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Deutsche Erfinder

Donnerstag, 28. Mai 2009

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Ulrike Gropp
Deutsche Erfinder
Silberfuchs Verlag 2009, 1 CD, Laufzeit 76′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 12 6

Deutsche Erfinder Deutsche Erfindungen - Das Erfinder-Hörbuch: Eine Entdeckungsreise in die Erfindenation Deutschland

Unheimlich beginnt diese Erfolgsgeschichte mit “Das Röntgenbild eines Schädels…” und mit Stimmen, Fakten, Geräuschen und Musik geht es die Ohren fesselnd quer durch den deutschen Erfindertraum. Max Foster (Dietmar Mues) bastelt an einer neuen Publikation. Ihm zur Seite steht Wissenschaftlerin Pia Blumenbach (Hannelore Hoger). In Dialogen und erläuternden Erzählungen (Holger Löwenberg) erschließen sich die deutschen Erfindungen.

Kindliche, völlig zweckfreie Entdeckerlust steht am Anfang des Forschens. Wissenschaft und Bildung sollten frei sei, und nicht völlig von zweckgebundenen Förderungen abhängen, denn Grundlagenforschung ist der Nährboden der Erfindung. Forschungsergebnis oder Erfindung? Egal, die Wirkung und vor allem deren Wirtschaftlichkeit zählen. Manche Erfindung geht auf die Beseitigung eines Ärgernisses zurück. Andere Erfindungen sind Verbesserungen von Vorhandenem, wieder anderes ist systematischer Forschungen zu verdanken oder als schlichtes Nebenprodukt erfunden worden. Egal, die Kombination guter Ideen zu einer funktionalen Einheit, die im besten Fall für den Schöpfer auch noch wirtschaftliche Vorteile bringt, schreibt Geschichte, die oft über deren erstes Ziel weit hinaus gehen. So ist Gutenberg mehr als nur ein Buchdrucker. Er schuf die Basis für das erste Massenmedium und damit die Basis für die Verbreitung von Ideen, Wissen und Bildung auf breiter Ebene.

Es ist eine Männerwelt in der sich die Frauen nur anstandshalber finden. Melitta und Herta haben sich mit ihren - durchaus bahnbrechenden -  Küchenerfindungen von Kaffeefilter und Currywurst zumindest eine Erwähnung im Erfinderolymp gesichert. Auch Männer sind hungrig, wollen Kaffee und schließlich kann man mit beidem Geld, eigentlich sogar sehr viel Geld verdienen. Und trotz Dampfmaschine, Glühbirne, Dieselmotor und Atombombe ist die Deutsche Erfindergeschichte ein Beispiel für verschwendete Energie. Verschwendete Energie, weil die zündenden Ideen von Frauen, die sich nicht vornehmlich um die eine oder andere Aufrüstung drehen, von deren Männern eingesackt wurden. Frauen haben mehr geleistet als Erfinder zu gebären, aufzuziehen oder das Laborkaninchen abzulösen, wenn man zum Beispiel “nur” an Fallschirm und leichte Augengläser denkt. Vielleicht hätte der “verschwundene” Frauenanteil diesem durchaus angenehmen und informationsgeladenen Ohrenschmaus ab und an einen unangenehmeren Beiklang gegeben, aber sicher nicht mehr als jenen alltäglichen Beiklang über Misserfolge, Hindernisse und Neid, denen auch männliche Erfinder ausgesetzt sind.

“Made in Germany” war einst als Warnung gedacht und wurde doch zum Gütezeichen. Vom Buchdruck (um 1450) bis zum Scheinwerfer (2009) wurden internationale und nachhaltige Maßstäbe gesetzt. Ob die Currywurst ebenso wie Aspirin über Deutschland hinaus erfolgreich werden wird, ist auf jedenfall hörwürdig. Drei geniale Stimmen und zahlreiche Musik- sowie Textzitate halten durchgehend die Spannung aufrecht. Und auch die Optik kommt nicht zu kurz. In hoffnungsfrohen Grüntönen gehalten, besticht wieder die Grafik von Roswitha Rösch durch thematische Ausgewogenheit.

Hörprobe

© S. Strohschneider-Laue

Deutsche Erfindungen - Das Erfinder-Hörbuch: Eine Entdeckungsreise in die Erfindenation Deutschland

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Griechenland hören

Donnerstag, 28. Mai 2009

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Antje Hinz
Griechenland hören
Silberfuchs Verlag 2009, 1 CD, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 09 6

Griechenland hören Griechenland hören - Das Griechenland-Hörbuch: Eine klingende Reise durch die Kulturgeschichte Griechenlands von den Mythen bis in die Gegenwart

Griechenland, die Wiege Europas: Von der ersten europäischen Hochkultur bis zum modernen Mitglied der EU führt die Hörreise. Zwanzig Kapitel spannen einen genialen Bogen von der Blütezeit, Zerfall und Auferstehung Griechenlands über 5000 Jahre hindurch bis in die Gegenwart. Der Schwerpunkt dieser Silberfuchs-Hörreise liegt auf der Antike. Verständlich, denn Griechenland als Staatsgefüge zeichnet sich durch Jahrhunderte mit Absenz aus. Als Kulturfaktor und prägend für die historische, politische und soziale Entwicklung Europas war Griechenland allerdings stets gegenwärtig. 

Die Hochblüte Griechenlands entwickelte alle wesentlichen Aspekte europäischer Zivilisation. Kontakte zu anderen Hochkulturen schufen wirtschaftliche und kulturelle Grundlagen. Nach der Entwicklung einer eigenen Schrift erlebten Philosophie, Naturwissenschaft, Geschichtsschreibung und Literatur pure Höhenflüge. Was Solon für die Demokratie bedeutete, bedeutete Perikles für den Aufschwung Athens. Perserkriege und der schwelende Konflikt zwischen den antiken griechischen Großmächten Athen und Sparta trennten und vereinten die Griechen zu gleichen Teilen. Untrennbar mit der Philosophie sind vor allem Sokrates, Platon und Aristoteles verbunden. Alexander der Große steht hingegen für politische Entwicklung, militärische Expansion und die Verbreitung des kulturellen griechischen Erbes weit und nachhaltig über die damaligen Grenzen hinaus. Das kulturelle Erbe Griechenlands war auch in Rom willkommen, was sie nicht von der Übernahme Griechenlands abhielt, sondern diese sogar beschleunigte.
Und wieder war es die Sprache und die Schrift, die eine neue Zeit einläutete. Die altgriechische Verkehrssprache des Mittelmeerraumes war etwa zwischen 300 v. bis 600 n. Chr. die Koine. Die Schriften des Neuen Testamtens erreichten dadurch in kurzer Zeit sehr viele Menschen. Das Christentum wurde zur prägenden Religion Griechenlands. Byzanz, Kreuzfahrer, Venezianer, Türken traten in wechselnder Folge die Herrschaft über das zersplitterte Griechenland an. Nur das Griechentum geriet nicht in Vergessenheit.
Zerrissen wie der geographische Eindruck von Festland und Inselwelt ist daher die politische und religiöse Entwicklung Griechenlands ab römischer Zeit. Fremdherrschaften, Monarchien, Kriege, Widerstände und Vertreibungen kamen und prägten Land und Menschen. Der Weg des heutigen Griechenlands in eine moderne Demokratie war steinig. Neben vielen anderen Aspekten europäischer Zivilisation und Tradition sind die populärsten echte griechischen Highlights: Homer, Olympia und Theater. Und überaus passend kam der Vorschlag jährlich eine europäische Kulturhauptststadt zu zelebrieren von der griechischen Künstlerin Melina Mercouri. Und zuletzt sollte man nie vergessen, dass die Demokratie eine gebürtige Athenerin (um 600 v. Chr.) ist und maßgeblich für die Europäische Union ist, der Griechenland seit 1981 angehört.

