Das Eiszeitalter
Sonntag, 22. Juli 2012
Ebensolch Rez-E-zine 71/12
Jürgen Ehlers
Das Eiszeitalter
Spektrum 2011, 363 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8274 2326 9
Eiszeit - Warmzeit
Nur damit keine Irrtümer aufkommen: Eiszeit war nicht vorgestern, Eiszeit ist heute. Allerdings handelt es sich zurzeit um eine Warmzeit innerhalb des Eiszeitalters. Und das dem tatsächlich so ist, legt der Quartärgeologe Ehlers in dieser Wissenschaftspublikation minutiös und spannend wie in seinen Krimis dar.
Interdisziplinär
Das exzellente Handbuch bietet auf 363 Seiten perfekt strukturiert die wissenschaftlichen Grundlagen zur Erforschung der Eiszeiten. In 15 Kapiteln, die von zahlreichen aussagekräftigen Fotos, Karten, Tabellen und Grafiken begleitet sind, wir das Thema in seiner ganzen Bandbreite vorgestellt. Farbig unterlegte Inserts heben Aktuelles und Vertiefendes hervor.
Aus dem Inhalt
Einführung (Forschungsgeschichte, Eiszeiten, Ursachen)
Ablauf des Eiszeitalters (Chronologie, Stratigrafie, Systematik etc.)
Eis und Wasser (Gletscherentstehung etc.)
Grundmoränen und Endmoränen - Spuren der Gletscher
Von der Gletschermühle bis zum Urstromtal (Schmelzwasserspuren)
Karten - wo sind wir denn hier eigentlich?
Wie weit reichten die Gletscher?
Eis im Boden - die Formung der Periglazialgebiete
Nilpferde an der Themse - die Geschichte der Warmzeiten (Fauna, Flora, Bodenbildung, Klimazonen etc.)
Ablauf der Enteisung
Wind, Sand und Steine - äolische Prozesse
Was geschah mit den Flüssen?
Nord- und Ostsee in der Eiszeit
Klimarekonstruktionen und Modelle
Der Mensch greift ein (Vom Paläolithikum bis zu den schlechten Aussichten der Gegenwart)
Die umfangreiche Literaturliste reicht von den wegbereitenden Basis- und gültigen Standardwerken bis zu Publikationen am Puls des aktuellen Forschungsstandes. Der Index schließt den Band benutzerfreundlich ab.
Fazit
Verdienste von “Das Eiszeitalter” sind einerseits hohe Fachlichkeit und andererseits der Blick über den fachlichen Tellerrand, wenn auch der archäologische Teil nur als rudimentär bezeichnet werden kann. Deutlich wird jedenfalls, dass die Erforschung des Eiszeitalters eine breite interdisziplinäre Zusammenarbeit erfordert - u. a. aus Geologie, Biologie, Anthropologie und Archäologie.
Wer jetzt allerdings staubtrockene Eiszeittheorie erwartet, wird positiv überrascht sein. Das eisige Thema wird brandheiß am Puls der Forschung und extrem gut lesbar serviert. Ein Basiswerk für Studierende jener Disziplinen, die während ihres Studiums und bei zukünftiger Forschungsarbeit das Eiszeitalter im Fokus haben. Für jene, die sich für die Phänomene des Eiszeitalters abseits von Studium und Beruf begeistern, ist diese Publikation vielleicht nicht grade der Einstieg aber jedenfalls das Maß, das populärwissenschaftliche Arbeiten hinsichtlich ihrer Aussagekraft und Qualität relativiert.
© S. Strohschneider-Laue
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