Archiv für August 2009

El tesoro de cuentos - Der Märchenschatz

Sonntag, 30. August 2009

ab acht

Juliane Buschhorn-Walter, Claudia von Holten (Hgg.) 
El tesoro de cuentos
Der Märchenschatz

Silberfuchs 2009, 110 S., farbig illustriert.
Zwei CDs (Deutsch/Spanisch), 122′
ISBN 978 3 940665 05 8 (Print)
ISBN 978 3 940665 11 9 (Audio)

Der Märchenschatz Buch El tesoro de cuentos / Der Märchenschatz: Cuentos y fábulas de España y Latinoamérica / Geschichten und Fabeln aus Spanien und Lateinamerika
Der Märchenschatz CD El tesoro de cuentos / Der Märchenschatz: Hörbuch zum Buch CUENTOS Y FÁBULAS DE ESPAÑA Y LATINOAMÉRICA / Geschichten und Fabeln aus Spanien und Lateinamerika

Es ist nie zu spät Sprachen zu lernen, aber man kann nicht früh genug damit beginnen. Kinder mehrsprachig aufwachsen zu lassen, ist eine wertvolle Grundlage für das ganze Leben. Die Sprachschule Amiguitos hat sich auf Spanisch und Italienisch für Kinder spezialisiert. In Zusammenarbeit mit Silberfuchs erscheinen zu den Sprachprogrammen begleitende und hochwertige Print- und Audioprodukte, die auch unabhängig vom Kursbesuch eine Bereicherung darstellen.

Der “Märchenschatz” liegt als Buch und Audio-CD vor und sollten m. E. auch solche zum Einsatz kommen. Die 15 Stories aus Spanien und Lateinamerika werden zweisprachig geboten. Sie fördern neben dem sprachlichen auch das kulturelle Verständnis. Die sprachlichen Gemeinsamkeiten, aber auch die durch die Kulturkreise bedingten Unterschiede werden durch die getroffene Auswahl deutlich. Das hohe inhaltliche Niveau wird Kinder nicht überfordern, sondern sie in ihrem Sprachverständnis fördern. Ungebräuchliches wie Fachbegriffe oder historische Fakten werden ausführlich erklärt. Die in verschiedenen Farben sowie kursiv gesetzten zweisprachigen Textteile erleichtern den Lesefluss. Zugleich werden die Texte dadurch in übersichtlichen Häppchen aufgeteilt, so dass nicht der Eindruck einer riesigen und vielleicht abschreckenden Textflut entsteht.

Das exzellent gegliederte und ansprechend illustrierte Buch eignet sich zum Vorlesen und eigenständigem Lesen sowie Mitlesen in Verbindung mit dem Hörbuch (José Paniagua - Text, Ulli Simon - Musik, Peter Lohmeyer - Sprecher). Einen Sprachkurs können Buch und Audio-CD nicht ersetzen, sie werden aber bestehende Kenntnisse fördern und/oder zum Besuch eines Kurses anregen.

© S. Strohschneider-Laue

El tesoro de cuentos / Der Märchenschatz: Cuentos y fábulas de España y Latinoamérica / Geschichten und Fabeln aus Spanien und Lateinamerika
El tesoro de cuentos / Der Märchenschatz: Hörbuch zum Buch CUENTOS Y FÁBULAS DE ESPAÑA Y LATINOAMÉRICA / Geschichten und Fabeln aus Spanien und Lateinamerika

Siehe auch:
Cantado y contado para los amiguitos. Spanisch für Kinder - Rezension - Hörprobe

ab acht | Amazon (Wissen)Store

Provinzlexikon

Sonntag, 30. August 2009

Fiction

Henning Ahrens
Provinzlexikon
Knaus 2009, 304 S., sw. illustriert.
ISBN 978 3 8135 0324 1

Provinzlexikon Provinzlexikon

Frisches Grün lädt in die Provinz und frisches Grün lädt ein, das Provinzlexikon aufzuschlagen. Was mit einem harmlosen Blättern im Buch beginnt, erinnert an einen geplanten kurzen Spaziergang, der in eine großartige Wanderung ausartet.

Was ist eigentlich Provinz? Sicherlich auch das, was man selbst im Kopf hat. Was man aus seiner persönlichen Provinz macht, ist ein individuelles Problem - zumindest solange Provinzgedanken nicht anderen Menschen und schlimmer noch einer ganzen Nation aufgezwungen werden. Dem geistigen Provinzialismus so viele Breitseiten zu verpassen wie möglich, ist - hoffentlich nicht nur - ein Anliegen des Autors. Es ist daher die Individualität der geografischen Provinz, die das Provinzlexikon so herrlich abwechslungsreich vollkommen unvollkommen macht. Genauso wie es Henning Ahrens ankündigt, wird das Provinzlexikon nicht - und soll es auch nicht - der Vielfalt gerecht werden, sondern sich auf die Provinz Norddeutschlands beziehen.

In 274 scharfsichtig dacht gewählten Stichworte klärt Ahrens über die mehr oder weniger wahnsinnigen Provinztatsachen auf. Das frische Design und die minimalistischen Illustrationen von Jana Cerno unterstreichen den pointierten Inhalt zusätzlich. Lexikalisch, humorig, doppelbödig und noch viel mehr ist das provinzdurchtränkte Buch. Dem Ackerrain nähert man sich durch den Tagebucheintrag von Karl. Der Leserbrief des Studienrates Horst an die Allgemeine Provinzzeitung bezieht (eine) Stellung zu Fettleibigkeit. Heuboden wird durch den Brief von Lieselotte an ihre Jugendliebe Karl erschlossen und Trecker (Traktor) bekommt eine eigene und völlig ungeahnte Dimension im Radio-Interview mit Udo. Übrigens derselbe Udo, der nicht nur von 280 PS fasziniert ist, sondern auch über Viagra einiges im selben Medium verlautbart. Das Provinzlexikon ist nicht so norddeutsch wie Ahrens selbst glaubt, kenne ich doch Niedersachsen (Deutschland) seit meiner Kindheit ebenso gut wie das Burgenland (Österreich). Manches, Menschen und Gedanken, sind zuweilen bis zur Austauschbarkeit gleich.

