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Papierdesign: Falttechniken

Mittwoch, 08. Juni 2011

Non-Fiction

Paul Jackson
Von der Fläche zur Form
Falttechniken im Papierdesign 
Haupt 2011, 224 S., zahlr. Abb. und Diagramme, CD-ROM. 
ISBN 978 3 2586 0019 2

Von der Fläche zur Form: Falttechniken im Papierdesign

Wenn Sie über viel Zeit, gute Nerven und eine gehörige Portion Ehrgeiz verfügen, ist “Von der Fläche zur Form. Falttechniken im Papierdesign” das richtige Buch für Sie. Falls Sie sich im Beruf oder in der Ausbildung mit der hohen Kunst des Faltens auseinandersetzen müssen, werden Sie seinem Autor Paul Jackson vermutlich ewig dankbar sein, dass er dieses grundlegende Werk zu Papier gebracht hat. Schritt-für-Schritt erklärt er darin eine große Zahl unterschiedlicher Falttechniken, die - einmal erlernt - ein mächtiges Gestaltungswerkzeug abgeben.

Dem harmonischen Zusammenspiel von präzisen Texten, Faltdiagrammen, Fotos wichtiger Momente im Arbeitsprozess und Abbildungen der fertigen Faltobjekte ist anzumerken, dass Paul Jackson jahrelang als Kursleiter Erfahrung sammeln konnte. Die hervorragende Gliederung des Buches und die große thematische Bandbreite machen “Von der Fläche zur Form” sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene attraktiv.

Kapitel 1 vermittelt Grundlagen wie Papierunterteilung, die symmetrische Verdopplung von Mustern, die Gestaltungsmöglichkeiten durch Streckung und Neigung sowie Anregungen für das Arbeiten mit Polygonen.
Kapitel 2 ist den Grundfalten - also Ziehharmonika-, Messer-, Kasten- und Verlaufsfalten - gewidmet.
Kapitel 3 untersucht Spiralfalten, das Zusammenfassen von Falten und verdrehte Falten.
Kapitel 4 stellt die wandlungsfähigen V-Falten und ihre Variationen in den Mittelpunkt.
Kapitel 5 zeigt wie Wölbungen in Form von Bögen und Sattelflächen erzeugt werden können.
Auch Schachteln und Schalen lassen sich falten. Anleitungen dazu sind in Kapitel 6 zu finden.
Dass aus einem einfachen Blatt Papier mithilfe von Pseudo- und Einzelfalten Objekte mit skulpturalen Qualitäten entstehen können, beweist Kapitel 7.
Wild geknittert wird schließlich in Kapitel 8.

Wie jeder gute Lehrer führt Paul Jackson in einer logischen Abfolge vom Einfachen zum Komplizierten, ohne dabei gleich alle Tricks zu verraten. Fallweise ist selbstständiges Denken und Experimentieren gefragt. So werden z. B. nicht alle Faltdiagramme von einer Aufschlüsselung jedes einzelnen Handgriffs begleitet. Ich bin beim Zusammenschieben der Falten von zwei der komplizierteren Muster ganz schön ins Schwitzen gekommen. Das Erfolgserlebnis bei den beiden geglückten zweiten Versuchen war dafür umso süßer.

“Von der Fläche zur Form” ist ein Buch, auf das man sich einlassen muss, um nachhaltig von ihm zu profitieren. Mit Lesen allein ist es nicht getan. Probieren Sie die unterschiedlichen Techniken aus, indem Sie den Anleitungen folgen - die Faltdiagramme können als pdf von der CD-ROM abgerufen werden - oder lassen Sie ihrem Spieltrieb freien Lauf. Es lohnt sich. Ich habe seit meiner Schulzeit, als ich im Handarbeitsunterricht ein Ei falten musste, ein gestörtes Verhältnis zu Origami. Trotzdem hat mir die Auseinandersetzung mit dem - übrigens auch sehr schmuck gestalteten - Buch “Von der Fläche zur Form” viel Spass gemacht und mein kreatives Schaffen bereichert, ganz abgesehen von seinem therapeutischen Effekt. Paul Jackson ist mit “Von der Fläche zur Form. Falttechniken im Papierdesign” ein hervorragendes Handbuch gelungen, das ebenso unentbehrlich wie inspirierend ist.

© Ch. Ranseder

Von der Fläche zur Form: Falttechniken im Papierdesign 

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Stempel, Walzen & Schablonen

Mittwoch, 06. April 2011

Non-Fiction

Traci Bunkers
Stempel, Walzen & Schablonen 
52 Ideen für selbstgemachte Druckwerkzeuge 

Haupt 2011, 160 S. zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 2586 0027 7

Stempel, Walzen & Schablonen

Seit ich “Stempel, Walzen und Schablonen” gelesen habe, kann ich nicht mehr einkaufen gehen, ohne gedankenverloren vor Regalen zu stehen und mich zu wundern, wie der Abdruck dieses oder jenes Gegenstandes wohl aussehen würde. Besonders ergiebige Jagdgründe sind Baumärkte und 1-Euro-Shops. Ob Hühneraugenpflaster, Zehenspreizer, Flaschenverschlüsse, Haargummis, Rohrleitungsisolierungen, Draht, Beilagscheiben oder Papierzierdeckchen – Traci Bunkers beweist in ihrem mitreißendem Buch, dass es möglich ist, mit fast allem interessante Muster zu drucken. Die Begeisterung, mit der sich die erfinderische amerikanische Künstlerin an die Arbeit macht und ihre Freude am Experimentieren sind ansteckend. Das liegt zum einen am entspannten Plauderton der Texte, zum anderen an den exzellenten Anleitungen zur Herstellung und Verwendung zahlreicher Druckwerkzeuge.

Traci Bunkers beginnt ihre Einführung in die faszinierende Welt des experimentellen Druckens mit einer kleinen Materialkunde. Sie erklärt auf welchem Trägermaterial die Fundstücke zur besseren Handhabung montiert werden können und welche Klebstoffe sich dazu eignen, vergleicht die Eigenheiten von Acrylfarben und Stempelkissen, listet Ausrüstungsgegenstände vom einfachen Schneidemesser bis zum Embossingfön auf und gibt Tipps zum Reinigen der Druckwerkzeuge.

Der Hauptteil des Buches ist in vier Kapitel – “Druckstöcke und Stempel”, “Stempel aus formbarem Schaumstoff”, “Walzen” und “Schablonen” – gegliedert. In insgesamt 52 Projekten führt Traci Bunkers nachvollziehbar vor Augen, wie aus Alltagsgegenständen innovative Druckwerkzeuge werden. Jede Projektbeschreibung besteht aus einer Liste des benötigten Materials, einem Erfahrungsbericht der Künstlerin und einer leicht verständlichen Anleitung. Tipps helfen, gute Ergebnisse zu erzielen und mögliche Tücken des Materials zu meistern. Hinzu kommen zahlreiche Abbildungen, darunter Druckbeispiele vom einfachen Abdruck bis zu komplexen Mustern, die durch Kombination mit anderen Werkzeugen erzielt werden können. Sehr benutzerfreundlich sind auch die Vergleiche des Druckbildes bei Verwendung von Farbe und Stempelkissen.

Zu guter Letzt können aus einer Galerie mit Anwendungsbeispielen weitere Anregungen geschöpft werden.

“Stempel, Walzen und Schablonen” ist ein packendes Buch, das die Fantasie beflügelt. Auf den Spuren von Traci Bunkers zu wandeln ist weder aufwendig noch teuer, macht aber jede Menge Spaß. Möge Ihnen dieses Buch ebenso viele glückliche Stunden kreativen Schaffens bereiten wie mir!

© Ch. Ranseder

Stempel, Walzen & Schablonen

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Taschen für Fashionistas

Mittwoch, 06. April 2011

Non-Fiction

nani coldine
Taschen für Fashionistas 
entwerfen - nähen - verkaufen  

Haupt 2011, 160 S. zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 2586 0021 5

Taschen für Fashionistas

Eine Frau ohne Handtasche ist ein seltener Anblick. Für die meisten von uns sind die - mehr oder weniger praktischen - Transportbehälter unverzichtbare Begleiter. Dieses innige Nahverhältnis zu ihrer Besitzerin macht die Handtasche zu mehr als nur einem modischen Accessoire. Sie ist ein sehr persönlicher mobiler Raum, eine miniaturisierte Privatsphäre fern der Wohnung. Daher liegt es nahe, dass eine Handtasche nicht nur schick sein soll, sondern auch individuellen Ansprüchen genügen muss. Also schneidert frau sich das gute Stück am besten gleich selbst - Handarbeit liegt ohnedies im Trend. Anleitungen, guten Rat und Inspirationen für eigene Projekte steuert das Modelabel nani coldine mit “Taschen für Fashionistas. entwerfen - nähen - verkaufen” bei.

Das hinreißend illustrierte Buch ist die ideale Einführung für alle, die ihre Lieblingshandtasche selbst anfertigen wollen. Vermutlich wird es nicht bei einem Täschchen bleiben, denn die 25 Schritt-für-Schritt-Anleitungen machen Lust jedes der gezeigten Modelle nachzuschneidern. Ob Clutch, Hobo-Bag, Weekender-Bag, Tote-Bag, Baguette-Bag, Pochette oder Messenger-Bag - begehrenswert sind sie alle. Jede Anleitung besteht aus Angaben zu Material und Werkzeug, dem Schnitt und einer detaillierten Erklärung des Nähvorganges. Charmante Zeichnungen und Fotos des fertigen Modells stehen dem Text hilfreich zur Seite. Blutige Anfängerinnen an der Nähmaschine lernen in der Einführung wie Schnitte vergrößert, Innenfutter angefertigt und Reißverschlusstaschen genäht werden. Wer gar nicht nähen mag, findet im Kapitel “Pimp my bag” Vorschläge, wie alten Handtaschen mit Heißklebepistole, Farbe oder diversen Broschen neues Leben eingehaucht werden kann.

Mit ein bisschen Geschick und Übung lassen sich, inspiriert von “Taschen für Fashionistas”, eigene Ideen zu Entwürfen entwickeln, die aus Materialien aller Art umgesetzt werden können. Mutige, denen das Entwerfen und Produzieren von Taschen so viel Spass macht, dass sie ihren Lebensunterhalt damit bestreiten möchten, sei die Lektüre der Interviews mit jungen HandtaschendesignerInnen und das nützliche Kapitel “Existenzgründung” ans Herz gelegt. Damit auf den Traum von der Selbstständigkeit kein allzu böses Erwachen folgt …

Nadine Heintze, der Gründerin des Taschenlabels “nani coldine”, und ihrem Team ist mit “Taschen für Fashionistas” ein wunderbares Buch gelungen, das sich nicht zuletzt durch seine bezaubernde grafische Gestaltung wohltuend von anderen do-it-yourself-Publikationen abhebt.

© Ch. Ranseder

Taschen für Fashionistas: entwerfen, nähen, verkaufen

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Future Beauty - Mode aus Japan

Montag, 28. März 2011

Non-Fiction

Akiko Fukai, Barbara Vinken, Susannah Frankel, Hirofumi Kurino
Future Beauty
30 Jahre Mode aus Japan 

Prestel 2011, 256  S. zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 7913 4551 2

Future Beauty

Dreißig Jahre Kleidungsstücke mit Löchern, ausfransenden Säumen und nach außen gekehrten Nähten, triste Farben sowie körperferne Schnitte sind längst ein Bestandteil des modischen Mainstreams geworden. Vor 30 Jahren, als Rei Kawakubo und Yohji Yamamoto erstmals ihre Kollektionen in Paris zeigten, konnte man mit diesem scheinbaren Minimalismus noch die Gemüter der Modejournalisten erregen. Die dem Power Dressing und einer schrillen Farbigkeit huldigende westliche Modewelt der 1980er-Jahre reagierte zunächst verstört und weitgehend ablehnend auf die, eine radikal andere Ästhetik vertretenden, Schöpfungen der beiden japanischen Designer. Die Entrüstung währte nicht lange. Dank wachsender Präsenz in den Medien galt Mode aus Japan bald als innovativ und avantgardistisch. Rei Kawakubo, die Gründerin von Comme des Garçons, Yohji Yamamoto und Issey Miyake bereicherten die europäische Couture mit neuem Gedankengut und ebneten den Weg für nachfolgende Designer aus Japan. Ausgehend von diesem Dreigestirn der zweiten Generation von Modemachern aus Tokyo, ist das Buch “Future Beauty” bemüht, einen Überblick über Geschichte, Eigenheiten und markante Positionen der Mode aus Japan zu gewähren. Mit den Texten, die von insgesamt sieben Autoren stammen, gelingt dies auch hervorragend. Sie vermitteln fundiertes Basiswissen und schenken dabei sowohl der in Paris gezeigten konzeptorientierten Couture, die von Beginn an danach trachtete sich in der Nähe der Kunst zu positionieren, als auch den modischen Ausdrucksformen diverser japanischer Jugendgruppen Aufmerksamkeit.

Zwei einleitende Essays erzählen, wie es den Designern aus Japan gelang, im europäischen Modebusiness Fuß zu fassen, welche Strategien der Selfpromotion sie dabei anwendeten und durch welche Merkmale sich ihre Mode auszeichnet. Geprägt von der japanischen Ästhetik, dem asiatischen Verständnis der Beziehung zwischen Körper und Kleidung sowie neuerdings auch der Definition des Niedlichen kommentieren japanische Modemacher seit drei Jahrzehnten das sich in der westlichen Mode manifestierende Verständnis von Erotik, Eleganz und der Geschlechterdifferenz. Welche traditionellen japanischen Gestaltungsprinzipien sie dabei in den Dialog mit westlichen Kleidungsformen einbringen, wird in vertiefenden Kurztexten untersucht. Das Spektrum dieser Beiträge reicht von der Flächigkeit und der Liebe zur Farbe Schwarz über die Experimentierfreudigkeit bei der Entwicklung von neuen Technologien für Stoffe sowie deren Weiterverarbeitung bis zum Einfluss von Manga, Anime und Cosplay.

Als Scharnier zwischen dem allgemeinen Teil des Buches und den Einzelpräsentationen ausgewählter Modemacher fungiert ein Abschnitt über die zahlreichen Street Styles der Jugendlichen in Japans Metropolen.

Die zweite Hälfte von “Future Beauty” ist der Vorstellung prägender Modeschöpfer sowie einem Ausblick auf neun aufstrebende Jungdesigner vorbehalten. Mini-Porträts machen mit Issey Miyake, Rei Kawakubo, Yohji Yamamoto, Junya Watanabe, Jun Takahashi und Tao Kurihara bekannt und berichten von den wichtigsten Ereignissen in ihren Karrieren. Das begleitende Bildmaterial setzt leider nur Schlaglichter auf ausgewählte Modelle einiger weniger Kollektionen, anstatt einen Querschnitt durch das Schaffen des jeweiligen Modeschöpfers zu zeigen. Weder Werdegang noch Entwicklung sind daher optisch nachvollziehbar, selbst Meilensteine fehlen zuweilen. Besonders offensichtlich wird diese, fallweise auch andernorts im Buch festzustellende, mangelnde Abstimmung zwischen Fließtext und Abbildungen in der Einzelpräsentation von Issey Miyake. So wird zum Beispiel von den plissierten Kleidungsstücken seiner pleats-please-Reihe im gesamten Buch kein einziges Foto gezeigt, obwohl diese in den Texten mehrfach erwähnt wird. Stattdessen können auf 13 Seiten – zugegebenermaßen faszinierende – Modelle aus einer Kollektion des Jahres 2010 bewundert werden.

Die Zusammenstellung der dargebotenen Abbildungen präsentiert bedauerlicherweise keine lückenlose visuelle Chronologie, wie sie für eine Übersicht des facettenreichen Outputs der Couturiers aus Japan wünschenswert wäre. Vielmehr lenken die Fotos den Blick auf bestimmte Charakteristika der von japanischem Gedankengut und Innovationskraft geprägten Mode. Das macht das Buch zur praktischen Stilkunde, die das kulturelle Verständnis fördert. Als exzellente Einführung und Ausgangspunkt für eine tiefer gehende Auseinandersetzung gebührt “Future Beauty. 30 Jahre Mode aus Japan” ein Spitzenplatz im Ranking der Modeliteratur.

© Ch. Ranseder

Future Beauty

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Szenografie - Narrative Räume

Montag, 14. Februar 2011

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Atelier Brückner (Hg.)
Szenography / Szenografie
Making spaces talk / Narrative Räume
Projects / Projekte 2002-2010 Atelier Brückner
avedition 2010, Dt./En.,368 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8998 6136 5

Scenography. Atelier Brückner 2002-2010: Make spaces talk

“Szenografie” ist ein Buch mit vielen Eigenschaften. Auf der inhaltlichen Ebene vereint es die Merkmale eines Handbuches mit den Charakteristika einer Jubiläumsschrift. Seine Texte verbinden die Vermittlung von Grundlagen einer noch jungen Disziplin mit der Vorstellung von Philosophie und Projekten eines der führenden Unternehmen der Branche - des Atelier Brückner.

