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Kulinaria: Martin Luther

Donnerstag, 12. Februar 2009

Non-Fiction

Alexandra Dapper
Zu Tisch bei Martin Luther
Theiss 2008, 134 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 8062 2253 1

Zu Tisch bei Martin Luther Zu Tisch bei Martin Luther

“Spatzen sind sehr delikate Vögel. Es ist ein gutes Gericht von den Spatzen, denn sie essen nichts Unreines …” fand Martin Luther (1483-1546). Der große Reformator liebte Hausmannskost. Und zu dieser zählten an der Wende vom Spätmittelalter zur Neuzeit auch kleine Wildvögel.

Was tatsächlich in Luthers Elternhaus zu leckeren Speisen verarbeitet wurde, gibt das Buch “Zu Tisch bei Martin Luther” preis. Archäologen legten in Mansfeld auf jenem Grundstück, das einst Hans und Margarethe Luder gehörte, eine tiefe Grube frei, die um 1500 in einem Zug zugeschüttet worden war. In ihrer Verfüllung fanden die Ausgräber neben Geschirr und Münzen auch Pflanzenreste und Tierknochen. Die sterblichen Überreste von Spatzen waren zwar nicht darunter, doch konnten Buchfink, Rotkehlchen, Goldammer, Dorngrasmücke, Rotschwänzchen und Singdrossel nachgewiesen werden. Sogar eine Lockpfeife wurde in der Abfallgrube entsorgt. Martin Luther durfte sich wohl schon in Jugendjahren öfter an Gerichten aus “klainen walt vogelein” erfreuen.

Alexandra Dapper nimmt den Haushaltsabfall der Familie Luther als Ausgangsbasis für eine vergnügliche kulinarische Reise. Sie beschreibt die Ausstattung einer Küche um 1500, analysiert die einzelnen Nahrungsmittel und weckt mit Beschreibungen der verschiedenen Zubereitungsarten den Appetit der LeserInnen. Die Aufbewahrung und Konservierung der leicht verderblichen Lebensmittel waren ebenso wie das richtige Würzen eine hohe Kunst. Bei der Erstellung des Speiseplans mussten zahlreiche Regeln befolgt werden. Möglichkeiten, die soziale Stellung eines Haushaltes kulinarisch zu demonstrieren gab es dennoch genug - nicht zuletzt durch die Ausstattung der Tafel und der Befolgung der “Tischzuchten”. Trotz der Themenvielfalt verliert die Autorin nie den Bezug zu den Funden aus der Lutherschen Abfallgrube. LeserInnen übrigens auch nicht, denn was in der Grube gefunden wurde, ist im Fließtext rot gesetzt. Attraktives historisches Bildmaterial und stimmungsvolle Fundfotos ergänzen den akribisch recherchierten Text optimal.

Der zweite Teil von “Zu Tisch bei Martin Luther” wird das Herz all jener, die beim Kochen gerne experimentieren, höher schlagen lassen. 42 Rezepte führen vom Schlachtmonat November bis zum Weinmonat Oktober durch ein fiktives kulinarisches Jahr in Luthers Elternhaus. Abermals dienen die bei der Ausgrabung gefundenen Speisereste als Ausgangspunkt. Passende mittelalterliche Rezepte werden in moderne Kochanleitungen verwandelt, die kulinarische Genüsse verheißen. Eilig haben, darf man es bei der Zubereitung allerdings nicht. Leckereien wie “Wiederbefüllte Aalhaut in Weinsoße” brauchen ihre Zeit. Wer lieber schaut als kocht, kann sich im Rezeptteil an den wunderbaren Stillleben-Fotos erfreuen - sie sind ein wahrer Augenschmaus.

“Zu Tisch bei Martin Luther” ist ein ergötzliches, auch grafisch attraktiv gestaltetes Buch, das ein lebendiges Bild der kulinarischen Freuden um 1500 zeichnet.

© Ch. Ranseder

Zu Tisch bei Martin Luther

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Deutschland hören

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Non-Fiction

Corinna Hesse
Deutschland hören
Silberfuchs Verlag 2008, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 02 7

Deutschland hören Deutschland hören: Eine musikalisch illustrierte Reise durch die Kulturgeschichte Deutschlands

Nominiert zum Deutschen Hörbuchpreis (2007 beste verlegerische Leistung, 2008 beste Information), war die Länderreihe schon zweimal. Die Ausstellung “Das “Auge hört mit” würdigte die Leistung auf der Leipziger Buchmesse und jetzt folgt brandaktuell der Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik. Also wer es bis jetzt nicht gemerkt hat, dass diese Ländereihe ein ebsno kurzweiliges wie fundiertes Hörerlebnis ist, sollte spätestens jetzt die Ohren aufsperren und zuhören.

