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Kindheitsbilder seit 1848

Dienstag, 04. Februar 2014
eb_000_011.gifEbensolch Rez-E-zine 77/14

Peter Walther (Hg.)

Kindheitsbilder
Alltagsfotografie in Brandenburg seit 1848
Lukas Verlag 2013, 293 S. mit zahlr. Fotos
ISBN 978 3 8673 2149 5

Kindheitsbilder seit 1848 Kindheitsbilder: Alltagsfotografie in Brandenburg seit 1848

Die ewige Jugend auf Papier

Fotografien sind Zeitfenster. Kein Wunder, dass Fotografien schon früh als sammlungswürdige Dokumente angesehen wurden. Der dokumentierte Alltag fand darunter allerdings kaum Beachtung. Um eine Lücke zu schließen, begann 2012 das Brandenburgische Literaturbüro Privatfotos mit Kindermotiven, die in der Mark Brandenburg entstanden sind, zu sammeln. Rund 10.000 Bilder, 165 Jahre Fotografiegeschichte und Fotoserien von Familien, die bis zu 200 Lebensjahre belegen, kamen auf diese Weise aus Privathaushalten zusammen. Kann es Spannenderes geben?

Viele der Fotos sind seit Oktober 2013 über das Internetportal Zeitstimmen abrufbar. Dass es ein wunderbares Buch gibt, ist dem Brandenburgischen Literaturbüro und dem Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, wo auch die gleichnamige Ausstellung bis Januar 2014 präsentiert wurde, zu verdanken.

Bildgewordene Erinnerungen an einen besonderen Moment

In vier gut aufbereiteten Kapiteln wird das umfangreiche Fotomaterial vorgelegt: Erinnerungen an Kindheiten stimmen ein. Die in persönliche Worte gefassten Jugendgeschichten von Bernhard von Barsewisch, Klaus Büstrin, Martin Ahrends und Antje Rávic Strubel leiten zu dem nachfolgenden Fotos über.

Der Katalogteil ist in die beiden Bereiche Motive und Geschichten gegliedert. Eine weitere thematische Aufsplittung verleiht der Materialfülle erzählerische Leitlinien. Nun haben ja Kinderbilder ihren eigenen Reiz. Kinderbilder zeigen mehr als den familiären Stolz, die Wünsche wichtige Lebensabschnitte sowie Momente festzuhalten. Sie sind historische Dokumente eines Alltags, der die jeweilige Zukunft der Abgebildeten und letztlich der Gesellschaft maßgeblich mitbestimmte. Denn Fotos von Kindern sind Reflexionen ihres Zeitrahmens: Wie sie gesehen wurden, wer und was sie prägte. Das alles belegt auch mein Lieblingsfoto dieses Bandes. Ein fast typisches Familienfoto mit Haustier. Es zeigt die stolze Familie mit zwei Buben im Jahre 1920 im modischen Sonntagsstaat. Sie posieren um das blitzblank polierte, freundlich-träge Zuchtschwein. Der kleine Bub in Pickelhaube an den lebenden Schinken gelehnt, der größere Bruder in Husarenuniform als mutiger Schweinereiter obenauf.

Den Fotografen August Sodemann, Otto Warschewski, Heinz Krüger und Herbert Werner Brumm, die Familien in Szene setzten, ist der letzte Abschnitt gewidmet. Die Abrisse ihrer Biografien begleiten ausgewählte Fotos.

Die Kurzbiografien der AutorInnen sowie die Verzeichnisse der Bildquellen und Aufnahmeorte beschließen den beispielgebenden Kollektivband zur Fotografie, der so viel mehr bietet, als das regionalhistorische Thema vermuten lässt.

Fazit

Aus einem engagierten Projekt entstanden eine temporäre Ausstellung, der vorliegende Katalog sowie eine wachsende Bilddatenbank. Viel ist damit also bereits geschehen und mehr darf, soll, muss erhofft werden. Die gesammelten Fotos bieten eine enorme Materialfülle für foto-, kultur-, regionalhistorische Forschungen und viele weitere Auswertungen.

Der Band hingegen präsentiert eine außergewöhnliche Sammlung zur Alltagsfotografie und zu historischen Kinderwelten in erstklassiger Qualität. Ein Pflichtbuch der schönsten Art für alle, die sich mit historischer Fotografie beschäftigen.

