Archiv für Juni 2008

Nosferas

Montag, 30. Juni 2008

Fiction

Ulrike Schweikert
Die Erben der Nacht -Nosferas
cbt 2008, 448 S.
ISBN 978 3 5703 0478 5

Nosferas Die Erben der Nacht - Nosferas

Der Roman „Die Erben der Nacht - Nosferas” von Ulrike Schweikert folgt den neuerlichen Trend für Vampirliteratur auf seine ganz eigene Weise. Die Hauptakteure sind Vampirkinder, die für ihre Fortbildung für den Weiterbestand ihrer aussterbenden Spezies bei jedem der Clans je ein Jahr in die Schule gehen sollen. Denn die Vampire haben ein essentielles Problem: Überleben! Daher begibt sich Ende des 19. Jahrhunderts der vampirische Nachwuchs Europas zum Überlebenstraining nach Rom. Die fantasy- und krimierprobte Autorin schuf mit dieser Story - den Auftakt einer Reihe - ein Buch, das Jugendliche ab 12 Jahren, aber ganz sicher auch älteres Publikum begeistern wird.

Im Jahr 1877 gelangen die Anführer der Vampirklans der Dracas aus Wien, Vamalia aus Hamburg, Lycana aus Irland, Nosferas aus Rom, Pyras aus Paris und Vyrad aus London zusammen mit einer weisen Druidin zum Entschluss ihre letzten Kinder zu jedem Clan in die Schule zu schicken. So sollen sie jene geheimen Fähigkeiten von allen Clans lernen, die überlebenswichtig für die Zukunft aller Vampire sein werden. Es steht um die Vampire wegen zahlreicher Fehden zwischen und innerhalb der Clans, eifriger Vampirjäger und ausbleibenden Nachwuchs nämlich schlecht. Das erste Unterrichtsjahr wird bei den Nosferas in Rom abgehalten, wie es das Los entschied. Dort angekommen, müssen die Erben der Clans zunächst ihre Vorurteile gegenüber den anderen überwinden. Manche schließen rasch Freundschaft miteinander, wie der Nosferas Luciano, die Vamalia Alisa und die Lycana Ivy-Maire. Die Nachkommen der Dracas jedoch zeichnen sich besonders durch ihre Arroganz und Gemeinheit aus. Sie erachten es als unter ihrer Würde sich mit den anderen abzugeben, während die Vyrad reserviert und höflich und die Pyras sich selbstgenug und schmuddelig sind. Doch in der vermeintlich sicheren Umwelt verschwinden immer wieder Mitglieder des Nosferas Clans und zu weilen wird so mancher hochgestellter menschlicher Würdenträger mit gefälschten Vampirbisswunden aus dem Tiber gefischt. Mit diesen Ereignissen dürfte wohl der geheimnisvolle Vampirjägerbund der Roten Masken zu tun haben, wie die Jungvampire entdecken.

Bei dieser flüssigen Erzählweise erweist es sich als besonders reizvoll, dass zwischen den Sichtweisen häufig gewechselt wird, wobei sich darunter nicht nur jene einiger ausgewählten Jungvampire befinden. Meistens wird jedoch aus der Sicht von der abenteuerlustigen und wissbegierigen Alisa die Geschichte vorangetrieben. Gastauftritte berühmter Persönlichkeiten wie Oscar Wilde, Bram Stoker und Papst Pius IX. verfeinern die Kulisse des zu dieser Zeit politisch unruhigen Roms. Der spannende Plot und des gut dargestellten historischen Hintergrund machen auch die neue Serie von Ulrike Schweikert gleichermaßen zu einem Leckerbissen für Horrorfans und AnhängerInnen des Historienromans. Das außergewöhnliche Vampirdrama um Verrat und Liebe lässt die “Untoten” jedenfalls wieder ein bisschen unsterblicher werden und bietet den “Lebenden” ein grandios-umfangreiches Lesevergnügen zum kleinen Preis.

