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Designraster

Samstag, 27. Dezember 2008

Non-Fiction

Gavin Ambrose, Paul Harris
Designraster
Stiebner 2008, 176 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8307 1357 9

Designraster Designraster: Struktur oder Muster aus Linien, die als Gerüst für die Anordnung der Elemente eines Designs dienen

Raster sind aus dem Kommunikationsdesign nicht wegzudenken. Sie sind unverzichtbare Helferlein, die sich im Hintergrund halten und ihre Stärken im Verborgenen entfalten. Nur selten wird das Gerüst aus Linien selbst zum sichtbaren Gestaltungselement, wie auf einigen Seiten des Buches “Designraster”.

Mit einem Raster als Skelett des zu entwickelnden Grafikdesigns gelingt es spielerisch, die einzelnen Bestandteile des Entwurfes zu organisieren und harmonisch aufeinander abzustimmen. Der Designer kann mit Hilfe des Rasters Texte und Bilder so anordnen, dass Wertigkeiten entstehen, die den Blick des Lesers lenken und so die Botschaft klar vermitteln. Dem Leser wiederum dient der nur in der Disposition der Designelemente zueinander wahrnehmbare Raster als Orientierungshilfe bei der Entschlüsselung der dargebotenen Informationen. Auch wenn die Entwicklung eines Rasters zeitaufwändig sein kann, macht sich diese Investition meist im Lauf eines Projektes bezahlt. Auf seiner Basis geht die Arbeit rascher von der Hand und das Endprodukt gewinnt an visueller Kohärenz. Paradoxerweise ist ein Raster, dem doch eine gewisse Regelhaftigkeit und Starrheit eigen ist, extrem flexibel. Er bietet der Kreativität nahezu unbeschränkte Ausdrucksmöglichkeiten und das nicht nur in der Druckgrafik sondern auch im Webdesign, der Ausstellungsgrafik und im Zusammenspiel von Grafik und Architektur.

Gavin Ambrose und Paul Harris führen in “Designraster” die Nützlichkeit von Rastern anschaulich vor Augen. Im mittlerweile siebten Band der hervorragenden Reihe “Basics Design” vermitteln die beiden Autoren in sechs Kapiteln Grundwissen über die Funktionen, Arten und Anwendungsmöglichkeiten von Rastern. Als Auftakt geht das Kapitel “Warum Raster” unserem Leseverhalten und dem Sinn von Rastern auf den Grund. “Rastergrundlagen” spannt den Bogen von Faktoren, die bei der Anlage eines Rasters berücksichtigt werden müssen - wie zum Beispiel Papierformate, Seitenaufbau, Proportionen und Hierarchien - bis zu den ersten Schritten der Entwicklung eines Rasters. In der Folge stellt das Kapitel “Rastertypen” die einzelnen Arten von Rastern - vom symmetrischen Raster bis zum Winkelraster - vor. Den am Raster auszurichtenden Designelementen wie Texte und Bilder ist der Abschnitt “Rasterelemente” gewidmet, wobei der Umgang mit Schrift und Spalten im Mittelpunkt steht. Das fünfte Kapitel “Verwendung des Rasters” bietet eine bunte Mischung von Möglichkeiten des Umgangs mit Rastern, darunter ihr Einsatz als Muster, zur Bändigung von Tabellen und mehrsprachigen Texten sowie als Hilfe bei der Beschriftung von Architektur. “Raster im Web” schließlich zeigt, dass sich der gute alte Raster auch bei der Gestaltung von Internetseiten bewährt. Ein Glossar rundet das Buch ab.

Die hochwertige Publikation “Designraster” strotzt vor unentbehrlichem Basiswissen, das benutzerfreundlich und leicht verständlich präsentiert wird. In der bereits bewährten Weise übersichtlich gestaltet, glänzen Gavin Ambrose und Paul Harris abermals mit präzisen Texten und hervorragendem Bildmaterial. Illustriert mit zahlreichen Musterseiten wird “Designraster” zum inspirierenden Handbuch, das man gerne aus dem Regal zieht.

© Ch. Ranseder

Designraster: Struktur oder Muster aus Linien, die als Gerüst für die Anordnung der Elemente eines Designs dienen

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Temple of Flora

Samstag, 27. Dezember 2008

Non-Fiction

Robert John Thornton
The Temple of Flora
Einleitung und Tafelbeschreibungen von Werner Dressendörfer
Taschen 2008, Dt./Engl./Frz./Span., Kassette, Booklet 44 S., zahlr. Abb., Mappe mit 33 Tafeln (53 x 42,5 cm)
ISBN 978 3 8228 5273 6

The Temple of Flora Thornton, Temple of Flora

Im sanften Licht des Mondes entfaltet die “Königin der Nacht” (Selenicereus grandiflorus) ihre Blütenpracht. Über ihr erhebt sich am Ufer eines Flusses die Ruine eines Glockenturmes, dessen Uhr die zwölfte Stunde anzeigt. An Romantik ist die im Jahr 1800 für “The Temple of Flora” angefertigte botanische Illustration kaum zu übertreffen. Es handelt sich um eine der stimmungsvollsten Tafeln in einem Werk, dem zu seiner Entstehungszeit - trotz seiner Schönheit - nur wenig Erfolg vergönnt war.

“The Temple of Flora” ist die Frucht der Leidenschaft eines Mannes, die ihn in den finanziellen Ruin trieb. Robert John Thornton ist ein gutes Beispiel dafür, dass Begeisterung allein noch keinen guten Geschäftsmann macht. Der studierte Mediziner praktizierte als Arzt in London, bewies sich als Autor und wurde zum “Public Lecturer on Medical Botany” ernannt. Seine Liebe zur Botanik gipfelte in einem monumentalen, dreiteiligen Publikationsvorhaben mit dem Titel “New Illustration of the Sexual System of Carolus Von Linnaeus”, mit dessen drittem Teil “The Temple of Flora” er dem großen Botaniker Carl von Linné huldigen wollte.

