Artikel mit ‘Eisenzeit’ getagged

Schädelkult

Mittwoch, 09. November 2011

Non-Fiction

Alfried Wieczorek, Wilfried Rosendahl (Hgg.)
Schädelkult

Kopf und Schädel in der Kulturgeschichte des Menschen
Publikationen der Reiss-Engelhorn-Museen 41
Schnell + Steiner 2011, 388 S, zahlr. Fotografien und Grafiken.
ISBN 978 3 7954 2454 1

Schädelkult Schädelkult: Kopf und Schädel in der Kulturgeschichte des Menschen

Der gewichtige Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Reiss-Engelhorn-Museum ist beispielgebend. Die herausragende inhaltliche Qualität ist optisch und haptisch in einer attraktiven Publikation umgesetzt worden. Über 50 AutorInnen aus verschiedenen Forschungsbereichen unterziehen menschliche Schädel minutiösen Betrachtungen und interpretieren deren kulturgeschichtliche Bedeutung.

Das Thema wird in fünf Kapiteln gegliedert, die Sinnvoll und Geistreich - der Schädel, Vom Neandertaler bis zur Völkerwanderung - Ein Gang durch die Vor- und Frühgeschichte, Von Schrumpfköpfen, Schädelbechern und Schillerschädeln - Ein Gang durch die Weltkulturen, Schädelfaszination heute und Schädelgalerie betitelt sind. Den einzelnen Beiträgen sind umfassende Literaturzitate angeschlossen.

Im ersten Kapitel stehen Seele-Herz-Hirn - damit Sinn und Verstand - in antiker Vorstellung (Elisabeth Ahner), Schädel als Knochenstruktur (Helmut Wicht) sowie operative Eingriffe am Schädel (Kurt W. Alt) quer durch die Zeiten im Mittelpunkt. Wahrlich spannend, was aus dem Unikat des Schädels “herausgeholt” werden kann. Einerseits wurden schon früh medizinische und philosophische Betrachtungen mit dem Kopf verbunden, andererseits wurden bereits in prähistorischer Zeit mehr (!) oder minder erfolgreiche Eingriffe im Schädelbereich vorgenommen.

Eine spannende Zeitreise durch die Vor- und Frühgeschichte wird im zweiten Kapitel unternommen. Beiträge führen von der Alt- und Mittelsteinzeit (Joachim Wahl) über das Neolithikum (Jörg Orschiedt, Andrea Zeeb-Lanz), Bronzezeit (Christiane Ana Buhl) und Eisenzeit (Axel von Berg, Béatrice Vigié) mit einem Abstecher ins Alte Ägypten (Tanja Pommering und Stan Hendricx) und zu den Skythen (Claudia Braun). Betrachtungen zur Antike (C.B.) und Spätantike (Gerhard Hotz) schließen den genialen Überblick. Schädelkult, Kannibalismus, der Ritualplatz von Herxheim, Masken und Schädeldeformationen sind nur einige Aspekte, die berücksichtigt werden.

Der Blick auf die Weltkulturen im dritten Kapitel wirft Schlaglichter aus Afrika (Andrea Schlothauer), Asien (Katja Müller, Paolo Maiullari, Richard Kunz, A.S.), Ozeanien (Bernd Leicht, Alexandra Wessel, Antje Kelm, Wilfried Rosendahl, Christian Fink, Heaether Gill-Frerking, Thomas Henzler, Markus Monreal, Stefan Schlager, Ursula Wittwer-Backofen), Nord und Mesoamerika (Martin Schultz, Nikolaus Stolle, Ursula Thiemer Sachse, W.R., Sinas Steglich) Südamerika (A.S., Anna-Maria Begerock, Virgina und Michael Tellenbach, Sabine Bernschneider-Reif, Timo Gruber, Reiner Sörries, Dario Piombino-Mascali, Alber Zink, Ulrike Neurath-Sippel, Eva-Maria Günther, Elisabeth Ahner, Rudolf Maurer, U.W.-B., Daniel Möller, Uwe Hoßfeld, W.R., Gisela Gruppe, Marina Vohberger). Kopfjagd, Schädelschmuck, Skalps, Kristallschädel und Schrumpfköpfe zeigen u. a. vielfältige Rituale rund um Triumph und Trauer in außereuropäischen Kulturen auf. Während Heilmittel, religiöse und weltliche Reliquien sowie Rassenkunde Beispiele für europäischen Schädelkult sind.

Der ungebrochenen Schädelfaszination in der Gegenwart wird im vorletzten Kapitel Rechnung getragen. Die schwarze Szene (C.A.B.), das Totengedenken in Mexiko (Ulrike Umstätter), Kriminalistik (U.W.-B.), Hirnforschung (Hans Günter Gassen) und Totenkopfsymbolik (Magdalena Pfeifenroth) sind hier die zentralen Themen. Tristesse und Zuckerwerk, Kriminalistik und Forschung sowie Symbolkraft stehen für die breitgefächerte, moderne Schädelfaszination.

Mit der Schädelgalerie schließt das fünfte Kapitel. Als Highlights zur Ausstellung (Doris Döppes, A.-M.B., D.M., W.R., A.S., A.W.) werden herausragende Beispiele wie z. B. Trophäenköpfe und künstlich deformierte Schädel aus Peru oder für die Aufbewahrung im Beinhaus bemalte Schädel aus Hallstatt in Österreich in hochwertiger Fotoqualität inklusive Kurzinformationen gezeigt.

Autorenregister und Bildnachweis beschließen den - auch durch seine übersichtliche und attraktive Gestaltung - hochwertigen Band. Ein Pflichtkauf in Fachkreisen und für kulturgeschichtlich Interessierte ebenso.

