen war eine Fernreise. Dem promovierten Mediziner, der sein Hobby - die Botanik - mit einer Anstellung im Münchner botanischen Garten zum Beruf gemacht hatte, bot sich 1817 die Gelegenheit, an einer Expedition nach Brasilien teilzunehmen. Gemeinsam mit dem Zoologen Johann Baptist Spix wurde Martius von Maximilian I. Joseph, König von Bayern, als Mitglied des wissenschaftlichen Teams, das die österreichische Erzherzogin Leopoldine zu ihrem Gatten Dom Pedro begleitete, nach Brasilien entsandt. Die beiden Bayern gingen bald ihre eigenen Wege, um das damals noch kaum erforschte Land zu erkunden. Erst 1820 kehrten sie mit einer stattlichen Sammlung konservierter Tiere und Pflanzen nach München zurück.

Für Martius bedeutete seine Auslandserfahrung den Beginn einer steilen Karriere. Fleißig begann der Heimgekehrte zu publizieren, denn er hatte das Glück die gesammelten Daten und Pflanzenbelege selbst auswerten zu dürfen. Neben Zeitschriftenartikeln und dem im 19. Jahrhundert beinahe obligatorischen Reisebericht begann er die Arbeit an zwei groß angelegten botanischen Werken.

Die Historia naturalis palmarum erschien in mehr als zehn Lieferungen. Die Veröffentlichung einer mit über 200 Tafeln im Format von 60 x 43 cm ausgestatteten Publikation konnte nur in Etappen mit finanzieller Hilfe zahlreicher wohlhabender Subskribenten verwirklicht werden. Martius versah sein exquisites dreibändiges Werk, für das er sowohl auf eigene Forschungsergebnisse, als auch auf Sammlungen und Vorlagen anderer zurückgriff, mit einer klaren Gliederung. Im ersten Band, für den er zwei weitere Fachmänner als Autoren gewinnen konnte, werden fossile Palmen, Anatomie und Morphologie der Palmen sowie deren geographische Verbreitung abgehandelt. Der zweite Band ist den neuweltlichen, der dritte Band - bis auf wenige Ausnahmen - den altweltlichen Palmen gewidmet. Die ausführlichen Beschreibungen der einzelnen Arten, ihrer Fundorte und alle relevanten Beobachtungen verfasste Martius in lateinischer Sprache.

Das im Taschen Verlag erschienene “Book of Palms” beschränkt sich auf den Nachdruck der Farblithografien des in der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn aufbewahrten Originals der Historia naturalis palmarum. Als Auftakt ist den, etwas verkleinert reproduzierten, Tafeln ein Essay von H. Walter Lack vorangestellt, der sich auch der Überprüfung der in den Legenden angeführten wissenschaftlichen Namen angenommen hat. Dann kann der Augenschmaus beginnen.

Das “Book of Palms” erfreut mit einer wundersamen Mischung aus Diagrammen von Blütenständen und Blattstellungen, Fruchtvergleichen, frei stehend porträtierten Palmen, Nahansichten einzelner Pflanzenteile und fantasievollen Landschaften, in deren Darstellung sich Romantik und Exotik ein Stelldichein geben. Braun gesprenkelte Trennblätter mit Prägedruck deuten die Dreibändigkeit des Originalwerkes an. Dasselbe Papier schmückt auch den Einband. Beeindruckend massiv und prächtig ist das Buch. Doch es hat eine Achillesferse. Wissbegierige Genießer, die kein Studium der Botanik absolviert haben, suchen vergeblich einen Anhang zu den Tafeln, der mehr zum Dargestellten vermittelt als den wissenschaftlichen Namen der Palme. Der Verzicht auf zeitgemäß formulierte Erklärungen bedeutet eine vergebene Chance für Gewächse zu begeistern, die im Pflanzenreich mit Superlativen aufwarten können und den Menschen seit Jahrhunderten als Lieferant für Nahrung, Fasern und Baumaterial dienen.

Anders als ein Strauß hübscher Gartenblumen erschließen sich Palmen den Betrachtern nicht spontan auf einer emotionalen Ebene. Es erfordert Zeit, auf den Seiten des “Book of Palms” die zurückhaltende Schönheit der Palmen zu entdecken. Ihre Faszination liegt im Detail, in den feinen Variationen der Struktur von Fruchtständen, Rinden und Blüten sowie deren nuancenreichen Grün- und Brauntönen, die fallweise durch ein leuchtendes Rot oder samtiges Schwarz zum Schwingen gebracht werden. Für heitere Momente sorgen Staffagefiguren, die in der wild wuchernden Vegetation der Landschaftsdarstellungen versteckt, den Tätigkeiten ihres Alltags nachgehen. Mehrmals tauchen europäisch gekleidete Männlein mit schmuckem Zylinder oder Schlapphut auf, um zu botanisieren, zu zeichnen oder Strauße zu jagen. Krokodile lauern, Kängurus liegen faul herum, rosa Flamingos suchen eiligst das Weite und eine kleine Herde Elefanten tänzelt unruhig am Waldrand entlang.

Der historische Meilenstein in der Erforschung der Palmen, die zum Symbol der Sehnsucht nach der Ferne geworden sind, entwickelt als Buch für den Kaffeetisch beträchtlichen Charme. Lassen auch Sie sich vom “Book of Palms” bezaubern!

© Ch. Ranseder

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Was baust du?

Mittwoch, 16. Februar 2011

ab acht

Yusuke Yonezu
Was baust du?
minedition 2011, 24 S., gestanzt, farbig Illustriert.
ISBN 978 3 8656 6105 0

Was baust du? Was baust Du?

Ein Pappbilderbuch mit Stanzungen für die Kleinsten unter den Nachwuchskünstlern.

Die bunte Welt der Bauklötzchen und ihre Grundfarben wurden hier eingefangen. Wenn es Zeit wird, die Klötzchen wegzuräumen und zur Ruhe zu kommen, kann das Buch als Ausklang genutzt werden. Reizvoll ist es, aus dem Betrachten ein Ratespiel zu machen. Die Stanzungen lassen ahnen, was die nächste Seite zeigen könnte. Egal ob die Kleinen hindurchgreifen, die Spannung durch Abdecken der nächsten Seite erhöht wird oder durch die Stanzung ein Plüschtier schaut, der Spaß kommt für Groß und Klein nicht zu kurz.

Die kurzen Sätze auf jeder Seite sind Spielanregungen für die Vorlesenden. Für etwas ältere Kinder bedeuten sie die ersten Begegnungen mit Buchstaben und Wörtern. Das polyglotte Zeitzeichen Lautmalerisches in Englisch zu schreiben -  “choo choo” wurde nicht mit “tschu-tschu” übersetzt - wird dabei nicht stören.

Gelungen: Ein wunderbuntes Spielbilderbuch zum Bauklötzchen staunen!

© S. Strohschneider-Laue

Was baust Du?

Mehr von Yusuke Yonezu
Chamäleon 
Fünf kleine Äpfel 
Fang mich NORI, wenn du kannst

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Szenografie - Narrative Räume

Montag, 14. Februar 2011

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Atelier Brückner (Hg.)
Szenography / Szenografie
Making spaces talk / Narrative Räume
Projects / Projekte 2002-2010 Atelier Brückner
avedition 2010, Dt./En.,368 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8998 6136 5

Scenography. Atelier Brückner 2002-2010: Make spaces talk

“Szenografie” ist ein Buch mit vielen Eigenschaften. Auf der inhaltlichen Ebene vereint es die Merkmale eines Handbuches mit den Charakteristika einer Jubiläumsschrift. Seine Texte verbinden die Vermittlung von Grundlagen einer noch jungen Disziplin mit der Vorstellung von Philosophie und Projekten eines der führenden Unternehmen der Branche - des Atelier Brückner.

