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Wikinger Kochbuch

Montag, 27. Juni 2011

Non-Fiction

Saeta Godetide, Carolin Küllmer 
Wikinger Kochbuch 
J. Neumann-Neudamm, FEL!X 2011, 161 S., zahlr. Farbfotos.
ISBN 978 3 7995 0859 9

Wikinger Kochbuch Das Wikinger-Kochbuch

Aus wenigen Epochen liegen Küchenrezepte vor, auf die man bei seinen Recherchen aufbauen kann. Kochbücher, wie das des römischen Starkochs Apicius, haben quer durch die Geschichte Seltenheitswert. Hinter historischen Kochbüchern steckt daher sehr viel Arbeit. Es gilt in Originalquellen zu recherchieren, Funde und Befunde von Ausgrabungen zu analysieren und mit viel Sachkenntnis rund um die zeitgenössische Flora und Fauna sowie mit Geduld zu experimentiert. Nicht zuletzt gilt es persönliche Opfer zu bringen, wenn es um das Verkosten der Erstversuche geht. Dass sich alle diese Mühen lohnen, zeigt das vorliegende Buch.

Dass die beiden Autorinnen nicht im luftleeren Raum ihren Brei rührten, belegen die Einführungskapitel. Zuerst werden Zeitrahmen, Umfeld und Bewohner vorgestellt; denn über die Wikinger kursieren zwar unausrottbare Gerüchte, aber um so weniger bekannte Gerichte. Göttermythen, Ausgrabungsfakten und vor allem eine riesige Portion Reenactment-Erfahrung liefern eine nachvollziehbare Basis, die es auch ermöglicht, selbst eine Lagerküche auszustatten.

Der übersichtlich gestaltete Rezeptteil folgt der heutigen Tradition, das Essen mit der Suppe beginnen zu lassen und es nach der Hauptspeise mit dem Dessert zu beenden. 50 Rezepte mit Angaben wie viele (oft sehr viele!) Personen man damit verköstigen kann und wie viel Aufwand es bedeutet, diese Speisen über einem offenen Feuer zu kochen, lesen sich wie ein appetitlicher Erfahrungsbericht. Lebenspraktisch und nachvollziehbar sind die Beschreibungen, die selbstverständlich auch in einer modernen Küche zubereitet werden können. Zahlreiche Fotos begleiten die Rezepte, sodass an einem appetitlichen Ergebnis kein Zweifel aufkommen kann.

Wildkräuter- und Brotsuppe, Sauerteigbrot mit Kräuterquark, Gemüsespieße, Dinkelsalat oder vegetarische Buletten erfreuen auch Vegetarier. Fleisch in Unmengen kam nämlich auch bei den Wikingern nicht auf den Tisch. Aber Fisch ist ja auch nicht zu verachten. Allein die Heilbuttsuppe und die Fischbällchen sind es wert, das Fleisch stehen zu lassen. Andererseits mag auch ein Fleischtopf mit Rotkohl, ein Methuhn oder Hammel  mit Kohl viele Anhänger gewinnen. Hirsebrei, Eierkuchen und Holundersuppe mit Grießklößchen ist hingegen der Traum für alle Leckermäulchen. Andere Spezialitäten polarisieren wahrscheinlich. Gesengter Lammkopf und der berüchtigte fermentierte Hai sind eher etwas für unverdrossene und mutige Esser.

Nützliche Tipps abseits der Rezepte schließen sich zuletzt an. Wann man am besten zu Wildfrüchten und Kräutern kommt, verrät der Sammelkalender und Saetas Einkaufsliste sollte man wie eine Gabe der guten Küchenfee beherzigen. Literaturliste und Internetverweise beschließen das ebenso lebensfroh wie reich bebilderte Wikingerkochbuch inhaltlich.

© S. Strohschneider-Laue

Das Wikinger-Kochbuch


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Spaghetti Bolognese in Kenia?

Sonntag, 26. Juni 2011

Notiz

Essen oder speisen?

Lebensmittel © Sistlau

Beliebigkeit dominiert die Speisekarten:

Würfelbouillion mit exakt einem grünen Fettauge als Vorspeise. 
Frisch zubereitetes Tiefkühlschnitzel - formgleich - als Hauptgang.
Zur Auswahl plastikpinke oder fugengipsbraune Maschinentorte als Nachspeise. 

Wenn die Fabriksnorm dominiert, wird sie zur Masse. Wenn Masse für gut gehalten wird, liegt es zumeist daran, dass Beliebigkeit vergleichbar ist. Alles, was nicht vergleichbar ist, wird unbeliebt, weil unbeliebig. Wer also zur Mehrheit gehören und von dieser akzeptiert werden will, bevorzugt Fabriksprodukte, die massengesellschaftskonform sind.

Fertiggerichte werden möglichst billig erzeugt. Durch Fooddesign (Form, Farbe, Konsistenz, Bissgeräusch, Aromen etc.), Verpackung und Namensgebung werden sie aufgewertet. Werbung und Massentouristenhaltung sorgen für den Gewöhnungsvorgang. So kann auch daheim die Illusion vom “Speisen wie im Urlaub” vermittelt werden.

Uniformes Essen ist kein Qualitätsmerkmal, sondern ein gelungenes Verkaufsgespräch.

Kein Vergleich also zur Rindfleischsuppe mit Gartengemüse, dem Zwiebelfleisch mit Zucchini und den Nussecken, die meine Mutter zubereitet. Solch unglaublicher Genuss bleibt jenen vorbehalten, die Individualität bevorzugen. Andererseits fahren wir nicht nach Kenia, um Spaghetti Bolognese zu essen.

© S. Strohschneider-Laue

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Süßes im Glas

Montag, 16. Mai 2011

Non-Fiction

Stefanie Knorr 
Süßes im Glas  
Thorbecke 2011, 187 S., zahlr. Farbfotos.
ISBN 978 3 7995 0859 9

Süßes im Glas

Stefanie Knorr weiß, was wichtig ist, daher sind die Basics die Overtüre dieser süßen Oper. Vom Aprikotieren bis zur Rührmasse und von “Bl” wie Blatt und “Tl” wie Teelöffel hält sie unmissverständlich fest, was gemeint ist. Und da nicht nur das Produkt selbst wichtig ist, sondern auch das Ambiente, in dem es genossen wird, informiert sie in einem Kurzüberblick über historische bäuerliche und bürgerliche Essgewohnheiten sowie über die stilvolle Kaffeetafel.

Obwohl natürlich ein einheitlich aufgedeckter Tisch als klassisch und in der Gastronomie als üblich zu betrachten ist, unterschreibe ich persönlich nicht, dass von ihr geforderte Muss nach einheitlichem Geschirr. Selbst das den Text illustrierende Foto beweist, wie nett individuell gemischtes Geschirr - zu sehen sind zwei verschiedene Sammelgedecke, die ab den 50er-Jahren in Mode kamen - für jeden Gast sein können. Harmonisch abgestimmte Vielfalt gegen konforme Einfalt ist m. E. bei einigen Gelegenheiten die bessere Variante. Grundsätzlich gilt aber, dass jedes der Rezepte als krönender Abschluss für ein perfektes Dinner oder als denkwürdige Köstlichkeit zum Kaffeeplausch geeignet ist.

Aufgeteilt in die beiden Kapitel Desserts und Kuchen, überwiegen bei den Desserts eindeutig Zubereitungen mit Früchten, die allerdings auch bei den Kuchen nicht zu kurz kommen. Die alphabetische Reihenfolge ist praktisch. Bestechend hingegen sind die übersichtlich und wohlstrukturiert aufgebauten Rezepte, die oft von Tipps oder mit Variationsvorschlägen abgerundet werden, ohne den Kreativenfreiraum zu beschneiden. Schließlich wäre ja die Angabe jedes einzelnen Handgriffs beim Anrichten in Gläsern und Tassen der Tod der Kreativität, die letztlich einen Großteil des Dessertzaubers ausmacht. Wer es mit diesen Rezepten und fotografischen Serviervorschlägen nicht schafft ein geschichtetes Granatapfeldessert oder Espresso-Panna-Cotta zu zaubern, dem ist nicht zu helfen.