Akustisch unterlegt von zahlreichen exzellent ausgewählter musikalischer Klänge aller Epochen - u.a. von musica romana - und stimmlich getragen von Rolf Becker. Mit wohl modulierter Sprache gelingt es ihm Stimmungen und komplexe Inhalte zu einer spannenden Einheit zu verweben. Roswitha Rösch zeichnet erneut für gelungene Cover-Gestaltung und Grafik verantwortlich. So macht es wirklich Freude den unentzifferbaren “Diskos von Phaistos” in die CD-Lade zu werfen und Griechenland zu hören.

Hörprobe

© S. Strohschneider-Laue

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HOMER

Sonntag, 24. Mai 2009

Notiz

Das Phänomen Homer
In Papyri, Handschriften und Drucken

ÖNB, Papyrusmuseum
20. Mai ‘09 bis 15. Januar ‘10

Das Phänomen Homer in der Österreichischen Nationalbibliothek

Kolorierter Kupferstich des Bühnenbildes zu 'Il pomo  d’oro' von Antonio Cesti 1668 ÖNB, Musiksammlung © Österreichische Nationalbibliothek

Mit einem Apfel hat die ganze Geschichte begonnen.
Gemeint ist nicht der langweilige Zwischenfall mit Adam und Eva, sondern die Zankapfel bedingte Schönheitskonkurrenz zwischen den Göttinnen Hera, Pallas Athene und Aphrodite. Nachdem Paris, gemeint ist natürlich der Prinz von Troja, sich für Aphrodite entschied, bekam er statt Macht (Hera) oder Verstand (Pallas Athene) eine hübsche Frau. Dass die schöne Helena einem anderen, dem mächtigen Menelaos von Sparta, angetraut war, spielte für Paris weder politisch noch moralisch eine Rolle. Nach dieser echt männlichen Entscheidung, die nicht im Kopf, sondern in tieferen Regionen getroffen wurde, gab es noch größeren Streit. Hera und Pallas Athena waren beleidigt, Menelaos stand als mächtiger Verlierer und somit vor seiner Welt als echter Machtverlierer da.  

Detail – Benoît de Sainte-Maure, Roman de Troie (franz.) Padua, 3. Jahrzehnt des 14. Jhs. ÖNB, Sammlung von Handschriften und alten Drucken © Österreichische Nationalbibliothek Die Folge waren 10 Jahre Krieg um Troja mit aktiver GöttInnenbeteiligung, Unmengen von Blut und gefallenen Helden sowie - je nach Sichtweise - mehr oder minder heroischen und findigen Taten.

Alexandra von Hellberg (*1968 Bozen): 'Odysseus' Exlibris für Norbert Hillerbrandt, 1999 ÖNB, Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung © Österreichische Nationalbibliothek Und da es mit dem Krieg nicht getan ist, mussten jene, die ohne dies nicht mitmachen wollten auch wieder nach Hause segeln und rudern. Noch einmal 10 Jahre strapaziöse Heimreise für Kriegsveteran Odysseus, bieten bis heute nicht nur unterhaltsames Seemannsgarn, sondern eine mächtige Fundgrube für Wissenschafter aller Sparten.

Kupferstich zur Odyssee von Jürgen Czaschka 1998, Privatbesitz Die traumatisierenden familiären und machtpolitischen Probleme nach zehnjähriger Absenz des Odysseus als Ehemann, Vater und König von Ithaka, erfreuen letztlich sogar die Psychologen.

Münze der Stadt Amastris Kunsthistorisches Museum Wien, Münzkabinett © KHM Und weil es so eine unglaublich zeitlose Story ist, ist es Homer gelungen den ersten europäischen Best- und ungeschlagenen Longseller zu verfassen.

Eine der ältesten Buchrollen der Ilias, Buch 22 (X 125–138) 3. Jh. v. Chr. Universität Heidelberg, PapyrussammlungAm Anfang wurden die homerischen Verse mündlich überliefert. Und je nach Forschungsmeinung - Archäologen erfreuen sich z. B. an den Beschreibungen von Objekten - hat es etliche Jahrzehnte der ”stillen Post” gedauert, bis sich jemand die Mühe des Aufschreibens gemacht hat. Erst um 700 v. Chr. wurde die erste Schriftfassung erstellt. Und ganz im Stile von “copy & paste” hat sich beim Abschreiben, das eine oder andere sprachlich, inhaltlich oder manches sogar vom Umfang verändert. Seit der Antike wird daher die “homerische Frage” nach der Urheberschaft gestellt, nach der Urfassung geforscht und immer wieder heftig darüber gestritten. Homers Verse sind den Wissenschaftern ein steter Quell der Faszination und dem Publikum bis heute schweißtreibender Prüfungsgegenstand oder spannende Unterhaltung.

Kritzeleien auf einem Buchdeckel: 'Endlich ist Buch 22 der Ilias fertig' 3./4. Jh. n. Chr. Universität Köln, PapyrussammlungVon der Antike bis heute befassen sich SchülerInnen mit dem Text. Nicht nur die Geduld von LehrerInnen wird dabei überstrapaziert, wie die Kritzeleien auf einem antiken Buchdeckel beweisen. Schön ist auch, dass sich an den jungen “Narrenhänden” bis heute nichts geändert hat. Um ganz ehrlich zu sein, meine Schulausgabe hat genauso ausgesehen. Bis heute bin ich außerdem dankbar, dass Homers Werk existiert. Ebenso dankbar bin ich meinem Lehrer*, dass er den  Kurzweiler Homer und nicht den Langweiler Platon zum Abiturthema machte. 