Seit 1997, dem Jahr seiner Gründung durch den Architekten und Bühnenbildner Uwe R. Brückner und der Architektin Shirin Frangoul-Brückner, hat sich das Atelier Brückner mit Szenografien von herausragender Qualität und Einfallskraft international einen Namen gemacht. Die aus der intensiven Auseinandersetzung mit dem Inhalt entstandenen erzählerischen Raumbilder des mittlerweile auf über 70 Mitarbeiter angewachsenen Ateliers hinterlassen einen bleibenden Eindruck - sowohl als physisches Raumerlebnis als auch in der Form einer fotografischen Dokumentation. Davon können sich LeserInnen in jenem Teil des Buches “Szenografie” überzeugen, welcher der Präsentation von 43 ausgewählten Projekten der letzten 10 Jahre gewidmet ist. Das Spektrum der einfallsreichen Raumkonzeptionen reicht von Dauer- und Sonderausstellungen über Expo-Pavillons bis zu raumfüllenden Messeständen. Fotos älterer, ebenso wegbereitender Projekte sind Bestandteil der opulenten Bebilderung des theoretischen Teils des Buches, der sich den Arbeitsweisen widmet.

Die zunehmende Komplexität der von Szenografen zu lösenden Aufgaben und die Vielfalt der Instrumente, die heute für die Schaffung unvergesslicher Inszenierungen zur Verfügung stehen, erfordern interdisziplinäres Arbeiten sowie eine hohe Kommunikationsfähigkeit. Die Bedeutung des ganzheitlichen Diskurses, des Reflektierens und Hinterfragens konzeptioneller Möglichkeiten zieht sich - ebenso wie die Notwendigkeit des Strukturierens und Lenkens des Designprozesses - wie ein roter Faden durch das Buch. Dieses ist, wie jede Ausstellung, eine Gemeinschaftsarbeit. Als Auftakt des stattlichen Bandes in deutscher und englischer Sprache stellt Frank den Oudsten das Atelier Brückner und dessen von Uwe R. Brückner geprägten Leitsatz “form follows content” vor. Michaela Ganter und Claudia Luxbacher verfassten die Projektbeschreibungen. Die Texte von Prolog, den vier Kapiteln und Epilog stammen aus der Feder von Christian Barthelmes. Geschickt verflicht er die fundierte Darstellung theoretischer und praktischer Grundlagen mit der Schilderung von Arbeitsweisen und Designphilosophie des Atelier Brückner.

Im “Prolog” spannt sich der thematische Bogen von der Erklärung des Begriffs Szenografie und der Genese dieser Disziplin über die Ursprünge des Ausstellens sowie der Entwicklung von den Wunderkammern zu den ersten wissenschaftlichen Sammlungen bis zum heutigen Ausstellungswesen.

Das Kapitel “Inhalt” verfolgt, wie aus der Interpretation eines Themas die Inszenierung von Exponaten und des sie umfangenden Raumes erwächst, sodass eine dreidimensional erfahrbare, emotional berührende Erzählung entsteht, die zugleich Ideen und Fakten vermittelt.

Das Kapitel “Methode” stellt die Arbeitsweise des Ateliers, die auf der von Uwe R. Brückner entwickelten “creativ(e) structur(e)” basiert, vor und begleitet in Zuge dessen den Designprozess Schritt für Schritt.

Das Kapitel “Instrumente” zeigt, womit Szenografen ihre Visionen verwirklichen: Raum, Licht, digitale Medien, Klang und Grafik.

Das Kapitel “Umsetzung” entführt in die Welt der Pläne, Modelle, Testaufbauten und Probeläufe, die notwendig sind, um Gestaltungsideen zu kommunizieren und Entwürfe auf ihre Wirkung und Benutzerfreundlichkeit zu testen.

Der “Epilog” wirft schließlich einen Blick auf Selbstverständnis, status quo und zukünftige Aufgaben der Szenografie.

“Szenografie” ist ein mit großer Sorgfalt gestaltetes Buch. Optisch und inhaltlich setzt es mit dem großzügigen Einsatz von Bildmaterial aller Art - von der Skizze bis zum perfekt ausgeleuchteten Ausstellungsraum - neue Maßstäbe für Handbücher. Als Navigationshilfe zwischen den beiden thematischen Blöcken - die in ihrer Abfolge abwechselnden “Arbeitsweisen” und “Projekte” - finden zwei unterschiedliche Papierqualitäten Verwendung. Eine zusätzliche haptische Dimension wird auch der Oberfläche des Buchkörpers durch Prägedruck am Cover verliehen.

Die Lektüre des Buches “Szenografie” ist ein lehrreiches und inspirierendes Vergnügen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es als Handbuch, Erinnerungshilfe für Gesehenes oder für einen Blick hinter die Kulissen eines Designstudios aus dem Bücherregal genommen wird.

© Ch. Ranseder

Scenography. Atelier Brückner 2002-2010: Make spaces talk

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Polen hören

Montag, 14. Februar 2011

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Barbara Berberon-Zimmermann 
Polen hören

Silberfuchs Verlag 2010, 1 CD, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 9406 6518 8

Polen hören

Ein weiteres Qualitätsprodukt aus der mit dem Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichneten Länderreihe. Gemeinsam ist allen bereits erschienen Hörreisen der “Gerne-wieder-hören-Faktor”, der auch auf “Polen hören” zutrifft.

Barbara Baberon-Zimmermann verfasste aus der wechselvollen Kulturgeschichte Polens einen repräsentativen Hörreigen. Vom Adler im Wappen, wie die Holzbauten durch Steinbauten ersetzt wurden, von der ersten Akademie, aber auch von der Vielfalt der Menschen im Mittelpunkt von Glauben, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst berichtet sie. Passend eingestreute Text- und Musikzitate komplettieren die gut aufbereitete Information rund um das Land, das zwischen mächtigen Nachbarn aufgeteilt, einst völlig von der Landkarte verschwunden war.

Rolf Becker bringt seine angenehme Stimme so wohl moduliert zum Einsatz, dass die 80 Minuten geballter Information wie im Fluge vergehen. Roswitha Rösch designte in bewährter Weise. Sie schuf mit dem Cover einen ebenso passenden wie würdigen Eyecatcher aus Pferd, Reiter und Polen.

© S. Strohschneider-Laue

Polen hören

höre auch:
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Wildnisse Europas

Sonntag, 19. Dezember 2010

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Emmanuel Berthier (Foto), Laurianne Grandon (Text)
Wildnisse Europas
Haupt 2010, 139 S., zahlr. Farbfotos.
ISBN 978 3 2580 7543 3

 Wildnisse Europas

Im klein gewordenen Europa unberührte Natur zu finden, ist fast unmöglich geworden. Dennoch gibt es noch letzte Reste echter Wildnisse, die zugleich zu winzigen Refugien für vom Aussterben bedrohte Tiere wurden. Viele sind es nicht mehr: Lappland (Finnland), Highlands (Schottland), Wattenmeer (Niederlande, Deutschland, Dänemark), Extremadura (Spanien), Sardinien (Italien), Cevennen (Frankreich), Tatra (Slowakei), Karpaten (Rumänien) und Białowieźa (Polen).

Im Jahreskreis vom Winter bis zum Herbst bewegt sich die fotografische Rundreise von Berthier vom arktischen Winter in Finnland über die heiße Wüste in Spanien bis in die herbstlich-bunten Wälder der Cevennen. Wie ein Reisetagebuch begleiten die Texte von Laurianne Grandon stimmig die Fotografien. In fantastischen Fotografien, die stimmungsvoll Licht und Natur miteinander verbinden und zugleich einzigartige Momente einfangen, werden diese Paradiese festgehalten. Optische Eindrücke, die dazu einladen, diese Gebiete selbst mit allen Sinnen zu erleben.

Damit dies tatsächlich möglich wäre, wird jede textlich und fotografisch vorgestellte Region mit einem Steckbrief abgeschlossen. Der Steckbrief bietet eine maßstabgerechte Karte, inhaltliche und praktische Tipps sowie Hinweise zu Unterkünften.  Das großzügige Layout mit viel Weißraum bringt die Fotografien perfekt zu Geltung, während die farbliche Unterlegung der Steckbriefe auf die Jahreszeiten abgestimmt wurde. 

Ein Band für reisefreudige NaturfreundInnen, die sich durch erstklassige Fotos inspirieren lassen möchten.

