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Kaufrausch: Wunderwelt Warenhaus

Mittwoch, 28. August 2013
eb_000_011.gifEbensolch Rez-E-zine 75/13

Jan Whitaker
Wunderwelt Warenhaus
Eine internationale Geschichte
Gerstenberg 2013, 192 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 8369 2745 1

Wunderwelt Warenhaus Wunderwelt Warenhaus: Eine internationale Geschichte

Gründung der ersten Kaufhäuser …

Die Geburtsstunde der modernen Konsumkultur schlug um die Mitte des 19. Jahrhunderts. In vielen Ländern hatte die Massenproduktion von Konsumgütern einen ersten Höhepunkt erreicht. Nun galt es, die Dinge zu vermarkten und mit Profit unter das Volk zu bringen. Die Idee der Weltausstellung erwies sich als zukunftsweisender Geistesblitz. Als 1851 der Kristallpalast in London seine Pforten öffnete und Scharen von Schaulustigen aus aller Welt anlockte, ahnte noch niemand, dass diese Leistungsschau der Industrie zum Katalysator für die Gründung der ersten großen Warenhäuser werden würde. Fürs Erste machten sich die Besucher mit der neuen Produktvielfalt vertraut. Doch geschäftstüchtige Kaufleute hatten erkannt, dass die Zeit reif für eine Neuorganisation des Einzelhandels war. Sie begannen ihr Sortiment zu erweiterten und schufen etwas revolutionär Neues: das Warenhaus. Als erstes Kaufhaus der Welt eröffnete kurz nach der Weltausstellung das Bon Marchè in Paris.

Sowohl die Weltausstellungen als auch die ersten Warenhäuser brauchten Standorte, die bestimmte infrastrukturelle und gesellschaftspolitische Voraussetzungen erfüllten. Diese gab es nicht überall. Es genügte nicht ein urbanes Ballungszentrum zu sein, um die Entstehung von Warenhäusern zu begünstigen. Ohne die Erschließung des Einzugsgebietes eines Warenhauses durch ein funktionierendes Netz aus Massentransportmitteln ging gar nichts. Ebenso wichtig war die Entstehung eines Mittelstandes, dem nach der Deckung der Lebenshaltungskosten noch etwas Geld für die Schönen Dinge im Leben übrig blieb. Schließlich kann die Wirtschaft nur florieren, wenn es den Menschen gut geht.

Spektakuläre Architektur für die Wunschmaschine

Der prächtige Bildband “Wunderwelt Warenhaus” ruft die Pionierleistungen der Warenhausgründer ins Gedächtnis. Sie und ihre Architekten scheuten weder Kosten noch Mühen, um dem gewagten neuen Verkaufskonzept zum Erfolg zu verhelfen. Wer jemals die Galeries Lafayette in Paris besucht und die wunderbare Jugendstil-Glaskuppel als Original gesehen hat, wird die zahlreichen historischen Fotografien mit Wehmut betrachten. So viele sensationell schöne Kaufhausbauten sind durch Kriege oder Pleiten für immer verschwunden. Andere wurden bis zur Unkenntlichkeit umgebaut. Was bleibt, sind Erinnerungen und alte Fotos. Es sind gerade diese historischen Aufnahmen, die beim Blättern in dem opulenten Buch in Bann ziehen. Der auf vielen von ihnen festgehaltene Kundenansturm beweist, dass sich eine Investition in
einzigartige Architektur bereits im 19. Jahrhundert lohnte. Die ersten Warenhäuser erwiesen sich als Publikumsmagneten und avancierten zu Sehenswürdigkeiten.

Dank ihrer beeindruckenden Größe waren die mit prächtigem Fassadenschmuck und großen Schaufenstern ausgestatteten Monumentalbauten in Stadtbild nicht zu übersehen. Wer das Warenhaus betrat, wurde von einer Welt des Luxus umfangen. Die prachtvolle Innenausstattung der meist in Eisenskelettbauweise errichteten Konsumtempel reichte von kühler Eleganz bis zu märchenhafter Verspieltheit. Spektakulär gestaltete Lichthöfe und Treppen suggerierten Weite und gewährten einen unverstellten Blick auf die Fülle der Waren. Einkaufen wurde zum Erlebnis. Man kam, um zu flanieren, um zu sehen und gesehen zu werden. Das Ambiente der gigantischen Gemischtwarenläden traf beim Zielpublikum einen Nerv: Warenhäuser wurden zum Schauplatz für das Repräsentationsbedürfnis des aufstrebenden Mittelstandes.