Wörterbuch zum 1. Buch der Ilias (A, 325–416; 512–610) 2. Jh. n. Chr. Universität Köln, Papyrussammlung Sogar die Wörterbücher zu Homers Texten haben sich seit der Antike nicht wesentlich verändert: Funktionales Kultur- und Sprachkompetenzdesign zum altsprachlichen Longseller.

Alles das gibt es Papyrusmuseum zu sehen.
Die Ausstellung legt Papyri und Pergamente der Ilias und Odyssee sowie der ägyptischen erzählenden Literatur vor, archäologische Objekte runden den antiken Teil ab.
Lateinische Übersetzung der Ilias (Marginalien) Laurentius Valla, Venedig 1502 ÖNB, Sammlung von Handschriften und alten Drucken Handschriften der Renaissance, Homer im lateinischen Mittelalter, frühe Drucke, Marginalien in frühen Homerdrucken, Homer in berühmten Bibliotheken, Homer in Sprachen der Neuzeit, Homers Büste aus der Sammlung Lavater, Exlibris und freie Grafik mit “homerischen” Themen folgen der Rezeption Homers bis in die Gegenwart.
Das feine Minimuseum in Wien zaubert aus seiner großen Sammlung - oft in Kooperation mit anderen Instutionen - immer wieder Erstaunliches hervor. Die für BesucherInnen oft unscheinbaren beschrifteten “Fetzerln” sind pures Wissensgold. 
Die Papyri, Pergamente und Drucke und vor allem die BesucherInnen würden es allerdings verdienen, dass mehr Geld - falls für diese Ausstellung überhaupt Geld zur Verfügung stand - in die Präsentation gesteckt würde. Es geht dabei nicht einmal um “Behübschungen”, sondern um das publikumsgerechte inhaltliche Erschließen des Gezeigten. Dafür gibt es einfache - leider unbeachtete - Regeln. Dazu gehören: Leitsystem, grafische Aufbereitung und publikumsgerechte Texte (Wortwahl, Satzlänge, Textlänge, Gliederung) . Schade daher, dass die großartigen Exponate und der interessante Inhalt durch die staubtrockene und hochwissenschaftliche Aufbereitung völlig verblassen. Ausstellungen sollen keine begehbaren Bücher von Fachleuten für Fachleute sein, sondern für das breite Publikum von einem Spezialistenteam (KuratorIn, GestalterIn, GrafikerIn, TexterIn) gemacht werden. Nur so bekommen die Ausstellungen auch jene Aufmerksamkeit, die sie inhaltlich wirklich verdienen.
Trotzdem unbedingt anschauen, denn Homer ist in dieser Ausstellung fast zum An- und Begreifen nahe. Den exzellenten Katalog Das Phänomen Homer in Papyri, Handschriften und Drucken zu kaufen, versteht sich von selbst.

Non Fiction
Cornelia Römer (Hg.)  
Das Phänomen Homer  
In Papyri, Handschriften und Drucken
Nilus 16, Studien zur Kultur Ägyptens und des Vorderen Orients
Phoibos 2009, 128 S., Farb- und Sw-Abb.
ISBN 978 3 85161 014 7

Das Phänomen Homer Das Phänomen Homer in Papyri, Handschriften und Drucken

Zur Ausstellung ist ein unentbehrlicher Katalog erschienen. Unentbehrlich, weil man alle jene Details erfährt, die die kleine Ausstellung schon platzbedingt nicht bieten kann. Unentbehrlich, weil man einen winzigen Teil der Papyrussammlung und damit etwas Essentielles zu und über Homer greifbar hat. Abgesehen davon präsentiert der Katalog das ”Phänomen Homer” aktuell, abwechslungsreich und spannend.

Cornelia Eva Römer, Direktorin des Papyrusmuseums, schreibt unter dem täuschend schlichten Titel “Einleitung” ein herrliches Essay über das “Phänomen Homer” und die Ausstellung selbst. Von der Betrachtung der präsentierten Papyri und Pergamente aus Ägypten, Bildliche Zeugnisse, Handschriften und Drucke spannt sie den lebendigen Bogen Homers bis in die Gegenwart.

In “Homer lebt!” spürt Georg Danek Homer selbst bzw. der Personifikation der episch-heroischen Erzähltradition nach. Er zeigt auf wie Homer angezweifelt und diskutiert wurde, in Vergessenheit versank, erneut entdeckt wurde und, dass Homer zeitlos von Vortrag bis Film für jedes Medium geeignet ist.

Der Brand der königlichen Bibliothek von Alexandria, noch verheerender als die Kölner Archiv-Katastrophe vom 3. März ‘09, erweist sich einmal mehr als Knackpunkt der Forschung. Herwig Maehler zeigt in “Ilias und Odyssee als Objekte der Forschung in der Antike” auf, welche Probleme in Archivierung, Verwaltung und Textforschung die damalige Gelehrtenwelt zu bewältigen hatte und was davon Homer betreffend bis in Gegenwart überliefert wurde.

Ian Rutherford widmet sich in “Homer and Egypt” nicht nur dem Verhältnis von Homer zu Ägypten als Schauplatz, sondern auch der Spuren Homers in der ägyptischen Literatur. Die ägyptische Variante des Amazonenkampfes hat jedenfalls einen besonderen Reiz.

Dem Dichterfürsten Homer ein Gesicht zu geben, wurde schon in der Antike versucht. Der Beitrag “Das Homerporträt in der Antike” von Monika Laubenberger zeigt minutiös diese Bemühungen auf.

Eindrucksvoll beschreibt Karoline Zhuber-Okrog in “Odysseus in Lykien: Die Darstellung des Freiermordes am Heroon von Trysa” die an der Grabanlage dargestellten homerischen Szenen. Für wen das Grab errichtet wurde, ist unbekannt. Ebenso unbekannt ist, warum der Freiermord so einen zentralen Platz einnahm. Dennoch spiegelt der Bau die Bedeutung der homerischen Verse für die Zeit letztlich für die Erbauer wider.

Und wieder einmal steht das Mittelalter den Errungenschaften und dem Kulturgut der Antike zwiespältig gegenüber. Frei nach dem Motto: Mögen wir Homer oder dürfen wir nicht mögen. “Homer im lateinischen Mittelalter” von Andreas Fingernagel spürt dieser Ambivalenz nach.

Werner Rotter verfolgt in “Vom Pennälerschreck zur Kulturquelle. Wandlung des Homerbildes bei Egon Friedell (1878-1938)” die Entwicklung Friedells Sichtweisen auf und dessen Verhältnis zu Homer.