Seit 1997, dem Jahr seiner Gründung durch den Architekten und Bühnenbildner Uwe R. Brückner und der Architektin Shirin Frangoul-Brückner, hat sich das Atelier Brückner mit Szenografien von herausragender Qualität und Einfallskraft international einen Namen gemacht. Die aus der intensiven Auseinandersetzung mit dem Inhalt entstandenen erzählerischen Raumbilder des mittlerweile auf über 70 Mitarbeiter angewachsenen Ateliers hinterlassen einen bleibenden Eindruck - sowohl als physisches Raumerlebnis als auch in der Form einer fotografischen Dokumentation. Davon können sich LeserInnen in jenem Teil des Buches “Szenografie” überzeugen, welcher der Präsentation von 43 ausgewählten Projekten der letzten 10 Jahre gewidmet ist. Das Spektrum der einfallsreichen Raumkonzeptionen reicht von Dauer- und Sonderausstellungen über Expo-Pavillons bis zu raumfüllenden Messeständen. Fotos älterer, ebenso wegbereitender Projekte sind Bestandteil der opulenten Bebilderung des theoretischen Teils des Buches, der sich den Arbeitsweisen widmet.

Die zunehmende Komplexität der von Szenografen zu lösenden Aufgaben und die Vielfalt der Instrumente, die heute für die Schaffung unvergesslicher Inszenierungen zur Verfügung stehen, erfordern interdisziplinäres Arbeiten sowie eine hohe Kommunikationsfähigkeit. Die Bedeutung des ganzheitlichen Diskurses, des Reflektierens und Hinterfragens konzeptioneller Möglichkeiten zieht sich - ebenso wie die Notwendigkeit des Strukturierens und Lenkens des Designprozesses - wie ein roter Faden durch das Buch. Dieses ist, wie jede Ausstellung, eine Gemeinschaftsarbeit. Als Auftakt des stattlichen Bandes in deutscher und englischer Sprache stellt Frank den Oudsten das Atelier Brückner und dessen von Uwe R. Brückner geprägten Leitsatz “form follows content” vor. Michaela Ganter und Claudia Luxbacher verfassten die Projektbeschreibungen. Die Texte von Prolog, den vier Kapiteln und Epilog stammen aus der Feder von Christian Barthelmes. Geschickt verflicht er die fundierte Darstellung theoretischer und praktischer Grundlagen mit der Schilderung von Arbeitsweisen und Designphilosophie des Atelier Brückner.

Im “Prolog” spannt sich der thematische Bogen von der Erklärung des Begriffs Szenografie und der Genese dieser Disziplin über die Ursprünge des Ausstellens sowie der Entwicklung von den Wunderkammern zu den ersten wissenschaftlichen Sammlungen bis zum heutigen Ausstellungswesen.

Das Kapitel “Inhalt” verfolgt, wie aus der Interpretation eines Themas die Inszenierung von Exponaten und des sie umfangenden Raumes erwächst, sodass eine dreidimensional erfahrbare, emotional berührende Erzählung entsteht, die zugleich Ideen und Fakten vermittelt.

Das Kapitel “Methode” stellt die Arbeitsweise des Ateliers, die auf der von Uwe R. Brückner entwickelten “creativ(e) structur(e)” basiert, vor und begleitet in Zuge dessen den Designprozess Schritt für Schritt.

Das Kapitel “Instrumente” zeigt, womit Szenografen ihre Visionen verwirklichen: Raum, Licht, digitale Medien, Klang und Grafik.

Das Kapitel “Umsetzung” entführt in die Welt der Pläne, Modelle, Testaufbauten und Probeläufe, die notwendig sind, um Gestaltungsideen zu kommunizieren und Entwürfe auf ihre Wirkung und Benutzerfreundlichkeit zu testen.

Der “Epilog” wirft schließlich einen Blick auf Selbstverständnis, status quo und zukünftige Aufgaben der Szenografie.

“Szenografie” ist ein mit großer Sorgfalt gestaltetes Buch. Optisch und inhaltlich setzt es mit dem großzügigen Einsatz von Bildmaterial aller Art - von der Skizze bis zum perfekt ausgeleuchteten Ausstellungsraum - neue Maßstäbe für Handbücher. Als Navigationshilfe zwischen den beiden thematischen Blöcken - die in ihrer Abfolge abwechselnden “Arbeitsweisen” und “Projekte” - finden zwei unterschiedliche Papierqualitäten Verwendung. Eine zusätzliche haptische Dimension wird auch der Oberfläche des Buchkörpers durch Prägedruck am Cover verliehen.

Die Lektüre des Buches “Szenografie” ist ein lehrreiches und inspirierendes Vergnügen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es als Handbuch, Erinnerungshilfe für Gesehenes oder für einen Blick hinter die Kulissen eines Designstudios aus dem Bücherregal genommen wird.

© Ch. Ranseder

Scenography. Atelier Brückner 2002-2010: Make spaces talk

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Kommunikation: ADC Deutschland 2010

Sonntag, 19. Dezember 2010

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ADC Deutschland Jahrbuch 2010  
ADC Germany Annual 2010 
 
 
avedition 2010, Dt./En., 536 S., zahlr. Farbabb. 
ISBN 978 3 8998 6135 8 

ADC Deutschland Jahrbuch 2010

Für die Besten der Besten ist das Beste gerade gut genug. Dementsprechend edel ist die diesjährige Ausgabe des ADC Deutschland Jahrbuchs geraten. Durch den von einer Vielzahl ausgestanzter Punkte durchlöcherten Schutzumschlag blitzen vier unterschiedlich breite Streifen. Ihr farbiger Vierklang nimmt die Rangordnung der Auszeichnungen auf: Gold, Silber und Bronze sprechen für sich selbst, Pink steht für die Nominierungen. Gleich vier Lesebändchen führen die Farbharmonie im Buchinneren fort, dessen zurückhaltende Typografie die Bühne ganz den präsentierten Arbeiten überlässt. Von der Seite betrachtet, zeigt sich das Jahrbuch in feierlichem Glanz - dafür sorgt der makellose Goldschnitt. Doch das ist noch längst nicht alles. Als wäre das haptische Erlebnis ein paar Kilo Buch in Händen zu halten nicht genug, werden auch die feinen Sinneszellen in den Fingerspitzen stimuliert. Das Logo des Art Directors Club für Deutschland ist am Schutzumschlag zusätzlich mit einer Prägung versehen. Das weckt den Geist von Gütesiegeln und Reviermarkierungen. Die Buchgestaltung des erstmals im international renommierten Verlag avedition erscheinenden Jahrbuchs ist ebenso aufwändig wie gut durchdacht. Inhaltliche Struktur und Aussage werden auf den Punkt genau umgesetzt.

Das ADC Deutschland Jahrbuch besticht mit seiner Hülle und gibt sich darüber hinaus auch inhaltlich als Publikation der Superlative. Die Dokumentation von Höchstleistungen der Werbebranche wurde zur Plattform für Kreative aus vielen Sparten. Grundlage für den stattlichen Band des Jahres 2010 bildet in bewährter Weise der ADC Wettbewerb. Kommerzielle Auftragsarbeiten konnten in einem der folgenden Bereiche eingereicht werden: Klassische Medien, Digitale Medien, Dialogmarketing/Promotion/Media, Design, Editorial, Räumliche Inszenierung, Ganzheitliche Kommunikation und Generic Craft. In 25 Kategorien galt es, Entscheidungen zu treffen. 23 Fachjurys, selbstverständlich aus ADC-Mitgliedern zusammengesetzt, wählten aus und kürten. 429 Einsendungen zum ADC Wettbewerb schafften es. Davon haben 187 einen goldenen, silbernen oder bronzenen Nagel erhalten. Im Inhaltsverzeichnis des ADC Deutschland Jahrbuch 2010 werden 286 Projekte gelistet und in der Folge vorgestellt. Um Ordnung zu schaffen und Doppelungen zu vermeiden, wurde ein Punktesystem ersonnen, das die Gliederung des Buches bestimmt. So wird die Erfassung der Projekte in ihrem vollen Umfang ermöglicht, anstatt sie in einzelne Fachbereiche zu zersplittern.

Doch genug der Zahlen und Fakten. Was hält der Löwenanteil der Seiten, die für manche die Welt bedeuten, für LeserInnen bereit? Wer sind die Gewinner und Nominierten? Das sei hier nicht verraten. Nur so viel: Neben Global Players und Luxusmarken finden sich auch Lokalmatadoren und Kulturinstitutionen. Klassisches reiht sich an Originelles, das nicht selten mit dem Unterhaltsamen wetteifert. Auch das Abstoßende gehört wie die Provokation schon lange zum Repertoire in Gerangel um die Aufmerksamkeit. Stilistisch gilt ganz zeitgemäß “anything goes!” und Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Dass unter dem Dargebotenen fallweise eine - mehr oder weniger unterschwellige - abwertende Haltung gegenüber weiblich konnotierten Gegenständen, Handlungen, Interessen und Einstellungen auszumachen ist, vermag in Zeiten des Verteilungswettkampfes mittlerweile nicht mehr zu erstaunen.

In seiner Gesamtheit bietet das ADC Deutschland Jahrbuch einen spannenden repräsentativen Querschnitt durch ein Segment der angewandten Kreativwirtschaft. Geleitworte, Ehrungen und Nachrufe sowie diverse Verzeichnisse von Preisträgern, Sponsoren, Mitgliedern, Jurys, Agenturen und Verlagen, Firmen und Machern runden das Jahrbuch ab.

© Ch. Ranseder

ADC Deutschland Jahrbuch 2010

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Coop Himme(l)bau

Sonntag, 05. Dezember 2010

Non-Fiction

Peter Gössel (Hg.)
Michael Mönninger  

Coop Himmelb(l)au
Taschen 2010, Dt./En./Fr., 500 S., zahlr. Sw.- und Farbfotos und Grafiken.
ISBN 978 3 8365 1788 1

Coop Himmelb(l)au

Am 1. Dezember 2010 war es soweit. In der Buchhandlung Walther König im Wiener Museumsquartier wurde der Prachtband des weltweit renommiertesten Architekturbüros aus Wien präsentiert. Wolf D. Prix, Mitbegründer von Coop Himmelb(l)au sprach vor großem Publikum über die Entwicklung ab 1968. Er bot Einblicke und zeigte Fotos. dabei geizte er nicht mit tieferen Einblicken in das Werden von Coop Himmelb(l)au und den von ihrer im Aufbruch befindlichen Zeit geprägten Zielen der Gründer. Ziele, die sich auch in der Namensgebung widerspiegelen. Das von jungen Leuten dominierte Publikum bewies, dass die avantgardistischen Konzepte und der dekonstruktivistische Ansatz des Architekturbüros nach wie vor begeistern. Coop Himmelb(l)au ist seiner Zeit weiterhin voraus. 

Die Architektur von Coop Himmelb(l)au passt in kein Taschenbuch, sondern ausschließlich in ein Buchmonster von Taschen. Bei bucharchitektonischen Maßen von 40 cm x 31,5 cm x 5 cm - ohne Verpackung - ist es gut, dass der mindestens 7 kg schwere Band im eigenen tragbaren Karton geliefert wird. Passend gigantisch wie die Architektur von Coop Himmelb(l)au werden darin - inklusive Zukunftsausblicke - fast 45 Jahre prägende Architektur vorgelegt. Von dunklem Blau am oberen Rand, bis zu Grün am unteren verlaufen die Farben des Covers. Zu sehen ist der sich aufdrehende gläserne Doppelkegel, aus dem die Dachwolke der BMW Welt in München entspringt. Die 2001 getroffene Entscheidung des Vorstandes der BMW AG den Entwurf von Coop Himmelb(l)au ausführen zu lassen, wurde beispielgebend für kommende Kommunikationsbauten. Von dem Weg, der schließlich zur BMW Welt und viel mehr führte, berichten Herausgeber Peter Gössel und Autor Michael Mönninger in diesem Band.

Aufgeschlagen entpuppt sich der Band trotz der Größe als ein haptisches Erlebnis. Unterschiedliche Papierqualitäten gliedern den Band ebenso wie Layout. Der deutlich strukturierte Inhalt führt ohne große Umwege über die Einleitung zu charakteristischen Stationen im Gesamtwerk von Coop Himmelb(l)au. Diese kompakte Buchstruktur unterstreicht den luftigen, hellen und kommunikationsorientierten Architekturstil. So bedingen sich Inhalt, Design und Funktion “taschentypisch” harmonisch bis ins kleinste Detail.

Die Einleitung steckt den architektonischen Rahmen und die Ziele seit der Gründung ab. Danach ist jeder - egal ob Architekt, Fachstudent oder interessierter Laie - bereits mitten im Geschehen. Und es wird schnell deutlich, dass Architektur, die ihren Ursprung in Aktionskunst, Installationen und luftgefüllten weichen Räumen hat, immer ihrem ursprünglichen interaktiven, kommunikativen Ansatz treu bleiben wird. Auch deshalb ist Ausstellungsarchitektur weiterhin ein interessanter Planungsbereich für Coop Himmelb(l)au. 

Die vorgestellte Projektflut wird begleitet von exzellenten Fotos, Skizzen, Entwürfen und realen und virtuellen Raummodellen.  Die dreisprachig vorliegenden Texte gewähren Einblicke in die zugrunde liegenden Konzepte und Planungen.

Abgeschlossen wird der Band durch einen umfangreichen Anhang. Hier werden alle Projekte, Firmenstruktur, Biografien, Teammitglieder bis 2010, Ausstellungen, Preise und Ehrungen sowie die Bibliografie vorgelegt.

Ausgehend von Österreich führte der Weg von Coop Himmelb(l)au über die Schweiz, England und Deutschland schließlich in die USA. In den USA wurde - nach dem internationalen Durchbruch 1988 - ein weiteres Atelier in Los Angeles eröffnet. Coop Himmelb(l)au ist jedenfalls nicht austauschbar und so wird mehr Unerwartetes folgen.

© S. Strohschneider-Laue

Coop Himmelb(l)au 

siehe auch
Coop Himmelb(l)au. Beyond the Blue: Between the Light
Coop Himmelb(l)au PreBook 1: Musée des Confluences
Coop Himmelb(l)au: Central Los Angeles Area High School # 9 for the Visual and Performing Arts
Dynamic Forces: Coop Himmelb(l)au. BMW Welt München
Corporate Architecture: Entwicklung, Konzepte, Strategien
Coop Himmelb(l)au. Get off of my cloud. Texte 1968 - 1996

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Eventdesign 2010/2011

Montag, 22. November 2010

Non-Fiction

Eventdesign Jahrbuch / Event Design Yearbook 2010/2011
avedition 2010, Dt./Engl., 190 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8998 6131 0

Eventdesign Jahrbuch 2010/2011: Einführung von Jörg Beier

Mit dem Eventdesign Jahrbuch 2010/2011 stellt der Verlag avedition nun auch den Protagonisten dieses zeitgeistigen Segments der multimedialen Kommunikation eine Plattform zur Verfügung. Die zweisprachig in Deutsch und Englisch angelegte Publikation strebt nach einem internationalen Echo. Unternehmen und Agenturen aus dem In- und Ausland werden daher bereits im Vorwort eingeladen, Projekte einzureichen.

Der Aufbau des Buches verspricht für die Zukunft ein interessantes Wechselspiel zwischen akademischem Diskurs und dokumentierter Praxis. Den theoretischen Teil übernehmen im vorliegenden ersten Band der geplanten Reihe Jörg Beier, Professor für Messe-, Kongress- und Event-Management an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, und Georg Stark, Leiter des Steinweg Instituts. Ihr Aufsatz “‘Schwarmintelligenz’ und Begegnungskultur” führt in das komplexe Thema Event-Marketing/Live-Kommunikation ein und steckt mit Inhalts- und Begriffsdefinitionen, der Darlegung von Inszenierungsmechaniken sowie der Empfehlung von Planungsschritten im Projektmanagement das Feld ab, auf dem die Kreativen spielen dürfen. Diesen wird der stattliche Hauptteil des Buches überlassen.

Das Eventdesign Jahrbuch 2010/2011 präsentiert 34 Projekte aus den Jahren 2008 und 2009. Das Spektrum reicht von Produktpräsentationen, Modeschauen und Firmenjubiläen über Fachkonferenzen, Management Meetings und Preisverleihungen bis zu Eröffnungen von Sportveranstaltungen, einer mobilen Miniausstellung und inszenierter Plakatwerbung. Das Mäntelchen des Events lässt sich über Vieles stülpen. Um Ordnung zu schaffen, werden die ausgewählten, meisterhaft inszenierten Ereignisse in vier Kategorien unterteilt: Corporate Event, Employee Event, Public Event sowie Charity, Social, Cultural Event. Jeder Eintrag in diesem illustren Reigen wegweisender Beispiele setzt sich aus einer kurzen Beschreibung der Veranstaltung, einer Liste der Akteure und einer hervorragenden Fotodokumentationen zusammen.

Die schmucke Publikation lässt doppelt staunen. Einerseits wegen der kreativen Hochleistungen und des Feuerwerkes origineller Einfälle, die auf seinen Seiten für die Ewigkeit festgehalten sind. Andererseits wegen des beachtlichen Aufwands mit dem banale Produkte und Dienstleistungen inszeniert werden, um sie mit emotionalem Mehrwert aufzuladen. Dabei ist Live-Kommunikation eine riskante Sache. Schließlich läuft die Wirkung ephemerer Veranstaltungen immer Gefahr, sich als ebenso flüchtig zu erweisen wie die eingesetzten szenischen Effekte oder das aufgetischte opulente Dinner.