Danke Henning Ahrens, jetzt gewinne ich der Provinz andere Aspekte ab, obwohl ich mich weiterhin einer abgewandelten Form des Woddy-Allan-Zitats auf der Buchrückseite anschließe: “Das Land macht mich nervös. Da sind Spinnen und in der Früh ist es laut, und man kann - vor allem montags - nirgendwo zum Essen hingehen.” Immerhin kann ich jetzt kann lachen, wo ich vorher schreien wollte. Kann die verdrehten Vorzeichen sehen, die die Stadt nur zu einer anderen Form der Provinz macht. Dem Menschelnden, das Wilhelm Busch einst bei seinen Familienbesuchen in Wolfenbüttel zeichnerisch festhielt, setzt Henning Ahrens in seinem Provinzlexikon ein literarisches Denkmal.

© S. Strohschneider-Laue

Provinzlexikon

Teeblätter | AmazonStore

modellbauhaus

Freitag, 28. August 2009

Non-Fiction

Bauhaus-Archiv Berlin, Stiftung Bauhaus Dessau, Klassik Stiftung Weimar (Hgg.)
modellbauhaus
Hatje Cantz 2009, 376 S., 302 Abb., 236 davon farbig.
ISBN 978 3 7757 2414 2

Modell Bauhaus Modell Bauhaus

Was den Österreichern die Wiener Werkstätte, ist den Deutschen das Bauhaus. Dessen neunzigster Geburtstag ist Anlass für die neuerliche, breitenwirksame Auseinandersetzung mit der Institution, die fast schon zu einem modernen Mythos geworden ist. Und mit nichts lässt sich der Diskurs über die, von Beginn an die Meinungen polarisierende Ausbildungsstätte besser fortsetzen, als mit Ausstellungs- und begleitenden Publikationsprojekten. 2009 darf sich das kunstinteressierte Publikum daher an “modellbauhaus” erfreuen.

Die Deutungsmöglichkeiten der Geschichte und Erzeugnisse des 1919 von Walter Gropius gegründeten Bauhauses sind so facettenreich wie die an ihm lehrenden Persönlichkeiten, darunter Künstler wie Paul Klee, Oskar Schlemmer oder Wassily Kandinsky. Die berühmte Lehranstalt war eine Spielwiese für Individualisten. Das wird auch an den 68, für “modellbauhaus” ausgewählten, Objekten deutlich. Unter ihnen befinden sich natürlich Design-Ikonen, wie der Clubsessel B3 von Marcel Breuer, das Tee-Extraktkännchen von Marianne Brandt oder das Bauhaus-Gebäude in Dessau. Aber auch Kleinigkeiten, die etwas über das Leben am Bauhaus erzählen sind dabei. Das 1919 herrschende Wirgefühl und die Aufbruchsstimmung könnte nicht schöner als in der informellen Einladung in Form eines an die Tür gehefteten Zettels “Unser Spiel, unser Fest, unsere Arbeit” zum Ausdruck kommen. Von Objekt zu Objekt erschließt sich im Rahmen der Werkanalysen langsam die Geschichte des Bauhauses, an dem bildende Kunst, Architektur, Design und Bühnenbild gelehrt wurden. Die Arbeiten von Bauhauslehrern und -schülern dienen als Ausgangspunkt für die Betrachtung von Einzelaspekten wie Schulpolitik, Unterrichtsmethoden und die dem Bauhaus zu Grunde liegenden Philosophien. Der Plural steht hier ganz bewusst, denn es war nicht eine Ursprungsidee, die am Bauhaus Jahr für Jahr starr umgesetzt wurde. Ganz im Gegenteil. Walter Gropius verband in seinem ersten Programm Vision und Praxis und legte damit den Grundstein für einen Entwicklungsprozess, der zu keiner Zeit des Bestehens der das Experiment begrüßenden Schule abgeschlossen war. Vom Gründungsmanifest bis zur Auflösung durch die Nationalsozialisten 1933 erfand sich das Bauhaus immer wieder von Neuem. Jeder seiner drei Leiter, Walter Gropius, Hannes Meyer und Ludwig Mies van der Rohe, drückte ihm seinen Stempel auf. Jeder Wechsel des Standortes - zuerst Weimar, dann Dessau und schließlich Berlin - hinterließ seine Spuren. Nur eines blieb konstant: Der hohe Stellenwert der Architektur.

Trotz der Vielzahl unterschiedlicher Haltungen und der großen Bandbreite der Produkte war das Bauhaus auch ein frühes Beispiel für eine gelungene Markenbildung. Alles war vorhanden: Wort-Bild-Marke, bewusster Einsatz der Sprache, gezielte Pressearbeit, Selbstpräsentation durch Feste, Ausstellungen, Publikationen und nicht zuletzt ein passendes - Stichwort Corporate Architecture - Schulgebäude.