Das Fortsetzungswerk, dessen erste Lieferung 1799 erschien, vereinte wissenschaftlichen Anspruch mit emotionalem Überschwang. Während im ersten Teil (”Preliminary Observations”) Grundbegriffe der Botanik vermittelt werden, lässt das dem zweiten Teil (”The Prize Dissertation on the Sexes of Plants by Carolus Von Linnaeus, Written Anno Domini 1759″) vorangestellte Motto bereits Robert J. Thorntons Hang zur Poesie anklingen. Die folgende englische Übersetzung der bahnbrechenden Arbeit von Linné wird demgemäß nicht nur von Thorntons ergänzenden Kommentaren, sondern auch von lyrischen Ausbrüchen und überschwänglicher Kalligrafie begleitet.

“The Temple of Flora” schließlich setzt sich aus den botanischen Bildtafeln zusammen. 70 großformatige Pflanzenabbildungen sollten es werden, doch nicht einmal die Hälfte der geplanten Tafeln konnten umgesetzt werden. Die Kosten für die Maler der als Vorlage dienenden Ölbilder und die aufwändige Herstellung der Farbdrucke hatten Robert John Thorntons Vermögen verschlungen. Der Verkauf lief schleppend, die zu Werbezwecken eröffnete Galerie blieb erfolglos und auch eine Lotterie brachte nicht die erhoffte Finanzspritze. Das Projekt war nicht mehr zu retten. Thornton starb 1837 verarmt. Von seinem Enthusiasmus für Botanik geleitet, hatte er den Markt für seine unkonventionelle Publikation und deren Produktionskosten falsch eingeschätzt.

Die zahlungskräftige, der Pflanzenkunde zugeneigte Bevölkerungsschicht verlor durch den Krieg mit Napoleon, der nicht nur neue Steuern für den Erhalt des Militärs sondern 1806 auch die Kontinentalsperre zur Folge hatte, das Interesse an botanischen Publikationen. Für die Wissenschaft hatte der “Temple of Flora” wenig Wert, denn die Darstellung der Pflanzen folgte nicht den Regeln der botanischen Illustration. Auch die Landschaften, in denen die Gewächse wiedergegeben wurden, zeigte nicht deren tatsächliches natürliches Umfeld, sondern was die Maler dafür hielten.

Heute sind es gerade die malerische Qualität, die emotionsgeladene Dramatik und der - unfreiwillige - Humor der Darstellungen, die ihren Charme ausmachen. Wer kann sich schon das Schmunzeln verkneifen, wenn ein sanft errötender Amor durch den Dschungel pirscht und seinen gespannten Bogen auf eine ahnungslose Strelizie richtet? Oder Flora, blass und sichtlich verausgabt, in den Wolken schwebt, um “ihre wohltuenden Gaben über die Erde” zu verteilen?

Die Tafeln des “Temple of Flora” sind hübsch anzusehen. Noch mehr Spaß macht es, sich Geschichten zu den Hintergrundszenen einfallen zu lassen. Was denkt sich der Eingeborene, der den Puderquastenstrauch bestaunt? Werden die Schiffe, die der Sturm im Hintergrund von Meads Götterblume über das aufgewühlte Meer treibt, kentern? Wer wohnt in der abgelegenen, tief verschneiten Holzhütte hinter der Anhöhe, auf der Schneeglöckchen und Krokus den nahenden Frühling ankündigen? Fordert der Vulkanausbruch am Horizont der Landschaft mit Drachenwurz Menschenleben? Wird sich ein Liebespärchen im antikisierenden Rundtempel hinter der weißen Lilie treffen? Mit ein wenig Fantasie wird “The Temple of Flora” zur Unterhaltung der ganzen Familie.

Es sind die wunderbar unkonventionellen Tafeln von “The Temple of Flora” die Robert J. Thornton seinen Platz in der Geschichte der botanischen Illustration gesichert haben. Auch in der Veröffentlichung des Taschen Verlags bilden sie das Herzstück. Für jene, die sich einer so eindrucksvollen botanischen Publikation mit dem ihr gebührenden Ernst widmen wollen, hält ein Maxi-Booklet eine Vielzahl wissenswerter Fakten über das Werk, Robert J. Thornton und die beteiligten Künstler bereit. Hier sind auch die, den ersten und zweiten Teil des Gesamtwerkes zierenden, Grafiken und kalligraphischen Blätter abgebildet. Als Vergleichsbeispiele angeführte Seiten aus anderen botanischen Werken verdeutlichen die Einzigartigkeit des “Temple of Flora”.

In der Produktgestaltung hat sich der Taschen Verlag wieder einmal selbst übertroffen. Schon das Auspacken des Buches ist ein Erlebnis, ein fast erotisches Vergnügen des Enthüllens. Zuerst fällt die Verpackung aus braunem Karton. Schicht für Schicht dringt man zu den Tafeln vor… Und steht zu guter Letzt vor der Entscheidung: Lässt man sie in ihrer berückend schönen Hülle oder erfreut man sich ihrer als Wandschmuck?

© Ch. Ranseder

Thornton, Temple of Flora

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PrivatRevier

Montag, 15. Dezember 2008

© Chr. Ranseder

Privatleben? Ja, bitte!
Revierverhalten? Nein, danke!

