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Henri Cartier-Bresson

Mittwoch, 16. November 2011

Henri Cartier-Bresson
Der Kompass im Auge: Amerika - Indien - Sowjetunion
Kunst Haus Wien
17. November ‘11 bis 26. Februar ‘12

Sein 20. Jahrhundert 1908-2004
Der Klang der Seele. Portraits
Meisterwerke: Photographien
Du814 - das Kulturmagazin. Doppelter Blick: Sieben Magnum-Fotografen unterwegs mit sieben Autoren. Truman Capote & Henri Cartier-Bresson, John Steinbeck & Robert Capa, Arthur Miller & Inge Morath u. a

Hier könnte das erste Foto von zwei Fotos gezeigt werden, wenn es denn über die Laufzeit der Ausstellung hinaus für Internetmedien gestattet wäre.

Das Kunst Haus Wien zeigt eine exzeptionelle Ausstellung zu drei Reisezielen von Henri Cartier-Bresson: USA - Indien - UdSSR. Reiseziele, denen er mehr als einen fotografischen Trip gegönnt hat. Cartier-Bresson unternahm weitere Reisen in zeitlichen Abständen, um die Lebenswirklichkeiten erneut abzulichten. Er aktualisierte seinen Blick ebenso wie den der ganzen Welt auf Länder und Menschen.

Erzählerische Kraft und Einfangen des besonderen Moments sind hervorstechende Charakteristika der Fotografien von Cartier-Bresson. Fantastische Fotos, die in einer Zeit entstanden, als Fotografieren und Fotoverwendung noch nicht von einer Gesetzesflut beschnitten wurden. Fotos bei deren Entstehung inhaltliche und künstlerische Qualitäten über Equipment und Gewerbeschein gestellt wurden.

Hier könnte das zweite Foto von zwei Fotos gezeigt werden, wenn es denn über die Laufzeit der Ausstellung hinaus für Internetmedien gestattet wäre.

Fazit: Gehen Sie in die Ausstellung und machen Sie sich selbst ein Bild. Abgesehen von der gelungenen Ausstellung “Henri Cartier-Bresson. Der Kompass im Auge: Amerika-Indien-Sowjetunion” ist das Kunst Haus Wien sowieso immer einen Besuch wert!

© S. Strohschneider-Laue

Henri Cartier-Bresson
Sein 20. Jahrhundert 1908-2004
Der Klang der Seele. Portraits
Meisterwerke: Photographien
Du814 - das Kulturmagazin. Doppelter Blick: Sieben Magnum-Fotografen unterwegs mit sieben Autoren. Truman Capote & Henri Cartier-Bresson, John Steinbeck & Robert Capa, Arthur Miller & Inge Morath u. a

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Tropische Fische Ostindiens

Donnerstag, 16. September 2010

Non-Fiction

Samuel Fallours
Theodore W. Pietsch 

Tropische Fische Ostindiens
Taschen 2010, Faksimile 104 S., En./Fr./Dt Booklet 100 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8365 2531 2 

Samuel Fallours: Tropische Fische Ostindiens

Bücher mit Abbildungen bunter Fische sind heute keine Seltenheit. Aber es wäre nicht Taschen, wenn dieses Buch nicht doch eine Seltenheit wäre. Der vorliegende Prachtband verbindet die Qualitäten eines historischen Grundlagenwerks mit denen eines hochqualitativen Faksimiles und eines Coffee Table Books.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war die farbenprächtige Publikation über tropische Fische eine Novität. Kuriositätenkabinette waren vornehme Pflicht, die Beschäftigung mit Naturalien ein beliebtes und teures Hobby des Adels und der reichen Bürgerschaft. Doch was als Präparat in Europa ankam, entsprach selten der prachtvollen lebenden Realität. Umso überraschter, wenn auch skeptischer, reagierten Sammler und Forscher auf die Farbenpracht, die die Tafeln offenbarten. Fische zeigten sich bunter als Papageien, Schmetterlinge und Blumen.