Damit sich die Gruppendynamik während des Events positiv entwickelt und den kommunizierten Botschaften die gewünschte Nachhaltigkeit sichert, benötigt es Fingerspitzengefühl und Professionalität. Die Schlussworte des Buches übernimmt daher das Forum Marketing Eventagenturen, dessen Beirat gemeinsam mit Agenturvertretern den FME-Qualitätskodex erarbeitet hat.

Mit dieser Mischung aus Theorie und Praxis ist das Eventdesign Jahrbuch auf dem besten Weg in der Branche zum Standardwerk zu werden.

© Ch. Ranseder

Eventdesign Jahrbuch 2010/2011: Einführung von Jörg Beier

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Make up - Oberflächendesign

Montag, 15. November 2010

Non-Fiction

Renate Menzi (Hg.)
Essay von Kenya Hara
Make up Design der Oberfläche / Designing Surfaces 
Design Collection, Museum für Gestaltung Zürich. Designsammlung, Band 3.
avedition 2010, Dt./Engl., 96 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8998 6138 9

 Design Collection 03: Make up. Design der Oberfläche. Designing Surfaces: Design Collection   

Das Museum für Gestaltung Zürich kann dank seiner Designsammlung von 20000 Gebrauchsgegenständen des 20. und 21. Jahrhunderts für Ausstellungen und deren Begleitpublikationen aus dem Vollen schöpfen. Wie diese beeindruckenden Bestände in der Buchreihe “Design Collection” präsentiert werden, ist erfrischend innovativ: Jeder Band widmet sich einem Thema, das aus dem Zeitgeist erwächst. In einer Rückkopplung dockt diese aspektspezifische Auseinandersetzung mit den Dingen an den zeitgenössischen Designdiskurs an und versorgt diesen wiederum mit neuer Gehirnnahrung. In “Make up”, dem dritten Band der Reihe, steht das Design der Oberfläche im Mittelpunkt.

Renate Menzi führt in “Die Oberfläche als Metapher und Material” an das Thema heran und steckt die Ziele der Publikation ab. Dabei spürt sie nicht nur den wechselnden Haltungen zur Ästhetik der Oberflächen nach, sondern befasst sich auch mit ihren funktionalen Eigenschaften, deren Bandbreite durch neue Technologien kontinuierlich erweitert wird.

Als Gastautor konnte der Designer, Ausstellungsmacher und Lehrer Kenya Hara gewonnen werden. In seinem Essay “Entwerfen ‘Wie es sich anfühlt’” lenkt er die Aufmerksamkeit auf das den Objekten innewohnende Potenzial, die Sinne zu stimulieren. Durch die Verknüpfung unterschiedlicher Sinneswahrnehmungen mit individuellen Erfahrungen und Erinnerungen können emotionale Reaktionen hervorgerufen werden. In letzter Konsequenz lässt sich so die Kaufentscheidung von KundInnen maßgeblich beeinflussen.

“Umgeben von Oberflächen”, eine als drittes Kapitel des Buches fungierende Zusammenstellung von Bildmaterial, verwischt die Grenze zwischen Kunst, Design, Werbung und Alltagsbegegnungen mit den Reizen von Oberflächen.

Wie prägend die Oberflächengestaltung für das Erscheinungsbild von Objekten ist, lässt sich anhand der rund 100 aus der Designsammlung ausgewählten Beispiele nachvollziehen. Zu 19 Gruppierungen geordnet, dienen sie als Ausgangspunkt der Auseinandersetzung mit Erscheinungsformen, Eigenschaften und symbolischen Konnotationen von Oberflächen. Sogar der Pflege der verführerischen Hüllen, inklusive jener des menschlichen Körpers, ist ein Abschnitt gewidmet.

Ein ausführliches Glossar rundet das vielschichtige, in deutscher und englischer Sprache verfasste, Buch ab.

Optisch ist “Make-up”, dank reicher Bebilderung und ansprechender grafischer Gestaltung, ein Genuss. Weitaus schwerer wiegt jedoch, dass es zur Kopfarbeit verleitet. Als Ausgangspunkt für Debatten und Anregung, die eigenen Reaktionen auf Oberflächen zu hinterfragen, ist das Buch kaum zu schlagen.

Die Ausstellung im Museum für Gestaltung Zürich ist noch bis 2. Januar ‘11 zu sehen.

© Ch. Ranseder

Design Collection 03: Make up. Design der Oberfläche. Designing Surfaces: Design Collection

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Formstrahl

Montag, 15. November 2010

Non-Fiction

Sara Hausmann, Achim Böhmer  
Formstrahl
avedition 2008, Dt./Engl., Faltbuch, zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8998 6099 3

  Formstrahl: Überblick zur Geschichte und Entwicklung des Designs und seiner Formen

Sammeln, Ordnen, das Definieren von Begriffen und die Entwicklung einer Fachsprache stehen am Anfang jeder neuen Disziplin. Es gilt ein Gerüst zu schaffen, auf dessen Basis der Diskurs vorangetrieben werden kann. Publikationen können in diesem Prozess als Impulsgeber fungieren. Weit häufiger wird jedoch mit ihrer Hilfe der Status quo des Konsenses der wissenschaftlichen Gemeinschaft festgehalten und kommuniziert. “Formstrahl” destilliert die gelehrte Wortflut der sich in den letzten Jahrzehnten selbst (er)findenden Forschungsrichtung der Theorie des Designs. Das Ergebnis ist eine innovative Publikation, die einen Überblick über 20 auf ihre Essenz reduzierte Epochen, Stile und Bewegungen bietet. Auf jeweils einer Seite werden deren Charakteristika schlagwortartig gelistet und mit Hilfe von aussagekräftigem Bildmaterial vor Augen geführt.

Als Faltbuch konzipiert, lässt “Formstrahl” anhand von 100 Beispielen aus Produkt- und Grafikdesign sowie der Architektur die Entwicklung des Designs von 1750 bis 2008 Revue passieren. Farbige Balken markieren das Werden und Vergehen der unterschiedlichen Stilrichtungen entlang der Jahreszeile, machen Parallelentwicklungen und Laufzeiten sichtbar. Die Einbettung in den historischen Kontext gelingt durch eine Auswahl von Meilensteinen der Designgeschichte. Zu den aus der Fülle relevanter Ereignisse herausgegriffenen Begebenheiten zählen Erfindungen und das Erscheinen wichtiger Publikationen ebenso wie die Gründungen von Unternehmen, Museen und Ausbildungsstätten. Geschickt gewählte Zitate vermitteln einen Hauch von Zeitgeist. Denn nicht nur die Gestalt der Dinge, sondern auch die Einstellung der Menschen zu ihnen verändert sich mit dem Fortschreiten der Jahre.

“Formstrahl” ist eine attraktiv gestaltete Orientierungshilfe für Studierende, Quereinsteiger und Laien, die seitenweise als Buch genossen oder entfaltet als rund 4,5 m langes Poster an einer Wand befestigt werden kann. Diese gelungene Transformation der in Museen seit vielen Jahren beliebten Zeitschienen/Zeitlinien macht “Formstrahl” zu einem didaktischen Werkzeug, das so gut wie nie aus der Mode kommen wird.

© Ch. Ranseder

Formstrahl: Überblick zur Geschichte und Entwicklung des Designs und seiner Formen

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Form-Fächer | Form-Guide

Mittwoch, 10. November 2010

Non-Fiction

Zürcher Hochschule der Künste e. a. (Hgg.)
Form Fächer - Form Guide
Design, Begriffe, Begreifen - Understand, Design, Terms 
avedition 2010, Dt./Engl., Fächer, zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8998 6121 1

Formfächer: Design Begriffe Begreifen

Vier Institutionen zeichnen für das fächerförmige Bildlexikon verantwortlich: Zürcher Hochschule der Künste, Museum für Gestaltung Zürich, Burg Giebichenstein - Hochschule für Kunst und Design Halle und Institute of interior design, environment and architecture (idea…).

Der bilinguale in Deutsch und Englisch abgefasste Formfächer, bietet eine offene Sammlung von rund 450 Designobjekten.  Die wesentlichen Formen sowie die funktionalen Teile der Objekte werden in beiden Sprachen fachgrecht angesprochen. Exakte Ansprache und fixierte Fachtermini sind Basis für die Verständigung zwischen Personen aus Wissenschaft, Design und Produktion.

Auf den Punkt gebrachte Formulierungen dienen der unmissverständlichen Kommunikation im Studium und Beruf. Eine wichtige Voraussetzung, um Zeit, Kosten und Ärger zu minimieren. Der Aufbau des Bildlexikons ist genial systematisiert und übersichtlich dargeboten. Objektbeschreibung/Titel, Datierung, Gestaltung, Herstellung/Produktion, Material und Maße werden dabei selbstverständlich berücksichtigt. Ein übersichtlicher Index ermöglicht die schnelle Auffindung der gesuchten Objekte, obwohl man vermutlich lieber genussvoll und Inspiration suchend blättern möchte.

Die in der unteren linken Ecke angebrachte Lochung der einzelnen Seiten ist Ansatzpunkt der stabilen Schraubbindung, die es ermöglicht, die Seiten - wie bei Farbkarten üblich - aufzufächern. Dicker Karton auf Vorder- und Rückseite verleihen dem Bildlexikon funktionale und strapazfähige Designqualitäten: Stabil, praktisch, gut - Formfächer.

Der zweisprachige Fächer ist der ideale Begleiter für unterwegs. Ein Muss ist er für Jene, die mit Design und Übersetzungen in der Branche zu tun haben sowie in internationalen Kooperationen unmissverständlich sein müssen.

© S. Strohschneider-Laue

Formfächer: Design Begriffe Begreifen

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Design Thinking

Donnerstag, 30. September 2010

Non-Fiction

Gavin Ambrose, Paul Harris
Design Thinking 
Stiebner 2010, 200 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8307 1381 4

 Design Thinking: Fragestellung, Recherche, Ideenfindung, Prototyping, Auswahl, Ausführung, Feedback

Was müssen DesignerInnen im Arbeitsalltag alles können? Welche Schritte durchläuft ein Projekt vom Auftrag und der ersten Idee bis zum fertigen Produkt und dem Feedback der KundInnen? Woher nehmen Kreative ihre Ideen? Band acht der Reihe Basics Design - “Design Thinking” - steht ganz im Zeichen des kreativen Denksports der DesignerInnen und der Methoden, die den Weg zu Höchstleistungen weisen. Die Gliederung des Buches folgt den Phasen, die im Rahmen des Designprozesses durchlaufen werden. Der häppchenweise präsentierte Text bringt Prinzipien, Lösungsmöglichkeiten, Techniken und Tipps gekonnt auf den Punkt. Zahlreiche Fallbeispiele führen vor Augen, wie kreative Einfälle mit kommerziellen Zielen meisterhaft vereint werden, damit das Endprodukt seinen Zweck erfüllt.

Das einführende Kapitel “Designphasen und Design Thinking” steckt mit der Vorstellung der sieben Phasen des Designprozesses den inhaltlichen Rahmen des Buches ab.

Zu Beginn eines Projektes heißt es Informationen sammeln! Das Kapitel “Recherche” zeigt, worüber sich GestalterInnen Hintergrundwissen aneignen. Überschneidungen mit den Interessen der Marktforschung sind kein Zufall. Kenntnisse über Zusammensetzung und Lebensstil der Nutzergruppe, aka des Zielmarkts, sind bei der Erarbeitung von Designlösungen wichtig.

In “Ideenfindung” geht es um die Erarbeitung von Konzepten und die Suche nach der optimalen Lösung der Gestaltungsaufgabe. In diesem Kapitel werden mögliche Denkansätze, Kreativtechniken und Inspirationsquellen vorgestellt, die Helfen das Thema eines Auftrages zu ergründen und Entwurfsideen zu generieren.

“Verfeinerung” zeigt, wie DesignerInnen an einer Idee feilen. In dieser Phase geht es um das Spiel mit Bildern, Zeichen, Formen, Proportionen, Schriftarten, Farben, Worten, Assoziationen und einer Prise Humor.

“Prototyping” stellt die Idee auf den Prüfstand, schließlich soll die zu kommunizierende Botschaft auch ankommen. Das Kapitel macht mit den Knackpunkten bei der Entwicklung eines konsequenten Gestaltungs- und Kommunikationskonzeptes inklusive der Festlegung des Designvokabulars sowie den Arten von Prototypen vertraut.

Haben KundInnen ein Design genehmigt, geht es an die “Umsetzung”. Das abschließende Kapitel stellt nicht das Zusammenspiel mit den ausführenden Produzenten, z. B. Druckereien, in den Mittelpunkt, sondern weist auf die Potenziale von Materialen, Veredelungstechniken, Formaten, Maßstäben und Medien hin.

Ein Glossar, in diesem Band gepaart mit elf Design-Thinking-Tipps, rundet das Buch in bewährter Weise ab.

Gavin Ambrose und Paul Harris stehen in “Design Thinking” Studenten und Berufseinsteigern abermals mit gutem Rat hilfreich zur Seite. Dieser Band der Serie Basics Design sollte allerdings auch für AuftraggeberInnen Pflichtlektüre sein. Selten wurde so klar vor Augen geführt, dass Design ein Prozess ist, der viele Arbeitsschritte umfasst, großes Wissen voraussetzt sowie Zeit und gewisse Spielräume benötigt. Der Gedankensprung von diesen hohen Anforderungen zu grundlegenden Themen wie faire Honorare und Vertragsbedingungen sowie des Umgangs mit Nutzungs- und Urheberrechten liegt nahe, wird jedoch von den Autoren auf den rund 200 Seiten des Buches nicht vollzogen. Das ist erstaunlich und lässt auf einen Folgeband hoffen.

© Ch. Ranseder

Design Thinking: Fragestellung, Recherche, Ideenfindung, Prototyping, Auswahl, Ausführung, Feedback

siehe auch:
Designraster: Struktur oder Muster aus Linien
Layout: Entwurf, Planung und Anordnung
Druck & Veredelung: Bild, Textreproduktion, Aufwertung von Printprodukten
Bild & Grafik: Visuelle Information
Typografie: Schriftgestaltung, Satzgestaltung, Textgestaltung
Format: Größe, Form, Ausstattung
Farbe: Sinneseindruck
Grundlagen des Grafikdesigns
This End Up: Verpackungsdesign

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Blattgold

Montag, 07. Juni 2010

Karin Havlicek
Vergolden mit Blattgold
Schritt für Schritt

DVA 2010, 192 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 4210 3713 8

 Vergolden mit Blattgold: Schritt für Schritt

Gold. Das Wort allein ist eine Verheißung. Die Symbolkraft des wertvollen Edelmetalls ist legendär. Seine Materialeigenschaften sind kaum zu übertreffen. Zu Blattgold geschlagen, lassen sich mit den hauchdünnen Blättchen Oberflächen so perfekt veredeln, dass die Objekte wirken als bestünden sie aus massivem Gold. Unzählige Bilder- und Spiegelrahmen, Wandvertäfelungen und Statuen verlangten in längst vergangenen Jahrhunderten nach der kundigen Hand des Vergolders. Wie geschäftig es in deren Werkstätten zugegangen sein muss, lässt ein Stich in der von Denis Diderot ab 1751 zusammengestellten “Encyclopédie, ou Dictionaire raisonné des sciences, des arts et des métiers” erahnen. Heute ist es um das traditionsreiche Handwerk stiller geworden. Der Beruf des Vergolders scheint langsam in Vergessenheit zu geraten - ein Schicksal, das er mit anderen Handwerken, die auf Qualität statt Massenfertigung setzen, teilt. Doch solange es MeisterInnen gibt, die bereit sind ihr Wissen nicht nur an Auszubildende, sondern auch an interessierte Laien weiterzugeben, werden die alten Techniken nicht verloren gehen. Karin Havlicek ist eine von ihnen. In ihrem herrlich informativen Buch “Vergolden mit Blattgold” bietet die Schreinerin und Vergoldermeisterin eine umfassende Einführung in die Techniken des Vergoldens.

Der Aufbau des Buches ist übersichtlich und logisch. Ausgehend von der Materialkunde werden zunächst Blattmetalle und Vergoldungsarten vorgestellt. Der Hinweis auf die Bedeutung der richtigen Beschaffenheit und Sauberkeit von Arbeitsplatz und Werkzeugen für das Gelingen einer perfekten Vergoldung dient als Überleitung zur Vorbereitung des Untergrundes, die besonders sorgfältig erfolgen muss. Im Anschluss daran folgen die Kapitel zu den unterschiedlichen Vergoldungsarten. Der Bogen spannt sich dabei von der Polimentvergoldung über Mixtionvergoldungen/Anlegevergoldungen, Vergoldung mit dem Kölner Instacoll-System bis zu Hinterglasvergoldungen und Mordentvergoldungen.

Karin Havlicek führt mit ihrem präzise formulierten, leicht verständlichen und mit nützlichen Tipps gespickten Text Schritt für Schritt durch den jeweils erforderlichen Arbeitsvorgang. Hervorragende Fotos begleiten die verbalen Erklärungen und machen es möglich, die einzelnen Arbeitsschritte sowie die Handhabung der Werkzeuge auch optisch nachzuvollziehen. Benötigte Materialien und Arbeitsgeräte sowie die Abfolge der Arbeitsschritte in Kurzform werden als Listen präsentiert. Sogar Rezepte verrät die Autorin.