© V. Strohschneider

Die Erben der Nacht - Nosferas

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Jacques-Yves Cousteau

Sonntag, 29. Juni 2008

Non-Fiction

Jacques Cousteau, Susan Schiefelbein
Der Mensch, die Orchidee und der Oktopus
Campus 2008, 371 S.
ISBN 978 3 5933 8564 8

Jacques Cousteau Der Mensch, die Orchidee und der Oktopus. Mein Leben für die Erforschung und Bewahrung unserer Umwelt 

Am 11. Juni 2010 jährt sich der Geburtstag von Jacques-Yves Cousteau zum 100. Mal. Kein anderer hat im 20. Jahrhundert die Erforschung des „10. Kontinents” so maßgeblich angeregt und vorangetrieben wie diese schillernde Persönlichkeit. Mehrere Generationen sind mit seinen spannenden und abwechslungsreichen TV-Reportagen „Geheimnisse des Meeres” aufgewachsen und dadurch auch angeregt worden, selbst an der Erforschung des Meeres teilzunehmen. Zur sommerlichen Grundausstattung von Kindern und Jugendlichen gehörten schon ab Beginn der 1960er Jahre Taucherbrille, Flossen und Schnorchel.

Cousteaus anfängliches Interesse für die Eisenbahn wurde bald vom Interesse für das Meer und der Fliegerei abgelöst. Durch einen Autounfall an seiner Fliegerkarriere verhindert, wendete sich Cousteau nun dem Geschehen auf und unter der Meeresoberfläche zu. Er trat 1933 der französischen Kriegsmarine bei. Während des Zweiten Weltkriegs war Cousteau Mitglied der Resistance. Die Kriegsmarine verließ er 1950 als Korvettenkapitän. In dieser Zeit widmet er sich besonders der Entwicklung und Verbesserung von Gerätschaften, die einen längeren Aufenthalt in einiger Wassertiefe ermöglichen. So wurden Atemgeräte, Tauchermasken und auch Unterwasser Fortbewegungsmittel erfunden oder weiterentwickelt.
Die entscheidende Wende in Cousteaus Leben, die Wandlung von einer lokalen Berühmtheit zu einem internationalen, weltweit bekannten Meeresforscher und Medienstar, wurde durch den Erwerb der Calypso ausgelöst. Die Yacht leistete ihm auf vielen Forschungsreisen zwischen 1950 und 1996 ausgezeichnete Dienste.

Cousteau bediente sich geschickt der Medien. So wurde 1956 sein erster Film (Regisseur Louis Malle) mit der goldenen Palme und dem Oskar ausgezeichnet. Der weltweite Bekanntheitsgrad von Cousteau wurde so groß, dass sogar ein Yanomami-Indianer im hintersten Amazonien ihn erkannte und seine Expedition passieren ließ. Jacques Cousteau wurde 17 Jahre in Folge zum beliebtesten Franzosen gewählt. In mehr als 800.000 Briefen wurde er aufgefordert als Staatspräsident zu kandidieren. Vielfältig, faszinierend und prägend war seine Persönlichkeit und umso erfreulich ist es, dass in dem vorliegenden Buch endlich von der Journalistin Susanne Schiefelbein, einer langjährigen Mitarbeiterin Cousteaus, zehn Jahre nach dessen Tod dessen Vermächtnis eröffnet. Hier lässt Cousteau einerseits sein Leben revueartig passieren, andererseits beschreibt der Band seine Entwicklung zum Umweltschützer und Atomgegner.

Spannend und informativ wird das ohnedies schon abwechslungsreiche Leben und das Lebenswerk von Cousteau präsentiert. Definitiv nicht nur eine Pflichtlektüre für jeden Cousteau-Fan, deren einziges Manko es ist wenig Fotos zu bieten.