“modellbauhaus” nimmt die unter dem Dach der Marke Bauhaus geeinte künstlerische Pluralität auf und zeigt sich ebenso bunt wie die unvergessliche Ausbildungsstätte. Mit 77 Essays ist die Publikation ein Katalog der Superlative, der mit den vereinten Kräften aller drei der Pflege des Bauhaus-Erbes gewidmeten deutschen Institutionen - Bauhaus-Archiv Berlin, Museum für Gestaltung, Stiftung Bauhaus Dessau und Klassik Stiftung Weimar - entstand. Ein schneller Überblick über die Bauhausgeschichte ist mit einer derartigen Fülle an Beiträgen nur schwer zu erlangen, obwohl die chronologische Gliederung die Orientierung erleichtert. Stattdessen lässt sich das Phänomen Bauhaus in Jahresschritten genießen. Jeder Jahreswechsel wird von einem Trennblatt markiert, dem auf der farbigen Seite Daten zur Entwicklung des Bauhauses und auf der grautonigen Seite Informationen zum Geschehen in Deutschland entnommen werden können. Jahr für Jahr und Kunstwerk für Kunstwerk gewährt “modellbauhaus” LeserInnen die Freiheit nach Herzenslust zu Schmöckern ohne den roten Faden zu verlieren und so eine Institution kennen zu lernen, die Designgeschichte geschrieben hat.

Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau, Berlin, ist noch bis 4. Oktober zu sehen. 

© Ch. Ranseder

Modell Bauhaus

Ebensolch | AmazonStore

Früchte - Kunstwerke der Natur

Donnerstag, 13. August 2009

Non-Fiction

Wolfgang Stuppy, Rob Kesseler 
Früchte
Faszinierende Kunstwerke der Natur

Gerstenberg 2009, 264 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8369 2995 0

Früchte Früchte: Faszinierende Kunstwerke der Natur

Als Kind habe ich mit Begeisterung Früchte und Samen gesammelt, sie seziert, getrocknet oder in Gläser gestopft, um zu sehen was passiert. Ins Glas kommen mittlerweile nur noch die schmackhaften Gaben von Obstbäumen in Form von Marmelade. Die Anziehung, die für mich von Früchten und den von ihnen behüteten Samen ausgeht, ist jedoch geblieben. Mit den Jahren sind ihre ästhetischen Qualitäten, die Vielfalt der Farben, Formen und Oberflächenstrukturen, in den Mittelpunkt meines Interesses gerückt. Es gibt so viel zu entdecken! Doch die bizarre Schönheit, die sich unter dem Rasterelektronenmikroskop offenbart, hätte ich mir nicht träumen lassen. Ein Blick in das fantastische Buch “Früchte. Faszinierende Kunstwerke der Natur” und schon hing ich am Haken. Gar nicht mehr aus der Hand legen wollte ich den Prachtband.

Das Buch “Früchte. Faszinierende Kunstwerke der Natur” ist ein Glücksfall. Zum einen gewährt es einen überwältigenden, stimulierenden optischen Genuss. Zum anderen lässt es LeserInnen nicht im Dunkel darüber, was auf den großartigen Aufnahmen zu sehen ist. Ganz im Gegenteil. Die von Rob Kesselers kunstvoll eingefärbten Rasterelektronenmikroskop-Aufnahmen geweckte Neugier, wird von Wolfgang Stuppys Einführung in die Wunderwelt der Botanik gestillt. Eine Fülle ergänzender “konventioneller” Fotos vermittelt das Aussehen der Früchte in “Normalsicht”. Und da ein Blick hinter die Kulissen immer spannend ist, wird am Ende des Buches nicht nur das Millennium Seed Bank Projekt der Royal Botanic Gardens in Kew, England, vorgestellt, sondern sogar der technisch-künstlerische Arbeitsprozess geschildert. Vom Sammeln der Früchte bis zur fertig bearbeiteten Aufnahme ist es nämlich ein weiter Weg.

Pflanzen haben im Lauf der Evolution viele schlaue Strategien entwickelt, um sich zu Vermehren und neue Gebiete zu erobern. Ihre Früchte schützen und präsentieren die wertvollen Samen, ohne die ein Überleben der Art nicht möglich wäre. Sie sind maßgeschneiderte Wunderwerke, egal ob sich eine Pflanze zur Ausbreitung eines der Elemente oder Lebewesen dienstbar macht. Der mit der Zeit entstandene Reichtum an Lösungen der Aufgabe den Nachkommen zu einem guten Start zu verhelfen, ist atemberaubend. Wie komplex eine Frucht aufgebaut sein kann, lässt sich erst anhand der Rasterelektronenmikroskop-Bilder, den Stars des Buches, ermessen. Edel vor schwarzem Hintergrund präsentiert, sind elegant geschwungene, extrem gekrümmte, von bizarren Auswüchsen bedeckte, fein behaarte oder mit gefährlich aussehenden Haken bewehrte Früchte zu bewundern. Der Vielfalt scheint keine Grenzen gesetzt zu sein. Rob Kesseler zaubert mit der digitalen Farbpalette aus nüchternen wissenschaftlichen Aufnahmen kleine Kunstwerke. Details, auf die Wolfgang Stuppy in den Abbildungsunterschriften eingeht, sind farblich so hervorgehoben, dass auch Laien sie sofort finden. Bild und Text, optischer und intellektueller Genuss ergänzen sich in “Früchte. Faszinierende Kunstwerke der Natur”. Dank der feinteiligen Gliederung des Textes muss das Buch auch nicht auf einen Sitz gelesen werden. Kleine Texthäppchen führen von der Frage, was denn eine Frucht sei, über alle Arten von Früchten bis zu den Ausbreitungsstrategien. Wolfgang Stuppy würzt das botanische Grundwissen mit einem Schuss Forschungsgeschichte der Botanik und schmeckt mit kulturgeschichtlichen und kulinarischen Exkursen zur Bedeutung der Früchte ab. Auf Fachvokabular wird dennoch nicht verzichtet. Notfalls hilft ein ausgezeichnetes Glossar wieder auf die Sprünge.