Menschliches Revierverhalten zu beobachten, kann recht interessant sein, wenn man nur unbeteiligte Lauscherin sein darf und nicht selbst sein Revier markieren muss. Dasselbe gilt für das Privatleben, insbesondere MEIN Privatleben, das ich gerne privat, das bedeutet “nicht öffentlich”, lebe.

Letztlich war ich wieder bei einem von diesen “Wie blase ich mich zum Platzen besser und glänzender auf als alle anderen”-Festln.

“Bussi-Bussi wie geht’s! Du bist so blass, du Arme, bist du auch ganz gesund? Oder warst du dieses Jahr etwa noch nicht auf Urlaub?”

Eine Antwort auf diese Begrüßung erübrigt sich grundsätzlich. Das ist nur ein rhetorisches Mittel der Bussi-Bussi-Person, um ihre eigene Krankengeschichte gemeinsam mit dem Teuer-Urlaub im Luxusghetto für unselbständig Touristen im 5-Turban-Ressort in der Zivilisationsferne anzubringen.

“Also mit meinen Hautproblemen will ich dich ja gar nicht erst belasten. Furchtbar sage ich dir! Furchtbar! Also die müssen da in der Wüste echt noch dazu lernen. Stell dir vor, da scheint den ganzen Tag die Sonne und die tun nichts dagegen. Wir waren ja drei Wochen ganz tief drinnen. In der Wüste meine ich. Fantastisch sage ich dir! Fantastisch! Diese unerträgliche Weite, da bist du direkt froh, wenn du den ganzen Tag in der Anlage beim Swimmingpool bleiben kannst. Na, beim Essen müssen die dort noch viel lernen, was eine anspruchsvolle Österreicherin will. Man will es ja nicht schlechter haben als daheim. Außer Spaghetti Bolognese und Pommes kann man ja dort nichts essen. Lauter klebriger Süßkram, staubiger Brei und dünne Fladen, gekochte kleine Gurken, im Obstkorb war weit und breit kein Apfel zu finden und Bestecke muss man fast schon verlangen. Und dafür zahlt man soviel Geld und ist fast einen Tag mit dem Flugzeug unterwegs. Schlimm sage ich dir! Schlimm! Und die Affen! Die laufen da frei rum. So etwas gehört doch aus der Anlage vertrieben. Na, wenigstens halten die Mauern die Einheimischen draußen. Also im Urlaub brauche ich diese mageren Gestalten mit den Blähbäuchen wirklich nicht. Das verdirbt einem ja die ganze notwendige Erholung. Da spende ich ohnedies jedes Jahr für “Licht ins Dunkel” satte zehn Euro. Da können die dort mit ihrer Familie einen Monat davon leben. Aber zur Arbeit im Ressort kann man die Leute nicht gebrauchen. Die wissen ja nicht einmal was ein Stuhl ist. So gesehen, leben die doch glatt von meinem sauer verdienten Geld. Geführt wird die Anlage von einem Engländer. Die Angestellten sind ein internationales, ganz junges Team. Das ist schon gut so, dann muss man sich nicht mit diesem Kauderwelsch herumschlagen. Uns hat ja immer dieser deutsche Kellner bedient. Das war richtig angenehm. Naja, bis auf seinen Akzent…”

Genau in der Atempause ergriff ich die Flucht: “Sorry, dass ich deine überaus persönlich erhellenden Ausführungen so rüde unterbrechen muss, aber ich möchte schnell drüben auch ‘hallo’ sagen. Ich bin sicher, du vergisst nicht, was du mir noch erzählen wolltest.”

Ich hätte es lassen sollen! Bei meiner vorigen Gesprächspartnerin wusste ich ja schon vorher, dass sie eine Chauvinistin mit (zu)viel Geld und (zu)wenig Hirn ist. Aber alles lässt sich übertreffen, sogar der Unkulturschock.

“Bussi-Bussi, schön, dass du auch hier bist! Jetzt haben wir uns ja schon eine Weile nicht gesehen und die Kinder sind doch schon so groß geworden. Wir müssen unbedingt einmal so von Mutter zu Mutter sprechen. Hat deine auch schon einen Freund?”

Mir rutschte das Herz in die Hose. Da war die Frage, die ich so hasse, weil ich nie weiß, wie ich reagieren soll. Was geht die gesamte Weltbevölkerung das Privatleben meiner Tochter an? Das Wort “privat” bedeutet “nicht öffentlich”. Das ist genau die Art von Frage, die im Stellenwert gleich nach der Stubenreinheit der Kinder angesiedelt ist. Ich habe mich immer gefragt, ob ich mich im Gegenzug höflich nach der beginnenden Inkontinenz älterer Familienmitglieder erkundigen sollte. Frei nach dem Motto: “Ach, wenn wir schon beim Windelthema sind. Geht dein/e Vater/Mutter noch alleine oder musst du sie schon windeln? Ausgerechnet jetzt, wo dein Fünfjähriger endlich aus dem Gröbsten (bezogen auf die Windeln nicht auf die Manieren) raus ist?” Aber ich hasse speziell die Frage nach “dem Freund” und wenn ich einen Sohn hätte, würde mich die Frage nach “der Freundin” genauso ärgern. Wenn Männer fragen, drängt sich bei mir automatisch der Gedanke auf, ob sie sich damit nach ihren Chancen oder pikanten Details erkundigen wollen und bei Frauen, ob sie die Konkurrenz fürchten. Achja und möglicherweise wird ja auch gefragt, ob die Kinder auch die richtige Entscheidung (bzgl. Geschlecht, Herkunft oder was auch immer - für die Fragenden - relevant sein mag) getroffen haben. Letztlich nervte mich eine entfernte Bekannte mit genau dieser direkten Frage nach dem Stand der sexuellen Aktivität meiner Tochter. Im letzten Moment hatte ich meine Gegenfrage, die schon auf der Zungenspitze hing, wieder hinuntergeschluckt. “Schläfst du auch schon wieder mit jemanden oder hast du dem Sexleben abgeschworen?” Es wäre nicht nur unverschämt gewesen, die Frage hätte mich auch auf dasselbe impertinente Niveau gebracht. Stattdessen sagte ich: “Interessante Frage! Nun auch sie hat ein Privatleben.” Was vielleicht ein Fehler war, vielleicht wollte sie genau nach ihrem Sexleben gefragt werden und hatte nur einen “höflichen” Umweg gemacht…
Jedenfalls wurde bei dieser Party wie beim “How do you do” keine Antwort erwartet, ob “sie einen Freund hat”.

