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Liebe zwischen den Seiten - Kleist

Donnerstag, 26. Februar 2009

Notiz

Kleist kam zu erst

Kleist der Hund © S. Strohschneider-Laue

Bücher sind Freunde, gehören zur Familie. In meine Familie kam in den späten 70ern des letzten Jahrhunderts folgendes in lindgrünes Leinen gebundenes Buch:

Heinrich von Kleist’s
sämtliche Werke
in zwei Bänden

Herausgegeben
von
Eduard Grisebach
Erster Band
Mit einem Bildnis Kleist’s
——————–
Leipzig
Druck und Verlag von Philipp Reclam jun.
(Das Vorwort des Herausgebers wurde  im Oktober1883 in St. Petersburg verfasst.)

Ich kaufte das Buch gemeinsam mit einer tollen, uralten Ausgabe von Schillers Werken in einem Berliner Antiquariat, irgendwo auf dem Weg zwischen Jugendherberge und Ku’damm. Von meinem Taschengeld investierte ich damals 5 D-Mark und fand sie besser angelegt als alles andere, das ich mir während der Klassenfahrt nach Berlin hätte gönnen können.

Tatsächlich enthält das Buch dem Titel gegenübergesetzt ein Bildnis “Kleist’s”. Des Literaten Kleist, der die Werke, die darin abgedruckt sind, verfasst hat. Aber der wahre Kleist dieses Buches ist er trotzdem nicht. Den wahren Kleist fand ich auf den letzten Seiten, was übrigens ein echter Beweis ist, dass ich alle 459 Seiten tatsächlich gelesen habe, weil der wahre Kleist nämlich dort feststeckte. Kleist hat alle diese Jahre in diesem Buch verbracht und ist nie herausgefallen. Kleist wartete geduldig bis ich ihn abholte und ihn vor mehr als 30 Jahren in die Familie aufnahm.

Kleist ist das Foto eines goldigen Hundes. Er sitzt auf einem Stuhl. An seiner linken Seite befindet sich ein Tisch und darauf eine Kaffeetasse. Im Hintergrund ist die Lehne einer hölzernen Sitzbank (?) zu sehen. An der Wand hängen eine Uhr (?) und ein mit Blumenranken und Spruch besticktes Tuch. Kleist ist aufmerksam. Seine Aufmerksamkeit gilt aber nicht dem Fotografen, der rechts vor ihm hockt. Kleist starrt nach oben, wo vermutlich ein Leckerli irgendwo außerhalb des Bildausschnittes auf ihn wartet. Kleist ist ein Spida bzw. Daspi, die lebendig gewordene Liebe zwischen einem Dackel und einem Spitz.

Kleist wurde geliebt. Er wurde gebürstet, war stolzer Träger einer Hundemarke und Kleist durfte auf die Möbel springen. Man hat also Geduld, Zeit, Geld (Halsband, Hundemarke und Fotografie beweisen das) und Zuneigung in ihn investiert. Und jetzt, nachdem Kleist schon lange verblichen ist, darf er noch immer auf dem Stuhl sitzen, sich auf das Leckerli freuen. Regelmäßig wird er von mir aus seiner Kleistausgabe an die frische Luft und jetzt sogar in seiner ganzen virtuellen Realität in das Web entlassen. Dann freut sich Kleist, weil ich keine Ahnung von ihm habe. Ich kann sein hohes Kläffen förmlich hören, ich kann sehen wie er wedelnd um mich herumspringt und dann ein ganz braves Männchen macht, um das Leckerli von mir zu bekommen.

Und ich frage mich, hat er Else gehört, die das Buch 1928 gewidmet bekam?

Unserer lieben Else,
zur freundlichen
Erinnerung.
Ernst u. Erna Hertzberg
Wilmersdorf im August 1928

Und ich frage mich, wer waren Else, Ernst und Erna?

© S. Strohschneider-Laue

Siehe auch 
Michael Yerry/Terry Ramirez Jr. 
Loving Memory 
Kriegsbriefe 
Die Fotos der Rosi Z.

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Hunger auf Kunst und Kultur

Dienstag, 10. Februar 2009

Notiz

Ist Armut (un)sichtbar?

Sieht man reichen Leuten ihr Geld an? Nicht unbedingt! Es hängt von der Lebensphilosophie ab. Nicht alle Menschen erfüllen die an sie gerichteten Erwartungshaltungen hinsichtlich ihres Erscheinungsbildes. Nicht alle Superstars laufen ständig im Glamourlook herum, nicht alle erfolgreichen Banker gehen in karierten Knickerbockern Golf spielen, nicht alle betuchten Österreicher tragen Steireranzüge und nicht alle Promifrauen tragen Etikettenmuster.