“Früchte. Faszinierende Kunstwerke der Natur” ist ein bemerkenswertes Buch, das sowohl durch die ausgezeichnete Aufbereitung und Vermittlung des Themas, als auch der vorzüglichen grafischen Gestaltung aus der Masse der Pflanzen- und Gartenbücher hervorsticht.

© Ch. Ranseder

Früchte: Faszinierende Kunstwerke der Natur

Ebensolch | AmazonStore
(a)biotisch | Amazon(as)Store

Herrenhäuser Gärten jr.

Dienstag, 11. August 2009

ab acht

Kirsten John 
Tobi in den Gärten 
Ein Kinderführer durch die Herrenhäuser Gärten

Nicolai 2009, 65 S., zahlr. Farbfotos und Illustration
ISBN 978 3 8947 9484 2

Tobi in den Gärten, Herrnhäuser Gärten Tobi in den Gärten: Ein Kinderführer durch die Herrenhäuser Gärten

Großer Garten, Berggarten, Georgengarten und Welfengarten bilden zusammen die Herrenhäuser Gärten. Die ehemalige Sommerresidenz der Herzöge, Kurfürsten und Könige von Hannover und England ist voller Überraschungen und mehr als nur einen Besuch wert. Verschiedene historische Gartenstile, Bau- und Kunstwerke locken vor allem Erwachsene in die Anlage. Es gibt aber für Kinder viel mehr zu entdecken als nur das Sealife im Berggarten, man muss nur wissen wo und genau hinschauen.

Natürlich bedarf es ein wenig Hintergrundinformation, um die offensichtlichen und versteckten Besonderheiten zu erkennen. Genau hier setzt “Tobi in den Gärten” an. Kirsten John verbindet geschickt die Geschichte eines Gärtnerjungen aus der Barockzeit mit dem modernen Erscheinungsbild des großen Gartenareals. Einerseits stellt die Autorin das historische dem modernen Erscheinungsbild der Anlage vor und andererseits zeigt sie die sozialen Bedingungen sowie die Situation eines arbeitenden Kindes auf.

Auf den Umschlaginnenseiten sind die Gartenpläne zu finden. Vorne ist der Große Garten, hinten ist der der Berggarten abgebildet. Schwarze, rote und blaue Passagen gliedern den Text in übersichtliche Lesehäppchen. Der schwarze Text, erzählt Tobis Geschichte und folgt seinen Weg durch den Park. Blau hervorgehoben sind in Tobis Story jene Gebäude und Objekte, die auf den Plänen eingezeichnet sind. Rote Textteile bieten Hintergrundinformationen zu Persönlichkeiten und Sehenswürdigkeiten. Auf diese Weise können Kinder nach Lust und Laune leicht die - ohnedies informative - Geschichte verfolgen oder auch nur die Zusatzinformationen lesen. Schade, dass diese geschickte Textgliederung den jungen LeserInnen vorab nicht erklärt wird. Optisch ergänzt wird der Text von ausgezeichneten Fotos, historischen Stichen und zeitgenössischen Illustrationen von Henriette von Bodecker.

Flockig-locker geschrieben und auf das Wesentlichste reduziert, wird das Buch GrundschülerInnen vor als auch nach dem Besuch in den Herrenhäuser Gärten fesseln. Ein Pflichtkauf, wenn man die historische Gartenanlage mit Kindern nicht nur besuchen, sondern kennenlernen möchte.

© S. Strohschneider-Laue

Tobi in den Gärten: Ein Kinderführer durch die Herrenhäuser Gärten

Und für Erwachsene::
Die Herrenhäuser Gärten
Hannover: Die Stadt an der Leine entdecken und erleben. Ein illustriertes Reisehandbuch

ab acht | Amazon (Wissen)Store
(a)biotisch | Amazon(as)Store

Strandsteine

Freitag, 07. August 2009

ab acht

Frank Rudolph
Strandsteine für Kids 
Wachholtz 2009, 69 S., zahlr. Farbfotos und Illustration
ISBN 978 3 5290 5414 3

Strandsteine für Kids Strandsteine für Kids: Sammeln und Bestimmen

Unglaublich was so alles vom Meer angespült wird. Selbst die Steine sind es wert aufgehoben zu werden. Man müsste nur noch wissen, was man für Schätze aus den letzten Jahrmillionen der Ergeschichte gefunden hat.

Angenehme Erinnerungen an unzählige Sammelstunden an den Stränden von Nord- und Ostsee kommen auf, wenn man vom Titel verführt dieses Buch zur Hand nimmt.

Mir ist in letzter Zeit kein so kindgerecht aufgearbeitetes, nettes und klar verständliches sowie gut strukturiertes Sachbuch untergekommen. Wer sollte da keine Lust auf Strand, Steine und Donnerkeile bekommen? Schon der Satz Kennt Ihr Steine, die man riechen oder hören kann? macht neugierig auf den weiteren Inhalt und vor allem auf die Steine selbst. Das handliche, strapazfähige Outfit und die kindgerechte Aufbereitung von “Strandsteine für Kids” regen zum Mitnehmen an den Strand ein. Die exzellente Fotoauswahl in Kombination mit korrekt dargestelltem fachlichem Inhalt ist auch für Erwachsene ein Anreiz gemeinsam mit dem Nachwuchs auf Steinjagd zu gehen.

