Artikel mit ‘Humor’ getagged

Hamsterfuchs

Mittwoch, 05. November 2014
ab acht Ebensolch Rez-E-zine 78/14

Viola Eigenbrodt, Christiane Hoff
Peter Verwunderlich (Illustration)
Der Hamsterfuchs und andere Kuriositäten

elf skurrile Märchen
BoD 2014, 133 S., sw. illustriert
ISBN 978 3 7357 7140 7

Der Hamsterfuchs und ander Kuriositäten Der Hamsterfuchs und andere Kuriositäten - elf skurrile Märchen

Skurrilitätenkabinett

Wenn der Alltag von Viola Eigenbrodt und Christiane Hoff gerührt, geschüttelt und als Groteske serviert wird, entsteht eine moderne Fabelwelt. Sie verwandeln Menschen in ihren Geschichten in tierische Zerrbilder aus dem Spiegelkabinett. Was der Spiegel zeigt, erinnert an Hieronymus Bosch im Designeroutfit von Mordillo. Schauderhaft schön, seltsam schrill und überraschend merkwürdig. Hier wird Realität zu Fantasiewolle gesponnen und zu kuriosen Fabeln verwoben.

Spannungsgeladen zieht man mit Elektrolurch Lothar, dem UKW-Wellensicht Walter durch die seltsame Fabeltierwelt. Wer keine Parallelen zu Karl dem dicklichen Kakadu und Drossel-Dietmar ziehen kann oder den angezwitscherten Marienkäfer Fred sowie das theatralische Enten-Drachen-Duo wiedererkennt, dem ist nicht zu helfen. Das Glück ist jedenfalls immer ein schräger Vogel - besonders in der Gestalt von Hamsterfuchs und Bärenhäsin. Wenn zwei Autorinnen sich gegenseitig derartig aufgeigen, dann sollte man sich hinsetzen und sich lesend darüber amüsieren.

Die optische Weitererzählung sind die Illustrationen von Peter Verwunderlich. Zart und fantastisch öffnet er mit ihnen Fenster und Türen zu anderen Orten.

Fazit

Es gibt sie doch noch, die schönen Erzählungen. Für junggebliebene Erwachsene und Junge, die nie ganz erwachsen werden wollen. Zum Selberlesen, zum Vorlesen für Fantasievolle, die auch mit 100 noch aus dem Fenster steigen wie vor 90 Jahren, und zum (gem)einsamen Weiterspinnen.

© S. Strohschneider-Laue

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Marcel Proust: Buchmesse Fragebogen

Sonntag, 15. September 2013
Notiz Ebensolch Rez-E-zine 75/13

Fragebogen nach Marcel Proust

Variante zur Frankfurter Buchmesse beantwortet von Sistlau

Das ist nicht Marcel Proust: Platen, Die neue Heilmethode

Welche Hallen möchten Sie auf der Buchmesse auf jeden Fall besuchen?
Hallen 3 und 4

Was ist für Sie das vollkommene Buchmessen-Glück?
Drei Tage Eindrücke, Erinnerungen und Informationen sammeln

Welche Buchmesse-Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
Tippfehler der AutorInnen

Was ist für Sie das größte Buchmessen-Unglück?
Nicht dort zu sein und/oder ausschließlich E-Reader mit E-Books vorzufinden

Ihre liebsten Buchmessen-HeldInnen?
Standbetreuer am Publikumstag, Pressesprecher, Selbstverleger und der Putztrupp

Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte der Buchmesse?
Das blaue Sofa

Ihr LieblingsillustratorIn?
Alle, die zum jeweiligen Buch passen und Christine Ranseder

Ihr LieblingsautorIn?
Ungelesene

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei Buchmesse-Menschen am meisten?
Lesen und schreiben zu können

Ihre Buchmesse-Lieblingstugend?
Buchaffinität

Ihre Lieblingsbeschäftigung auf der Buchmesse?
Schauen, reden, lesen, schreiben

Wer oder was hätten Sie gern sein mögen?
Superschnelleserin

Ihr Hauptcharakterzug?
Thematisch und alphabetisch geordnet

Was schätzen bei Ihren FreundInnen am meisten?
Buchneidlosigkeit und Ohren

Ihr größter Fehler?
Lesedauerhunger

Ihr Traum vom Buchmesse-Glück?
Buchmesse auf Wunsch

Was wäre für Sie das größte Buchmesse-Unglück?
Zaungast der Buchmesse

Was möchten Sie sein?
Besucherin der Buchmesse

Ihre Lieblingsfarben?
Papierweiß und Druckschwarz

Ihre Lieblingsblume?
Papyrus

Ihr Lieblingsvogel?
Der schräge Vogel

Ihre Buchmesse-HeldenInnen der Wirklichkeit?
LektorInnen

Ihre HeldInnen in der Geschichte?
Verfolgte AutorInnen

Ihre Lieblingsnamen?
Klio, Melpomene, Terpsichore, Thalia, Euterpe, Erato, Urania, Polyhymnia, Kalliope

Was verabscheuen Sie am meisten?
Fantasielosigkeit

Welche geschichtlichen Gestalten verabscheuen Sie am meisten?
BücherverbrennerInnen

Welche Reform bewundern Sie am meisten?
Schulpflicht

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Perfekte Sehkraft

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?
Freudig erwartend (Buchmesse ab 9. Oktober 2013)

Ihr Motto?
Bücher sind Universen

Kopieren, Verbreiten des un/beantworteten Fragebogens ist erlaubt, um Verlinkung auf diese Seite wird gebeten.