© R. Strohschneider

Der Mensch, die Orchidee und der Oktopus. Mein Leben für die Erforschung und Bewahrung unserer Umwelt

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Prinz Kaspian - Buch zum Film

Sonntag, 29. Juni 2008

ab acht

C. S. Lewis
Prinz Kaspian von Narnia
Ueberreuter 2008.
ISBN 978 3 8000 5416 9

Prinz Kaspian von Narnia Die Chroniken von Narnia 04. Prinz Kaspian von Narnia - Das Buch zum Film

Seit zwei Generationen gehören die Chroniken von Narnia bereits in jedes Bücherregal, da darf auch das zweite Abenteuer von Peter, Susan, Edmund und Lucy nicht fehlen…

Während für die Pevensie-Kinder seit ihrem ersten Aufenthalt in Narnia nur rund ein Jahr vergangen ist, sind in Narnia Jahrhunderte ins Land gezogen. In Narnia steht es seit den goldenen Tagen nicht zum Besten. Die Narnia-Bewohnern kämpfen gegen einen Thronräuber, der für immer Schluss mit sprechenden Tieren, Zwergen, Zentauern und allen anderen mythischen Wesen machen will. Prinz Kaspian, der wahre Thronerbe kämpft an ihrer Seite. Er ruft über das Zauberhorn die vier Kinder, d. h. die ehemaligen Königinnen und Könige, zurück nach Narnia und in eine dramatische Geschichte.

Das fantastische Abenteuer, das von Treue und Heldenmut erzählt, liegt nun in einer Neuübersetzung von Christian Rendel und Wolfgang Hohlbein vor. Fotos aus dem Film bereichern das Buch und reizen auch Lesemuffel zusätzlich zum Schmökern.

© S. Strohschneider-Laue

 Die Chroniken von Narnia 04. Prinz Kaspian von Narnia - Das Buch zum Film

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Chroniken von Narnia Pop-up

Sonntag, 29. Juni 2008

ab acht

C. S. Lewis, Robert Sabuda
Die Chroniken von Narnia. Das Pop-up-Buch
Ueberreuter 2008.
ISBN 978 3 8000 5405 3

narnia Pop-up Die Chroniken von Narnia. Das Pop-up-Buch

Die Chroniken von Narnia gehören bereits seit zwei Generationen in jedes Bücherregal. Das vorliegende Pop-up-Buch sollte unmittelbar daneben stehen. Der Geist der einzelnen Bände wurde von Robert Sabuda kunstvoll in dreidimensionale Papiermodelle umgewandelt. Wie aufwändige Theaterkulissen für die kindliche Fantasie springen Seite für Seite zentrale Motive der Bücher regelrecht aus den Seiten in die Herzen der Betrachter. Beginnend mit Aslan und dem Wunder von Narnia, wandert man verzaubert durch die Kulissen, die immer wieder aufs Neue überaschen und unentdeckte Details erkennen lassen. Glitzernd beflittertes Papier verströmt einen Hauch des ewigen Winters, während die Laterne gelbfunkelnd einen Hauch von Wärme in dieser verzauberten Welt erahnen lässt. Mehr soll nicht verraten werden, denn jede Seite ist es wert immer und immer wieder neu entdeckt zu werden. 

Genial entworfen, gestanzt, geklebt, gefaltet und mit beweglichen Elementen ausgestattet, ist diese Augenweide eine wertvolle Bereicherung für große und kleine Narnia-Fans. Für diese wunderschöne Ausstattung ist der Preis moderat und  das Buch daher jeden Cent wert, den man dafür bezahlt. Eigentlich viel zu schade, um es ins Regal zu räumen oder den Kindern den Spaß ganz alleine zu gönnen. Ich für meinen Teil werde mein Exemplar in Reichweite behalten und ein wachsames Auge darauf haben.

© S. Strohschneider-Laue

Die Chroniken von Narnia. Das Pop-up-Buch

Prinz Kaspian - Film

Montag, 16. Juni 2008

Notiz

Prinz Kaspian von Narnia - Der Film

Prinz Kaspian Fotos Die Chroniken von Narnia 04. Prinz Kaspian - Fotos aus dem Film

Prinz Kaspian Buch zum Fim Die Chroniken von Narnia 04. Prinz Kaspian von Narnia - Das Buch zum Film

Die zweite Narnia Verfilmung “Prinz Kaspian von Narnia” aus den Walt Disney Studios startet am 31. Juli in Österreich. Man darf sich also während des Sommers wieder auf glatt inszeniertes Familien-Kino freuen.

