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Szenografie - Narrative Räume

Montag, 14. Februar 2011

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Atelier Brückner (Hg.)
Szenography / Szenografie
Making spaces talk / Narrative Räume
Projects / Projekte 2002-2010 Atelier Brückner
avedition 2010, Dt./En.,368 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8998 6136 5

Scenography. Atelier Brückner 2002-2010: Make spaces talk

“Szenografie” ist ein Buch mit vielen Eigenschaften. Auf der inhaltlichen Ebene vereint es die Merkmale eines Handbuches mit den Charakteristika einer Jubiläumsschrift. Seine Texte verbinden die Vermittlung von Grundlagen einer noch jungen Disziplin mit der Vorstellung von Philosophie und Projekten eines der führenden Unternehmen der Branche - des Atelier Brückner.

Seit 1997, dem Jahr seiner Gründung durch den Architekten und Bühnenbildner Uwe R. Brückner und der Architektin Shirin Frangoul-Brückner, hat sich das Atelier Brückner mit Szenografien von herausragender Qualität und Einfallskraft international einen Namen gemacht. Die aus der intensiven Auseinandersetzung mit dem Inhalt entstandenen erzählerischen Raumbilder des mittlerweile auf über 70 Mitarbeiter angewachsenen Ateliers hinterlassen einen bleibenden Eindruck - sowohl als physisches Raumerlebnis als auch in der Form einer fotografischen Dokumentation. Davon können sich LeserInnen in jenem Teil des Buches “Szenografie” überzeugen, welcher der Präsentation von 43 ausgewählten Projekten der letzten 10 Jahre gewidmet ist. Das Spektrum der einfallsreichen Raumkonzeptionen reicht von Dauer- und Sonderausstellungen über Expo-Pavillons bis zu raumfüllenden Messeständen. Fotos älterer, ebenso wegbereitender Projekte sind Bestandteil der opulenten Bebilderung des theoretischen Teils des Buches, der sich den Arbeitsweisen widmet.

Die zunehmende Komplexität der von Szenografen zu lösenden Aufgaben und die Vielfalt der Instrumente, die heute für die Schaffung unvergesslicher Inszenierungen zur Verfügung stehen, erfordern interdisziplinäres Arbeiten sowie eine hohe Kommunikationsfähigkeit. Die Bedeutung des ganzheitlichen Diskurses, des Reflektierens und Hinterfragens konzeptioneller Möglichkeiten zieht sich - ebenso wie die Notwendigkeit des Strukturierens und Lenkens des Designprozesses - wie ein roter Faden durch das Buch. Dieses ist, wie jede Ausstellung, eine Gemeinschaftsarbeit. Als Auftakt des stattlichen Bandes in deutscher und englischer Sprache stellt Frank den Oudsten das Atelier Brückner und dessen von Uwe R. Brückner geprägten Leitsatz “form follows content” vor. Michaela Ganter und Claudia Luxbacher verfassten die Projektbeschreibungen. Die Texte von Prolog, den vier Kapiteln und Epilog stammen aus der Feder von Christian Barthelmes. Geschickt verflicht er die fundierte Darstellung theoretischer und praktischer Grundlagen mit der Schilderung von Arbeitsweisen und Designphilosophie des Atelier Brückner.

Im “Prolog” spannt sich der thematische Bogen von der Erklärung des Begriffs Szenografie und der Genese dieser Disziplin über die Ursprünge des Ausstellens sowie der Entwicklung von den Wunderkammern zu den ersten wissenschaftlichen Sammlungen bis zum heutigen Ausstellungswesen.

Das Kapitel “Inhalt” verfolgt, wie aus der Interpretation eines Themas die Inszenierung von Exponaten und des sie umfangenden Raumes erwächst, sodass eine dreidimensional erfahrbare, emotional berührende Erzählung entsteht, die zugleich Ideen und Fakten vermittelt.

Das Kapitel “Methode” stellt die Arbeitsweise des Ateliers, die auf der von Uwe R. Brückner entwickelten “creativ(e) structur(e)” basiert, vor und begleitet in Zuge dessen den Designprozess Schritt für Schritt.

Das Kapitel “Instrumente” zeigt, womit Szenografen ihre Visionen verwirklichen: Raum, Licht, digitale Medien, Klang und Grafik.

Das Kapitel “Umsetzung” entführt in die Welt der Pläne, Modelle, Testaufbauten und Probeläufe, die notwendig sind, um Gestaltungsideen zu kommunizieren und Entwürfe auf ihre Wirkung und Benutzerfreundlichkeit zu testen.

Der “Epilog” wirft schließlich einen Blick auf Selbstverständnis, status quo und zukünftige Aufgaben der Szenografie.

“Szenografie” ist ein mit großer Sorgfalt gestaltetes Buch. Optisch und inhaltlich setzt es mit dem großzügigen Einsatz von Bildmaterial aller Art - von der Skizze bis zum perfekt ausgeleuchteten Ausstellungsraum - neue Maßstäbe für Handbücher. Als Navigationshilfe zwischen den beiden thematischen Blöcken - die in ihrer Abfolge abwechselnden “Arbeitsweisen” und “Projekte” - finden zwei unterschiedliche Papierqualitäten Verwendung. Eine zusätzliche haptische Dimension wird auch der Oberfläche des Buchkörpers durch Prägedruck am Cover verliehen.

Die Lektüre des Buches “Szenografie” ist ein lehrreiches und inspirierendes Vergnügen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es als Handbuch, Erinnerungshilfe für Gesehenes oder für einen Blick hinter die Kulissen eines Designstudios aus dem Bücherregal genommen wird.

© Ch. Ranseder

Scenography. Atelier Brückner 2002-2010: Make spaces talk

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Coop Himme(l)bau

Sonntag, 05. Dezember 2010

Non-Fiction

Peter Gössel (Hg.)
Michael Mönninger  

Coop Himmelb(l)au
Taschen 2010, Dt./En./Fr., 500 S., zahlr. Sw.- und Farbfotos und Grafiken.
ISBN 978 3 8365 1788 1

Coop Himmelb(l)au

Am 1. Dezember 2010 war es soweit. In der Buchhandlung Walther König im Wiener Museumsquartier wurde der Prachtband des weltweit renommiertesten Architekturbüros aus Wien präsentiert. Wolf D. Prix, Mitbegründer von Coop Himmelb(l)au sprach vor großem Publikum über die Entwicklung ab 1968. Er bot Einblicke und zeigte Fotos. dabei geizte er nicht mit tieferen Einblicken in das Werden von Coop Himmelb(l)au und den von ihrer im Aufbruch befindlichen Zeit geprägten Zielen der Gründer. Ziele, die sich auch in der Namensgebung widerspiegelen. Das von jungen Leuten dominierte Publikum bewies, dass die avantgardistischen Konzepte und der dekonstruktivistische Ansatz des Architekturbüros nach wie vor begeistern. Coop Himmelb(l)au ist seiner Zeit weiterhin voraus. 

Die Architektur von Coop Himmelb(l)au passt in kein Taschenbuch, sondern ausschließlich in ein Buchmonster von Taschen. Bei bucharchitektonischen Maßen von 40 cm x 31,5 cm x 5 cm - ohne Verpackung - ist es gut, dass der mindestens 7 kg schwere Band im eigenen tragbaren Karton geliefert wird. Passend gigantisch wie die Architektur von Coop Himmelb(l)au werden darin - inklusive Zukunftsausblicke - fast 45 Jahre prägende Architektur vorgelegt. Von dunklem Blau am oberen Rand, bis zu Grün am unteren verlaufen die Farben des Covers. Zu sehen ist der sich aufdrehende gläserne Doppelkegel, aus dem die Dachwolke der BMW Welt in München entspringt. Die 2001 getroffene Entscheidung des Vorstandes der BMW AG den Entwurf von Coop Himmelb(l)au ausführen zu lassen, wurde beispielgebend für kommende Kommunikationsbauten. Von dem Weg, der schließlich zur BMW Welt und viel mehr führte, berichten Herausgeber Peter Gössel und Autor Michael Mönninger in diesem Band.

Aufgeschlagen entpuppt sich der Band trotz der Größe als ein haptisches Erlebnis. Unterschiedliche Papierqualitäten gliedern den Band ebenso wie Layout. Der deutlich strukturierte Inhalt führt ohne große Umwege über die Einleitung zu charakteristischen Stationen im Gesamtwerk von Coop Himmelb(l)au. Diese kompakte Buchstruktur unterstreicht den luftigen, hellen und kommunikationsorientierten Architekturstil. So bedingen sich Inhalt, Design und Funktion “taschentypisch” harmonisch bis ins kleinste Detail.

Die Einleitung steckt den architektonischen Rahmen und die Ziele seit der Gründung ab. Danach ist jeder - egal ob Architekt, Fachstudent oder interessierter Laie - bereits mitten im Geschehen. Und es wird schnell deutlich, dass Architektur, die ihren Ursprung in Aktionskunst, Installationen und luftgefüllten weichen Räumen hat, immer ihrem ursprünglichen interaktiven, kommunikativen Ansatz treu bleiben wird. Auch deshalb ist Ausstellungsarchitektur weiterhin ein interessanter Planungsbereich für Coop Himmelb(l)au. 

Die vorgestellte Projektflut wird begleitet von exzellenten Fotos, Skizzen, Entwürfen und realen und virtuellen Raummodellen.  Die dreisprachig vorliegenden Texte gewähren Einblicke in die zugrunde liegenden Konzepte und Planungen.

Abgeschlossen wird der Band durch einen umfangreichen Anhang. Hier werden alle Projekte, Firmenstruktur, Biografien, Teammitglieder bis 2010, Ausstellungen, Preise und Ehrungen sowie die Bibliografie vorgelegt.

Ausgehend von Österreich führte der Weg von Coop Himmelb(l)au über die Schweiz, England und Deutschland schließlich in die USA. In den USA wurde - nach dem internationalen Durchbruch 1988 - ein weiteres Atelier in Los Angeles eröffnet. Coop Himmelb(l)au ist jedenfalls nicht austauschbar und so wird mehr Unerwartetes folgen.

© S. Strohschneider-Laue

Coop Himmelb(l)au 

siehe auch
Coop Himmelb(l)au. Beyond the Blue: Between the Light
Coop Himmelb(l)au PreBook 1: Musée des Confluences
Coop Himmelb(l)au: Central Los Angeles Area High School # 9 for the Visual and Performing Arts
Dynamic Forces: Coop Himmelb(l)au. BMW Welt München
Corporate Architecture: Entwicklung, Konzepte, Strategien
Coop Himmelb(l)au. Get off of my cloud. Texte 1968 - 1996

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Landschaftsarchitektur visualisieren

Montag, 07. Juni 2010

Elke Mertens
Landschaftsarchitektur visualisieren
Funktionen, Konzepte, Strategien
Birkhäuser 2010, 192 S., zahlr. Farbabb., 1 DVD
ISBN 978 3 7643 8788 4

 Landschaftsarchitektur visualisieren: Funktionen, Konzepte, Strategien

In der Welt des Designs ist es üblich, mit Bildern und Modellen zu kommunizieren. Auch Landschaftsarchitekten vermitteln ihre Ideen und Gestaltungsvorschläge für Freiräume mit Hilfe von Visualisierungen aller Art, deren Anfertigung ein integraler Bestandteil des Arbeitsprozesses ist. Die Wahl der Ausdrucksmittel und -modi richtet sich dabei nach der Planungsaufgabe und der Zielgruppe, mit der es gilt in Dialog zu treten. Im Lauf der Auseinandersetzung mit einem Projekt entstehen zahlreiche bildliche Darstellungen, die nicht für die Augen der Auftraggeber bestimmt sind, sondern nur der bürointernen Kommunikation im Rahmen der Ideenfindung sowie der Optimierung von Entwürfen dienen. Sie sind im allgemeinen von einer größeren Spontanität und Unmittelbarkeit geprägt als die ausgefeilten Reinzeichnungen, welche für die Weitergabe an Externe angefertigt werden.

