Archiv für November 2008

Georges Braque

Sonntag, 23. November 2008
Non-FictionEbensolch Rez-E-zine 45/08

Hgg. Ingried Brugger, Heike Eipeldauer, Caroline Messensee
Georges Braque
Hatje Cantz 2008, 248 S., 150 Abb.
ISBN 978 3 7757 2202 5

Georges Braque Georges Braque: Lyrik der Geometrie. Eine Retrospektive

Der Kubismus ist untrennbar mit Georges Braque und seinem Freund und Weggefährten Pablo Picasso verbunden. Zur Ausstellung “Gorges Braque” (14. November ‘08 bis 1. März ‘09) im BA-Kunstforum ist ein Katalog erschienen. Er ist die einzige lieferbare Monografie zu Leben und Werk des Franzosen Georges Braque, des Erneuerers der Kunst des 20. Jahrhunderts auf dem deutschen Buchmarkt.

In sieben Beiträgen und einem umfangreichen exzellent bebilderten Katalog setzen sich renommierte WissenschafterInnen mit Braques Werk auseinander.
Neil Cox nimmt sich der verpönten (Nicht-)Farbe Schwarz in seinem Beitrag “Dunkle Materie - Barques Schwarz” an.
Heike Eipeldauer spürt dem Sinnlich-haptischen unter dem Titel “Georges Braque und das Stillleben als Modell taktiler Nähe” nach.
Edith Futscher, deren Beitrag sich mit “Barque baroque: Die Stilleben der 1920er Jahre” beschäftigt, zeigt dessen Abkehr vom Kubismus auf.
Christopher Green beleuchtet in seinem Beitrag “Eine ‘entnationalisierte’ Landschaft?” Braques frühe kubistische Landschaften und die “nationalistische” Geografie
Caroline Messensee unterzieht Georges Braque unter dem Titel “Lyriker der Geometrie oder ein französischer Maler” einer genaueren Betrachtung.
Nicolas Surlapierre setzt unter dem Titel “‘Lyre sans borne des poussières’ oder eine literarische Biografie Georges Braques” verschiedene Texte in Beziehung zum Künstler.
Juliane Vogel geht mit “Zeitungsausschnitte - Wege kubistischer Fakten” dem nicht zufällig gewählten Material auf den Grund.

Ein spannender Abriss, der in einer gut sortierten Kunstbibliothek nicht fehlen sollte und KunstliebhaberInnen neue Facetten im Werk von Georges Braque - und das bei exzellenter Qualität zu moderatem Preis - aufzeigen wird.

© S. Strohschneider-Laue

Georges Braque: Lyrik der Geometrie. Eine Retrospektive

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Ausstellung: Unbekannter Hundertwasser

Sonntag, 23. November 2008
NotizEbensolch Rez-E-zine 45/08

Der unbekannte Hundertwasser

KunstHausWien
20. November ‘08 bis 15. März ‘09

FRIEDENSREICH HUNDERTWASSER, APA 373 Flugzeugdesign für BOEING B 757, CONDOR 1995, Modell 1:25 © 2008 Hundertwasser Archiv, Wien Friedensreich Hundertwasser (1928-2000) war der Farbenmagier unter den Malern. Als Künstler beschränkte er sich nicht nur auf die Malerei, sondern war allumfassend künstlerisch tätig. Sein steter Kampf gegen die unnatürliche, gerade Linie und für natürliche, geschwungene Formen, kennzeichnet seine Arbeiten. Künstlerische Spuren von Friedensreich Hundertwasser finden sich von der Malerei über die Architektur über Gestaltung von großen Flugzeugen und kleine Briefmarken bis hin zum österreichischen Umweltzeichen. Die Ausstellung im Kunsthaus widmet sich all diesen Aspekten Hundertwassers.
Am 15. Dezember 2008 wäre Hundertwasser 80 Jahre alt geworden. Joram Harel, langjähriger Freund Hundertwassers und Leiter des KunstHausWien, nimmt diesen runden Geburtstag zum Anlass und zeigt nicht nur die Schaffensfülle des Künstlers, sondern auch die Anliegen des Künstlers als Ökologe und Kosmopolit. Dabei gelingt es ihm eine Ausstellung zu präsentieren, die mit einem Augenzwinkern alle BesucherInnen und nicht nur Hundertwasser-Fans in den Bann schlägt. Endlich zahlt es sich wieder einmal aus Bildbeschriftung genau zu lesen, denn in dieser Ausstellung beschränken sie sich nicht nur auf die obligaten Informationen wie Titel, Jahr und Inventarnummer. Abwechslungsreich und oft humorvoll werden Zusatzinformationen geboten, die man normalerweise in Ausstellungen nicht findet.
FRIEDENSREICH HUNDERTWASSER, 238 PEPSI, DER SOHN VON DOKTOR FREUND, St. Kanzian, 1955, Aquarell • 35 x 20 cm, © 2008 Hundertwasser Archiv, Wien Gelungen! Unbedingt anschauen, was auch dann - inklusive Hund - täglich ab 10:00 Uhr möglich ist, wenn andere Museen dem Feiertagsschlaf oder ihrem wöchentlichen Ruhetag frönen.