Die Auftragsarbeit des Generalgouverneurs Adriaen van der Stel in Ostindien entstand im Laufe von rund 17 Jahren. 460 Kupferstiche zeigen 415 Fische, 41 Krebse, zwei Stabheuschrecken, einen Dugong sowie eine Meerjungfrau. Nur 10% der Abbildungen sind Fantasiegebilde, alle anderen lassen sich tatsächlich lebenden Spezies, Gattungen und Familien zuordnen. Verschiedene Künstler trugen zur Entstehung bei, Samuel Fallours ist allerdings jener über den am meisten bekannt ist. Er fertigte zahlreiche Kopien seiner Zeichnungen für Sammler an. Oft auch - ganz kundenorientiert - reichlich bizarre Neuinterpretationen, die aus tatsächlichen Vorlagen und Augenzeugenberichten hervorgingen.

Als frühestes Farbwerk zu tropischen Fischen gehört es zugleich auch zu den seltensten. Fasziniert heute vor allem der hübsche Anblick, so sollte nicht vergessen werden, dass das Buch an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert ein bedeutendes naturwissenschaftliches Werk war und einen tiefen Einblick in die Wissenschaftsgeschichte bietet. Die spannende Hintergrundgeschichte zu “tropische Fische Ostindiens” wird von Theodore W. Pietsch minutiös und dennoch fesselnd anhand zahlreicher Quellen in einem beigefügten dreisprachigen Booklet nachvollzogen. Herausnehmbar erweist sich das Booklet beim Betrachten der Tafeln als hilfreich. Jede Tafel ist im Briefmarkenformat abgebildet und bestimmt die gezeigten Tiere. 

Wer nicht das Glück hat, das Original in der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ansehen zu dürfen, wird mit dem Faksimile von Taschen ein ebenso großes Vergnügen haben.

© S. Strohschneider-Laue

Samuel Fallours: Tropische Fische Ostindiens

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Indien hören

Mittwoch, 18. November 2009

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Peter Pannke, Lisa Fehrenbach
Indien hören
Silberfuchs Verlag 2009, 1 CD, Laufzeit 80′, 16 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 13 3

 Indien hören - Das Indien-Hörbuch: Eine klingende Reise durch die Kulturgeschichte Indiens von den Mythen bis in die Gegenwart

Die klingenden Reisen sind unverwechselbar. Kompakt und stimmungsvoll zugleich verführen sie zu Ohrenreisen in die Ferne. Fundiert aufbereitet, wird die Kulturgeschichte des jeweiligen Landes erzählt. Das klangliche i-Tüpfelchen bildet die jeweilige Kombination aus exzellentem Sprecher und mit Bedacht gewählten Musikzitate. Gemeinsam komplettieren sie die sinnliche Atmosphäre aller Hörreisen. Die anspruchsvollen Produktionen erfreuen durch ihre grafische und akustische Aufbereitung Augen und Ohren gleichermaßen. Aber das wirklich Besondere an Ihnen ist, dass sie wertfrei neugierig auf das Andere, das Fremde machen.

Auf Indien muss man allerdings nicht neugierig machen. Unvorstellbar das Land der Vielfalt nicht reizvoll zu finden. Indien denkt, fühlt und lebt in anderen Dimensionen. Nicht nur hinsichtlich Bevölkerung, Kulturen und Sprache ist Indien ein bunter Gigant. Mitprägend waren für die Entwicklung Indiens die Ausbreitung des Buddhismus, Hinduismus, Jainismus, Islam, Bhakti-Kult, Sufismus, Sikhismus oder auch des Krishna-Kults. Die von innen und von außen kommenden politischen Veränderungen waren zusätzliche Faktoren, die Indien einen nachhaltigen Stempel aufdrückten.

