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Pop up - Design und Konstruktion

Montag, 09. Dezember 2013
eb_000_011.gifEbensolch Rez-E-zine 76/13

Keith Finch
Pop up
Design und Konstruktion
Haupt 2013, 24 S. mit vielen Pop ups
ISBN 978 3 2586 0082 6

Pop up - Design und Konstruktion Pop-up: Design und Konstruktion

Aller Anfang ist einfach

Hatten Sie schon einmal ein Pop-up in Händen, das in Ihnen den Wunsch weckte, selbst zum Papieringenieur zu werden? Wenn ja, dann wird “Pop up. Design und Konstruktion” Ihren Ehrgeiz schüren und Sie zu ersten Erfolgen führen. Die wilde Papierskulptur am Beginn des Buches lässt erahnen, was mithilfe der Papiermechanik alles möglich ist. Doch bevor ein so komplexes Pop-up in Angriff genommen werden kann, müssen die grundlegenden Konstruktionsprinzipien erlernt werden.

Keith Finch bietet Anfängern einen spielerischen, niederschwelligen Zugang zu bewährten, vielseitig anwendbaren Techniken des interaktiven Papierdesigns. Dabei geht er sehr systematisch vor. Nach der Gebrauchsanleitung für das Buch werden die notwendigen Werkzeuge und sonstigen Utensilien aufgelistet, Begriffe erklärt und allgemeine Hinweise zu den wichtigsten Techniken gegeben.

Um zu üben, müssen Schnitt- und Faltvorlagen nicht gezeichnet werden. Alle Bauteile lassen sich aus den Seitenrändern herauslösen und an vorgegebenen Markierungen direkt ins Buch einkleben. Das ist ein raffinierter Einfall, der Ungeduldigen viel Zeit spart. Knapp gehaltene Anleitungstexte führen Schritt für Schritt durch den Aufbau der Grundelemente und die Faltung der Schnittmuster.

Auf in die dritte Dimension

Pop-ups funktionieren durch Bewegung. Sie streben in die Höhe und drängen nach Entfaltung. Vier Doppelseiten sind daher dem Spiel mit Winkeln und Faltungen gewidmet.

  • Die einfache Winkelfaltung sorgt für viel Bewegung und kann durch das Verändern von Stand- und Neigungswinkel variiert werden. Der Einsatz von Symmetrie und Asymmetrie bringt weitere Gestaltungsmöglichkeiten.
  • Mit komplexen Winkelfaltungen können - unter anderem - dreidimensionale Körper, wie Würfel und Pyramide, angefertigt sowie Zusatzflächen geschaffen werden.
  • Die einfache Parallelfaltung kommt oft bei Glückwunschkarten zur Anwendung und ist eine ideale Stütze für Kulissen.
  • Die komplexe Parallelfaltung eignet sich ebenfalls gut für Stützen, es lassen sich aber auch komplexere Formen, wie sechseckige Körper, bauen.

Die Erklärungen der verschiedenen Faltungen führen vom Einfachen zum Verfeinerten. Zahlreiche Übungsmodelle zeigen, was passiert, wenn Winkel geändert oder Laschen in unterschiedlicher Position am Grundkarton eingeklebt werden. Für dekorative Überraschungen sorgen Bonus-Pop-ups.

Das Geheimnis zwischen den Seiten

Zusätzliche Dynamik kann ein Projekt durch Elemente, die sich nicht über die Grundfläche des Trägerbogens erheben, erhalten. Bewegung lässt sich schließlich auch durch Schieben, Ziehen und Drehen erzielen. Drei Doppelseiten sind daher Schiebeelementen, Drehmechanismen und Drehscheiben gewidmet.