Also ich persönlich kenne einige reiche Leute, darunter mehrfache Euro-Millionäre, die Handstrickpullis von ihrer Mutter bevorzugen, grundsätzlich am Flohmarkt ihre Ledersachen kaufen und niemals Werbung - außer in eigener Sache - auf Bekleidung oder Accessoires herumtragen würden. Diese Gruppe wird ständig falsch eingeschätzt, was unter anderem einen Teil ihres Erfolges ausmacht.

Andererseits kenne ich bedeutend mehr Leute, die überhaupt nicht mit ihrem Geld auskommen. Nicht nur, weil sie wenig Einkommen haben mit dem es wirklich schwer ist ein Auskommen zu finden, sondern weil sie sich mit jedem etikettierten Firlefanz - auch wenn es asiatische Fakeware ist -  ausstaffieren, der nach fünf Minuten auseinanderfällt oder modisch untragbar wird. Diese Gruppe wird ebenfalls falsch eingeschätzt, was wiederum einen Hauptteil ihrer erfolgreichen Überlebensstrategie ausmacht.

Und dann gibt es noch jene unfassbare Masse, von deren Geldbörsel man absolut nichts weiß und die man gar nicht einschätzen kann. Leute aller Schichten, die irgendwann einmal ein mehr oder minder teures Qualitätsprodukt für die Ewigkeit gekauft haben. Genau das Gewand, das man früher als “gutes Sonntagsgewand” bezeichnet hat und nur zu besonderen Anlässen aus dem Schrank geholt wurde. Anlässe wie Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen, Museums-, Konzert- und Theaterbesuche. Auch mein Vater hat so einen Anzug - der nach 50 Jahren bereits zum dritten Mal modern ist - im Schrank. Die Konfirmation meines Bruders machte den Anfang. Bei meiner Hochzeit und Victorias Taufe hat er ihn auch getragen. Das gute Stück macht noch immer etwas her und bietet nicht zuletzt immer erstklassigen Gesprächsstoff. Einerseits weil mein Vater unverschämter Weise noch immer hineinpasst und andererseits, dass er Anzügen immer mit einer Wendigkeit ausweicht, dass es einem Hasen schwindlig würde und er deshalb das Stück tatsächlich als ebenso neuwertig wie historisch wertvoll bezeichnen kann. Das ist eindeutig der Stoff, aus dem Erb- und Museumsstücke gemacht werden. 
Armutskonferenz
Und solche Sonntagskleider gibt es in vielen Schränken. Auch in den Schränken von Menschen mit so einem schmalen Geldbeutel, dass es monatlich nicht einmal zum Essen reicht und die Wiener Tafel aushelfen muss. Nur Gelegenheit das gute Stück anzuziehen gibt es für arme Menschen keine. Es gibt keine Konzertabende, keine Theateraufführungen und keine Museumsbesuche für die sie sich gerne fein anziehen würden - auch um das Besondere, das kulturelle Ereignis durch beste Bekleidung vom Überlebens-Alltag abzuheben. Die Kosten für nur einen einzigen kulturellen Genuss im Monat, der eigentlich  selbstverständlich oder zumindest leistbar sein sollte, sind für erschreckend viele Menschen völlig unerschwinglich.

Armut ist (un)sichtbar
Als ihr Mann noch lebte, sind sie häufig gemeinsam ins Konzert gegangen. Von der Mindestrente ist das für die Witwe nicht mehr möglich. Der edle Persianer, das “Must-Have” der 60er Jahre, hängt seit dem Tod ihres Mannes gut eingemottet im Schrank. Eine tiefschwarze Erinnerung an glücklichere Zeiten. Die Nachbarn halten sie für eine zurückhaltende Person. Immer sauber gekleidet, immer gleich, immer im Stil ihrer besseren Jahre.

Armut ist (un)sichtbar
Der Herr mit den Krücken ist Rentner. Er hat sein rechtes Bein durch Diabetes verloren. Bei schönem Wetter sitzt er im Park und spielt mit den anderen Tarock. Eigentlich würden er und seine Frau gerne ab und an ins Theater gehen, aber finanziell ist bei den vielen Medikamenten, die sie brauchen, und dem wenigen Geld, das sie gemeinsam haben, schon lange nicht mehr möglich. Er würde seinen dunklen Anzug und den Mantel anziehen und sie das blaue Kostüm mit der weißen Bluse. Die Nachbarn halten sie für stilles altmodisches Ehepaar. Er geht einkaufen, sie macht den Haushalt und abends sind sie immer daheim.