© S. Strohschneider-Laue

Schädelkult Schädelkult: Kopf und Schädel in der Kulturgeschichte des Menschen

Ebensolch | AmazonStore
AugenBlick | AmaZino

220 Jahre Moorarchäologie

Donnerstag, 03. November 2011

Non-Fiction

“O, schaurig ist’s übers Moor zu gehn …”
220 Jahre Moorarchäologie
Schriftenreihe des Landesmuseums Natur und Mensch Oldenburg 79
Philipp von Zabern 2011, 260 S, zahlr. Fotografien und Grafiken.
ISBN 978 3 8053 4361 9

O, schaurig ist’s, übers Moor zu gehn. 220 Jahre Moorarchäologie

175 Jahre Oldenburger Landesmuseum Natur und Mensch ist Anlass die Bedeutung der Moorarchäologie seit 220 Jahren aufzuzeigen. Die Begleitschrift zur Ausstellung im Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg 2011 widmet sich dem Thema Moorarchäologie.

In acht gut strukturierten Kapiteln mit jeweils beigefügtem Literaturverzeichnis werden archäologische Forschungen rund ums Moor vorgelegt. Die spektakulärsten - aber nicht unbedingt immer aufschlussreichsten - Funde sind Moorleichen, sie  werden in diesem Band ausgespart. Der Faszination Moorleichen ist nämlich ein eigener Band gewidmet worden.

Carsten Ritzau und Lena Strauch setzen sich einleitend mir dem Hochmoor als einmaligen Lebensraum und “nassen Geschichtsbuch” auseinander. Von der Moorentstehung über den Lebensraum bis hin zur Bedeutung von Mooren als einzigartige archäologische Tresore spannt sich der inhaltliche Bogen. Ein komprimierter Überblick über die einzigartige (Fund-)Landschaft.

Mystische Moorlandschaften stehen zusätzlich noch bei Lena Strauch im Mittelpunkt. Zwischen wirtschaftlicher Nutzung und künstlerischer Inspiration bieten Moore eine weite Spanne für Realität und Fantasie.

Frank Both und Mamoun Fansa, die auch für den Band “Faszination Moorleichen” verantwortlich zeichnen, bieten in zwei Kapitel Überblicke über Moorwege und ihre Forschungsgeschichte im Weser-Ems-Kreis. Moore sicher und schnell zu durchqueren, war zu allen Zeiten ein Anliegen. Die dazu angelegten Bohlenwege sind der Forschung schon lange bekannt. Ihre Bauweise und ihr feuchtbodenbedingter exzellenter Erhaltungszustand bieten der Forschung mehr Erkenntnisse als so manch anderer zur Sensation aufgeblasener Einzelfund.

Vier hölzerne Übungsschwerter stellt Philipp Roskoschinski vor. Die durch sie gewonnen Einblicke in die militärische Ausbildung im Babaricum der älteren Römischen Kaiserzeit, spricht für ein regelmäßiges Waffentraining.

Frank Both unterzieht Rad und Wagenentwicklung einer genaueren Betrachtung. Aus Wagenresten, die  quer durch die Urgeschichte bis in das Mittelalter nachgewiesen wurden, sind Rückschlüsse auf Transport und Verkehr möglich. Eine Reihung dieses Beitrags im Anschluss an die Ausführungen über Bohlenwege wäre m. E. thematisch sinnvoller gewesen.

Erhard Cosack stellt Überlegungen zu einem Brotopfer beim Bohlenweg XII (Ip) im Ipweger Moor an. Vom am Schreibtisch interpretiertem Brotopfer bis zum im Experiment verwendeten Achsfett”brot” reichen die interessanten Ausführungen.

Zuletzt wird noch das “Erfolgsmodell Einbaum” von Christina Wawrzinek näher beleuchtet. Denn auch diese sind aus Feuchtgebieten des Oldenburgerraumes bekannt und werden hier katalogsystematisch vorgestellt.

Der Band bietet einen guten Überblick über die Feuchtbodenfunde und den Forschungsstand in Nordwestdeutschland. Deutlich wird dabei, wie wesentlich organische Reste zum Klären offener chronologischer, wirtschaftlicher und ganz allgemein lebenspraktischer Fragen beitragen. Spannend aufbereitet und somit für Fach- und Laienpublikum gleichermaßen wertvoll.

© S. Strohschneider-Laue

O, schaurig ist’s, übers Moor zu gehn. 220 Jahre Moorarchäologie

Siehe auch:

Faszination Moorleichen. 220 Jahre Moorarchäologie

Ebensolch | AmazonStore
AugenBlick | AmaZino

Faszination Moorleichen

Donnerstag, 03. November 2011

Non-Fiction

Frank Both und Mamoun Fansa
Faszination Moorleichen
220 Jahre Moorarchäologie
Schriftenreihe des Landesmuseum Natur und Mensch 80.
Philipp von Zabern 2011, 119 S, zahlr. Sw- und Farbfotografien.
ISBN 978 3 8053 4360 2

Faszination Moorleichen. 220 Jahre Moorarchäologie

Im Rahmen der Ausstellung 220 Jahre Moorarchäologie im Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg sind zwei Begleitschriften erschienen. Vorliegende stellt die Moorleichen aus dem Weser-Ems-Raum in den Mittelpunkt.

Moorleichen sind ein steter Quell überraschender Erkenntnisse, die weit über das Erscheinungsbild des Menschen zwischen Eisenzeit und Mittelalter hinausgehen. Zugleich werfen sie leider oft mehr Fragen auf, als sie Antworten liefern. Was auch daran liegt, dass sie zumeist Zufallsfunde ohne ideale wissenschaftliche Bergungsbedingungen sind. Für die Ausstellung konnten jedenfalls neue Untersuchungen vorgenommen werden, deren Ergebnisse in diesem Band - inklusive einer Überschau aller bisherigen Funde - vorgelegt werden.