Der Kinderbuchklassiker aus der Narnia-Serie von C. S. Lewis, den auch Erwachsene noch gerne lesen, lieferte die Vorlage. Die vor dem Hintergrund des zweiten Weltkrieges angesiedelte Story der vier Pevensie Geschwister, die vom tristen Londoner Kriegsalltag in die Fantasiewelt Narnia wechseln, wird im Prinz Kaspian von Narnia fortgesetzt. Beim ersten Besuch beenden die vier Kinder gemeinsam mit dem zauberhaften Mischwesen Narnias und dem Löwen Aslan die Herrschaft der bösen weißen Hexe, die das Land mit ewigem Winter überzog. Bei ihrem aktuellen zweiten Besuch ist bereits eine halbe Ewigkeit in Narnia vergangen, während es für die heranwachsenden Kinder nur ein knappes Jahr war. Den mythischen Bewohnern droht jetzt die Ausrottung durch König Miraz. Prinz Kaspian - der rechtmäßige Thronfolger - verbündet sich mit den vom Untergang bedrohten Narnianer gegen den Usurpator Miraz. Die zurückgekehrten Könige und Königinnen von Narnia stehen ihnen bei ihrem kräfteraubenden Widerstand zur Seite.

Eine unglaublich fesselnde Geschichte voll christlicher Moral, die in Bild und Ton umgesetzt zu einer vollendeten Schlachtplatte mutiert. Sauber und blutfrei ist der auf Familien und größere Kinder abzielende Film dennoch, wenn auch keinesfalls gewaltlos. Er ist die jugendgerechtere Variante der Herr der Ringe Thematik. Es wird unaufhörlich für die gute Sache ehrenvoll gekämpft und gestorben, auch wenn das sichtbare - wenn auch diskret ausgeblendete - Töten hauptsächlich den “bösen” Menschen überlassen wird. Man muss den gewalttätigen Tatsachen ins Auge blicken ohne den hohen Unterhaltungswert des Films zu schmälern, in dem es von großen Gesten, heroischen Taten und gefühlvollen Momenten nur so wimmelt. Herzige und knuddelige Figuren, die es im ersten Teil noch gab, wird man allerdings vergeblich suchen, schließlich werden auch die Pevensie Kinder älter und entwickeln dementsprechend andere Interessen.

Superspannend von der ersten bis zur letzten Minute inszeniert und handwerklich in jeder Hinsicht sauber produziert. Kein Wunder standen doch viele große Filmwerke mit ihren innovativsten Szenen und die Besten ihres Fachs Pate. Daher ist das eine oder andere déjà vu verzeihlich, schließlich findet man z. B. den Flussgott Narnias, der die Armee von der Brücke in den Fluss spült und Heerführer verschluckt, genauso beeindruckend wie die Wassermassen die Imhotep in “Die Mumie kehrt zurück” beschwört oder die durch Elfenkraft herbeigerufenen “Wasserpferde” in “Herr der Ringe - Die Gefährten”. Gut gewählte Drehorte in Neuseeland, Tschechische Republik, Polen und Slowenien sowie fantastische Sets geben den passenden Rahmen und Hintergrund für die bewegte Geschichte. Die vertrauten DarstellerInnen, die Kinder aus dem ersten Film, sind inzwischen nicht nur körperlich gewachsen, sondern auch reifer im Spiel geworden. Dennoch werden nicht nur die Hauptcharaktere von Peter Dinklage (Trumpkin) und Warwick Davis (Nikabrik) glatt an die Wand gespielt. Da helfen auch die beeindruckenden Kostüme oder die Bärte im El-Greco-Stil der restlichen Besetzung nicht.

Resumee: Wunderbares Popcorn Kino bei dem “Prinz Kaspian” den ersten Teil übertrifft, und dem man eigentlich nur vorwerfen kann, dass die computeranimierte Schwert schwingende Maus Riepitschiep unmausig ausgefallen ist. Zurücklehnen, ansehen und spätestens nach dem Film endlich die Narnia-Bücher von C. S. Lewis (wieder) lesen.