Die neue klingende Reise aus dem Silberfuchs Verlag vermittelt einen akustischen Farbrausch für die Ohren, der Indien mehr als nur gerecht wird. Von den frühen Schöpfungsmythen, über politische, philosophische und religiöse Strömungen bis zum modernen Indien des Mahatma Gandhi, Bollywood oder auch Slumdog Millionär wird der Bogen gespannt. Die enorme Herausforderung eine gewaltige Informationsfülle auf 80 Minuten zu verdichten, ist genial bewältigt worden. Die spannende Aufbereitung in Kombination mit der Stimme von Rufus Beck verführt immer aufs Neue zum Wiederhören. Mit traditioneller indischer Musik unterlegt, entsteht ein Klangerlebnis, das Ohren Curry hören, riechen und schmecken lässt. Dass die Augen bei diesem inhaltlichen und akustischen Fest nicht zu kurz kommen, dafür hat Roswitha Rösch mit farbenprächtiger Gestaltung von CD, Cover und Booklet gesorgt.

Hörprobe 

© S. Strohschneider-Laue

Indien hören - Das Indien-Hörbuch: Eine klingende Reise durch die Kulturgeschichte Indiens von den Mythen bis in die Gegenwart 

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Meiji - Japan um 1900

Dienstag, 14. April 2009

Notiz

Meiji
Japan um 1900
MAK Schausammlung Asien
5. April bis 4. Oktober ‘09

MEIJI. Japan um 1900 Ausstellungsansicht, MAK-Schausammlung Asien 2009 © MAK/Georg Mayer 

„Meiji” (strahlende Herrschaft) war der Äraname des 122. Tenno (1852-1912). 1868 kam der 16-jährige Mutsuhito an die Macht. Unter seiner Herrschaft kam es zu grundlegenden Änderungen. Der Regierungssitz wurde von Kyoto nach Edo (ab 1868 Tokyo) verlagert. Unter anderem wurde Schul- und Wehrpflicht - gegen heftige Widerstände der Bevölkerung - eingeführt. Das bestehende Feudalsystem wurde zu einer konstitutionellen Monarchie nach westlichen Vorbild umgewandelt. Und nach der Satsuma-Rebellion kam zu dem das Ende der Samurai. Der Niedergang dieser zahlungskräftigen Auftraggeber wirkte sich nicht nur auf Kunst und Kultur aus.

Vase Bronze mit plastischem Dekor Netz mit Krabben Künstlermarke Tesai Japan, vor 1872 Or 0462 / aus dem Orientalischen Museum, 1873 erworben auf der Wiener Weltausstellung © MAK Die Förderung internationaler Kontakte war aus wirtschaftlichen Gründen dringend nötig. Internationale Beziehung wurden auch bei Weltausstellungen angestrebt. Die japanische Leistungschau bewährte sich aber nicht durch Anpassung an westliche Vorbilder, sondern durch die Beibehaltung traditioneller Produkte. Japanische Kunst beeinflusste schließlich die westliche Welt und ihre Künstler - nicht zuletzt den Jugendstil - nachhaltig.

Fächerförmige Wandverzierung Meiji-Periode (1868–1912), vor 1873 Holz mit Goldlackdekor in verschiedenen Techniken, signiert Ikeda Taishin (1829–1903) La 056/ erworben 1873 auf der Wiener Weltausstellung © MAK/Georg Mayer Österreich war auch um die Jahrhundertwende zwar nicht unter den Letzten, aber wieder einmal sehr spät dran. Erst 140 Jahre bestehen die diplomatischen Beziehungen zu Japan. 1873 präsentierte Japan einen traditionsverhafteten Reigen kunsthandwerklicher Produkte auf der Wiener Weltausstellung. Ein große Anzahl der Objekte wurde von der japanischen Regierung damals an europäische Museen übergeben. Ein Teil dieser Schenkung gelangte auch in die Sammlung des heutigen MAK und ist in dieser Ausstellung zu sehen.