“Also meine hat einen, der studiert schon. Sie ist ja so beliebt. Sie legt soviel Wert darauf, dass ihr Freund etwas hermacht. Mit jedem würde sie sich ja nicht einlassen, der muss schon einen Haarschnitt haben und ordentlich angezogen sein. Und ich muss mir endlich keine Sorgen mehr machen, wo sie ist, wenn es abends spät wird. Meine ist ja so aktiv. Sie hat ja viele Freunde und ist immer so viel unterwegs. Du müsstest ihre Handyrechnungen sehen. Verheerend sage ich dir! Verheerend! Aber so ist dann nun mal bei aktiven jungen Frauen, die im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen und gefragt sind…”

Das war der Punkt, an dem wir zu Tisch gerufen wurden. In diesem unreflektierten Redeschwall hätte es sicher keine Atempause für meine Flucht gegeben. Und ab irgendeinem Punkt hätte ich sicher etwas Unpassendes gesagt. Irgendetwas wie: “Von mir aus kann er Haare haben wie ‘Cousin It’ von der Adams Family, Hauptsache er hat ein Gehirn - und benutzt es. Und sie verstehen sich prächtig, vor allem wenn sie gemeinsam Saurier in Wyoming ausgraben. Wofür sie beide mit Leiberln überaus korrekt bekleidet sind…”

Bei Tisch saß ich mit mir mehr oder minder bekannten Frauen zusammen, die mir bei der Vorspeise erklärten, wie sie durch die Schwangerschaften und Geburten gelitten hatten. Bei der Suppe wusste ich wessen Plazenta die schwerste, beste und schönste war. Ich beschränkte mich auf geringe Nahrungsaufnahme an der Grenze zur Höflichkeit, da mir die Themen mehr als genug zum Verdauen gaben. Meine Wortspende, die sich mir innerlich aufdrängte, schluckte ich ebenfalls runter. Dass ich bei der Geburt meiner Tochter durch optische Abwesenheit glänzte, weil ich keine Brille auf hatte - und dafür nach wie vor unendlich dankbar bin - und am liebsten in Cafeteria gesessen wäre und diesen Scheißjob meinen Mann überlassen hätte, wäre sicher auf totales Unverständnis gestoßen. Beim Hauptgang erfuhr ich Details über Myome, die ich lieber nicht gewusst hätte. Als ich die Gebärmuttergeschwulste mit den Größen der diversen Fleischstückchen auf meinem Teller zu vergleichen anfing, wurden plötzlich die besten Kosmetikinstitute und ihre Wirkung auf das aktuelle Aussehen diskutiert. Bevor das Dessert serviert wurde, wechselte ich vorsichtshalber zur Herrenrunde. Die waren gerade dabei diverse Potenzmittelchen durchzuhecheln. Als ich mich danach erkundigte, welches davon denn ihrer Erfahrung nach das Beste sei und wie sich ihre Leistung dadurch im Vergleich zu vorher verbessert hätte, wurde blitzartig Sport und ihre überragenden Leistungen in verschiedenen Disziplinen zum Hauptthema.

Am besten hat es mir an diesem Nachmittag bei den Jugendlichen gefallen. Übrigens würde man ihnen niemals diese Eltern zutrauen, aber vielleicht muss man ja nur noch einige Jährchen warten bis sich die Ähnlichkeiten ausprägen… Persönliches wurde mit der besten Freundin am Klo - auch nicht gerade der heimeligste Ort, aber immerhin relativ (relativ, wenn man zu zweit hineingeht) privat - besprochen. Ansonsten drehten sich die Gespräche um die letzten Konzerte, die besten Bands und Solisten,  Filme, die Oscarverleihung und “was soll ich bloß gegen die Pickel tun” oder nach der Schule anfangen. Da gab’s haufenweise Themen rund um zeitgenössische Kultur, Ängste, Hoffnungen und Zukunftsvisionen. Es war echt interessant, lustig und kein bisschen prätentiös.