Komplette Moorleichen, ein Zopf, ein Hautstück sowie ein Knochen in einem Schuh bieten ganz unterschiedliche Aspekte zum Tod der einzelnen Individuen. Auch die Beifunde, der Beitrag von Julia Gräf widmet sich minutiös dem Fellumhang der Kayhauser Moorleiche, lassen nicht automatisch durch ihre exzellente Erhaltung einen allgemeingültigen “modischen” Rückschluss auf den gesamten Zeithorizont zu. Fundumstände, Erhaltungsbedingungen und Interpretationen, die sich im Laufe der Zeit - nicht nur aufgrund labortechnischer Möglichkeiten - verändern, zeigen, wie schwierig es ist, mit diesen spektakulären Funden zu verfahren. Andererseits ist der im Moor beerdigte 1828 verstorbene Hausierer Jan Spieker für die Archäologie ein wunderbares Beispiel dafür, wie Erhaltungs- und Verfallsprozesse im Moor in einem exakt überschaubaren Zeitrahmen ablaufen. Dennoch sorgen von der Analyse über Interpretation bis hin zur Präsentation im musealen Rahmen Leichen(teile) aus Mooren immer wieder für neuen Diskussionsstoff.

Der Verdienst des Bandes ist es, die historischen Fakten von Fund und Befund inklusive reichen Bildmaterials, durch ein Literaturverzeichnis abgerundet, vorzulegen und diese durch aktuelle Untersuchungen zu ergänzen. Der wichtige Beitrag zur Moorarchäologie ist zugleich auch breitenwirksam vorgelegt und kann daher dem interessierten Laienkreis ebenfalls empfohlen werden.

© S. Strohschneider-Laue

Faszination Moorleichen. 220 Jahre Moorarchäologie

Siehe auch:

O, schaurig ist’s, übers Moor zu gehn. 220 Jahre Moorarchäologie

Ebensolch | AmazonStore
AugenBlick | AmaZino

Sitularia - Klänge aus der Hallstattzeit

Sonntag, 09. Oktober 2011

eb_000_011.gif

Michaela Lochner (Hg.)
mit Beiträgen von Alexandrine Eibner, Michaela Lochner, Albin Paulus und Beate M. Pomberger
Sitularia
Klänge aus der Hallstattzeit

ÖAW 2011, 1 CD, Laufzeit 40′31”, 104 S. farbig mit Fotos und Zeichnungen illustriertes Booklet
ISBN 978 3 7001 7002 0

Sitularia - Klänge aus der Hallstattzeit Sitularia: Klänge aus der Hallstattzeit

Das Archäologinnen- und MusikerInnenteam um die Herausgeberin Michaela Lochner lädt zu einer Ohrenreise in die Klangwelt vor mehr als 2.500 Jahren ein. In minutiöser Zusammenarbeit werden die Mittel der Musikarchäologie voll ausgeschöpft, um das Spektrum der Instrumente als auch das damit verbundene Klangerlebnis zu rekonstruieren.

Die Hinweise auf Musikinstrumente aus der Hallstattzeit (ca. 800 -500 v. Chr.) sind spärlich. Obwohl der kulturelle Raum von Ostfrankreich bis in das Karpatenbecken und von Norditalien über Adria bis Balkanhalbinsel reicht. So stehen mehr Bildquellen als tatsächliche Reste von Musikinstrumenten zur Auswertung zur Verfügung. Seiten-, Blas- und Rhythmusinstrumente, die zum Teil eine Tradition bis in die Gegenwart haben, sind in Form und in Spielweise nur bedingt rekonstruierbar.

Das zugehörige Booklet - eigentlich eine ausgewachsene Publikation mit gehaltvollen 104 Seiten - bietet in drei Kapiteln einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand. Im ersten Kapiteln wird die Quellenlage vorgestellt. Erstaunlich aus wie vielen winzigen Details - meist Abbildungen auf Tongefäßen sowie Metallarbeiten und weniger tatsächliche Überreste von Objekten - Instrumente rekonstruiert werden können, wobei der Gesang, das natürlich gegebene Instrument, am schwersten fassbar wird. Diese Bildquellen werden im zweiten Kapitel einer genaueren Betrachtung unterzogen. Da sie auch Einblicke in Alltag und Feste gewähren und damit deutlich werden lassen, wann, wo, wie und von wem musiziert wurde. Dem Instrumentenbau ist das dritte Kapitel gewidmet. Rekonstruktion von Instrumenten ist eine große Herausforderung, die neben den archäologischen Quellen auch historische, ethnologische Vergleiche zieht und einen großen Part musikalische Erfahrung berücksichtigt. Anmerkungen und ein umfangreiches Literaturverzeichnis beschließen den archäologischen Publikationsteil. Die letzten 20 Seiten sind den Musikstücken, dem Ensemble Cantlon und den Biografien gewidmet.

Das Ensemble Cantlon (Albin Paulus, Nadège Lucet, Niki Fliri, Patrick Feldner) sowie Gastmusikerin Beate Maria Pomberger und Dichter David Stifter haben die ältere Eisenzeit auf der CD anklingen lassen. Rund 40 Minuten hallstattzeitliche Klangsphäre begleiten das Lesevergnügen. Erstklassige Musik mit dem “Gerne-wieder-hören-Faktor”, die sicher häufiger gespielt werden wird.

Die Kombination aus wissenschaftlicher Publikation und Klangsphäre ist jedenfalls einzigartig. Dazu kommt noch der optische Genuss durch exzellente Bebilderung und grafische Gestaltung.

© S. Strohschneider-Laue

Sitularia: Klänge aus der Hallstattzeit

Höre auch:
Knochenklang: Klänge aus der Steinzeit

Ensemble Cantalon: Syrinx, Leier & Co.