Der Verwendung von Blattgold für die Veredelung von Büchern (Goldschnitt) und anderen mit Leder bezogenen Werkstücken (Vergoldung von Lederprägungen) ist ein eigener Abschnitt am Ende des Buches gewidmet. Zu guter Letzt wird es kulinarisch, denn Blattgold kann auch zur Verzierung von süßen Leckereien verwendet werden. “Vergolden mit Blattgold” ist ein Buch mit hohem Informationsgehalt, das als Anleitung und Nachschlagwerk unverzichtbar ist. Karin Havlicek gelingt es, mit den Grundlagen auch die vom Vergolderhandwerk ausgehende Faszination zu vermitteln. Obwohl sie vor Augen führt, wie arbeitsauswendig eine Vergoldung ist, wie viel Übung und Sachkenntnis zu ihrer Ausführung benötigt wird, bleibt der Tonfall des Textes ermutigend. Unterstützt von der attraktiven Gestaltung - für die unter anderem stimmungsvolle Nahaufnahmen von Blattgold zum Einsatz kommen - weckt das Buch

“Vergolden mit Blattgold” die Lust zumindest einige der vorgestellten Techniken selbst auszuprobieren.

© Ch. Ranseder

Vergolden mit Blattgold: Schritt für Schritt

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Aktuelle Ausstellungskataloge

Landschaftsarchitektur visualisieren

Montag, 07. Juni 2010

Elke Mertens
Landschaftsarchitektur visualisieren
Funktionen, Konzepte, Strategien
Birkhäuser 2010, 192 S., zahlr. Farbabb., 1 DVD
ISBN 978 3 7643 8788 4

 Landschaftsarchitektur visualisieren: Funktionen, Konzepte, Strategien

In der Welt des Designs ist es üblich, mit Bildern und Modellen zu kommunizieren. Auch Landschaftsarchitekten vermitteln ihre Ideen und Gestaltungsvorschläge für Freiräume mit Hilfe von Visualisierungen aller Art, deren Anfertigung ein integraler Bestandteil des Arbeitsprozesses ist. Die Wahl der Ausdrucksmittel und -modi richtet sich dabei nach der Planungsaufgabe und der Zielgruppe, mit der es gilt in Dialog zu treten. Im Lauf der Auseinandersetzung mit einem Projekt entstehen zahlreiche bildliche Darstellungen, die nicht für die Augen der Auftraggeber bestimmt sind, sondern nur der bürointernen Kommunikation im Rahmen der Ideenfindung sowie der Optimierung von Entwürfen dienen. Sie sind im allgemeinen von einer größeren Spontanität und Unmittelbarkeit geprägt als die ausgefeilten Reinzeichnungen, welche für die Weitergabe an Externe angefertigt werden.

In dem Buch “Landschaftsarchitektur visualisieren” sind alle Typen der visuellen Kommunikation planerischer Inhalte, die im Rahmen der Freiraumgestaltung zum Einsatz kommen können, vertreten. Das Spektrum reicht vom Scribble bis zum Film, vom nüchternen Bestandsplan bis zur Collage, die emotional ansprechen soll. Obwohl auch flüchtige Handskizzen Aufnahme in den Reigen der Abbildungen gefunden haben, wurde bei der Auswahl des reichhaltigen Bildmaterials der Schwerpunkt auf Darstellungen, die einen hohen Grad der optischen Perfektionierung aufweisen, gelegt.

Das grafisch übersichtlich gestaltete Buch ist in drei farbcodierte Teile gegliedert, denen einführende Worte zu Ideen- und Gestaltfindung sowie einige Beispiele historischer Darstellungsweisen vorangestellt sind.

Teil 1 - Funktionen - befasst sich mit der Darstellung von Fläche, Raum und Zeit. Zweidimensionale Ansichten, also Grundrisse und Schnitte, sind die Grundlage der visuellen Kommunikation in der Landschaftsarchitektur. Auf sie beruhen die zur Analyse eines Areals unabdingbaren Bestandspläne ebenso wie Vorentwurfs- und Entwurfspläne, Struktur- und Flächennutzungspläne, Pflanzpläne sowie Geländequerschnitte mit Terrain- und Vegetationshöhen. Dreidimensionale Darstellungsmodi umfassen Perspektiven, Axonometrien und Modelle. Mit ihrer Hilfe können Raumeindrücke wiedergegeben werden. Ansichten aus der Vogelschau erleichtern sowohl die Vorstellung des Zusammenspiels von Gelände, Entwurfsstruktur und Vegetation, als auch der Eingliederung einer Neuplanung in den bestehendem städtischen oder ländlichen Kontext. Durch die Wahl eines ungefähr der Augenhöhe späterer Nutzer entsprechenden Blickwinkels kann das intendierte Raumerlebnis angedeutet werden. In ihrer Extremform wird die dreidimensionale Darstellung - künstlerisch aufgewertet durch gewagte Perspektiven oder mit positiv besetzten Elementen (wie Schmetterlingen, Vögeln, bunten Blüten etc.) versehen - zum reinen Stimmungsträger. Der Faktor Zeit schließlich spielt vor allem für Beleuchtungskonzepte und die Zusammensetzung der Bepflanzung eine Rolle. Zuweilen ist die Einbeziehung der besonderen Geschichte eines Ortes opportun oder wird vom Auftraggeber explizit gewünscht.

Teil 2 - Konzepte - legt anhand von Fallbeispielen dar, wie Visualisierungen im tatsächlichen Planungsprozess und im Rahmen von Wettbewerben zum Einsatz kommen. Erst die überzeugende Komposition individueller Pläne und Zeichnungen, deren aussagekräftiges Ineinandergreifen in Bildfolgen, ermöglicht die erfolgreiche ganzheitliche Vermittlung einer komplexen Planung.

Teil 3 - Strategien - setzt sich mit der Herausforderung großräumiger Planungen im gesellschafts- und umweltpolitischen Kontext auseinander. Das Wachstum der Städte, die Zersiedlung der Landschaft und der Klimawandel wird in der nicht allzu fernen Zukunft auch die Fähigkeiten der Landschaftsarchitekten auf die Probe stellen.

“Landschaftsarchitektur visualisieren” gibt einen Querschnitt durch die Bandbreite der Kommunikationsmittel und Stile, derer sich Landschaftsarchitekten für die Präsentation vielschichtiger Inhalte bedienen. Unabhängig davon, ob sie lieber mit dem Bleistift oder mit dem Computer zeichnen, ist ihre Bildsprache international. Das belegt die Auswahl der Beispiele aus der Praxis von Büros aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Dänemark, der Schweiz, den Niederlanden, Israel, Kanada, den USA, Kolumbien, Japan, China und Australien. Es ist nicht zu leugnen, dass sich unsere Sehgewohnheiten durch den zur Selbstverständlichkeit gewordenen Einsatz von Computern und die globale Ausweitung der Märkte verändert und vereinheitlicht hat. Die Freiheit als Landschaftsarchitekt eine individuelle Handschrift des grafischen Ausdrucks zu entwickeln, ist dennoch beträchtlich. Schließlich geht es in der Berufspraxis auch um die Entfaltung von Überzeugungskraft. Ansprechende Präsentationsunterlagen mit ästhetischem Mehrwert helfen, Entscheidungsträger und Geldgeber, Wettbewerbsjuroren und befragte künftige Nutzer für sich und ein Projekt zu gewinnen. Durch seinen weit gefassten Überblick der heutigen Darstellungsmöglichkeiten ist das Buch eine hervorragende Inspirationsquelle für die Erarbeitung eines eigenen Stils. Welche technischen Daten (z. B. Bemaßung, Nivellements, Maßstab, Nordpfeil) auf Plänen für ein tiefgreifenderes Verständnis jenseits des visuellen Oberflächenreizes hilfreich sind, wie sich Legenden sinnvoll zusammensetzen oder wie die Positionen von Schnitten auf Grundrissen markiert werden können, sodass der Zusammenhang auch Laien auf den ersten Blick klar wird, erschließt sich durch das Betrachten und den Vergleich des Anschauungsmaterials. Leider sind durch die beträchtliche Größenreduktion der Bilder deren Originalbeschriftungen fallweise so klein geraten, dass der Griff zur Lupe fast unausweichlich ist. Mit der Vorstellung der Darstellungsformen und -techniken nimmt bei der Lektüre von “Landschaftsarchitektur visualisieren” auch der berufliche Alltag von Landschaftsarchitekten schemenhaft Gestalt an.

“Landschaftsarchitektur visualisieren” ist ein fachlich fundiertes Buch, dessen unbeschwerter Text und grosses Spektrum sorgfältig kommentierter visueller Erscheinungsbilder zahlreichen Studienanfängern die Tore zur Erkenntnis öffnen werden.

© Ch. Ranseder

Landschaftsarchitektur visualisieren: Funktionen, Konzepte, Strategien

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Aktuelle Ausstellungskataloge

Interior Design 1 + 2

Mittwoch, 09. Dezember 2009

Non-Fiction

Graeme Brookner, Sally Stone
form + struktur
Interior Design Basics 01

Stiebner 2009,176 Seiten, zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8307 1372 2

 Interior Design Basics 01. Form und Struktur

Graeme Brookner, Sally Stone 
kontext + raum
Interior Design Basics 02

Stiebner 2009, 176 Seiten, zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8307 1373 9

 Interior Design Basics 02. Kontext und Raum

Der moderne Mensch verbringt einen Großteil seiner Zeit vor einem Bildschirm. Computermonitore, Infoscreens und Fernseher begleiten uns durch den Tag. Kein Wunder also, dass die positive Erfahrung des dreidimensionalen Raumes für viele befreiend wirkt. Dabei spielt es keine Rolle, ob die emotionale Reaktion bewusst wahrgenommen wird oder nicht. Concept Stores, gestylte Restaurants oder Museumsneubauten werden nicht nur wegen des gelungenen Marketing-Hypes aufgesucht, sondern weil sie uns - unter anderem - einzigartige Raumerlebnisse ermöglichen. Doch bis das vollendete Werk des (Innen-)Architekten von Auftraggebern und Publikum genossen werden kann, ist es ein weiter Weg.

Die neue Reihe Interior Design Basics macht mit den Grundzügen der Innenarchitektur vertraut. Gleich vorweg sei angemerkt, dass es in den beiden vorliegenden Bänden nicht um die Behübschung von Wohnungen geht. Wie in jeder hoch entwickelten Disziplin gibt es auch in der Innenarchitektur feine Abstufungen der Tätigkeitsfelder. Graeme Brooker und Sally Stone beginnen daher den ersten Band der Serie, form + struktur, mit der Definitionen von Innenarchitektur, Interior Design und Inneneinrichtung. Dabei geht es weniger um die Differenzierung beruflicher Aufgabengebiete als um Kategorien des Umganges mit dreidimensionalen Baukörpern beziehungsweise den von ihnen umschlossenen Raumvolumina.

In “form und struktur” erläutert das Autorenteam Aufgaben und Grundlagen der Innenarchitektur, die sich mit bereits bestehenden Gebäuden und Innenräumen befasst. Schritt für Schritt werden in sechs Kapiteln die für einen gelungenen Entwurf notwendigen Vorarbeiten sowie die wichtigsten Prinzipien der Organisation und Gestaltung von Innenräumen vorgestellt. Dabei steht der Designprozess im Mittelpunkt. Dieser beginnt mit der Analyse von Konstruktion und Geschichte eines Bauwerkes sowie dessen Umgebung und endet mit der Auswahl jener Komponenten, die maßgeblich zur Schaffung einer bestimmten Atmosphäre beitragen. Um das Erscheinungsbild eines Raumes der gestellten Bauaufgabe sowie den Bedürfnissen der Auftraggeber und Benutzer anzupassen, kann aus einer Vielzahl von Möglichkeiten gewählt werden. Kompakt, übersichtlich und von exzellenten Grafiken begleitet, werden die einzelnen Verfahren - Intervention, Insertion, Installation, Verblendung und Einbau - erklärt.

“kontext + raum” greift einen im ersten Band der Reihe nur angerissenen Einzelaspekt heraus und ergründet ihn tiefer. In diesem Buch dreht sich alles um die Wechselwirkung zwischen Innenraum, Gebäude und Umwelt. Große Bedeutung wird dabei den Themen Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein beigemessen. Im Rahmen der Kontextanalyse werden die Eigenschaften und Geschichte des Gebäudes, dessen Lage und Interaktion mit benachbarten Bauwerken ebenso untersucht wie die Eingangssituation, die Bewegung innerhalb der architektonisch vorgegebenen Raumhülle sowie visuelle Verbindungen von Innen nach Außen. All dies wirkt sich letztlich auf die Wahrnehmung des Innenraumes und dessen Gestaltung aus. Auch Umweltfaktoren, also Licht, Temperatur oder Feuchtigkeit, können eine entscheidende Rolle darin spielen, ob ein Raum als angenehm empfunden wird. Sie müssen im Rahmen des Designprozesses berücksichtigt und gegebenenfalls technisch reguliert werden. Nicht zuletzt gewinnen in Zeiten des Klimawandels der sorgsame Umgang mit Ressourcen, Recycling sowie der Einsatz von Fund- und historischen Versatzstücken an Bedeutung.

In beiden Büchern verdeutlichen Fallbeispiele aus der Praxis die Grundsätze der Innenarchitektur. Die geschilderten Prinzipien können mittels prägnanter Texte und reichhaltigem Bildmaterial an tatsächlich realisierten Projekten nachvollzogen werden. Dies fördert das Verständnis der Anwendungsmöglichkeiten, regt die kritische Auseinandersetzung an und schult den Geschmack. Auffallend sind allerdings der hohe Anteil von Gebäuden mit kultureller Nutzung sowie das Fehlen von Projekten, die sich mit der Raumgestaltung von Spitälern, Kindergärten, Altenheimen, Flug- und Bahnhöfen etc. auseinandersetzen. Spiegelt sich hier etwa das nicht selten triste innere Erscheinungsbild eines notwendigen, wenngleich wenig glamourösen Sektors der Nutzbauten?

Der Aufbau und die Gestaltung der neuen Reihe Interior Design Basics folgen einem Konzept, das sich bereits für die Vermittlung von Basiswissen der Grafik und Mode bewährt hat. Als Einführung in die Welt der Innenarchitektur sind sowohl “form und struktur” als auch “kontext + raum” bestens geeignet und daher jedem zu empfehlen, der sich mit dem Gedanken trägt, ein Innenarchitektur- oder Architekturstudium zu beginnen. Fachstudenten, Einsteigern in die Berufspraxis und Menschen, die sich neigungsbedingt mit ihrer gebauten Umwelt auseinandersetzten, werden die beiden Bücher als Nachschlagwerke oder Analysehilfen gute Dienste leisten.

© Ch. Ranseder

Interior Design Basics 01. Form und Struktur

Interior Design Basics 02. Kontext und Raum

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extra.

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Non-Fiction

Franziska Morlok, Till Beckmann
Mit Texten von Markus Zehentbauer, Uwe Jäger Birkhäuser
extra.
Enzyklopädie der experimentellen Druckveredelung
Birkhäuser 2009, 144 S., 33 Beispielseiten Druckveredelungen
ISBN 978 3 0346 0083 5

EXTRA: Enzyklopädie der experimentellen Druckveredelung

Edel, hilfreich und gut können nicht nur Menschen sein, sondern auch Bücher. “Extra” ist ein leuchtendes - oder unter Berücksichtigung der Einbandgestaltung vielmehr glitzerndes - Beispiel dafür.

Erlesen sind die Buchgestaltung und die 33 Beispielseiten zu möglichen Druckveredelungen, auf denen sich fast ebenso viele internationale Gestalter austoben durften. Vorbildhaft ist die Einbeziehung der LeserInnen, die betatschen, rubbeln, schnuppern und sanft streicheln dürfen, dazu angehalten werden das Buch zu drehen und zu kippen, unters Licht zu halten (um sich danach an der Nachleuchtfarbe zu erfreuen) oder an einem Farbauftrag ein Streichholz anzureiben. Sogar mit einer der Schnittkanten des Buchblocks darf gespielt werden. “extra” ist ein haptisch stimulierendes Buch, das viel Freude beschert, weil die Wirkung der Techniken real erlebt werden kann. Daher Vorsicht! Es besteht die Gefahr mit “aha”s, “oh”s und anderen Lautäußerungen Bürokollegen zu nerven.

Ist die Neugierde fürs Erste einmal befriedigt, liegt der Griff zum hilfreichen Teil nahe. Auf 144 Seiten erfahren Wissbegierige, was es mit den Veredelungen so auf sich hat. In den fünf Kapiteln Drucken und Lackieren, Kaschieren, Prägen, Stanzen und Schnittveredelung finden sich Antworten auf eine Flut von Fragen. Woraus besteht das den edlen Touch verleihende Material? Wie wird es verarbeitet? Wofür eignet es sich? Was ist bei Entwürfen zu beachten, damit die Veredelung optimale Wirkung entfaltet? Wie müssen Daten aufbereitet werden, damit der Druck fehlerfrei klappt? Welche Bedruckstoffe eignen sich? Worauf muss bei der Weiterverarbeitung geachtet werden? Dezente Sternchen deuten die Kosten des Spaßes an - als Notwendigkeit können Druckveredelungen ja nun wirklich nicht bezeichnet werden. Obwohl natürlich ihr sensorischer und emotionaler Mehrwert nicht zu unterschätzen ist. Veredelte Produkte sind schon kleine Verführer. Folgerichtig wird von Lust und Tücke des Umgangs mit Druckveredelungen im Entwurfs- und Fertigungsprozess sowohl in Interviews mit Gestaltern als auch in Miniessays erzählt. In Letzteren werden weiters Themen wie Planung, Umweltverträglichkeit und Wahrnehmungspsychologie angerissen.