Wildnisse Europas: Entdeckungsreisen für Naturliebhaber

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Gründen: Kultur- & Kreativwirtschaft

Sonntag, 19. Dezember 2010

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Andrea Rohrberg, Alexander Schug
Die Ideenmacher
Lustvolles Gründen in der Kultur- und Kreativwirtschaft.
Ein Praxis-Guide

transcript 2010, 253 S., zahlr. S-W.-Abb.
ISBN 978 3 8376 1390 2 

 Die Ideenmacher

Der Kopf ist voller Ideen, das Herz voller Tatendrang, aber dennoch zögern viele Kreative, ihre Ideen in eine Geschäftsgründung münden zu lassen. Kein Wunder, denn bürokratisches Schubladendenken und Kreativität sind so gut wie unvereinbar. Außerdem sind die mit einer Gründung und dem weiteren Geschäftsgebaren zu überwindenden Hürden vielfältig und leicht zu übersehen. Einen Masterplan hat kaum jemand von Anfang an in der Tasche. Die meisten “stümpern” sich unbedacht durch und nicht alle haben dabei das Glück zu überleben, sondern viele bleiben auf der Strecke. Daher ist es die gute Planung, die das Gründen enorm erleichtert und später dazu führt, beruhigt seiner Kreativität freien Lauf lassen zu können.

Die Publikation “Die Ideenmacher” will bei dieser Planung vor allem Kreativen aus insgesamt zwölf Bereichen (Musikwirtschaft, Buchmarkt, Kunstmarkt, Filmwirtschaft, Rundfundwirtschaft, Darstellende/r Kunst/Markt, Designwirtschaft, Architekturmarkt, Werbemarkt, Software-/Games-Industrie, Pressemarkt sowie Sonstige im Kunst- und Bildungsbereich angesiedelte Unternehmen) unterstützen. Wobei der Begriff “Kreative” über den schöpferischen Part hinaus auch jene - wie z. B. Buchhändler - erfasst, die die Produkte der Kreativen vermarkten oder wie Bibliotheken und Archive im Bildungsbereich angesiedelt sind.

In neun übersichtlich gegliederten Kapiteln wird der Weg in die Selbstständigkeit von Andrea Rohrberg und Alexander Schug beschrieben. Jedem Kapitel werden die wichtigsten darin besprochenen Punkte vorangestellt.

Auftakt macht im Kapitel eins die Aufforderung zur Selbstreflexion mit zentralen Fragen rund um das eigene inhaltliche und menschliche Potenzial. Das Kapitel wird am Beispiel einer Gründungswilligen, die sich mit ihrer kreativen Idee künftig als Schlussstein jedes Kapitels erweisen wird, beispielgebend zusammengefasst.

Dem Markt und der Stellung des zukünftigen Gründers innerhalb des Marktes ist das Kapitel zwei gewidmet. Die konkrete Aufforderung die Nase vor die Tür und in die Szene zu stecken, in der man selbst einmal mitmischen oder noch besser den Ton angeben will, ist ein zentraler Themenpunkt.

Anhand der eigenen Recherchen ergeben sich im dritten Kapitel Geschäftsmodell und Businessplan fast schon “von selbst”. Denn nun sollte klar werden, ob man markttauglich ist und was man braucht, um finanziell über die Runden zu kommen.

Da es mit den Finanzen immer so eine Sache ist, ist diesem essenziellen Faktor das Kapitel vier gewidmet. Darin wird das Geld angesprochen, das man haben sollte, solches, das man sich noch sichern muss und letztlich, wie man jenes Geld vernünftig einsetzt, um das beste daraus zu machen. Wer sich bis hierher durch das wohlstrukturierte Handbuch gearbeitet hat, ist auf einem guten Weg.

Die Rechtsform bestimmt im Kapitel fünf, wie es weitergeht. Alleine oder mit Partnern ist eine Frage, die sich schon zuvor abgezeichnet hat. Wie man das nun rechtlich für alle Beteiligten absichert und welche Risiken bedacht werden müssen, wird so anschaulich erklärt, dass man keinen BWL-Abschluss dafür benötigt.

Was den Kreativen eher Freude bereiten wird, ist der Werbepart im Kapitel sechs. Irgendwann ist es schließlich nötig, für den zukünftigen Kundenkreis sichtbar zu werden. Natürlich muss das Preis-Leistungs-Verhältnis bedacht werden, aber das ist gemessen an den vorherigen Überlegungen ein Klacks.

Arbeitsorganisation ist auch für den chaotischsten unter den Kreativen eine Überlebensstrategie. Die Inhalte des Kapitels sieben sind deshalb besonders zu beherzigen. Projektabläufe und Zeitmanagement sind sowieso einer steten und meist unvorhergesehenen sowie unerwünschten Veränderung unterworfen. Daher erweist es sich als günstig wenigstens selbst gut organisiert zu sein und ggf. delegieren zu können, wie es im Kapitel acht (Führen und Kooperationen) angesprochen wird.

Buchhaltung und Controlling ist mehr als nur die Steuererklärung, wie Kapitel neun verrät. Schließlich kann man nicht alles ausgeben, was man eingenommen hat und selbst, wenn alle Abgaben gezahlt sind, muss ein Polster für Notfälle geschaffen werden. Und ein guter Überblick öffnet die Augen für günstigere Verträge und Einsparungen.

Wer nach dieser umfassenden Lektüre noch immer meint, nicht genug gelesen zu haben, dem seien die weiterführenden Literaturhinweise und Links ans Herz gelegt, die das - auch hinsichtlich seiner Überschaubarkeit - exzellente Buch beschließen.

© S. Strohschneider-Laue

Die Ideenmacher
 

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Kulinarische Verführung

Sonntag, 19. Dezember 2010

Non-Fiction

Sabine Hueck, Margit Knapp
Höllisch scharf und himmlisch süß
Eine kulinarische Verführung 

Heyne 2009, 224 S., farbig illust. und S-w.-Fotos.
ISBN 978 3 4531 6552 6

 Höllisch scharf und himmlisch süß

In neun Gängen wird hier kulinarisch-literarisch zum Kochen verführt. Im ersten Gang trifft Nicht-Köchin Margit auf Köchin Sabine aus São Paulo. “Kochen, nein Danke!” und “leidenschaftliche Köchin” machen durch ihre Annäherung aneinander die LeserInnen neugierig aufs Hantieren mit Esswaren und nicht alltäglichen Zutaten sowie das aktive Verstehen internationaler Küchen.

Anfangs scheinen peruanische Hähnchenspieße, Ceviche im Limetten-Koriander-Dressing und Pisco Sour eine echte Herausforderung zu sein. Doch in der gemeinsamen Annäherung wird nicht nur Filmemacherin und Lektorin Margit mutiger, es beginnt auch den LeserInnen in den Fingern zu prickeln.

Von Gang zu Gang enthüllt sich die Welt der internationalen Kochkunst ein bisschen mehr. Wo man Zutat erhält, woran man sich gleich kochend versuchen kann und wofür man ein wenig mehr Erfahrung braucht, wird hier beschwingt formuliert. Ebenso luftig leicht dienen die Illustrationen und zurückhaltend eingestreuten Schwarz-Weiß-Fotos als optische Erklärung. Im Register des strapazfähigen und handlichen Buchs finden sich sämtliche Rezepte noch mal säuberlich gelistet wieder, die zuvor charmant dem Text untergeschmuggelt wurden. Erstaunlich, wie viel sich mit ein bisschen Mut und Unterstützung auf den Tisch zaubern lässt.

Fremde Kochwelten machen neugierig und die flotte Schreibe nimmt Kochmuffel mehr und mehr für die Küche und das Kochen ein. Zum immer wieder Lesen und Nachkochen.

© S. Strohschneider-Laue

Höllisch scharf und himmlisch süß

Gastmahl | Ama/Koch/zon/e
AugenBlick | AmaZino

Alles Schokolade!

Sonntag, 19. Dezember 2010

Non-Fiction

Josef Zotter
Alles Schokolade! 
Meine liebsten Rezepte für die süße Küche

Ueberreuter 2009, 224 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8000 7440 2

 Alles Schokolade!

Schokolade am Stück ist nicht einmal beim österreichischen Schokoladen-König Josef Zotter die Krönung des süßen Geschmacks. Über 100 von ihm ausgewählte Rezepte, die Schokolade im Mittelpunkt stellen, beweisen, dass es mehr als Schokoladetafeln gibt.

Nach einleitenden Worten in eigener Zotter-Sache werden Kakao und Schokolade im Überblick vorgestellt. Seine Kompetenz entfaltet sich danach in der gut vermittelnden Basis zu Qualitäten, Aufbewahrung und Handhabung des beliebten Naschwerks; denn Temperieren und Garnieren sind mit Wissen und allerlei Tricks verbunden.