Selbst bei den Kuchen wurde auf leichte Zubereitungen gesetzt. Was exzellenten Geschmack und Konsistenz der Produkte, die alle miteinander nur edelste Zutaten enthalten, nicht mindert. Wer allerdings Nährwerttabellen etc. zum Leben braucht, sollte sowieso auf diese Desserts verzichten. Hier wird nicht zum Hinterfragen, sondern zum ultimativen Genießen aufgefordert.

Appetitlich wie die Desserts ist das praktische Buch. Das zart apricot bis rosa abgestimmte Farbkonzept unterlegt die Rezepte zurückhaltend. Die herrlichen Fotografien von Martin Schröder laden zusätzlich zum Ausprobieren ein.

© S. Strohschneider-Laue

Süßes im Glas


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WildfrüchteKüche

Mittwoch, 06. April 2011

Non-Fiction

Annette Kretzschmar
Die Wildfrüchteküche 
Thorbecke 2011, 112 S., zahlr. Farbfotos.
ISBN 978 3 7995 3568 7

Die Wildfrüchteküche

Erdbeertorte ist angeblich der Deutschen liebste Torte. Beliebt vielleicht, aber vielleicht doch nicht das beste Dessert, denn sie kann locker durch einige Rezepte aus diesem Buch getoppt werden. Überraschend, was man z. B. aus Felsenbirne, Maulbeere oder Weißdorn zaubern kann. Zwischen Berberitze und Zwetschge pflückt die Autorin 18 wunderbare und nicht immer ganz geläufige Früchte. 

Jeder Frucht wird ein gut strukturierter Überblick mit exzellenten Fotos gewidmet, der u. a. Wuchshöhe, Blüte, Erntezeit und Standort berücksichtigt. Viele der vorgestellten Pflanzen haben mehr als einen Namen, die, um Verwirrung vorzubeugen, gelistet werden. So wird Quitte z. B. auch Baumwollapfel, Köttenbaum oder Schmeckbirne genannt und Hagebutten sind auch Vielen als Hägen, Hiffen, Rosenäpfel oder Hetscherln geläufig. Erfreulicherweise wird auch Aussehen und Anbau, Verwendung in der Küche, Heilwirkung und Wissenswertem ausreichend Platz eingeräumt.

Die Früchte inhaltlich abrundend findet man zuletzt das Beste, was aus ihnen gemacht werden kann. Dazu gehören u. a. Persischer Berberitzenreis mit Geflügel, Brombeersenf, Hagebuttenlikör, Holunderbeersirup und kandierte Kornelkirschen. Die Rezepte überzeugen durch appetitanregende Kombinationen, ”Kochbarkeit” - was nicht alle Koch- und Backbücher von sich behaupten können - und ihre starke Verführung zum weiteren Experimentieren mit Wildfrüchten.

So exzellent der Inhalt, so gut der Aufbau und so ansprechend das allgemeine Layout, so wenig gelungen erweist sich optisch die grafische Gestaltung der dreispaltig angeordneten Rezepte. Dieser Abschnitt ist eine Herausforderung an Seh- und Lesefähigkeiten. Großbuchstaben, die bekanntermaßen schlecht lesbar sind, mit geringer Spationierung für die Zutatenliste und zu wenig Durchschuss im Rezeptteil bei allgemein viel zu kleiner Schriftgröße, dürfen im Layout einfach nicht passieren. Dies wird der anregenden Lektüre und ihrem hohem Nutzfaktor nicht gerecht.

Benutzerfreundliches findet sich noch im Anhang. Sammel- und Küchentipps, eine Erntetabelle, das obligate Register der Rezepte und besonders erfreulich auch die Webadressen und Bezugsquellen sowie Literaturtipps.  Dazu auch noch ein Ausflugstipp für Österreich: Arche Noah hat sich der Erhaltung der Naturpflanzenvielfalt verschrieben. Hier erhält man wertvolle Tipps und vor allem Samen und alte Nutzpflanzensorten für den eigenen Garten.

Das Buch bedient nicht nur Feinschmecker und Gartenkundige, sondern spricht den inneren “Jäger und Sammler” an. Die “Jagd” nach und das “Sammeln” von wild wachsenden Früchten kann zur Leidenschaft werden und wie bei der Autorin zu neuen Freundschaften führen. So gesehen ist die Lektüre auch ein wunderbarer Anstoß mit offenen Augen in die Natur zu gehen und heimischen Früchten eine Chance - ggf. im eigenen Garten - zu geben. Früchte, die nicht um den halben Globus transportiert wurden, in echter Erde und natürlichem Sonnenschein gereift sind, sind purer Luxus, der vor der Haustür zu finden ist.

© S. Strohschneider-Laue

Die Wildfrüchteküche

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Kulinarische Verführung

Sonntag, 19. Dezember 2010

Non-Fiction

Sabine Hueck, Margit Knapp
Höllisch scharf und himmlisch süß
Eine kulinarische Verführung 

Heyne 2009, 224 S., farbig illust. und S-w.-Fotos.
ISBN 978 3 4531 6552 6

 Höllisch scharf und himmlisch süß

In neun Gängen wird hier kulinarisch-literarisch zum Kochen verführt. Im ersten Gang trifft Nicht-Köchin Margit auf Köchin Sabine aus São Paulo. “Kochen, nein Danke!” und “leidenschaftliche Köchin” machen durch ihre Annäherung aneinander die LeserInnen neugierig aufs Hantieren mit Esswaren und nicht alltäglichen Zutaten sowie das aktive Verstehen internationaler Küchen.

Anfangs scheinen peruanische Hähnchenspieße, Ceviche im Limetten-Koriander-Dressing und Pisco Sour eine echte Herausforderung zu sein. Doch in der gemeinsamen Annäherung wird nicht nur Filmemacherin und Lektorin Margit mutiger, es beginnt auch den LeserInnen in den Fingern zu prickeln.

Von Gang zu Gang enthüllt sich die Welt der internationalen Kochkunst ein bisschen mehr. Wo man Zutat erhält, woran man sich gleich kochend versuchen kann und wofür man ein wenig mehr Erfahrung braucht, wird hier beschwingt formuliert. Ebenso luftig leicht dienen die Illustrationen und zurückhaltend eingestreuten Schwarz-Weiß-Fotos als optische Erklärung. Im Register des strapazfähigen und handlichen Buchs finden sich sämtliche Rezepte noch mal säuberlich gelistet wieder, die zuvor charmant dem Text untergeschmuggelt wurden. Erstaunlich, wie viel sich mit ein bisschen Mut und Unterstützung auf den Tisch zaubern lässt.

Fremde Kochwelten machen neugierig und die flotte Schreibe nimmt Kochmuffel mehr und mehr für die Küche und das Kochen ein. Zum immer wieder Lesen und Nachkochen.

© S. Strohschneider-Laue

Höllisch scharf und himmlisch süß

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Alles Schokolade!

Sonntag, 19. Dezember 2010

Non-Fiction

Josef Zotter
Alles Schokolade! 
Meine liebsten Rezepte für die süße Küche

Ueberreuter 2009, 224 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8000 7440 2

 Alles Schokolade!

Schokolade am Stück ist nicht einmal beim österreichischen Schokoladen-König Josef Zotter die Krönung des süßen Geschmacks. Über 100 von ihm ausgewählte Rezepte, die Schokolade im Mittelpunkt stellen, beweisen, dass es mehr als Schokoladetafeln gibt.