Ebensolch | AmazonStore
Teeblätter | AmazonStory/e
Gastmahl | Ama/Koch/zon/e
AugenBlick | AmaZino

Textilkunst

Dienstag, 06. September 2011

Non-Fiction

Karina Grömer
Textilkunst in Mitteleuropa
Geschichte des Handwerks und der Kleidung vor den Römern
 
Mit Beiträgen von Regina Hofmann-de Keijzer (Färben) und Helga Rösel-Mautendorfer (Nähen).
Veröffentlichungen der Prähistorischen Abteilung (VPA) 4

Naturhistorisches Museum Wien 2010, 474 S., 474 Seiten mit über 200 Fotos, Grafiken und Illustrationen.
ISBN 978 3 9024 2150 0
ISSN 2077 - 3943

Prähistorische Textilkunst Prähistorische Textilkunst in Mitteleuropa

Die Leichtigkeit des Textes lässt kaum vermuten, dass die kulturhistorisch spannende Publikation aus einem internationalen Forschungsprojekt resultiert. Das EU-Projekt „DressID ‒ Clothing and Identities. New Perspectives on Textiles in the Roman Empire“, ermöglichte die genaue Untersuchung vorrömischer Textilien am Naturhistorischen Museum Wien.

Fünf gut untergliederte Kapitel führen interessierten Laienkreis und wissenschaftliches Fachpublikum gleichermaßen in den aktuellen Forschungsstand rund um das Textilhandwerk ein. So bietet die Einführung einerseits Basiswissen zum urgeschichtlichen Mitteleuropa und andererseits fundierte Grundlagen rund um prähistorische Textilfunde. Chronologietabelle, Lebensbilder und zahlreiche Fotos ergänzen den Text.

„Handwerkstechniken ‒ von der Faser zum Stoff” präsentiert den gesamten Herstellungsablauf vom Rohmaterial über Aufbereitung, Verarbeitung und Veredelung bis hin zum genähten Endprodukt von Textilien. Bestechend ist das erarbeitete Schema, das zusätzlich zu zahlreichen Grafiken und Fotos die Arbeitsabläufe leicht nachvollziehbar sowie optisch gut fassbar macht.

Das archäologische Fundmaterial besteht selten aus ganz erhaltenen Textilien. Zumeist sind nur winzige “Stofffetzen” erhalten geblieben. Dass sich daraus dennoch Herstellungstechniken, Produktionsabläufe und Vertriebsstrukturen rekonstruieren lassen, ist minutiösen Analysen zu verdanken. Überraschend offenbaren sich dabei Produktionsniveaus, soziologische Aspekte sowie der enorme Stellenwert der Textilproduktion, dessen Arbeitsanteil im Tagespensum hoch war.

Textilien wurden nicht nur für Bekleidungszwecke erzeugt. In prähistorischer Zeit war der Gebrauch in allen Lebensbereichen üblich und schloss somit auch das Totenbrauchtum ein. Textilien waren aufwendig herzustellen und daher wertvoll. Flicken und recyceln von Geweben bis zum endgültigen Verschleiß waren selbstverständlich. Das Schema zur Gewebeverwendung macht die zahlreichen Primär- und Sekundärnutzungen deutlich.

Der Bekleidung wird auch aus trachtgeschichtlichen Gründen Aufmerksamkeit zuteil. Chronologisch gegliedert und über den Textilanteil hinausgehend vermittelt die Autorin, aus wie vielen zeitlich und räumlich verteilten Quellen kostümkundliche Rekonstruktionen schöpfen. Dieses Gewebepuzzel ist zu lückenhaft, um allgemeingültig zu sein. Neben zahlreichen Beispielen werden Bekleidungsreste - ein Ausnahme-Ensemble - der Gletschermumie vom Hauslabjoch „Ötzi” ausführlich vorgelegt.

Eine kurze englische Zusammenfassung rundet den Band ab. Im Anhang sind das benutzerfreundliche Glossar zu textilkundlichen und archäologischen Begriffen, das Abbildungs- und das umfangreiche Literaturverzeichnis sowie Namens-, Orts- und Sachregister zu finden.

Ein großer Verdienst des Werkes ist es, publikumswirksam das Vorurteil einer in grau-braune Wolle gehüllte Urgeschichte zu einer Vorstellung zu wandeln, die designreiche und farbenfrohe Stoffvielfalt vorzieht. Der vorgelegte aktuelle Forschungsstand belegt, dass ausgefeilte Techniken, kreative und organisierte Schaffensprozesse bei einer erstaunlich vielfältigen Produktpalette bereits in prähistorischer Zeit Standard waren. Die großzügige Illustration von Produktions- und Nutzungsprozessen runden den Lesegenuss optisch perfekt ab.

Ein unverzichtbares Standardwerk!

© S. Strohschneider-Laue

Prähistorische Textilkunst in Mitteleuropa


Ebensolch | AmazonStore
AugenBlick | AmaZino

Ötzi, die Räter und die Römer

Dienstag, 04. Mai 2010

Non-Fiction

Luisi Righi, Stefan Wallisch
Ötzi, die Räter und die Römer
Folio 2009, 175 S., zahlr. Farbfotos und Karten
ISBN 978 3 85265 486 9

 Ötzi, die Räter und die Römer

Wandern ist kurzweilig und lehrreich, wenn es mehr als nur Bewegung im Freien ist. Die vorliegenden archäologischen Ausflüge Südtirols lohnen sich daher sowohl für Bewegungsfreudige wie Bildungshungrige. Südtirol hat in jeder Hinsicht viel zu bieten. Es ist landschaftlich reizvoll, klimatisch überraschend vielfältig und bietet archäologisch ab der Steinzeit ein breites Spektrum an Sehenswürdigkeiten.

Das Autorenteam dieses Bandes schlägt 46 archäologische Wanderungen in Südtirol - mit dem Herzstück des Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen - vor, die es sprichwörtlich “in sich” haben. Zehn Schwerpunkte gliedern die Wanderungen, die auch einen Abstecher nach Osttirol inkludieren. Den Auftakt machen Exkursionen zum Archäologie Museum in Bozen sowie zum berühmten Südtiroler “Ötzi” und in seinen Lebensraum.  Jagd, Wohnen, Handwerk und Waffen, Götter, Steine, Räter, Römer, Antike Straßen und Begegnungen, die Archäologie und Mysterium verbinden, sind die nachfolgend aufgegriffen Themenbereiche.