In dem Buch “Landschaftsarchitektur visualisieren” sind alle Typen der visuellen Kommunikation planerischer Inhalte, die im Rahmen der Freiraumgestaltung zum Einsatz kommen können, vertreten. Das Spektrum reicht vom Scribble bis zum Film, vom nüchternen Bestandsplan bis zur Collage, die emotional ansprechen soll. Obwohl auch flüchtige Handskizzen Aufnahme in den Reigen der Abbildungen gefunden haben, wurde bei der Auswahl des reichhaltigen Bildmaterials der Schwerpunkt auf Darstellungen, die einen hohen Grad der optischen Perfektionierung aufweisen, gelegt.

Das grafisch übersichtlich gestaltete Buch ist in drei farbcodierte Teile gegliedert, denen einführende Worte zu Ideen- und Gestaltfindung sowie einige Beispiele historischer Darstellungsweisen vorangestellt sind.

Teil 1 - Funktionen - befasst sich mit der Darstellung von Fläche, Raum und Zeit. Zweidimensionale Ansichten, also Grundrisse und Schnitte, sind die Grundlage der visuellen Kommunikation in der Landschaftsarchitektur. Auf sie beruhen die zur Analyse eines Areals unabdingbaren Bestandspläne ebenso wie Vorentwurfs- und Entwurfspläne, Struktur- und Flächennutzungspläne, Pflanzpläne sowie Geländequerschnitte mit Terrain- und Vegetationshöhen. Dreidimensionale Darstellungsmodi umfassen Perspektiven, Axonometrien und Modelle. Mit ihrer Hilfe können Raumeindrücke wiedergegeben werden. Ansichten aus der Vogelschau erleichtern sowohl die Vorstellung des Zusammenspiels von Gelände, Entwurfsstruktur und Vegetation, als auch der Eingliederung einer Neuplanung in den bestehendem städtischen oder ländlichen Kontext. Durch die Wahl eines ungefähr der Augenhöhe späterer Nutzer entsprechenden Blickwinkels kann das intendierte Raumerlebnis angedeutet werden. In ihrer Extremform wird die dreidimensionale Darstellung - künstlerisch aufgewertet durch gewagte Perspektiven oder mit positiv besetzten Elementen (wie Schmetterlingen, Vögeln, bunten Blüten etc.) versehen - zum reinen Stimmungsträger. Der Faktor Zeit schließlich spielt vor allem für Beleuchtungskonzepte und die Zusammensetzung der Bepflanzung eine Rolle. Zuweilen ist die Einbeziehung der besonderen Geschichte eines Ortes opportun oder wird vom Auftraggeber explizit gewünscht.

Teil 2 - Konzepte - legt anhand von Fallbeispielen dar, wie Visualisierungen im tatsächlichen Planungsprozess und im Rahmen von Wettbewerben zum Einsatz kommen. Erst die überzeugende Komposition individueller Pläne und Zeichnungen, deren aussagekräftiges Ineinandergreifen in Bildfolgen, ermöglicht die erfolgreiche ganzheitliche Vermittlung einer komplexen Planung.

Teil 3 - Strategien - setzt sich mit der Herausforderung großräumiger Planungen im gesellschafts- und umweltpolitischen Kontext auseinander. Das Wachstum der Städte, die Zersiedlung der Landschaft und der Klimawandel wird in der nicht allzu fernen Zukunft auch die Fähigkeiten der Landschaftsarchitekten auf die Probe stellen.

“Landschaftsarchitektur visualisieren” gibt einen Querschnitt durch die Bandbreite der Kommunikationsmittel und Stile, derer sich Landschaftsarchitekten für die Präsentation vielschichtiger Inhalte bedienen. Unabhängig davon, ob sie lieber mit dem Bleistift oder mit dem Computer zeichnen, ist ihre Bildsprache international. Das belegt die Auswahl der Beispiele aus der Praxis von Büros aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Dänemark, der Schweiz, den Niederlanden, Israel, Kanada, den USA, Kolumbien, Japan, China und Australien. Es ist nicht zu leugnen, dass sich unsere Sehgewohnheiten durch den zur Selbstverständlichkeit gewordenen Einsatz von Computern und die globale Ausweitung der Märkte verändert und vereinheitlicht hat. Die Freiheit als Landschaftsarchitekt eine individuelle Handschrift des grafischen Ausdrucks zu entwickeln, ist dennoch beträchtlich. Schließlich geht es in der Berufspraxis auch um die Entfaltung von Überzeugungskraft. Ansprechende Präsentationsunterlagen mit ästhetischem Mehrwert helfen, Entscheidungsträger und Geldgeber, Wettbewerbsjuroren und befragte künftige Nutzer für sich und ein Projekt zu gewinnen. Durch seinen weit gefassten Überblick der heutigen Darstellungsmöglichkeiten ist das Buch eine hervorragende Inspirationsquelle für die Erarbeitung eines eigenen Stils. Welche technischen Daten (z. B. Bemaßung, Nivellements, Maßstab, Nordpfeil) auf Plänen für ein tiefgreifenderes Verständnis jenseits des visuellen Oberflächenreizes hilfreich sind, wie sich Legenden sinnvoll zusammensetzen oder wie die Positionen von Schnitten auf Grundrissen markiert werden können, sodass der Zusammenhang auch Laien auf den ersten Blick klar wird, erschließt sich durch das Betrachten und den Vergleich des Anschauungsmaterials. Leider sind durch die beträchtliche Größenreduktion der Bilder deren Originalbeschriftungen fallweise so klein geraten, dass der Griff zur Lupe fast unausweichlich ist. Mit der Vorstellung der Darstellungsformen und -techniken nimmt bei der Lektüre von “Landschaftsarchitektur visualisieren” auch der berufliche Alltag von Landschaftsarchitekten schemenhaft Gestalt an.

“Landschaftsarchitektur visualisieren” ist ein fachlich fundiertes Buch, dessen unbeschwerter Text und grosses Spektrum sorgfältig kommentierter visueller Erscheinungsbilder zahlreichen Studienanfängern die Tore zur Erkenntnis öffnen werden.

© Ch. Ranseder

Landschaftsarchitektur visualisieren: Funktionen, Konzepte, Strategien

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Aktuelle Ausstellungskataloge

Barock: Jakob Prandtauer

Donnerstag, 06. Mai 2010

350 Jahre Jakob Prandtauer
Einem barockem Lebensgefühl auf der Spur
Landemuseum Niederösterreich 9. Mai ‘10 bis 26. April ‘11
Stadmuseum St. Pölten 7. Mai bis 31. Oktober ‘10
Diözesanmuseum St. Pölten 8. Mai bis 30. Oktober ‘10
Stift Melk 9. Mai bis 7. November _10

Das 350. Geburtsjahr des genialen Barockarchitekten Jakob Prandtauer ist Anlass seine Persönlichkeit, seinwerk und seine Zeit einer näheren Betrachtung zu unterziehen. Vier Museen in St. Pölten und Melk zeigen zu Leben und Werk des Barockarchitekten inhaltlich gut auf einander abgestimmte Ausstellungen. Ausstellungsbegleitend erscheinen drei Kataloge und im Landesarchiv wird vom 23.-25. September ‘10 ein Symposium stattfinden.

Jakob Prandtauer (1660-1726) war einer der bedeutendsten Barockbaumeister. Der aus Tirol stammende Maurerlehrling wurde vor 1692, das Jahr seiner Heirat mit der gräflichen Kammerzofe Maria Elisabeth Rennberger, in St. Pölten (Klostergasse 15) heimisch. Zunächst als Bildhauer beschäftigt, erhielt er bald die ersten Bauaufträge. Im Laufe seines schaffensreichen Lebens war er Architekt von kleinen und gewaltigen Projekten. Obwohl der Baumeister Jakob Prandtauer und Stift Melk untrennbar sind, sind auch seine Brückenentwürfe, Keller, Pfarrhöfe oder Schlösser bedeutende Zeugnisse barocker Architektur. Als Prandtauer 1726 starb, hatte er die Landschaft zwischen St. Pölten und St. Florian durch seine Bauwerke entscheidend und bis heute geprägt.

Leben im Barock
Das Landesmuseum Niederösterreich präsentiert das Leben im Barock aus der Sicht des Baumeisters Jakob Prandtauers und seiner Gattin Maria Elisabeth. Als Einstimmung auf die weiteren Ausstellungen, die sich schwerpunktmäßig Prandtauers Werk widmen, ist sie ideal geeignet. Die Präsentation widmet sich den kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Faktoren, die Prandtauers Leben maßgeblich bestimmten.

In vielen Bereichen war das Leben um 1700 streng reguliert. Von der Kleiderordnung über das Recht auf Kutschfahrten bis hin zu Gewerbeverordnungen oder zum Bürgerstatus reichten die gesellschaftlichen Bestimmungen. Um angenehm und abgesichert über die Runden zu kommen, bedurfte es nicht nur ein regelmäßiges Einkommen, sondern auch einer bestens organiserten Haushaltsführung. Mit den Einkünften des viel beschäftigen Baumeisters und der hauswirtschaftlichen Fähigkeiten seiner Frau war der fünfköpfigen Familie Prandtauer ein wohlsituiertes, bürgerliches Leben möglich.

Mit einer klaren Leitlinie und erzählerischer Kraft gelingt es der Ausstellungskuratorin Dr. Elisabeth Vavra (Direktorin des Instituts für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit) den Barockalltag im Privatleben und im öffentlichen Raum lebendig werden zu lassen. Die zum Teil stark zurückgenommene Gestaltung der Ausstellung nimmt der frischen Erzählweise und der sprechenden Objektauswahl nicht den Elan.

Der Profanbaumeister
Die weltlichen Aufträge des Baumeisters stehen im Mittelpunkt der Ausstellung des Stadtmuseums. Der erste Stock bietet, Raum für Raum übersichtlich durch die Kuratorin und Barockspezialistin Dr. Huberta Weigl gegliedert, einen Überblick über das Gesamtwerk Prandtauers.

Die von Text und Bildern dominierte Ausstellung bindet, wo es denn möglich ist, Originalobjekte, zeitgenössische Ansichten und Modelle ein. Die übersichtliche Struktur sowie der geschickte Einsatz von optischen Reizen macht die Informationsfülle leicht aufnehmbar. Besucherfreundlich formuliert, ist den Begleittexten zu den Bauwerken u.a. vorangestellt, ob es sich um gesicherte oder des Œuvre des Meisters zugeordnete Objekte handelt.

Die Umsetzung des attraktiven Entwurfs hätte etwas sorgfältiger ausfallen können, doch der exzellent aufbereitet Inhalt wird spielend die Aufmerksamkeit bündeln.

Planen und Bauen im Dienste der Kirche
Im Diözesanmuseum wird der Kirchenbaumeister Prandtauer u. a. in den beeindruckenden Räumen der Bibliotheken und im Gartenpavillon, gewürdigt.  Vor allem seine “Großbaustellen” wie Stift Melk, Herzogenburg oder St. Florian werden den meisten BesucherInnen geläufig sein. Überraschen werden hingegen die zahlreichen kirchlichen Wirtschaftsbauten.

