Friaul Essen und Trinken
Freitag, 27. März 2009
Gerd Wolfgang Sievers
Friaul genießen
200 authentische Rezepte und Lokaltipps
Brandstätter 2009, 160 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 85033 228 6
Friaul genießen: 200 authentische Rezepte und Lokaltipps
Friaul, die Landschaft im Nordosten von Italien, mit ihrer Landeshauptstadt Udine ist ein touristischer Reizpunkt. Eingebettet zwischen Venetien, karnischen Alpen, Slowenien und Adria wurde das ehemalige langobardische Herzogtum durch unterschiedliche kulturelle und politische Einflüssen geprägt. Diese Vielfalt zeichnet sich auch in den Sprachen der Region ab. Neben Italienisch wird furlanisch, slowenisch und deutsch gesprochen.
Und kein Wunder, dass sich somit auch die Küchenkunst als abwechslungsreich erweist. Gerd Wolfgang Sievers hat sich als Profikoch in seiner zweiten Heimat auf die Spurensuche nach der authentischen Küche begeben. Und er hat sich für die Bauernküche entschieden, die die Region Julisch-Venetien mit ihren maritimen Schwerpunkten und Einflüssen ausklammert.
Gut so!
Getreide, Hülsenfrüchte und Fleisch - insbesondere Wild - stehen nicht auf jedermanns Speisezettel. Aber ganz ehrlich, wollen Sie tatsächlich ”jedermann” sein? Jemand der das Unbekannte verschmäht, um Gewohntes zu konsumieren? Wo ist die Entdeckerlust, die alle Sinne - also auch den Gaumen - anspricht? Keine Sorge, wenn man Friaul ohne Julisch-Venetien als Gourmet erkundet, muss man trotzdem nicht auf Fisch verzichten und ganz bestimmt nicht verhungern.
Von der Vorspeise bis zum süßen Schluss ist der friulanische Tisch reichlich und abwechslungsreich gedeckt. Radicchio mit Wurst oder Wachtelbohnen, eingelegte Pilze (Halimasch) oder mit Zitronensaft marinierte rohe Forellenfilets zur Vorspeise klingen fantastisch, aber Hirschschinken mit Honig lässt mir sprichwörtlich das Wasser im Munde zusammen laufen. Rollgerste-Bohnen-Suppe ist mir danach etwas zu üppig, aber Spinatsuppe klingt passend. Vor allem damit noch Platz für die gegrillte Forelle bleibt. Auf die Muscheln werde ich aus ganz persönlichen, überlebenstechnischen Gründen wohl wieder einmal verzichten müssen. Es ist schon Pech, wenn man nicht nach dem Geschmack, sondern nach der Verträglichkeit entscheiden muss, was serviert werden darf. Die Polenta lasse ich ebenfalls aus, sonst passt nichts mehr hinein und es gibt doch noch so viele gute Speisen zu verkosten. So gute Speisen wie die Tagliatelle mit Wildschweinsauce oder die Brennnessel-Gnocchi. Die Entenbrust von der Grillplatte oder der Hase süß-sauer muss es dann unbedingt noch sein. Dann kann ich getrost auf Pilze, Gemüse und Eierspeisen verzichten, um mich mit letzter Kraft den Süßwaren zuzuwenden. Süßwaren wie Ramandolo-Gebäck oder Maronitorte. Die Obstvarianten lasse ich aus, so gesunde Köstlichkeiten ist mein Körper nicht gewohnt und ich will es ja nicht gleich bei der ersten authentischen Friaul-Mahlzeit restlos übertreiben. Schließlich wurde Rom nicht in einem Tag erbaut und Friaul kann nicht in einem Tag kulinarisch erkundet werden.
Nein, Friaul kann definitiv nicht an einem Wochenende mit dem Gaumen und Magen erfasst werden. Zum Vorverkosten, Miterleben und Nachgenießen, wenn Norditalien Urlaubsziel ist, ist “Friaul genießen” sehr empfehlenswert. Dennoch sollte man kein Einsteigerkochbuch erwarten. Die speziellen landestypischen Zutaten sind sicher nicht überall leicht zu beschaffen. Und Schengener-Abkommen hin oder her, wenn man einen Lastwagen beladen mit Spezialitäten “für den privaten Bedarf” über die Grenze bringen will, fällt man sicher negativ auf. Für weniger versierte KöchInnen - die Rezepte sind exzellent beschrieben und sollten keine Probleme bereiten - ist dieses Buch ein idealer Friaulbegleiter. Ausgewählte Lokaltipps, Hinweise auf Weinfeste und ein Glossar, das ein wenig umfangreicher hätte ausfallen dürfen, runden das appetitliche Buch ab.