Kassette für Teeutensilien mit zwei Deckelkästchen Japan, Meiji-Periode (1868–1912), vor 1873 Holz mit Gold- und Silberdekor auf schwarzem Lack (Streulacktechnik, Maki-e) Or 3830/ erworben 1873 auf der Wiener Weltausstellung © MAK Ergänzt wird die Schau durch Objekte, die Japanreisende und Sammler gestiftet haben. Zwischen 1870 und 1912 sind die 90 exquisiten Objekte entstanden, die in der Ausstellung gezeigt werden. Und jedes einzelne Objekt verdient beim Betrachten die volle Aufmerksamkeit. Chronologisch gereiht verweilt man genüsslich bei Tassen, Schalen, Schüsseln, Vasen, Schreibschatullen, Zigarrenkiste, Teekassette, Ziergegenständen aller Art und nicht zuletzt auch bei drei nur auf den ersten Blick einfachen Korbflechtereien. Und auch an den schmalen Körbchen mit den hochgezogenen zarten Bügeln sollte man nicht achtlos vorbeigehen. Bis ins letzte Detail kunstfertig gearbeitet, lassen sie schon jetzt Vorfreude auf eine zukünftige Ausstellung aufkommen, die sich der Korbflechterei widmen wird.

Vase (Detail) Japan, Meiji-Periode (1868–1912), vor 1885 Bronze mit Einlegearbeiten und Gravierungen Go 0630/ erworben aus der Internationalen Ausstellung von Arbeiten aus edlen Metallen und Legierungen in Nürnberg 1885 © MAKDie nüchterne Ausstellungshalle kommt den unvergleichlichen Objekten zu Gute. Obwohl man es sich doch bei einigen Stücken wünschen würde, dass Spiegel auch deren Rückseite oder Unterseite zeigen würden.

Tafelbild Berg Fuji Japan, Seto, Meiji-Periode (1868–1912), um 1872 Porzellan mit kobaltblauer Unterglasurmalerei, signiert: Kawamoto Masukichi Ke 02071/ erworben 1873 auf der Wiener Weltausstellung © MAKManches Objekt ist täuschend schlicht gearbeitet und enthüllt seine außergewöhnliche Verarbeitungstechnik oder Gestaltung erst beim genauen Hinschauen. Andere wieder prunken mit allem was technisch möglich und künstlerisch zu verantworten war. Skurriles und nonfunktionales Design ist hier genauso vertreten wie Meilensteine für den Japonismus.

Unbedingt anschauen (Samstag bei freiem Eintritt) und bedauern, dass es keinen Katalog gibt.

© S. Strohschneider-Laue

Der Japonismus und seine Bedeutung für das Bildverständnis von Edouard Manet
Japanische Impressionen eines Kaiserlichen Gesandten. Karl von Eisendecher im Japan der Meiji-Zeit
Die Außenpolitik der Meiji-Zeit
Das moderne Japan 1868-1952: Von der Meiji-Restauration bis zum Vertrag von San Francisco

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Türkei hören

Sonntag, 01. Juni 2008

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Martin Greve
Türkei hören
Silberfuchs Verlag 2008, Laufzeit 79′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 01 0

Türkei hören Türkei hören: Eine musikalisch illustrierte Reise durch die Kulturgeschichte der Türkei

Selbst erfahrene Türkeireisende werden hier in einem geballten Überblick vom mythischen Ursprung bis in die Gegenwart sehr viel bislang Unbeachtetes erfahren. In zwanzig Kapiteln begleitet man das ursprünglich nomadische Volk aus Zentralasien. Der religiöse Schmelztiegel des Islam eint die Kulturen. Die Religion, Politik und Kunst werden untrennbar und die Ausweitung des Reichs aus Zentralanatolien gen Westen unaufhaltbar. 1366 fällt Adrianopel, 1453 schießen die Osmanen ein Loch in die mächtige Stadtmauer von Byzanz. Die letzte Erinnerung an oströmisches Erbe wird damit ausgelöscht. Die Hagia Sophia wird von christlicher Kirche zur Moschee deklariert. In kurzer Zeit wird die Stadt Konstantinopel zur Mega-City mit 400.000 Einwohnern. Erfolgreiche Kriegszüge lassen die Janitscharen, die Infantarie, in Folge zum Schrecken Europas werden. Bereits 1529 stehen sie - allerdings vergeblich - vor den Toren Wiens und 1683 belagern sie die Stadt wieder erfolglos. Das türkische Heer hat für Europa einen Teil seines Schreckens eingebüßt, dafür wird die türkische Kultur zur Mode. Aber auch der Austausch mit den westlichen europäischen Kulturen hat seine Spuren unter anderem in Musiktradition oder den Militärreformen des 19. Jahrhunderts hinterlassen.