Die Entstehungsgeschichte dieser Bauten, die Wechselwirkung zwischen Architekt und Auftraggebern sowie die Kooperation des Baumeisters mit den Handwerksbetrieben zeigen die enorme Dimension der Großbaustellen auf. BesucherInnen, die selbst einmal ein Gebäude errichten ließen, umgebaut oder renoviert haben, werden entdecken, dass sich seit der Barockzeit nicht alles - egal ob zum Besseren oder Schlechteren - gewandelt hat.

Die Kuratorin Dr. Weigl setzt die im Stadtmuseum die vorgegebene Struktur - angepasst an die Räumlichkeiten - konsequent fort. BesucherInnen werden auch dadurch beide Ausstellungen inhaltlich gut miteinander verbinden können.

Dem Meister auf der Spur
Stift Melk, das beeindruckende und mächtige Hauptwerk Prandtauers, ist unabhängig vom Gedenkjahr immer einen Besuch wert. Das UNESCO-Weltkulturerbe Stift Melk widmet seinem Architekten im sog. Prandtauerkeller einen Werkschau, die als Überblick und Verweis auf die Sonderausstellungen in St. Pölten zu verstehen ist.

Fazit: Unbedingt ansehen, aber auch genug Zeit für die vier Standorte einplanen. Mit dem großen oder kleinen Prandtauerticket lässt sich dies übrigens kostengünstig und zeitunabhängig managen. Zu den Ausstellungen in St. Pölten sind drei, einander ergänzende Kataloge erschienen. Einerseits spiegeln sie den aktuellen Forschungsstand, andererseits sind sie spannende sowie publikumsgerechte Lektüre über das Leben im Barock sowie Jakob Prandtauer. Zugleich lädt das übersichtliche Werkverzeichnis ein, dieses als kompetenten Reiseführer für Entdeckungsfahrten in Nieder- und Oberösterreich zu verwenden.

© S. Strohschneider-Laue

siehe auch:
Jakob Prandtauer: Die Klosterbauten
Der Barockbaumeister Jakob Prandtauer

Aktuelle Ausstellungskataloge
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Barrierefreie Architektur

Donnerstag, 04. März 2010

Non Fiction

Joachim Fischer, Philipp Meuser (Hg.)
Barrierefreie Architektur: Handbuch und Planungshilfe.
Alten- und behindertengerechtes Planen und Bauen im 21. Jahrhundert

DOM 2009, 330 S., ca. 300. Abb.
ISBN 978 3 9386 6646 3

 Barrierefreie Architektur: Handbuch und Planungshilfe

Die überaus spannende Publikation überrascht schon beim ersten Anblick: Strahlendes Magenta weckt die Neugierde, verlockt dazu, das Buch in die Hand zu nehmen, mehr zu erfahren. Piktogramme, deren klare grafische Umsetzung an Brailleschrift erinnert, machen bereits am attraktiv gestalteten Cover klar, dass barrierefreie Architektur mehr ist als Rampen bauen für mobiltätseingeschränkte Personen. Noch vor dem Öffnen des Buches wird so unaufdringlich, aber effizient die Sensibilität des Lesers / der Leserin gegenüber den potentiellen Zielgruppen und NutznießerInnen barrierefreier Lösungen in der Architektur geweckt. Im Kern setzt sich die klare Gliederung fort - jedem der großen Schwerpunkte der Publikation ist eine eigene Kontrastfarbe gewidmet. Noch vor dem Lesen und tatsächlichen Einstieg in die Inhalte wird so eine Orientierung ermöglicht. So werden nicht nur die Forderungen von barrierefreiem Bauen vorbildlich in eine schriftliche Publikation umgesetzt, sondern gleichzeitig gezeigt, dass Barrierefreiheit durchaus attraktiv umgesetzt werden kann.

Vertieft man sich in „Barrierefreie Architektur - Handbuch und Planungshilfe”, herausgegeben von Kommunikationsberater und Autor Joachim Fischer und Architekt Philipp Meuser, erhält man eine hervorragende Zusammenfassung für alten- und behindertengerechtes Planen und Bauen im 21. Jahrhundert.

Die Ausstattung mit Rampen, Türöffnern und Sanitäranlagen für bewegungsbeeinträchtige Menschen wird in Europa zum Teil bereits vorbildlich umgesetzt. Barrierefreiheit heißt jedoch mehr als rollstuhlgerecht. Dies umso mehr, als angesichts der Überalterung unserer Bevölkerung und dem Auftrag zur möglichst uneingeschränkten Zugänglichkeit in Zukunft auch älteren Mitbürgern eine verbesserte Lebensqualität zu ermöglichen sein wird.

Das umfassende Thema wird in vier große Schwerpunkte gegliedert.
In “Essays” werden die LeserInnen durch kurze und prägnante Artikel der vier AutorInnen Philipp Meuser, Lothar Marx, Christine Degenhart und Meinhard Erlacher in die Thematik eingeführt. In komprimierter Form werden anhand von Barrieren im Alltag Lösungsvorschläge aufgezeigt.

“Projekte” stellt über 25 “best practise” Projekte vor - die Palette reicht vom Altenwohn- und Pflegeheim über Museen bis hin zur Fußgängerbrücke, berücksichtigt aber auch Wohnungen und Wohnbereiche sowie Fertighäuser. Im anschließenden Themenschwerpunkt “Planungsgrundlagen für barrierefreie Wohnungen” wird auf unterschiedliche Beeinträchtigungen und die daraus folgenden spezifischen Planungsanforderungen eingegangen. Besonders hilfreich für alle NutzerInnen des Buches sind die praktischen Erläuterungen zu den Planungsanforderungen. Schlusspunkt der Publikation bildet der Architekten- und Bildnachweis.

Das exzellente “Handbuch und Planungshilfe - Barrierefreie Architektur” ist allen, in diesem Bereich Tätigen, uneingeschränkt zu empfehlen!

© Doris Prenn

Barrierefreie Architektur: Handbuch und Planungshilfe. Alten- und behindertengerechtes Planen und Bauen im 21. Jahrhundert

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Interior Design 1 + 2

Mittwoch, 09. Dezember 2009

Non-Fiction

Graeme Brookner, Sally Stone
form + struktur
Interior Design Basics 01

Stiebner 2009,176 Seiten, zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8307 1372 2

 Interior Design Basics 01. Form und Struktur

Graeme Brookner, Sally Stone 
kontext + raum
Interior Design Basics 02

Stiebner 2009, 176 Seiten, zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8307 1373 9

 Interior Design Basics 02. Kontext und Raum

Der moderne Mensch verbringt einen Großteil seiner Zeit vor einem Bildschirm. Computermonitore, Infoscreens und Fernseher begleiten uns durch den Tag. Kein Wunder also, dass die positive Erfahrung des dreidimensionalen Raumes für viele befreiend wirkt. Dabei spielt es keine Rolle, ob die emotionale Reaktion bewusst wahrgenommen wird oder nicht. Concept Stores, gestylte Restaurants oder Museumsneubauten werden nicht nur wegen des gelungenen Marketing-Hypes aufgesucht, sondern weil sie uns - unter anderem - einzigartige Raumerlebnisse ermöglichen. Doch bis das vollendete Werk des (Innen-)Architekten von Auftraggebern und Publikum genossen werden kann, ist es ein weiter Weg.

Die neue Reihe Interior Design Basics macht mit den Grundzügen der Innenarchitektur vertraut. Gleich vorweg sei angemerkt, dass es in den beiden vorliegenden Bänden nicht um die Behübschung von Wohnungen geht. Wie in jeder hoch entwickelten Disziplin gibt es auch in der Innenarchitektur feine Abstufungen der Tätigkeitsfelder. Graeme Brooker und Sally Stone beginnen daher den ersten Band der Serie, form + struktur, mit der Definitionen von Innenarchitektur, Interior Design und Inneneinrichtung. Dabei geht es weniger um die Differenzierung beruflicher Aufgabengebiete als um Kategorien des Umganges mit dreidimensionalen Baukörpern beziehungsweise den von ihnen umschlossenen Raumvolumina.

In “form und struktur” erläutert das Autorenteam Aufgaben und Grundlagen der Innenarchitektur, die sich mit bereits bestehenden Gebäuden und Innenräumen befasst. Schritt für Schritt werden in sechs Kapiteln die für einen gelungenen Entwurf notwendigen Vorarbeiten sowie die wichtigsten Prinzipien der Organisation und Gestaltung von Innenräumen vorgestellt. Dabei steht der Designprozess im Mittelpunkt. Dieser beginnt mit der Analyse von Konstruktion und Geschichte eines Bauwerkes sowie dessen Umgebung und endet mit der Auswahl jener Komponenten, die maßgeblich zur Schaffung einer bestimmten Atmosphäre beitragen. Um das Erscheinungsbild eines Raumes der gestellten Bauaufgabe sowie den Bedürfnissen der Auftraggeber und Benutzer anzupassen, kann aus einer Vielzahl von Möglichkeiten gewählt werden. Kompakt, übersichtlich und von exzellenten Grafiken begleitet, werden die einzelnen Verfahren - Intervention, Insertion, Installation, Verblendung und Einbau - erklärt.

“kontext + raum” greift einen im ersten Band der Reihe nur angerissenen Einzelaspekt heraus und ergründet ihn tiefer. In diesem Buch dreht sich alles um die Wechselwirkung zwischen Innenraum, Gebäude und Umwelt. Große Bedeutung wird dabei den Themen Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein beigemessen. Im Rahmen der Kontextanalyse werden die Eigenschaften und Geschichte des Gebäudes, dessen Lage und Interaktion mit benachbarten Bauwerken ebenso untersucht wie die Eingangssituation, die Bewegung innerhalb der architektonisch vorgegebenen Raumhülle sowie visuelle Verbindungen von Innen nach Außen. All dies wirkt sich letztlich auf die Wahrnehmung des Innenraumes und dessen Gestaltung aus. Auch Umweltfaktoren, also Licht, Temperatur oder Feuchtigkeit, können eine entscheidende Rolle darin spielen, ob ein Raum als angenehm empfunden wird. Sie müssen im Rahmen des Designprozesses berücksichtigt und gegebenenfalls technisch reguliert werden. Nicht zuletzt gewinnen in Zeiten des Klimawandels der sorgsame Umgang mit Ressourcen, Recycling sowie der Einsatz von Fund- und historischen Versatzstücken an Bedeutung.

In beiden Büchern verdeutlichen Fallbeispiele aus der Praxis die Grundsätze der Innenarchitektur. Die geschilderten Prinzipien können mittels prägnanter Texte und reichhaltigem Bildmaterial an tatsächlich realisierten Projekten nachvollzogen werden. Dies fördert das Verständnis der Anwendungsmöglichkeiten, regt die kritische Auseinandersetzung an und schult den Geschmack. Auffallend sind allerdings der hohe Anteil von Gebäuden mit kultureller Nutzung sowie das Fehlen von Projekten, die sich mit der Raumgestaltung von Spitälern, Kindergärten, Altenheimen, Flug- und Bahnhöfen etc. auseinandersetzen. Spiegelt sich hier etwa das nicht selten triste innere Erscheinungsbild eines notwendigen, wenngleich wenig glamourösen Sektors der Nutzbauten?