Nach einleitenden Worten in eigener Zotter-Sache werden Kakao und Schokolade im Überblick vorgestellt. Seine Kompetenz entfaltet sich danach in der gut vermittelnden Basis zu Qualitäten, Aufbewahrung und Handhabung des beliebten Naschwerks; denn Temperieren und Garnieren sind mit Wissen und allerlei Tricks verbunden.

Torten, Kuchen, Schnitten und Rouladen, Warme Desserts, Schokolade für Kids, Naschereien und Ausgefallenes werden übersichtlich gegliedert vorgelegt. Hilfreich und optisch ansprechend erweist sich das Layout im Rezeptabschnitt des Buches. Links jeweils das erstklassig fotografierte Profiprodukt, rechts der schriftliche Weg zum kulinarischen Ziel. Numerisch vorgelegte Arbeitsschritte werden von den randlich aufgelisteten Zutaten, die in Produktionsbereiche (z. B. Boden, Füllung, Garnitur) unterteilt sind, begleitet. Selbst der Nährwert (kcal, EW, Fett, KH, BE und Chol) pro Stück fehlt “leider” nicht, er wird darunter - mit einem diskreten Abstand und durch eine kurze Line optisch abgetrennt - angegeben. Aber selbst die erschreckenden Kalorienangaben werden wahre GenießerInnen nicht vom Verzehr der vorgestellten Köstlichkeiten abhalten.

Von gelber Schokoladenmoussetorte über herzige Nougatkuchen und warme Schoko-Zimtaufläufe bis zum Zanderfilet in Schokokruste spannt sich der Genussbogen. Wer hier nicht fündig wird und seiner Liebe zu Schokolade frönen kann, dem ist auch nicht mit dem benutzerfreundlichen Glossar am Ende des Bandes zu helfen.

© S. Strohschneider-Laue

Alles Schokolade!

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Mazzesinsel Kochbuch

Montag, 21. Juni 2010

Katja Sindemann  
Mazzesinsel Kochbuch 
Kulinarische Streifzüge durch das jüdische Wien  

Metroverlag 2009, 160 S., zahlr. Farbfotos.
ISBN 978 3 9025 1789 0

 Mazzesinsel Kochbuch: Kulinarische Streifzüge durch das jüdische Wien

Die Leopoldstadt in Wien ist die Mazzesinsel. Die Insel zwischen Donau und Donaukanal, der heutige 2. Bezirk, ist seit dem frühen 17. Jahrhundert trotz Verfolgung und Terror bis in die Gegenwart mit jüdischem Leben verbunden. Das Mazzesinsel Kochbuch rund um jüdische Festtage ist mehr als nur ein geschmackiger Wienbezug. Es ist Stadtgeschichte, Lifestyle und Kulinarium zugleich.

Die jüdische Esskultur ist vielfältig und rein gefühlsmäßig scheint der Gefilte Fisch das weltweite Bindeglied zu sein. Die in Wien zubereiteten Speisen zeichnen sich durch Einflüsse aus der gesamten Donaumonarchie aus. Die jüdische Küche ist da keine Ausnahme, dennoch kommen in Wien vor allem osteuropäische Einflüsse zum Tragen. Und zugleich spiegeln die nach rituellen Speisevorschriften zubereiteten Gerichte Religion und Geschichte gleichermaßen wider. 

Ein essenzielles Merkmal ist, dass die Zutaten von der Herstellung über die Aufbewahrung bis zur Verarbeitung koscher, also den Speisevorschriften entsprechend, sein müssen. Dass es dabei oft nicht leicht nachvollziehbare Regeln gibt, hat u.a. verschiedene historische und regionale Gründe. Was für kühlschranklose vergangene Zeiten in heißen Regionen sinnvoll war, mag heute überholt anmuten. Religiöse Traditionen werden von Gläubigen selten hinterfragt, wie man ja auch an der Tatsache erkennen kann, dass Christen den Biber wegen seines schuppigen Schwanzes ohne Zögern zum fastentauglichen Fisch erklärten. Mit einem flotten Text, dessen steter Informationsfluss Gehalt mit etlichen treffenden Witzen angereichert ist, wird das komplexe “koscher” verständlich umrissen.

Im Jahreskreis der jüdischen Feiertage werden die Gerichte vorgestellt und die Parallelen zur allgemeinen Küche sind unverkennbar. Die koscheren Produkte und die koschere Zubereitungsweise sind oft der wesentliche Unterschied von wientypischen Rezepten.

Schabbat, das jüdische Jahr, Rosh Hashana, Jom Kippur, Sukkoth, Chanukka, Purim, Pessach und Schawuoth heißen die Kapitel, unter denen die Kulinaria gelistet sind. Die Kapitel leiten mit einer, oft sehr unterhaltsamen, Beschreibung des betreffenden Festes zu den passenden Speisen über. Viele der Rezepte sind auch für ungeübte KöchInnen zu meistern und nur wenige benötigen umfassende Kocherfahrung. Und im Vertrauen, wer sich nicht an die vielen fantastischen Süßspeisen heranwagt, dem ist sowieso nicht zu helfen. Benutzerfreundliche Rezeptregister, ausgewählte Adressen und Literaturhinweise schließen einen wahren Prachtband im Kochbuchformat.

Die stimmigen Fotos von Christine Wurnig und das gelungene Layout machen das inhaltliche Vergnügen des “Mazzesinsel Kochbuchs” zu einem optischen Genuss.

Gelungen und erfreut nicht nur solche, die gerne in der Küche stehen!

© S. Strohschneider-Laue

Mazzesinsel Kochbuch: Kulinarische Streifzüge durch das jüdische Wien 

siehe auch:
Wiener Wirtshauskochbuch 
Koscher & Co: Über Essen und Religion 
Am Anfang war die Ökologie. Naturverständnis im Alten Testament 
Der koschere Knigge: Trittsicher durch die deutsch-jüdischen Fettnäpfchen

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Salz

Freitag, 25. September 2009

Non-Fiction

Ingrid Schindler, Bärbel Schermer (Texte)
Matthias Hoffmann, Frauke Koops (Fotos)

Das kleine Buch vom Salz
Teubner 2009, 192 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8338 1655 0

Das kleine Buch vom Salz

Ohne Salz läuft gar nichts. Verstreut bringt es Unglück, es wird manchmal mit Gold aufgewogen, es kann die Liebe einer Prinzessin bedeuten und ein bisschen Salz entscheidet unter Umständen über Leben oder Tod.

In der Genussreihe ist nun “Das kleine Buch vom Salz” erschienen und mein erster - eigentlich ganz unprofessioneller - Gedanke war: “Ist das aber schön!” Der Umschlag ist altrosa-silbrig wie manches Steinsalz. Die Schnittkantenkanten aus dem das silberne Seidenbändchen vorlugt, sind spiegelndes Silber. Geöffnet, beglückt sofort ein doppelseitiges Foto - exemplarisch für weitere exzellente Fotos - von in Streifen aufgestreuten vielfarbigen Salzvarianten. Wenn das Buch nicht so nützlich wäre, würde man es am liebsten nur bewundern. Ein richtiger Prachtband im handlichen Kleinformat

Schönheit ist nichts als eine vergängliche Hülle, wenn sie nicht mit Inhalt verbunden ist. Wunderbar, dass neben der Schönheit auch der Inhalt überzeugt. Die saubere Gliederung in Warenkunde, Küchenpraxis und Rezepte lässt sofort die praxisorientierten Stärken des Bandes erkennen. Da den Mythen, Fakten und Geheimnissen rund ums Salz ebenfalls nachgespürt wird, kommt neben der Praxis auch das Lesevergnügen nicht zu kurz. Der Anhang bietet einen zusammenfassende Überblick über Salzqualitäten und seine Bezugsquellen, Register und erfreulicher Weise auch die Spitzenköche, die für die Rezepte im Band verantwortlich zeichnen.