Gelegenheit dazu bietet “Deutschland hören”, das nach Frankreich hören und Türkei hören den diesjährigen Länderreigen schließt. Passend zum Tag der Deutschen Einheit erscheint die moderne Silberscheibe, die grün und golden wie die urzeitliche Bronzescheibe von Nebra gestaltet ist. Ein optischer Geniestreich, denn das bronzezeitliche Objekt aus Deutschland hat weltweite Schlagzeilen gemacht und kulturelle Wellen geschlagen. Sie macht auch den thematischen Auftakt zu den zwanzig Hörkapiteln rund um das kulturelle “Deutschland”. Die “Germania” des Römers Tacitus, die Merseburger Zaubersprüche und Hildebrandslied, mit der passenden musikalische Untermalung von Duivelspack, werfen bezeichnende Schlaglichter römische Wahrnehmung und germanische Selbstsicht. Nach dem geschmiedeten Himmel, im Spiegel des Feindes und Wodans Fährte, wendet sich die CD dem Bildung mit System unter Karl dem Großen zu. Schöner Schein und blutiger Ernst (Walther von der Vogelweide, Nibelungenlied) beschließen das Mittelalter. Mit dem brennenden Gott (Isenheimer Altar), Büchernarren - gefallene Engel und der Kraft des Wortes wird mit Grünewald, Brant, Dürer, Luther die Neuzeit eingeläutet. Meistersinger, Doktor Faust, Dreißigjährigem Krieg und Simplicissimus stehen in Folge für die Suche nach Ordnung und die Kollision von Gegensätze, während im Kapitel “Alles nach Maß und Zahl”, der harmonische Kosmos von Kepler bis Bach im Mittelpunkt steht. Philosophie und Bildung unter Friedrich dem Großen, Menschheitsdramen im Zeichen der Aufklärung von Lessing und Goethe sowie die freiheitliche Ideale am Beispiel von Schiller und Beethoven zeigen einen neuen Wendepunkt auf. Es folgt die staatliche Selbstfindung nach dem Wiener Kongress, eine Neuordnung, die in Folge die Proletarier aller Länder zur Vereinigung aufruft und 1848 für ein Jahr zu einem frei gewählten Parlament führt. Das Deutsche Reich entsteht aus Geld und Gewalt und baut auf Übermenschen und Untertanen. Die inhaltlichen und kulturellen Gegensätze prallten schon vor dem Ersten Weltkrieg aufeinander und werden anschließend zwischen Dada und Bauhaus zum neuen Ausdruck. Und trotzdem zeichneten sich die ”Notzeiten für Blechtrommler” bereits ab auch wenn man das Volk nicht abwählen konnte. Getrennte Entwicklungen unter kommunistischen und kapitalistischen Vorzeichen konnten die Identitätssuche nicht stoppen. Wie das letzte Kapitel “Von Zimmerspringbrunnen und Hobbygärtner” Deutschland treffend nach der Wiedervereinigung beleuchtet.

Ein spannender Abriss, dem man in seiner Leichtigkeit nicht anmerkt wie schwierig es gewesen sein muss in 80 Minuten nur die wesentlichsten Highlights der fast ausschließlich von Männern geprägten Kulturgeschichte herauszupicken. Die identitätstiftenden Höhenflüge sowie unmenschlichen Tiefpunkte wurden im Hörbuch “Deutschland Hören” zu einem kritischen Kulturreigen über und für die Deutsche Bevölkerung. So eingängig-nachhaltig muss Pflichtlektüre für die Ohren sein. Genial geschrieben von Corinna Hesse, genial gelesen von Rolf Becker und grafisch von Roswitha Rösch als echter Blickfang gestaltet. Bitte mehr davon!

Hörprobe

© S. Strohschneider-Laue

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Das Oderbruch

Dienstag, 01. Juli 2008

Non Fiction

Carmen Winter
Das Oderbruch - Liebe auf dem zweiten Blick

Findling 2008³, 144 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 933603 27 2

Das Oderbruch Das Oderbruch - Liebe auf den zweiten Blick: Ein kulturhistorischer und touristischer Reiseführer

Eine Entdeckungsreise im östlichen Brandenburg sollte man nicht ohne diesen handlichen Band unternehmen, man könnte etwas verpassen… Mit viel Liebe und persönlichem Bezug beschreibt Carmen Winter die Landschaft Sehenswürdigkeiten und Menschen des Oderbruchs. Kein Wunder, dass die Publikation inzwischen schon die dritte Auflage erlebt. Qualität zeigt Bestand!