Der Aufbau und die Gestaltung der neuen Reihe Interior Design Basics folgen einem Konzept, das sich bereits für die Vermittlung von Basiswissen der Grafik und Mode bewährt hat. Als Einführung in die Welt der Innenarchitektur sind sowohl “form und struktur” als auch “kontext + raum” bestens geeignet und daher jedem zu empfehlen, der sich mit dem Gedanken trägt, ein Innenarchitektur- oder Architekturstudium zu beginnen. Fachstudenten, Einsteigern in die Berufspraxis und Menschen, die sich neigungsbedingt mit ihrer gebauten Umwelt auseinandersetzten, werden die beiden Bücher als Nachschlagwerke oder Analysehilfen gute Dienste leisten.

© Ch. Ranseder

Interior Design Basics 01. Form und Struktur

Interior Design Basics 02. Kontext und Raum

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Papierdesign: unfolded

Montag, 21. September 2009

Non-Fiction

Petra Schmidt, Nicola Sattmann
unfolded
Papier in Design, Kunst, Architektur und Industrie
Birkhäuser 2009, 256 S., zahlr. Farbabb. 
ISBN 978 3 0346 0031 6

 Unfolded: Papier in Design, Kunst, Architektur und Industrie

Papier hat in den letzten Jahren die Herzen der Designer, Architekten und Künstler erobert. Zeichner und mit dem klassischen Printbereich befasste Grafiker schätzen seine Qualitäten ja seit langem. Doch als Mittel zur Aneignung des dreidinemsionalen Raumes ist Papier ein relatives Novum. Dank technischer Entwicklungen in der Papierherstellung, die dem Markt sowohl verbesserte als auch mit völlig neuen Eigenschaften ausgestattete Papiere bescherten, und der Imagekorrektur erlebt das bescheidene Material derzeit eine Hochkonjunktur. Es wird fleißig geklebt, gefaltet, gegossen, geschnipselt, gefräst und manchmal sogar geschraubt. Auch in dem Buch “unfolded. Papier in Design, Kunst, Architektur und Industrie” dreht sich alles um das dreidimensionale Gestalten mit Papier.

Der erste Teil des Buches fungiert als Schaufenster für herausragende Projekte, im Rahmen derer Papier auf innovative Weise verwendet wurde. Erste Experimente mit dem vielseitigen Material stammen bereits aus den 60er-Jahren. Bunt bedruckte Wegwerfkleider waren damals in Amerika der letzte Schrei. Von den schlicht geschnittenen Kleidchen zu den ausgetüftelten, gefalteten und gestanzten Kreationen junger zeitgenössischer Designer war es ein weiter Weg. Als wunderbares Experimentierfeld erweisen sich auch Sitzmöbel, wie die zahlreichen Beispiele im Buch belegen. Die Idee Papier für Sessel zu verwenden ist ebenfalls nicht neu: Der aus Wellpappe gefertigte Wiggle Side Chair von Frank Ghery aus dem Jahr 1972 hat bis heute nichts von seiner Attraktivität eingebüßt. Nicht zu unterschätzen ist die Nützlichkeit des Papiers bei der Entwicklung von Prototypen für Möbel und sogar, wie die Entwürfe von Konstantin Grcic zeigen, für Haushaltsgeräte oder Mülleimer.

Selbst in die Architektur hat das Papier Einzug gehalten. Shigeru Ban baute temporäre Gebäude aus Pappröhren und ließ für einen Messepavillon Tragwerksprofile aus Papierresten herstellen. In der Innenraumgestaltung findet Papier, dank seiner hohen Belastbarkeit, bei der Gestaltung von Shops und Messeständen Verwendung. Ein besonders originelles Beispiel für diesen Einsatzbereich ist die Einrichtung eines Büros in der holländischen Stadt Eindhoven.

Zeitgenössische Künstler bedienen sich des Papiers auf neue Art und Weise. Meine Favoriten unter den vorgestellten Projekten, sind die Arbeiten von Peter Callesen. Fingerfertig verwandelt er einfache A4-Blättern in fantasievolle 3D-Welten mit denen er kleine Geschichten erzählt. Überrascht hat mich, dass von der ansonsten repräsentativen Zusammenstellung Künstlerbücher weitgehend ausgeschlossen blieben, obwohl auch sie sich durchaus die dritte Dimension zu eigen machen.

Der zweite Teil von “unfolded” befasst sich mit der Materialkunde. Er ist das Ergebnis der Recherche der Autorinnen nach technischen Papieren für 3D-Anwendungen und birgt manche Überraschung. Beginnend mit der Herstellung entfaltet sich ein beeindruckender Produktreichtum. Die gebotenen Kategorien sind: Modifiziert, Outdoor-Papier, Formteile aus Papierschichten, Chemisch aktiv, Gesintert, Feuerfest und Reinigend, Elektronisch, Textilien, Komposite und Laminate, Tiefgezogen, Wabenstrukturen, Waben-Formteile, CNC-Waben, Formgeschäumt, 3D-Geschöpft, Konstruktionselemente, Origami für die Serie, Computer-Origami und Gelasert.

Fotos, Produktbeschreibungen, Formate, Hersteller, Kontaktadresse und der Vermerk, ob es sich um ein bereits in Serie hergestelltes Papier, ein Unikat oder ein Forschungsprojekt handelt, machen “unfolded” zu einem praktischen Handbuch.

Nicht nur die in “unfolded” vorgestellten Designer durften mit Papier spielen, auch die Gestalter des Buches nutzten die unterschiedlichen haptischen Qualitäten von Papier. Es zahlt sich übrigens aus den Umschlag zu entfalten - aber Vorsicht mit dem Sticker!

© Ch. Ranseder

Unfolded: Papier in Design, Kunst, Architektur und Industrie

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Tag des Denkmals: Kreativität & Innovation

Freitag, 18. September 2009

Notiz

Tag des Denkmals 2009
Kreativität und Innovation
Bundesdenkmalamt
25. September ‘09 - Denkmaltag für Schulen
27. September ‘09 - Denkmaltag für Alle

Seit elf Jahren wird auch in Österreich der Tag des Denkmals durchgeführt - und das sehr erfolgreich. Am 25. September findet ein eigener Termin für Schulen mit speziellem Programm statt. Der 27. September ist für alle Interessierten organisiert worden.

Das diesjährige Programm steht unter dem Motto “Kreativität und Innovation” und verspricht in allen Bundesländern außergewöhnliche Einblicke. Einblicke, die sowohl die Arbeit des Bundesdenkmalamtes, als auch die Arbeit und Attraktionen hinter den Kulissen betreffen. Das Angebot ist so vielfältig wie die Aufgaben der obersten Denkmalschutzbehörde Österreichs. Da für einige Programmpunkte Anmeldungen erforderlich sind, lohnt es sich rechtzeitig die Folder (siehe unten) der Bundesländer durchzusehen und aus über 200 Veranstaltungsorten zu wählen.

Exemplarisch für die Angebote, die von der Urgeschichte bis in die Gegenwart reichen, soll an dieser Stelle u. a. die revitalisierte Brenner-Wohnung genannt werden. Der Architekt entwarf in den 20er Jahren einen bis zu den Möbeln in den Wohnungen durchgestylten Wiener Gemeindebau. Das überraschend moderne, funktionale Design auf 38 m² wird in seinem Nutzfaktor bestätigt, da der Architekt selbst in dieser Wohnung lebte. In Aschach an der Donau (OÖ) kann man seine Erlebnisse in Schloss und Museum zusätzlich beim Ortsrundgang um den barrierefreien Kulturwanderweg bereichern oder in Feldkirch (Vbg.) den Dachboden der Dompfarrkirche Hl. Nikolaus betreten.

Zusätzliche Würze erhält der Tag des Denkmals durch die erste Ausgabe der Publikumszeitschrift “Denkmal heute”, die an diesem Tag gratis in ganz Österreich an die BesucherInnen “Tag des Denkmals” verteilt wird. Zweimal jährlich soll das neue Magazin in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft der Denkmalfreunde herausgegeben werden. Abonnements können ab sofort per Kontaktformular beim Bundesdenkmalamt bestellt werden.

Fazit: Unbedingt hingehen!
Burgenland
Kärnten
Niederösterreich
Oberösterreich
Salzburg
Steiermark
Tirol
Vorarlberg
Wien

© S. Strohschneider-Laue

Aktuelle Ausstellungskataloge
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modellbauhaus

Freitag, 28. August 2009

Non-Fiction

Bauhaus-Archiv Berlin, Stiftung Bauhaus Dessau, Klassik Stiftung Weimar (Hgg.)
modellbauhaus
Hatje Cantz 2009, 376 S., 302 Abb., 236 davon farbig.
ISBN 978 3 7757 2414 2

Modell Bauhaus Modell Bauhaus

Was den Österreichern die Wiener Werkstätte, ist den Deutschen das Bauhaus. Dessen neunzigster Geburtstag ist Anlass für die neuerliche, breitenwirksame Auseinandersetzung mit der Institution, die fast schon zu einem modernen Mythos geworden ist. Und mit nichts lässt sich der Diskurs über die, von Beginn an die Meinungen polarisierende Ausbildungsstätte besser fortsetzen, als mit Ausstellungs- und begleitenden Publikationsprojekten. 2009 darf sich das kunstinteressierte Publikum daher an “modellbauhaus” erfreuen.

Die Deutungsmöglichkeiten der Geschichte und Erzeugnisse des 1919 von Walter Gropius gegründeten Bauhauses sind so facettenreich wie die an ihm lehrenden Persönlichkeiten, darunter Künstler wie Paul Klee, Oskar Schlemmer oder Wassily Kandinsky. Die berühmte Lehranstalt war eine Spielwiese für Individualisten. Das wird auch an den 68, für “modellbauhaus” ausgewählten, Objekten deutlich. Unter ihnen befinden sich natürlich Design-Ikonen, wie der Clubsessel B3 von Marcel Breuer, das Tee-Extraktkännchen von Marianne Brandt oder das Bauhaus-Gebäude in Dessau. Aber auch Kleinigkeiten, die etwas über das Leben am Bauhaus erzählen sind dabei. Das 1919 herrschende Wirgefühl und die Aufbruchsstimmung könnte nicht schöner als in der informellen Einladung in Form eines an die Tür gehefteten Zettels “Unser Spiel, unser Fest, unsere Arbeit” zum Ausdruck kommen. Von Objekt zu Objekt erschließt sich im Rahmen der Werkanalysen langsam die Geschichte des Bauhauses, an dem bildende Kunst, Architektur, Design und Bühnenbild gelehrt wurden. Die Arbeiten von Bauhauslehrern und -schülern dienen als Ausgangspunkt für die Betrachtung von Einzelaspekten wie Schulpolitik, Unterrichtsmethoden und die dem Bauhaus zu Grunde liegenden Philosophien. Der Plural steht hier ganz bewusst, denn es war nicht eine Ursprungsidee, die am Bauhaus Jahr für Jahr starr umgesetzt wurde. Ganz im Gegenteil. Walter Gropius verband in seinem ersten Programm Vision und Praxis und legte damit den Grundstein für einen Entwicklungsprozess, der zu keiner Zeit des Bestehens der das Experiment begrüßenden Schule abgeschlossen war. Vom Gründungsmanifest bis zur Auflösung durch die Nationalsozialisten 1933 erfand sich das Bauhaus immer wieder von Neuem. Jeder seiner drei Leiter, Walter Gropius, Hannes Meyer und Ludwig Mies van der Rohe, drückte ihm seinen Stempel auf. Jeder Wechsel des Standortes - zuerst Weimar, dann Dessau und schließlich Berlin - hinterließ seine Spuren. Nur eines blieb konstant: Der hohe Stellenwert der Architektur.