Und keine Sorge, auch wenn Salz im Mittelpunkt steht, geht es nicht nur um pikante kalte oder warme Gerichte, sondern auch um Desserts, Süßspeisen und Gebäck. Die Rezepte versprechen Kulinaria vom Feinsten. Perfekt sind dafür die Angaben vom Zeitrahmen über benötigte Zutaten und Ablauf der Zubereitung bis zum Serviertipp gegliedert. Für erfahrene KochkünstlerInnen wird in diesem Band viel Neues, Überraschendes und Verführerisches geboten. Für Neulinge ist es ein wunderbar gehaltvoller Appetizer, um mit dem Kochen anzufangen und sich für Warenkunde zu begeistern.

© S. Strohschneider-Laue

Das kleine Buch vom Salz
Das kleine Buch der Schokolade
Das große Buch der Saucen

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Schokolade

Dienstag, 22. September 2009

Non-Fiction

Ingrid Schindler, Bärbel Schermer (Texte)
Matthias Hoffmann, Frauke Koops (Fotos)

Das kleine Buch der Schokolade

Teubner 2009, 192 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8338 1656 7

Das kleine Buch der Schokolade

Theobroma cacao, die Kakaopflanze, hat die Welt verändert. “Das kleine Buch der Schokolade” erzählt GenießerInnen allerlei Wissenswertes über die süße Versuchung aus Mittelamerika. Von der Kulturgeschichte über die Warenkunde bis zur richtigen Verarbeitung spannt sich der Bogen der angeschnittenen schokoladigen Themen. Die Schokolade hat, wie Kaffee und Tee, Europa nicht nur um einen kulinarischen Genuss reicher gemacht. Ihr Konsum veränderte auch die kleinen Rituale des Alltags und des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Olmeken, Mayas und Atzteken schätzten Kakao als kostbares Getränk. Die spanischen Eroberer waren weniger von seinem bitteren Geschmack, als dem Geldwert der Bohnen angetan. Hernán Cortés erkannte das wirtschaftliche Potential des Kakaos und brachte ihn an den spanischen Hof. Dem Adel schmeckte das neue, nun mit Zucker gesüßte Heißgetränk, die Schokolade. Damit nahmen die Dinge ihren Lauf. Langsam wurde aus dem Genussmittel für Privilegierte, dank erfindungsreicher Köche und Industrieller, eine Götterspeise für die Masse. Heute wird die Kakaopflanze nicht nur in ihrer Heimat, sondern weltweit in den tropischen Zonen angebaut. Auf den Rohstoffbörsen belegt Kakao nach Erdöl und Kaffee den dritten Platz der meistgehandelten Waren. Der Siegeszug der Schokolade geht ungebrochen weiter. Als nahrhafter Frühstückstrank, Snack für Zwischendurch, verführerisches Leckerli im menschlichen Balzverhalten, geeignetes Mitbringsel für jeden Anlass, hedonistische Gaumenfreude und universaler Trostspender ist Schokolade aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Nach Wein und Käse mutierte sie in den letzten Jahren zum Lifestyle-Produkt, für das zahlreiche Spezialgeschäfte eröffnet wurden. Eine Liste von Bezugsquellen für hochwertige Schokoladen ist auch im Buch zu finden.

Mit theoretischem Wissen gerüstet, können Schokoliebhaber nun zur Tat schreiten. “Das kleine Buch der Schokolade” bietet eine Fülle von Rezepten. Den Auftakt machen die pikanten Gerichte. Ja, auch dafür eignet sich Schokolade! Es folgen Süßspeisen und Desserts. Den krönenden Abschluss bilden die Rezepte für Pralinen, Torten und Konfekt. Fotografisch dokumentierte Arbeitsschritte zeigen bei kniffeligeren Aufgaben, wie es geht. Im begleitenden Text sind Tipps zu finden. Die von Spitzenköchen zubereiteten und angerichteten Speisen wurden von Fotografen wunderbar in Szene gesetzt. Alles ist vom Feinsten und lässt beim Betrachten das Wasser im Mund zusammenlaufen. Also genug der Worte, ich brauche jetzt ein Stückchen Schokolade! Es empfiehlt sich bei der Lektüre von “Das kleine Buch der Schokolade” die Lieblingssorten griffbereit zur Hand zu haben.

© Ch. Ranseder

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Das große Buch der Saucen

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Die Kunst des Essens

Montag, 21. September 2009

Fiction

MFK Fisher
Die Kunst des Essens
Herausgegeben und übersetzt von Brigitte Ebersbach
edition ebersbach 2009, 168 S.
ISBN 978 3 938740 88 0

Die Kunst des Essens: Anleitung zum Genuss

Mary Frances Kennedy Fisher (1908-1992) gehört zu den großen Damen der kulinarischen Literatur. Die erzählerische Kraft und Lebendigkeit ihrer sehr persönlich gefärbten Essays über Kochen und Essen sind unübertroffen. Mit Kochbüchern haben ihre literarischen Leckerbissen nichts gemeinsam. Gelegentlich wird ein Rezept erwähnt, doch eigentlich geht es um den geselligen Akt des Essens, die Freuden der Nahrungszubereitung und die verführerische Qualität der Zutaten. MFK Fisher beschreibt Geschmack, Konsistenz, Farbe und Duft der Lebensmittel, dass einem beim Lesen das Wasser im Mund zusammenläuft. Im Mittelpunkt der kulinarischen Geschichten stehen aber stets Menschen. Sie tragen die Erzählung und treiben die Handlung voran. Meist schöpft Fisher aus dem großen Repertoire eigener Erinnerungen an die Kochkünste und Vorlieben von Freunden, Familienmitgliedern, Wirten und Zufallsbekanntschaften. Sie schreibt über die kleinen, alltäglichen Dinge des Lebens: Ihre Freude, wenn sie als Kind der Großmutter beim Marmeladekochen helfen durfte. Den Geschmack der ersten Auster. Die Kniffeligkeit ein Familienessen reibungslos über die Bühne zu bringen. Manchmal gerät sie dabei ins Philosophieren. Über die Veränderungen des Geschmacksinns, der mit dem Altern einhergeht, zum Beispiel. Geschickt komponiert sie eigene Beobachtungen und Beschreibungen längst nicht mehr praktizierter Haushaltsrituale ihrer Kindheit mit kulinarischer Kulturgeschichte oder Zitaten der Klassiker zu locker-leichten Texten.

Dass auch in der deutschen Übersetzung Fishers Eleganz der Sprache, ihr Witz und die Präzision ihrer Beschreibungen von Menschen, Orte und Situationen erhalten bleibt, ist der große Verdienst von Brigitte Ebersbach. Die von ihr für “Die Kunst des Essens” ausgewählten und perfekt ins Deutsche übertragenen Texte entstammen vier Büchern von MFK Fisher, die zwischen 1937 und 1949 erschienen. Als 20-gängiges Menü dargeboten, lassen die sinnesfreudigen Essays, bei deren Lektüre vor dem inneren Auge in goldenes Licht getauchte Bilder idyllischen Lebens entstehen, die mühselige Realität des Alltags vergessen.

In “Achthundert Tage und Nächte Kauen und Schlucken” meint MFK Fischer, dass kulinarische Experimente in Jugendjahren zeigen würden, “… wohin man sich entwickeln wird, das heißt, für welche der beiden oft zitierten Möglichkeiten man sich entscheidet: ob man isst, um zu leben, oder ob man lebt, um zu essen”. Ich gehöre zu jenen, die Essen weil es notwendig ist. Für mich ist Einkaufen eine Quälerei, kochen würde ich am liebsten mit dem Flammenwerfer, damit es schneller geht, und der Gedanke stundenlang bei Tisch zu sitzen, treibt mir die Schweißperlen auf die Stirn. “Die Kunst des Essens” habe ich dennoch mit Begeisterung verschlungen und mich dabei prächtig unterhalten. Damit ist eines bewiesen: MFK Fishers Texte sind auch für kulinarische Muffel ein Genuss.

