Artikel mit ‘Gastblog’ getagged

Als meine Mutter die Küche nicht mehr fand

Donnerstag, 27. Dezember 2012
Non-FictionEbensolch Rez-E-zine 72/12

Jörn Klare
Als meine Mutter die Küche nicht mehr fand

Vom Wert des Lebens mit Demenz
Suhrkamp 2012, 270 S.
ISBN 978 3 5184 6401 4

Demenz Als meine Mutter ihre Küche nicht mehr fand

Demenz - Weg ins Vergessen

Jörn Klares Buch ist eines, das zu großer Aufmerksamkeit zwingt. Bei der Begleitung seiner 75-jährigen Mutter durch ihre Demenzerkrankung trifft er nicht nur auf Fachleute zur Alterswissenschaft, der Pflege, der Philosophie, der Theologie. Er begegnet auch immer wieder auf seine eigene Geschichte, die mit der Lebensgeschichte seiner Mutter eng verbunden ist und es auch in der Zeit des Vergessens bleibt. Die zahlreichen Fragen an ExpertInnen machen deutlich, dass sie helfen, rationale Erklärungen zu finden.

Fragen, Antworten und Rätselhaftes

Die Antworten, die ihm seine Mutter gibt, bleiben oft genug ein Rätsel. Jörn Klare lernt, sie ungelöst sein zu lassen und ihr damit ein Leben zu ermöglichen, das ihr die größtmögliche emotionale Sicherheit bietet.
Mit den Rückblenden in ihr Leben, die er einige Jahre vor Ausbruch der Erkrankung aufgenommen hat, seinen Berichten über die gemeinsame Reise durch die Tage ihres Daseins als demenzkranker Mensch zeichnet er ein sehr persönliches Bild und schreibt zugleich ein Buch, das in seiner Klarheit und Einfachheit unendlich viele Facetten des Themas “Demenz - eine der größten Herausforderungen der heutigen Zeit für Wissenschaft, Medizin und Solidarität untereinander” beleuchtet.

Jörn Klare

Jörn Klare ist bekannt als Autor von Reportagen und Features. Er wurde 2008 und 2012 mit dem Robert-Geisendörfer-Preis ausgezeichnet.

© B. Meinhard-Schiebel

Demenz Als meine Mutter ihre Küche nicht mehr fand

Ebensolch | AmazonStore
AugenBlick | AmaZino

Von Mode und Büchern

Sonntag, 23. Dezember 2012
Non-FictionEbensolch Rez-E-zine 72/12

Der Zufall wollte es, dass Ebensolch Rez-E-zine eine hohe Ehre zuteil wurde: Die weihnachtliche Gastbeitrag-Wichtelrunde der wortstarken Texttreff-Frauen teilte Susanne Ackstaller meinem Buchblog zu. Die Gründerin von Texttreff.de führt mit Texterella ihren eigenen Modeblog und schreibt seit kurzem auch die Modekolumne in DIE WELT. Mit ihrem Beitrag verknüpft sie elegant Bücher mit Mode und macht zugleich Lust auf mehr eigene Modeakzente.

Die modische Seite der 26 Buchstaben

Was kommt wohl dabei heraus, wenn eine Modebloggerin für ein Buchblog schreiben darf? Genau: ein Beitrag über Modebücher. Genauer: über meine Lieblingsmodebücher! Und davon gibt es einige. Zugegebenermaßen sind sie selten große Literatur, um nicht zu sagen: eigentlich nie. Dafür aber immer ein Augenschmaus, eine stilistische Inspiration, ein Plädoyer für mehr Mode-Mut. Auch wenn sie dabei manchmal ein wenig über die Stränge schlagen.

Iris Apfel

Mein Lieblingsmodebuch ist A rare bird of fashion. Der Bildband ist eine Hommage an den expressiven Stil der über 90-jährigen New Yorker Stil-Ikone Iris Apfel: Auf über 158 Seiten präsentiert sie einen überschäumenden Mode-Mix aus verschiedenen Jahrzehnten und diverser Couturiers, aus Kleidern, Schmuck und Schuhen. Wunderbar anzuschauen, nicht immer tragbar und ganz sicher nichts für Schüchterne. Zugleich eine Aufforderung zu Mode jenseits des Mainstreams, für einen ganz eigenen ausdrucksstarken Stil. Ja, dafür stand und steht Iris Apfel. (Ich selbst habe mir übrigens im Sommer ein Iris-Apfel-Collier geleistet - da hat man wirklich was am Hals).