Ein ausführliches Glossar sowie ein Anhang mit Kurzinformationen (inklusive Kontaktadresse) über die beteiligten Gestalter und Firmen, welche die Veredelungsverfahren produktionstechnisch meistern, runden das Buch ab.

“extra. Enzyklopädie der experimentellen Druckveredelung” wird mit seinem klaren Konzept, der Informationsfülle und einer hervorragenden Gliederung, die sich beim Nachschlagen bestens bewährt, seinem Anspruch eine Enzyklopädie zu sein, gerecht. Der konventionelle Textteil und die Sammlung veredelter Musterseiten sind in einem schmucken Gewand benutzerfreundlich geeint, sodass die beiden sich ergänzenden Blöcke parallel genossen werden können. Das Buch kommt ohne lose Seiten aus! Als Spielzeug, Nachschlagwerk und Ratgeber in einem, wird es daher in schönster Vollständigkeit überleben. Vorbei die Zeiten, die man auf der Suche nach alten novum-Heften verbracht hat. Ein Griff ins Bücherregal reicht von nun an.

Für Grafiker ist “extra” schlicht unentbehrlich.

© Ch. Ranseder

EXTRA: Enzyklopädie der experimentellen Druckveredelung

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Fotokurs: Das weibliche Auge

Montag, 21. September 2009

Non-Fiction

Almut Adler
Das weibliche Auge
Anders sehen, anders fotografieren
Addison-Wesley 2008, 287 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 8273 2632 4

Das weibliche Auge: anders sehen, anders fotografieren - Fotokurs für Frauen

Almut Adler ist Fotografin, Grafikdesignerin und Weltenbummlerin mit offenem Blick für den richtigen Moment große Details und kleine Großartigkeiten einzufangen. Mit vorliegendem Buch entschädigt sie all jene, die keinen Kurs bei ihr besuchen können.  Zugleich bietet sie jenen eine Gedächtnisstütze, die einen Kurs in München oder Spanien besuchten.

Was unterscheidet Almut Adlers vorliegendes Fotobuch von den oft austauschbaren Fotobüchern ihrer männlichen Kollegen?
Es ist die fotografische Improvisationskunst, die im Mittelpunkt steht, und das wohltuende Fehlen von angeberischen Firlefanz. Hier werden Festbrennweiten vorgestellt und nicht Objektivgrößen verglichen. Außerdem wird nichts vorausgesetzt, alles wird knapp und präzise erklärt und das ohne eine Fachbezeichnung durch eine andere zu ersetzen.

Und was dürfen EinsteigerInnen erwarten?
Zwölf Kapitel die vom geschichtlichen Überblick, Aufnahmetechnik, Bildaufbau, Perspektive, Licht, Actionfotografie, Fotomotiv, Filterkunde, Nachtaufnahmen, Spezialthemen, Aufnahmefehler bis zu Activseiten reichen. Im Anhang des strapazfähigen Buches befinden sich ein benutzerfreundliches Glossar sowie ein Stichwortverzeichnis.

Und was hat mir besonders gefallen?
Adler stellt im Überblick die technische Seite und die Funktion einer Spiegelreflexkamera vor ohne Spitzenreiter oder Marken in das Rampenlicht zu rücken. Damit gewährt sie finanziellen Spielraum, den Frauen häufiger beachten (müssen) als Männer. Das ein Foto ein komplexes Produkte ist, das aus dem Zusammenspiel von FotografIn, Spielgelreflex, Motiv und zahlreichen Faktoren wie Licht und Blickwinkel entsteht, wird von ihr von ihr aufgezeigt ohne angehende Fotokünstlerinnen zu entmutigen. Der Fotokurs lebt daher auch von seinen zahlreichen Beispielen. Jede Aussage, jedes Beispiel wird mit passenden Fotos anschaulich belegt. Die Autorin geizt nicht mit Tipps und Tricks, die häufig ganz nebenbei einfließen und dadurch niemals den Charakter eines belehrend geschwungenen Zeigefingers haben. Diese Tipps betreffen ebenso die Körperhaltung der Person hinter der Kamera als auch ganz selbstverständlich scheinende Hinweise auf die behagliche Raumtemperatur für Aktmodelle zu achten. Und besonders schön ist, dass für Almut Adler misslungene Aufnahmen nur dann ein Drama sind, wenn man nicht daraus lernt oder nicht weiß, wie man das Foto retten kann. Bei ihr steht eindeutig der Spaß am Fotografieren im Mittelpunkt ohne die professionellen, technischen Aspekt zu vernachlässigen.

Das großartige Fotobuch für Frauen, muss auch Männer ans Herz gelegt werden; und ganz unabhängig vom Geschlecht gibt es zu viele Menschen, die nur “draufhalten und abdrücken”. Sie haben ihr Gespür für Farben, Formen, Blickwinkel und vieles mehr verloren. Das muss nicht sein. Fotografieren kann man lernen und Kreativität kann man schulen, wie die Fotos von zwei Personen, denen ich das “Das weibliche Auge” bereits geschenkt habe, beweisen.

© S. Strohschneider-Laue

Das weibliche Auge: anders sehen, anders fotografieren - Fotokurs für Frauen

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Papierdesign: unfolded

Montag, 21. September 2009

Non-Fiction

Petra Schmidt, Nicola Sattmann
unfolded
Papier in Design, Kunst, Architektur und Industrie
Birkhäuser 2009, 256 S., zahlr. Farbabb. 
ISBN 978 3 0346 0031 6

 Unfolded: Papier in Design, Kunst, Architektur und Industrie

Papier hat in den letzten Jahren die Herzen der Designer, Architekten und Künstler erobert. Zeichner und mit dem klassischen Printbereich befasste Grafiker schätzen seine Qualitäten ja seit langem. Doch als Mittel zur Aneignung des dreidinemsionalen Raumes ist Papier ein relatives Novum. Dank technischer Entwicklungen in der Papierherstellung, die dem Markt sowohl verbesserte als auch mit völlig neuen Eigenschaften ausgestattete Papiere bescherten, und der Imagekorrektur erlebt das bescheidene Material derzeit eine Hochkonjunktur. Es wird fleißig geklebt, gefaltet, gegossen, geschnipselt, gefräst und manchmal sogar geschraubt. Auch in dem Buch “unfolded. Papier in Design, Kunst, Architektur und Industrie” dreht sich alles um das dreidimensionale Gestalten mit Papier.

Der erste Teil des Buches fungiert als Schaufenster für herausragende Projekte, im Rahmen derer Papier auf innovative Weise verwendet wurde. Erste Experimente mit dem vielseitigen Material stammen bereits aus den 60er-Jahren. Bunt bedruckte Wegwerfkleider waren damals in Amerika der letzte Schrei. Von den schlicht geschnittenen Kleidchen zu den ausgetüftelten, gefalteten und gestanzten Kreationen junger zeitgenössischer Designer war es ein weiter Weg. Als wunderbares Experimentierfeld erweisen sich auch Sitzmöbel, wie die zahlreichen Beispiele im Buch belegen. Die Idee Papier für Sessel zu verwenden ist ebenfalls nicht neu: Der aus Wellpappe gefertigte Wiggle Side Chair von Frank Ghery aus dem Jahr 1972 hat bis heute nichts von seiner Attraktivität eingebüßt. Nicht zu unterschätzen ist die Nützlichkeit des Papiers bei der Entwicklung von Prototypen für Möbel und sogar, wie die Entwürfe von Konstantin Grcic zeigen, für Haushaltsgeräte oder Mülleimer.

Selbst in die Architektur hat das Papier Einzug gehalten. Shigeru Ban baute temporäre Gebäude aus Pappröhren und ließ für einen Messepavillon Tragwerksprofile aus Papierresten herstellen. In der Innenraumgestaltung findet Papier, dank seiner hohen Belastbarkeit, bei der Gestaltung von Shops und Messeständen Verwendung. Ein besonders originelles Beispiel für diesen Einsatzbereich ist die Einrichtung eines Büros in der holländischen Stadt Eindhoven.

Zeitgenössische Künstler bedienen sich des Papiers auf neue Art und Weise. Meine Favoriten unter den vorgestellten Projekten, sind die Arbeiten von Peter Callesen. Fingerfertig verwandelt er einfache A4-Blättern in fantasievolle 3D-Welten mit denen er kleine Geschichten erzählt. Überrascht hat mich, dass von der ansonsten repräsentativen Zusammenstellung Künstlerbücher weitgehend ausgeschlossen blieben, obwohl auch sie sich durchaus die dritte Dimension zu eigen machen.

Der zweite Teil von “unfolded” befasst sich mit der Materialkunde. Er ist das Ergebnis der Recherche der Autorinnen nach technischen Papieren für 3D-Anwendungen und birgt manche Überraschung. Beginnend mit der Herstellung entfaltet sich ein beeindruckender Produktreichtum. Die gebotenen Kategorien sind: Modifiziert, Outdoor-Papier, Formteile aus Papierschichten, Chemisch aktiv, Gesintert, Feuerfest und Reinigend, Elektronisch, Textilien, Komposite und Laminate, Tiefgezogen, Wabenstrukturen, Waben-Formteile, CNC-Waben, Formgeschäumt, 3D-Geschöpft, Konstruktionselemente, Origami für die Serie, Computer-Origami und Gelasert.

Fotos, Produktbeschreibungen, Formate, Hersteller, Kontaktadresse und der Vermerk, ob es sich um ein bereits in Serie hergestelltes Papier, ein Unikat oder ein Forschungsprojekt handelt, machen “unfolded” zu einem praktischen Handbuch.

Nicht nur die in “unfolded” vorgestellten Designer durften mit Papier spielen, auch die Gestalter des Buches nutzten die unterschiedlichen haptischen Qualitäten von Papier. Es zahlt sich übrigens aus den Umschlag zu entfalten - aber Vorsicht mit dem Sticker!

© Ch. Ranseder

Unfolded: Papier in Design, Kunst, Architektur und Industrie

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modellbauhaus

Freitag, 28. August 2009

Non-Fiction

Bauhaus-Archiv Berlin, Stiftung Bauhaus Dessau, Klassik Stiftung Weimar (Hgg.)
modellbauhaus
Hatje Cantz 2009, 376 S., 302 Abb., 236 davon farbig.
ISBN 978 3 7757 2414 2

Modell Bauhaus Modell Bauhaus

Was den Österreichern die Wiener Werkstätte, ist den Deutschen das Bauhaus. Dessen neunzigster Geburtstag ist Anlass für die neuerliche, breitenwirksame Auseinandersetzung mit der Institution, die fast schon zu einem modernen Mythos geworden ist. Und mit nichts lässt sich der Diskurs über die, von Beginn an die Meinungen polarisierende Ausbildungsstätte besser fortsetzen, als mit Ausstellungs- und begleitenden Publikationsprojekten. 2009 darf sich das kunstinteressierte Publikum daher an “modellbauhaus” erfreuen.

Die Deutungsmöglichkeiten der Geschichte und Erzeugnisse des 1919 von Walter Gropius gegründeten Bauhauses sind so facettenreich wie die an ihm lehrenden Persönlichkeiten, darunter Künstler wie Paul Klee, Oskar Schlemmer oder Wassily Kandinsky. Die berühmte Lehranstalt war eine Spielwiese für Individualisten. Das wird auch an den 68, für “modellbauhaus” ausgewählten, Objekten deutlich. Unter ihnen befinden sich natürlich Design-Ikonen, wie der Clubsessel B3 von Marcel Breuer, das Tee-Extraktkännchen von Marianne Brandt oder das Bauhaus-Gebäude in Dessau. Aber auch Kleinigkeiten, die etwas über das Leben am Bauhaus erzählen sind dabei. Das 1919 herrschende Wirgefühl und die Aufbruchsstimmung könnte nicht schöner als in der informellen Einladung in Form eines an die Tür gehefteten Zettels “Unser Spiel, unser Fest, unsere Arbeit” zum Ausdruck kommen. Von Objekt zu Objekt erschließt sich im Rahmen der Werkanalysen langsam die Geschichte des Bauhauses, an dem bildende Kunst, Architektur, Design und Bühnenbild gelehrt wurden. Die Arbeiten von Bauhauslehrern und -schülern dienen als Ausgangspunkt für die Betrachtung von Einzelaspekten wie Schulpolitik, Unterrichtsmethoden und die dem Bauhaus zu Grunde liegenden Philosophien. Der Plural steht hier ganz bewusst, denn es war nicht eine Ursprungsidee, die am Bauhaus Jahr für Jahr starr umgesetzt wurde. Ganz im Gegenteil. Walter Gropius verband in seinem ersten Programm Vision und Praxis und legte damit den Grundstein für einen Entwicklungsprozess, der zu keiner Zeit des Bestehens der das Experiment begrüßenden Schule abgeschlossen war. Vom Gründungsmanifest bis zur Auflösung durch die Nationalsozialisten 1933 erfand sich das Bauhaus immer wieder von Neuem. Jeder seiner drei Leiter, Walter Gropius, Hannes Meyer und Ludwig Mies van der Rohe, drückte ihm seinen Stempel auf. Jeder Wechsel des Standortes - zuerst Weimar, dann Dessau und schließlich Berlin - hinterließ seine Spuren. Nur eines blieb konstant: Der hohe Stellenwert der Architektur.

Trotz der Vielzahl unterschiedlicher Haltungen und der großen Bandbreite der Produkte war das Bauhaus auch ein frühes Beispiel für eine gelungene Markenbildung. Alles war vorhanden: Wort-Bild-Marke, bewusster Einsatz der Sprache, gezielte Pressearbeit, Selbstpräsentation durch Feste, Ausstellungen, Publikationen und nicht zuletzt ein passendes - Stichwort Corporate Architecture - Schulgebäude.

“modellbauhaus” nimmt die unter dem Dach der Marke Bauhaus geeinte künstlerische Pluralität auf und zeigt sich ebenso bunt wie die unvergessliche Ausbildungsstätte. Mit 77 Essays ist die Publikation ein Katalog der Superlative, der mit den vereinten Kräften aller drei der Pflege des Bauhaus-Erbes gewidmeten deutschen Institutionen - Bauhaus-Archiv Berlin, Museum für Gestaltung, Stiftung Bauhaus Dessau und Klassik Stiftung Weimar - entstand. Ein schneller Überblick über die Bauhausgeschichte ist mit einer derartigen Fülle an Beiträgen nur schwer zu erlangen, obwohl die chronologische Gliederung die Orientierung erleichtert. Stattdessen lässt sich das Phänomen Bauhaus in Jahresschritten genießen. Jeder Jahreswechsel wird von einem Trennblatt markiert, dem auf der farbigen Seite Daten zur Entwicklung des Bauhauses und auf der grautonigen Seite Informationen zum Geschehen in Deutschland entnommen werden können. Jahr für Jahr und Kunstwerk für Kunstwerk gewährt “modellbauhaus” LeserInnen die Freiheit nach Herzenslust zu Schmöckern ohne den roten Faden zu verlieren und so eine Institution kennen zu lernen, die Designgeschichte geschrieben hat.

Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau, Berlin, ist noch bis 4. Oktober zu sehen. 

© Ch. Ranseder

Modell Bauhaus

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Bauhaus-Frauen

Freitag, 12. Juni 2009

Non-Fiction

Ulrike Müller
Ingrid Radewaldt, Sandra Kemker
Bauhaus-Frauen
 
Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design 
Elisabeth Sandmann 2009, 152 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 938045 36 7

Bauhaus Frauen Bauhaus-Frauen - Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design

Das 1919 gegründete Bauhaus nahm auch weibliche Studenten auf. Und die Frauen kamen in Scharen, um die zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch rare Chance auf eine fundierte Ausbildung zu nutzen. Im ersten Semester seines Bestehens inskribierten am Bauhaus vierundachtzig Frauen und neunundsiebzig Männer - sehr zur Besorgnis seines Gründers, Walter Gropius, der nicht mit diesem weiblichen Ansturm gerechnet hatte. In seiner Antrittsrede propagierte Gropius noch “… absolute Gleichberechtigung, aber auch absolute gleiche Pflichten …”, doch schon bald begannen Lippenbekenntnis und Realität auseinander zu driften.

Ulrike Müller und ihre Gastautorinnen Ingrid Radewaldt und Sandra Kemker schildern in “Bauhaus-Frauen. Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design” wie es den Frauen am Bauhaus erging. In brillant geschriebenen Texten erzählen sie von Studienbedingungen, Lehrplänen und den herausragenden Leistungen, welche die Frauen - trotz der Schwierigkeiten und Diskriminierungen mit denen sie sich konfrontiert sahen - erbrachten.