© Ch. Ranseder

Die Kunst des Essens: Anleitung zum Genuss

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Wiener Wirtshauskochbuch

Dienstag, 28. April 2009

Non-Fiction

Christian Hauenstein, Klaus Kamolz, Ingo Pertramer
Wiener Wirtshaus Kochbuch
Metroverlag 2009, 160 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 9025 1782 1

Wiener Wirtshaus Kochbuch  Wiener Wirtshauskochbuch

Ein Wiener, ein Kärntner und Salzburger gehen in Wien zum Wirten… Und herauskommt kein Witz, sondern ein Buchschmankerl! Stammtisch, Menutafel und Speisen in feinsten Nahaufnahmen, Storys zum Einlesen und Rezepte zum Nachschmecken. Ein geniales viergängiges Menu plus Lesevergnügen nach Wiener Art für daheim - wo immer das auch sein mag.

Noch bevor ganz wienerisch aufgekocht wird, gibt es einen guten historischen Überblick zum Wiener Wirtshaus. Und vieles ist bis heute gleich geblieben, vor allem wenn es um die Wandlungsfähigkeit geht. Oder die Tatsache, dass im 19. Jahrhundert in 83 von 155 Neulerchenfelder-Häusern ein Ausschank zu finden war. Viel Unterschied ist das meines Erachtens nicht, wenn man bedenkt, dass heute rund 800 Wirtshäuser in Wien um Gäste buhlen. Und trotz der Veränderungen in den Lebensgewohnheiten und der wachsenden Vielfalt internationaler Restaurants, ist das Wiener Wirtshaus mit seiner Speisekarte und Ausstattung sich selbst und damit die Kundschaft ihm treu geblieben.

Holzverkleidung an den Wänden, Schiffboden, Holztische mit Menagerie (Zahnstocher, Salz, Pfeffer und Maggiflasche), Extrazimmer mit Tischdecken und die Budel (Tresen) mit Vitrine in der sich Pez, Mannerschnitten und Bensdorp Schokoladeriegel stapeln, sind nicht nur Erinnerungen an vergangene Kindheitstage. Erinnerungen, die geprägt sind von fetten Suppen, riesigen Fleischportionen - bei denen knackiges Gemüse Nebensache aber gut Verkochtes mit Einbrenn Hauptsache war - und dem süßen Salat, der die Vitamine beisteuerte. Und unvergessen sind die Süßspeisen, die das von mir ungeliebte Beuschl perfekt ersetzten. Auch wenn sich die Portionen in Größe und Fettanteil an den heutigen Kundenwunsch angepasst haben, sind die Optik und die Angebote doch die alten geblieben und sie erfreuen sich einer erstaunlichen Renaissance in der jungen Wiener Szene.

150 Rezepte zum problemlosen Nachkochen typischer Suppen, Vorspeisen, Hauptspeisen und den unverzichtbaren Nachspeisen enthält die Sammlung. Alle wohl gegliedert und in typisch österreichischem Sprachgebrauch (Erdäpfel, Paradeiser, Semmelbrösel, Schwammerl) vorgestellt. Wientouristen schon deshalb dringend zu empfehlen; denn internationale Stadtkultur unterscheidet sich inzwischen fast nur noch durch Essen und Sprachgebrauch von den allweltlichen touristischen Beliebigkeiten. Aber keine Sorge, das Glossar hilft weiter, wo das Wörterbuch Deutsch-Österreichisch versagt. Und was haben die Einheimischen - gemeint sind alle ÖsterreicherInnen und nicht nur die WienerInnen - davon? Ganz ehrlich, wer weiß noch, wie man Kalbsbries, Fiakergulasch, Linsen mit Knödel, Polsterzipfe oder gefüllte Dalken zubereitet? Schließlich geht man für den Genuss dieser Speisen ins Wirtshaus. Nein nicht nur, man hat das Buch zum Nachschlagen im Kochbuchregal stehen, fährt mit dem Finger die Zeilen im Register hinunter und überrascht seine Gäste mit einem unüblichen Essen, das nicht wie üblichen aus dem Wok oder vom Raclettegrill stammt.

Erfrischend zeitgeistig und unverschnörkelt präsentieren sich Buch und Inhalt. Zum übersichtlich gegliederten und großzügigen Layout gesellen sich die etwas anderen Porträts von Ingo Pertramer. Er hat mit seinen Fotos auf das Wirtshausdetail geschaut. Es gibt zwar zur Kapiteleinleitung auch das eine oder andere Supperl, Fleischstück oder Knöderl zu sehen, aber eigentlich steht das Ambiente mit seiner unverkennbaren Ausprägungen im Mittelpunkt. Es geht nicht um plastifizierte Food-Fotografie essensähnlicher Pappendeckel, sondern um das Brotkörberl, die Kleiderhaken, die Emailschilder und die handbeschriebene Menuetafel.

Köstlich, ich habe mich schon lange nicht mehr an einem Kochbuch mit einem solchen Appetit voll-gelesen, genuss-gesehen und satt-gegessen. Ich werde wohl meinem kochenden Freundeskreis und meine deutsche Verwandtschaft mit einem Karton Wiener Wirtshauskochbücher beglücken. Bei diesem günstigen Buchpreis bleibt mir sogar noch genug übrig, um mir ein Seiderl, Erdäpfelgulasch und Palatschinken servieren zu lassen.

Mahlzeit!

© S. Strohschneider-Laue

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Friaul Essen und Trinken

Freitag, 27. März 2009

Non-Fiction

Gerd Wolfgang Sievers
Friaul genießen
200 authentische Rezepte und Lokaltipps
Brandstätter 2009, 160 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 85033 228 6 

Friaul genießen  Friaul genießen: 200 authentische Rezepte und Lokaltipps

Friaul, die Landschaft im Nordosten von Italien, mit ihrer Landeshauptstadt Udine ist ein touristischer Reizpunkt. Eingebettet zwischen Venetien, karnischen Alpen, Slowenien und Adria wurde das ehemalige langobardische Herzogtum durch unterschiedliche kulturelle und politische Einflüssen geprägt. Diese Vielfalt zeichnet sich auch in den Sprachen der Region ab. Neben Italienisch wird furlanisch, slowenisch und deutsch gesprochen.

Und kein Wunder, dass sich somit auch die Küchenkunst als abwechslungsreich erweist. Gerd Wolfgang Sievers hat sich als Profikoch in seiner zweiten Heimat auf die Spurensuche nach der authentischen Küche begeben. Und er hat sich für die Bauernküche entschieden, die die Region Julisch-Venetien mit ihren maritimen Schwerpunkten und Einflüssen ausklammert.
Gut so! 
Getreide, Hülsenfrüchte und Fleisch - insbesondere Wild - stehen nicht auf jedermanns Speisezettel. Aber ganz ehrlich, wollen Sie tatsächlich ”jedermann” sein? Jemand der das Unbekannte verschmäht, um Gewohntes zu konsumieren? Wo ist die Entdeckerlust, die alle Sinne - also auch den Gaumen - anspricht? Keine Sorge, wenn man Friaul ohne Julisch-Venetien als Gourmet erkundet, muss man trotzdem nicht auf Fisch verzichten und ganz bestimmt nicht verhungern.