Steine, die am Strand von Nord- und Ostsee herumliegen, sind zum Teil ziemlich herumgekommen. Passend, niedlich und genial zugleich sind die von Lutz Mathesdorf entwickelten Comicfiguren. Sie repräsentieren die Herkunftsländer, führen durch das Buch und kennzeichnen die Erdzeitalter. Möwe Pauli (überall daheim), Erik (Dänemark), Knolle Troll (Norwegen), Sören (Schweden), Lena (Finnland) und Fiete (Deutschland) werden sofort Fans finden. Diese zweckmäßige Verniedlichung täuscht nicht darüber hinweg, dass in diesem Werk fundiertes Fachwissen weitergegeben wird. Kenntnisse die im Schulunterricht bis weit in die Mittelstufe ausreichen.

Folgende Informationen werden geboten:

  • Wie und woher Steine an den Strand kommen, die Rolle der Eiszeit.
  • Sinnvolles Steinesammeln, die Anlage einer eigenen Sammlung.
  • Ein Überblick der Geologischen Zeittabelle.
  • Was sind Gesteine, welche Arten von ihnen gibt es?
  • Besondere Gesteine, Steine die man hören oder schmecken kann.
  • Ein Überblick der Gesteine nach ihrer Entstehung (Tiefen- und Ergussgesteine, Umwandlungs- und Ablagerungsgesteine)
  • Ergänzende Darstellungen über Bernstein, magnetische Sande, Fossilien und vieles mehr.
  • Und wie es sich für ein solides Fachbuch gehört, gibt es selbstverständlich Begriffserklärungen und ein Literaturverzeichnis.

Findige Eltern haben schon lange Rezepte für Schlechtwettertage während Strandaufenthalten entwickelt, um ihre eventuell nervenden Kinder zu beschäftigen. Mit diesem Buch wird das noch einfacher, weil es auch Eltern Spaß machen wird. Für die besonders Wissbegierigen und für Erwachsene gibt es von Frank Rudolph noch mehr Bestimmungsliteratur für den Nord- und Ostseeraum. Auf jeden Fall für den nächsten Urlaub an Nord- und Ostsee “Strandsteine”, Hammer, Schutzbrille - nicht nur - für die Kids einpacken!

© V. Strohschneider

Strandsteine für Kids: Sammeln und Bestimmen

Noch mehr:
Strandsteine. Sammeln und Bestimmen.
Noch mehr Strandsteine: Sammeln und Bestimmen an Nord- und Ostsee
Strandfunde: Sammeln & Bestimmen von Tieren und Pflanzen an Nord- und Ostseeküste

ab acht | Amazon (Wissen)Store
(a)biotisch | Amazon(as)Store

Tiergarten Schönbrunn: Artenschutztage

Donnerstag, 06. August 2009

Notiz

Artenschutztage

Artenschutztage, Große Nussjagd © Sistlau 2009

Vom 6. bis 9. August steht im Tiergarten Schönbrunn der Artenschutz mit interessanten Informationen und Angeboten im Mittelpunkt. Schwerpunktthemen sind Projekte der Österreichischen Zoo Organisation (OZO) am 6. August, Artenschutz vor der Haustür am 7. August, Tierische Wahrzeichen des Naturschutzes am 8. August und die ‘Großen’ unter den Tieren am 9. August.

 Artenschutztage © Sistlau 2009 Zahlreiche Infostände säumen die Löwenallee. Große und Kleine Tierfreunde erfahren hier Neues rund um Biotop- und Artenschutz und werden herzlich zum Mitmachen und Miterleben eingeladen.

Artenschutztage © Sistlau 2009 Österreichischen Bundesforste, Lebensministerium (Projekt Vielfalt Leben), Wiener Veterinäramt, Biosphärenpark Wienerwald, Vier Pfoten, WWF, BirdLIfe, Verein Auring, Amphibienschutz Wienerwald, Koordinationsstelle Fledermausschutz und -forschung, Tierschutz macht Schule, Waldrappteam, Jane Goodall Institue, Sharkproject, Arbeitsgruppe Bioakustik der Universität Wien, Nationalpark Donau-Auen, Verband der Naturparke Österreichs, Naturschutzbund, Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie sowie Nikon unterstützen die Artenschutztage und sind mit Infoständen vertreten.

Große Nussjagd © Sistlau 2009 Dass es nicht immer die Riesen oder Prominenten die interessantesten Tiere sein müssen, beweist die “Große Nussjagd“. Hier sind NachwuchsforscherInnen herzlich willkommen. Gesucht wird im Wienerwald die winzige, verschlafene Haselmaus. Welcher Kern der aufgenagten Nüsse im Magen einer Haselmaus gelandet ist, erfährt man bei den Artenschutztagen im Tiergarten Schönbrunn und beim “Langen Fest der falschen Mäuse” am 29. August zwischen 14:00 und 22:00 Uhr in Mauerbach, Kasgraben (gegenüber Gasthaus “Zum grünen Jäger”).

Artenschutztage Welche Tier man in freier Wildbahn antreffen kann. Welchen Nutzen einheimische “Schädlinge” in der Natur haben und welchen Schaden zu Jagdzwecken aus fernen Ländern eingeführte Tiere verursachen, mag Viele überraschen.

Artenschutztage Erschreckend sind die Zahlen: 44.838 Arten sind gefährdet, 869 Arten sind ausgestorben und 16.928 Arten sind akut vom Aussterben bedroht. Dies gilt es bei jeder Gelegenheit zu vermitteln. Zoos leisten einen wesentlichen Erhaltungsbeitrag, aber sie können und dürfen nicht die letzten Refugien sein ebensowenig wie sie die freie Wildbahn ersetzen können. 