Torten, Kuchen, Schnitten und Rouladen, Warme Desserts, Schokolade für Kids, Naschereien und Ausgefallenes werden übersichtlich gegliedert vorgelegt. Hilfreich und optisch ansprechend erweist sich das Layout im Rezeptabschnitt des Buches. Links jeweils das erstklassig fotografierte Profiprodukt, rechts der schriftliche Weg zum kulinarischen Ziel. Numerisch vorgelegte Arbeitsschritte werden von den randlich aufgelisteten Zutaten, die in Produktionsbereiche (z. B. Boden, Füllung, Garnitur) unterteilt sind, begleitet. Selbst der Nährwert (kcal, EW, Fett, KH, BE und Chol) pro Stück fehlt “leider” nicht, er wird darunter - mit einem diskreten Abstand und durch eine kurze Line optisch abgetrennt - angegeben. Aber selbst die erschreckenden Kalorienangaben werden wahre GenießerInnen nicht vom Verzehr der vorgestellten Köstlichkeiten abhalten.

Von gelber Schokoladenmoussetorte über herzige Nougatkuchen und warme Schoko-Zimtaufläufe bis zum Zanderfilet in Schokokruste spannt sich der Genussbogen. Wer hier nicht fündig wird und seiner Liebe zu Schokolade frönen kann, dem ist auch nicht mit dem benutzerfreundlichen Glossar am Ende des Bandes zu helfen.

© S. Strohschneider-Laue

Alles Schokolade!

Gastmahl | Ama/Koch/zon/e
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Kommunikation: ADC Deutschland 2010

Sonntag, 19. Dezember 2010

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ADC Deutschland Jahrbuch 2010  
ADC Germany Annual 2010 
 
 
avedition 2010, Dt./En., 536 S., zahlr. Farbabb. 
ISBN 978 3 8998 6135 8 

ADC Deutschland Jahrbuch 2010

Für die Besten der Besten ist das Beste gerade gut genug. Dementsprechend edel ist die diesjährige Ausgabe des ADC Deutschland Jahrbuchs geraten. Durch den von einer Vielzahl ausgestanzter Punkte durchlöcherten Schutzumschlag blitzen vier unterschiedlich breite Streifen. Ihr farbiger Vierklang nimmt die Rangordnung der Auszeichnungen auf: Gold, Silber und Bronze sprechen für sich selbst, Pink steht für die Nominierungen. Gleich vier Lesebändchen führen die Farbharmonie im Buchinneren fort, dessen zurückhaltende Typografie die Bühne ganz den präsentierten Arbeiten überlässt. Von der Seite betrachtet, zeigt sich das Jahrbuch in feierlichem Glanz - dafür sorgt der makellose Goldschnitt. Doch das ist noch längst nicht alles. Als wäre das haptische Erlebnis ein paar Kilo Buch in Händen zu halten nicht genug, werden auch die feinen Sinneszellen in den Fingerspitzen stimuliert. Das Logo des Art Directors Club für Deutschland ist am Schutzumschlag zusätzlich mit einer Prägung versehen. Das weckt den Geist von Gütesiegeln und Reviermarkierungen. Die Buchgestaltung des erstmals im international renommierten Verlag avedition erscheinenden Jahrbuchs ist ebenso aufwändig wie gut durchdacht. Inhaltliche Struktur und Aussage werden auf den Punkt genau umgesetzt.

Das ADC Deutschland Jahrbuch besticht mit seiner Hülle und gibt sich darüber hinaus auch inhaltlich als Publikation der Superlative. Die Dokumentation von Höchstleistungen der Werbebranche wurde zur Plattform für Kreative aus vielen Sparten. Grundlage für den stattlichen Band des Jahres 2010 bildet in bewährter Weise der ADC Wettbewerb. Kommerzielle Auftragsarbeiten konnten in einem der folgenden Bereiche eingereicht werden: Klassische Medien, Digitale Medien, Dialogmarketing/Promotion/Media, Design, Editorial, Räumliche Inszenierung, Ganzheitliche Kommunikation und Generic Craft. In 25 Kategorien galt es, Entscheidungen zu treffen. 23 Fachjurys, selbstverständlich aus ADC-Mitgliedern zusammengesetzt, wählten aus und kürten. 429 Einsendungen zum ADC Wettbewerb schafften es. Davon haben 187 einen goldenen, silbernen oder bronzenen Nagel erhalten. Im Inhaltsverzeichnis des ADC Deutschland Jahrbuch 2010 werden 286 Projekte gelistet und in der Folge vorgestellt. Um Ordnung zu schaffen und Doppelungen zu vermeiden, wurde ein Punktesystem ersonnen, das die Gliederung des Buches bestimmt. So wird die Erfassung der Projekte in ihrem vollen Umfang ermöglicht, anstatt sie in einzelne Fachbereiche zu zersplittern.

Doch genug der Zahlen und Fakten. Was hält der Löwenanteil der Seiten, die für manche die Welt bedeuten, für LeserInnen bereit? Wer sind die Gewinner und Nominierten? Das sei hier nicht verraten. Nur so viel: Neben Global Players und Luxusmarken finden sich auch Lokalmatadoren und Kulturinstitutionen. Klassisches reiht sich an Originelles, das nicht selten mit dem Unterhaltsamen wetteifert. Auch das Abstoßende gehört wie die Provokation schon lange zum Repertoire in Gerangel um die Aufmerksamkeit. Stilistisch gilt ganz zeitgemäß “anything goes!” und Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Dass unter dem Dargebotenen fallweise eine - mehr oder weniger unterschwellige - abwertende Haltung gegenüber weiblich konnotierten Gegenständen, Handlungen, Interessen und Einstellungen auszumachen ist, vermag in Zeiten des Verteilungswettkampfes mittlerweile nicht mehr zu erstaunen.

In seiner Gesamtheit bietet das ADC Deutschland Jahrbuch einen spannenden repräsentativen Querschnitt durch ein Segment der angewandten Kreativwirtschaft. Geleitworte, Ehrungen und Nachrufe sowie diverse Verzeichnisse von Preisträgern, Sponsoren, Mitgliedern, Jurys, Agenturen und Verlagen, Firmen und Machern runden das Jahrbuch ab.

© Ch. Ranseder

ADC Deutschland Jahrbuch 2010

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Australien hören

Sonntag, 05. Dezember 2010

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Hilke Maunder 
Australien hören 

Silberfuchs Verlag 2010, 1 CD, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 9406 6522 5

Australien hören

Von der Regenbogenschlange der Schöpfung bis zur multikulturellen Gegenwart führt die Reise. In 20 Kapiteln für die Ohren wird dieser extreme und noch nicht so lange bekannte Kontinent vorgestellt. Der heilige Berg Uluru ist die Heimat der Regenbogenschlange aus dem Schöpfungsmythos der Aborigines. Für die Ureinwohner sind Mensch, belebte Natur, Geschichte und Landschaft untrennbar. Ebenso untrennbar sind die physische und geistige Wirklichkeit. Die Verschmelzung von Erzählungen, Gesängen, Klängen und Felsbildern erschließt den Kontinent und die spirituelle Landschaft. Diese Verschmelzung kommt bei den über 300 Völkern mit ihren verschiedenen Sprachen und Dialekten variantenreich zum Ausdruck.

Eigentlich müsste man sich wünschen, dass Australien nie von Willem Jansz und James Cook entdeckt worden wäre. Denn für in Europa hochgelobte Entdeckungen zahlten seit jeher die indigenen Bevölkerungen den höchsten Preis. Wenn heute an Australien gedacht wird, stehen die schönsten Seiten der Natur im Vordergrund, aber weder Völkermord noch Ökokatastrophen. So erhielten die ursprünglichen Australier, die Aborigins erst 1957 australische Bürgerrechte. Ab 1962 durften Aborigines wählen. Bis 1970 wurden Kinder aus ihren Familien gerissen und zur Umerziehung geschickt. Rechte auf ihr eigenes Land wurden ihnen erst 1976 zuerkannt. Unfassbar ist, dass der Premierminister von Australien erst im Jahr 2008 Worte der Entschuldigung für die an den Aborigines begangenen Verbrechen - Vertreibungen, Massaker und Kindsraub - fand. Kein Wunder, dass der am 26. Januar begangene ”Australia Day” der Weißen zum “Invasion Day” für die Aborigines wurde.