Einleitend werden die naturräumlichen Gegebenheiten und die zugehörige Besiedlung vorgestellt. Die folgenden vier Kapitel laden zu einer Rundreise ein, die von Seelower Höhen und Pontische Hügel über Alte Mauern und neue Grenzen zu Musenhöfen und Pioniere der Landwirtschaft führt und letztlich bei Schloss, Burg und Insel anlangt. In diesem kulturhistorischen und touristischen Reiseführer beweist Carmen Winter, dass Reiseführer nicht nur sachlichen Inhalt bieten müssen, sondern auch lesenswerte Literatur sein können. Im angenehm warmen Gelbton unterlegte Textteile bieten zusätzliche Informationen, die Gastronomie, Übernachtungen, Feste, Touren und Sehenswürdigkeiten betreffen. Eine Liebe auf den ersten Blick kann mit Hilfe dieses Reiseführers durchaus möglich werden.

Ein Orts- und Literaturverzeichnis runden den strapazfähigen Reisebegleiter, der den Begriff “taschentauglich” verdient, benutzerfreundlich ab. Erwähnt werden muss an dieser Stelle auch, dass das ansprechende Layout und die gute Qualität der Fotos den Band nicht nur behübschen, sondern die gebotene Information optisch unterstützen.

© S. Strohschneider-Laue

Das Oderbruch - Liebe auf den zweiten Blick: Ein kulturhistorischer und touristischer Reiseführer

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Preußens Glanz

Freitag, 11. April 2008

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Hans-Joachim Giersberg, Leo Seidel
Preußens Glanz. Königsschlösser in Berlin und Brandenburg
Prestel
2007, Dt./Engl., 192 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 7913 3751 7

Preußens Preußens Glanz und Gloria. Königsschlösser in Berlin und Brandenburg

Die Regenten Preußens waren fleißige Bauherren. Einige der schönsten Schlösser Deutschlands sind Mitgliedern der Familie Hohenzollern zu verdanken, darunter Schloss Sanssouci, Schloss Charlottenhof, Schloss Rheinsberg und die bemerkenswerten Gebäude auf der Pfaueninsel in Berlin. Opulent bebildert, präsentiert „Preußens Glanz” im Tourismus bereits etablierte bauliche Kulturschätze und international weniger bekannte Perlen königlicher Architektur in Brandenburg und Berlin.

Die Gliederung des Buches folgt der chronologischen Abfolge der Herrscher, deren Porträts den detaillierten Beschreibungen der Bauwerke ihrer Ära vorangestellt sind. Leo Seidel hat den heutigen Zustand der Gebäude – deren Spektrum von Schlössern über Belvedere bis zu in die Gartenanlagen integrierte Tempel, Teehäuser und Pavillons reicht – in herrlichen Farbfotografien festgehalten. Ergänzt von historischen Ansichten wecken die brillanten Aufnahmen den Wunsch sich auf eine Reise zu begeben, um das Dargestellte selbst zu erleben. Die akribisch recherchierten Texte von Hans-Joachim Giersberg vermitteln wertvolles Hintergrundwissen zu Besitzer-, Bau- und Nutzungsgeschichte. Eindrucksvoll dokumentieren sie das wechselhafte Schicksal der prächtigen Schlossanlagen und die großen Verdienste der in den letzten beiden Jahrzehnten erfolgten Restaurierungs- und Revitalisierungsarbeiten.

Als zweisprachig (Deutsch/Englisch) angelegtes Buch wendet sich “Preußens Glanz” an eine internationale Leserschaft. Umso mehr verwundert es, dass sowohl auf eine Einleitung, die mit gekrönten Häuptern und politisch-kulturellem sowie wirtschaftlichem Umfeld bekannt macht, als auch auf einen Serviceteil verzichtet wird. Gerade für Ortsfremde wären zumindest eine Überblickskarte zur besseren Orientierung und ein Standortverzeichnis mit Internetadressen für eine etwaige Reisevorbereitung hilfreich.

In seiner vorliegenden Form weckt “Preußens Glanz” in der ersten Phase der Lektüre Neugier, lässt jedoch praxisorientierte Reiselustige kurzfristig allein. In der zweiten Phase der Lektüre entfaltet das Buch seine Stärken und wird als großartiges Nachschlagewerk und Erinnerungshilfe an Gesehenes noch nach Jahren erfreuen.

© Ch. Ranseder 15. August 2007

Preußens Glanz und Gloria. Königsschlösser in Berlin und Brandenburg

 

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