Audrey Hepburn

Anderes Buch, anderer Stil, andere Ikone: Audrey Hepburn. Die zarteste Versuchung seit es Hollywood gibt … Audrey Style zeigt uns Audrey von ihren bekannten und weniger bekannten Seiten - und ist eigentlich mehr eine modische Biografie als ein Stilführer. Ganz en passant erfahren wir dennoch, was zur Grundausrüstung à la Audrey gehört (Hèrmes-Schal, schwarze Sonnenbrille und ein „What-the-Hell”-Stück, unter anderem) und wie man sich wie Holly oder Sabrina schminkt. Und was ihre modischen Grundsätze waren. Zum Beispiel: „Wear your clothes - don’t let them wear you.”

Scott Schuman

Dann steht in meinem Buchregal natürlich auch noch „The Satorialist” von dem Streetstyle-Blogger schlechthin: Scott Schuman. Das Buch zeigt uns die stylishen Seiten einiger Welt-Metropolen: sehr viel New York, ein bisschen Mailand, Florenz, Paris, Stockholm. Überall hat er Frauen und Männer, wagemutigen bis klassischen Stil, modische Momente und überraschende Augenblicke mit seiner Kamera eingefangen. Spannend, das Buch durchzublättern und die Unterschiede von Stadt zu Stadt zu sehen …

Ari Seth Cohen

Und weil Weihnachten ist, habe ich auch noch einen Wunsch: „Advanced Style“. Das Buch fehlt mir noch in meiner Sammlung. „Advanced Style” ist ein Streetstyle-Buch der besonderen Art, fotografiert Ari Seth Cohen doch ausschließlich ältere bis hochbetagte New Yorkerinnen. Und die sind so was von „Wow!” - einfach großartig! Womit sich dann wieder der Kreis schließt - zur fabelhaften Iris Apfel.

© S. Ackstaller

Siehe auch
Als Gast-Blogwichtel war ich dieses Jahr mit Bloggen - ein wichtiges Vergnügen für die Übersetzerin, Lektorin und Texterin Dr. Sonja Vilei dabei.

Ebensolch
Teeblätter
Textzone

Nardo y los Zapatitos de Oro

Sonntag, 09. Oktober 2011
ab achtEbensolch Rez-E-zine 68/11

Sandra López
Nardo y los Zapatitos de Oro

Amiguitos 2011, 31 S., farbig illustriert (Nardo und die goldenen Schuhe erscheint 31.10.’11)
ISBN 978 3 9430 7911 1

Nardo und die goldenen Schuhe

Mit diesem Kinderbuch hat die Autorin Sandra López dem wohl berühmtesten Sportler Ecuadors ein literarisches Denkmal gesetzt. Jefferson Leonardo Pérez Quezada ist dreifacher Weltmeister und Olympiasieger in der Disziplin „Gehen”. Seine Goldmedaille 1996 war die erste Olympiamedaille, die ein Sportler aus Ecuador gewonnen hat. Bis heute ist er trotz wiederholter Verletzungen erfolgreicher Teilnehmer an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Damit ist er zu einem Idol einer ganzen Nation geworden.