Non-Fiction

Joram Harel
Der unbekannte Hundertwasser
Prestel 2008, Dt./Engl. 296 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 7913 4129 0

Der unbekannte Hundertwasser Der unbekannte Hundertwasser

Wer keine Chance hat, die Ausstellung zu besuchen oder sich von der Ausstellung nicht trennen möchte, kann sich mit dem in allen Bereichen hochqualitativen zweisprachigen Begleitkatalog trösten. Das Vorwort stellt Franz Patay, Leiter des KunstHausWien, bei. Robert Fleck widmet sich in seinem Beitrag der malerischen Aktualität Hundertwassers. Joram Harel greift den 80. Geburtstag des verstorbenen Freundes und Künstlers auf, beleuchtet den Maler als Architekt und schließt seinen Beitragsreigen mit “Hundertwasser lebt”. Ansonsten kommt ausschließlich Hundertwasser selbst zu Wort und vor allem zu Werk. Eine Augenpracht und ein Leseschmaus, zu gleichen Teilen den man nicht nur als Kunstfan nicht verpassen sollte.

© S. Strohschneider-Laue

Siehe zu Friedensreich Hundertwasser:
Der unbekannte Hundertwasser
Träume ernten - Hundertwasser für Kinder

Notiz

Symposium Hundertwasser im NHM 11. bis 13. Dezember ‘08, Eintritt frei, Anmeldung erforderlich!

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Völkerkunde Wien

Montag, 17. November 2008
NotizEbensolch Rez-E-zine 45/08

Museum für Völkerkunde, Wien

Neueröffnung einer Abteilung und drei Sonderausstellungen

Das Museum für Völkerkunde in Wien wird seit vier Jahren vor allem in den Arbeits- und Depotbereichen saniert. Jetzt ist wieder ein kleiner Teil der Dauerausstellung für die Öffentlichkeit zugänglich. Ab dem 19. November ‘08 ist unter dem Motto “Götterbilder” die Abteilung “Süd-, Südostasien und Himalayaländer” als neueröffneter Teil der nach wie vor geschlossenen Dauerstellung zu sehen. Begleitet werden die zwei neuen Räume der Dauerausstellung durch die temporäre Präsentationen, die bis 2. März ‘09 Gegenwartskunst aus Sri Lanka, Bandwebereien und Fotografien aus Tibet präsentieren.

Süd-, Südostasien und Himalayaländer

… widmet sich mit 21 Vitrinen den Religionen. Neben Hinduismus, Buddhismus und Taoismus werden auch regionale Vorstellungen berücksichtigt. Das museale Konzept ist gekennzeichnet durch erhellte Objekte in dunklen Räumen und Texte, die auch den anspruchsvollen Besucher durch Umfang und gebotene Inhalte herausfordern. Weiterführende Informationen und innerer Zusammenhang können sich BesucherInnen vermutlich durch eine gesprächs- und/oder aktionsorientierte personale Vermittlung verschaffen oder den zusätzlichen Erwerb des Sammlungsführers. “…unser Museum ist das Schönste unter den vielen ethnologischen Museen, die ich schon gesehen habe…”, wurde bei der Pressekonferenz formuliert. Nun, ich habe in jeden Fall schon bessere als Wien gesehen. Allerdings bin auch ich von der schönen Architektur, soweit sie noch wahrnehmbar ist, angetan. Die internationalen Ansprüche an einen umfassenden und somit multisensorischen barrierefreien Zugang zur Ausstellung und ihren Inhalten, ganz im Sinne einer inklusiven Kultur für alle Menschen, entspricht diese Schau jedenfalls nicht.