Trotz der Vielzahl unterschiedlicher Haltungen und der großen Bandbreite der Produkte war das Bauhaus auch ein frühes Beispiel für eine gelungene Markenbildung. Alles war vorhanden: Wort-Bild-Marke, bewusster Einsatz der Sprache, gezielte Pressearbeit, Selbstpräsentation durch Feste, Ausstellungen, Publikationen und nicht zuletzt ein passendes - Stichwort Corporate Architecture - Schulgebäude.

“modellbauhaus” nimmt die unter dem Dach der Marke Bauhaus geeinte künstlerische Pluralität auf und zeigt sich ebenso bunt wie die unvergessliche Ausbildungsstätte. Mit 77 Essays ist die Publikation ein Katalog der Superlative, der mit den vereinten Kräften aller drei der Pflege des Bauhaus-Erbes gewidmeten deutschen Institutionen - Bauhaus-Archiv Berlin, Museum für Gestaltung, Stiftung Bauhaus Dessau und Klassik Stiftung Weimar - entstand. Ein schneller Überblick über die Bauhausgeschichte ist mit einer derartigen Fülle an Beiträgen nur schwer zu erlangen, obwohl die chronologische Gliederung die Orientierung erleichtert. Stattdessen lässt sich das Phänomen Bauhaus in Jahresschritten genießen. Jeder Jahreswechsel wird von einem Trennblatt markiert, dem auf der farbigen Seite Daten zur Entwicklung des Bauhauses und auf der grautonigen Seite Informationen zum Geschehen in Deutschland entnommen werden können. Jahr für Jahr und Kunstwerk für Kunstwerk gewährt “modellbauhaus” LeserInnen die Freiheit nach Herzenslust zu Schmöckern ohne den roten Faden zu verlieren und so eine Institution kennen zu lernen, die Designgeschichte geschrieben hat.

Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau, Berlin, ist noch bis 4. Oktober zu sehen. 

© Ch. Ranseder

Modell Bauhaus

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Herrenhäuser Gärten jr.

Dienstag, 11. August 2009

ab acht

Kirsten John 
Tobi in den Gärten 
Ein Kinderführer durch die Herrenhäuser Gärten

Nicolai 2009, 65 S., zahlr. Farbfotos und Illustration
ISBN 978 3 8947 9484 2

Tobi in den Gärten, Herrnhäuser Gärten Tobi in den Gärten: Ein Kinderführer durch die Herrenhäuser Gärten

Großer Garten, Berggarten, Georgengarten und Welfengarten bilden zusammen die Herrenhäuser Gärten. Die ehemalige Sommerresidenz der Herzöge, Kurfürsten und Könige von Hannover und England ist voller Überraschungen und mehr als nur einen Besuch wert. Verschiedene historische Gartenstile, Bau- und Kunstwerke locken vor allem Erwachsene in die Anlage. Es gibt aber für Kinder viel mehr zu entdecken als nur das Sealife im Berggarten, man muss nur wissen wo und genau hinschauen.

Natürlich bedarf es ein wenig Hintergrundinformation, um die offensichtlichen und versteckten Besonderheiten zu erkennen. Genau hier setzt “Tobi in den Gärten” an. Kirsten John verbindet geschickt die Geschichte eines Gärtnerjungen aus der Barockzeit mit dem modernen Erscheinungsbild des großen Gartenareals. Einerseits stellt die Autorin das historische dem modernen Erscheinungsbild der Anlage vor und andererseits zeigt sie die sozialen Bedingungen sowie die Situation eines arbeitenden Kindes auf.

Auf den Umschlaginnenseiten sind die Gartenpläne zu finden. Vorne ist der Große Garten, hinten ist der der Berggarten abgebildet. Schwarze, rote und blaue Passagen gliedern den Text in übersichtliche Lesehäppchen. Der schwarze Text, erzählt Tobis Geschichte und folgt seinen Weg durch den Park. Blau hervorgehoben sind in Tobis Story jene Gebäude und Objekte, die auf den Plänen eingezeichnet sind. Rote Textteile bieten Hintergrundinformationen zu Persönlichkeiten und Sehenswürdigkeiten. Auf diese Weise können Kinder nach Lust und Laune leicht die - ohnedies informative - Geschichte verfolgen oder auch nur die Zusatzinformationen lesen. Schade, dass diese geschickte Textgliederung den jungen LeserInnen vorab nicht erklärt wird. Optisch ergänzt wird der Text von ausgezeichneten Fotos, historischen Stichen und zeitgenössischen Illustrationen von Henriette von Bodecker.

Flockig-locker geschrieben und auf das Wesentlichste reduziert, wird das Buch GrundschülerInnen vor als auch nach dem Besuch in den Herrenhäuser Gärten fesseln. Ein Pflichtkauf, wenn man die historische Gartenanlage mit Kindern nicht nur besuchen, sondern kennenlernen möchte.

© S. Strohschneider-Laue

Tobi in den Gärten: Ein Kinderführer durch die Herrenhäuser Gärten

Und für Erwachsene::
Die Herrenhäuser Gärten
Hannover: Die Stadt an der Leine entdecken und erleben. Ein illustriertes Reisehandbuch

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Im DETAIL: Ausstellen und Präsentieren

Samstag, 01. August 2009

Non-Fiction

Christian Schittich (Hg.)  
im DETAIL
Ausstellen und Präsentieren. 
Museumskonzepte, Markeninszenierung, Messedesign

Birkhäuser 2009, 176 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 7643 9954 2

Im Detail: Ausstellen und Präsentieren: Museumskonzepte, Markeninszenierung, Messedesign

Siebenundzwanzig Museumsbauten, Ausstellungen, Brand Center, Supermärkte und Messestände werden in dem reich bebilderten Buch “Ausstellen und Präsentieren. Museumskonzepte, Markeninszenierung, Messedesign” vorgestellt. Die Aufmerksamkeit gilt in erster Linie der architektonischen Hülle, die als Bühne für die zur Schau gestellten Exponate oder Waren dient. Sie ist zugleich Lockvogel, gebautes Verkaufsgespräch und - gerade für Kulturinstitutionen, die vom Bilbao-Effekt träumen - Hoffnungsträger. Bis auf wenige Ausnahmen konzentrieren sich die Texte der steckbriefartigen Projektbeschreibungen auf die technischen Aspekte der jeweiligen Bauaufgabe. Präsentationskonzepte und die Disposition von Exponaten und Ausstellungselementen in den Räumen werden in Hinblick auf ihre Interaktion mit der gebauten Substanz, die ja gerade im Fall der Corporate Architecture eine Botschaft vermitteln soll, kurz geschildert. Grundrisse, Schnitte und Isometrien ermöglichen die virtuelle Orientierung. Exzellente Fotos vermitteln einen Eindruck der für die hochwertigen Gestaltungslösungen zum Einsatz gekommenen Materialien sowie der Wirkung des Raumes. Dimensionen und Kosten können anhand der Projektdaten verglichen werden. Leider machen Detaillösungen der eigentlichen Objektpräsentation beim Design der Vitrinen halt. Für das verführerische Zurschaustellen von frischem Gemüse mag dies keine Rolle spielen. Im kulturellen Sektor hingegen steht oder fällt der Erfolg einer Inszenierung historischer Artefakte mit dem “wie” der Befüllung der Vitrine bzw. Bestückung der sonstigen Präsentationssysteme nach den, vom Gestalter umzusetzenden, Vorgaben des kuratorischen Ausstellungskonzepts und der Storyline, die sich im Buch auf kurze Gastauftritte beschränken. Der im Rahmen der Projektbeispiele, unter denen sich nur wenige kulturhistorische Ausstellungen befinden, eng gesetzte Focus ist sichtlich auf ein aus Architekten und Designern, die das große Ganze im Auge haben, bestehendes Zielpublikum zugeschnitten.

Dennoch sei das Buch “Ausstellen und Präsentieren” auch Gestaltern, deren Wurzeln in anderen Disziplinen liegen, sowie wissenschaftlichen und künstlerischen Kuratoren ans Herz gelegt. Außer der heterogenen Sammlung von Fallbeispielen bietet der Sammelband auch Aufsätze zu einer Vielzahl von Themen, die für das komplexe Aufgabengebiet der Kommunikation mittels Raumerfahrung relevant sind. Der Primat des Kommerzes ist auch hier nicht zu übersehen.

Der dem musealen Umfeld gewidmete Themenblock am Beginn des Buches wird von Christian Schittichs Essay zu aktuellen Museumskonzepten eingeleitet. Ihm folgen zwei an Gedankennahrung reiche Artikel, die zur Pflichtlektüre für Kulturwissenschaftler und Ausstellungsgestalter werden sollten.

Ruedi Baur setzt sich in “Ausstellen - Vom Löffel bis zum Staat” kritisch mit der Bandbreite unterschiedlicher Ausstellungsarten sowie der Vielzahl an Möglichkeiten der Verknüpfung von narrativem Inhalt und szenografischer Umsetzung auseinander. Über den Prozess des Gestaltens von Ausstellungen und die Realisierung körperlich erfahrbarer Raumerlebnisse in unterschiedlichen musealen Präsentationsmodi erzählen in “Zeigen und zeigen lassen” HG Merz und Patrick Wais.

Die Themenblöcke Markeninszenierung und Messedesign gehen Hand in Hand. Alles dreht sich um die, bei der Platzierung eines Unternehmens im Wettlauf um die Aufmerksamkeit der Konsumenten und der Bindung derselben durch die Verheißungen der Marke eingesetzte, Corporate Architecture. Ihre entscheidende Rolle streichen sowohl Jons Messedat in “Gebaute Identität. Architektur - Design - Kommunikation” als auch Susanne Schmidhuber in “Temporäre Architektur für Marken nachhaltig gestalten” heraus. Teilaspekten des Weges zum Ziel, den Kunden kostengünstig und nachhaltig zu umgarnen, widmen sich Thomas Schielke in “Präsentieren im richtigen Licht” und Günther Röckl in “Messebausystem oder Sonderanfertigung”.

Der in der Reihe “im DETAIL” erschienene Band “Ausstellen und Präsentieren” macht mit dem Nebeneinander von Projekten aus Kommerz und Kultur Unterschiede und Gemeinsamkeiten sichtbar. Manches mutet austauschbar an. Jede Zeit hat nicht nur ihre Kunst, sondern auch ihre Architektur. Ich fürchte, die Liebe zu Sichtbeton und Kubus wird uns noch eine Weile begleiten.

Bücher wie “Ausstellen und Präsentieren” schärfen den Blick und regen dazu an, jene Gebäude und Ausstellungen, die über Permanenz verfügen, zu besuchen. Schließlich geht nichts über die räumliche Erfahrung vor Ort und die Qualität des Besuchererlebnisses - sehr zur Freude der Betreiber der diversen Einrichtungen, vom Museum bis zum Flagship-Store.