Der elaborierte Katalog zur Ausstellung legt Papyri und Pergamente der Ilias und Odyssee sowie der ägyptischen erzählenden Literatur vor. Die in der Ausstellung gezeigten archäologischen Zeugnisse runden den antiken Teil ab. Handschriften der Renaissance, Homer im lateinischen Mittelalter, Drucke, Marginalien in frühen Homerdrucken, Homer in berühmten Bibliotheken, Homer in Sprachen der Neuzeit, Homers Büste aus der Sammlung Lavater, Exlibris und freie Grafik mit “homerischen” Themen folgen der Rezeption Homers bis in die Gegenwart.

Erfreulich wie kontinuierlich brillant die Nilus Reihe ist!

© S. Strohschneider-Laue

* Rainer Glückert, in bester Erinnerung!

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Hasen, Angsthasen, Hasenhirne

Dienstag, 19. Mai 2009

Notiz

Von Hasen, Angsthasen und Hasenhirnen

Es war einmal ein sehr ängstliches und sehr dummes Häschen, ein richtiger ungebildeter Hasenfuß, ein echter einfältiger Angsthase. Das Häschen glaubte tatsächlich, dass jeder, wirklich jeder, es auffressen wollte. Da sagte es zu sich: „Wenn ich groß und stark wäre, müsste ich mich nicht fürchten, dann müssten sich alle anderen vor mir fürchten. Ich muss etwas tun, denn ausgewachsen bin ich schon und kräftiger werde ich sicher auch nicht mehr. Jetzt gehe ich mir ordentlich Mut antrinken, finde andere Hasen und ändere die Welt.” Zunächst begann das zittrige Häschen sich mit einem Glas frisch gebrauten Möhrli von der beliebten Möhrenbar an der Ecke zu stärken. Und dann stärkte es sich mit noch einem Möhrli und mit noch einigen weiteren frisch gezapften Möhrlis, bis sein Zittern vorbei und seine Zunge locker genug war, um seine Angst laut genug herauszuschreien. Als es daher so an der Theke der Möhrenbar stand und sich endlich möhrenstarken Mut angetrunken hatte, fragte es schließlich das Kaninchen neben sich: „Haben Hasen Angst gefressen zu werden?”

Und der andere Möhrlitrinker trommelte begeistert mit der Pfote auf die Theke und antwortet lautstark: „Ja, alle Hasen haben Angst!”

Erstaunt über die laute Zustimmung, schrie das Häschen möhrenmutig in die Runde, so dass alle anwesenden Kaninchen, Hasen und Meerschweine es hören konnten: „Wollen Hasen Angst haben gefressen zu werden?”

NEIN!”, brüllte die angeheiterte Möhrligesellschaft sehr laut und unkritisch zurück.

„Was wollt ihr Hasenherze dann?”, brüllte das von Möhrli und Zustimmung berauschte Angsthäschen von Neuem.

„Nie mehr Angst”, „nie mehr Angst”, nie mehr Angst”, grölten sie alle trunken im Chor.

Hasen, Kaninchen und Meerschweine stießen mit vielen Gläsern Möhrli gemeinsam auf die angstfreie Zukunft der Hasen an. Dazwischen sangen und sprangen sie durcheinander: „Nie mehr Angst”, „nie mehr Angst”, nie mehr Angst”! Das ängstliche Häschen thronte inzwischen wagemutig auf den Schultern von zwei Meerschweinen und dirigierte die Sprechchöre mit seiner welken Karotte.

Als plötzlich ein schon sehr unsicher auf seinem Barhocker schwankendes Kaninchen vernehmlich fiepte: „Nie mehr Angst und Freiheit für die Kaninchen!” Da wurde es blitzartig still und einige Kaninchen begannen zustimmend zu nicken.

Das ehemals ängstliche Häschen, genau der dumme Hasenfuß mit dem alles angefangen hatte, zeigte gebieterisch mit seinem Karottenszepter auf das vorlaute Kaninchen und befahl: „Nieder mit den Verrätern, nieder mit den Hasenfeinden!”

Im Nu fielen alle Hasen und Meerschweine gemeinsam über die Kaninchen her und zerrissen sie in tausend Stücke. Beglückt über ihren Sieg, stimmten sie wieder ihren Chor an: „Nie mehr Angst”, „nie mehr Angst”, nie mehr Angst”.

Als plötzlich ein schwer mit Möhrli angetrunkenes Meerschwein zu weinen anfing. Denn es gab auf einmal viel mehr Platz in der Möhrenbar, aber ohne die Kaninchen war es gar nicht mehr so kuschelig wie zuvor. Da wurde es wieder ganz still und die Meerschweine blickten sich betroffen um.

Das Anführerhäschen, ja wieder genau das ehemals so zittrige Angsthäschen mit dem alles angefangen hatte und das sich inzwischen ganz selbstbewusst von den Hasen herumgetragen ließ, zeigte nun gebieterisch mit seinem Karottenszepter auf das weinerliche Meerschwein und befahl streng: „Nieder mit den Verrätern, nieder mit diesen Kaninchenfreunden!”

Im Nu fielen nun die Hasen über die Meerschweine her und zerrissen sie in tausend Stücke. Aber nach diesem letzten Massaker waren nur noch die Hasen übrig und statt eines Sprechchors gegen Angst gab es nur noch Schweigen aus Angst, denn nun hätten sich die wenigen verbleibenden Hasen nur noch gegenseitig in Stücke reißen können.

Und die vielfältige Moral aus der Geschichte des einfältigen Angsthasen?

Fingerzeig © S. Strohschneider-LaueReden ist viel, Zuhören ist mehr und Verstehen ist alles! Denn hätten die Kaninchen, Hasen und Meerschweinchen weniger frisch gezapftes Möhrli getrunken und besser zugehört, hätten sie vielleicht verstanden, dass Angst Gewalt schafft und Gewalt keine Lösung ist! Und die Angsthasen wären stattdessen gemeinsam mit den Kaninchen und Meerschweinen eine vielfältige und kritikfähige Gemeinschaft gewesen, die jederzeit gemeinsam gegen Angst und Gewalt aufgetreten wäre.

© S. Strohschneider-Laue

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Tagebuch des Teufels

Montag, 18. Mai 2009

Fiction

Nicholas D. Satan
Das Tagebuch des Teufels
Eichborn 2008, 160 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 8218 6066 4

Das Tagebuch des Teufels  Das Tagebuch des Teufels

Höllisch attraktiv und hoffnungslos hinterfotzig!