Sie können in Pop ups eingebaut werden. Meist bleiben sie jedoch ganz oder teilweise zwischen den Seiten verborgen und bilden die Basis für andersgeartete interaktive Spielereien, wie dem Fensterbild. Mit gut versteckten und doch bewegten Motiven kann einem Projekt eine geheimnisvolle Note verliehen werden. Damit die Mechanik auf Anhieb funktioniert, werden die Anleitungen in diesem Teil des Buches von hervorragenden Zeichnungen begleitet, die zeigen, wie die Einzelteile montiert werden müssen.

Ran an den eigenen Entwurf!

Tipps für eigene Entwürfe - bei denen es auch zu bedenken gilt, ob das Pop up über die Seiten hinausspringen soll, der Trägerbogen als Boden oder Hintergrund dienen muss - runden das Buch ab.
Jetzt gilt es, Fantasie zu entwickeln und die Grundelemente so einzusetzen, dass etwas Einzigartiges entsteht. Die Anwendungsmöglichkeiten reichen von der Rauminstallation bis zum Märchenbuch mit interaktiven Elementen. Glücklicherweise muss man nicht gut in Mathe sein, um Pop-ups entwerfen und bauen zu können!

Besonders wichtig ist es, die richtige Kartonstärke für das geplante Projekt zu finden. Auch auf diese Problematik geht Keith Finch kurz ein. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sich auszahlt zu experimentieren - nicht nur um die richtige Papierstärke zu finden, sondern auch um zu sehen, ob das Papier in bedrucktem Zustand an der Oberfläche bricht.

Aber keine Sorge: Pop ups zu entwerfen macht Spaß! Ein Buch, wie “Pop Up. Design und Konstruktion”, in dem jedes Element vorgefertigt zur Verfügung steht, lässt jedoch den Faktor Zeit vergessen. Dreidimensionales Papierdesign ist kein schnelles Medium. Es erfordert Geduld, die Fähigkeit zu planen und eine gewisse Portion Hartnäckigkeit. Ich baue nach Falt- und Druckproben zunächst ein Modell meines Entwurfs aus weißem Karton und verzeichne auf ihm Beobachtungen, Fehler und Änderungswünsche. Darauf folgt ein zweiter Test mit dem bedruckten Papier zur Feinjustierung der Motive. Da kann es schon ein paar Tage dauern, bis ein Pop up fertig ist.

Wer sich zwar durch “Pop up. Design und Konstruktion” gearbeitet hat, aber sich einen eigenen Entwurf noch nicht zutraut, kann mit zwei vorgefertigten Projekten weiter üben. Am Ende des Buches liegen zwei Pop ups als Bastelbögen bei.

Fazit

Das Buch “Pop Up. Design und Konstruktion” erfreut mit einer anfängergerechten Vermittlung von Grundlagen der Papiermechanik. Bonbonbunt, logisch aufgebaut und unkompliziert, erweist es sich als idealen Einstieg für angehende Papieringenieure in die wunderbare Welt des dreidimensionalen Papierdesigns. Am besten Sie kaufen zwei Exemplare. Ein Buch zum Heraustrennen und Einkleben der Modelle und eines, um die flache Grundform der Mechanismen als Vorlage für eigene Entwürfe bei der Hand zu haben.

© Ch. Ranseder

Pop up - Design und Konstruktion Pop-up: Design und Konstruktion

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Food for free: Naturküche

Mittwoch, 02. Oktober 2013
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Richard Mabey
essbar
Wildpflanzen, Pilze, Muscheln für die Naturküche
Haupt 2013, 464 S., zahlr. Farbfotos und Grafiken.
ISBN 978 3 2580 77604

essbar essbar: Wildpflanzen, Pilze, Muscheln für die Naturküche

Food for free - Essen von draußen

Das ganz Jahr steht erstklassige Nahrung zur Verfügung, wenn man sich direkt an Mutter Natur wendet. Der praktische Wert des Buches ist ungebrochen, obwohl - oder sogar weil - “Food for Free” bereits 1972 erschien. Naturküche, die damals nach Wirtschaftswunder, Plastikrevolution und vor der Ölkrise belächelt wurde, ist heute salonfähige Lebensart. Nach über 40 Jahren liegt nun hinsichtlich der Rezepte eine aktualisierte Ausgabe vor. Nehmen Sie die Einladung an, auf unblutige Pirsch zu gehen und zu genießen, was gratis zur Verfügung steht und dennoch nicht umsonst ist.