Ganz anders bei den “Erwachsenen” - was immer das auch sein mag - deren Standortbestimmung zur Cocktailstunde beim beliebten Gesellschaftsspiel “Wertevergleich” angekommen war. “War euer Urlaub weiter weg als unserer”, “Kaufst Du auch beim ‘Teure-Etiketten-Laden”, “Diese Automarke kauft doch heute kein Mensch/Mann mehr” sind anscheinend die beliebtesten Messlatten. Natürlich wurde auch ich befragt. Es war unvermeidlich, aber ich hatte meine Tageslektion gelernt oder ein unweibliches Bier - ich hasse Prosecco - zuviel geschlürft, abgesehen davon begann mich mein böser Teufel zu reiten:

“Unser Urlaub war eine Individualreise. Ich will mich da nicht extra verbreitern, aber so etwas ist natürlich sehr planungsintensiv und benötigt eine eigene Betreuung. Über die Kosten möchte ich daher lieber auch nicht reden. Was meine Bekleidung betrifft, bevorzuge ich exklusiv für mich von meiner eigenen Designerin Entworfenes und von meiner Schneiderin Angefertigtes. Sie hat seit Jahren meine Maße und arbeitet ausschließlich für meine gesamte Familie. Man will ja schließlich nicht mit einem Blick abtaxiert werden. Oder noch schlimmer auf einer Party ertappt werden, dass man das gleiche Kleid wie eine andere trägt. Ja und was das Autofahren betrifft, bin ich sehr konservativ, was immer eine Frage des Geldes ist. Ich liebe meinen Oldtimer. Ja, ich weiß, die sind recht pflegeintensiv und teuer, aber irgendwie ist ja Mainstream nicht unbedingt alles, man möchte sich doch von der breiten Masse abheben.”

Schön, wenn man so viele Partygäste so für sich einnehmen und begeistern kann - und das ohne wirklich Wesentliches preiszugeben… Also tatsächlich waren wir in Bad Aussee. Es wäre weit gewesen, wenn wir eine Route rund um den Globus mitten durch die Touristenghettos gewählt hätten, aber auf Grund guter gemeinsamer Planung sind wir direkt hingefahren.
Tja, was die Bekleidung betrifft, mag ich Stangenware tatsächlich nicht besonders, vor allem wenn sie echter Etikettenschwindel ist.
Warum sollte ich Teuer-Irgendetwas links herum tragen, damit man das Teuer-Irgendetwas-Etikett sieht?
Warum sollte ich ein Teuer-Irgendetwas tragen, dessen Etikett man nicht rauschneiden sollte (die unnötigen Dinger kratzen so fürchterlich), weil es dann nur noch ein Billig-Irgendetwas wäre?
Was spicht für ein Teuer-Irgendetwas, das sich trotzdem nur irgendwie - Betonung auf irgendwie - um den Körper herumspannt oder sackartig an den entscheidenden Stellen herunterhängt?
Wozu ein Teuer-Irgendwas, dass sich durch nichts absolut nichts von Fakeware unterscheidet, weil es aus der selben Dritte-Industriewelt-Billig-Kinderarbeit-Fabrik abgezweigt wurde, die die Teuer-Irgendetwas herstellen?
Gott-sei-Dank hat meine Mutter ein Auge für Stoffe und Qualität. Sie kann wunderbar nähen und sie arbeitet exklusiv nur für uns. Was will ich mehr?
Und was das Auto betrifft, fahre ich seit sieben Jahren dasselbe. Es wird regelmäßig gewartet und unregelmäßig geputzt. Es hat mich noch nicht im Stich gelassen. Naja, in Frankreich ist es uns dieses Jahr fast an seinem vollen Katalysator erstickt, aber die Luxemburger Mechaniker haben einen neuen eingebaut und jetzt spult es wieder die Kilometer rauchfrei und wesentlich schneller als 40km/h runter. Warum sollte ich das treue Gefährt entsorgen, das inzwischen sogar geruchsmäßig zur Familie gehört und nicht mehr nach Plastik und Fabrik riecht?
Manchmal frage ich mich, ob mein erweiterter Bekanntenkreis mich für desinteressiert hält? Ob meine Zurückhaltung persönliche Fragen zu stellen, falsch eingeschätzt wird? Ich stelle tiefgehende persönliche Fragen nur deswegen nicht, weil ich selbst nicht gestellt bekommen möchte. Freunde, die etwas mitteilen möchten, sollen und dürfen das aus freien Stücken machen. Es wird immer mein Ohr erreichen und nicht über meine Zunge in den weiteren Umlauf gebracht werden. Genauso wie ich es haben möchte, wenn ich nur wenigen ausgewählten Menschen mein Vertrauen schenke, meine Sorgen und Nöte mitteile. Privates, das zur Superstory mit Beschleunigungsfaktor mutiert, ist nicht mehr privat, sondern öffentlich und ich bin definitiv keine “öffentliche Frau”. Das ist der essentielle Unterschied zwischen Freunden und Bekannten, der Unterschied zwischen Bussi-Bussi und Komm-lass-dich-drücken, der Unterschied zwischen Fundament und Fassade.
Bin ich froh, dass ich/wir kritikfähige, diskrete, unprätentiöse FreundInnen haben.
Bin ich froh, dass bei diesem Bussi-Bussi-Festl und meinem Party-Outing als Frau mit Designerkleidern, Oldtimer und geplanten Individualurlaub niemand aus diesem Kreis dabei gewesen ist. Sie wären vor Lachen gestorben und ich will definitiv, dass meine FreundInnen ewig leben.

© S. Strohschneider-Laue

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Volles Risiko!

Dienstag, 09. Dezember 2008

Non-Fiction

Badisches Landesmuseum (Hg.)
Volles Risiko!
Glücksspiel von der Antike bis heute
Volkskundliche Veröffentlichungen Bd. 9

G. Braun 2008, 288 S., 359 Farbabb.
ISBN 978 3 7650 8387 7

Glücksspiel Volles Risiko!: Glücksspiel von der Antike bis heute

“Glückspiel von der Antike bis heute” ist wesentlich mehr als nur ein umfangreicher Begleitkatalog zur gleichnamigen Ausstellung (12. April bis 17. August 2008) des Badischen Landesmuseums in Karlsruhe. Glückspiele in ihren vielfältigen Varianten - inklusive des Betrugs -, deren Nebenaspekte an realen und virtuellen Orten bis hin zu Sucht und Recht werden von 20 KulturwissenschafterInnen, Psychologen und einem Juristen überaus spannenden Betrachtungen unterzogen. 