© S. Strohschneider-Laue

Die Chroniken von Narnia 04. Prinz Kaspian - Fotos aus dem Film
Die Chroniken von Narnia 04. Prinz Kaspian von Narnia - Das Buch zum Film

Klima

Mittwoch, 11. Juni 2008

ab acht

Werner Buggisch, Christian Buggisch
Klima
Was ist Was Bd. 125

Tessloff 2008, 48 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 7886 1512 3

Klima Was ist Was. Klima (Bd. 125)

Die beliebte „Was ist Was” Buchreihe wurde 1961 erfunden. Sie hat es also schon gegeben als ich lesen gelernt habe. Und um ganz ehrlich zu sein, „Was ist Was” ist genauso alt wie ich nur weniger grau. 40 Jahre später hat die Buchreihe den Sprung ins TV und ins Internet geschafft. Und bis heute ist „Was ist Was” nicht „alt” geworden, sondern modern geblieben, wie man sich auch auf den Entdecker-Klubseiten überzeugen kann. Bis heute hat „Was ist Was” das Niveau gehalten und Sachthemen werden noch immer kindgerecht verpackt. Die Themenbereiche Natur & Tiere, Geschichte, Wissenschaft, Technik und Sport werden von der Reihe abgedeckt. Die spannenden Sachbücher standen daher schon in den 60ern auf meiner Wunschliste, in den späten 90ern auf der meiner Tochter und vielleicht in ferner Zukunft einmal auf der unserer Enkel und Urenkel. So strapazfähig wie die Bände schon immer gestaltet sind, werden sogar unsere eigenen bis dahin immer noch prima in Schuss sein. Inhaltlich, an der Basisinformation wird sich ja wohl nichts Grundlegendes ändern, werden sie auch noch brauchbar sein. Und falls doch aktuellere Daten gewünscht oder notwendig sind, kann man sicher sein, dass es schon etwas bei „Was ist Was” eine aktualisierte Ausgabe gibt oder in Vorbereitung ist.

Ganz exemplarisch aus der unverzichtbaren „Was ist Was” Serie, die derzeit mit rund 125 Bänden vorliegt, sei an dieser Stelle „Klima” vorgestellt. Grundlegende Fragen werden in den “Was ist Was” Büchern bei aktuellem Wissenstand fachlich korrekt beantwortet ohne zu überfordern, so auch in diesem Buch. Klimaentstehung, Klimazonen, Klima während der Erdgschichte, Mensch und Klima sowie Klimaschutz werden am Puls der Zeit abgehandelt. Zahlreiche Abbildungen begleiten und erläutern den Text. Glossar und Index runden das kleine „Klima-Lexikon”, dass auch Erwachsenen den schnellen Überblick verschafft, ab.

Ein Aufbau der sich seit fast 50 Jahren wunderbar bewährt.  Eindeutig noch immer eine Buchserie zum Kaufen, Behalten und Verschenken. Schön, dass Qualität tatsächlich Bestand hat und trotzdem erschwinglich bleibt.

© S. Strohschneider-Laue

Was ist Was. Klima (Bd. 125)

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Und sie bewegen sich doch

Mittwoch, 11. Juni 2008

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Christiane Schmerl
Und sie bewegen sich doch…
dgvt Verlag 2006, 370 S.
ISBN 978 3 87159 062 7

und sie bewegen sich doch Und sie bewegen sich doch …: Aus der Begegnung von Frauenbewegung und Wissenschaft

Dass Christiane Schmerl etwas auszusagen hat, hat sie immer wieder aufs Neue bewiesen und dies benötigte eigentlich keine besondere Betonung mehr. Aber man kann nicht genug hervorheben, dass ihre inhaltlich pointierte wie sprachlich geniale Herangehensweise wesentlich dazu beigetragen hat, Ansprüche der Frauenbewegung lesenswert zu machen; denn das ist in der Frauenbewegung und Genderforschung, in der die Schwere der Erkenntnisse die Leichtigkeit der Feder belastet, nicht selbstverständlich. Ein Viertel Jahrhundert ihrer Forschungen liegen in diesem Band als komprimierter Überblick vor und tragen noch immer maßgeblich dazu bei Sichtweisen zu wandeln.