Aktionstag 2007 © lucy lynn, www.lynn-art.com

Wie ihnen geht es Vielen. Die AlleinerzieherInnen, die Geschiedenen, die MindestlohnempfängerInnen, die ProjektarbeiterInnen mit den “neuen Sonderverträgen” und die, die verzweifelt auf Arbeitssuche sind, weil sie nie die Voraussetzungen erfüllen und natürlich die Flüchtlinge aus allen Winkeln dieser Welt. Viele davon sind ebenso hungrig auf Kunst und Kultur wie auf das Essen, das sie oft genug nicht selbst bezahlen können. Und nur Wenigen sieht man die Armut wirklich an.
Ich habe die Armut auch nicht gesehen bei der Alleinerzieherin, deren Tochter in dieselbe Schule ging wie meine. Wir saßen im selben Businesskurs des Arbeitsamtes. Beide Uniabsolventinnen, beide auf der Suche nach neuen beruflichen Herausforderungen. “Herausforderung”, auch nur eine blöde Formulierung für: arbeitslos, zu alt (über 35!), überqualifiziert und obendrein auch noch weiblich. Im Gegensatz zu mir begann für sie die wirkliche Herausforderung schon beim täglichen Essen, setzte sich beim Schulmaterial kaufen fort und endete beim verzweifelten Hoffen, dass der Ex irgendwann einen Teil der Alimente zahlen würde. Die Bekleidung von der Caritas, um beim Vorstellungsgespräch einen guten Eindruck machen zu können, war ein wirtschaftlicher Einbruch für einen ganzen Monat. Ihr hätte eine Auszeit im Theater, bei dem sie ihr schönes, aber ansonsten nutzloses Standesamt-Kleid hätte tragen können, sicher neue Kraft gegeben. Heute arbeitet die studierte Biotechnikerin für eine Versicherung. Sie gönnt sich wieder Kultur und spendet für andere, die es sich nicht leisten können, ab und an eine Eintrittskarte. Wie sie, halte ich es ab sofort auch; denn hungrig auf Kunst und Kultur sollte man nicht bleiben. Denn nicht nur der Magen gefüllt, sondern auch das Kulturbedürfnis muss gestillt werden, um dem Alltag begegnen zu können.

Aktionstag 2007 © lucy lynn, www.lynn-art.com

Und dass der Kulturhunger nicht zu groß wird, ist der Aktion Hunger auf Kunst und Kultur zu verdanken. Armutskonferenz und Schauspielhaus Wien initiierten die Aktion. Seit 2003 gewinnt “Hunger auf Kunst und Kultur” Kulturinstitutionen als Partner, um Menschen, die es sich nicht leisten können, den Zugang zu den Musentempeln zu erleichtern. Die Kulturpartner sind für die Finanzierung der Karten durch Veranstaltungen, Privatspender, die z. B. an der Museumskasse einfach den Wert einer Eintrittskarte spenden, und Großsponsoren selbst verantwortlich. Das Netzwerk der Armutskonferenz, karitative und soziale Hilfsorganisationen und das AMS übernehmen die Ausgabe der Kulturpässe. Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, die Sozialhilfe, Notstandshilfe oder Mindestpension beziehen und Flüchtlinge können auf diese Weise trotz ihrer fundamentalen Existenzsorgen ab und an Kunst und Kultur genießen.
Details wie es funktioniert, wie Sie Eintrittskarten spenden können oder wie Sie falls nötig einen Kulturpass beantragen können, erhalten Sie auf den Seiten von Hunger auf Kunst und Kultur.

Armut beginnt nicht erst in der Gruft.
Armut ist oft unsichtbar.
Armut kann jeden treffen.
Armut wohnt neben an.
Armut ist weiblich.
Armut grenzt aus.
Armut macht krank.
Armut macht hilflos.
Armut macht einsam.
Armut tut weh.
Armut muss nicht sein.

© S. Strohschneider-Laue

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KUNSTWERK

Montag, 02. Februar 2009

Notiz

KUNSTWERK
Kunst von Menschen mit Behinderung aus den Werkstätten von JaW im KHM

3. bis 15. Februar ‘09

Irokese, Caktas Wohl die meisten BesucherInnen im Kunsthistorischen Museum wünschen sich reich genug zu sein, um sich zumindest ein den Ausstellungsstücken vergleichbares Kunstwerk leisten zu können. Vielleicht ein dürres Mädchen von Cranach oder eine pralle Frau von Rubens. Atelierbetriebe, die damals die Reichen und Schönen so malten wie es sich die Fotografen-Kundschaft von heute ebenfalls erträumt. Denn auch vor der Erfindung der Fotografie und lange vor Photoshop wurde weggelassen, was unerwünscht war und ergänzt, was fehlte. Nicht umsonst ist Heinrich VIII. auf der Suche nach der idealen vierten Frau auf das Porträt der Anna von Cleve (Hans Holbein) “hereingefallen”. Jahrhunderte formten das Verhältnis von Künstlern und Kunden. Ein Verhältnis das übrigens selten eine Auftragsbeziehung zwischen Künstlerinnen und Kundinnen war und sich daher deutlich in den von Männern bevorzugten Sujets niedergeschlagen hat. Und Vieles hat vielleicht die Aktualität eingebüßt aber trotzdem die Anziehungskraft behalten. Und alle, deren Geldbeutel zu klein und das Plakat aus dem Museumshop zu schäbig ist, hoffen auf den zeitgenössischen Glückskauf als Wohnungsbehübschung mit Identifikationspotential. Leider haben die Dauerausstellung des KHM und die Sonderausstellung KUNSTWERK mehr als nur die Qualität der Bilder, Zeichnungen, Druckwerke und Skulpturen gemein. Man kann auch von den ausgestellten zeitgenössischen KUNSTWERKen nichts im Kunsthistorischen Museum kaufen. Es geht nämlich bis zum 15. Februar ‘09 nicht um Charity, sondern es geht um Kunst.