Systematisch, praktisch, appetitlich

Hier lohnt es nicht nur, sondern es ist wirklich wichtig, die Einführung rund um das Sammeln und die Grundkenntnisse zu lesen. Nicht jede Beere, nicht jeder Pilz ist genießbar. Manche sind sogar hochgiftig. Von persönlichen Unverträglichkeiten - nicht nur hinsichtlich der Schalentiere - ganz abgesehen. Dass man dazu noch andere Spielregeln beachten sollte, betrifft nicht nur das Betreten fremder Obstgärten. Wer neben Müllkippen, Straßen oder “frisch vergifteten” Anbauflächen sammelt, trägt  meist mehr Giftmüll als Vitamine in die eigene Küche. Wer also informiert, gezielt und schonend mit dem natürlichen Angebot umgeht, tut sich und damit der ganzen Welt einen zukunftsweisenden Gefallen.

Bäume und Sträucher, krautige Pflanzen, Pilze, Flechten und Farne, Algen und Tang sowie Schalentiere werden in dem Band vorgestellt. Der Bezeichnung (Deutsch, Latein) folgen Informationen zu wo, wann, wofür sowie zum Aussehen. Die exzellenten Fotos, die das Essbare (bzw. Ungenießbare und Giftige) begleiten, garantieren zwar keine Unverwechselbarkeit aber einen perfekten Start in die Welt der SammlerInnen. Was nicht schon im Vorwort bezüglich Achtsamkeit abgehandelt wurde, wird bei z. B. bei den Pilzen erneut betont: Finger weg, wenn man sich nicht sicher ist! Das bekannte Symbol “Totenschädel mit gekreuzten Langknochen” für Giftiges macht die Warnung deutlich genug.

Verwendungsvorschläge zum freien Angebot aus der Natur werden immer angeboten. Rezepte allerdings nur dort, wo es sich um etwas besonders Appetitliches handelt. Die Rezepte sind zwar hinsichtlich der Zutaten und Zubereitungen systematisch aufgebaut, aber es wird nicht immer deutlich für wie viele hungrige Gäste sie gedacht sind. Als Basis für weniger kochaffine Natursammler und als Inspiration für geläuterte Supermarkteinkäufer sind sie hingegen genau richtig.

Warum die systematischen Zeichnungen (mit Seitenverweis) erst im Anhang zu finden sind, hat sich uns nicht erschlossen. Sie hätten im Fließtext mit den Fotos ein rundes Gesamtpaket ergeben. Das Verzeichnis der Fachausdrücke, die verwendete und weiterführende Literatur sowie das Register machen das Buch zu einem benutzerfreundlichen Nachschlagewerk.

Fazit

“Essbar” schafft es, Natur-, Koch-, Lese- und Fotobuch sowie Lifestyle- und Nachschlagewerk zwischen zwei Buchdeckel zu pressen. Es beweist zudem, dass ein anspruchsvoller Inhalt auch als salonfähiges “Coffee Table Book” in Erscheinung treten darf.

© S. Strohschneider-Laue
© V. I. Strohschneider

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Das Huhn - Geschichte, Biologie, Rassen

Freitag, 22. März 2013
eb_000_011.gifEbensolch Rez-E-zine 74/13

Joseph Barber (Hg.)
Das Huhn
Geschichte, Biologie, Rassen
Haupt 2013, 224 S., zahlr. Farbfotos und Grafiken.
ISBN 978 3 2580 7786 0

Das Huhn, Geschichte, Biologie, Rassen Das Huhn: Geschichte, Biologie, Rassen

Mehr als Ostereier und Hühnerbrust

Ostern steht vor der Tür und hierzulande werden den Hasen die Eier untergeschoben. Eine weitere Ungerechtigkeit, die den Hühnern widerfährt, seit sie ihre Heimat, den südostasiatischen Dschungel, verlassen haben. Ihre lange Reise vom Dschungelboden bis auf den europäischen Misthaufen nahm ihren Anfang vor rund 10.000 Jahren. Was als vorteilhaftes Arrangement zwischen wild lebenden Hühnern und sesshaften Menschen vor rund 5.400 Jahren in China begann, führte über das Industal bis nach Europa und bis nach Afrika.