Sri Lanka: KunstVoller Widerstand

ist als Wanderausstellung konzipiert. Die zeitgenössischen Arbeiten konzentrieren sich auf das letzte Jahrzehnt. In Anbetracht, dass im Niederösterreichischen Landesmuseum zur Zeit u. a. durchaus sehenswerte Kinderarbeiten von Egon Schiele gezeigt werden, mag es verständlich sein, Werke von Kindern, die es durchaus mit der Kunst ihrer erwachsenen Kollegen aufnehmen können, einzubeziehen.

Straps & Bands. Textilien aus der Sammlung Foitl

zeigt Kopfschmuck für Kamele und Pferde, Lastenbänder, Gürtel und viele Bänder mehr. 30 Jahre hat der inzwischen 80jährige Gerhard Foitl, Facharzt für Neurologie und Psychatrie, Webereien gesammelt. Deutlich war er mit Freude am Textil, Spaß am Ausprobieren, systematischen Untersuchen und Katalogisieren bei der Sache und hat gesammelt was ihm gefiel. Über 730 Objekte hat er zusammengetragen. Darunter Altes aus präkolumbische Zeit oder der Safawidenzeit und Junges aus dem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts. Seine Bänder “umspannen” die Kontinente und sparen auch Österreich nicht aus. Natürlich werden nicht alle gezeigt. Sorgsam in Pultvitrinen gebettet, nehmen sie nämlich überraschend viel Platz im ebenso attraktiven wie uninformativen Weißraum ein. Immerhin meldet sich ab und an der Sammler persönlich durch Texte über Vitrinen zu Wort, der Kurator hält sich zurück. Die Sammlung gehört zur offensichtlichen Freude der Wissenschafter nach der Ausstellung dem Museum für Völkerkunde, Foitl bleibt neben der Erinnerung - eventuell den Fotos - zumindest der umfangreiche Katalog als Nachschlagewerk seiner Sammlung.

© Barbara Krobath Frau in traditioneller Alltagskleidung uin Maniganggo, Kham, Osttibet 2001 © Barbara Krobath Mann possiert vor Graflex Plattenkamera. langmusi, Amdo, Osttibet 2001

See Tibet now.

Fotografien von Barbara Krobath

ist das kleinste aber feinste Highligt des Ausstellungsreigens, das auch im Zeichen des Monats der Fotografie steht. Auf Augenhöhe mit der Abteilung “Süd-, Südostasien und Himalayaländer” präsentiert sie ihre Arbeiten, die in Osttibet von Menschen und Räumen entstanden. Mit einer 4×5 inch Graflex Plattenkamera richtete sie ein altes Objektiv auf eine durch China zum Tode verurteilte Kultur und deren RepräsentantInnen. Die dabei entstandenen Aufnahmen von Tibetern zwischen Neonlicht und Automatikwaffen wirken hypnotisch-historisierend. Dennoch ist die Fotoserie keine Reportage. Es sind Momente der Vergänglichkeit, die nach dem Olympia-Kommerz schon wieder aus dem Blickfeld der Weltöffentlichkeit verschwunden sind. Gelungene Bilddokumente auf einen Istzustand der nach acht Jahren längst der Vergangenheit angehört, obwohl er zugleich die zukunftsarme Gegenwart repräsentiert. Das zur Ausstellung bereitgestellte Diskussionsboard bietet die Möglichkeit die Ausstellung zu kommentieren. Die sprechenden Bilder laden jedenfalls dazu ein.
© Barbara Krobath Tibetische Kinder in Labrang, Amdo, Osttibet 2000 © Barbara Krobath Zwei Besucher in Lithang, Kham, Osttibet 2001
© S. Strohschneider-Laue

Siehe zu Barbara Krobath auch:
Das Land der Stille
Die neue Welt des Weines. Österreich auf dem Weg zur Weltklasse
Licht-Jahre: 15 Jahre Christoffel-Blindenmission Österreich

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