An keiner anderen Stelle können in sechs Kapiteln Stationen der Frauenbewegung(en) nachvollzogen und zugleich die Höhen und Tiefen im gegensätzlichen Diskurs und zur Selbstreflexion anregend ausgelotet werden. Erkenntnisse, Kritikpunkte und Leistungen der Frauenbewegung werden vorgestellt und im betreffenden Kontext ausgewertet. Ausgehend von einer kulturhistorischen Betrachtung, werden infolge Eroberung und Wandlung der etablierten Wissenschaft durch Frauen analysiert. Ein Prozess, der auch anhand von konkreten Beispielen einer kritischen und immer wieder aktuellen Betrachtung unterzogen wird. Der so genannte „Exkurs” zeigt, dass das öffentliche (Medien-)bild der Frau konträr zum Fortschritt der kulturellen, rechtlichen wie ökonomischen - mal abgesehen davon, dass Frauen noch immer rund 30% weniger verdienen als Männer in gleichen Positionen - steht. Zuletzt werden im Kapitel anhand sechs ausgewählte Biografien kreativer Paare - Lillian Hellman/Dashiell Hammet, Margaret Mead/Gregory Bateson, Marie Sklodowska/Curie Pierre Curie, Simone Schwarz-Bart/André Schwarz-Bart - aufgezeigt ob, wo und wie Gechlechtergrenzen für- und miteinander und unter welchen Voraussetzungen verschoben wurden.

Pointiert, spannend von der ersten bis zur letzten Seite und mit einem umfangreichen Literaturanhang ausgestattet liegt mit dieser Publikation ein unverzichtbarer Sammelband im Spannungsfeld von Frauenbewegung und Wissenschaft vor.

© S. Strohschneider-Laue

Und sie bewegen sich doch …: Aus der Begegnung von Frauenbewegung und Wissenschaft

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Impressionistinnen

Mittwoch, 11. Juni 2008

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Ingrid Pfeiffer, Max Hollein (Hg.) 
Impressionistinnen
Hatje Cantz 2008, 320 S. 305 Abb., davon 274 farbig
ISBN 978 3 7757 2078 6

Impressionistinnen Impressionistinnen - Berthe Morisot, Mary Cassatt, Eva Gonzalès, Marie Bracquemond

Eine pausbäckige junge Frau blickt auf ihr Schoßhündchen und krault ihm den Hals. Die Darstellung des Hundes ist beinahe eine Karikatur. Zwei Knopfaugen lugen aus dem zotteligen mit kräftigen, langen Pinselstrichen wiedergegebenen Fell hervor. Die knubbelige Nase ist leicht gerötet und das Maul wird nur mit einem kurzen braunen Strich angedeutet. Der Körper des Hundes bleibt konturlos. Sein Hinterteil verblasst ins Nichts. Und dennoch möchte man lachen, so gut hat die Malerin den Charakter des kleinen Köters eingefangen.