Architekten nutzten die ersten Kaufhäuser als Experimentierfeld. Hier konnten sie neue Konzepte für öffentliche Bauten erproben. Einerseits galt es in großem Maßstab für Beheizung und Beleuchtung zu sorgen. Andererseits musste eine beträchtliche Anzahl von Menschen bequem und sicher von einem Stockwerk ins andere gebracht werden. Es verwundert daher wenig, dass der erste Personenfahrstuhl 1857 in einem New Yorker Warenhaus installiert wurde. Später übernahmen die Kaufhäuser bei der Einführung von Rolltreppen eine Vorreiterrolle.

Eine neue Verkaufskultur entsteht

Warenhäuser leisteten jedoch auch in anderer Hinsicht Bemerkenswertes. Sie boten nicht nur eine Alternative zu engen, düsternen Läden, sondern erfreuten ihre Kunden erstmals mit Fixpreisen. Vorbei waren die Zeiten des frustrierenden Handelns mit missmutigen Verkäufern. Frei von jeglichem Kaufzwang konnten Kunden die Ware in Augenschein nehmen. Dabei stand ihnen freundliches Personal hilfreich zur Seite. Service war ein wichtiger Baustein der neuen Verkaufskultur. Kunden konnten Änderungs- und Reparaturservice, Einrichtungs- und Ausstattungsservice, Lieferservice und sogar Dolmetscherdienste und Leihbüchereien (!) in Anspruch nehmen. Allerlei Annehmlichkeiten luden zum Verweilen ein. Das Angebot reichte von Gratisdrinks über Tearoom und Restaurant bis zur Kinderbetreuung.

Ein kostenloses Unterhaltungsprogramm und saisonale Spektakel lockten potentielle Käufer an und sorgten für Mundpropaganda. Konzerte, Modeschauen und Ausstellungen machten die Warenhäuser zu Kulturstätten, die allen offen standen. Wenn dabei Begehrlichkeiten geweckt wurden und die Besucher das Haus mit prallen Einkaufstüten verließen umso besser.

Die Kunst der Verführung

Von Beginn an zogen virtuos gestaltete Schaufenster Passanten in ihren Bann. Sie protzten mit Warenfülle oder verzauberten mit charmanten, eleganten oder theatralischen Inszenierungen. Dabei standen sie heutigen Meisterwerken der Schaufensterdekoration um nichts nach. LeserInnen von “Wunderwelt Warenhaus” können sich davon selbst überzeugen. Mehr als 30 Fotografien aus der Zeit vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis 2010 laden zu einem virtuellem Schaufensterbummel ein. Waren um 1900 noch mechanische Spezialeffekte in Mode, gewann zwischen den beiden Weltkriegen die Kunst an Einfluss. Seit den 1970er-Jahren punkten die Schaufenster mit ihrem Unterhaltungswert sowie der Inszenierung fantastischer Märchenwelten. Der Erfindungsreichtum der Dekorateure kennt keine Grenzen.
Auch auf den Verkaufsflächen beschritten die Kathedralen des Konsums neue Wege der Warenpräsentation und schufen damit die Grundlage fur die uns heute bestens vertraute Sprache des “visual merchandizing”.
Dass Werbung anfänglich als würdelos galt, hielt die Warenhäuser nicht davon ab sie für ihre Zwecke einzusetzen. Ganz im Gegenteil - Warenhäuser wurden durch ihren Erfindungsreichtum zu Pionieren der Selbstvermarktung. Zur Erhöhung ihres Bekanntheitsgrades war jedes Mittel recht. Sie setzten Plakate und Banner ein, inserierten in Zeitungen und Magazinen, verschickten Postwurfsendungen, gestalteten aufwändige Kataloge, verewigten sich auf Postkarten und gaben Sammelkarten heraus. Um die Gunst der Kunden zu gewinnen, wurden kleine mit dem Namen der Kaufhäuser bedruckte Geschenke verteilt - darunter bezaubernde Fächer, Rezeptbücher und Terminkalender. Bloomingdale’s machte ab 1954 seine Einkaufstaschen zu begehrten Sammelstücken. Heute sind diese Praktiken eine erprobte Selbstverständlichkeit geworden. Den langsamen Niedergang vieler Warenhäuser konnten sie trotzdem nicht verhindern.