© S. Strohschneider-Laue

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My Rotten Life

Sonntag, 03. März 2013
ab acht Ebensolch Rez-E-zine 74/13

David Lubar
My Rotten Life

Edition Kindle (Starscape 2010), Engl., 116 S. (print).
ASIN B002LHRL5M

My Rotten Life (Nathan Abercrombie, Accidental Zombie) My Rotten Life (Nathan Abercrombie, Accidental Zombie)

Der ewige Zweite …

… zu sein, macht zumindest nicht einsam, ist für Schüler auch nicht lustig. Aber immerhin ist Nathan Abercrombie nicht das letzte Glied in der Nahrungskette. Trotzdem gibt es immer jemanden, der es schafft, dass er sich zumindest so fühlt: Die angebetete Mitschülerin, der Schulschläger und der ganze Rest für den man völlig unsichtbar ist, wenn man wie Nathan nur der Zweitdünnste ist. Mit anderen Worten: Wer kennt schon den Namen des Vizepräsidenten? Das ist aber alles egal, wenn man zumindest einen guten Schulfreund, der übrigens der Zweitfetteste ist, hat. Dass sich zu ihnen noch ein ziemlich schräges Mädchen mit äußerst seltsamer Verwandtschaft gesellt, ist das Beste, was den beiden passieren konnte.

Die absonderliche Geschichte von David Lubar nimmt ihren Lauf im ganz normalen Schulwahnsinn. Es ist Partytime und nicht alle sind eingeladen. Für verschmähte Jungs ein guter Grund mit “Zaubertränken” herumzupfuschen. Blöd und typisch, dass dabei etwas total schief läuft: Nathan wird langsam aber sicher zum Zombie. Der verzweifelte Versuch, alles wieder auf die Reihe zu bekommen, mündet in einem absurden Wettlauf mit der Zeit, den Tücken der Gesellschaft, der Objekte und überhaupt. Einen schlechten Tag zu haben, bekommt im Laufe der Geschichte jedenfalls eine ganz neue “faulige” Dimension. Und am Ende kommt obendrein doch noch alles ganz anders.

Nathan ist der sympathischste Zombie auf Erden. Verständlich, dass es inzwischen drei Bände sowie eine große Fangemeinde gibt.

Warum Originale besser als ihre Übersetzungen sind

Irgendwo hapert fast in jeder Übersetzung. Manches lässt sich nicht direkt übersetzen und muss - meist geht dabei nur der Witz und nicht gleich der ganze Sinn verloren - umschrieben werde. Anderes ist einfach nur Schlamperei, in der Eile eines oft viel zu schlecht bezahlten Übersetzerjobs. Schlimm allerdings, wenn aus dem “late husband” der “späte Ehemann” oder aus “snake with a diamond pattern ” “diamantbesetzte Schlange” wird. Übersetzungen sind nur das halbe Vergnügen.

Fakt ist, dass fast jedes Kind mindestens eine Fremdsprache lernen muss. Meist ist es Englisch. Je früher damit begonnen wird, desto leichter fällt es. In Zeiten der mehrsprachigen DVDs ist es einfach, den Originalton einzuschalten, wenn Kinder einen Film sehen wollen. Man muss sich ja auch als Erwachsener nicht sofort mit “korrektem Radebrechen” plagen, sondern kann auch sich selbst vergnüglich mit Filmen und Lektüre “entrosten”.

Ja, sogar ich lese auch immer wieder englischsprachige Kinderbücher. Allerdings vor allem aus persönlichen Vergnügen, denn aus Entrostungsgründen. Ich möchte mich einfach gerne unbeschwert amüsieren. “My Rotten Life - Nathan Abercrombie” war ein purer Zufall, der mir spannende und humorige Unterhaltung der absurden Art beschert hat. Hätte ich als Schülerin derartig witzige englische Pflichtlektüre bekommen, hätte ich mir NICHT stattdessen (heimlich) die deutsche Ausgabe gekauft. Aber, wer es seinem Kind das Original doch nicht zutraut, kann auf die deutschen Ausgaben der Bände zurückgreifen, die bei Bastei Lübbe erschienen sind.

Fazit

Fesselnde “Horror”-Unterhaltung mit großem Humorfaktor. Das hohe Identifikationspotenzial auf ganz realistischer Ebene rückt die Weltordnung der frühpubertäre Normalität angenehm zurecht. Der Heldenfaktor ist wunderbar abgedriftet schräg-lustig, dass man Helden im Allgemeinen und Besonderen genau als die reine Fiktion wahrnimmt, die sie tatsächlich sind. Die Moral der Geschichte kommt jedenfalls wunderbar ohne mahnenden Zeigefinger aus.

© S. Strohschneider-Laue

My Rotten Life (Nathan Abercrombie, Accidental Zombie) My Rotten Life (Nathan Abercrombie, Accidental Zombie)

Siehe auch deutsche Versionen

Kindle Plötzlich Zombie - So ein Mist!

Buch Plötzlich Zombie - So ein Mist!

Audio Plötzlich Zombie - So ein Mist!

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