Schwimmerin, Lutschaunig Ohne den Streit “Künstler oder Kunsthandwerker” oder “Was ist Kunst” anzufachen, der ohnedies schon längst geführt wird, sind die Fragen nach “Künstler” oder “Kunsthandwerker”, Einzel- oder Atelierleistung zumindest berechtigt. Unberechtigt ist hingegen die Frage, ob Kunst von Menschen mit Behinderung überhaupt Kunst ist. Erlebtes verarbeiten, Befindlichkeit zum Ausdruck bringen, Sichtweisen zeigen, Erzählen durch Gestalten und vieles mehr macht Kunst(handwerk) zur Kunst. Obwohl rein finanziell gesehen erst das phrasenreiche Verkaufsgespräch und “Kaisers” Kaufbereitschaft so manche Kunst zum Kassenschlager macht.

Vision, Weissenbacher “Kunst ist das gemalte Wort”, sagte Thomas Weissenbacher (Künstler und Vorsitzender von Vienna People First) bei seiner Eröffnungsrede.
Direkt und unverfälscht, sind die Werke, die in KUNSTWERK gezeigt werden. Und sie lösen beim Betrachten “etwas” aus, ganz unabhängig von den SchöpferInnen werden die Werke unvoreingenommen wertvoll. Denn Begeisterung und Anerkennung für die gezeigte Kunst zu empfinden, hat ganz und gar nichts mit Mitleid zu tun.  Stolz sind daher die KünstlerInnen, die sie geschaffen haben. Sie sind stolz ernst genommen zu werden, dass ihre Kunst gefällt und auch ein bisschen stolz, dass ihre Werke im altehrwürdigen Bassano-Saal des Kunsthistorischen Museum gezeigt werden. Aber als KünstlerInnen sind vor allem eines: unprätentiös, begeisteurngsfähig und unabhängig.

Stadtlandschaft, Lehner Die KünstlerInnen wollen/müssen es niemand recht machen. Sie sind frei. Sie bringen ihre Befindlichkeiten zum Ausdruck und verarbeiten Erlebtes. Sie können über ihre Arbeiten sprechen ohne Schlüsselworte wie Position, Installation, ästhetisches Leitmotiv, abrupter Stilwechsel, minimalistische Farbfeldmalerei, eruptive Energie oder expressiv abstrakte Monochromie zu gebrauchen. Zufriedenheit ist befriedigend, Ehrlichkeit ansteckend. So ansteckend, dass BMin Dr. Claudia Schmied über das Bild, das ihr im Zuge der Eröffnung überreicht wurde, erfreut sagte: “Es sind meine Farben!”
Der Koloss KHM kommt langsam in Bewegung und entdeckt seine sozialen Kompetenzen - u. a. mit Führungen für blinde und sehbehinderte Menschen ab Frühjahr ‘09. Und für den kaufmännischen Direktor Dr. Paul Frey war es auch eine persönliche ”Herzensangelegenheit” diese Ausstellung zu ermöglichen. Trotzdem ist die Ausstellung KUNSTWERK viel zu kurz. Andererseits besteht an keinem anderen Ort eine bessere Chance, dass sie in dieser Zeitspanne von sehr vielen Menschen auf der Suche nach hoher Qualität und der Kunstelite gesehen wird. 

Ich schließe mich dem Wunsch von Thomas Weissenbacher vollinhaltlich an: “Ich hoffe, es wird ein Riesenerfolg!”

© S. Strohschneider-Laue

KUNSTWERK
Beteiligte KünstlerInnen und Gruppen der Ausstellung

Bilder/Zeichnungen

Harfe, Basnar Charlotte Basnar (*1980 Wien), Werkstätte Im Werd, 1020 Wien.