Die Kolonisation Australiens war in jeder Hinsicht unrühmlich. Die englische Öffentlichkeit stellte sich nicht ihren sozialen Problemen. Stattdessen sorgten ein restriktives Rechtssystem und eine ebensolche Deportationspolitik für Nachschub an Sträflingen - darunter auch Kinder - in Australien. Traurige Berühmtheit erlangte dabei die ausbruchsichere Strafanstalt Port Arthur, die in ihrer Unmenschlichkeit durchaus Vergleiche mit Auschwitz und Guantanamo zulässt.

Alle Aspekte von Kunst und Kultur sind durch die australische Geschichte und ihrer Siedler durchdrungen. Die Erforschung des Landesinneren des 5. Kontinents ist untrennbar mit Ludwig Leichhardt verbunden. 1973 erhielt der Australier Patrick White den Literaturnobelpeeis. Für seinen Roman “Voss” diente die schillernd Persönlichkeit Leichhardt als Vorlage. Später entstand aus dem Stoff noch eine Oper. Sogar der Impressionismus hat mit der ”Heidelberg School” eine eigene australische Variante entwickelt. Der erste abendfüllende Film (1906) entstand in Melbourne und behandelte die Geschichte des Volkshelden Ned Kellys, dem Sidney Nolan (1946/47) in einem Bilderzyklus ein weiteres Denkmal setzte. Musikzitate, die den gesprochenen Text begleiten und stellenweise unterlegen, sind von einer außergewöhnlichen Vielfalt.

Hilke Mauner weiß, worüber sie schreibt. Die Journalistin hat die zahlreichen Facetten Australiens in vielen Berichten und Reiseführern verarbeitet. Spannend und aus erster Hand vermittelt sie einen vielfältigen und kritischen Überblick zur australischen Kultur. Selten ist ein Kontinent, ein Land und seine kulturelle Vielfalt einladender geschildert worden.
Andreas Fröhlich spricht, was Hilke Maunder über den 5. Kontinent berichtet. Wer bei dem Klang seiner Stimme an John Cusack, Ethan Hawke und Edward Norton erinnert wird, hat richtig gehört. Er ist der deutsche Synchronsprecher, der hier seiner stimmlichen Bandbreite zum großen Ergötzen der Hörer frönen darf.
Roswitha Rösch gestaltet das Booklet in den erdigen Farben Australiens, die die Präsenz der Regenbogenschlange erahnen lassen.

Der Hörgenuss “Australien” aus der vielfach prämierten Länderreihe des Silberfuchs Verlags überflügelt den hohen Standard, der mit den Vorgängern geschaffen wurde.

Hörproben

© S. Strohschneider-Laue

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Seelenbruch!

Sonntag, 05. Dezember 2010

Fiction

Eva Lirot
Seelenbruch
Ein Thriller aus Frankfurt
Schardt 2010, 204 S.
ISBN 978 3 8984 1504 0

Seelenbruch: Ein Thriller aus Frankfurt

Dieser Krimi ist ein blutiges Lesevergnügen. Starke Nerven sind somit Voraussetzung für prickelnden Schauder.

Und wie es sich für einen packenden Thriller gehört, muss man nicht lange auf die - vermeintlich - erste Leiche warten. Die Behauptung, dass öffentliche Orte und Menschenmengen sichere Plätze seien, relativiert sich durch diesen Mord schnell; denn die junge Frau wird im vollen Frankfurter Kaiserdom ermordet. Pikanterweise hatten Opfer und Täter während der Bischofsweihe Sex in einem Beichtstuhl. Sex, dessen Höhepunkt mit einer durchschnittenen Kehle beendet wurde. Es war nicht die erste Leiche und wird nicht die letzte Leiche dieses Falles sein. Der Mörder ist ein Getriebener und was ihn antreibt, ist in jeder Hinsicht der blanke Wahnsinn.

Eine Leiche im Kaiserdom ist also Eva Lirot nicht genug. Nach und nach zieht sie ihre Leser genussvoll tiefer in die verstörenden Hintergründe der Morde. Die wendungsreiche Suche nach dem Serienmörder halten den Ermittler Jim Devcon und sein Team ständig auf Trab. Spuren, die auch in die Welt der sozialen Netzwerke zu finden sind, führen schließlich zu einer Studentengruppe um Laura Münchenberg.

Die kniffelige Mischung aus Philosophie, Psychologie und Wahnsinn ist es, die den Leser kalte Schauer über den Rücken jagt. Die exzellent beschriebene Arbeit des Ermittlungsteams sowie der Lokalkolorit von Mainhatten verschaffen “Seelenbruch!” genau jene Prise bildhafte Realität, die einen guten Krimi auszeichnet. 

Eindeutig auch filmtauglich. Es verwundert, dass Eva Lirot ihren Thriller auch noch nicht zu einem Drehbuch umgearbeitet hat und sich die Studios um die Rechte reißen.

© S. Strohschneider-Laue

Seelenbruch: Ein Thriller aus Frankfurt

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Coop Himme(l)bau

Sonntag, 05. Dezember 2010

Non-Fiction

Peter Gössel (Hg.)
Michael Mönninger  

Coop Himmelb(l)au
Taschen 2010, Dt./En./Fr., 500 S., zahlr. Sw.- und Farbfotos und Grafiken.
ISBN 978 3 8365 1788 1

Coop Himmelb(l)au

Am 1. Dezember 2010 war es soweit. In der Buchhandlung Walther König im Wiener Museumsquartier wurde der Prachtband des weltweit renommiertesten Architekturbüros aus Wien präsentiert. Wolf D. Prix, Mitbegründer von Coop Himmelb(l)au sprach vor großem Publikum über die Entwicklung ab 1968. Er bot Einblicke und zeigte Fotos. dabei geizte er nicht mit tieferen Einblicken in das Werden von Coop Himmelb(l)au und den von ihrer im Aufbruch befindlichen Zeit geprägten Zielen der Gründer. Ziele, die sich auch in der Namensgebung widerspiegelen. Das von jungen Leuten dominierte Publikum bewies, dass die avantgardistischen Konzepte und der dekonstruktivistische Ansatz des Architekturbüros nach wie vor begeistern. Coop Himmelb(l)au ist seiner Zeit weiterhin voraus. 

Die Architektur von Coop Himmelb(l)au passt in kein Taschenbuch, sondern ausschließlich in ein Buchmonster von Taschen. Bei bucharchitektonischen Maßen von 40 cm x 31,5 cm x 5 cm - ohne Verpackung - ist es gut, dass der mindestens 7 kg schwere Band im eigenen tragbaren Karton geliefert wird. Passend gigantisch wie die Architektur von Coop Himmelb(l)au werden darin - inklusive Zukunftsausblicke - fast 45 Jahre prägende Architektur vorgelegt. Von dunklem Blau am oberen Rand, bis zu Grün am unteren verlaufen die Farben des Covers. Zu sehen ist der sich aufdrehende gläserne Doppelkegel, aus dem die Dachwolke der BMW Welt in München entspringt. Die 2001 getroffene Entscheidung des Vorstandes der BMW AG den Entwurf von Coop Himmelb(l)au ausführen zu lassen, wurde beispielgebend für kommende Kommunikationsbauten. Von dem Weg, der schließlich zur BMW Welt und viel mehr führte, berichten Herausgeber Peter Gössel und Autor Michael Mönninger in diesem Band.

Aufgeschlagen entpuppt sich der Band trotz der Größe als ein haptisches Erlebnis. Unterschiedliche Papierqualitäten gliedern den Band ebenso wie Layout. Der deutlich strukturierte Inhalt führt ohne große Umwege über die Einleitung zu charakteristischen Stationen im Gesamtwerk von Coop Himmelb(l)au. Diese kompakte Buchstruktur unterstreicht den luftigen, hellen und kommunikationsorientierten Architekturstil. So bedingen sich Inhalt, Design und Funktion “taschentypisch” harmonisch bis ins kleinste Detail.