Berthe Morisot gelingt es in dem 1887 entstandenen Gemälde “Mädchen mit Hund” bravourös die Essenz der Dargestellten und den Zauber des Augenblicks mit wenigen dynamischen Pinselstrichen einzufangen. Berthe Morisot (1841-1895) zählt gemeinsam mit ihren Zeitgenossinnen Mary Cassatt (1845-1926), Eva Gonzalés (1847-1883) und Marie Bracquemond (1840-1916) zu jenen Frauen, denen es im 19. Jahrhundert gelang, sich in der von Männern dominierten Kunstszene als Malerinnen einen Namen zu machen. Als angesehene Vertreterinnen des Impressionismus waren sie zu Lebzeiten durchaus erfolgreich. Doch Kunstgeschichte wurde jahrzehntelang von Männern geschrieben, die wenig von den Leistungen der Frauen hielten. Sie marginalisierten Künstlerinnen und gaben ihre Werke dem Vergessen preis. Zum Umschwung kam es erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, nicht zuletzt Dank der feministischen Forschung. Dennoch ist der Prozess Künstlerinnen wieder sichtbar zu machen und ihnen den gebührenden Platz sowohl in der Kunstgeschichtsschreibung als auch in der öffentlichern Wahrnehmung einzuräumen, noch lange nicht abgeschlossen. Ausstellungen wie die kürzlich in der Schirn Kunsthalle Frankfurt zu Ende gegangene Schau “Impressionistinnen - Berthe Morisot, Mary Cassatt, Eva Gonzalés, Marie Bracquemond” erfreuen daher ganz besonders. Viele wichtige Beiträge zur Kunstgeschichte sind Ausstellungsprojekten zu verdanken. Die aus der Präsentation der vier Künstlerinnen des Impressionismus in der Schirn Kunsthalle hervorgegangene Begleitpublikation “Impressionistinnen” ist einer von ihnen.

Dass Ausstellungskataloge mit reichhaltigem, technisch hervorragend wiedergegebenem Bildmaterial aufwarten und die Exponate möglichst umfassend präsentieren, ist mittlerweile nichts Neues. Was das Buch “Impressionistinnen” in das Spitzenfeld der Kunstbuchproduktion katapultiert, ist die außergewöhnliche Qualität der Textbeiträge. Die Autorinnen und Autoren haben eine ganzheitliche Herangehensweise an Leben und Werk der vier Künstlerinnen gewählt. Sie verweben Biographie, Werkanalyse, Kunst- und Sozialgeschichte zu facettenreichen, wissenschaftlich fundierten Essays, die inhaltliche Tiefe mit exzellenter Lesbarkeit vereinen.

Ingrid Pfeiffer macht in “Der Impressionismus ist weiblich - Zur Rezeptionsgeschichte von Morisot, Cassatt, Gonzalés und Bracquemond” mit den vier Künstlerinnen bekannt. Sie analysiert wie die Arbeiten der vier Frauen im Rahmen des Impressionismus von zeitgenössischen Kritikern wahrgenommen wurden und welche Bewertungen sie durch nachfolgende Generationen von Kunsthistorikern erfuhren.

Linda Nochlin nimmt sich in “Morisots Amme - Arbeit und Freizeit in der impressionistischen Malerei” der Motivwahl der Malerinnen und ihrer männlichen Kollegen an.
Sylvie Patry widmet sich in “‘Etwas festhalten von dem, was vorüberzieht’ - Berthe Morisot und der Impressionismus” Morisots Arbeitsweise, ihrer Themenwahl sowie Kompositions- und Maltechnik.
Hugues Wilhelm leitet mit “Sieben unveröffentlich Briefe von Mary Cassatt an Berthe Morisot und deren Tochter Julie Manet” zu dem Mary Cassatt gewidmeten Themenblock über.
Griselda Pollock analysiert in “Mary Cassatt - Berührung und Blick oder Impressionismus für denkende Menschen” die Bildsprache der amerikanischen Malerin, die eine Meisterin der Darstellung zwischenmenschlicher Beziehungen war.
Pamela A. Ivinsky zeigt in “‘Mit einer festen und kräftigen Hand’ - Mary Cassatts Techniken und Fragen des Geschlechts” wie sich Cassett im Lauf ihrer künstlerischen Entwicklung die unterschiedlichsten Techniken zu Eigen machte und welche Reaktionen sie dabei bei den Betrachtern ihrer Arbeiten erzielte.
Marie-Caroline Sainsaulieu vergleicht in “Eva Gonzalés und Henri Toulouse-Lautrec - Das expressive Rot” wie Gonzalés und Toulouse-Lautrec die Farbe Rot in ihren Bildern einsetzten.
Jean-Paul Bouillon verfolgt in “Marie Bracquemond - Die Dame mit dem Sonnenschirm” den Verlauf der kurzen Karriere der vielseitigen Künstlerin, die im Salon und bei den Impressionistenausstellungen reüssierte und dennoch ihre Tätigkeit auf Drängen ihres Ehemanns aufgab.
Anna Havemann führt in “Vorwärts marsch - Der Kampf der Künstlerinnen um berufliche Anerkennung in der Kunstwelt des 19. Jahrhunderts” vor Augen mit welchen Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen sich Künstlerinnen des 19. Jahrhunderts konfrontiert sahen. Von historischen Fotografien begleitete Lebensläufe der Künstlerinnen runden das gelungene Buch ab.