Gleich zum Auftakt werden die vier Spielekategorien vorgestellt: Games, Sports, Acting und Gambling. Während bei Brett-, Bewegungs- und Gestaltungsspielen Spaß aus dem aktiven Tun der TeilnehmerInnen bezogen wird, ist es für den inaktiven Wettspieler die immer wieder neue Möglichkeit des Gewinnens, die das Vergnügen beschert. Kein Wunder also, dass es so viele Darstellungen der Fortuna gibt, mindestens soviele wie Möglichkeiten sein Glück und Geld beim Würfeln zu verspielen.

Würfeln ist übrigens seit der Antike bekannt, beliebt und oft verfemt. Geschicklichkeits- oder Zahlenspiele mit natürlichen Astragali (Spunggelenkknochen) und hergestellten sechseitigen Würfeln waren weitverbreitet. Und wie überall, wo es etwas zu gewinnen gab und gibt, wurde und wird betrogen, wie auch schon archäologische Funde belegen. Wie oft auch bleibeschwerte Würfel zerschlagen worden sein mögen, das Würfeln ist nicht totzukriegen. Nichteinmal sprachlich: Der Hasardeur, der Spieler, der Draufgänger, ist eigentlich ein Würfler (Arabisch: “az-zahr”, Spielwürfel), der alles von einem Wurf abhängig macht. Spielkarten und Glücksspiel bilden zumindest ab dem 14. Jahrhundert ebenfalls eine untrennbare Einheit. Ihre Erfolgsgeschichte war trotz massiver - wenig erfolgreicher - Verbote in Mittelalter und Neuzeit nicht aufzuhalten und zieht sich quer durch alle Stände. Karten und ihr Zubehör  sowie Darstellungen der Spielenden sind Legion. Eine sprechende Auswahl wurde für diese Publikation getroffen.

Nicht vergessen wurde “Das große Los”, das man bei der Lotterie ziehen konnte. Zudem ein gutes Beispiel wie schnell Verbote gelockert und moralische Finger gesenkt werden, wenn die Obrigkeit/der Staat nur kräftig mitschneiden kann. Die Vorläufer von “6 aus 49″ (in Österreich aus 45) reichen bis ins Mittelalter zurück. Die Entwicklung des beliebten Glücksspiels nach 1945 ist nicht minder interessant. Also, dass es einen Lottotourismus von Baden-Württemberg, wo das Spiel 1957 noch nicht eingeführt war, Richtung Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz gab, ist schon amüsant. Andererseits sind Österreicher noch viel länger - bis 1986 -  Richtung Deutschland gefahren, wenn sie nicht das 1752 von Maria Theresia eingeführte heimische Zahlenlotto (1-90) spielen wollten…

Und wäre das Spiel ohne die Sportwette? Nichts, denn auf den Sieg im Sport haben schon Griechen und Römer ihren Spargroschen gesetzt. Wagenrennen unterscheiden sich kaum von den gesellschaftlichen Gepflogenheiten auf modernen Rennbahnen. Trophäen und Darstellungen von tierischen und menschlichen Siegern begleiten die Ereignisse. Und untrennbar damit ist übrigens Toto verbunden, das wir den Engländern, die damit in den Goldenen Zwanzigern angefangen haben, verdanken.

Spiele und Akteure brauchen einen Veranstaltungsort, der zu verschiedenen Zeiten mehr oder minder öffentlich sein kann, oder ein Fest. Die Darstellungen hierzu sind beim genaueren Betrachten ein steter Quell des Genusses, denn in keiner anderen Lebenslage werden Menschen ausdrucksvoller zwischen Glück und Elend  mit Stichel, Feder und Pinsel eingefangen.

Das Werden der Spielbank in Baden-Baden und mechanisches Glücksspiel werden gegen Ende des Bandes analysiert. Falschspiel, Zocken im Internet, Spielsucht und rechtliche Aspekte runden ein ungemein spannendes Buch zu einem Thema ab, das niemand kalt lässt.

Ein umfangreiches Literaturverzeichnis wertet die inhaltlich gelungene und auch produktionstechnisch hochwertige Publikation, die weit über die Ausstellung hinaus Bestand haben wird, ab. 

Eindeutig nicht mit Tolstoi vergleichbar, der “Volles Risiko!” 1857 in Baden-Baden in sein Tagebuch schrieb und beim Spiel - zumindest an diesem Tag - alles verlor. Die an diesem Buch Beteiligten haben nicht nur auf eine Karte gesetzt und daher das große Los gezogen, denn sie haben eine herrliche kulturgeschichtliche Zusammenschau des Glücksspiels vorgelegt. Wunderbar geschrieben, anschaulich mit Bildern belegt und sie haben quer durch die Zeiten Spieler und ihre Spiele verfolgt. So müssen Kataloge sein, um Fachpublikum und interessierte Laien gleichermaßen zu erfreuen.