Über Kaufhaus hinaus: Der Versandhandel

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts erwirtschafteten die Warenhäuser einen beträchtlichen Teil ihres Umsatzes durch den Versandhandel. Für die Bewohner entlegener Gegenden, vor allem in den USA und Kanada, war er ein Segen. Eaton’s in Toronto, der das Kataloggeschäft 1884 einführte, steigerte die Auflage seiner Kataloge kontinuierlich: waren es 1904 noch 1,3 Millionen Kataloge, druckte er in den 1950er-Jahren bereits elf Millionen. Die Europäer lernten die Bequemlichkeit des Einkaufs per Post und Telefon ebenfalls zu schätzen. Bon Marché in Paris verschickte schon 1894 rund 1,5 Millionen Kataloge. Heute bieten sich dem Versandhandel durch das Internet sowie Teleshoppingkanäle zusätzliche Geschäftsfelder und neue Möglichkeiten.

Fazit

“Wunderwelt Warenhaus” ist ein opulentes Buch, dessen faszinierendes Bildmaterial von den Anfängen der Warenhäuser bis ins 21. Jahrhundert reicht. Autorin und Verlag haben in den Archiven berühmter großer Warenhäuser, Museen und Privatsammlung so manchen Schatz ausfindig gemacht. Den Löwenanteil des Bildbandes bestreiten historische und zeitgenössische Fotos von Gebäuden, Schaufenstern und Menschen, welche die Maschine Warenhaus am laufen hielten. Darüber hinaus gibt es Werbemittel aller Art zu bewundern.

Der fundierte, spannend zu lesende Text von Jan Whitaker vermittelt die Geschichte der Warenhäuser als straffen Überblick. Kuriose Details zu den Gründern und der Verkaufspraxis sorgen für die nötige Würze. Die hervorragende Gliederung bändigt die Fülle wissenswerter Fakten und sorgt für eine angenehme Ballance von Text und Bild. Kurzum: “Wunderwelt Warenwelt” ist ein vergnügliches Buch, das den Wunsch nach ein bisschen Luxus bein Einkaufen weckt.

© Ch. Ranseder

Wunderwelt Warenhaus Wunderwelt Warenhaus: Eine internationale Geschichte

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Mexiko hören

Mittwoch, 09. Januar 2013
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Antje Hinz
Mexiko hören

Silberfuchs Verlag 2012, 1 CD, Laufzeit 82′, 16 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 9406 6530 0

Mexikohören Mexiko hören: Eine musikalisch illustrierte Reise durch die Kultur Mexikos

Lehm, Holz, Mais: Die Schöpfung des Menschen

Der aus Lehm gefertigte Mensch war in der Schöpfungsgeschichte der Maya nur eine Developer Preview. Die Beta-Version bestand aus Holz und wurde ebenfalls als ungeeignet verworfen. Der tatsächliche Release war ein aus Mais geschaffener Mensch. So gesehen hat die Kreativität des alttestamentarischen Schöpfers nur zu einer tönernen Alpha-Version gereicht, während Carlo Colloni mit Pinocchio immerhin eine hölzerne Beta-Version lieferte.

Antje Hinz stellt Mexiko mit seinen Bewohnern und deren wechselhafter Kulturgeschichte sowie ihre widersprüchliche Einigkeit vor. Die chronologische Reiseroute beginnt mit der Schöpfungsgeschichte und führt von der präkolumbianischen Zeit über die Conquista bis zum modernen Staat der Gegenwart. Die 20 Kapitel berichten von Wissenschaft, Architektur, Kunst, Religion, blutigen Kämpfen und grausamer Eroberung, Illusionen und Selbstverständnis bis in die Gegenwart. Handfeste Fakten verbunden mit farbenprächtigen Schilderungen regen die Fantasie des Publikums an und laden zugleich zum kritischen Betrachten eines Landes und seines Werdens ein. So detailreich und wunderbar aufbereitet, dass man den Lapsus, den römisch-deutschen Kaiser und spanischen König Karl V. kurz und bündig als “spanischen Kaiser” zu bezeichnen, verzeihlich findet. Die Absicht von Silberfuchs das “Geheimnis der Kunst und ihre wunderbare Wirkung auf den Menschen gemeinsam zu entdecken” ist jedenfalls auch mit dieser Hörreise CD voll und ganz erfüllt worden.

