Archiv für Mai 2008

Frankreich hören

Freitag, 30. Mai 2008
eb_000_011.gifEbensolch Rez-E-zine 41/08

Barbara Barberon-Zimmermann
Frankreich hören
Silberfuchs Verlag 2008, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 9810 7258 7

Frankreich hören Frankreich hören: Eine musikalisch illustrierte Reise durch die französische Kulturgeschichte bis in die Gegenwart

Die neueste Ohrenreise führt nach Frankreich und nimmt ihren Ausgang nach dem Einsetzen der Schriftgeschichte. Gergovia und die heftigen Auseinandersetzungen zwischen Galliern und Römern machen somit anhand des berühmtesten und französischsten aller Franzosen - Asterix - den Auftakt. Wie bei Asterix ist der Sieg in Erinnerung während die endgültige Okkupation durch der Römer verdrängt wird.

In der gebotenen Fülle ist für die exzellente Audio-CD der knappe Einstieg trotzdem kein Schaden. Die wichtigsten kulturhistorischen Ereignisse folgen in einem attraktiven Reigen. Bestechend ist auch wieder die ausgewogene Mischung aus Musik und Text. Zwanzig geballte Kapitel für über zweitausend Jahre französische Geschichte bieten einen guten Überblick über Krieg und Frieden sowie Kunst und Kultur, die den Nährboden stellen aus denen Staaten entstehen. Von Galliern und Römer, Karl der Große, Troubadoure und durch die Jahrhunderte immer wieder Literatur, Kathedralen, Johanna von Orléans, Bartholomäusnacht, Sonnenkönig, Revolution, Impressionisten und Surrealisten bis zur Kultur der Erinnerung entsteht beim Hören ein eindrucksvolles Porträt vom Werden Frankreichs.

Vielschichtig aufbereitet, mit genialer musikalischer Umrahmung und nicht zu letzt eindringlich von Dietmar Muse gelesen, schafft es die CD neugierig auf Frankreich und mehr zu machen: Vor allem mehr Musik und mehr Literatur. Interessant, was man plötzlich wieder für Bücher aus den Regalen zieht und welche Musik man plötzlich wieder in den CD-Player schiebt.

Es ist zwar schade, dass auf wesenliche Teile der Urgeschichte mit ihren exzeptionellen archäologischen Funden und Orten verzichtet wurde, die trotz mangelnder schriftlicher Zeugnisse dieser frühen Epochen hätten berücksichtigt werden können, aber der geballte 2000jährige “Rest” ist wahrlich genug für eine einzige Audio-CD.

Fest steht, dass man bei dieser Hörbuchserie süchtig wird. Und das geling mit Frankreich hören allemal, zumal auch die optische und haptische Ausstattung von Roswitha Rösch wieder äußerst ansprechend gelungen ist.

Hörprobe

© S. Strohschneider-Laue

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Metzger sieht rot

Dienstag, 27. Mai 2008
FictionEbensolch Rez-E-zine 41/08

Thomas Raab
Der Metzger sieht rot
Leykam 2008, 319 S.
ISBN  978 3701 17619 9

Metzger sieht rot Der Metzger sieht rot: Kriminalroman

Nach dem erfolgreichen Roman “Der Metzger muss nachsitzen” sieht der ruhige Willibald Adrian Metzger in seinem zweiten Auftritt plötzlich rot. Wo die Liebe hinfällt macht sie Menschen zu Schattenspringern. Auch der zurückhaltende Restaurator Metzger springt über seinen Schatten und begleitet Danjela Djurkovic auf “eine dieser Massenveranstaltungen” ins Fußballstadion. Als der Tormann während des Spiels stirbt, glaubt Danjela nicht an einen tragischen Zufall. Ihr Misstrauen wird ihr am nächsten Tag vor dem Stadion zum Verhängnis. Sie wird vom aktiven - und zu neugierigen - Fußballfan zum komatösen Opfer geprügelt. Dies ist genau jener Moment in dem jegliche Gelassenheit von Metzger abfällt. Ee mausert sich wieder zum Ermittler und entdeckt viel mehr und abgründigeres als erwartetet.

Auf staatlichen 319 Seiten geben Humor, Gesellschaftkritik und kriminalsitischer Spürsinn einander die Hand. Wien ist offensichtlich ein guter Nährboden für skurrile (Roman)figuren und herzlich-verzweifeltes Lachen, das im Hals steckenbleibt. Abgesehen davon muss man nicht ausgemachter Krimifan sein, um den “Metzger” zu mögen, denn die vielschichtige und ausgereifte Erzählweise von Thomas Raab ist nicht umsonst 2008 zum Friedrich-Glauser-Preis nominiert worden.

© S. Strohschneider-Laue

Der Metzger sieht rot: Kriminalroman

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