Wie so oft, wenn es Frauen gelingt in männliche Domänen vorzudringen, stand das weibliche Geschlecht auch am Bauhaus bald vor neuen Barrieren. Es hatte nicht lange gedauert bis Maßnahmen ergriffen wurden, um die Zahl der am Bauhaus studierenden Frauen zu beschränken und die Studentinnen auf den ihnen von den Männern zugedachten Platz zu verweisen. Die Mehrzahl der Frauen wurde in die Handweberei abgedrängt, da die Herstellung von Textilien als eine ihnen angemessene Tätigkeit galt. Es muss ein Schock für die männlichen Führungs- und Lehrkräfte gewesen sein, dass sich ausgerechnet die Weberei durch Innovation und Produktivität profilierte und zu einer der erfolgreichsten der Werkstätten entwickelte. Apropos Leitungspositionen: Kaum eine der zahlreichen Frauen am Bauhaus wurde in eine solche berufen, selbst Lehraufträge waren spärlich gesät und, wie Ulrike Müller anmerkt, schlechter bezahlt.

Dennoch ließen sich die außerordentlich begabten Frauen nicht entmutigen. Sie zeigten Durchhaltevermögen und eroberten sich den Zugang zu den anderen Werkstätten, wie Metall, Keramik, Holz, Wandmalerei und Grafik. Doch die Disziplin, in der die zweitgrößte Anzahl an Frauen tätig wurde, war die Fotografie. Damit wird auch am Bauhaus die weibliche Strategie des Ausweichens in relatives Neuland, also in Bereiche deren Hierarchien noch nicht von Männern festgelegt und besetzt sind, sichtbar.

In dem bemerkenswerten Buch “Bauhaus-Frauen” werden 20 Künstlerinnen vorgestellt, die am Bauhaus lehrten, studierten oder als Ehefrauen Bauhausmeister unterstützten. Ihre Lebensgeschichten sind eine spannende, oft berührende Lektüre, im Zuge derer der bedeutende Beitrag sichtbar wird, den Frauen zum Gedeihen des Bauhauses leisteten. Den Auftakt des Biografien-Reigens bestreiten zwei Lehrkräfte aus den Anfängen des Bauhauses, Gertrud Grunow und Helene Börner, sowie eine der ersten Schülerinnen, Ida Kerkovius. Die Reihung der folgenden Porträts erfolgt lose nach den am Bauhaus eingerichteten Werkstätten. Die Weberei repräsentieren Benita Otte, Gunta Stölzl, Anni Albers, Gertrud Arndt und Otti Berger. Aus der Töpferei, die nur in den Weimarer Jahren des Bauhauses bestand, sind Margarete Heymann-Loebenstein-Marks und Marguerite Friedlaender-Wildenhain vertreten. Mehrfachbegabungen, denen die Aufnahme in die Werkstätten für Druckgrafik, Wandmalerei oder Bildhauerei und Bühnenarbeit gelang, waren Ilse Fehling, Friedl Dicker und Lou Scheper-Berkenkamp. Mit den Werkstoffen Holz beschäftigte sich Alma Siedhoff-Buscher. Marianne Brandt leistete Hervorragendes in der Metallwerkstatt. Die Innenarchitektin Lilly Reich wurde 1932 als Leiterin von Ausbauabteilung und Weberei berufen. Das abschließende Kapitel schließlich ist den Fotografinnen und Chronistinnen des Bauhauses, Florence Henri, Grete Stern, Ise Gropius und Lucia Moholy, gewidmet.

Reichhaltiges Bildmaterial, darunter Fotos des Arbeitsumfelds und Abbildungen ihrer Werke, begleitet die Kurzbiografien. Dank zeitgenössischer Fotografien bleiben auch die Frauen selbst nicht “gesichtslos”. Lächelnd oder mit forschen Blick, in die Arbeit versunken oder ihre Werke präsentierend begegnen sie den Augen der Leserinnen und Leser. Originalzitate lassen ihre Persönlichkeit aufblitzen. Wer, neugierig geworden, mehr über eine der Frauen erfahren will, muss nach weiterführender Literatur nicht lange suchen. Sie ist gleich im Anschluss jedes biografischen Textes angeführt. Zeitgeschichtlicher Kontext und die am Bauhaus vorzufindenden Rahmenbedingungen werden in der Einleitung des Buches sowie in den sechs Kapiteln vorangestellten Texten vermittelt.

Den Autorinnen Ulrike Müller, Ingrid Radewaldt und Sandra Kemker ist mit dem Buch “Bauhaus-Frauen” ein wunderbares und zugleich wichtiges Buch gelungen. Nicht nur werden erstmals die Leistungen der am Bauhaus wirkenden Frauen gewürdigt, es bietet sich dadurch auch eine längst überfällige, neue Sichtweise auf die Geschichte einer avantgardistischen, stilprägenden Institution aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

© Ch. Ranseder

Bauhaus-Frauen - Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design

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Media Facades

Donnerstag, 07. Mai 2009

Non-Fiction

M. Hank Haeusler
Media Facades
History, Technology, Content
avedition 2009 , Engl., 248 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8998 6107 5

Media Facades Media Facades

Technische Neuerungen und ihre innovativen Anwendungen sind aufregend. Der letzte Schrei, um sich in der nächtlichen Stadtlandschaft Aufmerksamkeit zu verschaffen, sind Medienfassaden. Mit hohem technischen Aufwand werden Fassaden von Gebäuden so (um)konstruiert, dass sie mit dynamischen digitalen Grafiken, Texten oder Bildern bespielt werden können. Als auf diese Weise vermittelter “Inhalt” sind auch die gesamte Außenhaut eines Bauwerks umflutende psychedelische Lichtmuster zu verstehen, wie man sie - als jüngstes österreichisches Beispiel - im Rahmen von Linz ´09 am Ars Electronica Center bestaunen kann.

Medienfassaden sind eine relativ neue Entwicklung in dem sich stetig erweiternden Feld der Architektur. Für jede junge Disziplin kommt der Zeitpunkt, an dem es notwendig erscheint, den durch Pionierarbeit erreichten Stand der Dinge festzuhalten und im theoretischen Diskurs zu etablieren. Dazu bedarf es, unter Anderem, der Schaffung eines Ordnungssystems und der Vermittlung der von den Vorreitern geschaffenen Fachsprache, um die Verständigung mit einem möglichst großen, interdisziplinär zusammengesetzten Kreis aus Ingenieuren, Architekten, Mediendesignern, Studenten, Journalisten, Kritikern und potentiellen Auftraggebern zu erleichtern.

M. Hank Haeusler legt in seinem Buch “Media Facades. History, Technology, Content” den Grundstein für eine über Insiderkreise hinausgehende Auseinandersetzung mit dem ebenso faszinierenden wie kontroversiellen Thema.

Aufbauend auf eine Bestandsaufnahme gewährt er einen Überblick über bereits Erreichtes und in Zukunft technisch Mögliches. Der Aufbau der hervorragend gegliederten Publikation folgt der bereits im Untertitel angekündigten Dreiteilung.

Das erste Kapitel bietet Begriffsdefinitionen, allgemeine Richtlinien für die Design und Bau vorhergehende Phase der Entscheidungsfindung, einen historischen Abriss der Vorläufer heutiger Medienfassaden und der Entwicklung ihrer elektronischen Komponenten sowie eine Geschichte des Times Square in New York, dessen Charakter und Rolle in der Stadtplanung durch Medienfassaden bestimmt wird.

Der Schwerpunkt des Buches liegt auf der Technologie der Medienfassaden, mit der sich das umfangreiche zweite Kapitel beschäftigt. Haeusler unterscheidet vier technische Kategorien - “Mechanical”, “Projector”, “Illuminant” und “Display” - innerhalb derer eine weitere Gliederung nach den unterschiedlichen, für die Gestaltung von Medienfassaden verfügbaren Technologien erfolgt. Diese werden anhand von 36 internationalen Fallbeispielen in einem perfekt ausgewogenen Verhältnis von Text und Bild, erörtert. Das macht “Media Facades. History, Technology, Content” zu einem wunderbaren, reich bebilderten Handbuch. Seinen Mehrwert erhält die Publikation durch die, für Arbeiten technischen Inhalts keinesfalls selbstverständliche, Lesbarkeit der Texte. M. Hank Haeusler verfügt über die seltene Begabung komplexe technische Informationen in einer auch für Laien verständlichen Sprache zu vermitteln. Die Gegenüberstellung von technischer Beschreibung und Anwendungsbeispiel erleichtert darüber hinaus den Vergleich der unterschiedlichen Wirkungen, die Medienfassaden im urbanen Umfeld oder als Gestaltungselement von Inszenierungen im Innenraum entfalten können. Und natürlich sind die ausgewählten Fallbeispiele allesamt schicke Eyecatcher, egal ob es sich um Prototypen, künstlerische Interventionen oder durchgestylte Markenauftritte handelt. Vor allem die Automobilindustrie scheint für Messestände oder firmeneigene Museen gerne auf Medienfassaden zurückzugreifen, um ihre Produkte optimal in Szene zu setzten - gleich sechs Fallbeispiele sind dieser Branche zuzuordnen. Werbung findet eben nicht nur als Holzhammer-Kommerz statt, wie er am von Haeusler mehrfach als Beispiel angeführten Times Square zu finden ist. Damit stellt sich die Frage nach möglichen “Inhalten”, die mit Hilfe von Medienfassaden kommuniziert werden können. Ihnen ist das abschließende, ein wenig dünn geratene, dritte Kapitel gewidmet.
Ein Glossar sowie eine Liste von Designern und Herstellern runden das grafisch ansprechend gestaltete Buch ab.

“Media Facades. History, Technology, Content” ist zugleich Einführung und Nachschlagewerk. Eindrucksvoll führt das Buch vor Augen, was heute technisch möglich ist und wie gut Medienfassaden aussehen können. Doch die nächtlichen Fassaden-Lichtspiele haben auch ihre Schattenseiten. Wertneutral erwähnt Haeusler Baukosten, Energieverbrauch und die Tatsache, dass der Platz hinter einer Medienfassade oft nicht mehr für Büro- oder Wohnzwecke genutzt werden kann. Über die Sinnhaftigkeit von Medienfassaden ließe sich also streiten. Wie war das noch mal mit dem ökologischen Fußabdruck, an den EU-Bürger in letzter Zeit so oft gemahnt werden?

© Ch. Ranseder

siehe auch:
ag4-mediafacades (Daab Architecture & Design)
Krieg der Zeichen: Spurenlesen im urbanen Raum
Vattenfall Europe Zentrale & Medienfassade Berlin. Deutsche Ausgabe

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Hermann Obrist

Donnerstag, 09. April 2009

Non-Fiction

Eva Afuhs, Andreas Strobl (Hgg.)
Hermann Obrist Skulptur, Raum, Abstraktion um 1900

Museum Bellerive, Staatliche Graphische Sammlung München
Scheidegger & Spiess 2009, Dt./Engl., 248 S., zahlr. Abb.
ISBN
ISBN 978 3 85881 239 1

Hermann Obrist Hermann Obrist: Skulptur, Raum, Abstraktion um 1900

Hermann Obrist (1862-1926) war ein Suchender. Vielseitig begabt und leicht zu langweilen, kam er über den Umweg der Naturwissenschaften zur Kunst. Vier “Visionen” brauchte es, bis der junge Hermann seine Berufung erkannte und sich ganz dem Kunstgewerbe verschrieb. Wie sein Werdegang verlief, erzählt der Künstler, der einst in München den deutschen Jugendstil maßgeblich formte, in der Autobiografie “Ein glückliches Leben”. Seine Erinnerungen bilden - durch Papier, Farbe und mittige Platzierung von den wissenschaftlichen Beiträgen abgehoben - das Herzstück des Buches “Hermann Obrist. Skulptur, Raum, Abstraktion um 1900″.

Das künstlerische Schaffen von Hermann Obrist ist nur noch lückenhaft erhalten. Vieles kam nie über das Entwurfsstadium hinaus, ging verloren oder wurde im zweiten Weltkrieg zerstört. Nahezu das gesamte bildhauerische Werk sowie eine fotografische Dokumentation der Grabmäler und Brunnen befinden sich heute im Museum für Gestaltung, Zürich. Ein weiterer bedeutender Teil seines Nachlasses hat sich in der Staatlichen Graphischen Sammlung, München, erhalten. Das als gemeinsames Projekt der beiden Institutionen entstandene Buch “Hermann Obrist. Skulptur, Raum, Abstraktion um 1900″ und die begleitende Ausstellung führen erstmals diese Teile des Nachlasses zusammen.

Unter welchen dramatischen Bedingungen Teile des Werkes von Hermann Obrist gerettet werden konnten, schildert der erste Beitrag des reich bebilderten Buches. Eva Afuhs und Andreas Strobl stellen in “Erste Grundlagen zu einem fragmentierten Werk” den Nachlass vor. Im Zuge dessen untersuchen sie sowohl die künstlerische Entwicklung des Bildhauers als auch die Rezeption und Bedeutung seines Werkes im Kontext des damaligen Kunstverständnisses. Hermann Obrist wollte neue Wege beschreiten. Er fand neue, originelle Ausdrucksformen und experimentierte als einer der Ersten mit den Materialien Plastilin und Zement. Als Inspirationsquelle für seine Plastiken, Textilien und Zeichnungen sammelte er Abbildungen aus Zeitschriften. Damit nahm er die “mood-boards” heutiger Designer vorweg. Wäre Hermann Obrist noch am Leben, könnte er vermutlich als Ausstatter von Fantasy-Filmen Erfolge feiern. Seine bildhauerischen Arbeiten wirken fantastisch-fremdartig, bisweilen sogar bedrohlich. Eva Afuhs und Andreas Strobl benutzen den treffenden Ausdruck “biomorph”. Obrist orientierte sich an der Natur, jedoch ohne sie zu kopieren. Er fing Bewegung und Wachstum als Ausdruck der inneren Kraft eines Organismus ein und verkörperlichte sie als Spirale oder Peitschenschlaglinie. Für ihn sollte Kunst das Gefühl des Lebens in übersteigerter Form erfahrbar machen.
Annika Waenerberg legt in “Lebenskraft als Leitfaden” dar, welche Faktoren sowohl Obrists Ringen nach einem einzigartigen persönlichen Stil als auch seine kunsttheoretischen Ideen beeinflusst haben. Die Erforschung der Wahrnehmung und der abstrakten Form beschäftigten den Künstler auch in seinen Zeichungen.
Stacy Hand geht in ihrem Beitrag “Feuer in Schwarzweiss” der Frage nach, welche Bedeutung Wahrnehmungspsychologie und naturwissenschaftliche Illustration für das Werk von Hermann Obrist hatten. Dieser widmete sich ja nicht nur der Praxis sondern auch der Theorie und Lehre. Als Mitbegründer der “Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk” dürfte er gut mit anderen Künstlern vernetzt gewesen sein.
Ingo Starz wirft in “Ornamental-Plastik” Licht auf den Dialog und die, anlässlich der Werkbundausstellung in Köln 1914 erfolgte, Zusammenarbeit mit Henry van de Velde.
Dass Hermann Obrist sich der Bedeutung seiner Grabmäler und Brunnen bewusst war, darf aus der qualitativ hervorragenden fotografischen Dokumentation der Werke geschlossen werden. Viola Weigel analysiert in “Hermann Obrist und die Fotografie” das im Nachlass erhaltene Konvolut von 49 Aufnahmen. Im Zuge dessen legt sie dar, wie der Blick durch das Objektiv die Wahrnehmung der Arbeiten und ihrer Platzierung im Raum beeinflusst.
Warum Obrist ausgerechnet der Gestaltung von Grabmälern besondere Aufmerksamkeit schenkte und welche Erfolge er mit seinen Werken verbuchen konnte, beschäftigt schließlich Hubertus Adam in “Symbolische Erinnerungen an die Natur”.

“Hermann Obrist. Skulptur, Raum, Abstraktion um 1900″ ist die erste Monografie über den eigenwilligen Bildhauer, Textildesigner, Zeichner, Theoretiker und Lehrer. Die in deutscher und englischer Sprache wiedergegebenen Essays leisten einen bedeutenden Beitrag zur Erforschung des Gesamtwerkes von Hermann Obrist. Zu den hervorragenden Texten und der großzügigen Bebilderung gesellt sich für designbewusste LeserInnen ein zusätzlicher Bonus. Das Buch besticht mit einer edlen Gestaltung, die es wohltuend von der Masse der verfügbaren Kunstpublikationen abhebt. Mehr sei hier nicht verraten. 