Der praktische und strapazfähige Begleiter, passt in jedes Wandergepäck. Die gut struktuierten Überblicksinformationen kombiniert mit praktischen Tipps, guten Fotos, übersichtlichen Wegbeschreibungen und kleinen Karten bieten eine solide Basis und machen Lust auf mehr. Die gewünschte “Mehrinfo” bieten die Museen, die in den Wanderrouten eingebunden sind. Streckenangaben, Rastmöglichkeiten und andere wichitige Informationen werden unter “kurz & bündig” zu jedem Routenvorschlag benutzerfreundlich am Ende zusammengefasst. In den ausklappbaren Umschlagseiten verbergen sich Pläne und die numerisch kartierten Sehenswürdigkeiten. Literaturhinweise runden den kompakten Reiseführer zur Archäologie in Südtirol ab.

© S. Strohschneider-Laue

Ötzi, die Räter und die Römer

Ebensolch | AmazonStore

Archäologie: Europäische Straßen

Mittwoch, 16. September 2009

Non-Fiction

Thomas Szabó (Hg.)
Die Welt der europäischen Straßen
Von der Antike bis in die Frühe Neuzeit
Boehlau 2009, Dt., Eng., Fr., Ital., Span., 378 S., sw. Abb.
ISBN 978 3 4122 0336 8

 Die Welt der europäischen Straßen: Von der Antike bis in die Frühe Neuzeit

Eine urgeschichtliche, antike oder mittelalterliche Straße ist mehr als eine interessante und oft schwer nachweisbare Baustruktur. Wege und Straßen stellten - oft über weite Strecken - vielfältige Verbindungen her. Dabei darf nicht vergessen werden, dass großräumige Straßennetze bis in die Gegenwart hinein nur vordergründig zum Transport von Handelsgütern und dem Personenverkehr dienen. Straßen ermöglichten in Zeiten vor der Entdeckung moderner Kommunikationsmittel wie der Telegraphie raschen Austausch von Informationen und Befehlen sowie dem Militär effiziente Truppenverschiebungen. Genau aus diesen Gründen war - und wird - die staatliche Finanzierung von Hauptverbindungen gewährleistet, während das Nebenstraßensystem mehr oder minder ein Anrainerproblem blieb. Nicht überschätzt werden darf der Personenverkehr, der selbst in Knotenpunkte wie der Großstadt Byzanz, in der Fernhandelswege und Heerstraßen eine Rolle spielten, gering war. Ein bedeutender Faktor ist der mit guten Straßen einhergehende wirtschaftliche und kulturelle Austausch, wobei der “Ideentransport”, der ebenfalls von den Straßen profitierte, am schwersten wissenschaftlich fassbar ist. 

Die Beiträge belegen ab den frühen Bohlenwegen aus der Mitte des 4. Jahrtausends, dass bestehende naturräumliche Gegebenheiten im Zusammenspiel mit historischen, politischen, religiösen und wirtschaftlichen Faktoren den Aufbau eines Straßennetzes in vieler Hinsicht zugleich förderlich wie abträglich sein konnten. Das baulich und rechtlich systematisierte antike Straßensystem, das sich seinerseits an bestehenden Wegenetzen orientierte, ist auf Grund der schriftlichen und archäologischen Quellenlage oft besser fassbar als Straßenstrukturen früherer oder sogar nachfolgender Epochen. Es bildet zudem vielerorts die Basis nachfolgender Straßen. 

Straßenforschung ist ohne interdisziplinäre Kooperationen nicht denkbar. Die Sichtung von Schriftquellen sowie die Gewinnung und die Aufarbeitung archäologischer Funde und Befunde sind erforderlich, um solide wissenschaftliche Ergebnisse zu erzielen. Sicher ist, Altstraßen beeinflussten historische Entwicklungen maßgeblich und die Gegenwart wäre ohne sie undenkbar.

Der Sammelband des gleichnamigen Kolloquiums in Göttingen (2006) bietet trotz seiner sprachlichen Hürden einen exzellenten Überblick zur Forschungsgeschichte und zum aktuellen Stand der Straßenforschung. Die Abhandlungen von 19 WissenschafterInnen beziehen Stellung zu “Antike”, “Das europäische Mittelalter”, “Die Zeugnisse der Archäologie”, “Die Straßen in der mittelalterlichen Literatur und Kunst”, “Von der Kartographie zu den Poststraßen” und “Das Straßenwesen in der Neuzeit”. Eine wesentliche Schwachstelle des fünfsprachigen Bandes zeigt sich in fehlenden mehrsprachigen Zusammenfassungen der Artikel. Es wäre Pflicht der Wissenschaftsredaktion gewesen für Resümees in Deutsch und Englisch Sorge zu tragen. Das gute zusammenfassende Nachwort zu “Ergebnissen und Problemen” von Thomas Szabó entschädigt für das Fehlen jedenfalls nicht. 

© S. Strohschneider-Laue

Die Welt der europäischen Straßen: Von der Antike bis in die Frühe Neuzeit

Ebensolch | AmazonStore

Griechenland hören

Donnerstag, 28. Mai 2009

eb_000_011.gif

Antje Hinz
Griechenland hören
Silberfuchs Verlag 2009, 1 CD, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 09 6

Griechenland hören Griechenland hören - Das Griechenland-Hörbuch: Eine klingende Reise durch die Kulturgeschichte Griechenlands von den Mythen bis in die Gegenwart

Griechenland, die Wiege Europas: Von der ersten europäischen Hochkultur bis zum modernen Mitglied der EU führt die Hörreise. Zwanzig Kapitel spannen einen genialen Bogen von der Blütezeit, Zerfall und Auferstehung Griechenlands über 5000 Jahre hindurch bis in die Gegenwart. Der Schwerpunkt dieser Silberfuchs-Hörreise liegt auf der Antike. Verständlich, denn Griechenland als Staatsgefüge zeichnet sich durch Jahrhunderte mit Absenz aus. Als Kulturfaktor und prägend für die historische, politische und soziale Entwicklung Europas war Griechenland allerdings stets gegenwärtig. 