© S. Strohschneider-Laue

Volles Risiko!: Glücksspiel von der Antike bis heute

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Adrian Frutiger Schriften

Montag, 08. Dezember 2008

Non-Fiction

Heidrun Osterer/Philipp Stamm/Schweizerische Stiftung Schrift und Typographie, Bern (Hgg.) 
Adrian Frutiger - Schriften
Das Gesamtwerk
Birkhäuser 2008, 462 S., 439 Farb- und 620 Sw-Abb.
ISBN 978 3 7643 8576 7

Adrian Frutiger - Schriften Adrian Frutiger Schriften. Das Gesamtwerk

Der in der Schweiz geborene Adrian Frutiger hat im Lauf seines Lebens über 50 Schriften entworfen. Internationale Bekanntheit erlangte er mit dem in den 50er-Jahren entstandenen Schriftkonzept Univers. Doch auch andere schöne und nützliche Schriften stammen von seiner Hand. Adrian Frutiger hat Standards gesetzt und am technischen Puls der Zeit mehr als einmal eine Vorreiterrolle gespielt. Seine Schriften zeichnen sich durch Klarheit, gute Lesbarkeit, Ausgewogenheit und den gleichmäßigen Rhythmus des Gesamtbildes aus. Funktionalität, nicht künstlerische Selbstverwirklichung steht im Mittelpunkt seines Schaffens. So sind Schriften von Adrian Frutiger auch dort zu finden, wo man sie nicht erwarten würde: Auf Einzahlungsscheinen oder Identitätskarten zum Beispiel. Mit der von Maschinen lesbaren OCR-B schuf er Mitte der 60er-Jahre eine Schrift, die trotz stringenter technischer Vorgaben mit einer ästhetischen Anmutung punktet. Neben den beliebten Schriften für den Satz von Büchern finden sich in Adrian Frutigers Werk Signalisationsbeschriftungen für Flughäfen und die Pariser Mètro ebenso wie für den visuellen Auftritt von Firmen entworfene Schriften und zahlreiche Logos.

Als Lehrender, Autor und Berater hat der namhafte Schriftgestalter von Beginn an sein Wissen weitergegeben. Auch das vorliegende Buch basiert zum Teil auf Interviews mit Adrian Frutiger. Die aus der Transkription der Gespräche entstandenen, in der Ich-Form geschriebenen Texte bilden den erzählerischen Rahmen der beeindruckenden Publikation. In der Tradition der “oral history” erinnert sich Adrian Frutiger an sein Berufsleben und erlaubt den LeserInnen einen Einblick in den Entstehungsprozess seiner Schriften - vom Auftrag über die technischen Anforderungen bis zum Marketing. Dabei nimmt er sich in chronologischer Reihenfolge jede Schrift einzeln vor, analysiert sie und nennt dabei zuweilen persönliche Vorlieben oder Abneigungen.

Dieser “Innensicht” von Adrian Frutiger ist die “Außensicht” der Herausgeber zur Seite gestellt. Sie bieten in ihren Texten vertiefende Informationen zu den Schriften, setzen diese in Beziehung zu historischem und technischem Umfeld und knüpfen Verbindungen zur Schriftgeschichte. Mustertext, Schriftvermaßung, Schriftenvergleich, Höhenvergleich und Alphabetvergleich der ursprünglichen Schriftform mit dem digitalen Font runden die einzelnen Schriftkapitel ab.

In die Abfolge der Schriftkapitel werden an chronologisch passender Stelle Seiten zu den Satztechniken eingeschoben. So werden technische Entwicklungen und die unterschiedlichen Anforderungen, die sie an die Schriftentwerfer stellten, für LeserInnen nachvollziehbar. Diese anschaulich illustrierten Abrisse zur Technikgeschichte umfassen Handsatz, Fotosatz Photon-Lumitype, Maschinensatz Einzelbuchstabenguss, Fotosatz Monophoto, Maschinensatz Zeilenguss, Optical Character Recognition OCR, Schreibsatz, Anreibesatz, Fotosatz Linofilm, Lichtsatz CRT, Lasersatz, Digitalsatz.

“Adrian Frutiger - Schriften. Das Gesamtwerk” ist ein übersichtlich gegliedertes Buch, das eine atemberaubende Informationsfülle benutzerfreundlich im Gewand feinster Buchgestaltung präsentiert. Viele Menschen waren an seiner Entstehung beteiligt. Der in der Einleitung der Publikation beschriebene, sich über mehr als 10 Jahre erstreckende Werdegang des Projektes legt davon beredtes Zeugnis ab. Heidrun Osterer, Philipp Stamm und ihrem Team ist mit “Adrian Frutiger - Schriften. Das Gesamtwerk” durch ihr ausgefeiltes Buchkonzept, ihre akribische Recherche gepaart mit der Fähigkeit Fachwissen in leicht verständlichen Texten zu vermitteln und der Kunstfertigkeit, in den auf Diskussionen mit Adrian Frutiger basierenden Texten die Lebendigkeit eines Gespräches zu bewahren, ein bedeutender Beitrag zur typografischen Literatur gelungen.

“Adrian Frutiger - Schriften. Das Gesamtwerk” setzt dem großen Schriftgestalter ein Denkmal mit einzigartigem kultur- und technikgeschichtlichen Tiefgang. Es ist ein Nachschlagewerk das Fachpublikum und interessierte Laien gleichermaßen begeistern wird.

© Ch. Ranseder

Adrian Frutiger Schriften. Das Gesamtwerk

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13 Künstler

Montag, 08. Dezember 2008

ab acht

Angela Wenzel
13 Künstler
die du kennen solltest
Prestel 2008, 46 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 7913 4040 1

13 Künstler 13 Künstler, die du kennen solltest: Kunst für Kids

Kunstgeschichte für Kinder anhand von elf Künstlern und zwei Künstlerinnen ab der Renaissance bietet dieses Buch. Von Leonardo da Vinci bis Andy Warhol wird der zeitliche und künstlerische Bogen gespannt. Der deutliche Schwerpunkt liegt dabei auf der Moderne und der männlichen Perspektive. Den Künstlern ist zumindest eine Doppelseite gewidmet, die oben mit einer Zeitleiste abgeschlossen wird. Hier ist die chronologische Einordnung bezogen auf Ereignisse dieser Zeit möglich. Dem bekanntesten Werk des Künstlers steht die kunsthistorische Betrachtung gegenüber. Die wichtigsten Eckdaten zum Künstler sowie ein Porträt sind jeweils als eigener Block abgegrenzt. Ausflugstipps zu Museen in Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande und Mexiko, Lesempfehlungen, Internethinweise (für Frida Kahlo nur Englisch und Spanisch, Picasso nur Englisch und Französisch) und drei Quizfragen (eine davon kann nur mit Hilfe des Glossars beantwortet werden) ergänzen die Aufforderungen selbst zu entdecken und zu malen. Ein kleines Glossar schließt das großformatige “Kunst für Kids” ab.

