Archiv für April 2008

Letzte Instanz

Donnerstag, 24. April 2008
FictionEbensolch Rez-E-zine 39+40/08

Holly Loose (Hg.)
Weiße Geschichten: Eine Fan-Anthologie
Periplaneta 2008, 220 S., Sw-Fotos.
ISBN 978 3940767 06 6

Weiße Geschichten - Letzte Instanz Weiße Geschichten: Eine Fan-Anthologie

Dem Aufruf von Holly Loose, Sänger der Folk-Rockband Letzte Instanz, an die Fans sich von den Liedtexten inspirieren zu lassen und selbst zu schreiben, folgten überraschend viele. Die besten Texte wurden in den vorliegenden Weißen Geschichten, in Anlehnung an die aktuelle CD ”Das weiße Lied”, vereint. In die Fan-Anthologie ains Texte, denen jeweils der inspierende Liedtext vorangestellt ist, von folgenden AutorInnen zu lesen:
Sonja Boltz, Victoria Engel, Stephanie Gerdes, Lisa Grimm, Magdalena Hangel, Steffen Heidrich, Tatjana Heinz, Stefanie Jung, Alex Kager, Pauline Lörzer, Holly Loose, Kristina Lorrek, Ulrike Madest, Denise Meschenitz, Christiane Ranft, Svenja Reiner, Anja Schindelar, Patrizia Sophie Schneider, Claudia Thoß, Matthias Wilhelmy, Kathrin Knoch, Jonas Zeit-Altpeter.

So vielfältig die Stories sind, ist ihnen doch eines gemeinsam, sie sind berührend und persönlich. Somit stehen sie in enger Verbindung mit dem hohen lyrischen Anspruch der Band, deren Worte und Musik deutlich mehr als nur Konsumgut sind; denn sie inspirieren HörerInnen. In der Musik der Letzten Instanz kann man sich ebenso spiegeln, wie in den Texten der Fans, die in die Anthologie aufgenommen wurden. Eine Eigendynamik, die ebenso beachtlich wie nachvollziehbar ist und ein ganz besonderes Licht auf Musik- und Fanszene wirft.

Kann es noch größere Freiheiten geben als mit Musik, Buch und dem Feuer in sich das Paradies zu suchen? Nein, man muss nicht Fan sein, um das Buch zu lieben. Nicht zuletzt kann man das Buch auch aus sozialen Erwägungen - immer ein guter Grund - kaufen, denn aus dem Verkaufserlös werden Musiker ohne Grenzen unterstützt, die zur Zeit ein Projekt mit Kindern aus Armenvierteln in Ecuador durchführen. Ein in jeder Hinsicht engagiertes wie gelungenes Buchprojekt.

Die Letzte Instanz lässt niemanden kalt und schon gar nicht die Fans. Fans und solche, die es noch werden wollen, haben am 3. Mai ‘08 in Wien im Planet Music Gelegenheit zum Hören und Verstehen.

© S. Strohschneider-Laue

Weiße Geschichten: Eine Fan-Anthologie

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Neurotiker

Mittwoch, 23. April 2008
FictionEbensolch Rez-E-zine 39+40/08

Dennis DiClaudio
Der kleine Neurotiker
DVA 2008, 208 S., zahlr. Sw-Abb.
ISBN 978 3 421 04324 5

Neurotiker Der kleine Neurotiker

Vorab eine kleine Selbsterforschung:
Kennen Sie Ihre Ängste?
Glauben Sie gefestigt zu sein?
Haben Sie keine Störungen - nicht einmal Schlafstörungen?
Wetten, dass Sie sich irren?
Bei Lektüre dieses Buches bekommen Sie garantiert alle (un)erwünschten Zustände.

Autor DiClaudio Nach dem Der kleine Hypochonder. Lexikon der eingebildeten Krankheiten ist dies der zweite Geniestreich von Dennis DiClaudio. Wieder sind die grundsätzlichen Fakten des Buches durchaus stimmig, wenn auch ganz gezielt - zu Gunsten des frech-frischen Blicks auf gesellschaftlichen Verhältnisse und allgemein-menschliche Unvollkommenheit - unvollständig. Man wird zum “Adrian Monk” beim Lesen, obwohl das Buch meilenweit von medizinischen Lexikon entfernt ist und auch nicht als solches geschrieben wurde.

Angststörungen, Dissoziative und Artifzielle Störungen, Persönlichkeitsstörungen, Psychotische, Sexuelle Störungen sowie Schlaf- und Somatoforme Störungen werden in diesem Band mit minutiös-boshaften Anleitungen zur “Selbsterforschung” vorgestellt.  Erstaunlich ist, dass man bei der Selbstanalyse auf jeden Fall fündig wird. Und noch erstaunlicher ist, wie oft Politiker, Beamte, Chefs und die LehrerInnen (natürlich nur die der eigenen Kinder) eindeutig schwerste Mehrfach-Neurotiker sind.

