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Heilpflanzen der Antike

Mittwoch, 22. Oktober 2014
eb_000_011.gifEbensolch Rez-E-zine 78/14

Christian Rätsch

Heilpflanzen der Antike
Mythologie, Heilkunst und Anwendung
AT Verlag, Aarau und München 2014, 352 S., zahlr. Farbfotos und Abb.
ISBN 978 3 0380 0800 2

Heilpflanzen der Antike Heilpflanzen der Antike

Mehr als ein neues Cover

Der Ethnologe Rätsch ist Spezialist für psychoaktive Substanzen in Zusammenhang mit schamanischer Kultur; zwei Schwerpunkte, die in diesem Band einfließen. Bereits 1995 erschien das Werk unter dem Titel “Heilkräuter der Antike in Ägypten, Griechenland und Rom”. Jetzt legt der Autor mit diesem Buch eine grundlegend erweiterte und farbig bebilderte Ausgabe vor. Ein benutzerfreundliches Nachschlagewerk für botanisch und historisch Interessierte sowie solche, die gerne über den Tellerrand des Vertrauten hinausschauen. Ein Buch, bei dem es sich tatsächlich lohnt, auch das Vorwort zur ersten Ausgabe und zur Neuauflage zu lesen.

Mehr als Botanik von A-Z

In den zwei ersten Kapiteln - “Einleitung” und “Die Pharmaka” - werden den LeserInnen historische und schamanische Grundlagen vermittelt. Der Brückenschlag in die Gegenwart sowie die Verflechtung zwischen Heilung und Kult lässt die Zusammenhänge deutlicher werden. Die Darstellung der Pharmaka erfolgt säuberlich gereiht in “Heilmittel und Gift”, “Antidote: Gegengifte”, “Aphrodisiaka und Liebesmittel”, “Entheogene”, “Philtren: Zaubertränke”, “Panakeia: Panazeen und mythische Zauberpflanzen”, “Alchemistische Elixiere”, “Die Säftelehre” und zuletzt noch die “Zubereitungsformen”.

Der botanische Teil mit fast 70 Einträgen ist alphabetisch gelistet. Darunter befinden sich auch zusammenfassende Betrachtungen zu Räucherwerk sowie Pilzen im Allgemeinen und Mutterkorn im Besonderen. Zahlreiche Fotos und Zeichnungen begleiten die wohlgegliederten Steckbriefe, die antike Textpassagen, Hinweise zur Pharmakologie, Anwendungen und weiterführende Literatur bieten. Trotz der durchwegs guten Bebilderung, wären einheitliche, schematische sowie durchgehende Darstellungen der Pflanzen hilfreich gewesen.

Der Anhang bietet eine umfassende Bibliografie, eine Liste der botanischen Namen, ein Glossar, einen Index sowie einen Bildnachweis.

Fazit

Der Bogen spannt sich von historischen Fakten über ethnologische Querbezüge bis in die Gegenwart. Das Werk steht an der interdisziplinären Schnittstelle zwischen Natur-, Geistes- sowie Kulturwissenschaft. Zugleich richtet es sich an ein interessiertes Publikum außerhalb der Fachkreise.

© S. Strohschneider-Laue

Heilpflanzen der Antike Heilpflanzen der Antike

Siehe auch

essbar: Wildpflanzen, Pilze, Muscheln für die Naturküche
Die Wildfrüchteküche
Faszinierende Wildpflanzen: Ein Herbarium in Fotos

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Archäologie im Waldviertel

Mittwoch, 08. Oktober 2014
eb_000_011.gifEbensolch Rez-E-zine 77/14

Franz Pieler (Hg.)
Geschichte aus dem Boden
Archäologie im Waldviertel
Schriftenreihe des Waldviertler Heimatbundes 54
Waldviertler Heimatbund, Waidhofen a. d. Thaya 2013, 391 S., zahlr. Farbfotos und Abb.
ISBN 978 3 9007 0828 3

Geschichte aus dem Boden Archäologie im Waldviertel

Archäologie von der Steinzeit bis zur Gegenwart

Der Herausgeber der „Geschichte aus dem Boden. Archäologie im Waldviertel”, der Archäologe Franz Pieler, stellt die nordwestliche Region Niederösterreichs gemeinsam mit zwölf FachkollegInnen von der Altsteinzeit bis zur Frühen Neuzeit vor. Nach dem letzten zusammenfassenden Überblick vor rund 80 Jahren war diese Publikation längst überfällig.