© S. Strohschneider-Laue

Kindheitsbilder seit 1848 Kindheitsbilder: Alltagsfotografie in Brandenburg seit 1848

Siehe auch

Kinder, wie die Zeit vergeht! - Rezension

Bildbestimmung: Identifizierung und Datierung von Fotografien 1839 bis 1945

Fotografie in Österreich: Geschichte, Entwicklungen, Protagonisten 1890 bis 1955

Raoul Korty - Rezension

Fotografie Trude Fleischmann - Rezension

Lichtmaler: Kunst-Photographie um 1900

Stieglitz Camera Work (25th Anniversary Special Edtn)

Ebensolch | AmazonStore
AugenBlick | AmaZino

Historische Fotografie: Kinder

Sonntag, 24. November 2013
Non-FictionEbensolch Rez-E-zine 76/13

Kinder, wie die Zeit vergeht!

Kleine Prinzen und große Mädchen in historischen Fotografien

Österreichische Nationalbibliothek - Prunksaal
22. November ‘13 bis 23. Februar ‘14

Kinder, wie die Zeit vergeht! Kleine Prinzen und große Mädchen in historischen Fotografien Kinder, wie die Zeit vergeht!

Fotografie im Kinderspiegel der Zeit

Der Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek ist immer einen Besuch wert. Dass man in diesem opulenten Raum zusätzlich ganz besondere Ausstellungen präsentiert, ist wie ein Festmahl mit doppelten Dessert. Aktuell werden vom 22. November ‘13 bis 23. Februar ‘14 hier Kinderfotografien, die zwischen 1860 und 1970 entstanden sind, unter dem Titel Kinder, wie die Zeit vergeht! gezeigt. In chronologischer Abfolge werden zusätzlich Themen wie Geschlechterinszenierung, Festtage, Gesundheit, Mode, Schule, Spielen, Werbung, Familie dem Publikum nähergebracht. Dazwischen gestreut, finden sich zeittypische Kinderbücher - darunter auch die mehrsprachigen Bücher von Kronprinz Rudolf - sowie Spielzeug.

Mehr als nur Erinnerungen

Die spannende Ausstellung, die sich der Kinderfotografie breit gefächert annimmt, benötigt Zeit. Die Zeit, um die Fotos anzusehen, die informativen Texte zu lesen und am meisten Zeit, um über das Gesehene  nachzudenken. Dabei ist man schnell versucht, sich an die im eigenen Familienfundus vorhandenen Bilder zu erinnern - und daheim angekommen, selbige mit neuem Blick zu betrachten. Jedes Bild sollte Informationen über die abgebildete Person liefern. So die Theorie. Oft verrät ein Foto mehr über zeitgeistige Tendenzen, den Fotografen und liefert möglicherweise noch weitere Informationen, während das Kind auf dem Foto anonym bleibt. Aber wer kennt sie nicht, die Fotos im eigenen Fundus, die - wenn überhaupt - äußerst informativ mit “Oma” beschriftet sind.

Porträtfotografie ist mehr das festgehaltene äußere Abbild und selten die persönliche, charakterliche Befindlichkeit. Porträts sind Reflexionen der Zeit, in der sie entstanden sind. Posen, Bekleidung sowie umgebendes Interieur sind bestimmten Gesetzmäßigkeiten unterworfen. Trendsetter ihrer Zeit - seien es nun einflussreiche Personen des öffentlichen Lebens oder die Fotografen selbst - geben den Stil vor und die Masse der Uninspirierten und Angepassten folgt.

Aus der ungeheuren Fülle von Kinderbildern aus der Sammlung der Nationalbibliothek wurden für die Ausstellung rund 250 ausgewählt, die Kinder als Zeugen in ihrer Zeit zeigen.

Kinder oder kleine Erwachsene

Erzherzogin Marie Valerie mit Bernhardiner 1871 Victor Angerer © Österreichische Nationalbibliothek © Österreichische Nationalbibliothek Kronprinz Rudolf in Oberstuniform des 19. Infanterieregiments Wien, 1861 Ludwig Angerer © Österreichische Nationalbibliothek Porträt zweier anonymer Kinder Wien, um 1970 Photo Simonis © Österreichische Nationalbibliothek
Jedes aufgegriffene Thema könnte locker eine eigene Ausstellung bestreiten. Der Verdienst des Katalogs und der Ausstellung liegt vor allem darin, diese einzelne Aspekte aufzugreifen, vorzustellen und damit zur Reflexion anzuregen.