Seit Jahrtausenden Nichtverjährtes und Brandneues aus Satans Tagewerk verbirgt sich in diesem handlichen Brevier. Das auf uralt getrimmte Teufelswerk reicht vom Bluts(Muster-)vertrag, über angeschmorte Seiten bis zum Goldüberzug der Schnittkanten. Und natürlich sind auch die E-Mail Adressen derjenigen verzeichnet, die allweltlich ihre mehr oder minder schmutzigen Finger über den Schalthebeln der Macht schweben lassen: Beginnend mit Mr. D. Cheney (finger@amabzug.peng) über Pentagon (welt@krieg.bum) bis zum aktuellen Mr. Obama (obama@didit.uff).

Tatsächlich ist das Buch eine einzige teuflische Verlockung. Es sieht in seinem armani-schwarzen Umschlag und der rolex-goldenen Kante blendend aus. Es verströmt altersbedingte Authentizität, es punktet mit persönlichen Daten. Und nicht zuletzt ist es längst an der Zeit einmal die Geschichte der Welt aus einer anderen Perspektive als der Bibel zu erfahren.

Zu verdanken ist die einmalige Gelegenheit in Satans persönliche Aufzeichnungen Einblick nehmen zu können M. J. Weeks, Master der Philosophie und Professor für vergleichende theologische Anthropologie. Er wertet die Originalmanuskripte aus und legt die für die Weltgeschichte wichtigsten Einträge - beginnend mit der Vertreibung aus dem Paradies bis zu Celine Dion und der globalen Erwärmung - und mit vertiefenden Erläuterungen vor.

Unsagbar böse und zum Schreien komisch zu gleich werden die Knackpunkte des historischen und gegenwärtigen menschlichen Absurdistan aus satanischer Sicht vorgelegt. Selbstverständlich schließt das Buch mit einer Kontaktliste des Bösen, die beliebig erweiterbar ist. Auch wenn der Meister der Schandtaten kein geborener Grafiker ist - anscheinend landen Grafiker nicht in der Hölle, die haben sie vermutlich schon auf Erden - sind seine Illustrationen von treffsicherem Wiedererkennungswert.

Für alle Freunde des schwarzen Humors, die auch noch Lachen, wenn das Lachen eigentlich schon im Halse stecken bleibt, eine Pflichtlektüre. Kritische Geister, die ihr Heil in der Satire suchen, werden ihr bestens bedient. Und alle anderen - also völlig unkritischen und humorlosen - LeserInnen heißestens zur höllischen Horizonterweiterung empfohlen.

© S. Strohschneider-Laue

Das Tagebuch des Teufels

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Darwins Schwestern

Montag, 18. Mai 2009

Non-Fiction

Gudrun Fischer (Hg.)
Darwins Schwestern
Orlanda 2009, 220 S., 15 Sw-Abb.
ISBN 978 3 936937 67 1

Darwins Schwestern Darwins Schwestern: Porträts von Naturforscherinnen und Biologinnen

Von der Pionierin Maria Sybilla Merian (1647-1717) bis zu den Naturwissenschaftlerinnen der Gegenwart spannt sich der zeitliche Bogen. Fünfzehn Biologinnen, die Situation der Frau in der Biologie und die feministische Kritik an der Evolutionstheorie werden in acht Kapiteln einer fesselnden Analyse unterzogen. Den Pionierinnen Merian und Dietrich folgen die erste Hochschulprofessorin von Wrangell und die nazikritische Zoologin von Linden. Die Genetikerinnen Schiemann, Ubisch und Hertwig spiegeln Karrieren bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Mann Borgese war zwar nicht Gründungsmitglied aber 1970 die einzige Frau im Club of Rome (CoR) und sie gründete 1972 das International Ocean Institut (IOI). Die zeitgenössischen Biologinnen werden durch die beiden Nobelpreisträgerinnen McClintock, Nüsslein-Volhard sowie Lochte, die Direktorin des AWI, repräsentiert. Die Naturwissenschaftlerinnen Boetius, Sattler, Becker und Karatas stehen für die jungen Aktiven. Der aktuelle Stand der Dinge zur Situation der Frauen in der Biologie sowie die feministische Kritik an der Evolutionstheorie werden im Schlusskapitel “Hintergrund” einer übersichtlichen Betrachtung unterzogen. Weiterführende Literatur zu den einzelnen Wissenschafterinnen sowie Kurzbiografien der Autorinnen runden “Darwins Schwestern” ab.

Gudrun Fischer - selbst Biologin - hat es sich nicht leicht gemacht die Auswahl unter den Biologinnen und deren Biografinnen zu treffen. Und so ist das Buch auch geworden: Vielfältig wie das Leben, voller Entdeckungen und abwechslungsreich geschrieben. Der große Verdienst des Buches besteht daher nicht in exzellenten Biografien oder dem - unmöglichen - Anspruch auf Vollständigkeit. Es ist vor allem die Präsentation der Verhältnisse zwischen aufgetürmten Hürden, erbrachten Leistungen und durchlebten Karrieren der Wissenschaftlerinnen, die besticht. Die Biologie ist nämlich nicht nur in sprachlicher Hinsicht weiblich. Unter den Naturwissenschaften ist Biologie jenes Studium, das mit etwa den größten Frauenanteil von der Erstsemestrigen bis zur Absolventin verzeichnen kann. In die Führungsebenen und den Olymp der Forschung schaffen es trotzdem mehr Männer als Frauen.

“Darwins Schwestern” macht naturwissenschaftliche Frauenkarrieren sichtbar, aber auch jene gesellschaftlichen Widerstände und beruflichen Barrieren, die etliche Parallelen quer durch die Zeiten aufweisen. Bei “typischen Frauenkarrieren” kommen die Doppelbelastung als Forscherin und Ehefrau, freie oder erzwungene Entscheidungen zwischen Forschung und Privatleben und weiterer Reibungsverlust, dem Männer niemals ausgesetzt waren oder sein werden, zum Tragen. Es trotzdem zu schaffen, bedeutet anscheined für viele Wissenschafterinnen 150 % anzustreben, 100% zu erreichen und zum Ausgleich zu 50% unzufrieden mit dem Erreichten zu sein. Ein bisschen mehr männliches Streben nach dem “egal, nächstes mal wird’s besser”, ist möglicherweise dem Selbstwertgefühl abträglich, aber der Karriere zuträglicher als jede Perfektion.

Darwins Schwestern waren keine Biologinnen. Ob Darwin die Porträtierten als Kolleginnen wirklich akzeptiert hätte, wage ich zu bezweifeln. So gesehen, finde ich den Titel zwar unpassend, aber verkaufsförderlich und das ist gut so, denn die Botschaft soll bei möglichst vielen LeserInnen ankommen. Ein geniales Buch, das eindeutig nicht nur für Naturwissenschafterinnen geschrieben wurde.