Wissenschaft und Religion - Mathematik und Weißsagung

Mexiko ist untrennbar mit Mayas, Olmeken, Mixteken, Azteken - um nur einige namentlich zu nennen - verbunden. Deren kulturellens Erbe konnten weder die Spanier noch die katholische Mission völlig vernichten, nicht einmal mit ihrer extremen Gewalt an Menschen und gezielter Vernichtung von Kulturgut. Die bekanntesten Spuren der frühen Hochkulturen Mexikos wie die von Teotihuán oder das jüngere Chichén Itzá gehören heute zum UNESCO-Kulturerbe. Der berühmte Piedra del Sol, dessen Abbild auf der CD zu sehen ist, soll hier als Beispiel für die herausragenden Kenntnisse in Mathematik, Astronomie und den damit verbundenen Kalenderberechnungen erwähnt werden. Zumindest eine Prophezeiung bewahrheitete sich definitiv: Mit der Ankunft der Europäer begannen katastrophaler Zeiten voller Elend und Tod.

Während spanische Chroniken aus der Sicht der Eroberer berichten, gesellen sich zu den verbliebenen Originalquellen der Indigenen die Übersetzungen und Abschriften der Geistlichen. Stadtstaaten, Königreiche, Republik und Revolten wechseln einander ab, während Politik, Religion, Kunst und Kultur miteinander verbunden bleiben. Wer jetzt glaubt, dass Mexiko nur mit einer begabten und starken Frau - Frida Kahlo - verbunden ist, der irrt.

Erlebnis für Ohren und mehr

Die Stimme von Rolf Becker wird Mexiko durch Zeit, Raum und Ereignissen vollkommen gerecht. Er zieht  beim Hören mitten ins Geschehen und verleiht den Protagonisten fast greifbare Körperlichkeit. Die exzellent gewählten Musikzitate sind Reisebegleiter, die man nicht mehr aus dem Ohr bekommen möchte.

Die Gestaltung von Roswitha Rösch baut auf schlichtes Gold. Sie schafft es damit sogar, eine optische Brücke zur Architektur zu schlagen. Auf 16 Seiten wird ein kurzer Überblick geboten, der attraktiv und bewährt übersichtlich layoutiert wurde.

Fazit

Wer die CD hört, wird Augen machen. Nur eine Reise nach Mexiko ist noch besser.

© S. Strohschneider-Laue

Mexikohören Mexiko hören: Eine musikalisch illustrierte Reise durch die Kultur Mexikos

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Archäologie: Schloss Kaiserebersdorf

Sonntag, 09. Dezember 2012
eb_000_011.gifEbensolch Rez-E-zine 72/12

Heike Krause, Michael Schulz, Christine Ranseder, Gabrielle Scharrer-Liška
Schloss Kaiserebersdorf.
Vom Adelssitz zur Justizanstalt
Phoibos 2011, Wien Archäologisch 7, 128 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8516 1048 2

Schloss Kaiserebersdorf Schloss Kaiserebersdorf: Vom Adelssitz zur Justizanstalt

Archäologie: fachlich korrekt - locker vorgestellt

Der siebte Band der Reihe “Wien Archäologisch” ist dem kaiserlichen Jagdschloss in Kaiserebersdorf gewidmet. Heute gehört das Schloss zum Stadtgebiet von Wien. Das war nicht immer so. Als die Burg im Mittelalter auf einer geschenkten Wiese gegründet wurde, lag sie weit außerhalb der Stadt. Was von der wechselhaften Geschichte des Gebäudes im Zuge der Untersuchungen archäologisch fassbar wurde, wird in diesem Band berichtet.