Die chronologische Präsentation ist zugleich die Geschichte der erzieherischen Gewalt, die durch Eltern und Staat auf Kinder ausgeübt wird. Gewalt, die Formen des Missbrauchs annehmen kann. Allein die Fotos von Kronprinz Rudolf, vor dem Hintergrund der katastrophal-barbarischen Erziehungsmethoden betrachtet, treiben den Schweiß auf die Stirn.

Allesamt in die Form von kleinen Erwachsenen gepresste Kinder, mit denen “Staat gemacht werden konnte”. Man beeindruckte mit ihren Fotos im besten Gewand und ordentlicher Pose sich selbst und vor allem die Nachbarn. Der “richtige” Fotograf machte eben erzherzogliche Fotos von allen KundInnen.

Ferdinand Schmutzer mit Sohn Johannes um 1914/1915 Alice Schmutzer (vermutlichs © Österreichische Nationalbibliothek Lotte, Hans und Walter Kühn spielen am Wasser um 1908. Heinrich Kühn © Österreichische Nationalbibliothek Umso mehr leuchten jene Aufnahmen, die von sog. Amateuren im privaten Bereich gemacht wurden, heraus. Sie zeigen Kinder (und Eltern) nicht in kommerzieller Möchtegern-Beliebigkeit, sondern von ihren schönsten Seiten in liebevoller Zuwendung und privaten Momenten. Es ist nicht die unpersönliche Fremdsicht, sondern der liebevolle Blick der eigenen Familie (Alice und Ferdinand Schmutzer) oder auch die Fähigkeit mit farbigem Licht Fotos zu malen (Hans Kühn).

Politischer und wirtschaftlicher Missbrauch

Allein die Kinder, die den Machthabern ihrer Zeit Blumen überreichen, Ständchen bringen, könnten Säle füllen. Aber es ist nicht nötig. Im Prunksaal wird es auch schlaglichtartig deutlich: Kinderhuldigung in Schönbrunn für den Kaiser zum 60. Jubiläum und Hitlertorte als Kinderausspeisung zu Führers 50er. Dazwischen Werbungs- und Propagandafotos zu allerlei Anlässen.

Sohn des k.u.k. Oberst Otto Freiherr Ellison von Nidlef in militärischer Adjustierung Dolomitenfront, 1915 k.u.k. Kriegspressequartier © Österreichische Nationalbibliothek Kleines Mädchen inmitten von Trümmern Wien, 1945 Wilhelm Obransky © Österreichische Nationalbibliothek Die Eltern, die Kinder mit dem richtigen Spielzeug und Gedankengut für ihre Zukunft auf Kinder gebärende Mütter und im Krieg dienende Väter rüsteten, ließen ihre Weltanschauung und Ziele durch die Fotografie dokumentieren. Sie stehen solchen Fotos gegenüber, die die reale Seite heroischer Kriegsherrlichkeit zeigen.

Der positiven Ausstrahlung von Kindern waren sich alle bewusst: Die Werbung nutzt sie seither, um Mütter zu besseren Wäscherinnen, Köchinnen, Pflegerinnen zu machen. Politiker lassen sie menschlicher, vertrauenswürdiger erscheinen. Parteipolitische Ziele können noch immer über die Krankenbetten und Schulbänke von Kindern transportiert werden. Konträr dazu stehen jene Bilder, die arbeitende Kinder auf Betriebsfotos beiläufig mitdokumentieren.

Fazit

Eine wunderbare Ausstellung, die mit Fotos von aufgemascherlten und entzückenden Kindern punktet und trotzdem bittere Wahrheiten zeigt. Es sind alle dabei: reiche Kinder in goldenen Käfigen und arme Kinder in Elendsquartieren. Es sind die konform Gedrillten, individuell Geförderten und die von allen Vernachlässigten zu sehen. Und am Ende möchte man sie alle mitnehmen, die Fotos und die Kinder, die darauf zu sehen sind.

Was noch gesagt werden muss: Der bei Residenz zur Ausstellung erschienene Katalog behält die chronologische und thematische Gliederung bei. Michaela Pfundner, Margot Werner und Uwe Schlögel unterziehen das Material einer näheren Betrachtung und liefern einen Überblick über das fotografische Kinderbild in Österreich. Einziger Wermutstropfen ist das fehlende Literaturverzeichnis im Anhang. Der moderate Preis hingegen ist das Zuckerl, das diesen Pflichtkauf versüßt.