Das Waldviertel, der nordwestliche Teil Niederösterreichs, ist eine von naturräumlichen Gegebenheiten (Donau, Manhartsberg) definierte, durch politischen Grenzen (Tschechien, Oberösterreich) abgesteckte Region. Für den vorliegenden Band „Geschichte aus dem Boden. Archäologie im Waldviertel” wurde über dies künstlichen Grenzen hinausgeblickt. Gut so, denn es waren zunächst naturräumliche Bedingungen, die die Besiedlungsgeschichte des Waldviertels bestimmten, während kulturgeschichtliche und politische Entwicklungen den Bestand in Folge wechselhaft nutzen, ausbauten, verwarfen, formten und sich dabei nicht auf das Waldviertel beschränkten.

Natur, Kultur und viel mehr

Schön das jetzt nicht eine chronologische Abhandlung folgt, sondern eine Gesamtbetrachtung der Wissenschaft und der Region. Das Kapitel „Arbeitsmethoden” (F. Pieler) bietet jenen LeserInnen, die nicht mit der „Spatenwissenschaft” vertraut sind, Basiswissen zu Feldforschung, Datierungsmethoden und Nachbardisziplinen.

In „Forschungsgeschichte und Museumslandschaft” (Sandra Sam und Johannes M. Tuzar, F. Pieler) wird die Entwicklung der archäologischen Forschung von den Anfängen im 19. Jh. bis zu den aktuellen Präsentationen aufgezeigt. Ein wichtiges Kapitel, da es nicht nur um archäologisches, sondern auch zeitgeschichtliches Erbe handelt, das es aufzuarbeiten gilt. Die Steckbriefe von vierzehn Museen und Sehenswürdigkeiten laden zu Ausflügen ein.

In chronologischer Reihenfolge beginnt die Rundreise durch das Waldviertel mit dem Kapitel  „Altsteinzeit” (Thomas Einwögerer). Nach einer Einführung zu „Klima und Umwelt” werden das Mittelpaläolithikum und das Jungpaläolithikum anhand von den Fundstellen aus dem Waldviertel vorgestellt. Ein Exkurs zur unsteten Lebensweise während der Altsteinzeit rundet das Bild, das aus spärlichen und dennoch beeindruckenden Funden und Befunden rekonstruierbar ist, ab.

Die spärliche Funde aus der „Mittelsteinzeit” (F. Pieler), der klimatischen Umbruchsphase, belegen den Wechsel in der Lebensweise. Der Exkurs „Steinwerkzeuge Mesolithikum” stellt die meist winzigen Steingeräte vor, die Belege für veränderte Jagdbeute und -technik sind.

Mit der Sesshaftigkeit beginnt die Zeit der ersten Ackerbauern und Viehzüchter, die eine neue Epoche eingeläutet. Der Zusammenfassung zur „Neolithisierung” und „Ausbreitung” (Daniela Kern und F. Pieler) folgt ein Exkurs „Neolthic Package”, der Häuser und Siedlungen, Ackerbau und Viehzucht sowie Keramik für Bevorratung und Kochen berücksichtigt. Die Zeitabschnitte, Kulturen, Gruppen, die für Früh-, Mittel- und Spätneolithikum typisch sind, werden mit ihren kulturellen Besonderheiten vorgestellt. Zwei weitere Exkurse sind Häusern und Kreisgrabenanlagen gewidmet.

Die Bronzezeit (D. Kern, Michaela Lochner, F. Pieler), die erste metallzeitliche Epoche mit ihren zahlreichen Kulturen und Stufen, steht im Mittelpunkt des nächsten Kapitels. Die gesellschaftlichen Veränderungen, werden in den materiellen Hinterlassenschaften, die aus Siedlungen, Gräbern und Depots stammen, fassbar. Befestigte Höhensiedlungen sind Ausdruck von Schutzbedürfnis und zugleich aufkeimende Machtzentren (Händler, Krieger). Der Exkurs „Bronzeguss in Siedlungen der Urnenfelderkultur” verweist auf die Spezialisierung bei bestimmten Tätigkeiten (Handwerker).

Die letzte urgeschichtliche Epoche „Eisenzeit” (Anna und Fritz Preinfalk), die schon an den Rand der Schriftgeschichte rückt, zeigt mit befestigten Siedlungen und Gräberfeldern, dass die Besiedlung des Waldviertels fortgeführt wird. Während der Hallstattkultur und Latène Kultur bestanden internationale Kontakte, deren Spuren im Waldviertel - auch durch erste Münzprägungen -, nachgewiesen werden können.