Thomas Weissenbacher (*1945 Steiermark) Werkstätte Grundsteingasse, 1160 Wie

Frühlingswiese, Im Werd 2 Gruppe Werd Zwei,  Werkstätte Im Werd, 1020 Wien

Pharao, Mirkovic Dragan Mirkovic (*1982), Werkstätte Kuefsteingasse, 1140 Wien

Abstrakt Rot, Katic Zeljko Katic (*1976 in Kroatien), Werkstätte Ayrenhoffgasse/FlipFlap, 1090 Wien

Hannes Lehner (*1986 Wien), Werkstätte Ayrenhoffgasse/FlipFlap, 1090 Wien

Schlangen, Grasnek Kurt Grasnek (*1944 Wien), Werkstätte Speckbachergasse, 1160 Wien

Bienen, Kuzma Susanne Kuzma (*03.06.1966), Werkstätte Ayrenhoffgasse/FlipFlap, 1090 Wien

Lisi Seidl (*12.11.1952), Werkstätte Ayrenhoffgasse/FlipFlap, 1090 Wien

Sarah Lutschaunig (*24.04.1984), Werkstätte Ayrenhoffgasse/FlipFlap, 1090 Wien

Schiff, Coban Michael Coban (*18.01.1967), Werkstätte Ayrenhoffgasse/FlipFlap, 1090 Wien

Teletubbies, Klaus Christine Klaus (*01.06.1949), Werkstätte Im Werd, 1020 Wien

Franz Widmann (*18.02.1957), Werkstätte Elisenstraße, 1230 Wien

Rudolf Steindl (*25.05.1969), Werkstätte Im Werd, 1020 Wien

Kunstobjekte

Schnecke, Wagner Wolfgang Wagner (*19.10.1971), Werkstätte ALPHA, 1220 Wien

Keramikgruppe Landstraße, Werkstätte Landstraße, 1030 Wien

Rudolf Proschek (*18.01.1956), Werkstätte Kuefsteingasse, 1140 Wien

Vogel, Horizont Metallgruppe HORIZONT, Werkstätte HORIZONT, 1210 Wien

Dino Caktas (*1978 Wien), Werkstätte Speckbachergasse, 1160 Wien

Silvia Annerl (*1977 Wien), Werkstätte Speckbachergasse, 1160 Wien

Kunstwerk Kunst von Menschen mit Behinderung aus den Werkstätten von JaW im KHM 3. bis 15. Februar ‘09

Kunst kommt von Innen Kunst von Innen: Art Brut in Österreich

Buntes Haus  Buntes Haus 
siehe auch Rezension “Buntes Haus”

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Torso

Montag, 12. Januar 2009

Notiz

KopftypInnen auf den Roten Listen! 

Torso © Sistlau

Man(n) braucht keinen Kopf, um vorwärts zu kommen. Vom Socken in der Hose bis zum Nippelwonderbra unter der Bluse oder die Chirurgenvarianten, egal der nackte, blanke, rudimentäre Torso ist “in”.

Und schon fragt sich der Kopftyp und -typin - auch ohne “Troja” gesehen zu haben: “Ist das alles, wirklich alles?”

Nein, denn man muss alles, wirklich alles, wirklich-wirklich alles geben, um ein echter Torso zu werden: Kopf, Arme, Beine.

Aber immerhin ist die Freizeitindustrie noch an Armen und Beinen interessiert. Irgendjemand muss ja noch die im Winter die Bretteln, im Frühjahr die Räder, im Sommer die Flossen und im Herbst die Walkingstöcke kaufen.

Nur beim Kopf sinkt die Nachfrage mehr und mehr. Im öffentlich-rechtlichen Medienbereich ist der Kopf innerhalb wie außerhalb schon ziemlich “out”. Befüllte Köpfe erweisen sich zudem für staatspolitische Interessen als zu schwer kontrollierbar. Wirtschaftlich relevant sind nur noch die rudimentären - also hohlen - Köpfe. Andererseits wurden schon immer die besten Geschäfte mit der Blödheit der Leute gemacht.

Fazit: Investieren in den Torso lohnt sich, verblöden dürfen wir gratis.

© S. Strohschneider-Laue

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PrivatRevier

Montag, 15. Dezember 2008

© Chr. Ranseder

Privatleben? Ja, bitte!
Revierverhalten? Nein, danke!

Menschliches Revierverhalten zu beobachten, kann recht interessant sein, wenn man nur unbeteiligte Lauscherin sein darf und nicht selbst sein Revier markieren muss. Dasselbe gilt für das Privatleben, insbesondere MEIN Privatleben, das ich gerne privat, das bedeutet “nicht öffentlich”, lebe.

Letztlich war ich wieder bei einem von diesen “Wie blase ich mich zum Platzen besser und glänzender auf als alle anderen”-Festln.

“Bussi-Bussi wie geht’s! Du bist so blass, du Arme, bist du auch ganz gesund? Oder warst du dieses Jahr etwa noch nicht auf Urlaub?”