© S. Strohschneider-Laue

Kinder, wie die Zeit vergeht! Kleine Prinzen und große Mädchen in historischen Fotografien Kinder, wie die Zeit vergeht!
Michaela Pfundner, Margot Werner (Hg.)
Kinder, wie die Zeit vergeht!
Kleine Prinzen und große Mädchen in historischen Fotografien
Residenz
2013, 207 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 7017 3323 1

Siehe auch

Raoul Korty - Rezension

Fotografie Trude Fleischmann - Rezension

Bildbestimmung: Identifizierung und Datierung von Fotografien 1839 bis 1945

Fotografie in Österreich: Geschichte, Entwicklungen, Protagonisten 1890 bis 1955

Lichtmaler: Kunst-Photographie um 1900

Stieglitz Camera Work (25th Anniversary Special Edtn)

Ebensolch
Teeblätter
Textzone

Abstraktion: Hilma af Klint

Sonntag, 15. September 2013
eb_000_011.gifEbensolch Rez-E-zine 75/13

Iris Müller-Westermann, Jo Widoff (Hgg.)
Hilma af Klint
Eine Pionierin der Abstraktion
Hatje Cantz 2013, 296 S., 272 Abb.
ISBN 978 3 7757 3488 2

Hilma af Klint Hilma af Klint - Eine Pionierin der Abstraktion

Eine Frau mit zwei Gesichtern

Die Schwedin Hilma af Klint (1862-1944) leistete Bahnbrechendes in der bildenden Kunst. Sie entwickelte bereits ab 1896 schrittweise eine abstrakte Bildsprache, die von 1906 an ihr Werk bestimmte. Ihren männlichen Kollegen Kandinsky, Mondrian und Malewitsch, die als Begründer der abstrakten Kunst gelten, war sie mit ihren Arbeiten um einige Jahre voraus. Doch wie so vielen ihrer Geschlechtsgenossinnen lag ihr nichts an einer Selbstdarstellung als Wegbereiterin des radikal Neuen. Sie stellte ihr abstraktes Werk zu Lebzeiten nicht öffentlich aus. Ihren Lebensunterhalt verdiente sich die aus einer wohlhabenden Familie stammende und an der Königlichen Akademie der bildenden Künste in Stockholm ausgebildete Hilma af Klint mit konventioneller Landschafts- und Porträtmalerei. Um 1900 arbeitete sie sogar als Zeichnerin am Veterinärinstitut. Die Malerin bediente sich also zweier gänzlich verschiedener Ausdrucksweisen. Mit der einen agierte sie kundenorientiert und gesellschaftlich konform. Mit der anderen verlieh sie, einer inneren Stimme folgend, ihrem Bedürfnis nach dem Geistigen in der Kunst bildhafte Gestalt. Bedauerlicherweise schenkt das Buch “Hilma af Klint - Eine Pionierin der Abstraktion” dieser Dualität wenig Beachtung. Lediglich ein Landschaftsbild und einige Naturstudien von Pflanzen lassen das große Können der Künstlerin und die Qualität ihrer dem damaligen Zeitgeschmack entsprechenden Arbeiten erahnen. Diese Beschränkung auf das sensationelle abstrakte Werk der Malerin, das Untrennbar mit ihrem großen Interesse für Spiritismus und Okkultismus verbunden ist, lässt die Persönlichkeit Hilma af Klimts seltsam eindimensional erscheinen.

Die Künstlerin als Medium

Bereits vor ihrem Studium nahm Hilma af Klint an spiritistischen Sitzungen teil. Nach dem Tod ihrer Schwester vertiefte sich diese Hinwendung zum Übersinnlichen. Sie setzte sich mit der Theosophie auseinander und gründete schließlich 1896 mit vier Freundinnen “Die Fünf”. Die Frauen veranstalten Séancen, übten sich in automatischem Zeichnen und führten Protokolle über ihre Kontakte mit Wesenheiten höherer Bewusstseinsebenen. In den Jahren zwischen 1906 und 1908 malte Hilma af Klint die ersten 111 Bilder des Zyklus “Die Gemälde zum Tempel” als Medium, dessen Hand geführt wurde. In der Folge emanzipierte sich ihre Arbeitsweise, das Bestreben verborgene Zusammenhänge sichtbar zu machen bestand jedoch weiterhin. Den visuellen Manifestationen des Übersinnlichen lagen komplexe, vielschichtige Konzepte zugrunde. Hilma af Klint entwickelte eine schwer zu entschlüsselnde Buchstaben- und Farbsymbolik und verknüpfte diese mit archetypischen Zeichen wie der Spirale. Die Beschäftigung mit der Anthroposophie und die Begegnung mit Rudolph Steiner bereicherte das pantheistische methaphorische Repertoire der Künstlerin mit eine stärker christlich geprägten Dimension.

