Das Huhn - Geschichte, Biologie, Rassen
Freitag, 22. März 2013
Ebensolch Rez-E-zine 74/13
Joseph Barber (Hg.)
Das Huhn
Geschichte, Biologie, Rassen
Haupt 2013, 224 S., zahlr. Farbfotos und Grafiken.
ISBN 978 3 2580 7786 0
Das Huhn: Geschichte, Biologie, Rassen
Mehr als Ostereier und Hühnerbrust
Ostern steht vor der Tür und hierzulande werden den Hasen die Eier untergeschoben. Eine weitere Ungerechtigkeit, die den Hühnern widerfährt, seit sie ihre Heimat, den südostasiatischen Dschungel, verlassen haben. Ihre lange Reise vom Dschungelboden bis auf den europäischen Misthaufen nahm ihren Anfang vor rund 10.000 Jahren. Was als vorteilhaftes Arrangement zwischen wild lebenden Hühnern und sesshaften Menschen vor rund 5.400 Jahren in China begann, führte über das Industal bis nach Europa und bis nach Afrika.
Vorliegendes Buch zeigt Hühner von ihren attraktivsten Seiten und berücksichtigt auch die interessanten kulturgeschichtlichen Aspekte um die Nachfahren der Dinosaurier, die noch vor Kolumbus nach Amerika kamen.
Hübsch, schlau, wehrhaft und nützlich
Persönlich haben Hühner und ich eine sehr ambivalente Beziehung: Ich finde sie hübsch und sie können mich nicht leiden. Sehr schlau von dem “dummen Huhn”; denn ich bin zwar nicht hinter ihren Schenkeln her, aber auch abseits des Osterfestes auf Nest- und somit auf Eiersuche. Einer potenziellen Nesträuberin den dominanten Hahn mit einer Geschwindigkeit von mindestens 14,5 km/h auf den Hals zu hetzen, ist aus Hühnersicht also durchaus vernünftig. Dennoch gibt es auch bessere Beziehungen zwischen Hühnern und ihren Haltern. Sie werden zutraulich und lassen sich sogar dressieren - ganz ohne Fehlprägung beim Kükenschlupf. Sie wissen also durchaus wem sie Fürsorge in Form regelmäßiger Fütterung und gepflegten Unterschlupf zu verdanken haben.
Das Huhn sorgt durch seine Eier für steten Nahrungsnachschub und ist selbst - von Haut und Federn bis zu den Knochen - komplett verwertbar. Der Nützlichkeitswert des Hahns ist kaum geringer: prachtvolle Federn und territorial-aggressives Verhalten. Tüchtiges Legehuhn und furchtloser Kampfhahn - ein zweifelhafter menschlich-männlicher “Sport” - waren und sind ein wertvoller Besitz. Eine derartig fast nur einseitig vorteilhaftes Zusammenleben sollte nicht auch noch mit qualvoller Massentierhaltung gekrönt werden.
Geschichte, Biologie, Rassen
Der prächtige Band besticht durch hervorragende Gliederung, fachkundige Aufbereitung und exzellente Bildauswahl. Fünf Kapitel informieren über Anatomie und Biologie, Verhalten, Intelligenz und Lernen sowie Rassen. Die benutzerfreundliche Untergliederung lässt leichtes Auffinden der gewünschten Information zu und macht das ohnedies spannend aufbereitete Thema trotz seiner Informationsfülle zu flockig-lockeren Lektüre. Im Anhang finden sich die Liste der Hühnerrassen, Autorenbiografien, verwendete und weiterführende Literatur, Register und Bildnachweis.
“Das Huhn” belegt wie wichtig und publikumswirksam eine gelungene Zusammenarbeit zwischen Fachleuten aus Forschung und Wissenschaftsvermittlung ist. Beinharte Wissenschaft an interessierte Laien zu vermitteln und dabei das versierte Fachpublikum nicht zu verlieren, ist eine Kunst, die nicht jedes Autorenteam beherrscht. Schön, dass dieses gelungene englische Werk bei Haupt nun auch in deutscher Sprache erschienen ist.
Fazit
Ein Handbuch zum Lesen. Ein Lesebuch zum Verstehen und Vertiefen. Und hin- und wieder liebäugeln mit einem eleganten Sebright oder einem properen holländischen Zwerghuhn kann man mithilfe des Buchs auch.
© S. Strohschneider-Laue
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