Von der Vorspeise bis zum süßen Schluss ist der friulanische Tisch reichlich und abwechslungsreich gedeckt. Radicchio mit Wurst oder Wachtelbohnen, eingelegte Pilze (Halimasch) oder mit Zitronensaft marinierte rohe Forellenfilets zur Vorspeise klingen fantastisch, aber Hirschschinken mit Honig lässt mir sprichwörtlich das Wasser im Munde zusammen laufen. Rollgerste-Bohnen-Suppe ist mir danach etwas zu üppig, aber Spinatsuppe klingt passend. Vor allem damit noch Platz für die gegrillte Forelle bleibt. Auf die Muscheln werde ich aus ganz persönlichen, überlebenstechnischen Gründen wohl wieder einmal verzichten müssen. Es ist schon Pech, wenn man nicht nach dem Geschmack, sondern nach der Verträglichkeit entscheiden muss, was serviert werden darf. Die Polenta lasse ich ebenfalls aus, sonst passt nichts mehr hinein und es gibt doch noch so viele gute Speisen zu verkosten. So gute Speisen wie die Tagliatelle mit Wildschweinsauce oder die Brennnessel-Gnocchi. Die Entenbrust von der Grillplatte oder der Hase süß-sauer muss es dann unbedingt noch sein. Dann kann ich getrost auf Pilze, Gemüse und Eierspeisen verzichten, um mich mit letzter Kraft den Süßwaren zuzuwenden. Süßwaren wie Ramandolo-Gebäck oder Maronitorte. Die Obstvarianten lasse ich aus, so gesunde Köstlichkeiten ist mein Körper nicht gewohnt und ich will es ja nicht gleich bei der ersten authentischen Friaul-Mahlzeit restlos übertreiben. Schließlich wurde Rom nicht in einem Tag erbaut und Friaul kann nicht in einem Tag kulinarisch erkundet werden.

Nein, Friaul kann definitiv nicht an einem Wochenende mit dem Gaumen und Magen erfasst werden. Zum Vorverkosten, Miterleben und Nachgenießen, wenn Norditalien Urlaubsziel ist, ist “Friaul genießen” sehr empfehlenswert. Dennoch sollte man kein Einsteigerkochbuch erwarten. Die speziellen landestypischen Zutaten sind sicher nicht überall leicht zu beschaffen. Und Schengener-Abkommen hin oder her, wenn man einen Lastwagen beladen mit Spezialitäten “für den privaten Bedarf” über die Grenze bringen will, fällt man sicher negativ auf. Für weniger versierte KöchInnen - die Rezepte sind exzellent beschrieben und sollten keine Probleme bereiten - ist dieses Buch ein idealer Friaulbegleiter. Ausgewählte Lokaltipps, Hinweise auf Weinfeste und ein Glossar, das ein wenig umfangreicher hätte ausfallen dürfen, runden das appetitliche Buch ab.

Erwähnt sei noch, dass Gliederung und Layout übersichtlich und ansprechend sind. Und selbstverständlich ist das Buch strapazfähig genug, um einen ständigen Kücheneinsatz zu überleben. Schön, dass Gerd Wolfgang Sievers nicht nur Kochen und Schreiben kann, sondern auch ein Händchen für das Fotografieren hat. Die Fotos zeigen nicht nur die Speisen von ihrer appetitlichsten Seite, sondern sie bestechen besonders durch ihre trügerische Schlichtheit. Perfekt zubereitete und servierte Gerichte, die trotzdem echt wirken, und normale Menschen, die keine Nip-Tuck-Opfer sind, sieht man in Publikationen nur noch selten. Meist wirken von der Avocado bis zur Servierkraft alle Beteiligten wie Pappe, Plastik und Haarspray, dieses Gefühl hat man hier nicht - vielen Dank dafür!

© S. Strohschneider-Laue

Friaul genießen: 200 authentische Rezepte und Lokaltipps

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Geschichte des Essens & Trinkens

Sonntag, 15. März 2009

Non-Fiction

Klaus E. Müller
Kleine Geschichte des Essens und Trinkens
Vom offenen Feuer zu Haute Cuisine

Beck 2009, 175 S., 16 Abb.
ISBN 978 3 406 58349 0

Kleine Geschichte des Essens und Trinkens Kleine Geschichte des Essens und Trinkens: Vom offenen Feuer zur Haute Cuisine

Manche Bücher erinnern mich an glückliche Besuche in Museen. Die “Kleine Geschichte des Essens und Trinkens” ist so ein Buch. Beim Lesen entstand vor meinem inneren Auge das Bild eines Gemischtwarenladens, wie ich ihn unzählige Male in Stätten des kulturellen Bewahrens und Präsentierens gesehen habe. In meiner Fantasie roch der Raum nach altem Holz, Gewürzen, frischen Keksen und parfümierten Seifen. In hohen Regalen lockten dekorative Schachteln und Dosen, Schubladenkästen versprachen Delikatessen aus fernen Ländern, auf der Theke und am Boden stapelten sich Waren aller Art und von der Decke baumelten Körbe, Pfannen und Bürsten. Das Arrangement der Dinge erschien chaotisch und doch war bei näherer Betrachtung ein System zu erkennen. Viel Vertrautes fand sich im Sortiment, aber auch so manche Überraschung. Auf jedem Quadratmeter des vollgestopften, in Dämmerlicht gehüllten Raumes gab es etwas zu entdecken.

Für geistige Nahrung Suchende hält die “Kleine Geschichte des Essens und Trinkens” ein reichhaltiges Angebot an Informationen bereit. Klaus E. Müller verschmilzt europäische Kultur- und Sozialgeschichte, ethnologische Beobachtungen, Mythen und die Literatur des klassischen Altertums zu einer ganzheitlichen weltumspannenden Betrachtung des Essens und Trinkens. Zwölf Kapitel beherbergen - wundersamen Verpackungen gleich - kulinarische Ausflüge, die auf den Spuren des Genusses in großen Sprüngen durch Zeit und Raum führen. Von der mühsamen Nahrungsgewinnung in grauer Vorzeit über Hungerfantasien, Nahrungsgebote, Geschmacksvorlieben, Rituale der Gastfreundschaft und des Verhaltens bei Tisch bis zur Nahrung als Mittel der sozialen Abgrenzung sowie der Verknüpfung des Mahls mit sakralen Handlungen reicht das Themenspektrum. Das Hinzuziehen der Völkerkunde und die damit einhergehende Einbindung außereuropäischer Kulturen bringt eine Erweiterung des Horizontes und stellt die europäischen Gepflogenheiten durch die Verschiebung des Standpunktes in einen neuen Kontext.

Lässig geschrieben und unbehindert durch einen Fußnotenapparat ist das Buch ein unterhaltsamer und bildender Begleiter, der Dank seines kleinen Formats locker in (fast) jede Tasche passt.

© Ch. Ranseder

Kleine Geschichte des Essens und Trinkens: Vom offenen Feuer zur Haute Cuisine

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Kulinaria: Martin Luther

Donnerstag, 12. Februar 2009

Non-Fiction

Alexandra Dapper
Zu Tisch bei Martin Luther
Theiss 2008, 134 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 8062 2253 1

Zu Tisch bei Martin Luther Zu Tisch bei Martin Luther

“Spatzen sind sehr delikate Vögel. Es ist ein gutes Gericht von den Spatzen, denn sie essen nichts Unreines …” fand Martin Luther (1483-1546). Der große Reformator liebte Hausmannskost. Und zu dieser zählten an der Wende vom Spätmittelalter zur Neuzeit auch kleine Wildvögel.