© Ch. Ranseder

Hermann Obrist: Skulptur, Raum, Abstraktion um 1900

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Grafik Design

Dienstag, 24. März 2009

Non-Fiction

Timothy Samara
Grafik Design
Theorie, Konzept, Realisierung

Stiebner 2009, 365 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 8307 1361 6

Grafik Design Theorie, Konzepte, Realisierung Grafik Design: Theorie, Konzept, Realisierung

Timothy Samara hat ein Buch geschrieben, dem ich wünschen würde, dass es möglichst vielen jungen Menschen in die Hände fiele, bevor sie sich zum Grafik-Design-Studium entschließen. Eigentlich müsste “Grafik Design. Theorie, Konzept, Realisierung” in jeder Berufsberatungsstelle aufliegen. Neben vielen anderen Dingen zeigt die Publikation nämlich sehr anschaulich, dass Kommunikationsdesign Knochenarbeit ist und so mancher Kunde dem Designer das Leben schwer machen kann - auch wenn das natürlich niemals explizit ausgesprochen wird. Abgesehen davon hat der Beruf durchaus seinen Reiz. Schließlich bietet fast jedes Projekt neue Herausforderungen. Von Kreativen wird verlangt, dass sie Ideen am laufenden Band produzieren, deren Weiterentwicklung sich selten als linearer Prozess gestaltet. Ganz im Gegenteil, der Weg vom ersten Skribble zum fertigen Produkt ist oft gewunden und manchmal steinig. Nie wird er allein begangen, sondern gemeinsam mit dem Kunden, dessen Wünsche berücksichtigt werden müssen, und Kollegen aus verwandten Disziplinen, die ihren Beitrag zum Gelingen eines Projektes beisteuern. Selbstverwirklichung ist nur wenigen Designern vergönnt. Das bringt Timothy Samara in einer seiner 20 Regeln, die helfen sollen Entwürfe zu optimieren, deutlich zum Ausdruck. Regel Nummer 11 des in New York arbeitenden Grafikdesigners lautet: “Universalität ist gefragt; es geht nicht um Sie.” Sein Vorschlag, wenn man sich ausleben möchte, möge man doch Maler werden, das sei lukrativer, hat mich allerdings zum Schmunzeln gebracht. Hierzulande (Österreich) verhungern Maler noch schneller als Grafikdesigner.

Im Anschluss an seine 20 Gebote stellt der Autor im Blitzdurchgang die visuellen Elemente des Grafikdesigns (oder wie es so passend heißt, den “visuellen Werkzeugkasten”) vor: Form und Raum, Farbe, Typografie, Bilder und Layout.

Den Löwenanteil des reich bebilderten Buches bestreiten 40 Fallstudien. Sie führen vor Augen, wie aufwändig und komplex Designprozesse von der ersten Ideenskizze bis zum fertigen Produkt sein können. Ein lehrreicher Leckerbissen sind die zahlreichen Abbildungen von Handskizzen und Entwurfsvarianten, die Außenstehende gewöhnlich nicht zu Gesicht bekommen. Vieles verschwindet im Verlauf eines Projektes ja in der Schublade. Zusammen mit kurzen Texten, die Aufgabenstellung und Verlauf des Projektes beschreiben, illustrieren sie die Vielzahl möglicher Arbeitsweisen. Die für das Buch getroffene Auswahl der Projekte ist aber auch noch aus anderen Gründen gelungen. Timothy Samara ist sichtlich bestrebt, eine möglichst große Bandbreite des Grafik Designs zu zeigen - sowohl in seinen Anwendungsmöglichkeiten als auch in den zur Verfügung stehenden Ausdrucksformen. Das Spektrum der Arbeiten umfasst die Entwicklung von Markenidentitäten für Weine, die Gestaltung von Büchern, Foldern, Postern und anderen Printprodukten ebenso wie Web-, Messestand- und Textildesign. Um die jeweiligen Botschaften zu vermitteln, bedienen sich die Gestalter der unterschiedlichsten Techniken. Sogar Linolschnitte kommen für einen Auftrag, mit wirklich zauberhaftem Ergebnis, zum Einsatz. Auffallend ist auch die Internationalität der Mitwirkenden. Das Verzeichnis der 38 Designer und Designstudios, die Einblick in ihre Projekte gewähren, liest sich wie das Programm einer Reise um die Welt.

“Grafik Design. Theorie, Konzept, Realisierung” zeigt, wie die Theorie des Grafik Designs in der Praxis umgesetzt wird. Nichts befriedigt die Wissbegier spannender und nachhaltiger, als als ein Blick hinter die Kulissen. Das Konzept geht auch in Buchform auf.

© Ch. Ranseder

Grafik Design: Theorie, Konzept, Realisierung

Alfons Mucha

Sonntag, 15. März 2009

Non-Fiction

Agnes Husslein-Arco, Jean Louis Gaillemin, Michel Hilaire, Christiane Lange (Hgg.)
Alfons Mucha
Hirmer 2009, 365 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 7774 7035 1

Alfons Mucha Alfons Mucha: Katalog zur Ausstellung in Wien, 2.02.2009-01.06.2009, Belvedere und in München, 25.09.2009-10.-01.2010

Das Buch “Alfons Mucha” und die gleichnamige Ausstellung kommen zum richtigen Zeitpunkt. Sie spiegeln in Konzept und Werkauswahl zwei seit einigen Jahren vorherrschende, sich zu Trends verdichtende, gegensätzliche Stimmungen. Zum Einen ist die Freude am Dekorativen wieder erlaubt. Diese Sehnsucht nach dem Ornament lässt sich mit dem Erstarken der Illustration auch in der zeitgenössischen Grafik ablesen. Zum Anderen besinnen sich viele Volksgruppen trotz des vielbeschworenen europäischen Gedankens wieder auf ihre Wurzeln. Alfons Muchas Gesamtwerk vermag mit seiner beeindruckenden Bandbreite beide Pole abzudecken. Als Gebrauchsgrafiker wurde er mit Plakaten, Entwürfen für Verpackungen und Buchillustrationen im Stil der Art Nouveau berühmt. Mit der monumentalen Historienmalerei, die in der Bildfolge des “Slawischen Epos” gipfelte, verwirklichte er ein Herzensanliegen.

Alfons Mucha (1860-1939) war ein Multitalent. Den Anforderungen eines Projektes entsprechend, wechselte er mühelos zwischen den Genres, Medien und Formen des emotionalen Ausdrucks. Auch mit dem Verlauf seiner Karriere stand der vielseitig begabte Künstler dem heutigen Bild des Stardesigners näher als den Malerfürsten des 19. Jahrhunderts. Herausragendes Können reicht oft nicht aus, um in der Kunstszene zu bestehen. Mucha verfügt darüber hinaus über die Fähigkeit Netzwerke aufzubauen, die Bereitschaft zur Mobilität und eine gehörige Portion Glück. Im südmährischen Ivančice geboren, zieht es Alfons Mucha nach seiner Ablehnung durch die Prager Akademie der bildenden Künste nach Wien, wo er als Theatermaler tätig ist. Es folgen Abstecher nach Mikulov und Schloss Gandegg in Tirol. Mucha hat das Glück in den Grafen Egon und Eduard Khuen Belassi finanzielle Förderer zu finden. Ihre Unterstützung ermöglicht ihm einen Studienaufenthalt in München und die Fortsetzung seiner Ausbildung in Paris. Prägender als die akademische Schulung sind in diesen Jahren jedoch die Treffen mit Künstlerfreunden, in deren Rahmen nicht nur Geselligkeit gepflegt, sondern - vor allem in München - Seite an Seite selbst gewählte Aufgabenstellungen gelöst werden. Gegen Ende des Jahres 1894 erhält Alfons Mucha durch eine glückliche Fügung die Chance ein Plakat für das Theaterstück “Gismonda” zu entwerfen. Die Schauspielerin Sarah Bernhardt ist von seiner Schöpfung so begeistert, dass sie mit ihm einen Vertrag auf sechs Jahre abschließt. Von da an geht es mit Muchas Karriere steil bergauf. Es folgen zahlreiche kommerzielle grafische Arbeiten, Schmuckentwürfe sowie die fantastische Ausstattung des Juweliergeschäftes von Georges Fouquet. Seine Beschäftigung mit dem Kunstgegenstand erreicht mit den als Handbuch gedachten “Documents Décoratifs” einen Höhepunkt. Die Gebrauchsgrafik allein befriedigt den begnadeten Zeichner jedoch nicht. Neben seinen dekorativ-heiteren Arbeiten verwirklicht Mucha künstlerische Projekte zu religiösen und patriotischen Themen, darunter die bildliche Umsetzung des Vaterunsers. Ein weiteres Standbein ist seine Lehr- und Vortragstätigkeit. Letztere führt ihn 1904 in die USA, wo er mehrere Jahre lebt und arbeitet. Hier gelingt es ihm auch einen Mäzen für den “Slawischen Epos” zu finden. Doch Amerika kann Mucha nicht halten. Er übersiedelt nach Prag, um sich der Ausschmückung des Primatorensaals im Repräsentationshaus und den Monumentalgemälden des “Slawischen Epos” zu widmen.

Der Prachtband “Alfons Mucha” würdigt die Vielseitigkeit des weitgereisten Künstlers. Großformatige Abbildungen, die ein wahres Fest für die Augen sind, bieten einen Querschnitt durch sein Lebenswerk. Die zahlreichen Essays zeichnen sich durch originelle Zugänge zu Muchas Kunstschaffen und neue Schwerpunktsetzungen aus.

Jean Louis Gaillemin geht in “Linie und Figur - der ‘Mucha-Stil’” Muchas Interesse an spiritistischen Experimenten nach und untersucht, wie der Künstler seine Beobachtungen zu Kompositionsregeln verdichtete, um sie in verschiedenen Ausdrucksstilen zur Anwendung zu bringen.

Roger Diederen rekonstruiert in “‘Hier leuchtete die Flamme der Kunst’. Alfons Muchas Münchner Jahre (1885-1887)” Muchas Weg nach München, wo sich sein Geschick soziale Netzwerke zu knüpfen voll entfaltete.

Arnauld Pierre setzt in “Musikalische Ekstase und Fixierung des Blicks. Mucha und die Kultur der Hypnose” die in Muchas Atelier stattfindenden Experimente in einen historisch-medizinischen Kontext. Im Zuge dessen führt er vor Augen, wie Mucha die Betrachter seiner Plakate manipuliert und welche hypnotische Wirkung seiner Gebrauchsgrafik innewohnt.

Olivier Gabet stellt in “Der Kunstgegenstand bei Mucha” den Perfektionisten als fantasiebegabten Schöpfer kunstgewerblicher Gegenstände vor und spannt dabei den Bogen von der Gebrauchsgrafik über die “Documents Décoratifs” bis zu Schmuckentwürfen und Geschäftsausstattung für den Juwelier Georges Fouquet.

Dominique de Font-Réaulx schildert in “Die fotografische Inszenierung bei Alfons Mucha” die Freude des Künstlers an der Fotografie, mit deren Hilfe er nicht nur seine Freunde und Familie für die Ewigkeit festhielt, sondern auch seine historischen Gemälde vorbereitete.

Alfred Weidinger befasst sich in “Alfons Mucha und der Pavillon für die osmanischen Provinzen Bosnien-Herzegowina auf der Weltausstellung in Paris 1900″ mit Entstehungsgeschichte und Bildprogramm des repräsentativen Projektes.

Lenka Bydźovská und Karel Srp verfolgen in “Das ‘Slawische Epos’: Wort und Licht” die Genese des Monumentalwerkes. Im Zuge dessen analysieren sie Muchas Interpretation der slawischen Geschichte, seine Erzählweise und die gewählten Formen des visuellen Ausdruckes.

Tomoko Sato entdeckt in “Fotografie: Die andere Seite Muchas” Mucha als Fotokünstler.

Den Aufsätzen folgt ein umfassender, nach 11 Themen gegliederter Bildteil mit jeweils einem einleitenden Text zu jedem Abschnitt. Biographie, Werkverzeichnis und Auswahlbibliographie runden das stattliche Buch ab. Anlass für das Erscheinen der Publikation “Alfons Mucha” ist die gleichnamige Ausstellung, die von 12. Februar bis 1. Juni ‘09 im Belvedere, vom 20. Juni bis zum 20. September ‘09 im Musée Fabre und vom 9. Oktober ‘09 bis zum 24. Jänner ‘10 in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, gastiert.

© Ch. Ranseder

Alfons Mucha: Katalog zur Ausstellung in Wien, 2.02.2009-01.06.2009, Belvedere und in München, 25.09.2009-10.-01.2010

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Schuhtick.

Mittwoch, 07. Januar 2009

Non-Fiction

Hartmut Roder (Hg.)
Schuhtick.
Von kalten Füßen und heißten Sohlen
Phillipp von Zabern 2008, 212 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 8053 3938 4

Schuhtick Schuhtick. Von kalten Füßen und heißen Sohlen

Auf den Spuren der Fußbekleidung von der Steinzeit bis in die Gegenwart begeben sich 22 AutorInnen. Und es ist unglaublich, was sie dabei - vom Fußschutz bis zum Statussymbol - an Erkenntnisgewinn aus einem einzigen Schuh - besser noch aus einem Paar - herausholen!

Von den biologischen Voraussetzungen der Fortbewegung und der Tatsache, dass die Evolution nicht mit der rasanten Ausbreitung des Menschen in “fußunfreundliche” Regionen Schritt halten konnte, über die wechselhaften Schuhmoden quer durch Zeiten und Regionen bis hin zum Schuhmachern spannt sich der inhaltliche Bogen. Steinzeitliches Schuhwerk und römische Sandalen, die mehr als nur ein beliebiges Kleidungsstück waren, mittelalterliche Absonderheiten und neuzeitliche Eleganz zeigen gesundheitliche Probleme und gesellschaftliche Ambitionen gleichermaßen auf. Der Schuh, ein notwendiges und oft unerschwingliches Verbrauchsgut, war nicht immer leicht zu bekommen, wie nicht nur die Schuhprobleme der Nachkriegszeit beweisen.

Unverwechselbarkeit der Modelle und/oder der Status ihrer Träger mach(t)en manche Schuhe zu Erfolgsmodellen, andere sind unverwüstliche Evergreens und überzeugen durch ihre hohe Funktionalität. Tatsache ist, dass Schuhe in vielen Kulturen nicht nur als Fußschutz dienen, sondern auch unverzichtbarer Ausdruck sozialer Stellung sind, mal ganz abgesehen von ihrem Wert als Fetisch. Das unerschöpfliche Thema “Männersandale” wird über Legionäre, Mönche, Hippies und Ökofreaks abgehandelt. Schade, dass nicht auch die Unart Socken darin zu tragen, näher beleuchtet wird. Andererseits genügt es ja schon zur kulturellen Unordnung beizutragen, wenn Sneakers unter der Anzugshose hervorlugen.

Der spannende Abriss zum Machen eines Schuhs, umfasst Beiträge über das Anfertigen von Maßschuhen, die Herstellung in der Fabrik und Schuhdesign der Upperclass und die Problematik der asiatischen Massenware. Abgerundet wird das Thema Herstellung mit einem interessanten und vergnünglichen Blick auf Schuhwerbung, der ruhig ein wenig länger hätte ausfallen dürfen. Abgeschlossen wird der Rundblick auf den “Schuhtick” mit einer Betrachtung wie sich Schuhe in Märchen und Erzählungen niedergeschlagen haben.

“Und die Schuhe bringen es an den Tag. denn im Märchensind sie kein “Accessoire”, sondern ein Teil der Person selber.”

Ein Katalog für alle, die von Schuhen nicht genug bekommen können und noch ein mehr über dieses für die meisten unverzichtbare - außer man möchte Buße tun oder lebt im warmen Regionen mit weichen Böden -Bekleidung wissen wollen.

© S. Strohschneider-Laue

Schuhtick. Von kalten Füßen und heißen Sohlen

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Designraster

Samstag, 27. Dezember 2008

Non-Fiction

Gavin Ambrose, Paul Harris
Designraster
Stiebner 2008, 176 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8307 1357 9

Designraster Designraster: Struktur oder Muster aus Linien, die als Gerüst für die Anordnung der Elemente eines Designs dienen

Raster sind aus dem Kommunikationsdesign nicht wegzudenken. Sie sind unverzichtbare Helferlein, die sich im Hintergrund halten und ihre Stärken im Verborgenen entfalten. Nur selten wird das Gerüst aus Linien selbst zum sichtbaren Gestaltungselement, wie auf einigen Seiten des Buches “Designraster”.

Mit einem Raster als Skelett des zu entwickelnden Grafikdesigns gelingt es spielerisch, die einzelnen Bestandteile des Entwurfes zu organisieren und harmonisch aufeinander abzustimmen. Der Designer kann mit Hilfe des Rasters Texte und Bilder so anordnen, dass Wertigkeiten entstehen, die den Blick des Lesers lenken und so die Botschaft klar vermitteln. Dem Leser wiederum dient der nur in der Disposition der Designelemente zueinander wahrnehmbare Raster als Orientierungshilfe bei der Entschlüsselung der dargebotenen Informationen. Auch wenn die Entwicklung eines Rasters zeitaufwändig sein kann, macht sich diese Investition meist im Lauf eines Projektes bezahlt. Auf seiner Basis geht die Arbeit rascher von der Hand und das Endprodukt gewinnt an visueller Kohärenz. Paradoxerweise ist ein Raster, dem doch eine gewisse Regelhaftigkeit und Starrheit eigen ist, extrem flexibel. Er bietet der Kreativität nahezu unbeschränkte Ausdrucksmöglichkeiten und das nicht nur in der Druckgrafik sondern auch im Webdesign, der Ausstellungsgrafik und im Zusammenspiel von Grafik und Architektur.