Vom frühen Dichter Yunus Emre bis zum Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk der Gegenwart spannt sich der literarische Bogen. Kalligraphie, Buchdruck und Malerei, Musik, Tanz und Islam gehen in der türkischen Kultur eine einzigartige Verbindung ein, die vom großen Vielvölkerstaat geprägt wird. Leichthändig und politsch sensibel, wird die Türkei als vielschichtiger und historisch wechselvoller kultureller Reigen präsentiert. Lebendig, sinnlich und traurig sind die ausgewählten Musikzitate. Sie stehen als harmonischer und dennoch fast gleichwertiger Bestandteil neben der ruhigen Stimme des Sprechers Ercan Durmaz. Mit roten Tulpen und weißen Derwischen auf türkisem Hintergrund hat Roswitha Rösch wieder kluges Gespür für passendes Cover- und Bookletdesign bewiesen.

Man muss die Silberfuchsreisen einfach alle haben. Unglaublich, aber fast besser als eine echte Reise und viel billiger! Ganz abgesehen davon, ist die Türkei Gastland der Frankfurter Buchmesse 2008. Kurzweiliger und stimmiger kann man sich wirklich nicht kulturhistorisch über die Türkei informieren.

Hörprobe

© S. Strohschneider-Laue

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Israel hören

Mittwoch, 23. April 2008

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Corinna Hesse
Israel hören. Das heilige Land
Silberfuchs Verlag 2008, Laufzeit 80′, 16 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 00 3

Israel hören Israel hören - Das heilige Land (Audio-CD)

Am 14. Mai 1948 proklamierte Ben Gurion den Staat Israel. Der 60. Gründungstag Israels im Jahr 2008 ist Anlass für die klingende Reise “Israel hören”. Die Audio-CD erscheint am 13. Mai in der bewährten Länderreihe (s. a.  Rezensionen zu China hörenRussland hören, Ungarn hören; Hörproben Silberfuchs Verlag) der beiden Kulturjournalistinnen Corinna Hesse und Antje Hinz.

In 80 fesselnden Minuten wird der zeitliche Bogen von den biblischen Überlieferung bis in die Gegenwart gespannt. Die dramatische Geschichte, die von Vertreibung und Verfolgung ebenso gekennzeichnet ist wie von kultureller Hochblüte und Rückkehr, wird anhand wesentlicher Ereignisse aufgezeigt. Viele davon sind nicht nur archäologisch nachgewiesen, sondern im meist gelesenen Buch der Welt, der Bibel, schriftlich überliefert. Die verbindende Elemente und Ursprünge der drei großen Weltreligionen werden dabei sensibel abseits der religiös-politischen Reibungsflächen in die historischen Betrachtungen einbezogen. Die Bewahrung alter Traditionen als zentrales Element wird leicht verständlich aufbereitet. Die sich aus der wechselvollen Geschichte ergebende kulturelle Brücke aus Orient und Okzident wird zuletzt noch anhand der Sichtweisen zeitgenössischer Künstler aufgezeigt.

Interessierte Menschen jeden Alters zu erreichen, gelingt der Länderreihe spielend. Das Ziel mit “Israel hören” insbesondere jüngere Menschen anzusprechen, geht jedenfalls vollinhaltlich auf. Die akustische Reise durch die wechselvolle Kulturgeschichte macht nicht nur neugierig auf mehr, sondern lädt immer wieder aufs Neue zum Hineinhören ein. Zum inhaltlichen Hörgenuss mischen sich passende musikalische Sequenzen. Die Stimme Rolf Beckers, der sich wieder als genialer Erzähler erweist, hält die Spannung bis zum letzten Wort aufrecht. Das Booklet, das wieder wesentlich mehr als nur Inhaltsverzeichnis ist und daher seinem Namen auch gerecht wird, ist von Roswitha Rösch themenbezogen gestaltet worden. Eine kleine, feine optische Ergänzung zum akustischen Genuss.

