Nosferas
Montag, 30. Juni 2008
Ulrike Schweikert
Die Erben der Nacht -Nosferas
cbt 2008, 448 S.
ISBN 978 3 5703 0478 5
Die Erben der Nacht - Nosferas
Der Roman „Die Erben der Nacht - Nosferas” von Ulrike Schweikert folgt den neuerlichen Trend für Vampirliteratur auf seine ganz eigene Weise. Die Hauptakteure sind Vampirkinder, die für ihre Fortbildung für den Weiterbestand ihrer aussterbenden Spezies bei jedem der Clans je ein Jahr in die Schule gehen sollen. Denn die Vampire haben ein essentielles Problem: Überleben! Daher begibt sich Ende des 19. Jahrhunderts der vampirische Nachwuchs Europas zum Überlebenstraining nach Rom. Die fantasy- und krimierprobte Autorin schuf mit dieser Story - den Auftakt einer Reihe - ein Buch, das Jugendliche ab 12 Jahren, aber ganz sicher auch älteres Publikum begeistern wird.
Im Jahr 1877 gelangen die Anführer der Vampirklans der Dracas aus Wien, Vamalia aus Hamburg, Lycana aus Irland, Nosferas aus Rom, Pyras aus Paris und Vyrad aus London zusammen mit einer weisen Druidin zum Entschluss ihre letzten Kinder zu jedem Clan in die Schule zu schicken. So sollen sie jene geheimen Fähigkeiten von allen Clans lernen, die überlebenswichtig für die Zukunft aller Vampire sein werden. Es steht um die Vampire wegen zahlreicher Fehden zwischen und innerhalb der Clans, eifriger Vampirjäger und ausbleibenden Nachwuchs nämlich schlecht. Das erste Unterrichtsjahr wird bei den Nosferas in Rom abgehalten, wie es das Los entschied. Dort angekommen, müssen die Erben der Clans zunächst ihre Vorurteile gegenüber den anderen überwinden. Manche schließen rasch Freundschaft miteinander, wie der Nosferas Luciano, die Vamalia Alisa und die Lycana Ivy-Maire. Die Nachkommen der Dracas jedoch zeichnen sich besonders durch ihre Arroganz und Gemeinheit aus. Sie erachten es als unter ihrer Würde sich mit den anderen abzugeben, während die Vyrad reserviert und höflich und die Pyras sich selbstgenug und schmuddelig sind. Doch in der vermeintlich sicheren Umwelt verschwinden immer wieder Mitglieder des Nosferas Clans und zu weilen wird so mancher hochgestellter menschlicher Würdenträger mit gefälschten Vampirbisswunden aus dem Tiber gefischt. Mit diesen Ereignissen dürfte wohl der geheimnisvolle Vampirjägerbund der Roten Masken zu tun haben, wie die Jungvampire entdecken.
Bei dieser flüssigen Erzählweise erweist es sich als besonders reizvoll, dass zwischen den Sichtweisen häufig gewechselt wird, wobei sich darunter nicht nur jene einiger ausgewählten Jungvampire befinden. Meistens wird jedoch aus der Sicht von der abenteuerlustigen und wissbegierigen Alisa die Geschichte vorangetrieben. Gastauftritte berühmter Persönlichkeiten wie Oscar Wilde, Bram Stoker und Papst Pius IX. verfeinern die Kulisse des zu dieser Zeit politisch unruhigen Roms. Der spannende Plot und des gut dargestellten historischen Hintergrund machen auch die neue Serie von Ulrike Schweikert gleichermaßen zu einem Leckerbissen für Horrorfans und AnhängerInnen des Historienromans. Das außergewöhnliche Vampirdrama um Verrat und Liebe lässt die “Untoten” jedenfalls wieder ein bisschen unsterblicher werden und bietet den “Lebenden” ein grandios-umfangreiches Lesevergnügen zum kleinen Preis.
© V. Strohschneider