Gavin Ambrose und Paul Harris führen in “Designraster” die Nützlichkeit von Rastern anschaulich vor Augen. Im mittlerweile siebten Band der hervorragenden Reihe “Basics Design” vermitteln die beiden Autoren in sechs Kapiteln Grundwissen über die Funktionen, Arten und Anwendungsmöglichkeiten von Rastern. Als Auftakt geht das Kapitel “Warum Raster” unserem Leseverhalten und dem Sinn von Rastern auf den Grund. “Rastergrundlagen” spannt den Bogen von Faktoren, die bei der Anlage eines Rasters berücksichtigt werden müssen - wie zum Beispiel Papierformate, Seitenaufbau, Proportionen und Hierarchien - bis zu den ersten Schritten der Entwicklung eines Rasters. In der Folge stellt das Kapitel “Rastertypen” die einzelnen Arten von Rastern - vom symmetrischen Raster bis zum Winkelraster - vor. Den am Raster auszurichtenden Designelementen wie Texte und Bilder ist der Abschnitt “Rasterelemente” gewidmet, wobei der Umgang mit Schrift und Spalten im Mittelpunkt steht. Das fünfte Kapitel “Verwendung des Rasters” bietet eine bunte Mischung von Möglichkeiten des Umgangs mit Rastern, darunter ihr Einsatz als Muster, zur Bändigung von Tabellen und mehrsprachigen Texten sowie als Hilfe bei der Beschriftung von Architektur. “Raster im Web” schließlich zeigt, dass sich der gute alte Raster auch bei der Gestaltung von Internetseiten bewährt. Ein Glossar rundet das Buch ab.

Die hochwertige Publikation “Designraster” strotzt vor unentbehrlichem Basiswissen, das benutzerfreundlich und leicht verständlich präsentiert wird. In der bereits bewährten Weise übersichtlich gestaltet, glänzen Gavin Ambrose und Paul Harris abermals mit präzisen Texten und hervorragendem Bildmaterial. Illustriert mit zahlreichen Musterseiten wird “Designraster” zum inspirierenden Handbuch, das man gerne aus dem Regal zieht.

© Ch. Ranseder

Designraster: Struktur oder Muster aus Linien, die als Gerüst für die Anordnung der Elemente eines Designs dienen

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Adrian Frutiger Schriften

Montag, 08. Dezember 2008

Non-Fiction

Heidrun Osterer/Philipp Stamm/Schweizerische Stiftung Schrift und Typographie, Bern (Hgg.) 
Adrian Frutiger - Schriften
Das Gesamtwerk
Birkhäuser 2008, 462 S., 439 Farb- und 620 Sw-Abb.
ISBN 978 3 7643 8576 7

Adrian Frutiger - Schriften Adrian Frutiger Schriften. Das Gesamtwerk

Der in der Schweiz geborene Adrian Frutiger hat im Lauf seines Lebens über 50 Schriften entworfen. Internationale Bekanntheit erlangte er mit dem in den 50er-Jahren entstandenen Schriftkonzept Univers. Doch auch andere schöne und nützliche Schriften stammen von seiner Hand. Adrian Frutiger hat Standards gesetzt und am technischen Puls der Zeit mehr als einmal eine Vorreiterrolle gespielt. Seine Schriften zeichnen sich durch Klarheit, gute Lesbarkeit, Ausgewogenheit und den gleichmäßigen Rhythmus des Gesamtbildes aus. Funktionalität, nicht künstlerische Selbstverwirklichung steht im Mittelpunkt seines Schaffens. So sind Schriften von Adrian Frutiger auch dort zu finden, wo man sie nicht erwarten würde: Auf Einzahlungsscheinen oder Identitätskarten zum Beispiel. Mit der von Maschinen lesbaren OCR-B schuf er Mitte der 60er-Jahre eine Schrift, die trotz stringenter technischer Vorgaben mit einer ästhetischen Anmutung punktet. Neben den beliebten Schriften für den Satz von Büchern finden sich in Adrian Frutigers Werk Signalisationsbeschriftungen für Flughäfen und die Pariser Mètro ebenso wie für den visuellen Auftritt von Firmen entworfene Schriften und zahlreiche Logos.

Als Lehrender, Autor und Berater hat der namhafte Schriftgestalter von Beginn an sein Wissen weitergegeben. Auch das vorliegende Buch basiert zum Teil auf Interviews mit Adrian Frutiger. Die aus der Transkription der Gespräche entstandenen, in der Ich-Form geschriebenen Texte bilden den erzählerischen Rahmen der beeindruckenden Publikation. In der Tradition der “oral history” erinnert sich Adrian Frutiger an sein Berufsleben und erlaubt den LeserInnen einen Einblick in den Entstehungsprozess seiner Schriften - vom Auftrag über die technischen Anforderungen bis zum Marketing. Dabei nimmt er sich in chronologischer Reihenfolge jede Schrift einzeln vor, analysiert sie und nennt dabei zuweilen persönliche Vorlieben oder Abneigungen.

Dieser “Innensicht” von Adrian Frutiger ist die “Außensicht” der Herausgeber zur Seite gestellt. Sie bieten in ihren Texten vertiefende Informationen zu den Schriften, setzen diese in Beziehung zu historischem und technischem Umfeld und knüpfen Verbindungen zur Schriftgeschichte. Mustertext, Schriftvermaßung, Schriftenvergleich, Höhenvergleich und Alphabetvergleich der ursprünglichen Schriftform mit dem digitalen Font runden die einzelnen Schriftkapitel ab.

In die Abfolge der Schriftkapitel werden an chronologisch passender Stelle Seiten zu den Satztechniken eingeschoben. So werden technische Entwicklungen und die unterschiedlichen Anforderungen, die sie an die Schriftentwerfer stellten, für LeserInnen nachvollziehbar. Diese anschaulich illustrierten Abrisse zur Technikgeschichte umfassen Handsatz, Fotosatz Photon-Lumitype, Maschinensatz Einzelbuchstabenguss, Fotosatz Monophoto, Maschinensatz Zeilenguss, Optical Character Recognition OCR, Schreibsatz, Anreibesatz, Fotosatz Linofilm, Lichtsatz CRT, Lasersatz, Digitalsatz.

“Adrian Frutiger - Schriften. Das Gesamtwerk” ist ein übersichtlich gegliedertes Buch, das eine atemberaubende Informationsfülle benutzerfreundlich im Gewand feinster Buchgestaltung präsentiert. Viele Menschen waren an seiner Entstehung beteiligt. Der in der Einleitung der Publikation beschriebene, sich über mehr als 10 Jahre erstreckende Werdegang des Projektes legt davon beredtes Zeugnis ab. Heidrun Osterer, Philipp Stamm und ihrem Team ist mit “Adrian Frutiger - Schriften. Das Gesamtwerk” durch ihr ausgefeiltes Buchkonzept, ihre akribische Recherche gepaart mit der Fähigkeit Fachwissen in leicht verständlichen Texten zu vermitteln und der Kunstfertigkeit, in den auf Diskussionen mit Adrian Frutiger basierenden Texten die Lebendigkeit eines Gespräches zu bewahren, ein bedeutender Beitrag zur typografischen Literatur gelungen.

“Adrian Frutiger - Schriften. Das Gesamtwerk” setzt dem großen Schriftgestalter ein Denkmal mit einzigartigem kultur- und technikgeschichtlichen Tiefgang. Es ist ein Nachschlagewerk das Fachpublikum und interessierte Laien gleichermaßen begeistern wird.

© Ch. Ranseder

Adrian Frutiger Schriften. Das Gesamtwerk

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Universal Design

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Non Fiction

Oliver Herwig
Universal Design - Lösungen für einen barrierefreien Alltag 

Birkhäuser 2008, 175 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 7643 8717 4

Universal Design Universal Design: Lösungen für einen barrierefreien Alltag

Universal Design hat sich in den letzten Jahren aus dem Konzept des barrierefreien Designs entwickelt. Noch wird Universal Design vor allem bei Wohnprodukten eingesetzt, die für jeden gleichermaßen und in jeder Lebensphase nutzbar sein sollen. Das Wohnumfeld wird so gestaltet, dass es für ältere, aber auch für jüngere Menschen optimal ist. Es geht um schönes Design, das allen nützt und keiner bemerkt. Ziel von Universal Design ist die Zugänglichkeit für möglichst viele Menschen zu ermöglichen und ein breites Spektrum an Lösungen zu bieten, das allen hilft, nicht nur Menschen mit Beeinträchtigung. Gerade in einer Zeit, in der es in den Industrieländern immer mehr ältere Menschen gibt, nimmt Universal Design einen immer wichtiger werdenden Raum ein. Statt Spezialprodukten für eine begrenzte Zielgruppe müssen ästhetisch ansprechende Designlösungen für alle Menschen entwickelt werden.

Universal Design – Lösungen für einen barrierefreien Alltag von Oliver Herwig, einem deutschen Journalisten und Autor, gibt erstmals eine Zusammenfassung dieses verhältnismäßig neuen Designbereichs.
Der Autor stellt seinem Buch 5 Thesen voraus, in denen er aufzeigt, wie sich die älter werdende Gesellschaft auf die Gestaltung von Produkten auswirkt. Diese Thesen werden in zwei großen Bereichen – „Universal Design heißt gestalten für alle“ und „Universal Design in der Praxis“ – begründet und mit Beispielen universellen Designs belegt.

Der Autor setzt den Anspruch von Universal Design auch in seinem Buch fort und gliedert die einzelnen Kapitel klar und übersichtlich. Zum Einstieg lässt sich der 41jährige Autor für einige Stunden mit Hilfe eines Altersimulationsanzuges in die Welt alter Menschen versetzen – um dann das Verständnis für die Notwendigkeit universellen Designs den LeserInnen anschaulich zu vermitteln. Die Kapitel werden in die einzelnen Sinne unterteilt – Auge, Ohr, Hand und Fuß sowie in die Frage „Wie wohnen?“ Jedes Kapitel schließt mit einem Interview ab – so kommen berühmte Designer und Architekten wie Gerrit Terstiege, Mathias Knigge, Ursula Wangler und Frank Abele, Konstantin Grcic, Peter Naumann und Carlo Baumschlager zu Wort.

Eine prägnante Zusammenfassung und ein Ausblick unter dem noch visionären Titel „ Die Zukunft wird einfach und komfortabel“ schließt das Buch ab.

Sehr praktisch auch der Anhang, der die sieben Prinzipien universellen Gestaltens (©1997 NC State University, The Center für Universal Design) ebenso vorstellt wie übliche Abkürzungen und eine kurze weiterführende Literaturliste bietet.

Der Autor richtet sein Buch ausdrücklich an Designer und Architekten, Entscheidungsträger und Firmen, die sich mit der Zielgruppe älterer Menschen nachhaltig beschäftigen wollen. Doch nicht nur für diese von ihm definierte Zielgruppe ist das Buch von Interesse. Universal Design betrifft uns alle und versteht sich im Sinn einer nachhaltigen Gesellschaftspolitik geradezu als eine Kernforderung für die Zukunft.

© Doris Prenn

Universal Design: Lösungen für einen barrierefreien Alltag

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Designmuster

Dienstag, 22. April 2008

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Drusilla Cole
Designmuster
Haupt Verlag 2008, 240 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 258 07267 8

Deignmuster Designmuster. Zeitgenössische Oberflächengestaltung

Kreative Menschen lassen sich von vielen Quellen inspirieren. Oft mit erstaunlichen Ergebnissen. Filme, literarische Texte, Musik, Gegenstände des Alltags, Blumen oder Erinnerungen - fast alles kann als Auslöser für eine Entwurfsidee dienen. Das spiegelt sich auch in den Mustern, die Drusilla Cole für das opulente Buch “Designmuster” gesammelt hat. 102 Künstlerinnen und Künstler sind mit ihren Kreationen vertreten. Ihre in den Jahren von 2000 bis 2005 entstandenen Entwürfe sind am Puls der Zeit und zieren die unterschiedlichsten Trägermaterialien. Das Spektrum der angewandten Techniken reicht von klassischem Siebdruck über Stickereien und Applikationen zu modernsten High-Tech-Verfahren. Es wird fröhlich gemalt, gezeichnet und digital am Computer komponiert. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Die dekorative Musterflut wird in fünf Kapiteln gebändigt und in geordnete Kanäle geleitet. Säuberlich in thematische, abstrakte, geometrische und organische Muster sowie Retromuster gegliedert, entfalten die wunderschönen Schöpfungen ihre ganze Pracht. In den begleitenden Texten sind die leider allzu knappen Kommentare der Designer zu Ursprungsidee, Intention und gewählter technischen Umsetzung ein besonderer Leckerbissen.

Das Buch “Designmuster” ist zugleich dokumentarische Momentaufnahme, Inspirationsquelle und - dank eines Verzeichnisses mit Kontaktadressen der Designerinnen und Designer - Einkaufswegweiser. Die gelungene Auswahl der Arbeiten fügt sich zu einer faszinierenden Zusammenstellung zeitgenössischer Ornamentik und macht das Buch zu einem visuellen Genuss von der ersten bis zur letzten Seite.

© Ch. Ranseder

Designmuster. Zeitgenössische Oberflächengestaltung

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Lichtdesign

Freitag, 11. April 2008

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Andreas Schulz (Hg.)
Licht Kunst Licht 2. Lichtdesign für Architektur
avedition 2007, Dt./Engl, Broschur mit Klappen im Schuber, 176 S., 332 farbige Abb. und Pläne
ISBN 978 3 89986 057 3

Lichtdesign Licht Kunst Licht 2. Lichtdesign für Architekten

Welch wunderbare, perfekt funktionierende Ergebnisse der Einsatz professioneller Lichtgestalter zeitigen kann, zeigt die neueste Publikation des Büros Licht Kunst Licht. Um keine falschen Erwartungen zu wecken: Es geht in diesem Buch weder um eventgebundene Lichtspektakel noch um selbstverliebte (Licht)Kunst am Bau. Die Ingenieure, Designer und Architekten von Licht Kunst Licht entwickeln für die ihnen anvertrauten Bauwerke maßgeschneiderte, dauerhafte Lichtlösungen auf höchstem Niveau. Ihre Entwürfe gewährleisten einerseits die optimale Lichtversorgung der in den Gebäuden arbeitenden Menschen, andererseits kleiden sie die Architektur in ein attraktives nächtliches Lichtgewand fernab jeder Effekthascherei. Soviel wird schon beim ersten Durchblättern des Buches “Licht Kunst Licht 2. Lichtdesign für Architektur” klar. Die hervorragenden, großformatigen Fotografien vermitteln den Eindruck eines diskreten, sich sensibel mit dem jeweiligen Ort auseinandersetzenden Lichtdesigns, das ganz im Dienst der Sache steht. Acht, zwischen 2001 und 2006 fertig gestellte, Projekte werden in dem gleichermaßen prächtigen wie wohldurchdachten Bildband präsentiert. Aus der staatlichen Sphäre sind es der Plenarsaal des Bayerischen Landtags (München) sowie zwei Parlamentsbauten im Berliner Regierungsviertel, das Paul-Löbe-Haus und das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Aus dem kulturellen Umfeld sind das RuhrMuseum in der ehemaligen Kohlenwäsche Zollverein (Essen) und die Helmut Newton Foundation (Berlin) vertreten. Der Welt der Wirtschaft zuzurechnen sind ein Bürogebäude am Novartis Campus (Basel), der Uniqua Tower (Wien) und die Galeria Kaufhof Alexanderplatz (Berlin). Unterschiedlicher könnte die Architektur nicht sein. Jedes Gebäude und jede Nutzung desselben stellte die Lichtplaner vor neue Herausforderungen. So gut die fotografische Bilddokumentation auch ist, erst der begleitenden Text hilft das Ausmaß der jeweiligen technischen und gestalterischen Leistung zu verstehen. Übersichtlich gegliedert werden in deutscher und englischer Sprache historische Vorgeschichte von Gebäude und Umfeld, bauliche Rahmenbedingungen, Aufgabenstellung, Entwurf und angestrebte Lichtwirkung sowie Grundzüge der technischen Umsetzung dargelegt. Ergänzend führen Grund- und Aufrisse, Längs- und Querschnitte Dimension und Komplexität der zu beleuchtenden Architektur vor Augen. Konstruktionszeichnungen einzelner Leuchten vermitteln technische Details.

Als Abschluss des Buches sind ein Verzeichnis der Projekte des Planungsbüros Licht Kunst Licht sowie eine Liste der erhaltenen Auszeichnungen zu finden.

Ebenso maßgeschneidert wie das Lichtdesign des Planungsbüros Licht Kunst Licht ist die grafische Gestaltung des Buches “Licht Kunst Licht 2. Lichtdesign für Architektur”. Aus dessen Cover wurden 144 kleine Quadrate ausgestanzt, sodass das verbleibende Gitter unterschiedliche, von Lichteinfall und Papierkrümmung bestimmte Schatten auf die eingeschlagene Klappe des Umschlags wirft. So wird schon als Auftakt der Beschäftigung mit dem Buch subtil auf die Wirkung von Licht hingewiesen. Ganz abgesehen von diesem didaktischen Erfolg, macht es einfach verdammt viel Spaß mit dem Einband zu spielen! Doch noch auf einer anderen Ebene wirkt die edle Publikation bewusstseinsbildend. Tätigkeits- und Aufgabenfeld von Lichtplanern werden so anschaulich dargestellt, dass nicht nur potentielle Auftraggeber sondern auch junge Menschen, die sich auf der Suche nach einem Beruf befinden, von der Lektüre profitieren werden. “Licht Kunst Licht 2. Lichtdesign für Architektur” ist somit eine Werkdokumentation mit Mehrwert - wie erfrischend!

© Ch. Ranseder 23. Oktober 2007

Licht Kunst Licht 2. Lichtdesign für Architekten

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