Was tatsächlich in Luthers Elternhaus zu leckeren Speisen verarbeitet wurde, gibt das Buch “Zu Tisch bei Martin Luther” preis. Archäologen legten in Mansfeld auf jenem Grundstück, das einst Hans und Margarethe Luder gehörte, eine tiefe Grube frei, die um 1500 in einem Zug zugeschüttet worden war. In ihrer Verfüllung fanden die Ausgräber neben Geschirr und Münzen auch Pflanzenreste und Tierknochen. Die sterblichen Überreste von Spatzen waren zwar nicht darunter, doch konnten Buchfink, Rotkehlchen, Goldammer, Dorngrasmücke, Rotschwänzchen und Singdrossel nachgewiesen werden. Sogar eine Lockpfeife wurde in der Abfallgrube entsorgt. Martin Luther durfte sich wohl schon in Jugendjahren öfter an Gerichten aus “klainen walt vogelein” erfreuen.

Alexandra Dapper nimmt den Haushaltsabfall der Familie Luther als Ausgangsbasis für eine vergnügliche kulinarische Reise. Sie beschreibt die Ausstattung einer Küche um 1500, analysiert die einzelnen Nahrungsmittel und weckt mit Beschreibungen der verschiedenen Zubereitungsarten den Appetit der LeserInnen. Die Aufbewahrung und Konservierung der leicht verderblichen Lebensmittel waren ebenso wie das richtige Würzen eine hohe Kunst. Bei der Erstellung des Speiseplans mussten zahlreiche Regeln befolgt werden. Möglichkeiten, die soziale Stellung eines Haushaltes kulinarisch zu demonstrieren gab es dennoch genug - nicht zuletzt durch die Ausstattung der Tafel und der Befolgung der “Tischzuchten”. Trotz der Themenvielfalt verliert die Autorin nie den Bezug zu den Funden aus der Lutherschen Abfallgrube. LeserInnen übrigens auch nicht, denn was in der Grube gefunden wurde, ist im Fließtext rot gesetzt. Attraktives historisches Bildmaterial und stimmungsvolle Fundfotos ergänzen den akribisch recherchierten Text optimal.

Der zweite Teil von “Zu Tisch bei Martin Luther” wird das Herz all jener, die beim Kochen gerne experimentieren, höher schlagen lassen. 42 Rezepte führen vom Schlachtmonat November bis zum Weinmonat Oktober durch ein fiktives kulinarisches Jahr in Luthers Elternhaus. Abermals dienen die bei der Ausgrabung gefundenen Speisereste als Ausgangspunkt. Passende mittelalterliche Rezepte werden in moderne Kochanleitungen verwandelt, die kulinarische Genüsse verheißen. Eilig haben, darf man es bei der Zubereitung allerdings nicht. Leckereien wie “Wiederbefüllte Aalhaut in Weinsoße” brauchen ihre Zeit. Wer lieber schaut als kocht, kann sich im Rezeptteil an den wunderbaren Stillleben-Fotos erfreuen - sie sind ein wahrer Augenschmaus.

“Zu Tisch bei Martin Luther” ist ein ergötzliches, auch grafisch attraktiv gestaltetes Buch, das ein lebendiges Bild der kulinarischen Freuden um 1500 zeichnet.

© Ch. Ranseder

Zu Tisch bei Martin Luther

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Geschmacksache

Dienstag, 21. Oktober 2008

Notiz

Geschmacksache ist Geschmacksache
Was Essen zum Genuss macht - Technisches Museum Wien
22. Oktober ‘08 - 21. Juni ‘09

Kaffeemaschine Copyright TMW “Essen hält Leib und Seele zusammen” ist in überfütterten Industrienationen schon lange kein Thema mehr. Hier gehört sowohl Essen als auch essen zum Lifestyle. Kochen ist längst salonfähig geworden. Und das Einkochen - pardon - Bekochen von Konsumenten zieht sich erfolgreich durch alle Medien. Also, wenn es keine Kochshows gäbe, wären einige TV-Sender aufgrund mangelnder Einschaltquoten und daher fehlender Werbeschaltungen vermutlich schon pleite. Mit anderen Worten: E/essen ist weit mehr als die Befriedigung des Grundbedürfnisses nach Sättigung durch Nahrungsaufnahme. Diese Grundidee griff auch das Team des TMW auf und ging der Frage nach, was das Haus zum Thema “Geschmacksache” und Nahrungsmittelproduktion zu bieten hat.

Ausschnitt Molkereimodell Copyright TMW Gleich fünf Rohstoffe - Getreide, Milch, Fleisch, Kaffee, und Kakao - werden aufgegriffen. Anhand von Geräten und Verarbeitungstechniken wird aufgezeigt wie aus diesen Rohstoffen Endprodukte mit typischen Eigenschaften und Geschmacksrichtungen werden. Das TMW konnte hierzu erstaunliche Objekte aus dem Depotschlaf wecken und frisch aufpoliert ausstellen. Darunter erweist sich das Modell der Wiener Molkerei (1906/07), das die ganze Betriebsanlage zeigt, als besonders eindrucksvoll. Natürlich gibt es auch unzählige unbekannte, weniger bekannte oder längst wieder in Vergessenheit geratene Spezialgeräte zu bestaunen. Die mehr oder minder vertrauten Haushaltsobjekte belegen, welche technische Vielfalt bei der Zubereitung von Essen zum Einsatz kam und immer noch kommt.

Kaffeeschale 1837 Copyright TMW Trotzdem täuschen die stimmigen Inszenierungen der einzelnen Themenkreise, die Menge, die Vielfalt und die Qualität der Objekte leider nicht darüber hinweg, dass dem Ausstellungskonzept Grundlegendes zum Haubenmenü fehlt. Und wenn das unglaublich engagierte Vermittlungsprogramm nicht wäre, nicht einmal ein schaler Nachgeschmack von der “Geschmacksache” bliebe. Weniger wäre hier deutlich mehr gewesen. Ein einziges der fünf Rohprodukt in seiner Gesamtheit zu präsentieren, in seinem naturwissenschaftlichen und kulturhistorischen Kontext zu betrachten und die technische Aspekte der Auf- und Zubereitung zu zeigen bzw. begreifbar zu machen, hätte einen echten Mehrwert bedeutet. Auch eine Trennung zwischen heimischen Grundnahrungsmitteln und importierten Genussmitteln wäre denkbar gewesen. So zieht der Individualbesucher aus einer Fülle von Objekten nur minimalistische Information.  Und nur jene, die das umfangreiche Veranstaltungsprogramm nutzen werden, werden sehr viel nachhaltigen Geschmack an der “Geschmacksache” finden.

Den gleichnamigen Begleitkatalog (Geschmacksache. Was Essen zum Genuss macht. 200 S. ISBN 978 3 902183 16 3) sollte man sich unbedingt gönnen. Er erweist sich zusätzlich zur und auch unabhängig von der Ausstellung als reichhaltiges Buffet mit großer Auswahl an interessanten und schmackhaft zubereiteten Häppchen. Die Beiträge greifen das Thema auf, vertiefen es breit gefächert. Im Katalogteil werden Kostproben aus der Ausstellung mit Kurzabrissen zu den Nahrungsmitteln und ausgewählten Objekten geboten. Grafisch mit ausreichend Weißraum gestaltet, erweist der Katalog sich auch als optischer Genuss und ist mit € 29,80 - natürlich auch gemessen am gebotenen Inhalt - eine ebenso erschwingliche wie attraktive Anschaffung mit Nachhaltigkeitseffekt.