Jefferson „Nardo” Peréz stammt aus einem ärmlichen Vorort der ecuadorianischen Stadt Cuenca. Sein Vater ist früh verstorben, seine Mutter musste 5 Kinder alleine aufziehen, die neben der Schule alle mithelfen mussten, die Familie finanziell über Wasser zu halten. Kinderarbeit steht in diesem Viertel und vielen anderen Gegenden Lateinamerikas ganz selbstverständlich auf der Tagesordnung. Das Buch begleitet den achtjährigen Nardo, wie ihn seine Mutter nannte, und seinen sechsjährigen Bruder Fabian auf einem sehr kurzen Stück ihres Weges. Es sind die letzten Ferienwochen, bevor Fabian eingeschult wird und auch für Nardo ein neues Schuljahr beginnt.
Die Schuluniformen sind bereits unter großen Entbehrungen angeschafft. Der größte Wunsch der beiden Kinder sind dazu passende neue Schuhe, wie sie in einer Auslage ein Paar gesehen haben.
Die Geschichte schildert, wie die beiden gemeinsam mit Ausdauer, maximalem Einsatz und Fleiß zusätzlich Geld verdienen, um diese Schuhe, die für sie „den Preis von Gold” haben, kaufen zu können. Rückschläge und Enttäuschungen bleiben ihnen nicht erspart, doch am Ende erreichen sie ihr Ziel.

Die Form des Kinderbuches wurde wohl gewählt, weil mit dieser wahren Geschichte den Kindern und Jugendlichen aus armen und meistens tristen Verhältnissen Mut gemacht werden soll. Es soll gezeigt werden, dass auch Ihnen alle Möglichkeiten offenstehen, wenn sie ein Ziel vor Augen haben, für das sie bereit sind, Entbehrungen in Kauf zu nehmen und konsequent daran arbeiten, es zu erreichen. Die Geschichte vermittelt auch den Wert von Freundschaft und vom Zusammenhalt der Familie und lässt nicht unberücksichtigt, dass es auf dem Weg zum Erfolg oft Helfer und Förderer gibt, die in diesem Buch Schutzengeln genannt werden.

Der Erfolg dieses Buches in Ecuador ist zweifellos mit dem Namen des berühmten Sohnes dieser Nation verbunden. Das Erscheinungsdatum 2009, also nach dem Gewinn der zweiten Olympiamedaille (olympisches Silber 2008 in Peking) spielt dabei natürlich eine wichtige Rolle. Für die deutsche Übersetzung würde ich die Erwartungen nicht zu hoch schrauben und vor allem ist dieses Buch aus meiner Sicht in unserem Kulturkreis keinesfalls für Kinder in der Altersklasse, an die es sich aufgrund des sprachlichen Niveaus und der Illustrationen richtet, geeignet. Die Lebensumstände von Nardo und seiner Familie, Kinderarbeit von früh morgens bis spät abends mit guten Chancen, auf dem Heimweg überfallen und ausgeraubt zu werden, bedürfen einer Erklärung. Die idealisierende Darstellung der Lebenssituation der Menschen in diesem armen Viertel, die durch die fröhlichen Illustrationen verstärkt wird, ist zu hinterfragen.

Für Jugendliche kann man allerdings sowohl die deutsche Übersetzung und das spanische Original als Unterrichtsmaterial empfehlen, um die gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation vieler lateinamerikanischer Länder zu erläutern.

Weltweiter Erfolg ist dem Buch jedenfalls zu wünschen, denn mit dem Erlös aus dem Verkauf wird die Jefferson Perez Stiftung unterstützt, die „Nardo” ins Leben gerufen hat, um Kinder und Jugendliche aus finanziell benachteiligten Schichten zu unterstützen. Er selbst hat neben seiner Sportlerlaufbahn auch ein Universitätsstudium abgeschlossen und nützt nun seinen Ruhm und seine finanziellen Möglichkeiten, um soziale Verantwortung für all jene wahrzunehmen, die noch dort stehen, wo auch er als Kind begonnen hat: am äußersten Rand der Gesellschaft.

© P. Kunz

Siehe auch:
Cantado y contado para los amiguitos. Spanisch für Kinder

El tesoro de cuentos / Der Märchenschatz: Cuentos y fábulas de España y Latinoamérica / Geschichten und Fabeln aus Spanien und Lateinamerika
El tesoro de cuentos / Der Märchenschatz: Hörbuch zum Buch CUENTOS Y FÁBULAS DE ESPAÑA Y LATINOAMÉRICA / Geschichten und Fabeln aus Spanien und Lateinamerika
- Rezension
fútbol en España / Fußball in Spanien - Rezension


Ebensolch | AmazonStore
ab acht | Amazon (Wissen)Store
AugenBlick | AmaZino