Die Einleitung steckt den architektonischen Rahmen und die Ziele seit der Gründung ab. Danach ist jeder - egal ob Architekt, Fachstudent oder interessierter Laie - bereits mitten im Geschehen. Und es wird schnell deutlich, dass Architektur, die ihren Ursprung in Aktionskunst, Installationen und luftgefüllten weichen Räumen hat, immer ihrem ursprünglichen interaktiven, kommunikativen Ansatz treu bleiben wird. Auch deshalb ist Ausstellungsarchitektur weiterhin ein interessanter Planungsbereich für Coop Himmelb(l)au. 

Die vorgestellte Projektflut wird begleitet von exzellenten Fotos, Skizzen, Entwürfen und realen und virtuellen Raummodellen.  Die dreisprachig vorliegenden Texte gewähren Einblicke in die zugrunde liegenden Konzepte und Planungen.

Abgeschlossen wird der Band durch einen umfangreichen Anhang. Hier werden alle Projekte, Firmenstruktur, Biografien, Teammitglieder bis 2010, Ausstellungen, Preise und Ehrungen sowie die Bibliografie vorgelegt.

Ausgehend von Österreich führte der Weg von Coop Himmelb(l)au über die Schweiz, England und Deutschland schließlich in die USA. In den USA wurde - nach dem internationalen Durchbruch 1988 - ein weiteres Atelier in Los Angeles eröffnet. Coop Himmelb(l)au ist jedenfalls nicht austauschbar und so wird mehr Unerwartetes folgen.

© S. Strohschneider-Laue

Coop Himmelb(l)au 

siehe auch
Coop Himmelb(l)au. Beyond the Blue: Between the Light
Coop Himmelb(l)au PreBook 1: Musée des Confluences
Coop Himmelb(l)au: Central Los Angeles Area High School # 9 for the Visual and Performing Arts
Dynamic Forces: Coop Himmelb(l)au. BMW Welt München
Corporate Architecture: Entwicklung, Konzepte, Strategien
Coop Himmelb(l)au. Get off of my cloud. Texte 1968 - 1996

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Vincent van Gogh

Dienstag, 30. November 2010

ab acht

Ralph Erdenberger 
Vincent van Gogh
Geheimakte
Prestel 2010, 112 S., zahlr. Farb-und Sw-Abb.
ISBN 978 3 7913 7016 3

 Geheimakte Vincent van Gogh

Dieses Buch über den Maler Vincent van Gogh (30. März 1853 bis 19. Juli 1890) und sein Werk soll mit Spaß gelesen werden. Eine Herausforderung, wenn man bedenkt, wie kompliziert das zerrissene Leben von Vincent van Gogh verlief und wie es endete. Etwa 2000 Gemälde und Zeichnungen fertigte van Gogh in seinen letzten zehn Lebensjahren. Verkauft wurden zu seinen Lebzeiten allerdings nur wenige Bilder. Heute erzielen seine Bilder Rekordpreise: 82, 5 Millionen Dollar zahlte ein japanischer Sammler für das Porträt Dr. Gachet.

Am Anfang des Buches steht die Aufgabe, mehr über den Künstler herauszufinden. Stück für Stück, Hinweis für Hinweis und Bild für Bild erschließt sich der Lebensweg des Künstlers. Kindheit, Ausbildung, Beruf, Malerei, Krankheit und Tod werden aus Bruchstücken fassbar. Begleitend dazu gilt es ein Code-Wort zu knacken, das die Seite für noch mehr Informationen im Internet öffnet. Abwechslungsreich werden die Informationen wie in einem Quellenstudium vorgelegt. Kindgerecht aufbereitet, wird Spielraum für Interpretation ohne moralisches Fingerwedeln geboten. In diesem Buch können Informationen wie Ermittlungsakten gelesen und Rätsel gelöst werden. Die deutlich weniger als Mädchen lesenden Buben werden das Buch lieben.

© S. Strohschneider-Laue

Geheimakte Vincent van Gogh

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Gustav Klimt

Dienstag, 30. November 2010

ab acht

Bettina Schümann 
Gustav Klimt
Die Lebensgeschichte
Prestel 2010, 112 S., zahlr. Farb-und Sw-Abb.
ISBN 978 3 7913 7033 0

 Gustav Klimt: Die Lebensgeschichte

Mit Selbstbetrachtungen hat sich der Gustav Klimt (14. Juli 1862 - 6. Februar 1918) nicht aufgehalten. Der begabte Junge aus bescheidenen Verhältnissen lernt strebsam an der Kunstgewerbeschule, die auch sein jüngerer Bruder besuchte. Unbeschwert haben sich Gustav und Ernst Klimt sich gemeinsam mit ihrem  Freund Franz Matsch in der Wiener Kunstszene etabliert. Große Aufträge und die Gunst des Kaisers gehen lange Hand in Hand. Nachdem Ernst stirbt, gehen Gustav und Franz bald getrennte Wege. Gustav Klimt wird Präsident der Secession, der Vereinigung bildender Künstler Österreichs. Der Jugendstil und Gustav Klimt sind seither untrennbar miteinander verbunden. Er entwickelte einen unverkennbaren Stil, der ihn bis heute zu einem der beliebtesten Künstler macht.

Kindgerecht bereitet Bettina Schümann die Lebensgeschichte von Gustav Klimt auf. Wichtige Stationen greift sie aus seinem Leben auf und verbindet diese mit seinen bekanntesten Werken. Dekorativ sind seine Werke, die viele Frauen zeigen, die kurzfristig sein Leben teilten. Diskret umschifft die Autorin die zugehörigen pikanten Details des männlich dominierten 19. Jahrhunderts. Sie lenkt den Blick auf Klimts durch Aufträge und persönliche Orientierung geprägtes, unpolitisches Künstlerleben. 

Das Buch gewährt jungen LeserInnen einen leicht fassbaren Blick in das Lebensatelier von Gustav Klimt.

© S. Strohschneider-Laue

Gustav Klimt: Die Lebensgeschichte 

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Frida Kahlo

Dienstag, 30. November 2010

ab acht

Dagmar Feghelm
Frida Kahlo
Die Lebensgeschichte
Prestel 2010, 111 S., zahlr. Farb-und Sw-Abb.
ISBN 978 3 7913 7023 1

 Frida Kahlo: Die Lebensgeschichte

Am 6. Juli 1907 wurde Frida Kahlo in Mexiko geboren. Bis zu ihrem Tod am 13. Juli 1954 wird sie über 140 Bilder malen. Ein Drittel dieser Bilder sind Selbstbildnisse. Noch mehr als auf ihren anderen Werken lassen sich auf den Selbstporträts ihr Leben, ihre Liebe aber vor allem ihr Leiden ablesen. Farbenprächtig wie Mexiko und seine Geschichte sind ihre Bilder.

Frida Kahlo hatte seit ihrer Geburt gesundheitliche Probleme und hinkte. Durch ein schweres Busunglück war sie ihr ganzes Leben körperlich schwer behindert. Über lange Zeit war sie bettlägerig und musste ein steifes Korsett tragen. Trotzdem war sie voller Lebensfreude und eine starke Persönlichkeit. Sie engagierte sich politisch und war mit einem berühmten mexikanischen Maler verheiratet. Sie begann zu malen und wurde bald über die Grenzen Mexikos hinaus bekannt. Viele Menschen lieben ihre Gemälde, aber die wenigsten kennen die Geschichten, die sie erzählen.

Die Biografie der mexikanischen Ausnahmekünstlerin Frida Kahlo wurde sprachsicher von Dagmar Feghelm für junge Leute aufbereitet. Eindringlich und sensibel berichtet sie von der emanzipierten Frau, deren überbordenden Gefühle weder für sie noch für andere leicht zu bewältigen waren. Bei keinem Künstler ist die persönliche Lebensgeschichte so stark mit dem Werk verknüpft. Vor dem Hintergrund ihrer Gemälde stellt sie die persönliche Tragödie Frida Kahlos dar. Entlang dieses roten Fadens gelingt es der Autorin, die Stärken und Schwächen der Künstlerin deutlich zu machen. Gleichzeitig wird die Emanzipation einer selbstbewussten, politisch aktiven Frau gezeigt, die letztlich nachhaltiger als ihr Künstlergatte wirkt. Frida Kahlo begeistert nicht nur Mexiko, sondern die ganze Welt.

Ein Pflichtbuch für kunstbegeisterte junge Menschen. Ein starkes Buch, das zur Selbstreflexion anregt und besonders junge Frauen (ab 12 Jahren) faszinieren wird.