© S. Strohschneider-Laue

Darwins Schwestern: Porträts von Naturforscherinnen und Biologinnen

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Frauen: 60 Jahre BRD

Samstag, 09. Mai 2009

Non-Fiction

Irma Hildebrandt 
Frauen setzen Akzente
Prägende Gestalten der Bundesrepublik
Diederichs 2009, 256 S., 12 Sw-Fotos.

ISBN 978 3 424 35003 6

Frauen setzen Akzente. Prägende Gestalten der Bundesrepublik Frauen setzen Akzente: Prägende Gestalten der Bundesrepublik

Irma Hildebrandt ist Frauenbiografin und das mit einem unglaublichen erzählerischem Talent. In ihrem neusten Werk widmet sie sich zwölf Frauen, die die ersten 60 Jahre der Bundesrepublik Deutschland entscheidend mitgeprägt haben. Die Auswahl zu treffen, ist ihr vermutlich nicht leicht gefallen; denn es gibt wesentlich mehr als nur zwölf Frauen, die zum Werden der Bundesrepublik entscheidend beigetragen haben. Umso erfreulicher ist es, dass Irma Hildebrand sich gerade für diese zwölf Persönlichkeiten entschieden hat. Die Frauen repräsentieren verschiedene Fachbereiche und Weltanschauungen, gebrochene und ungebrochene Lebensläufe, aber vor allem polarisieren sie in sehr differenzierter Weise.

Frauen wurde und wird es nicht leicht gemacht. Und einige sind - auch aus diesem Grund - einen kompromisslosen Weg gegangen, der blutig und unblutig zum persönlichen Scheitern verurteilt war. Trotzdem oder gerade deshalb prägten sie Zeitabschnitte des 60-jährigen Deutschlands durch ihre Aktionen und ihr Streben entscheidend. Es sind also nicht die inhaltsleeren Reichen und Schönen vertreten, die heute für die Medien so wichtig scheinen, sondern inhaltsorientierte Powerfrauen: Hannah Arendt, Hilde Domin, Hildegard Hamm-Brücher, Petra Kelly, Lore Lorentz, Ulrike Meinhof, Angela Merkel, Christine Nüsslein-Volhard, Gesine Schwan, Alice Schwarzer, Dorothee Sölle und Rita Süssmuth. Die ganze Bandbreite der intellektuellen Frauen, die Wissenschaft, Literatur, Philosophie, Theologie, Feminismus, Politik und zuweilen auch blanke Gewalt zu ihren Inhalten erklärten. Sie alle haben gemeinsam, in Deutschland entscheidende Akzente gesetzt zu haben.

Zitate und Schwarzweiß-Fotografien und zentrale Lebensaspekte leiten die jeweils rund 20-seitigen Essays ein. Und was folgt, ist Spannung pur. Zurückhaltend kommentiert, aber niemals unkritisch betrachtet, erzählt Irma Hildebrandt Lebensläufe, die Emigration und Rückkehr ebenso in sich vereinen wie Kritikfähigkeit und Toleranz oder ungebrochenen Kämpfergeist und Forscherdrang. Flexibilität wurde diesen Frauen im hohen Maße abverlangt, aber kaum eine der Unbeugsamen zeichnet sich wirklich durch diese - männlich eingeforderte - sogenannte weibliche Tugend aus. Nur im Porträt der Naturwissenschaftlerin Angela Merkel, die ab 2005 erste Bundeskanzlerin Deutschlands ist, wird sie betont. Aber die Bundeskanzlerin bezeichnete sich ja auch selbst als angepasst und nicht als Heldin.

Literatur- und Bildhinweise beschließen das überaus lesenswerte Buch über Frauen, die wahrhaft in Deutschland Akzente setzten und jene, die es weiterhin tun werden. Fantastisch, ich werde wohl einige Exemplare verschenken und eines davon auf jeden Fall meiner Mutter (*1931) .

© S. Strohschneider-Laue

Frauen setzen Akzente: Prägende Gestalten der Bundesrepublik
siehe auch:
Große Frauen (Diederichs): Porträts aus fünf Jahrhunderten
Bin halt ein zähes Luder: 15 Münchner Frauenporträts
Berühmte Münchnerinnen: 18 Frauenporträts
Provokationen zum Tee. Leipziger Frauenporträts.
Tun wir den nächsten Schritt. 18 Frankfurter Frauenporträts.
Zwischen Suppenküche und Salon. 22 Berlinerinnen.
Mutige Schweizerinnen. 18 Frauenporträts.
Immer gegen den Wind. 18 Hamburger Frauenporträts.

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Media Facades

Donnerstag, 07. Mai 2009

Non-Fiction

M. Hank Haeusler
Media Facades
History, Technology, Content
avedition 2009 , Engl., 248 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8998 6107 5

Media Facades Media Facades

Technische Neuerungen und ihre innovativen Anwendungen sind aufregend. Der letzte Schrei, um sich in der nächtlichen Stadtlandschaft Aufmerksamkeit zu verschaffen, sind Medienfassaden. Mit hohem technischen Aufwand werden Fassaden von Gebäuden so (um)konstruiert, dass sie mit dynamischen digitalen Grafiken, Texten oder Bildern bespielt werden können. Als auf diese Weise vermittelter “Inhalt” sind auch die gesamte Außenhaut eines Bauwerks umflutende psychedelische Lichtmuster zu verstehen, wie man sie - als jüngstes österreichisches Beispiel - im Rahmen von Linz ´09 am Ars Electronica Center bestaunen kann.

Medienfassaden sind eine relativ neue Entwicklung in dem sich stetig erweiternden Feld der Architektur. Für jede junge Disziplin kommt der Zeitpunkt, an dem es notwendig erscheint, den durch Pionierarbeit erreichten Stand der Dinge festzuhalten und im theoretischen Diskurs zu etablieren. Dazu bedarf es, unter Anderem, der Schaffung eines Ordnungssystems und der Vermittlung der von den Vorreitern geschaffenen Fachsprache, um die Verständigung mit einem möglichst großen, interdisziplinär zusammengesetzten Kreis aus Ingenieuren, Architekten, Mediendesignern, Studenten, Journalisten, Kritikern und potentiellen Auftraggebern zu erleichtern.

M. Hank Haeusler legt in seinem Buch “Media Facades. History, Technology, Content” den Grundstein für eine über Insiderkreise hinausgehende Auseinandersetzung mit dem ebenso faszinierenden wie kontroversiellen Thema.

Aufbauend auf eine Bestandsaufnahme gewährt er einen Überblick über bereits Erreichtes und in Zukunft technisch Mögliches. Der Aufbau der hervorragend gegliederten Publikation folgt der bereits im Untertitel angekündigten Dreiteilung.