Hörprobe

© S. Strohschneider-Laue

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China Schätze

Freitag, 11. April 2008

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Schätze aus dem Nationalen Palastmuseum, Taiwan

1000 Jahre haben die chinesischen Kaiser gesammelt und etliches davon war schon damals bedeutend älter. Sie schöpften dabei aus der kulturellen Fülle und den wertvollsten Ressourcen ihres riesigen Reichs. Bereits zur Gründungszeit der Sammlung (Song-Dynastie 960-1279) wurde sie - ganz im bürokratischen Sinne dieser Zeit - katalogisiert. Unter allen Herrschern wuchs der KaisersiegelKaisersiegelBestand an. Während der Qing-Dynastie (1644-1911) erreichte er seinen Höhepunkt. Kaiser Qianlong (1736-1795) zeichnete sich unter der langen Reihe als eifrigster Sammler aus. Gemeinsam ist allen diesen kaiserlichen Sammlern, dass sie bis heute über die Stücke - oft auch sehr persönlich - fassbar werden. Nicht nur ihre politische und philosophische Weltsicht, sondern auch ihre Vorlieben und kreativen Fähigkeiten sind erkennbar. Die Bewahrung des kulturellen Erbes gehörte zur Erfüllung des “himmlischen Mandats” des chinesischen Herrschers, von dem auch erwartet wurde nicht nur Kunstkenner, sondern auch selbst Künstler zu sein.

Die Sammlung überdauerte Dynastien, Fremdherrschaften, Kriege und die Odyssee zwischen 1933 und 1965, die sie an ihren jetzigen Standort in Taipeh (Taiwan) führte. Das Nationale Palastmuseum beherbergt heute eine Sammlung mit über 650.000 Objekten. Das KHM zeigt von 26. Februar bis 13. Mai 2008 aus dem reichen Bestand 120 ausgewählte Stücke.

Die erzählerische Kraft der Stücke ist groß. So sieht man von Kaiser Xuande nicht nur ein Prunkporträt, sondern auch eine von ihm gefertigte meisterliche Pinselzeichnung von Affenmutter mit Kind.
Das kupferrote Kännchen mit eingeschnittenem Lotosblütendekor, das unter Xuande in die Sammlung kam, ist einmal im Original und einmal auf einem Bild von Guiseppe Castiglione (1688-1766) zu sehen. Der Jesuit war Hofmaler unter drei Qing-Kaisern und beeinflusste die chinesische Malerei durch seinen westlichen Stil maßgeblich.

Dass auch Kaiser irren können, zeigt sich in der Fehlbeurteilung einer flachen Schale. Die wertvolle Schale deren Füßchen - vermutlich nach einer Beschädigung - kunstvoll entfernt worden waren, wurde fälschlich als Hundenapf bezeichnet. Eine nette Geschichte, die zeigt wie lebendig Sammlungsgeschichte sein kann.

Kalligraphien sind ebenso vertreten wie bildliche Darstellungen, die mit Texten kombiniert sind. Schade, dass die Mehrheit die Schriftzeichen nicht lesen können und so die Inhalte verborgen bleiben und nur die ansprechende Form gefällt. Die 1736 entstandene Bildrolle zum Begräbnisfest ist hingegen eine Entdeckungsreise für alle. Sie ist elf Meter lang und von einer erzählerischen Kraft, die man bei TV-Produktionen vergeblich sucht. Die Besucher nähern sich beidseitig des Flusses und über die Brücke den Stadtmauern. Jeder Mensch, jedes Tier, Gebäude, Fahrzeug oder Schiff erzählt eine Geschichte. Eine Flut von Darstellungen halten Abschnitt für Abschnitt die Augen gefangen. Kaum meint man alles entdeckt zu haben, wird ein weiteres winziges Detail sichtbar, vom vollgepackten Händler bis zum Haus mit westlichen Elementen. Allein mit dieser Rolle könnte man sich Ewigkeit beschäftigen. Hier nimmt man gerne in Kauf, dass das gedimmte Licht dem Schutz der Rolle dient.