Die Spuren der „Römischen Kaiserzeit” und der „Völkerwanderung” (David Ruß) sind im Waldviertel durch archäologische Funde und in Schriftquellen fassbar. Politische Entscheidungen, militärische Maßnahmen und bürokratische Mittel, die ausgehend von Rom südlich der Donau bindend wurden, beeinflussten das germanische Leben nördlich des Limes. Der Exkurs „König? - Das Grab von Mušov” gibt Beispiel, wie weitreichend die politischen und kulturellen Verflechtungen waren.

Das Kapitel „Frühmittelalter” (Wolfgang Breibert, Martin Obenaus und Erik Szameit ) befasst sich übersichtlich mit „Frühe Slawen”, „Waldviertel zwischen Slawen, Franken und Awaren”, „Erneut zwischen den Fronten: das turbulente 9. Jahrhundert” und zuletzt „Neue Nachbarn im Osten - Die Ungarn und der Übergang zum Hochmittelalter”. Der Exkurs „frühmittelalterliche Hügelgräber in Niederösterreich” bietet eine Fundstellenliste mit zugehöriger Literatur. Ein weiterer Exkurs stellt „die geopolitische Lage des Zentralortes Thunau” in den Mittelpunkt.

„Hochmittelalter und Frühe Neuzeit” (Thomas Kühtreiber) beschließt den Band. Dörfer, Städte, Burgen, Kirchen und Klöster prägten im zunehmenden Maße das Siedlungsbild. Im Fokus der archäologischen Forschungen, die das 16. und 17. Jh. betreffen, stehen zurzeit Glashütten. Der Exkurs „Besiedlung des Waldviertels ab dem Hochmittelalter” blickt über den archäologischen Tellerrand bis in die Gegenwart.

Mit einem Ausblick (F. Pieler) auf die Aufgaben der Archäologie und offene Forschungsfelder beschäftigt sich  im Nachwort des Sammelbandes zur „Geschichte aus dem Boden” des Waldviertels. Wobei m. E. ist der letzte mit archäologischen Methoden nachweisbare Eingriff in den Boden ebenso wenig absehbar ist wie die letzte Schicht, die auf dem Boden aufgelagert werden wird. An den unvergänglichen Spuren in unseren Müllhalden werden wir und unsere Nachfolger jedenfalls noch lange zu graben haben. Archäologische Forschungsaufgaben quer durch alle Epochen sowie durch alle Gebiete des Waldviertels bieten sich jedenfalls genug.

Besser geht’s nicht!

Der Band wird interessierte Laien begeistern und aufgrund seines Forschungsstandes das Fachpublikum zufriedenstellen. Die Abstriche, die das Fachpublikums hinsichtlich minutiöser Fundvorlagen und Auswertungen machen muss, kommt den Wünschen der Archäologiefan nach weniger detailorientierten aber nach leicht fassbaren Informationen entgegen. Diese Schere der verschiedenen Ansprüche passabel zu schließen, scheint mir mit diesem Band erstaunlich gut gelungen zu sein. Dazu trägt bei, dass, mit Ausnahme von inhaltlich punktuellen Fachpublikationen, kein vergleichbares Überblickswerk vorgelegt wurde und von den AutorInnen auch dezidiert auf Forschungslücken, z. B. in der noch ausstehenden systematischen Prospektion in Gebieten mit Besiedlungslücken, hingewiesen wird.

Der Band präsentiert sich übersichtlich gegliedert, ansprechend gestaltetet und ist mit einer Flut ausgezeichneter Fotos, Tabellen, Karten und Illustrationen ausgestattet. Auf den letzten Seiten erfreut sich das Laienpublikum am benutzerfreundlichen Abkürzungsverzeichnis und Glossar zur Archäologie sowie dem Ortsregister. Das Fachpublikum sucht hingegen eine aktuelle Literaturliste zum Waldviertel leider vergeblich und muss mit den Fußnoten auskommen.
Zwei Wermutstropfen, die der allgemeinen Tendenz an den falschen Stellen bei Publikationen zu sparen entsprechen: Diese engagierte Publikation, die sich durch einen hoch qualifizierten Inhalt auszeichnet, hätte aufmerksames Korrektorat nötig gehabt. Darüber hinaus hätten die zwischen den Serviceseiten trennend eingestreuten Werbeplatzierungen (Publikationen aus der - durchaus interessanten - Schriftenreihe des Waldviertler Heimatbundes) weniger störend auf den letzten Seiten platziert werden können.