© Ch. Ranseder

Im Detail: Ausstellen und Präsentieren: Museumskonzepte, Markeninszenierung, Messedesign

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Luftbildatlas: Oberer Mittelrhein

Montag, 20. Juli 2009

Non-Fiction

Philipp Meuser, Ansgar Oswald (Hgg.)
Luftbildatlas Weltkulturerbe Oberer Mittelrhein

DOM publishers 2009, 152 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 9386 6673 9

Luftbildatlas Oberer Mittelrhein  Luftbildatlas Weltkulturerbe Oberer Mittelrhein (inkl. CD-ROM)

Zwischen Bingen und Koblenz zwängt sich der Rhein durch das Rheinische Schiefergebirge. Es ist eine enge und schroffe Landschaft, die eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat. In römischer Zeit war der Rhein Grenzgebiet. Im Laufe des Mittelalters und am Beginn der Neuzeit entwickelte sich der obere Mittelrhein zur wirtschaftlichen und kulturellen Lebensader, die unter wechselnden politischen Einflüssen stand.  Insbesondere der 30jährige Krieg, der Pfälzische Erbfolgekrieg und die französischen Besetzung ab 1792 der linksrheinischen Seite hinterließen dauerhafte Spuren. Zahlreiche Festungsbauten bzw. ihre Ruinen legen für die wechselvolle Geschichte und das Bestreben überall und jederzeit - auch um den Preis des Kirchenbanns -  Zoll, Maut und Steuern zu fordern Zeugnis ab. Die zerstörerischen Kräfte der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts verschonten das Rheintal hingegen weitgehend. Daran konnten auch die anwachsende Rheinschifffahrt und der Ausbau des Eisenbahnnetzes nichts ändern. Die ungünstigen topografischen Bedingungen waren für Neugründungen und Ausbau abträglich. Dafür entdeckten die Künstler ab dem ausgehenden 18. Jahrhundert das vom Weinbau und Ruinen geprägte Rheintal für sich. Sie verewigten den unwegsamen Naturraum und die Vergangenheit in ihren Werken. Die politische Bedeutung behält die Region aber stets bei, wie auch der Wiederaufbau der Burgen beweist. Vor allem König Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) investierte in Restaurierungen und moderne Festungsarchitektur. Und wo der Adel sich hervortat, drängten sich aufstiegswillige Bürger mit vergleichbaren Tätigkeiten hinzu. Dieser herrschaftlichen Aktivitäten und Ansiedlungen waren Anlass für den beginnenden Tourismus. In den Gründerjahren nach 1871 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs begaben sich die Gutsituierten auf die Suche nach der Rheinromantik. Bis heute ist diese Landschaft Anziehungspunkt für Touristen und aufgrund seiner historischen Bedeutung wird die Forschung mit der Aufarbeitung noch lange beschäftigt sein. Die Kulturlandschaft des Oberen Mittelrheintals wurde 2002 in das UNESCO-Welterbe aufgenommen.

Die Burgen und Ruinen drängen sich in dieser Natur- und Kulturlandschaft zwischen Bingen und Koblenz regelrecht aneinander. Mit Steckbriefen von Ansgar Oswald, Grundrissen und in außergewöhnlichen, seitenfüllenden Luftbildern von Philipp Meuser werden 28 Burgen vorgestellt. Von Burg Klopp bis Burg Kobern führt die Reise. Die zum Buch gehörige CD bietet - honorarfrei für den privaten Gebrauch - das Bildmaterial zusätzlich hochaufgelöst als JPEG (RGB).

Touristen und Burgenromantiker werden an dieser Publikation naturgemäß Freude haben. Wissenschaftler werden an dem raschen Überblick Gefallen finden. Dringend ans Herz gelegt werden muss der “Luftbildatlas Weltkulturerbe Oberer Mittelrhein” KunsthistorikerInnen. Zuletzt zeigte die Ausstellung “Rembrandt und seine Zeit” (Albertina, Wien) anhand der Bauwerken - u a. Pfalzgrafenstein - leicht identifizierbare Rheinlandschaften, die unerkannt als Fantasielandschaften angesprochen wurden. Hier kann die attraktive Publikation spielend peinliche Wissenslücken schließen.

Ein Pflichtbuch und es gibt - bis jetzt - noch zwei weitere Luftbildatlanten aus dieser Reihe.

Luftbildatlas Weltkulturerbe Oberer Mittelrhein (inkl. CD-ROM)
Luftbildatlas Entlang der Berliner Mauer: 1961 bis heute (inkl. CD-ROM)
Luftbildatlas Berliner Innenstadt (inkl. CD-ROM)

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Bauhaus-Frauen

Freitag, 12. Juni 2009

Non-Fiction

Ulrike Müller
Ingrid Radewaldt, Sandra Kemker
Bauhaus-Frauen
 
Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design 
Elisabeth Sandmann 2009, 152 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 938045 36 7

Bauhaus Frauen Bauhaus-Frauen - Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design

Das 1919 gegründete Bauhaus nahm auch weibliche Studenten auf. Und die Frauen kamen in Scharen, um die zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch rare Chance auf eine fundierte Ausbildung zu nutzen. Im ersten Semester seines Bestehens inskribierten am Bauhaus vierundachtzig Frauen und neunundsiebzig Männer - sehr zur Besorgnis seines Gründers, Walter Gropius, der nicht mit diesem weiblichen Ansturm gerechnet hatte. In seiner Antrittsrede propagierte Gropius noch “… absolute Gleichberechtigung, aber auch absolute gleiche Pflichten …”, doch schon bald begannen Lippenbekenntnis und Realität auseinander zu driften.

Ulrike Müller und ihre Gastautorinnen Ingrid Radewaldt und Sandra Kemker schildern in “Bauhaus-Frauen. Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design” wie es den Frauen am Bauhaus erging. In brillant geschriebenen Texten erzählen sie von Studienbedingungen, Lehrplänen und den herausragenden Leistungen, welche die Frauen - trotz der Schwierigkeiten und Diskriminierungen mit denen sie sich konfrontiert sahen - erbrachten.

Wie so oft, wenn es Frauen gelingt in männliche Domänen vorzudringen, stand das weibliche Geschlecht auch am Bauhaus bald vor neuen Barrieren. Es hatte nicht lange gedauert bis Maßnahmen ergriffen wurden, um die Zahl der am Bauhaus studierenden Frauen zu beschränken und die Studentinnen auf den ihnen von den Männern zugedachten Platz zu verweisen. Die Mehrzahl der Frauen wurde in die Handweberei abgedrängt, da die Herstellung von Textilien als eine ihnen angemessene Tätigkeit galt. Es muss ein Schock für die männlichen Führungs- und Lehrkräfte gewesen sein, dass sich ausgerechnet die Weberei durch Innovation und Produktivität profilierte und zu einer der erfolgreichsten der Werkstätten entwickelte. Apropos Leitungspositionen: Kaum eine der zahlreichen Frauen am Bauhaus wurde in eine solche berufen, selbst Lehraufträge waren spärlich gesät und, wie Ulrike Müller anmerkt, schlechter bezahlt.

Dennoch ließen sich die außerordentlich begabten Frauen nicht entmutigen. Sie zeigten Durchhaltevermögen und eroberten sich den Zugang zu den anderen Werkstätten, wie Metall, Keramik, Holz, Wandmalerei und Grafik. Doch die Disziplin, in der die zweitgrößte Anzahl an Frauen tätig wurde, war die Fotografie. Damit wird auch am Bauhaus die weibliche Strategie des Ausweichens in relatives Neuland, also in Bereiche deren Hierarchien noch nicht von Männern festgelegt und besetzt sind, sichtbar.

In dem bemerkenswerten Buch “Bauhaus-Frauen” werden 20 Künstlerinnen vorgestellt, die am Bauhaus lehrten, studierten oder als Ehefrauen Bauhausmeister unterstützten. Ihre Lebensgeschichten sind eine spannende, oft berührende Lektüre, im Zuge derer der bedeutende Beitrag sichtbar wird, den Frauen zum Gedeihen des Bauhauses leisteten. Den Auftakt des Biografien-Reigens bestreiten zwei Lehrkräfte aus den Anfängen des Bauhauses, Gertrud Grunow und Helene Börner, sowie eine der ersten Schülerinnen, Ida Kerkovius. Die Reihung der folgenden Porträts erfolgt lose nach den am Bauhaus eingerichteten Werkstätten. Die Weberei repräsentieren Benita Otte, Gunta Stölzl, Anni Albers, Gertrud Arndt und Otti Berger. Aus der Töpferei, die nur in den Weimarer Jahren des Bauhauses bestand, sind Margarete Heymann-Loebenstein-Marks und Marguerite Friedlaender-Wildenhain vertreten. Mehrfachbegabungen, denen die Aufnahme in die Werkstätten für Druckgrafik, Wandmalerei oder Bildhauerei und Bühnenarbeit gelang, waren Ilse Fehling, Friedl Dicker und Lou Scheper-Berkenkamp. Mit den Werkstoffen Holz beschäftigte sich Alma Siedhoff-Buscher. Marianne Brandt leistete Hervorragendes in der Metallwerkstatt. Die Innenarchitektin Lilly Reich wurde 1932 als Leiterin von Ausbauabteilung und Weberei berufen. Das abschließende Kapitel schließlich ist den Fotografinnen und Chronistinnen des Bauhauses, Florence Henri, Grete Stern, Ise Gropius und Lucia Moholy, gewidmet.

Reichhaltiges Bildmaterial, darunter Fotos des Arbeitsumfelds und Abbildungen ihrer Werke, begleitet die Kurzbiografien. Dank zeitgenössischer Fotografien bleiben auch die Frauen selbst nicht “gesichtslos”. Lächelnd oder mit forschen Blick, in die Arbeit versunken oder ihre Werke präsentierend begegnen sie den Augen der Leserinnen und Leser. Originalzitate lassen ihre Persönlichkeit aufblitzen. Wer, neugierig geworden, mehr über eine der Frauen erfahren will, muss nach weiterführender Literatur nicht lange suchen. Sie ist gleich im Anschluss jedes biografischen Textes angeführt. Zeitgeschichtlicher Kontext und die am Bauhaus vorzufindenden Rahmenbedingungen werden in der Einleitung des Buches sowie in den sechs Kapiteln vorangestellten Texten vermittelt.

Den Autorinnen Ulrike Müller, Ingrid Radewaldt und Sandra Kemker ist mit dem Buch “Bauhaus-Frauen” ein wunderbares und zugleich wichtiges Buch gelungen. Nicht nur werden erstmals die Leistungen der am Bauhaus wirkenden Frauen gewürdigt, es bietet sich dadurch auch eine längst überfällige, neue Sichtweise auf die Geschichte einer avantgardistischen, stilprägenden Institution aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

© Ch. Ranseder

Bauhaus-Frauen - Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design

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Media Facades

Donnerstag, 07. Mai 2009

Non-Fiction

M. Hank Haeusler
Media Facades
History, Technology, Content
avedition 2009 , Engl., 248 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8998 6107 5

Media Facades Media Facades

Technische Neuerungen und ihre innovativen Anwendungen sind aufregend. Der letzte Schrei, um sich in der nächtlichen Stadtlandschaft Aufmerksamkeit zu verschaffen, sind Medienfassaden. Mit hohem technischen Aufwand werden Fassaden von Gebäuden so (um)konstruiert, dass sie mit dynamischen digitalen Grafiken, Texten oder Bildern bespielt werden können. Als auf diese Weise vermittelter “Inhalt” sind auch die gesamte Außenhaut eines Bauwerks umflutende psychedelische Lichtmuster zu verstehen, wie man sie - als jüngstes österreichisches Beispiel - im Rahmen von Linz ´09 am Ars Electronica Center bestaunen kann.

Medienfassaden sind eine relativ neue Entwicklung in dem sich stetig erweiternden Feld der Architektur. Für jede junge Disziplin kommt der Zeitpunkt, an dem es notwendig erscheint, den durch Pionierarbeit erreichten Stand der Dinge festzuhalten und im theoretischen Diskurs zu etablieren. Dazu bedarf es, unter Anderem, der Schaffung eines Ordnungssystems und der Vermittlung der von den Vorreitern geschaffenen Fachsprache, um die Verständigung mit einem möglichst großen, interdisziplinär zusammengesetzten Kreis aus Ingenieuren, Architekten, Mediendesignern, Studenten, Journalisten, Kritikern und potentiellen Auftraggebern zu erleichtern.