© S. Strohschneider-Laue

Veranstaltungsprogramm

SCHMECK’S! Ein musikalisch-kulinarischer Abend, 22. Oktober. ‘08, 19:00 Uhr, Eintritt: € 18,- Ermäßigte Karten in jeder Bank Austria, unter www.clubticket.at oder Tel. 01/249 24 und für Ö1 Club, Kurier Club, Euro<26 an der Abendkassa, Kartenreservierungen: Tel. 01/ 416 23 66, weanhean@wvlw.at

Von Kakaokühen und Rülpsbakterien 19. November ‘08, 10:00 bis 12:00 Uhr, Nur für Schulgruppen (8 bis 12 Jahre, max. 30 TeilnehmerInnen). Anmeldung unter www.lesefestwoche.at

Die faszinierende Aromawelt der Schokolade 20. November ‘08; 15. Dezember ‘08; 22. Januar ‘09; 26. März ‘09. Anmeldung erforderlich: www.chocolateloversclub.at  oder office@chocolateloversclub.at

Novelli’s Kochwerkstatt 2. Dezember ‘08; 12. Februar ‘09; 19. März ‘09; 29. April 09; 19. Mai ‘09. Kosten € 140,- pro Person (inkl. Eintritt, Führung, 1 Glas Champagner, Kochkurs, dreigängiges Menü und Novelli-Kochschürze) Mindestteilnehmerzahl 10 Personen, maximal 15 Personen pro Kurs. Anmeldung erforderlich: novelli@haslauer.at

Rosa Fasching Von 11:00 bis 17:00 Uhr finden im Museum süße Aktionen rund um Schokolade und ihre Verarbeitung statt. Der Eintritt ist an diesem Tag für alle, die rosa verkleidet ins Museum kommen, frei! 21. Februar ‘09

Die wunderbare Welt der sinnlichen Wahrnehmung von Lebensmitteln Vortrag von Klaus Dürrschmid, Universität für Bodenkultur, 20. Januar ‘08, 19:00 Uhr

Gute Keime für wohlschmeckende und sichere Produkte Vortrag von Wolfgang Kneifel und Konrad Domig, Universität für Bodenkultur, 24. März ‘08, 19:00 Uhr

Neue Verfahren und Techniken in der Lebensmittelproduktion Vortrag von Emmerich Berghofer, Universität für Bodenkultur, 12. Mai’ 08, 19:00 Uhr

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Keltisch Kochen

Freitag, 11. April 2008

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Achim Werner
Keltische Kochbarkeiten
Theiss 2007, 96 S., zahlr. Farbfotos.
ISBN 978 3 8062 2085 8

Keltische kochen Keltische Kochbarkeiten

Es muss nicht immer Wildschwein sein… Die keltische Küche ist vielfältiger als sie uns populäre Comics einreden wollen. Profis haben dieses Buch möglich gemacht. Allen voran der Archäologe Achim Werner, der als versierter Hobbykoch darauf achtet, was in den Topf kommen darf. Als echter Fachmann, glaubt er nicht alles zu wissen, sondern prüft selbst und berät sich mit andern Profis. Und so hatten doch etliche mutige Ver- und Vorkoster sowie weitere Fachleute die Finger an und in seinen keltischen Schmortöpfen. Daher werden nicht nur Experimentalarchäologen und unerschrockene archäologische Laien an diesem Buch ihre Freude haben, sondern alle, die gerne kochen, essen und zusätzlich noch den inhaltlichen Mehrwert duch die kulturhistorischen Zusatzinformationen genießen möchten.

Vorgelegt werden übersichtlich und im praktischen Format 60 Rezepte. Fotografisch ins stilgerechte Licht gerückt, lassen sich die präsentierten Speisen spielend zu mehrgängigen Menues kombinieren, die verwöhnte Gaumen udn Augen beeindrucken werden. Suppen, Brote, Salate, Vegtarisches und Fleischiges sowie Süßspeisen und Getränke füllen die Speisekarte. Da ist wirklich für alle vom Vollwertköstler über Fleischtiger bis zum Süßschnäutzchen etwas dabei. Meine persönlichen Favoriten sind das Dinkelbrot mit Bärlauch gefolgt von Brennesselgemüse mit Eiern sowie Rehrücken in Metmarinade und zum Nachtisch dann noch Honigquark mit Haselnüssen und Birnen. Köstlich! Schön ist vor allem, dass wir heute nicht mehr jahreszeitlich an Nahrungsmittel gebunden sind, sondern das meiste davon ganzjährig zur Verfügung steht. Genau deshalb gibt es bei den Rezepten auch immer wieder Hinweise auf “Ersatzstoffe” aus dem Tiefkühlfach statt Trockenware oder Empfehlungen andere Kräuter zu nehmen. Pro Seite wird ein Rezept vorgestellt. Zutaten übersichtlich vorangestellt und anschließend folgt eine möglichst unkomplizierte Kochanleitung. Und für keines der Rezepte ist eine hochtechnisierte Küche notwendig. Manches ist durchaus “lagerfeuerfähig” auch wenn im Glossar durchaus auch hochprofimäßiger Küchenjargon erklärt wird.

Eine kleine Bestimmungshilfe für Wildkräuter runden den Band ab; denn es ist möglich, auch das eine oder ander Kräutlein vom nächsten Spaziergang heimzubringen. Trotzdem beherzigen Sie den Rat des Autors und sammeln sie nicht unbedacht alles, was lecker aussieht, gut riecht und eventuell sogar gut schmeckt. Ein köstlich aussehender Knollenblätterpilz genügt in winzigen Portionen, um aus einem guten Gericht eine letzte Mahlzeit werden zu lassen. Mal ganz abgesehen von fachkundiger Beratung bei Pilzen und Pflanzen, Bioläden, Apotheken, Marktstände und gut sortierte Supermärkte haben alles im Angebot, was der engagierte Keltenkoch begehrt.

Die Behauptung des Autors auf Food-Design und Styling verzichtet zu haben, ist meines Erachtens Understatement. Angerichtet ist alles überaus appetitlich und stilgerecht ins keltische Licht gerückt. Vielleicht hätte das eine oder ander Foto etwas schärfer oder farbechter ausfallen können, aber das mag auch drucktechnisch bedingt sein und tut der auch im Gesamtlayout sehr ansprechenden Rezeptesammlung keinen Abbruch.

Und wer noch immer nicht genug vom keltischen Kochen und Essen hat, sollte auf der Kochseite des Autors vorbeisurfen und sich mit den neuesten Rezepten vertraut machen.

© S. Strohschneider-Laue

Keltische Kochbarkeiten

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BarLust

Freitag, 11. April 2008

Fiction

BarLust
Erotic Short Stories & Cocktails
Storia 2007, 200 S.
ISBN 978 3 9809768 7 9

BarLust BarLust. Erotic Short Stories & Cocktails

AutorInnen aus Deutschland, Österreich und Frankreich sowie zwei Barspezialisten laden zur erotisch aufgeladenen Cocktailrunde in die nächste oder übernächste Lokalität ein. Prickelnde Shortstories kombiniert mit süffigen Cocktails werden während der nächtlichen Tour geboten. Von hart direkt bis zu verspielt charmant werden die Begegnungen zwischen weiblichen und männlichen Nachtschwärmern geschildert. Die Flirts sind wie “Spicy Lips” oder “Chocolate Kiss” und überraschend wie “Sweet and Hot”. Kurze Stories, kurze Flirts, ein vorübergehendes Vergnügen bei dem zuweilen der Humor nicht zu kurz kommt. Nicht zuletzt reift bei den Lesenden die Erkenntnis, dass manchmal eine Cocktailkirsche auffallend mehr Einblick - allerdings weniger Perspektive - hat als Mann und Frau zusammengenommen. Die Rezepte für “Selfmade Erotic Coktails” runden das Lesevergnügen süffig ab. Definitiv eine Lektüre, die Saiten zum Klingen bringt und Nachgeschmack hinterlässt. Ein prickelndes - durchaus teilbares oder zumindest mixbares - Vergnügen bei erfrischend kleinen Preis und das unsagbar neugierig macht auf die anderen erotischen Anthologien aus dem Storia Verlag.

© S. Strohschneider-Laue 12. September 2007

BarLust. Erotic Short Stories & Cocktails

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