Die Hochblüte Griechenlands entwickelte alle wesentlichen Aspekte europäischer Zivilisation. Kontakte zu anderen Hochkulturen schufen wirtschaftliche und kulturelle Grundlagen. Nach der Entwicklung einer eigenen Schrift erlebten Philosophie, Naturwissenschaft, Geschichtsschreibung und Literatur pure Höhenflüge. Was Solon für die Demokratie bedeutete, bedeutete Perikles für den Aufschwung Athens. Perserkriege und der schwelende Konflikt zwischen den antiken griechischen Großmächten Athen und Sparta trennten und vereinten die Griechen zu gleichen Teilen. Untrennbar mit der Philosophie sind vor allem Sokrates, Platon und Aristoteles verbunden. Alexander der Große steht hingegen für politische Entwicklung, militärische Expansion und die Verbreitung des kulturellen griechischen Erbes weit und nachhaltig über die damaligen Grenzen hinaus. Das kulturelle Erbe Griechenlands war auch in Rom willkommen, was sie nicht von der Übernahme Griechenlands abhielt, sondern diese sogar beschleunigte.
Und wieder war es die Sprache und die Schrift, die eine neue Zeit einläutete. Die altgriechische Verkehrssprache des Mittelmeerraumes war etwa zwischen 300 v. bis 600 n. Chr. die Koine. Die Schriften des Neuen Testamtens erreichten dadurch in kurzer Zeit sehr viele Menschen. Das Christentum wurde zur prägenden Religion Griechenlands. Byzanz, Kreuzfahrer, Venezianer, Türken traten in wechselnder Folge die Herrschaft über das zersplitterte Griechenland an. Nur das Griechentum geriet nicht in Vergessenheit.
Zerrissen wie der geographische Eindruck von Festland und Inselwelt ist daher die politische und religiöse Entwicklung Griechenlands ab römischer Zeit. Fremdherrschaften, Monarchien, Kriege, Widerstände und Vertreibungen kamen und prägten Land und Menschen. Der Weg des heutigen Griechenlands in eine moderne Demokratie war steinig. Neben vielen anderen Aspekten europäischer Zivilisation und Tradition sind die populärsten echte griechischen Highlights: Homer, Olympia und Theater. Und überaus passend kam der Vorschlag jährlich eine europäische Kulturhauptststadt zu zelebrieren von der griechischen Künstlerin Melina Mercouri. Und zuletzt sollte man nie vergessen, dass die Demokratie eine gebürtige Athenerin (um 600 v. Chr.) ist und maßgeblich für die Europäische Union ist, der Griechenland seit 1981 angehört.

Akustisch unterlegt von zahlreichen exzellent ausgewählter musikalischer Klänge aller Epochen - u.a. von musica romana - und stimmlich getragen von Rolf Becker. Mit wohl modulierter Sprache gelingt es ihm Stimmungen und komplexe Inhalte zu einer spannenden Einheit zu verweben. Roswitha Rösch zeichnet erneut für gelungene Cover-Gestaltung und Grafik verantwortlich. So macht es wirklich Freude den unentzifferbaren “Diskos von Phaistos” in die CD-Lade zu werfen und Griechenland zu hören.

Hörprobe

© S. Strohschneider-Laue

höre auch:
China hören
Deutschland hören
Frankreich hören

Indien hören 
Israel hören
Niederlande hören
Russland hören
Türkei hören
Ungarn hören

Ebensolch | AmazonStore
Teeblätter | AmazonStory/e
Gastmahl | Ama/Koch/zon/e
AugenBlick | AmaZino

Lust auf Archäologie!

Dienstag, 14. April 2009

ab acht

Wolfgang Korn
Lust auf Archäologie!
Igel Genius 2009, 5 CDs, 350′, Booklet.
ISBN 978 3 89353 256 8

Lust auf Archäologie Lust auf Archäologie! Detektive der Vergangenheit

Fünf CDs sind Detektiven mit dem Spaten auf der Spur. Die fast 6-stündige Hörreise entstand nach der Buchvorlage Detektive der Vergangenheit: Expeditionen in die Welt der Archäologie. Archäologiefans ab 10 Jahren und Erwachsene werden hier vollständig auf ihre Kosten kommen.  

Die geniale Balance zwischen anspruchsvollen Inhalt und sprachlicher Klarheit ist hervorstechend. Passend gezogene Querverweise - unter anderen zu aktuellen Verhältnissen - klären auch komplizierte Sachverhalte oder Fachbegriffe bei gleichbleibend hohem Niveau. Abwechslungsreich vorgetragen von Bernt Hahn, Ingeborg Wunderlich, Dominik Freiberger und Michael Kamp wird zusätzlich die Spannung beim Hören aufrecht gehalten. 

Quer durch die Forschungsgeschichte, quer durch die Zeiten und vor allem quer durch die Methoden werden Meilensteine der Archäologie vorgestellt. Spektakuläre Entdeckungen, berühmte Forscher, Irrtümer und moderne Methoden werden anhand anschaulicher Beispiele zu einer spannenden Forschungsreise in die Vergangenheit.

Die erste CD ist den Grundlagen der Archäologie - wie ist denn alles unter die Erde gekommen, wieso wird es wieder entdeckt - und der Urgeschichte gewidmet.
Die Probleme und Entdeckungen der archäologischen Forschung zwischen Wissenschaft und Plünderung werden auf der zweiten CD angerissen.
Berühmte Archäologen wie Koldewey, Wooley und Schliemann, ihre Ausgrabungen und ihre Ergebnisse werden auf der dritten CD vorgestellt.
Berühmte Fundstätten (Olympia, Troja) und die Verfeinerung der Methoden von der Stratigrafie bis zur Dendrochronologie werden auf der vierten CD näher betrachtet.
Sensationelle Funde der Bronzezeit, wie der Fund von Nebra, Wikinger, Moorleichen und Eismumien stehen auf der fünften CD im Mittelpunkt.