M. Hank Haeusler legt in seinem Buch “Media Facades. History, Technology, Content” den Grundstein für eine über Insiderkreise hinausgehende Auseinandersetzung mit dem ebenso faszinierenden wie kontroversiellen Thema.

Aufbauend auf eine Bestandsaufnahme gewährt er einen Überblick über bereits Erreichtes und in Zukunft technisch Mögliches. Der Aufbau der hervorragend gegliederten Publikation folgt der bereits im Untertitel angekündigten Dreiteilung.

Das erste Kapitel bietet Begriffsdefinitionen, allgemeine Richtlinien für die Design und Bau vorhergehende Phase der Entscheidungsfindung, einen historischen Abriss der Vorläufer heutiger Medienfassaden und der Entwicklung ihrer elektronischen Komponenten sowie eine Geschichte des Times Square in New York, dessen Charakter und Rolle in der Stadtplanung durch Medienfassaden bestimmt wird.

Der Schwerpunkt des Buches liegt auf der Technologie der Medienfassaden, mit der sich das umfangreiche zweite Kapitel beschäftigt. Haeusler unterscheidet vier technische Kategorien - “Mechanical”, “Projector”, “Illuminant” und “Display” - innerhalb derer eine weitere Gliederung nach den unterschiedlichen, für die Gestaltung von Medienfassaden verfügbaren Technologien erfolgt. Diese werden anhand von 36 internationalen Fallbeispielen in einem perfekt ausgewogenen Verhältnis von Text und Bild, erörtert. Das macht “Media Facades. History, Technology, Content” zu einem wunderbaren, reich bebilderten Handbuch. Seinen Mehrwert erhält die Publikation durch die, für Arbeiten technischen Inhalts keinesfalls selbstverständliche, Lesbarkeit der Texte. M. Hank Haeusler verfügt über die seltene Begabung komplexe technische Informationen in einer auch für Laien verständlichen Sprache zu vermitteln. Die Gegenüberstellung von technischer Beschreibung und Anwendungsbeispiel erleichtert darüber hinaus den Vergleich der unterschiedlichen Wirkungen, die Medienfassaden im urbanen Umfeld oder als Gestaltungselement von Inszenierungen im Innenraum entfalten können. Und natürlich sind die ausgewählten Fallbeispiele allesamt schicke Eyecatcher, egal ob es sich um Prototypen, künstlerische Interventionen oder durchgestylte Markenauftritte handelt. Vor allem die Automobilindustrie scheint für Messestände oder firmeneigene Museen gerne auf Medienfassaden zurückzugreifen, um ihre Produkte optimal in Szene zu setzten - gleich sechs Fallbeispiele sind dieser Branche zuzuordnen. Werbung findet eben nicht nur als Holzhammer-Kommerz statt, wie er am von Haeusler mehrfach als Beispiel angeführten Times Square zu finden ist. Damit stellt sich die Frage nach möglichen “Inhalten”, die mit Hilfe von Medienfassaden kommuniziert werden können. Ihnen ist das abschließende, ein wenig dünn geratene, dritte Kapitel gewidmet.
Ein Glossar sowie eine Liste von Designern und Herstellern runden das grafisch ansprechend gestaltete Buch ab.

“Media Facades. History, Technology, Content” ist zugleich Einführung und Nachschlagewerk. Eindrucksvoll führt das Buch vor Augen, was heute technisch möglich ist und wie gut Medienfassaden aussehen können. Doch die nächtlichen Fassaden-Lichtspiele haben auch ihre Schattenseiten. Wertneutral erwähnt Haeusler Baukosten, Energieverbrauch und die Tatsache, dass der Platz hinter einer Medienfassade oft nicht mehr für Büro- oder Wohnzwecke genutzt werden kann. Über die Sinnhaftigkeit von Medienfassaden ließe sich also streiten. Wie war das noch mal mit dem ökologischen Fußabdruck, an den EU-Bürger in letzter Zeit so oft gemahnt werden?

© Ch. Ranseder

siehe auch:
ag4-mediafacades (Daab Architecture & Design)
Krieg der Zeichen: Spurenlesen im urbanen Raum
Vattenfall Europe Zentrale & Medienfassade Berlin. Deutsche Ausgabe

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Limes-Lexikon

Mittwoch, 01. April 2009

Non-Fiction

Dieter Planck, Andreas Thiel (Hg.)
Das Limes Lexikon
Roms Grenzen von A bis Z
Beck 2009, 160 S., 43 Sw-Abb., 2 Karten Umschlaginnenseiten.
ISBN 978 3 406 56816 9

Das Limes Lexikon  Das Limes-Lexikon: Roms Grenzen von A bis Z

Die römische Grenzziehung war effizient und markant. Sie ist in vielen Regionen bis heute - zum Teil sogar sehr gut - erhalten geblieben. In Deutschland gehört der Limes seit 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe (siehe dazu u.a.: Deutsche Limeskommission, Limes in Österreich). Etliche Abschnitte wie z. B. der Obergermanische-Rätische Limes, den die Deutschen kurz und bündig nur “Limes” nennen, oder der Hadrianswall sind überraschend vielen Menschen bekannt. Obwohl das Interesse groß ist und zunimmt, wissen nur Wenige mehr über die römische Grenze. Mit dem Limes-Lexikon kann man diese Wissenslücken problemlos füllen.

Zur den geballten archäologischen und historischen Basisinformationen rund um das mächtige Bauwerk haben Martin Kemkes, Jürgen Obmann und Marcus Reuter unter der Federführung von Dieter Planck und Andreas Thiel beigetragen. Und sie stecken ihre inhaltlichen Grenzen “limesmäßig” nicht zu eng. Natürlich stehen militärische Belange um den Limes im Vordergrund: Die Armee und ihre Einheiten, militärische Bauten, Ausrüstung und vieles mehr. Dennoch wird das zivile Leben nicht rigoros ausgespart: Bestattungen oder Landwirtschaft sind einige Bereiche, die auch das zivile Leben erfassen. Heutige Städte von Aalen  bis Zugmantel, die in römischer Zeit wichtige Funktionen z. B. als Kastelle am Limes besaßen, kann man ebenso nachschlagen wie die bedeutende Archäologen und ihre Leistungen für die Erforschung des Limes. Literaturverzeichnis, Register, Bild- und Artikelnachweis sowie die Karte mit dem Grenzverlauf des Römischen Reichs (Mitte 2. Jh. bis Anfang 3. Jh.), aufgeteilt auf die Umschlaginnenseiten, runden den handlichen lexikalischen Begleiter für eigene Limeserkundungen ab.

Die Informationen rund um das riesige Bauwerk kann man nicht kompakter vorlegen. Zumal Schrift- und Bildgröße und vor allem die Bildunterschriften, um das handliche Format zu gewährleisten, bereits grenzwertig klein sind. Das schlecht ausgeschöpfte Potenzial der Abbildungen war jedenfalls unnötig und steht in keinem Verhältnis zu den ausgezeichneten Texten. Die Abbildung eines Militärdiploms in unlesbarer Briefmarkengröße hätte man in dieser Kleinheit getrost weglassen können. Die Karte des Donaulimes ist aus unverständlichen Gründen, denn Platz wäre vorhanden gewesen, ebenfalls winzig ausgefallen. Egal, schließlich kauft man ein Lexikon nicht wegen seiner Abbildungen. Außerdem sollte man besonders bei dieser exzellenten inhaltlichen Qualität, die noch dazu zu so einem Schnäppchenpreis zu haben ist, nicht briefmarkenkleinlich sein.

© S. Strohschneider-Laue

Das Limes-Lexikon: Roms Grenzen von A bis Z

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Unbekannter Hundertwasser

Sonntag, 23. November 2008

Notiz

Der unbekannte Hundertwasser
KunstHausWien

20. November ‘08 bis 15. März ‘09

FRIEDENSREICH HUNDERTWASSER, APA 373 Flugzeugdesign für BOEING B 757, CONDOR 1995, Modell 1:25 © 2008 Hundertwasser Archiv, Wien Friedensreich Hundertwasser (1928-2000) war der Farbenmagier unter den Malern. Als Künstler beschränkte er sich nicht nur auf die Malerei, sondern war allumfassend künstlerisch tätig. Sein steter Kampf gegen die unnatürliche, gerade Linie und für natürliche, geschwungene Formen, kennzeichnet seine Arbeiten. Künstlerische Spuren von Friedensreich Hundertwasser finden sich von der Malerei über die Architektur über Gestaltung von großen Flugzeugen und kleine Briefmarken bis hin zum österreichischen Umweltzeichen. Die Ausstellung im Kunsthaus widmet sich all diesen Aspekten Hundertwassers.
Am 15. Dezember 2008 wäre Hundertwasser 80 Jahre alt geworden. Joram Harel, langjähriger Freund Hundertwassers und Leiter des KunstHausWien, nimmt diesen runden Geburtstag zum Anlass und zeigt nicht nur die Schaffensfülle des Künstlers, sondern auch die Anliegen des Künstlers als Ökologe und Kosmopolit. Dabei gelingt es ihm eine Ausstellung zu präsentieren, die mit einem Augenzwinkern alle BesucherInnen und nicht nur Hundertwasser-Fans in den Bann schlägt. Endlich zahlt es sich wieder einmal aus Bildbeschriftung genau zu lesen, denn in dieser Ausstellung beschränken sie sich nicht nur auf die obligaten Informationen wie Titel, Jahr und Inventarnummer. Abwechslungsreich und oft humorvoll werden Zusatzinformationen geboten, die man normalerweise in Ausstellungen nicht findet.
FRIEDENSREICH HUNDERTWASSER, 238 PEPSI, DER SOHN VON DOKTOR FREUND, St. Kanzian, 1955, Aquarell • 35 x 20 cm, © 2008 Hundertwasser Archiv, Wien Gelungen! Unbedingt anschauen, was auch dann - inklusive Hund - täglich ab 10:00 Uhr möglich ist, wenn andere Museen dem Feiertagsschlaf oder ihrem wöchentlichen Ruhetag frönen.

Non-Fiction

Joram Harel
Der unbekannte Hundertwasser
Prestel 2008, Dt./Engl. 296 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 7913 4129 0

Der unbekannte Hundertwasser Der unbekannte Hundertwasser 

Wer keine Chance hat, die Ausstellung zu besuchen oder sich von der Ausstellung nicht trennen möchte, kann sich mit dem in allen Bereichen hochqualitativen zweisprachigen Begleitkatalog trösten. Das Vorwort stellt Franz Patay, Leiter des KunstHausWien, bei. Robert Fleck widmet sich in seinem Beitrag der malerischen Aktualität Hundertwassers. Joram Harel greift den 80. Geburtstag des verstorbenen Freundes und Künstlers auf, beleuchtet den Maler als Architekt und schließt seinen Beitragsreigen mit “Hundertwasser lebt”. Ansonsten kommt ausschließlich Hundertwasser selbst zu Wort und vor allem zu Werk. Eine Augenpracht und ein Leseschmaus, zu gleichen Teilen den man nicht nur als Kunstfan nicht verpassen sollte.