Die Arbeiten von Berthe Morisot, Mary Cassatt, Eva Gonzalés, Marie Bracquemond können von 21. Juni bis 21. September 2008 noch im Fine Arts Museum of San Francisco bewundert werden.

© Ch. Ranseder

Impressionistinnen - Berthe Morisot, Mary Cassatt, Eva Gonzalès, Marie Bracquemond

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Türkei hören

Sonntag, 01. Juni 2008

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Martin Greve
Türkei hören
Silberfuchs Verlag 2008, Laufzeit 79′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 01 0

Türkei hören Türkei hören: Eine musikalisch illustrierte Reise durch die Kulturgeschichte der Türkei

Selbst erfahrene Türkeireisende werden hier in einem geballten Überblick vom mythischen Ursprung bis in die Gegenwart sehr viel bislang Unbeachtetes erfahren. In zwanzig Kapiteln begleitet man das ursprünglich nomadische Volk aus Zentralasien. Der religiöse Schmelztiegel des Islam eint die Kulturen. Die Religion, Politik und Kunst werden untrennbar und die Ausweitung des Reichs aus Zentralanatolien gen Westen unaufhaltbar. 1366 fällt Adrianopel, 1453 schießen die Osmanen ein Loch in die mächtige Stadtmauer von Byzanz. Die letzte Erinnerung an oströmisches Erbe wird damit ausgelöscht. Die Hagia Sophia wird von christlicher Kirche zur Moschee deklariert. In kurzer Zeit wird die Stadt Konstantinopel zur Mega-City mit 400.000 Einwohnern. Erfolgreiche Kriegszüge lassen die Janitscharen, die Infantarie, in Folge zum Schrecken Europas werden. Bereits 1529 stehen sie - allerdings vergeblich - vor den Toren Wiens und 1683 belagern sie die Stadt wieder erfolglos. Das türkische Heer hat für Europa einen Teil seines Schreckens eingebüßt, dafür wird die türkische Kultur zur Mode. Aber auch der Austausch mit den westlichen europäischen Kulturen hat seine Spuren unter anderem in Musiktradition oder den Militärreformen des 19. Jahrhunderts hinterlassen.

Vom frühen Dichter Yunus Emre bis zum Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk der Gegenwart spannt sich der literarische Bogen. Kalligraphie, Buchdruck und Malerei, Musik, Tanz und Islam gehen in der türkischen Kultur eine einzigartige Verbindung ein, die vom großen Vielvölkerstaat geprägt wird. Leichthändig und politsch sensibel, wird die Türkei als vielschichtiger und historisch wechselvoller kultureller Reigen präsentiert. Lebendig, sinnlich und traurig sind die ausgewählten Musikzitate. Sie stehen als harmonischer und dennoch fast gleichwertiger Bestandteil neben der ruhigen Stimme des Sprechers Ercan Durmaz. Mit roten Tulpen und weißen Derwischen auf türkisem Hintergrund hat Roswitha Rösch wieder kluges Gespür für passendes Cover- und Bookletdesign bewiesen.

Man muss die Silberfuchsreisen einfach alle haben. Unglaublich, aber fast besser als eine echte Reise und viel billiger! Ganz abgesehen davon, ist die Türkei Gastland der Frankfurter Buchmesse 2008. Kurzweiliger und stimmiger kann man sich wirklich nicht kulturhistorisch über die Türkei informieren.

Hörprobe

© S. Strohschneider-Laue

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