Fazit

Und wieder merkt man erst das lange Fehlen einer Publikation, wenn sie endlich erschienen ist. Da staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich (E. Kästner) wie gut es gelingen kann, die klaffende Schere zwischen verschiedenen Ansprüchen zu schließen.

© S. Strohschneider-Laue

Geschichte aus dem Boden Archäologie im Waldviertel

siehe auch

Knochen lesen. Tierknochen als Zeugen der Vergangenheit - Rezension
Licht & Wärme: Beleuchtung und Heizung im Wandel der Zeit - Rezension
Michaelerplatz: Die archäologischen Ausgrabungen
Wasser in Wien. Von den Römern bis zur Neuzeit
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Archäologie: DressCode im Römischen Weltreich

Freitag, 26. Juli 2013
Non-FictionEbensolch Rez-E-zine 75/13

Michael Tellenbach, Regine Schulz, Alfried Wieczorek (Hg.)
Die Macht der Toga
DressCode im Römischen Weltreich
Reiss-Engelhorn-Museen Bd. 56 
Schnell + Steiner
, Regensburg 2013, 317 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 7954 2590 6

Die Macht der Toga Die Macht der Toga - DressCode im Römischen Weltreich

Bekleidung: Schlüssel der Gesellschaft

Auch in der Antike galt: Geld ist Macht und Bekleidung ist der sichtbare Beweis. Bekleidung ist ein sozialer Spiegel und veranschaulicht u. a. Beruf, Rang, ethnische Zugehörigkeit. Sie ist die auswechselbare und dennoch identitätsstiftende Außenhaut. Der Schritt von Staatstracht zu Bekleidungsgesetzen ist klein und schnell getan. Überall, wo sozialer Stand und politischer Rang durch Kleidung zum Ausdruck gebracht werden, wird dafür gesorgt, dass sich diese nicht angemaßt werden.

Wer, was und wie zu tragen hat, wurde vorgeschrieben. Und wer glaubt, dass sich dies heute geändert hat, irrt. Es muss ja nicht gleich eine Amtstracht oder Uniform sein, die in der Öffentlichkeit unrechtmäßig getragen, Ärger verspricht. Nein, es reicht - oft ungeschriebenen - Bekleidungsgesetzen ungenügend zu befolgen oder gar gegen diese zu verstoßen, um den Zutritt zum Nobelklub (Designerware), zum Ball (langes Ballkleid, Smoking/Frack/Uniform), zu religiösen Orten (mit/ohne Kopfbedeckung, mit/ohne Schuhe, bedeckte Schultern/Beine), ins Museum (ohne Tasche) oder gar zum Strand (mit/ohne Badegewand) verwehrt zu bekommen.

Der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim (20. April bis 8. September ‘13) geht den antiken Bekleidungsfragen nach. Nahezu 50 Autoren haben an dem Band mitgewirkt. Ihre Beiträge rund um Textilarchäologie, Bekleidung in Rom und in seinen Provinzen sowie in den angrenzenden Gebieten - von Skandinavien bis Ägypten - des römischen Weltreichs sind am Puls der Forschung. Das Projekt DressID: Clothing and Identities - New Perspectives on textiles in the Roman Empire liegt der Ausstellung zugrunde. Hier werden Teile der Forschungsergebnisse von über 90 Wissenschaftern an 35 Institutionen der breiten Öffentlichkeit wunderbar aufbereitet präsentiert.

Römisch, hellenistisch, ägyptisch und der Rest der Welt

Die römische Staatstracht - toga, tunica, calcei - war sündteuer und nicht für Otto Normalverbraucher, sondern bestimmten Personenkreisen und Amtsträgern vorbehalten. Der Spielraum zwischen der Billigvariante und der Luxusausführung war dennoch gegeben. Ein perfekter Sitz der gebleichten und gestärkten Toga war nicht alleine, sondern mithilfe von mindestens vier Ankleider zu bewerkstelligen. Somit war wohl auch Senator eben nicht gleich Senator, wie man unschwer an Qualität und Tragweise erkennen konnte. War der Mann auch an Vorschriften gebunden, konnte er wenigstens über die Ausstattung seiner Frau protzen. Anders im Militär, da boten Paradeuniformen für die Offiziere durchaus eine gute Möglichkeit sich aufzuputzen, während der Legionär an die Grundausstattung gebunden war.