Erwähnt sei noch, dass Gliederung und Layout übersichtlich und ansprechend sind. Und selbstverständlich ist das Buch strapazfähig genug, um einen ständigen Kücheneinsatz zu überleben. Schön, dass Gerd Wolfgang Sievers nicht nur Kochen und Schreiben kann, sondern auch ein Händchen für das Fotografieren hat. Die Fotos zeigen nicht nur die Speisen von ihrer appetitlichsten Seite, sondern sie bestechen besonders durch ihre trügerische Schlichtheit. Perfekt zubereitete und servierte Gerichte, die trotzdem echt wirken, und normale Menschen, die keine Nip-Tuck-Opfer sind, sieht man in Publikationen nur noch selten. Meist wirken von der Avocado bis zur Servierkraft alle Beteiligten wie Pappe, Plastik und Haarspray, dieses Gefühl hat man hier nicht - vielen Dank dafür!
© S. Strohschneider-Laue



Nichts hätte mich dazu gebracht das Landesmuseum zu betreten, solange die achtbeinigen Monster vor zwei Jahren das Haus regierten. Spinnen sind mit meiner Psyche absolut inkompatibel. Mit Ameisen will ich zwar nicht die Dusche teilen - was seit einem Jahr leider nicht zu verhindern ist -, aber interessant finde ich Ameisen trotz oder auch aufgrund ihrer Hartnäckigkeit auf jeden Fall. Und in dieser Ausstellung bin ich vollkommen auf meine Kosten gekommen und das werden alle BesucherInnen. Egal, ob sie nun Ameisen mögen oder nicht und völlig gleichgültig welchen Alters sie sind.
Damit man die richtige Perspektive gewinnt, wird man beim Betreten der Ausstellung ”geschrumpft”. Ameisenfakten und Zahlen sowie das erste
Riesige Grashalme und saftiges Grün säumen den weiteren Weg zum in heimeliges Rot getauchten Bau am Ende der Wiese. Und der Weg dortin ist gespickt mit Information. Man erfährt z. B. viel über 130 Millionen Jahre Entwicklungsgeschichte, das Geheimnis des Kastensystems, den Vorteil in der Kolonie zu leben, warum die Lebensweisen der Ameisen Charles Darwin nervös machten und warum Ameisen nicht beißen, sondern auch stechen.
Ameisen leben nicht alle in riesigen Ameisenhaufen, manche Völker finden auch in einer Eichel ausreichend Platz. Und die Ausstellung zeigt sie (fast) alle, die großen und die kleinen Unterkünfte, ihre riesigen oder winzigen Baumeister oder Untermieter. Beeindruckend daher der große Waldameisenhaufen, der sich über mehrere durch Laufröhren verbundene Quadratmeter erstreckt. Nicht weit davon entfernt, in einer eigenen grasgrünen Sockelvitrine untergebracht, eine unscheinbare aber bewohnte Eichel.
Sind die BesucherInnen im warmen Rot getauchten Bau angelangt, können die kleinsten unter ihnen gerne auch Abkürzungen durch das Wegsystem nehmen. Die Entdeckerlust ist aber für Erwachsene auch ohne Schlupflöcher in Bodennähe genauso groß. Formicarien für verschiedene Ameisenvölker mit unterschiedlichen Bedürfnissen zeigen die Vielfalt und die Ansprüche dieser Insekten.
Die Bedeutung von Ameisen für die Umwelt wurde schon recht früh erkannt und die meisten haben auch schon davon gehört. Dennoch überrascht es sicher viele BesucherInnen wie wichtig heimische Ameisen für die Verbreitung der Frühjahrsblüher sind und welche Pflanzen eine “süße” Wechselbeziehung mit Ameisen pflegen. Das es aber auch einen parasitischen Kreislauf gibt, an dem Ameisen (unfreiwillig) beteiligt sind, ist sicher den wenigsten geläufig.
Ab und an menschelt es auch bei den Ameisen. Sie sind territorial und achten darauf, dass ihnen alles Unerwünschte fernbleibt. Friedlich geht es im Bau nicht zu. Skrupellose Herrscher, Intrigen, Meuchelmord, Untermieter (gebetene und ungebetene), Hochzeitsflug, Sklaverei, Bettelei, Raub und vieles mehr halten die wohl organisierten Staaten ständig auf Trab.
Die Bedeutung der Ameise ist vielfältiger als man glaubt: Sparverein und Dorf sind nach ihr benannt, Ameisen zieren T-Shirt und Gesellenbrief. Sogar wirtschaftliche Bedeutung hatten Ameisen. Ameisler sammelten bis zu Beginn der 1970er Jahre die Puppen und verkauften sie als Vogel- und Fischfutter.
Dass dieser gewaltige Informations-Tsunami, den der Ausstellungskurator Christian Dietrich über Ameisen zusammengestellt hat, nicht so gewaltig wirkt wie er wirklich ist, ist der flockig-lockeren Umsetzung zu verdanken. Es gibt eine wahre Textflut, etliche Ameisenvölker mit unzähligen Individuen, viel Bild- und Filmmaterial und zahlreiche Objekte. Die abwechslungsreiche Gestaltung von Doris Prenn (