© S. Strohschneider-Laue

Frida Kahlo: Die Lebensgeschichte

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Robert Schumann

Dienstag, 23. November 2010

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Corinna Hesse
Das Schumann Hörbuch
Eine klingende Biografie

Silberfuchs Verlag 2010, 1 CD, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 17 1

Das Schumann-Hörbuch: Eine klingende Biografie

Die klingende Biografie zum Paraderomantiker Robert Schumann (*8. Juni 1810) erschien rechtzeitig zum 200. Geburtstag des Komponisten und Pianisten. Die chronologische Struktur des Erzählflusses verbindet den permanenten seelischen Ausnahmezustand Schumanns mit wesentlichen Ereignissen, die sein Leben prägten. Zitate aus Briefen, Literatur sowie aus Schumanns zahlreichen Selbstbetrachtungen werden mit über 50 Musikbeispielen aus seinem Werk unterlegt.

Schöpferische Fluten entfalteten sich in seinen größten Tiefs. Eines davon wurde ausgelöst durch seinen Kampf um die Hand Clara Wiecks, deren dominanter Vater - durchaus nachvollziehbar - alles gegen diese unerwünschte Verbindung unternahm. Robert und Clara schlossen gegen allen Widerstand 1840 den Bund der Ehe. Clara tauschte damit den dominanten Vater, der ihr Tagebuch führte, für einen weitaus komplizierteren Ehemann ein, der ein gemeinsames Ehetagebuch verlangte. Die gefeierte Pianistin Clara gebar acht Kinder, begann zu komponieren und trug mit ihren Konzerten das Gros zur Haushaltskasse bei. Unterstützung bei diesen Tourneen konnte Clara von Robert nicht erwarten. Im Schatten seiner erfolgreichen Frau zu stehen, behagte ihm offenbar nicht. Er brach die gewinnträchtigen Reisen vorzeitig ab oder er erkrankte. Sein Gemütszustand wird dramatisch. Zwischen seiner bipolaren Störung und Auswirkungen der Syphilis aufgerieben, endet Schumann zwei Jahre nach seinem Selbstmordversuch am 29. Juli 1856 im Irrenhaus.

Schumanns zeitlos schöne Kompositionen sind die Sprache seiner Seele, zu einer Zeit als man den Zusammenhang zwischen beiden noch nicht erkannt hatte. Corinna Hesse bereitet Schumann und seine Musik mit fesselndem Tiefgang auf. Zeitlos schöne Musik und lebendige Präsentation durch Dietmar Mues und Anne Moll lassen Schumann auferstehen. Das von Roswitha Rösch gestaltete Booklet ist perfekter optischer Begleiter des akustischen Genusses. Auf 15 Seiten werden in hoffnungsfrohen Grüntönen, die passend zum Seelenzustand Schumanns mit psychedelischen Mustern unterlegt sind, wichtige Stationen und Bilder aus Schumanns Leben vorgelegt.

Hörproben

© S. Strohschneider-Laue

Das Schumann-Hörbuch

höre auch:
Mozart Leben in der Musik - Mozart-Hörbuch
Das Händel-Hörbuch - Im Festivalschuber der Internationalen Händelfestspiele Göttingen

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Eventdesign 2010/2011

Montag, 22. November 2010

Non-Fiction

Eventdesign Jahrbuch / Event Design Yearbook 2010/2011
avedition 2010, Dt./Engl., 190 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8998 6131 0

Eventdesign Jahrbuch 2010/2011: Einführung von Jörg Beier

Mit dem Eventdesign Jahrbuch 2010/2011 stellt der Verlag avedition nun auch den Protagonisten dieses zeitgeistigen Segments der multimedialen Kommunikation eine Plattform zur Verfügung. Die zweisprachig in Deutsch und Englisch angelegte Publikation strebt nach einem internationalen Echo. Unternehmen und Agenturen aus dem In- und Ausland werden daher bereits im Vorwort eingeladen, Projekte einzureichen.

Der Aufbau des Buches verspricht für die Zukunft ein interessantes Wechselspiel zwischen akademischem Diskurs und dokumentierter Praxis. Den theoretischen Teil übernehmen im vorliegenden ersten Band der geplanten Reihe Jörg Beier, Professor für Messe-, Kongress- und Event-Management an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, und Georg Stark, Leiter des Steinweg Instituts. Ihr Aufsatz “‘Schwarmintelligenz’ und Begegnungskultur” führt in das komplexe Thema Event-Marketing/Live-Kommunikation ein und steckt mit Inhalts- und Begriffsdefinitionen, der Darlegung von Inszenierungsmechaniken sowie der Empfehlung von Planungsschritten im Projektmanagement das Feld ab, auf dem die Kreativen spielen dürfen. Diesen wird der stattliche Hauptteil des Buches überlassen.

Das Eventdesign Jahrbuch 2010/2011 präsentiert 34 Projekte aus den Jahren 2008 und 2009. Das Spektrum reicht von Produktpräsentationen, Modeschauen und Firmenjubiläen über Fachkonferenzen, Management Meetings und Preisverleihungen bis zu Eröffnungen von Sportveranstaltungen, einer mobilen Miniausstellung und inszenierter Plakatwerbung. Das Mäntelchen des Events lässt sich über Vieles stülpen. Um Ordnung zu schaffen, werden die ausgewählten, meisterhaft inszenierten Ereignisse in vier Kategorien unterteilt: Corporate Event, Employee Event, Public Event sowie Charity, Social, Cultural Event. Jeder Eintrag in diesem illustren Reigen wegweisender Beispiele setzt sich aus einer kurzen Beschreibung der Veranstaltung, einer Liste der Akteure und einer hervorragenden Fotodokumentationen zusammen.

Die schmucke Publikation lässt doppelt staunen. Einerseits wegen der kreativen Hochleistungen und des Feuerwerkes origineller Einfälle, die auf seinen Seiten für die Ewigkeit festgehalten sind. Andererseits wegen des beachtlichen Aufwands mit dem banale Produkte und Dienstleistungen inszeniert werden, um sie mit emotionalem Mehrwert aufzuladen. Dabei ist Live-Kommunikation eine riskante Sache. Schließlich läuft die Wirkung ephemerer Veranstaltungen immer Gefahr, sich als ebenso flüchtig zu erweisen wie die eingesetzten szenischen Effekte oder das aufgetischte opulente Dinner.

Damit sich die Gruppendynamik während des Events positiv entwickelt und den kommunizierten Botschaften die gewünschte Nachhaltigkeit sichert, benötigt es Fingerspitzengefühl und Professionalität. Die Schlussworte des Buches übernimmt daher das Forum Marketing Eventagenturen, dessen Beirat gemeinsam mit Agenturvertretern den FME-Qualitätskodex erarbeitet hat.

Mit dieser Mischung aus Theorie und Praxis ist das Eventdesign Jahrbuch auf dem besten Weg in der Branche zum Standardwerk zu werden.

© Ch. Ranseder

Eventdesign Jahrbuch 2010/2011: Einführung von Jörg Beier

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Rätselhaftes Österreich

Montag, 22. November 2010

Fiction

Daniel Krieg  
Kreuzworträtselkarte Österreich 
Hallwag 2010, Faltplan XXL-Format (138,6×92 cm)
ISBN 978 3 898283 0693 6

  Kreuzworträtselkarte Österreich

Sie schaut aus wie eine Straßenkarte und lässt sich tischfüllend auffalten wie eine Straßenkarte. Wie es sich für eine Landkarte gehört, ist ganz Österreich mit allen Bundesländern abgebildet. Ringsherum gesellen sich im fröhlichen Reigen Persönlichkeiten, die mit Österreich verbunden werden, darunter auch solche, die eigentlich Deutsche, Italiener oder Tibeter sind. Auf der Innenseite des Covers befindet sich eine Tasche in dem der Fragenkatalog steckt sowie - zur Verhinderung von Tränenausbrüchen, Herzinfarkten und Selbstmorden - eine Minirätselkarte mit der Auflösung.

Wer jetzt glaubt, Einzel-Rätselnuss-Knacker spielen zu müssen, dem stehen schwere Tage ins Haus und nur der halbe Spaß. Es ist - allein wegen der Schadenfreude - unterhaltsamer aus dem Lösungsversuch eine Spielerunde zu gestalten. Die 1.066 Fragen drehen sich um Kunst und Kultur, Flora und Fauna, Sport und Politik, Geografie und Persönlichkeiten und Vieles mehr. Damit nicht genug, hat sich Daniel Krieg mit spürbarer Wonne und großem Geschick bemüht, die Fragen möglichst doppelbödig zu formulieren.