Das erste Kapitel bietet Begriffsdefinitionen, allgemeine Richtlinien für die Design und Bau vorhergehende Phase der Entscheidungsfindung, einen historischen Abriss der Vorläufer heutiger Medienfassaden und der Entwicklung ihrer elektronischen Komponenten sowie eine Geschichte des Times Square in New York, dessen Charakter und Rolle in der Stadtplanung durch Medienfassaden bestimmt wird.

Der Schwerpunkt des Buches liegt auf der Technologie der Medienfassaden, mit der sich das umfangreiche zweite Kapitel beschäftigt. Haeusler unterscheidet vier technische Kategorien - “Mechanical”, “Projector”, “Illuminant” und “Display” - innerhalb derer eine weitere Gliederung nach den unterschiedlichen, für die Gestaltung von Medienfassaden verfügbaren Technologien erfolgt. Diese werden anhand von 36 internationalen Fallbeispielen in einem perfekt ausgewogenen Verhältnis von Text und Bild, erörtert. Das macht “Media Facades. History, Technology, Content” zu einem wunderbaren, reich bebilderten Handbuch. Seinen Mehrwert erhält die Publikation durch die, für Arbeiten technischen Inhalts keinesfalls selbstverständliche, Lesbarkeit der Texte. M. Hank Haeusler verfügt über die seltene Begabung komplexe technische Informationen in einer auch für Laien verständlichen Sprache zu vermitteln. Die Gegenüberstellung von technischer Beschreibung und Anwendungsbeispiel erleichtert darüber hinaus den Vergleich der unterschiedlichen Wirkungen, die Medienfassaden im urbanen Umfeld oder als Gestaltungselement von Inszenierungen im Innenraum entfalten können. Und natürlich sind die ausgewählten Fallbeispiele allesamt schicke Eyecatcher, egal ob es sich um Prototypen, künstlerische Interventionen oder durchgestylte Markenauftritte handelt. Vor allem die Automobilindustrie scheint für Messestände oder firmeneigene Museen gerne auf Medienfassaden zurückzugreifen, um ihre Produkte optimal in Szene zu setzten - gleich sechs Fallbeispiele sind dieser Branche zuzuordnen. Werbung findet eben nicht nur als Holzhammer-Kommerz statt, wie er am von Haeusler mehrfach als Beispiel angeführten Times Square zu finden ist. Damit stellt sich die Frage nach möglichen “Inhalten”, die mit Hilfe von Medienfassaden kommuniziert werden können. Ihnen ist das abschließende, ein wenig dünn geratene, dritte Kapitel gewidmet.
Ein Glossar sowie eine Liste von Designern und Herstellern runden das grafisch ansprechend gestaltete Buch ab.

“Media Facades. History, Technology, Content” ist zugleich Einführung und Nachschlagewerk. Eindrucksvoll führt das Buch vor Augen, was heute technisch möglich ist und wie gut Medienfassaden aussehen können. Doch die nächtlichen Fassaden-Lichtspiele haben auch ihre Schattenseiten. Wertneutral erwähnt Haeusler Baukosten, Energieverbrauch und die Tatsache, dass der Platz hinter einer Medienfassade oft nicht mehr für Büro- oder Wohnzwecke genutzt werden kann. Über die Sinnhaftigkeit von Medienfassaden ließe sich also streiten. Wie war das noch mal mit dem ökologischen Fußabdruck, an den EU-Bürger in letzter Zeit so oft gemahnt werden?

© Ch. Ranseder

siehe auch:
ag4-mediafacades (Daab Architecture & Design)
Krieg der Zeichen: Spurenlesen im urbanen Raum
Vattenfall Europe Zentrale & Medienfassade Berlin. Deutsche Ausgabe

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Kinder-Uni: Hexen

Montag, 04. Mai 2009

ab acht

Cordula Bachmann
Warum reiten Hexen auf dem Besen?
Die Kinder-Uni erklärt die Geheimnisse der Hexerei
DVA 2009, 223 S., reich illustriert von Bernd Wiedemann.
ISBN 978 3 4210 4301 6

Warum reiten Hexen auf dem Besen?  Warum reiten Hexen auf dem Besen?: Die Kinder-Uni erklärt die Geheimnisse der Hexerei

Es gibt keine dummen Fragen, es gibt nur dumme Antworten. Und bei der Kinder-Uni gibt es grundsätzlich nur kluge Antworten: Viel “Hexen-Warum” wird in diesem Band hinterfragt. Vom wann und wo bis zur Hexenjagd. Warum Frauen und was machen moderne Hexen? Und vor allem warum man so viel über Hexen weiß, wird hier genial erklärt.

Eine kleine Geschichte vorweg und sieben Kapitel gliedern das Hexenthema in gut fassbare Schwerpunkte. Insbesondere “die kleine Geschichte vorweg” macht deutlich wie schnell etwas “einfach so Dahingesagtes” sich im Kopf unlösbar verankern kann. Eine wunderbarerer Einstieg ins Thema und eine perfekte, weil kindgerechte, Diskussionsgrundlage zu allen - nicht nur magischen - Hexenjagden, Verteufelungen und Sündenböcken.

Systematisch werden anschließend Hexen wissenschaftlich “verfolgt”. So wird genau erklärt warum, wo und seit wann es Hexen gibt. Hexen aus aller Welt, wie die Toghebi aus Südkorea oder Mananggal von den Philippinen, werden ebenfalls vorgestellt. Und so mancher Hexenglaube begann mit einer gut erzählten Schauergeschichte, die sich mit den Wünschen und Sehnsüchten der Zuhörer vermischte. Quer durch die Zeiten sind befremdlich wirkende Personen besonders hexenverdächtig. Wesentlich ist, dass sie anders sind als der unauffällige Durchschnittsbürger. Die ganze Lebensweise von Hexen unterscheidet sich jedenfalls deutlich von Nicht-Hexen. Und alle, die von der Norm abweichen, werden noch heute misstrauisch beobachtet oder leider auch mehr als nur beobachtet. Kein Wunder, dass die Inquisition, obwohl sie von allen gefürchtet wurde, mit ihrer Hexenjagd über so lange Zeit so einen großen Erfolg hatte. Und warum vor allem Frauen der Hexerei beschuldigt wurden, wird ebenfalls ausführlich erklärt. Aber die Zeiten haben sich - hoffentlich - geändert und deshalb wird zuletzt noch erzählt, was für moderne Hexen wichtig ist.  Schön, dass am Ende des Buches noch eine Auswahl weiterführende Literatur angegeben wird, denn man kann schließlich nie genug wissen.