Die Bekleidung im Herzen des Römischen Reichs und jener im antiken Griechenland sind nur ein Teil der enormen Vielfalt - unabhängig vom modischen Wandel durch die Zeit -, die zur Verfügung stand. Textile Luxusgüter wurden importiert, während die römischen Sitten wiederum Einfluss auf die sie umgebenden Kulturen ausübten. Im Grunde ist das das “Jeansprinzip”, denn nicht jeder Jeansträger ist ein Amerikaner oder Goldgräber.

Kleidung: Luxus, Privileg, Besitz

Kleidung war Luxus. Nicht jeder konnte/durfte sich zum Notwendigsten auch Materialien aus Seide, Kamelhaar, aufwendige Webmuster und speziell eingefärbte Stoffe leisten. Besondere Produkte waren es tatsächlich “wert”, sie gesetzlich zu regeln, sie zu vererben, zu pfänden und bis zum letzten verschlissenen Teilchen immer wieder zu flicken und so lange anderweitig zu verwenden, bis sie nur noch als ein winziges Putzfetzchen auf den Müll landeten. Kleidung in der antiken Welt war wie besonders hochpreisige Luxusware: wertbeständig bzw. eine halbe Ewigkeit weiterverwertbar. Kein Wunder, dass sich entsprechende Kreise die Privilegien sicherten. Mit bestimmten Rohmaterialien - wie z. B. Seide, Purpur, Goldgewebe - war viel Geld zu machen. Beschränkte Zugänge hielten zugleich den Markt stabil und sorgten dafür, dass soziale Unterschiede deutlich sichtbar blieben. Eine einträgliche Praxis, die das römische Reich lange Zeit überlebte. Ebenfalls kein Wunder, dass Textilgeschenke, als Gewebe und Kleidung noch edel, haltbar und keine qualitätslose Fließbandware waren, sehr beliebt waren.

Interdisziplinäre Forschung

Zwischen Hausware und professioneller Erzeugung, Alltagsware und Luxusgut zu unterscheiden, wird Wissenschaftlern nicht leicht gemacht. Genauso schwierig ist es, Herkunft der Rohmaterialien, die Verarbeitung und die damit verbundenen Techniken, Netzwerke, Transportwege zu erschließen. Einige der zentrale Fragen von Textilforschern sind: Wer trug was, wann, wie, warum, was “kostete” es. Daraus ergeben sich weitere Fragen, die nicht nur soziale Aspekte (Mann, Frau, Kind, Alte und Junge, Arme und Reiche) betreffen, sondern auch solche zur Wirtschaftsgeschichte, politische und religiöse Strukturen.

Die Quellen sind nicht so zahlreich, wie sie scheinen, dafür aber umso vielfältiger und bruchstückhafter. Zu den raren Textilfunden, die nicht nur aus Gräbern stammen - u. a. auch aus dem Salzbergwerk von Hallstatt - gesellen sich schriftliche Überlieferungen, Bilder, Skulpturen, die mit allen zur Verfügung stehenden Methoden untersucht und ausgewertet werden.
Wer sich über die Erzeugung und Verwertung von Textilien detailliert informieren möchte, sei zum vorliegenden Katalog auch das Standardwerk Prähistorische Textilkunst in Mitteleuropa (Rezension) empfohlen, dass im Zuge des gleichen Projektes entstand.

Fazit

Was noch gesagt werden muss: Der hochwertige Band besticht durch seinen systematischen Aufbau, der durch das attraktive Layout und eine Fülle hervorragender - auch publikumsgerechter - Abbildungen unterstützt wird. Der benutzerfreundliche Anhang bietet Glossar der Fachbegriffe aus Kleidungs- und  Textilwissenschaft sowie eine umfangreiche Publikationsliste. Der moderate Preis ist das Zuckerl, das diesen wissenschaftlichen Leckerbissen zusätzlich versüßt.

Ein Freude bereitendes Pflichtbuch für alle, die die Ausstellung besucht haben und ganz besonders für jene, die sie nicht besuchen konnten. Archäologen, Textilkundler sowie an der Antike Interessierte werden den Band sowieso haben wollen.

© S. Strohschneider-Laue

Die Macht der Toga Die Macht der Toga - DressCode im Römischen Weltreich

Siehe auch

Prähistorische Textilkunst - Rezension

Kleidung und Mode im Mittelalter - Rezension

Schuhtick. - Rezension

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