Von etlichen Störungen hört man immer wieder, auch wenn man eigentlich viel zu wenig darüber weiß. Mit dem Münchhausensyndrom - wer kennt heute noch Münchhausen - wird inzwischen wesentlich medientauglicher Eminems Mutter gleichgesetzt, während mancher Wahn richtiggehend massentauglich ist. Immerhin stürzten sich plötzlich die Deutschen mit “Wir sind Papst” unhabhängig von ihren jeweiligen Bekenntnissen in den religösen Wahn. Andererseits hat der Doppelgängerwahn nichts damit zu tun, dass Ihr Chef seine Reisenspesen zusätzlich auch noch über einen Verein abrechnet, während Konfabulation keine Politikerkrankheit ist, auch wenn diese erstklassig von ihrem selektiv-fabulösen Gedächtnis leben. Latah ist der Traum so manches Ausbildners und das Trauma von Azubis: die Disziplinierung zum absoluten Befehlsempfänger. Um es kurz zu machen, das Buch beschreibt auch die “gemeinsame psychotische Störung”, der man spielend selbst bei der Lektüre anheim fallen kann. Aber man kann auch versuchen all diesen Störungen den “Inneren Monolog” entgegenzusetzen, sich an der ”Diagnose” festhalten oder über ”Ursache” und “Behandlung” eine Lösung anstreben. Die gut gewählten Grafiken tragen jedenfalls zu Angst und Schrecken ebenso bei wie zum permanent (un)heimlichen Schmunzeln.

Der kleine Neurotiker ist ein exzellentes Beispiel dafür, dass man wirklich ernste Themen mit jenem seriös unseriösen Augenzwinkern betrachten kann, die den Ernst des Lebens erst erträglich machen.

© S. Strohschneider-Laue

Der kleine Neurotiker
Der kleine Hypochonder

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Israel hören

Mittwoch, 23. April 2008
eb_000_011.gifEbensolch Rez-E-zine 39+40/08

Corinna Hesse
Israel hören. Das heilige Land
Silberfuchs Verlag 2008, Laufzeit 80′, 16 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 00 3

Israel hören Israel hören - Das heilige Land (Audio-CD)

Am 14. Mai 1948 proklamierte Ben Gurion den Staat Israel. Der 60. Gründungstag Israels im Jahr 2008 ist Anlass für die klingende Reise “Israel hören”. Die Audio-CD erscheint am 13. Mai in der bewährten Länderreihe (s. a.  Rezensionen zu China hörenRussland hören, Ungarn hören; Hörproben Silberfuchs Verlag) der beiden Kulturjournalistinnen Corinna Hesse und Antje Hinz.

In 80 fesselnden Minuten wird der zeitliche Bogen von den biblischen Überlieferung bis in die Gegenwart gespannt. Die dramatische Geschichte, die von Vertreibung und Verfolgung ebenso gekennzeichnet ist wie von kultureller Hochblüte und Rückkehr, wird anhand wesentlicher Ereignisse aufgezeigt. Viele davon sind nicht nur archäologisch nachgewiesen, sondern im meist gelesenen Buch der Welt, der Bibel, schriftlich überliefert. Die verbindende Elemente und Ursprünge der drei großen Weltreligionen werden dabei sensibel abseits der religiös-politischen Reibungsflächen in die historischen Betrachtungen einbezogen. Die Bewahrung alter Traditionen als zentrales Element wird leicht verständlich aufbereitet. Die sich aus der wechselvollen Geschichte ergebende kulturelle Brücke aus Orient und Okzident wird zuletzt noch anhand der Sichtweisen zeitgenössischer Künstler aufgezeigt.

Interessierte Menschen jeden Alters zu erreichen, gelingt der Länderreihe spielend. Das Ziel mit “Israel hören” insbesondere jüngere Menschen anzusprechen, geht jedenfalls vollinhaltlich auf. Die akustische Reise durch die wechselvolle Kulturgeschichte macht nicht nur neugierig auf mehr, sondern lädt immer wieder aufs Neue zum Hineinhören ein. Zum inhaltlichen Hörgenuss mischen sich passende musikalische Sequenzen. Die Stimme Rolf Beckers, der sich wieder als genialer Erzähler erweist, hält die Spannung bis zum letzten Wort aufrecht. Das Booklet, das wieder wesentlich mehr als nur Inhaltsverzeichnis ist und daher seinem Namen auch gerecht wird, ist von Roswitha Rösch themenbezogen gestaltet worden. Eine kleine, feine optische Ergänzung zum akustischen Genuss.

Hörprobe

© S. Strohschneider-Laue

höre auch:
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