Artenschutztage Die Vielfalt des Lebens zu erhalten und zu fördern muss das Anliegen aller sein. Um Verständnis für vom Aussterben bedrohte Tiere zu erzielen, bedarf es umfassender Informationen sowie dem Ausmerzen von Irtrtümern und Vorurteilen. Bartgeier schlagen keine Lämmer, allerdings ist es richtig, dass Frösche nur in einer intakten Umwelt leben. Eine intakte Umwelt, ist eine vielfältige Umwelt und benötigt der Mensch selbst zum Überleben.

Netzwerk Natur © Sistlau 2009

Der Tiergarten Schönbrunn leistet wichtige Beiträge zum Artenschutz und ist an zahlreichen Forschungsprojekten beteiligt. Das bei den Artenschutztagen lukrierte Geld wird in ein Schutzprojekt für den Roten Panda in der Indischen Provinz Sikkim fließen. Aber auch vor der eigenen Haustür ist der Tiergarten Schönbrunn aktiv. Tiergarten und Schlosspark von Schönbrunn sind eine der verborgenen Naturoasen Wiens. In Zusammenarbeit mit der Wiener Umweltschutzabteilung wurden im Zoo Informationstafeln aufgestellt. BesucherInnen dürfen jetzt überrascht feststellen, dass Wechselkröten in den Tigerteich eingezogen sind, Feldgrillen vor dem Kaiserpavillon leben und Dohlen sich als Nahrungsgast bei den Pelikanen eingeladen haben.

Karin Büchl-Krammerstätter, Dagmar Schratter, Anton Weissenbacher © Sistlau 2009

Die Wiesenotter wird das nicht allein schaffen. Sie braucht als seit den frühen 1970er Jahren verschwundene Art Unterstützung bei der Wiederansiedlung. Die giftige Wiesenotter lebt von Insekten. Sie ist scheu und durch ihr kleines Maul für den Menschen - solange man sie nicht reizt - nicht gefährlich. Ab heute leben im Tiergarten Schönbrunn vier in Ungarn nachgezüchtete kleine Wiesenottern. Das Terrarien-Suchspiel lohnt sich. Mit etwas Geduld und einem systematischen Blick entdeckt man die hübsch gezeichneten Tiere sicher. Hoffen wir, dass es bald auch wieder insektenreiche Wiesen mit diesen Tieren geben wird. 

© V. Strohschneider

siehe auch:
Atlas der bedrohten Arten
Von Kaiser bis Känguru

(a)biotisch | Amazon(as)Store

Modisches Mittelalter

Donnerstag, 06. August 2009

Non-Fiction

Margaret Scott 
Kleidung und Mode im Mittelalter
Theiss 2009, 160 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8062 2199 2

Kleidung und Mode im Mittelalter  Kleidung und Mode im Mittelalter

Kritik am Aussehen experimentierfreudiger, junger Menschen und Hetzreden gegen Frauen mit Chic sind nicht neu. Im Mittelalter stießen unter anderem die Kürze der Gewänder, die Tiefe der Ausschnitte, die Kostbarkeit der Stoffe, die übertrieben langen Spitzen der Schuhe und die für ein gepflegtes Aussehen aufgewendete Zeit, auf Missbilligung. Männerhaar erregte seit dem Ende des 11. Jahrhunderts periodisch immer wieder die Gemüter.

Kaum wurde Neues ausprobiert und damit Standes- oder Geschlechtergrenzen in Frage gestellt, hagelte es von Kirche und Obrigkeit auch schon Tadel oder gar Verbote. Mit Kleiderordnungen versuchten die Gesetzgeber, den Materialaufwand einzuschränken und die Menschen durch die Festlegung standesgemäßer Kleidungsformen auf ihre Plätze in der sozialen Hierarchie zu verweisen. Doch die Lust an kostbaren Kleidungsstücken und Stoffen, fröhlichen Farben, Zierrat und Putz ließ sich nicht so leicht im Keim ersticken.

Margaret Scott erzählt in “Kleidung und Mode im Mittelalter” wortgewaltig und mit enormem Wissen über das Entstehen der Mode und den Aufstieg der Textilindustrie in der Zeit von 840 bis 1570. Als Quellen dienen ihr illuminierte Handschriften, deren Entwicklung sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht, und eine Vielzahl von schriftlichen Aufzeichnungen, von der Chronik bis zum Inventar. Erfrischend ist das Anliegen der Autorin “…, dem Leser zu zeigen, wie Handschriften - mit angemessener Vorsicht - anhand der Kleidung ‘gelesen’ werden können.” Mit leichter Feder erklärt sie die wechselnden Konventionen der Darstellung, stilistische Vorlieben und maltechnische Beschränkungen, die bei der Entschlüsselung der Bildquellen berücksichtigt werden müssen. So wird Wissenschaft nachvollziehbar.

Tatsächlich ist die üppig mit Abbildungen ausgestattete Publikation weit mehr als eine Kostümgeschichte - nicht zuletzt weil es sich Margaret Scott verkneift, reine Formenkunde zu betreiben. Stattdessen sieht sie Kleidung in ihrem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontext. Die Hülle aus Stoff sollte schließlich nicht nur wärmen, sondern TrägerInnen auch als Ausdrucksmittel dienen. Kleidung war und ist schließlich ein wichtiger Bedeutungsträger. An ihr lassen sich Macht und sozialer Status, die Zugehörigkeit zu einer Berufsgruppe und vieles mehr ablesen. Scott entlockt den Quellen Informationen über nationale Unterschiede, Gemeinsamkeiten oder gegenseitige Beeinflussungen und zeigt wer die Trendsetter waren. Mittelalterliche Kleidungsstücke hatten so exotisch klingende Namen wie Houppelande, Surcote, Hoike oder Skaramangion. Fortschritte in der Schnitttechnik brachten bahnbrechende Neuerungen wie das Armloch und vorne mit Knöpfen geschlossene Gewänder. Und mit der Zeit wurde Kleidung nicht mehr in den Haushalten selbst, sondern von spezialisierten Handwerkern hergestellt.