Wer mit diesem toll aufbereiteten archäologischen Hörerlebnis nicht glücklich wird, sollte sich ein anderes Interessensgebiet suchen.

© S. Strohschneider-Laue

Lust auf Archäologie! Detektive der Vergangenheit
Detektive der Vergangenheit: Expeditionen in die Welt der Archäologie
50 Klassiker Archäologie: Die wichtigsten Fundorte und Ausgrabungsstätten  -  Rezension

ab acht | Amazon (Wissen)Store

Basel: 50 000 Jahre

Donnerstag, 19. Februar 2009

Non-Fiction

Guido Lassau
Zeitreisen durch 50 000 Jahre Basel
Christoph Merian 2009, Dt./Engl., 72 S., 22 farbige Abb.
ISBN 978 3 85616 466 9

Zeitreise Basel Zeitreisen durch 50000 Jahre Basel

Guido Lassau, Kantonsarchäologe von Basel, macht mit prägnanten Texten und Fotos Lust auf archäologische Entdeckungstouren in Basel. Von der Altsteinzeit bis ins Spätmittelalter führt seine Zeitreise.

Elf Fundorte, die repräsentativ für ihren Epoche oder Zeitabschnitt sind, werden in Wort und Bild vorgestellt. Die kurzen Abrisse führen auch archäologische Neulinge sprachlich leicht fassbar und fesselnd in die für die jeweilige Zeit kennzeichnenden Situationen wie Umwelt, Lebensweise, technische Entwicklungen oder soziale Strukturen ein. Verweise auf die Häufigkeit, Verteilung oder Weiterentwicklung der Fundstellen verschaffen eine guten Eindruck der Besiedlungsgeschichte Basels. Eine Besiedlungsgeschichte, die mit den ersten Begehungen durch die noch nicht sesshaften Neandertalern der Altsteinzeit ihren Anfang nimmt und bis zu den städtischen Strukturen im Mittelalter reicht.

Anschaulich illustriert werden die Texte durch die Gegenüberstellung von digitaler Rekonstruktion der Vergangenheit und aktuellem Foto des Fundortes. Für die exzeptionellen Rekonstruktionen, die den Fotos der Fundorte maßstäblich entsprechen, zeichnet Digitale Archäologie verantwortlich. Der Umschlag des Buches ist abnehmbar und entpuppt sich beim Aufklappen als Luftbild von Basel. Die im Buch beschriebenen Fundorte sind auf dieser fotografischen Übersichtskarte verortet und leicht auffindbar.

Ein idealer Reisbegleiter sowohl für archäologisch Interessierte als auch für Schulen in Basel und Umgebung - für letztere ein eindeutiges “Muss”. Ein weiteres gelungenes Produkt der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt und definitiv beispielgebend für alle Elfenbeintürmler in vergleichbaren Institutionen.

© S. Strohschneider-Laue

Zeitreisen durch 50000 Jahre Basel

siehe auch:
Auf dem Basler Münsterhügel  -  Rezension

Ebensolch | AmazonStore

Keltisch Kochen

Freitag, 11. April 2008

eb_000_011.gif

Achim Werner
Keltische Kochbarkeiten
Theiss 2007, 96 S., zahlr. Farbfotos.
ISBN 978 3 8062 2085 8

Keltische kochen Keltische Kochbarkeiten

Es muss nicht immer Wildschwein sein… Die keltische Küche ist vielfältiger als sie uns populäre Comics einreden wollen. Profis haben dieses Buch möglich gemacht. Allen voran der Archäologe Achim Werner, der als versierter Hobbykoch darauf achtet, was in den Topf kommen darf. Als echter Fachmann, glaubt er nicht alles zu wissen, sondern prüft selbst und berät sich mit andern Profis. Und so hatten doch etliche mutige Ver- und Vorkoster sowie weitere Fachleute die Finger an und in seinen keltischen Schmortöpfen. Daher werden nicht nur Experimentalarchäologen und unerschrockene archäologische Laien an diesem Buch ihre Freude haben, sondern alle, die gerne kochen, essen und zusätzlich noch den inhaltlichen Mehrwert duch die kulturhistorischen Zusatzinformationen genießen möchten.

Vorgelegt werden übersichtlich und im praktischen Format 60 Rezepte. Fotografisch ins stilgerechte Licht gerückt, lassen sich die präsentierten Speisen spielend zu mehrgängigen Menues kombinieren, die verwöhnte Gaumen udn Augen beeindrucken werden. Suppen, Brote, Salate, Vegtarisches und Fleischiges sowie Süßspeisen und Getränke füllen die Speisekarte. Da ist wirklich für alle vom Vollwertköstler über Fleischtiger bis zum Süßschnäutzchen etwas dabei. Meine persönlichen Favoriten sind das Dinkelbrot mit Bärlauch gefolgt von Brennesselgemüse mit Eiern sowie Rehrücken in Metmarinade und zum Nachtisch dann noch Honigquark mit Haselnüssen und Birnen. Köstlich! Schön ist vor allem, dass wir heute nicht mehr jahreszeitlich an Nahrungsmittel gebunden sind, sondern das meiste davon ganzjährig zur Verfügung steht. Genau deshalb gibt es bei den Rezepten auch immer wieder Hinweise auf “Ersatzstoffe” aus dem Tiefkühlfach statt Trockenware oder Empfehlungen andere Kräuter zu nehmen. Pro Seite wird ein Rezept vorgestellt. Zutaten übersichtlich vorangestellt und anschließend folgt eine möglichst unkomplizierte Kochanleitung. Und für keines der Rezepte ist eine hochtechnisierte Küche notwendig. Manches ist durchaus “lagerfeuerfähig” auch wenn im Glossar durchaus auch hochprofimäßiger Küchenjargon erklärt wird.