© S. Strohschneider-Laue

Siehe zu Friedensreich Hundertwasser:
Der unbekannte Hundertwasser
Träume ernten - Hundertwasser für Kinder

Notiz

Symposium Hundertwasser im NHM 11. bis 13. Dezember ‘08, Eintritt frei, Anmeldung erforderlich!

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Universal Design

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Non Fiction

Oliver Herwig
Universal Design - Lösungen für einen barrierefreien Alltag 

Birkhäuser 2008, 175 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 7643 8717 4

Universal Design Universal Design: Lösungen für einen barrierefreien Alltag

Universal Design hat sich in den letzten Jahren aus dem Konzept des barrierefreien Designs entwickelt. Noch wird Universal Design vor allem bei Wohnprodukten eingesetzt, die für jeden gleichermaßen und in jeder Lebensphase nutzbar sein sollen. Das Wohnumfeld wird so gestaltet, dass es für ältere, aber auch für jüngere Menschen optimal ist. Es geht um schönes Design, das allen nützt und keiner bemerkt. Ziel von Universal Design ist die Zugänglichkeit für möglichst viele Menschen zu ermöglichen und ein breites Spektrum an Lösungen zu bieten, das allen hilft, nicht nur Menschen mit Beeinträchtigung. Gerade in einer Zeit, in der es in den Industrieländern immer mehr ältere Menschen gibt, nimmt Universal Design einen immer wichtiger werdenden Raum ein. Statt Spezialprodukten für eine begrenzte Zielgruppe müssen ästhetisch ansprechende Designlösungen für alle Menschen entwickelt werden.

Universal Design – Lösungen für einen barrierefreien Alltag von Oliver Herwig, einem deutschen Journalisten und Autor, gibt erstmals eine Zusammenfassung dieses verhältnismäßig neuen Designbereichs.
Der Autor stellt seinem Buch 5 Thesen voraus, in denen er aufzeigt, wie sich die älter werdende Gesellschaft auf die Gestaltung von Produkten auswirkt. Diese Thesen werden in zwei großen Bereichen – „Universal Design heißt gestalten für alle“ und „Universal Design in der Praxis“ – begründet und mit Beispielen universellen Designs belegt.

Der Autor setzt den Anspruch von Universal Design auch in seinem Buch fort und gliedert die einzelnen Kapitel klar und übersichtlich. Zum Einstieg lässt sich der 41jährige Autor für einige Stunden mit Hilfe eines Altersimulationsanzuges in die Welt alter Menschen versetzen – um dann das Verständnis für die Notwendigkeit universellen Designs den LeserInnen anschaulich zu vermitteln. Die Kapitel werden in die einzelnen Sinne unterteilt – Auge, Ohr, Hand und Fuß sowie in die Frage „Wie wohnen?“ Jedes Kapitel schließt mit einem Interview ab – so kommen berühmte Designer und Architekten wie Gerrit Terstiege, Mathias Knigge, Ursula Wangler und Frank Abele, Konstantin Grcic, Peter Naumann und Carlo Baumschlager zu Wort.

Eine prägnante Zusammenfassung und ein Ausblick unter dem noch visionären Titel „ Die Zukunft wird einfach und komfortabel“ schließt das Buch ab.

Sehr praktisch auch der Anhang, der die sieben Prinzipien universellen Gestaltens (©1997 NC State University, The Center für Universal Design) ebenso vorstellt wie übliche Abkürzungen und eine kurze weiterführende Literaturliste bietet.

Der Autor richtet sein Buch ausdrücklich an Designer und Architekten, Entscheidungsträger und Firmen, die sich mit der Zielgruppe älterer Menschen nachhaltig beschäftigen wollen. Doch nicht nur für diese von ihm definierte Zielgruppe ist das Buch von Interesse. Universal Design betrifft uns alle und versteht sich im Sinn einer nachhaltigen Gesellschaftspolitik geradezu als eine Kernforderung für die Zukunft.

© Doris Prenn

Universal Design: Lösungen für einen barrierefreien Alltag

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Lichtdesign

Freitag, 11. April 2008

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Andreas Schulz (Hg.)
Licht Kunst Licht 2. Lichtdesign für Architektur
avedition 2007, Dt./Engl, Broschur mit Klappen im Schuber, 176 S., 332 farbige Abb. und Pläne
ISBN 978 3 89986 057 3

Lichtdesign Licht Kunst Licht 2. Lichtdesign für Architekten

Welch wunderbare, perfekt funktionierende Ergebnisse der Einsatz professioneller Lichtgestalter zeitigen kann, zeigt die neueste Publikation des Büros Licht Kunst Licht. Um keine falschen Erwartungen zu wecken: Es geht in diesem Buch weder um eventgebundene Lichtspektakel noch um selbstverliebte (Licht)Kunst am Bau. Die Ingenieure, Designer und Architekten von Licht Kunst Licht entwickeln für die ihnen anvertrauten Bauwerke maßgeschneiderte, dauerhafte Lichtlösungen auf höchstem Niveau. Ihre Entwürfe gewährleisten einerseits die optimale Lichtversorgung der in den Gebäuden arbeitenden Menschen, andererseits kleiden sie die Architektur in ein attraktives nächtliches Lichtgewand fernab jeder Effekthascherei. Soviel wird schon beim ersten Durchblättern des Buches “Licht Kunst Licht 2. Lichtdesign für Architektur” klar. Die hervorragenden, großformatigen Fotografien vermitteln den Eindruck eines diskreten, sich sensibel mit dem jeweiligen Ort auseinandersetzenden Lichtdesigns, das ganz im Dienst der Sache steht. Acht, zwischen 2001 und 2006 fertig gestellte, Projekte werden in dem gleichermaßen prächtigen wie wohldurchdachten Bildband präsentiert. Aus der staatlichen Sphäre sind es der Plenarsaal des Bayerischen Landtags (München) sowie zwei Parlamentsbauten im Berliner Regierungsviertel, das Paul-Löbe-Haus und das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Aus dem kulturellen Umfeld sind das RuhrMuseum in der ehemaligen Kohlenwäsche Zollverein (Essen) und die Helmut Newton Foundation (Berlin) vertreten. Der Welt der Wirtschaft zuzurechnen sind ein Bürogebäude am Novartis Campus (Basel), der Uniqua Tower (Wien) und die Galeria Kaufhof Alexanderplatz (Berlin). Unterschiedlicher könnte die Architektur nicht sein. Jedes Gebäude und jede Nutzung desselben stellte die Lichtplaner vor neue Herausforderungen. So gut die fotografische Bilddokumentation auch ist, erst der begleitenden Text hilft das Ausmaß der jeweiligen technischen und gestalterischen Leistung zu verstehen. Übersichtlich gegliedert werden in deutscher und englischer Sprache historische Vorgeschichte von Gebäude und Umfeld, bauliche Rahmenbedingungen, Aufgabenstellung, Entwurf und angestrebte Lichtwirkung sowie Grundzüge der technischen Umsetzung dargelegt. Ergänzend führen Grund- und Aufrisse, Längs- und Querschnitte Dimension und Komplexität der zu beleuchtenden Architektur vor Augen. Konstruktionszeichnungen einzelner Leuchten vermitteln technische Details.

Als Abschluss des Buches sind ein Verzeichnis der Projekte des Planungsbüros Licht Kunst Licht sowie eine Liste der erhaltenen Auszeichnungen zu finden.

Ebenso maßgeschneidert wie das Lichtdesign des Planungsbüros Licht Kunst Licht ist die grafische Gestaltung des Buches “Licht Kunst Licht 2. Lichtdesign für Architektur”. Aus dessen Cover wurden 144 kleine Quadrate ausgestanzt, sodass das verbleibende Gitter unterschiedliche, von Lichteinfall und Papierkrümmung bestimmte Schatten auf die eingeschlagene Klappe des Umschlags wirft. So wird schon als Auftakt der Beschäftigung mit dem Buch subtil auf die Wirkung von Licht hingewiesen. Ganz abgesehen von diesem didaktischen Erfolg, macht es einfach verdammt viel Spaß mit dem Einband zu spielen! Doch noch auf einer anderen Ebene wirkt die edle Publikation bewusstseinsbildend. Tätigkeits- und Aufgabenfeld von Lichtplanern werden so anschaulich dargestellt, dass nicht nur potentielle Auftraggeber sondern auch junge Menschen, die sich auf der Suche nach einem Beruf befinden, von der Lektüre profitieren werden. “Licht Kunst Licht 2. Lichtdesign für Architektur” ist somit eine Werkdokumentation mit Mehrwert - wie erfrischend!

© Ch. Ranseder 23. Oktober 2007

Licht Kunst Licht 2. Lichtdesign für Architekten

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Preußens Glanz

Freitag, 11. April 2008

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Hans-Joachim Giersberg, Leo Seidel
Preußens Glanz. Königsschlösser in Berlin und Brandenburg
Prestel
2007, Dt./Engl., 192 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 7913 3751 7

Preußens Preußens Glanz und Gloria. Königsschlösser in Berlin und Brandenburg

Die Regenten Preußens waren fleißige Bauherren. Einige der schönsten Schlösser Deutschlands sind Mitgliedern der Familie Hohenzollern zu verdanken, darunter Schloss Sanssouci, Schloss Charlottenhof, Schloss Rheinsberg und die bemerkenswerten Gebäude auf der Pfaueninsel in Berlin. Opulent bebildert, präsentiert „Preußens Glanz” im Tourismus bereits etablierte bauliche Kulturschätze und international weniger bekannte Perlen königlicher Architektur in Brandenburg und Berlin.

Die Gliederung des Buches folgt der chronologischen Abfolge der Herrscher, deren Porträts den detaillierten Beschreibungen der Bauwerke ihrer Ära vorangestellt sind. Leo Seidel hat den heutigen Zustand der Gebäude – deren Spektrum von Schlössern über Belvedere bis zu in die Gartenanlagen integrierte Tempel, Teehäuser und Pavillons reicht – in herrlichen Farbfotografien festgehalten. Ergänzt von historischen Ansichten wecken die brillanten Aufnahmen den Wunsch sich auf eine Reise zu begeben, um das Dargestellte selbst zu erleben. Die akribisch recherchierten Texte von Hans-Joachim Giersberg vermitteln wertvolles Hintergrundwissen zu Besitzer-, Bau- und Nutzungsgeschichte. Eindrucksvoll dokumentieren sie das wechselhafte Schicksal der prächtigen Schlossanlagen und die großen Verdienste der in den letzten beiden Jahrzehnten erfolgten Restaurierungs- und Revitalisierungsarbeiten.

Als zweisprachig (Deutsch/Englisch) angelegtes Buch wendet sich “Preußens Glanz” an eine internationale Leserschaft. Umso mehr verwundert es, dass sowohl auf eine Einleitung, die mit gekrönten Häuptern und politisch-kulturellem sowie wirtschaftlichem Umfeld bekannt macht, als auch auf einen Serviceteil verzichtet wird. Gerade für Ortsfremde wären zumindest eine Überblickskarte zur besseren Orientierung und ein Standortverzeichnis mit Internetadressen für eine etwaige Reisevorbereitung hilfreich.

In seiner vorliegenden Form weckt “Preußens Glanz” in der ersten Phase der Lektüre Neugier, lässt jedoch praxisorientierte Reiselustige kurzfristig allein. In der zweiten Phase der Lektüre entfaltet das Buch seine Stärken und wird als großartiges Nachschlagewerk und Erinnerungshilfe an Gesehenes noch nach Jahren erfreuen.

© Ch. Ranseder 15. August 2007

Preußens Glanz und Gloria. Königsschlösser in Berlin und Brandenburg

 

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