Superspannend erzählt, gut erklärt und definitiv auch etwas für Erwachsene, die mit (ihren) Kindern diskutieren wollen. “Warum reiten Hexen auf dem Besen” lädt nämlich zum kritischen Denken und zum Diskutieren mit anderen ein. Kritikfähigkeit ist ein wichtiger Lernschritt, um im späteren Leben Bauernfänger zu erkennen, Reales von Irrealem oder Gerechtes von Ungerechtem unterscheiden zu können. Wünschen wir das nicht alle für unsere Kinder? Herdentiere und Lemminge gibt es schon viel zu viele.

© S. Strohschneider-Laue

Warum reiten Hexen auf dem Besen?: Die Kinder-Uni erklärt die Geheimnisse der Hexerei

Und es gibt noch mehr:
Die große Kinder-Uni Wissens-Box
Die Kinder-Uni. Erstes Semester: Forscher erklären die Rätsel der Welt
Die Kinder-Uni. Zweites Semester: Forscher erklären die Rätsel der Welt
Die Kinder-Uni. Drittes Semester: Forscher erklären die Rätsel der Welt
Warum Schabbat schon am Freitag beginnt: Die Kinder-Uni reist in die Welt des Judentums
Die Kinder-Uni. Hat der Weltraum eine Tür?
Ritter durften noch rülpsen: Die Kinder-Uni fragt, woher die Manieren kommen
Tohuwabohu: Die Kinder-Uni erklärt Ordnung und Chaos

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Intimer Blick

Montag, 04. Mai 2009

Non-Fiction

Toulouse-Lautrec. Der intime Blick
Text von Danièle Devynck, Johannes Ramharter, Anne Röver-Kann, Alain Tapié
Hatje Cantz 2009, 160 S., davon 77 in Farbe
ISBN 978 3 7757 2346 6

Henri de Toulouse-Lautrec Toulouse-Lautrec: Der intime Blick

Die vier Pfoten in der Luft, das Schwänzchen hoch erhoben, jagt ein Hündchen neben Pferd und Reiter her, dem Horizont entgegen. Die Tiere und ihr begleitender Mensch auf dem Gemälde “Reiter mit kleinem Hund” sind humorvoll überzeichnet, die Landschaft bleibt undifferenziert. 1879, dem Entstehungsjahr des Bildes, ist der Malstil von Henri de Toulouse-Lautrec (1864-1901) noch der Tradition verpflichtet. Doch bereits in diesem frühen Werk sind seine scharfe Beobachtungsgabe und die Neigung zur Karikatur offensichtlich. Wie schnell es dem Künstler gelang, auch stilistisch zu einem sehr individuellen, modernen Ausdruck zu finden, kann in “Toulouse-Lautrec. Der intime Blick” nachvollzogen werden. Das reich bebilderte Buch bietet einen Querschnitt durch das Werk des französischen Malers und Grafikers. Von den frühen Gemälden mit Szenen der Fortbewegung per Pferdekraft über Porträts von Familie und Freunden bis zu den bekannten, in Unterhaltungslokalen und Bordellen entstandenen Grafiken spannt sich der Bogen. Und natürlich ist auch eine Auswahl von Plakaten zu bewundern.

Das Buch “Toulouse-Lautrec. Der intime Blick” erscheint anlässlich einer Ausstellung im Linz, Österreich. Es verwundert daher nicht, dass sich unter den fünf Essays, die dem Katalog vorangestellt sind, auch ein Vergleich der Arbeiten des französischen Künstlers mit jenen von Egon Schiele befindet. 1909, also vor exakt 100 Jahren, waren bereits Arbeiten von Toulouse-Lautrec in der Wiener Galerie Miethke ausgestellt, die Schiele gesehen haben könnte. Sowohl Toulouse-Lautrec als auch Schiele waren Meister der Linie, doch ihr Verhältnis zu den Modellen, ihre Annäherung an den Menschen war grundverschieden. Die ersten beiden Abbildungen des Buches, die leider nicht auf gegenüberliegenden Seiten platziert wurden, sind dafür ein gutes Beispiel. Sowohl das Ölbild von Toulouse-Lautrec als auch die Bleistiftskizze Schieles zeigen eine Frau, die in einem Sessel sitzend das Kinn auf die Hand stützt. Der Schlüssel zum Verständnis des Verhältnisses von Modell und Maler liegt im Gesichtsausdruck. Toulouse-Lautrecs Madame Berthe Bady ist sichtlich amüsiert und scheint sich gut zu unterhalten. Ein Lächeln umspielt ihre Mundwinkel, der Blick ist wach und fokussiert. Der Frau in Schieles Bild hingegen ist die Langeweile und das Desinteresse an ihrem Gegenüber ins Gesicht geschrieben. Einzig der Gedanke “Hoffentlich ist er bald fertig, damit ich gehen kann” scheint sie zu beschäftigen. Eine Interaktion findet nicht statt. Schiele ist nicht an der Person interessiert, sondern an dem in einer Pose verharrenden Körper, der zum Bedeutungsträger wird.

Die Arbeiten von Toulouse-Lautrec zeugen von seinem Interesse an den dargestellten Menschen, an ihren Eigenheiten und Seelenzuständen. Als Porträtmaler verstand er es, die Persönlichkeit der Dargestellten zu erfassen und zu Papier zu bringen. Als Beobachter in Bordellen und Vergnügungslokalen bedurfte er keiner Modelle. Ungeschönt und frei von Voyeurismus hielt er Szenen aus dem Alltag fest. Seine unaufdringliche Präsenz erlaubte ihm die harte Lebenswelt der in der Unterhaltungsbranche Beschäftigten aus nächster Nähe zu dokumentieren. Grafiken wie “Frau mit Tablett - Frühstück” und “Liegende Frau - Erwachen”, beide aus der Serie Elles, lassen darauf schließen, dass die Frauen Toulouse-Lautrec ein gewisses Maß an Vertrauen entgegenbrachten. Sonst hätten sie sich wohl kaum so entspannt gezeigt.

Letztendlich kann über die Befindlichkeit von an der Entstehung der einzigartigen Werke beteiligten Personen nur gemutmaßt werden. Das Betrachten von Kunst ist über den optischen Genuss hinaus auch ein interpretativer Vorgang und damit ein intellektuelles Vergnügen. Wer sich selbst eine Meinung bilden möchte, dem bietet die Publikation “Toulouse-Lautrec. Der intime Blick” reichhaltiges Anschauungsmaterial.

Im Original ist die Werkauswahl noch bis zum 7. Juni 2009 in der gleichnamigen Ausstellung der Landesgalerie Linz zu bewundern.

© Ch. Ranseder

Toulouse-Lautrec: Der intime Blick

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