Eine kleine Bestimmungshilfe für Wildkräuter runden den Band ab; denn es ist möglich, auch das eine oder ander Kräutlein vom nächsten Spaziergang heimzubringen. Trotzdem beherzigen Sie den Rat des Autors und sammeln sie nicht unbedacht alles, was lecker aussieht, gut riecht und eventuell sogar gut schmeckt. Ein köstlich aussehender Knollenblätterpilz genügt in winzigen Portionen, um aus einem guten Gericht eine letzte Mahlzeit werden zu lassen. Mal ganz abgesehen von fachkundiger Beratung bei Pilzen und Pflanzen, Bioläden, Apotheken, Marktstände und gut sortierte Supermärkte haben alles im Angebot, was der engagierte Keltenkoch begehrt.

Die Behauptung des Autors auf Food-Design und Styling verzichtet zu haben, ist meines Erachtens Understatement. Angerichtet ist alles überaus appetitlich und stilgerecht ins keltische Licht gerückt. Vielleicht hätte das eine oder ander Foto etwas schärfer oder farbechter ausfallen können, aber das mag auch drucktechnisch bedingt sein und tut der auch im Gesamtlayout sehr ansprechenden Rezeptesammlung keinen Abbruch.

Und wer noch immer nicht genug vom keltischen Kochen und Essen hat, sollte auf der Kochseite des Autors vorbeisurfen und sich mit den neuesten Rezepten vertraut machen.

© S. Strohschneider-Laue

Keltische Kochbarkeiten

Ebensolch | AmazonStore
Gastmahl | Ama/Koch/zon/e

Basler Münsterhügel

Freitag, 11. April 2008

eb_000_011.gif
Andrea Hagendorn, Eckhard Deschler-Erb
mit einem Beitrag von Guido Lassau
Auf dem Basler Münsterhügel. Die ersten Jahrtausende
Archäologische Denkmäler in Basel 5
Christoph Merian 2007, 66 S., 30 Farb- und 10 Sw-Abb.
ISBN 978 3 85616 345 7

Basel Münsterhügel Auf dem Basler Münsterhügel

Der Münsterhügel im Zentrum von Basel ist seit rund 3000 Jahren besiedelt. Bis zu drei Meter hoch sind die in diesem Zeitraum von seinen Bewohnern zurückgelassenen Kulturschichten. Das freut Archäologinnen und Archäologen, denen es dank zahlreicher Rettungsgrabungen gelang, die Geschichte der Besiedlung zu rekonstruieren. Die Broschüre “Auf dem Basler Münsterhügel. Die ersten Jahrtausende”, Band 5 der Reihe “Archäologische Denkmäler in Basel”, folgt den Spuren der ersten Siedler, welche die Vorzüge des Siedlungsareals für sich entdeckten.

Den natürlichen Schutz seiner steil zu Rhein und Birsig abfallenden Hänge wussten bereits die Bewohner der ersten, in der Spätbronzezeit (1300-800 v. Chr.) errichteten, befestigten Siedlung zu schätzen. Dennoch verließen sie am Ende der Bronzezeit den Münsterhügel. Seine bis heute kontinuierlich fortdauernde Besiedlung setzte erst um 80 v. Chr. ein, als das Sicherheitsbedürfnis der keltischen Bevölkerung angesichts der wachsenden Bedrohung durch die Germanen zunahm. Die von einer mächtigen Wall-Graben-Anlage geschützte keltische Siedlung diente als Adelssitz und Zentralort. Nach der Eroberung Galliens geriet auch der Münsterhügel unter die Kontrolle der Römer, unter deren Befehl die keltischen Adeligen nun die Rheingrenze sicherten. Die Befestigung der Siedlung wurde eingeebnet, neue vom römischen Baustil beeinflusste Häuser entstanden. Mit der Verlegung der römischen Reichsgrenze büßte die Ansiedlung auf dem Münsterhügel ihre strategische Bedeutung ein. Viel wichtiger war nun die Anbindung an das römische Straßennetz und die damit gegebene Möglichkeit am überregionalen Handel Teil zu haben. Erst in der zweiten Hälfte des krisengeschüttelten 3. Jahrhunderts n. Chr. wurde die römische Grenze wieder an den Rhein zurückverlegt und der Münsterhügel erneut mit einer massiven Mauer befestigt. Mit dem von Kaiser Valentinian beaufsichtigtem Ausbau der Grenzbefestigung erlebte Basel eine kurze Blütezeit, bevor um 400 n. Chr. die römischen Truppen endgültig abzogen und die Zivilbevölkerung auf sich gestellt zurück blieb.

Andrea Hagendorn und Eckhard Deschler-Erb erzählen mit großer inhaltlicher und sprachlicher Klarheit vom Leben und Sterben der Bewohner des Münsterhügels und deren archäologischen Hinterlassenschaften. Dabei verlieren sie trotz faszinierender Detailbefunde niemals das große Ganze aus dem Blick. Die Geschichte der Besiedlung wird stets in Beziehung zum überregionalen Zeitgeschehen gesetzt, aus dem sich die wechselnde strategische und wirtschaftsgeographische Bedeutung des Standortes bedingte. Unterstützt durch ausgezeichnetes, abwechslungsreiches Bildmaterial entsteht so ein anschaulicher Ablauf des Siedlungsgeschehens.

“Auf dem Basler Münsterhügel. Die ersten Jahrtausende” macht Lust auf einen Spaziergang über das Areal. Dank des von Guido Lassau verfassten, von zahlreichen Plänen begleiteten chronologischen Überblicks der Siedlungsentwicklung, finden sich auch Ortsfremde leicht zurecht. Die grafisch attraktiv gestaltete Broschüre vermittelt Stadtgeschichte in jeder Hinsicht vorbildlich.

© Ch. Ranseder

Auf dem Basler Münsterhügel

siehe auch:
Zeitreisen durch 50000 Jahre Basel   -   Rezension

Ebensolch | AmazonStore