Ein zweiter Erzählstrang ist den technischen Neuerungen in der Weberei und den verfügbaren Stoffqualitäten gewidmet. Deren Namen verheißen Luxus: Lampas-Seide, Tatarische Seide, Brokat, Sendal, Samt, Scharlach. Aus England kam die beste Wolle, Italien tat sich in der Seidenproduktion hervor - und der Handel blühte. Auch die merkantilen Aspekte des aufstrebenden Wirtschaftszweiges werden durch die Jahrhunderte verfolgt. Margaret Scott formuliert ihre akribisch recherchierten Texte elegant und mit Humor. Sie versorgt LeserInnen sogar mit ausführlichen Erklärungen der prächtigen, detailreichen Buchmalerei. Jede Abbildung wird von einem Text begleitet, in dem die dargestellte Kleidung interpretiert und mit den in der Szene gezeigten Handlungen und Personen in Beziehung gesetzt wird. “Kleidung und Mode im Mittelalter” ist zu gleichen Teilen ein Lesevergnügen und eine Augenweide. Wer noch mehr erfahren will, findet am Ende des Buches zusätzlich zu dem hervorragend gegliederten Literaturverzeichnis ein exzellentes Glossar.

“Kleidung und Mode im Mittelalter” ist ein herrliches Buch, das auf den Spuren der ersten Fashion Victims durch die Welt des Mittelalters führt.

© Ch. Ranseder

Kleidung und Mode im Mittelalter

Ebensolch | AmazonStore

Liebe zwischen den Seiten - Loving Memory

Samstag, 01. August 2009

Notiz

Albert Francis Rosa hat diese Welt verlassen

Albert Francis Rosa *1915 †2006

Bücher sind Freunde, gehören zur Familie. In den späten 70ern des letzten Jahrhunderts kam der kleine spitzartige Hund “Kleist” (Kleist kam zu erst) in unsere Familie. Er schlich sich geschmeidig über Heinrich Kleist’s sämtlicher Werke ein und gehört seither dazu. Etwa 2007 zog das ruhige Michael-Baby (Michael Yerry/Terry Ramirez Jr.) mit The Mummy bei uns ein.

Langsam aber sicher wird unsere Wohnung immer kleiner. Egal, es gibt keine schöneren Tapeten und Wandisolationen als überquellende Bücherregale. Nicht immer kommen neue Bücher dazu. Manchmal sind die Titel schon vorhanden: Allerdings übersetzt und das ist nicht genug. Nein, sie müssen auch im Original zur Wohnraumverkleinerung beitragen. 2008 wurde unsere Tochter auf dem Neubaugassen-Flohmarkt fündig. Englische Taschenbücher, gebraucht, billig, in Mengen und das am Taschengeldtag! Weihnachten, Geburtstag und Ostern zusammengefasst, ist nichts dagegen. Im Stapel befand sich schließlich wieder eines dieser mit Überraschung gefüllten Pralinenschachtel-Bücher:

Paula Volsky
The Luck of Relian Kru
Ace Fantasy 1987

Gleich beim ersten Durchblättern fiel ein Sterbebildchen heraus. Eines jener mit Heiligen bedruckten Zettelchen, die bei Begräbnissen an die Trauergemeinde verteilt werden. Es ist eine Darstellung der Vogelpredigt des Franz von Assisi. Auf der Rückseite wird an Albert Francis Rosa (June 25, 1915 - August 23, 2006)  begleitet von einem Zitat aus “The Littel Prince” von Antoine de Saint-Exupéry gedacht.

Ich weiß nicht, wer der 91jährige Herr war. Die liebevolle Auswahl des Gedenkbildes spricht aber für einen Menschen, der gemocht wurde. Es ist eine schöne Vorstellung, dass er nicht alleine seine letzte Reise angetreten hat, sondern begleitet wurde. Und es gab zu mindest einen Menschen, der das “Loving Memory” Zettelchen nicht gleich entsorgt hat. Es nicht nur behalten hat, sondern auch mit dem Buch immer wieder zur Hand nahm und erinnert werden wollte. Es war wohl ein Versehen, dass Albert Francis Rosa schließlich in dem Buch blieb. Dass er nach seinem Tod zum Mysterium werden würde, hätte ihn vielleicht sogar amüsiert. In einem kanadischen Buch in Wien in Begleitung eines italienischen Gedenkbildchen und eines ins Englische übersetzten Zitats eines französischen Autors angetroffen zu werden, wäre selbst für Sherlock Holmes eine Herausforderung und für James Bond verdächtig gewesen.

Für seine Freunde und Verwandten lebt Albert Francis Rosa im Herzen und in den Sternen, wenn sie in klaren Nächten aufblicken. Bei uns ruht die Erinnerung an ihn in The Luck of Relian Kru.

© S. Strohschneider-Laue

Siehe auch
Kleist kam zu erst
Michael Yerry/Terry Ramirez Jr. 
Kriegsbriefe 
Die Fotos der Rosi Z.