Eine Antwort auf diese Begrüßung erübrigt sich grundsätzlich. Das ist nur ein rhetorisches Mittel der Bussi-Bussi-Person, um ihre eigene Krankengeschichte gemeinsam mit dem Teuer-Urlaub im Luxusghetto für unselbständig Touristen im 5-Turban-Ressort in der Zivilisationsferne anzubringen.

“Also mit meinen Hautproblemen will ich dich ja gar nicht erst belasten. Furchtbar sage ich dir! Furchtbar! Also die müssen da in der Wüste echt noch dazu lernen. Stell dir vor, da scheint den ganzen Tag die Sonne und die tun nichts dagegen. Wir waren ja drei Wochen ganz tief drinnen. In der Wüste meine ich. Fantastisch sage ich dir! Fantastisch! Diese unerträgliche Weite, da bist du direkt froh, wenn du den ganzen Tag in der Anlage beim Swimmingpool bleiben kannst. Na, beim Essen müssen die dort noch viel lernen, was eine anspruchsvolle Österreicherin will. Man will es ja nicht schlechter haben als daheim. Außer Spaghetti Bolognese und Pommes kann man ja dort nichts essen. Lauter klebriger Süßkram, staubiger Brei und dünne Fladen, gekochte kleine Gurken, im Obstkorb war weit und breit kein Apfel zu finden und Bestecke muss man fast schon verlangen. Und dafür zahlt man soviel Geld und ist fast einen Tag mit dem Flugzeug unterwegs. Schlimm sage ich dir! Schlimm! Und die Affen! Die laufen da frei rum. So etwas gehört doch aus der Anlage vertrieben. Na, wenigstens halten die Mauern die Einheimischen draußen. Also im Urlaub brauche ich diese mageren Gestalten mit den Blähbäuchen wirklich nicht. Das verdirbt einem ja die ganze notwendige Erholung. Da spende ich ohnedies jedes Jahr für “Licht ins Dunkel” satte zehn Euro. Da können die dort mit ihrer Familie einen Monat davon leben. Aber zur Arbeit im Ressort kann man die Leute nicht gebrauchen. Die wissen ja nicht einmal was ein Stuhl ist. So gesehen, leben die doch glatt von meinem sauer verdienten Geld. Geführt wird die Anlage von einem Engländer. Die Angestellten sind ein internationales, ganz junges Team. Das ist schon gut so, dann muss man sich nicht mit diesem Kauderwelsch herumschlagen. Uns hat ja immer dieser deutsche Kellner bedient. Das war richtig angenehm. Naja, bis auf seinen Akzent…”

Genau in der Atempause ergriff ich die Flucht: “Sorry, dass ich deine überaus persönlich erhellenden Ausführungen so rüde unterbrechen muss, aber ich möchte schnell drüben auch ‘hallo’ sagen. Ich bin sicher, du vergisst nicht, was du mir noch erzählen wolltest.”

Ich hätte es lassen sollen! Bei meiner vorigen Gesprächspartnerin wusste ich ja schon vorher, dass sie eine Chauvinistin mit (zu)viel Geld und (zu)wenig Hirn ist. Aber alles lässt sich übertreffen, sogar der Unkulturschock.

“Bussi-Bussi, schön, dass du auch hier bist! Jetzt haben wir uns ja schon eine Weile nicht gesehen und die Kinder sind doch schon so groß geworden. Wir müssen unbedingt einmal so von Mutter zu Mutter sprechen. Hat deine auch schon einen Freund?”

Mir rutschte das Herz in die Hose. Da war die Frage, die ich so hasse, weil ich nie weiß, wie ich reagieren soll. Was geht die gesamte Weltbevölkerung das Privatleben meiner Tochter an? Das Wort “privat” bedeutet “nicht öffentlich”. Das ist genau die Art von Frage, die im Stellenwert gleich nach der Stubenreinheit der Kinder angesiedelt ist. Ich habe mich immer gefragt, ob ich mich im Gegenzug höflich nach der beginnenden Inkontinenz älterer Familienmitglieder erkundigen sollte. Frei nach dem Motto: “Ach, wenn wir schon beim Windelthema sind. Geht dein/e Vater/Mutter noch alleine oder musst du sie schon windeln? Ausgerechnet jetzt, wo dein Fünfjähriger endlich aus dem Gröbsten (bezogen auf die Windeln nicht auf die Manieren) raus ist?” Aber ich hasse speziell die Frage nach “dem Freund” und wenn ich einen Sohn hätte, würde mich die Frage nach “der Freundin” genauso ärgern. Wenn Männer fragen, drängt sich bei mir automatisch der Gedanke auf, ob sie sich damit nach ihren Chancen oder pikanten Details erkundigen wollen und bei Frauen, ob sie die Konkurrenz fürchten. Achja und möglicherweise wird ja auch gefragt, ob die Kinder auch die richtige Entscheidung (bzgl. Geschlecht, Herkunft oder was auch immer - für die Fragenden - relevant sein mag) getroffen haben. Letztlich nervte mich eine entfernte Bekannte mit genau dieser direkten Frage nach dem Stand der sexuellen Aktivität meiner Tochter. Im letzten Moment hatte ich meine Gegenfrage, die schon auf der Zungenspitze hing, wieder hinuntergeschluckt. “Schläfst du auch schon wieder mit jemanden oder hast du dem Sexleben abgeschworen?” Es wäre nicht nur unverschämt gewesen, die Frage hätte mich auch auf dasselbe impertinente Niveau gebracht. Stattdessen sagte ich: “Interessante Frage! Nun auch sie hat ein Privatleben.” Was vielleicht ein Fehler war, vielleicht wollte sie genau nach ihrem Sexleben gefragt werden und hatte nur einen “höflichen” Umweg gemacht…
Jedenfalls wurde bei dieser Party wie beim “How do you do” keine Antwort erwartet, ob “sie einen Freund hat”.