Natürlich habe ich mich zuerst auf die Burgenlandfragen gestürzt. Ganz in der irrigen Meinung, dass mir diese am leichtesten fallen würden.
“In Bayern ein Synonym für Bier, Dirndl und Gesang. Im Burgenland für ein Jazzfest und gute Bands.”
Und tatsächlich hatte ich ein - rasch vorrübergehendes - Erfolgserlebnis, da mir das burgenländische Jazzfestival in Wiesen schneller eingefallen ist als die bayrische Bezeichnung für das Oktoberfest. Danach brauchte ich Hilfe, viel Hilfe, denn Schummeln gilt nicht. Aufgefaltet wurde erst wieder im Freundeskreis bei mehreren sehr vergnüglichen Rätselabenden.

Diese Karte lässt RätselgroßmeisterInnen vom Schummeln träumen. Neun Bundesländer mit Stift und Köpfchen zu bereisen, treibt den Schweiß in Strömen auf die Stirn. Zugleich ist der intellektuelle Urlaub auf dieser Landkarte abenteuerlich und informativ. Österreich-Fans, Vorzeige-ÖsterreicherInnen und Rätselfreunde wird hiermit eine harte Staatsnuss im XXL-Format zum Knacken präsentiert.

© S. Strohschneider-Laue

Kreuzworträtselkarte Österreich

siehe auch:
Kreuzworträtsel Karte Deutschland
Kreuzworträtsel Karte Schweiz

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Make up - Oberflächendesign

Montag, 15. November 2010

Non-Fiction

Renate Menzi (Hg.)
Essay von Kenya Hara
Make up Design der Oberfläche / Designing Surfaces 
Design Collection, Museum für Gestaltung Zürich. Designsammlung, Band 3.
avedition 2010, Dt./Engl., 96 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8998 6138 9

 Design Collection 03: Make up. Design der Oberfläche. Designing Surfaces: Design Collection   

Das Museum für Gestaltung Zürich kann dank seiner Designsammlung von 20000 Gebrauchsgegenständen des 20. und 21. Jahrhunderts für Ausstellungen und deren Begleitpublikationen aus dem Vollen schöpfen. Wie diese beeindruckenden Bestände in der Buchreihe “Design Collection” präsentiert werden, ist erfrischend innovativ: Jeder Band widmet sich einem Thema, das aus dem Zeitgeist erwächst. In einer Rückkopplung dockt diese aspektspezifische Auseinandersetzung mit den Dingen an den zeitgenössischen Designdiskurs an und versorgt diesen wiederum mit neuer Gehirnnahrung. In “Make up”, dem dritten Band der Reihe, steht das Design der Oberfläche im Mittelpunkt.

Renate Menzi führt in “Die Oberfläche als Metapher und Material” an das Thema heran und steckt die Ziele der Publikation ab. Dabei spürt sie nicht nur den wechselnden Haltungen zur Ästhetik der Oberflächen nach, sondern befasst sich auch mit ihren funktionalen Eigenschaften, deren Bandbreite durch neue Technologien kontinuierlich erweitert wird.

Als Gastautor konnte der Designer, Ausstellungsmacher und Lehrer Kenya Hara gewonnen werden. In seinem Essay “Entwerfen ‘Wie es sich anfühlt’” lenkt er die Aufmerksamkeit auf das den Objekten innewohnende Potenzial, die Sinne zu stimulieren. Durch die Verknüpfung unterschiedlicher Sinneswahrnehmungen mit individuellen Erfahrungen und Erinnerungen können emotionale Reaktionen hervorgerufen werden. In letzter Konsequenz lässt sich so die Kaufentscheidung von KundInnen maßgeblich beeinflussen.

“Umgeben von Oberflächen”, eine als drittes Kapitel des Buches fungierende Zusammenstellung von Bildmaterial, verwischt die Grenze zwischen Kunst, Design, Werbung und Alltagsbegegnungen mit den Reizen von Oberflächen.

Wie prägend die Oberflächengestaltung für das Erscheinungsbild von Objekten ist, lässt sich anhand der rund 100 aus der Designsammlung ausgewählten Beispiele nachvollziehen. Zu 19 Gruppierungen geordnet, dienen sie als Ausgangspunkt der Auseinandersetzung mit Erscheinungsformen, Eigenschaften und symbolischen Konnotationen von Oberflächen. Sogar der Pflege der verführerischen Hüllen, inklusive jener des menschlichen Körpers, ist ein Abschnitt gewidmet.

Ein ausführliches Glossar rundet das vielschichtige, in deutscher und englischer Sprache verfasste, Buch ab.

Optisch ist “Make-up”, dank reicher Bebilderung und ansprechender grafischer Gestaltung, ein Genuss. Weitaus schwerer wiegt jedoch, dass es zur Kopfarbeit verleitet. Als Ausgangspunkt für Debatten und Anregung, die eigenen Reaktionen auf Oberflächen zu hinterfragen, ist das Buch kaum zu schlagen.

Die Ausstellung im Museum für Gestaltung Zürich ist noch bis 2. Januar ‘11 zu sehen.

© Ch. Ranseder

Design Collection 03: Make up. Design der Oberfläche. Designing Surfaces: Design Collection

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Formstrahl

Montag, 15. November 2010

Non-Fiction

Sara Hausmann, Achim Böhmer  
Formstrahl
avedition 2008, Dt./Engl., Faltbuch, zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8998 6099 3

  Formstrahl: Überblick zur Geschichte und Entwicklung des Designs und seiner Formen

Sammeln, Ordnen, das Definieren von Begriffen und die Entwicklung einer Fachsprache stehen am Anfang jeder neuen Disziplin. Es gilt ein Gerüst zu schaffen, auf dessen Basis der Diskurs vorangetrieben werden kann. Publikationen können in diesem Prozess als Impulsgeber fungieren. Weit häufiger wird jedoch mit ihrer Hilfe der Status quo des Konsenses der wissenschaftlichen Gemeinschaft festgehalten und kommuniziert. “Formstrahl” destilliert die gelehrte Wortflut der sich in den letzten Jahrzehnten selbst (er)findenden Forschungsrichtung der Theorie des Designs. Das Ergebnis ist eine innovative Publikation, die einen Überblick über 20 auf ihre Essenz reduzierte Epochen, Stile und Bewegungen bietet. Auf jeweils einer Seite werden deren Charakteristika schlagwortartig gelistet und mit Hilfe von aussagekräftigem Bildmaterial vor Augen geführt.

Als Faltbuch konzipiert, lässt “Formstrahl” anhand von 100 Beispielen aus Produkt- und Grafikdesign sowie der Architektur die Entwicklung des Designs von 1750 bis 2008 Revue passieren. Farbige Balken markieren das Werden und Vergehen der unterschiedlichen Stilrichtungen entlang der Jahreszeile, machen Parallelentwicklungen und Laufzeiten sichtbar. Die Einbettung in den historischen Kontext gelingt durch eine Auswahl von Meilensteinen der Designgeschichte. Zu den aus der Fülle relevanter Ereignisse herausgegriffenen Begebenheiten zählen Erfindungen und das Erscheinen wichtiger Publikationen ebenso wie die Gründungen von Unternehmen, Museen und Ausbildungsstätten. Geschickt gewählte Zitate vermitteln einen Hauch von Zeitgeist. Denn nicht nur die Gestalt der Dinge, sondern auch die Einstellung der Menschen zu ihnen verändert sich mit dem Fortschreiten der Jahre.

“Formstrahl” ist eine attraktiv gestaltete Orientierungshilfe für Studierende, Quereinsteiger und Laien, die seitenweise als Buch genossen oder entfaltet als rund 4,5 m langes Poster an einer Wand befestigt werden kann. Diese gelungene Transformation der in Museen seit vielen Jahren beliebten Zeitschienen/Zeitlinien macht “Formstrahl” zu einem didaktischen Werkzeug, das so gut wie nie aus der Mode kommen wird.

© Ch. Ranseder

Formstrahl: Überblick zur Geschichte und Entwicklung des Designs und seiner Formen

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