Malen für die “Schublade”

Die im Privaten blühende Künstlerin schuf eine für ihre Zeit radikale Bildsprache, die sich geradezu als visionär erwies. Hilma af Klint gelang das Kunststück vor 100 Jahren den Geschmack des 21. Jahrhunderts zu treffen. Ihre Gemälde wirken so frisch, selbstbewusst und unverbraucht als wären sie für den heutigen Kunstbetrieb geschaffen. Der Zyklus “Die zehn Größten”, aus dem die Abbildung für das Cover des Buches gewählt wurde, kann als Beispiel für den gelungen Balanceakt von intelektuellem Anspruch und dekorativer Qualität dienen, der das Werk der Künstlerin auszeichnet. Dennoch malte Hilma af Klint ihre abstrakten Werke nur für sich. Es scheint fast als wollte sie die Konfrontation mit einer Gesellschaft, die Frauen jede Fähigkeit Neues zu schaffen absprach, vermeiden. Ihren über 1.000 Werke umfassenden Nachlass ließ sie per Testament für 20 Jahre nach ihrem Tod sperren. Die Gemälde, Skizzenbücher und Aufzeichnungen verschwanden in Kisten und Schachteln.

Die Entdeckung

Die Macher der Ausstellung zu der das vorliegende Buch “Hilma af Klint - Eine Pionierin der Abstraktion” erschienen ist, durften diese Kisten öffnen und ihren Inhalt wissenschaftlich bearbeiten. Das Resultat kann sich sehen lassen. Die opulente Publikation ermöglicht einem großen Publikum einen dauerhaften Zugang zu den bedeutendsten abstrakten Werken der außergewöhnlichen Künstlerin. Darüber hinaus machen vier Essays mit Hilma af Klint und ihrem Kosmos bekannt.

Iris Müller-Westermann stellt in “Bilder für die Zukunft: Hilma af Klint. Eine Pionierin der Abstraktion im Verborgenen” die Künstlerin, ihr Werk und ihre Arbeitsweise vor.

Helmut Zander und Iris Müller-Westermann unterhalten sich in “Keine Religion ist höher als die Wahrheit” über Spiritismus, Theosopie und Anthroposophie und deren Einfluss auf Hilma af Klint.

Pascal Rousseau verfolgt in “Vorboten der Abstraktion: Mediumismus, automatisches Schreiben und Antizipation im Werk Hilma af Klints” die Strategien der Künstlerin zur Legitimation ihres innovativen Kunstschaffens und enthüllt Bedeutungsebenen ihrer Bildschöpfungen im geistesgeschichtlichen Kontext.

David Lomas analysiert in “Die botanischen Wurzeln der Abstraktion im Werk Hilma af Klints” die Symbolik von Ranke und Spirale, Blüten- und Pflanzenteilen und wandelt dabei auf den Spuren von Alois Riegl, des Vitalismus und des Konzepts der Einfühlung.

Fazit

“Hilma af Klint - Eine Pionierin der Abstraktion” ist ein reich bebildertes Buch über eine Künstlerin, die ihrer Zeit weit voraus war. Es bleibt zu hoffen, dass es mit Ausstellung und Buch gelingt die Geschicht der abstrakten Kunst neu zu schreiben und Hilma af Klint posthum den ihr gebührenden Platz im kunsthistorischen Kanon zu sichern.

Für alle, die sich selbst überzeugen möchten, ist die gleichnamige Ausstellung noch an folgenden Orten zu sehen:
Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart, Berlin: 15. Juni bis 6. Oktober ‘13
Museo Picasso Málage, Málaga: 21. Oktober ‘13 bis 9. Februar ‘14

© Ch. Ranseder

Hilma af Klint Hilma af Klint - Eine Pionierin der Abstraktion

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