“Also meine hat einen, der studiert schon. Sie ist ja so beliebt. Sie legt soviel Wert darauf, dass ihr Freund etwas hermacht. Mit jedem würde sie sich ja nicht einlassen, der muss schon einen Haarschnitt haben und ordentlich angezogen sein. Und ich muss mir endlich keine Sorgen mehr machen, wo sie ist, wenn es abends spät wird. Meine ist ja so aktiv. Sie hat ja viele Freunde und ist immer so viel unterwegs. Du müsstest ihre Handyrechnungen sehen. Verheerend sage ich dir! Verheerend! Aber so ist dann nun mal bei aktiven jungen Frauen, die im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen und gefragt sind…”

Das war der Punkt, an dem wir zu Tisch gerufen wurden. In diesem unreflektierten Redeschwall hätte es sicher keine Atempause für meine Flucht gegeben. Und ab irgendeinem Punkt hätte ich sicher etwas Unpassendes gesagt. Irgendetwas wie: “Von mir aus kann er Haare haben wie ‘Cousin It’ von der Adams Family, Hauptsache er hat ein Gehirn - und benutzt es. Und sie verstehen sich prächtig, vor allem wenn sie gemeinsam Saurier in Wyoming ausgraben. Wofür sie beide mit Leiberln überaus korrekt bekleidet sind…”

Bei Tisch saß ich mit mir mehr oder minder bekannten Frauen zusammen, die mir bei der Vorspeise erklärten, wie sie durch die Schwangerschaften und Geburten gelitten hatten. Bei der Suppe wusste ich wessen Plazenta die schwerste, beste und schönste war. Ich beschränkte mich auf geringe Nahrungsaufnahme an der Grenze zur Höflichkeit, da mir die Themen mehr als genug zum Verdauen gaben. Meine Wortspende, die sich mir innerlich aufdrängte, schluckte ich ebenfalls runter. Dass ich bei der Geburt meiner Tochter durch optische Abwesenheit glänzte, weil ich keine Brille auf hatte - und dafür nach wie vor unendlich dankbar bin - und am liebsten in Cafeteria gesessen wäre und diesen Scheißjob meinen Mann überlassen hätte, wäre sicher auf totales Unverständnis gestoßen. Beim Hauptgang erfuhr ich Details über Myome, die ich lieber nicht gewusst hätte. Als ich die Gebärmuttergeschwulste mit den Größen der diversen Fleischstückchen auf meinem Teller zu vergleichen anfing, wurden plötzlich die besten Kosmetikinstitute und ihre Wirkung auf das aktuelle Aussehen diskutiert. Bevor das Dessert serviert wurde, wechselte ich vorsichtshalber zur Herrenrunde. Die waren gerade dabei diverse Potenzmittelchen durchzuhecheln. Als ich mich danach erkundigte, welches davon denn ihrer Erfahrung nach das Beste sei und wie sich ihre Leistung dadurch im Vergleich zu vorher verbessert hätte, wurde blitzartig Sport und ihre überragenden Leistungen in verschiedenen Disziplinen zum Hauptthema.

Am besten hat es mir an diesem Nachmittag bei den Jugendlichen gefallen. Übrigens würde man ihnen niemals diese Eltern zutrauen, aber vielleicht muss man ja nur noch einige Jährchen warten bis sich die Ähnlichkeiten ausprägen… Persönliches wurde mit der besten Freundin am Klo - auch nicht gerade der heimeligste Ort, aber immerhin relativ (relativ, wenn man zu zweit hineingeht) privat - besprochen. Ansonsten drehten sich die Gespräche um die letzten Konzerte, die besten Bands und Solisten,  Filme, die Oscarverleihung und “was soll ich bloß gegen die Pickel tun” oder nach der Schule anfangen. Da gab’s haufenweise Themen rund um zeitgenössische Kultur, Ängste, Hoffnungen und Zukunftsvisionen. Es war echt interessant, lustig und kein bisschen prätentiös.