Teeblätter | AmazonStore

Im DETAIL: Ausstellen und Präsentieren

Samstag, 01. August 2009

Non-Fiction

Christian Schittich (Hg.)  
im DETAIL
Ausstellen und Präsentieren. 
Museumskonzepte, Markeninszenierung, Messedesign

Birkhäuser 2009, 176 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 7643 9954 2

Im Detail: Ausstellen und Präsentieren: Museumskonzepte, Markeninszenierung, Messedesign

Siebenundzwanzig Museumsbauten, Ausstellungen, Brand Center, Supermärkte und Messestände werden in dem reich bebilderten Buch “Ausstellen und Präsentieren. Museumskonzepte, Markeninszenierung, Messedesign” vorgestellt. Die Aufmerksamkeit gilt in erster Linie der architektonischen Hülle, die als Bühne für die zur Schau gestellten Exponate oder Waren dient. Sie ist zugleich Lockvogel, gebautes Verkaufsgespräch und - gerade für Kulturinstitutionen, die vom Bilbao-Effekt träumen - Hoffnungsträger. Bis auf wenige Ausnahmen konzentrieren sich die Texte der steckbriefartigen Projektbeschreibungen auf die technischen Aspekte der jeweiligen Bauaufgabe. Präsentationskonzepte und die Disposition von Exponaten und Ausstellungselementen in den Räumen werden in Hinblick auf ihre Interaktion mit der gebauten Substanz, die ja gerade im Fall der Corporate Architecture eine Botschaft vermitteln soll, kurz geschildert. Grundrisse, Schnitte und Isometrien ermöglichen die virtuelle Orientierung. Exzellente Fotos vermitteln einen Eindruck der für die hochwertigen Gestaltungslösungen zum Einsatz gekommenen Materialien sowie der Wirkung des Raumes. Dimensionen und Kosten können anhand der Projektdaten verglichen werden. Leider machen Detaillösungen der eigentlichen Objektpräsentation beim Design der Vitrinen halt. Für das verführerische Zurschaustellen von frischem Gemüse mag dies keine Rolle spielen. Im kulturellen Sektor hingegen steht oder fällt der Erfolg einer Inszenierung historischer Artefakte mit dem “wie” der Befüllung der Vitrine bzw. Bestückung der sonstigen Präsentationssysteme nach den, vom Gestalter umzusetzenden, Vorgaben des kuratorischen Ausstellungskonzepts und der Storyline, die sich im Buch auf kurze Gastauftritte beschränken. Der im Rahmen der Projektbeispiele, unter denen sich nur wenige kulturhistorische Ausstellungen befinden, eng gesetzte Focus ist sichtlich auf ein aus Architekten und Designern, die das große Ganze im Auge haben, bestehendes Zielpublikum zugeschnitten.

Dennoch sei das Buch “Ausstellen und Präsentieren” auch Gestaltern, deren Wurzeln in anderen Disziplinen liegen, sowie wissenschaftlichen und künstlerischen Kuratoren ans Herz gelegt. Außer der heterogenen Sammlung von Fallbeispielen bietet der Sammelband auch Aufsätze zu einer Vielzahl von Themen, die für das komplexe Aufgabengebiet der Kommunikation mittels Raumerfahrung relevant sind. Der Primat des Kommerzes ist auch hier nicht zu übersehen.

Der dem musealen Umfeld gewidmete Themenblock am Beginn des Buches wird von Christian Schittichs Essay zu aktuellen Museumskonzepten eingeleitet. Ihm folgen zwei an Gedankennahrung reiche Artikel, die zur Pflichtlektüre für Kulturwissenschaftler und Ausstellungsgestalter werden sollten.

Ruedi Baur setzt sich in “Ausstellen - Vom Löffel bis zum Staat” kritisch mit der Bandbreite unterschiedlicher Ausstellungsarten sowie der Vielzahl an Möglichkeiten der Verknüpfung von narrativem Inhalt und szenografischer Umsetzung auseinander. Über den Prozess des Gestaltens von Ausstellungen und die Realisierung körperlich erfahrbarer Raumerlebnisse in unterschiedlichen musealen Präsentationsmodi erzählen in “Zeigen und zeigen lassen” HG Merz und Patrick Wais.

Die Themenblöcke Markeninszenierung und Messedesign gehen Hand in Hand. Alles dreht sich um die, bei der Platzierung eines Unternehmens im Wettlauf um die Aufmerksamkeit der Konsumenten und der Bindung derselben durch die Verheißungen der Marke eingesetzte, Corporate Architecture. Ihre entscheidende Rolle streichen sowohl Jons Messedat in “Gebaute Identität. Architektur - Design - Kommunikation” als auch Susanne Schmidhuber in “Temporäre Architektur für Marken nachhaltig gestalten” heraus. Teilaspekten des Weges zum Ziel, den Kunden kostengünstig und nachhaltig zu umgarnen, widmen sich Thomas Schielke in “Präsentieren im richtigen Licht” und Günther Röckl in “Messebausystem oder Sonderanfertigung”.

Der in der Reihe “im DETAIL” erschienene Band “Ausstellen und Präsentieren” macht mit dem Nebeneinander von Projekten aus Kommerz und Kultur Unterschiede und Gemeinsamkeiten sichtbar. Manches mutet austauschbar an. Jede Zeit hat nicht nur ihre Kunst, sondern auch ihre Architektur. Ich fürchte, die Liebe zu Sichtbeton und Kubus wird uns noch eine Weile begleiten.

Bücher wie “Ausstellen und Präsentieren” schärfen den Blick und regen dazu an, jene Gebäude und Ausstellungen, die über Permanenz verfügen, zu besuchen. Schließlich geht nichts über die räumliche Erfahrung vor Ort und die Qualität des Besuchererlebnisses - sehr zur Freude der Betreiber der diversen Einrichtungen, vom Museum bis zum Flagship-Store.

© Ch. Ranseder

Im Detail: Ausstellen und Präsentieren: Museumskonzepte, Markeninszenierung, Messedesign

Ebensolch | AmazonStore