Man sollte sich Zeit nehmen für diese Ausstellung und nicht nur um den üblichen exorbitanten Eintrittspreis ins KHM auszunutzen. Die Objekte verdienen und erfordern eine genaue Betrachtung. Über eine gute körperliche Beweglichkeit sollte man aber auf jeden Fall verfügen oder von Natur aus kleingewachsen sein. Teeschalen, die besonders exquisit verziert sind, stehen nämlich nicht auf einem Spiegel oder auf einem Sockel, der in etwa der Augenhöhe des ohnehin kleinen Durchschnittsösterreichers entspricht. Leider befinden sich die meisten Schalen in Hüft- und Bauchhöhe, was wenig Sinn macht, wenn nicht die Innenseite, sondern die Außenseite das attraktivere von beiden ist. Die beste Sicht hat man daher, wenn man sich mit regelmäßigen Kniebeugen durch die Ausstellung bewegt. Den Vorteil groß zu sein schöpft man hingegen aus, wenn man Stücke, die rundum geschnitzt oder bemalt sind, genauer betrachten möchte. Auf einem langestreckten Sockel stehen die Objekte in einer Doppelreihe. Jedes davon mit einem gläsernen Sturz bedeckt und daher am besten in der Frontalen zu sehen. Nun schlägt die Stunde der großen BesucherInnen. Sie erheben sich von ihren Knien auf die großen Zehen. Balancierend renken sie sich den Hals schlangengleich aus, um auch das letzte erzählerische Detail auf der Rückseite aufnehmen zu können. Aber Sport ist ja gesund und für diese Stücke lohnt es sich davor auf die Knie zu fallen oder sich zu recken.

Zu viel Information darf man natürlich in den beiden Räumen nicht erwarten, schließlich möchte das Haus auch einen Katalog verkaufen. Nach einer chronologischen Übersicht kann man sich mit den ersten Raumtexten zu den wichtigsten Materialien wie z. B. Jade, Porzellan oder Bronze informieren. Die Objekttexte sind erfreulicher Weise nicht nur auf Objektansprache, Datierung sowie die Inventarnummer reduziert. Sie bieten bei ausgewählten Stücken auch spannende Zusatzinformationen. Die Texte selbst sind wie üblich im akademisch getragenen Stil des 19. Jh. abgefasst und passen gut zur Erbauung des Hauses. Das interessierte Publikum, das nicht in höhere akademische Sphären entschwebt ist, sondern einen Brotberuf ergriffen hat, sei daher ein Fremdwörterlexikon empfohlen. Dass die Lauflänge der Texte zu groß, der Durchschuss zu schmal und die Schriftgröße zu klein ist, hat schon missgestalterische Tradition. Wer ein Lesebrille braucht, muss sie sowie so parat haben, um die Details der Objekte wirklich erforschen zu können.

Hingehen und in aller Ruhe anschauen. Die Ausstellung ist ein gutes Beispiel dafür, dass es nicht immer Unmengen sein müssen. Es ist erfreulich, dass das vielfach überstrapazierte Wort “Gold” hier für den Ausstellungstitel nicht verwendet werden konnte. “Jade” ist aufgrund des fehlenden kulturellen Kontextes im Westen nicht so zugkräftig und deshalb hat man voll und ganz gerechtfertigt auf “Schatz” zurückgegriffen. Schönheit, Qualität, Einzigartigkeit und historischer Zusammenhang machen den Hauptanteil des Schatzes aus, dass die Objekte ebenso unersetzlich wie unbezahlbar sind, steht sowieso außer Frage.

© S. Strohschneider-Laue

Schätze der Liao
Im Zeichen des Drachen. Von der Schönheit chinesischer Lacke
Xi’an - Kaiserliche Macht im Jenseits
Schätze der Himmelssöhne
Chinesische Jade

Sichuan Restaurant Wien

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