Vorliegendes Buch zeigt Hühner von ihren attraktivsten Seiten und berücksichtigt auch die interessanten kulturgeschichtlichen Aspekte um die Nachfahren der Dinosaurier, die noch vor Kolumbus nach Amerika kamen.

Hübsch, schlau, wehrhaft und nützlich

Persönlich haben Hühner und ich eine sehr ambivalente Beziehung: Ich finde sie hübsch und sie können mich nicht leiden. Sehr schlau von dem “dummen Huhn”; denn ich bin zwar nicht hinter ihren Schenkeln her, aber auch abseits des Osterfestes auf Nest- und somit auf Eiersuche. Einer potenziellen Nesträuberin den dominanten Hahn mit einer Geschwindigkeit von mindestens 14,5 km/h auf den Hals zu hetzen, ist aus  Hühnersicht also durchaus vernünftig. Dennoch gibt es auch bessere Beziehungen zwischen Hühnern und ihren Haltern. Sie werden zutraulich und lassen sich sogar dressieren - ganz ohne Fehlprägung beim Kükenschlupf. Sie wissen also durchaus wem sie Fürsorge in Form regelmäßiger Fütterung und gepflegten Unterschlupf zu verdanken haben.

Das Huhn sorgt durch seine Eier für steten Nahrungsnachschub und ist selbst - von Haut und Federn bis zu den Knochen - komplett verwertbar. Der Nützlichkeitswert des Hahns ist kaum geringer: prachtvolle Federn und territorial-aggressives Verhalten. Tüchtiges Legehuhn und furchtloser Kampfhahn - ein zweifelhafter menschlich-männlicher “Sport” - waren und sind ein wertvoller Besitz. Eine derartig fast nur einseitig vorteilhaftes Zusammenleben sollte nicht auch noch mit qualvoller Massentierhaltung gekrönt werden.

Geschichte, Biologie, Rassen

Der prächtige Band besticht durch hervorragende Gliederung, fachkundige Aufbereitung und exzellente Bildauswahl. Fünf Kapitel informieren über Anatomie und Biologie, Verhalten, Intelligenz und Lernen sowie Rassen. Die benutzerfreundliche Untergliederung lässt leichtes Auffinden der gewünschten Information zu und macht das ohnedies spannend aufbereitete Thema trotz seiner Informationsfülle zu flockig-lockeren Lektüre. Im Anhang finden sich die Liste der Hühnerrassen, Autorenbiografien, verwendete und weiterführende Literatur, Register und Bildnachweis.

“Das Huhn” belegt wie wichtig und publikumswirksam eine gelungene Zusammenarbeit zwischen Fachleuten aus Forschung und Wissenschaftsvermittlung ist. Beinharte Wissenschaft an interessierte Laien zu vermitteln und dabei das versierte Fachpublikum nicht zu verlieren, ist eine Kunst, die nicht jedes Autorenteam beherrscht. Schön, dass dieses gelungene englische Werk bei Haupt nun auch in deutscher Sprache erschienen ist.

Fazit

Ein Handbuch zum Lesen. Ein Lesebuch zum Verstehen und Vertiefen. Und hin- und wieder liebäugeln mit einem eleganten Sebright oder einem properen holländischen Zwerghuhn kann man mithilfe des Buchs auch.

© S. Strohschneider-Laue

Das Huhn, Geschichte, Biologie, Rassen Das Huhn: Geschichte, Biologie, Rassen

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