Burg, Jagdschloss, Armenhaus -
Kaserne, Monturdepot, Gefängnis

Der handliche Band ist in sieben Kapitel gegliedert. Sie sind der 1994 begonnenen Grabung und Bauforschung, der historischen Entwicklung, der Lage und Umgebung des Schlosses, dem Baumaterial und Steinmetzzeichen, den acht Bauphasen, ausgewählten Funden sowie dem Friedhof gewidmet. Viele, die Wien heute kennen und sich mit der Stadtentwicklung nicht vertraut gemacht haben, wissen nicht, wie feucht, vom Hochwasser gefährdet und damit eigentlich siedlungsfeindlich das Gelände rund um Wien tatsächlich war. Allerdings bot die Aulandschaft hinsichtlich des Wildbestandes perfekte Jagdbedingungen. Auch Kaiserebersdorf war von einem Auwald umgeben. Eine Tatsache, die Kaiser Maximilian I. 1499 wohl bewogen haben dürfte, die Besitzer in einen Tauschhandel zu zwingen. Nachfolgend sollten Flussregulierungen vor den jährlichen Überschwemmungen schützen, zahllose Umbauten, Ausbauten und vor allem Renovierungen folgten an der Gesamtanlage in den nächsten Jahrhunderten. Der jeweilige Zweck bestimmte die Maßnahmen und vor allem die dafür bewilligten Ausgaben. Wirtschaftlich stand Schloss Kaiserebersdorf nicht als Einzelgebäude in der Landschaft. Die zugehörige Ortschaft, die Pfarrkirche, Schloss Thürnlhof - selbst mit einer überaus wechselvollen Geschichte -, das gewaltige Schloss Neugebäude und das Jagdschloss bedingten einander.

Archäologie und Archiv

Mit der Ausgrabung von Funden und Befunden sowie deren wissenschaftliche Aufarbeitung und Auswertung war es bei Schloss Kaiserebersdorf nicht getan. Deutlich ist den Texten zu entnehmen, dass auch eine minutiöse Archivarbeit erforderlich war. Die Sichtung und Beurteilung aller verfügbaren Quellen ist immer wichtig. Besonders spannend wird dies aber, sobald sich zu den archäologisch gewonnenen Erkenntnissen solche aus schriftlichen Quellen gesellen. Es bedeutet nämlich nicht, dass es dadurch einfacher, klarer und übersichtlicher wird. Ganz im Gegenteil, oft genug stellen sich während der Bestandsaufnahme mehr Fragen als Antworten gefunden werden können. Besonders erbaulich daher, dass es dem Autorenteam gelungen ist, einen verständlichen Abriss einer komplexen Baugeschichte zu verfassen.

Fazit

Das Warten auf diese Publikation hat sich Hinsicht gelohnt und der Erwerb lohnt sich ebenfalls. Von der ersten archäologischen Untersuchung bis zur monografischen Fachpublikation Die archäologischen und bauhistorischen Untersuchungen im Schloss Kaiserebersdorf dauerte es rund 15 Jahre. Dass drei Jahre später mit vorliegendem “Schloss Kaiserebersdorf. Vom Adelssitz zur Justizanstalt” auch ein publikumsgerechter Band für interessierte Laien vorgelegt wurde, ist in Österreich nicht selbstverständlich und daher umso erfreulicher. Die Reihe “Wien archäologisch”, die von Christine Ranseder konzipiert wurde, liegt auch gestalterisch in ihren Händen. Das ist gut so, denn die Reihe hebt sich in jeder Hinsicht erfrischend inhaltlich und optisch von dem üblichen Publikationen ab, die für die schmale Schnittstelle von “hardcore” Fach- und populären Sachbuch produziert werden.

© S. Strohschneider-Laue

Schloss Kaiserebersdorf Schloss Kaiserebersdorf: Vom Adelssitz zur Justizanstalt

siehe auch

Knochen lesen. Tierknochen als Zeugen der Vergangenheit
Licht & Wärme: Beleuchtung und Heizung im Wandel der Zeit
Michaelerplatz: Die archäologischen Ausgrabungen
Wasser in Wien. Von den Römern bis zur Neuzeit

Ebensolch
Teeblätter
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