 © S. Strohschneider-Laue

13 Künstler, die du kennen solltest: Kunst für Kids

ab acht | Amazon (Wissen)Store

Der Blaue Reiter (jr.)

Montag, 08. Dezember 2008

ab acht

Barbara Stieff
Ein Bild muss klingen
Der Blaue Reiter für Kinder
Prestel 2008, 96 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 7913 4041 8

Der blaue Reiter Der Blaue Reiter für Kinder: Ein Bild muss klingen. Mit vielen Anregungen zum Basteln, Malen und Nachdenken!

Die Farbenpracht der Künstlergruppe “Der blaue Reiter” bringt Kindern nicht nur Kunst näher. Die aus Russland und Deutschland stammenden KünstlerInnen Alexej Jawlensky, Wassily Kandinsky, August Macke, Franz Marc, Gabriele Münter und Marianne von Werefkin bildeten den Kern der Gruppe vor rund 100 Jahren. Am Werdegang der Künstlerinnen und ihrer Werke wird in diesem Kunstbuch für junge Menschen mehr als nur ein bedeutender Abschnitt der Kunstgeschichte aufgerollt.

Neugierig wie die Künstlergruppe “Der blauen Reiter” sollen auch die LeserInnen des Buches sein: Aus Schubladen alte Fotos der Familie zusammensuchen, überlegen welche Menschen man in seinen eigenen “Salon” einladen und kennenlernen möchte, welche Kunstformen man in fernen Ländern oder auch gleich in der Nachbarschaft entdecken kann. Und Selbstbewusst sollen die jungen BesitzerInnen des Buches sein, denn Kandinsky schätzte die Kunst von Kindern genauso wie die von Erwachsenen. Musik und Malerei zu verbinden ist ein weiteres Anliegen. Farben, Formen und Klänge untereinander und mit weiteren Sinneseindrücken verbinden zu können ist eine Eigenschaft die nur Synästheten ihr ganzes Leben bewahren können. Das Buch hilft diese ganz besondere Eigenschaft zu verstehen, zu entdecken und zu fördern.

Die abwechslungsreiche, stimmige Seitengestaltung verbunden mit sprechender Typografie zeichnet auch dieses Kunstbuch mit Bastelanregungen für junge Menschen aus dem Prestel Verlag aus. Hier liegt ein Kunstbuch vor, das nicht nur Kinder anspricht, sondern auch Erwachsene zum gemeinsamen Nachdenken und dem Entdecken von Freiheit einlädt.

© S. Strohschneider-Laue

Der Blaue Reiter für Kinder: Ein Bild muss klingen. Mit vielen Anregungen zum Basteln, Malen und Nachdenken!

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Farben in der Kunst

Montag, 08. Dezember 2008

ab acht

Silke Vry
Die Farben in der Kunst entdecken
Forschen… Spielen… Verstehen…
Prestel 2008, 96 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 7913 4042 5

Die Farben in der Kunst entdecken Die Farben in der Kunst entdecken: Forschen - Spielen - Verstehen

Was wäre Kunst ohne Farbe und wie bunt können schwarz und weiß wirken?

Vom strapazfähigen Umschlag über den farbenprächtigen Inhalt bis zur Bastelanregung ein Kunstbuch der besonderen Art für Kinder. Die Kapitel sind nach Farben aufgegliedert. Ausgehend von schwarz und weiß, dreht sich der Farbkreis auf 96 gehaltvollen Seiten um die vier Grundfarben, vier Mischfarben und die “Unfarbe” Gold. Bezogen auf Farben wird kurzweilig auf Kunst- und Kulturgeschichte neugierig gemacht. In einfacher klarer Sprache und sprechenden Bildern werden Farben und ihre Bedeutung vorgestellt. Schwarze Teufel, weiße Engel, rote Liebe, blaue Reiter, Sonnengelb, grünes Leben und vieles mehr macht nicht nur junge LeserInnen neugierig auf die nächste Seite. Warme und kalte Farben, Perspektive, Kontrast und zwischendurch spannende Quizfragen zum Selberdenken halten die Spannung ebenso aufrecht, wie der schmackhafte Vorschlag, dass man z. B. “rot” als Chilischoten, Radieschen, Erdbeeren und Gummibärchen sogar essen kann. Auf den letzten Seiten sind die im Buch gezeigten Kunstwerke gelistet, die Lösungen der Quizfragen und heraustrennbare Bastelbögen.

Die abwechslungsreiche, stimmige Seitengestaltung verbunden mit sprechender Typografie zeichnet auch dieses Kunstbuch für junge Menschen aus dem Prestel Verlag aus. Definitiv ein Sachbuch, das nicht nur Kinder die Augen öffnet, sondern auch auch Erwachsene zum aktiven gemeinsamen Entdecken einlädt.

© S. Strohschneider-Laue

Die Farben in der Kunst entdecken: Forschen - Spielen - Verstehen

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