Ganz anders bei den “Erwachsenen” - was immer das auch sein mag - deren Standortbestimmung zur Cocktailstunde beim beliebten Gesellschaftsspiel “Wertevergleich” angekommen war. “War euer Urlaub weiter weg als unserer”, “Kaufst Du auch beim ‘Teure-Etiketten-Laden”, “Diese Automarke kauft doch heute kein Mensch/Mann mehr” sind anscheinend die beliebtesten Messlatten. Natürlich wurde auch ich befragt. Es war unvermeidlich, aber ich hatte meine Tageslektion gelernt oder ein unweibliches Bier - ich hasse Prosecco - zuviel geschlürft, abgesehen davon begann mich mein böser Teufel zu reiten:

“Unser Urlaub war eine Individualreise. Ich will mich da nicht extra verbreitern, aber so etwas ist natürlich sehr planungsintensiv und benötigt eine eigene Betreuung. Über die Kosten möchte ich daher lieber auch nicht reden. Was meine Bekleidung betrifft, bevorzuge ich exklusiv für mich von meiner eigenen Designerin Entworfenes und von meiner Schneiderin Angefertigtes. Sie hat seit Jahren meine Maße und arbeitet ausschließlich für meine gesamte Familie. Man will ja schließlich nicht mit einem Blick abtaxiert werden. Oder noch schlimmer auf einer Party ertappt werden, dass man das gleiche Kleid wie eine andere trägt. Ja und was das Autofahren betrifft, bin ich sehr konservativ, was immer eine Frage des Geldes ist. Ich liebe meinen Oldtimer. Ja, ich weiß, die sind recht pflegeintensiv und teuer, aber irgendwie ist ja Mainstream nicht unbedingt alles, man möchte sich doch von der breiten Masse abheben.”

Schön, wenn man so viele Partygäste so für sich einnehmen und begeistern kann - und das ohne wirklich Wesentliches preiszugeben… Also tatsächlich waren wir in Bad Aussee. Es wäre weit gewesen, wenn wir eine Route rund um den Globus mitten durch die Touristenghettos gewählt hätten, aber auf Grund guter gemeinsamer Planung sind wir direkt hingefahren.
Tja, was die Bekleidung betrifft, mag ich Stangenware tatsächlich nicht besonders, vor allem wenn sie echter Etikettenschwindel ist.
Warum sollte ich Teuer-Irgendetwas links herum tragen, damit man das Teuer-Irgendetwas-Etikett sieht?
Warum sollte ich ein Teuer-Irgendetwas tragen, dessen Etikett man nicht rauschneiden sollte (die unnötigen Dinger kratzen so fürchterlich), weil es dann nur noch ein Billig-Irgendetwas wäre?
Was spicht für ein Teuer-Irgendetwas, das sich trotzdem nur irgendwie - Betonung auf irgendwie - um den Körper herumspannt oder sackartig an den entscheidenden Stellen herunterhängt?
Wozu ein Teuer-Irgendwas, dass sich durch nichts absolut nichts von Fakeware unterscheidet, weil es aus der selben Dritte-Industriewelt-Billig-Kinderarbeit-Fabrik abgezweigt wurde, die die Teuer-Irgendetwas herstellen?
Gott-sei-Dank hat meine Mutter ein Auge für Stoffe und Qualität. Sie kann wunderbar nähen und sie arbeitet exklusiv nur für uns. Was will ich mehr?
Und was das Auto betrifft, fahre ich seit sieben Jahren dasselbe. Es wird regelmäßig gewartet und unregelmäßig geputzt. Es hat mich noch nicht im Stich gelassen. Naja, in Frankreich ist es uns dieses Jahr fast an seinem vollen Katalysator erstickt, aber die Luxemburger Mechaniker haben einen neuen eingebaut und jetzt spult es wieder die Kilometer rauchfrei und wesentlich schneller als 40km/h runter. Warum sollte ich das treue Gefährt entsorgen, das inzwischen sogar geruchsmäßig zur Familie gehört und nicht mehr nach Plastik und Fabrik riecht?
Manchmal frage ich mich, ob mein erweiterter Bekanntenkreis mich für desinteressiert hält? Ob meine Zurückhaltung persönliche Fragen zu stellen, falsch eingeschätzt wird? Ich stelle tiefgehende persönliche Fragen nur deswegen nicht, weil ich selbst nicht gestellt bekommen möchte. Freunde, die etwas mitteilen möchten, sollen und dürfen das aus freien Stücken machen. Es wird immer mein Ohr erreichen und nicht über meine Zunge in den weiteren Umlauf gebracht werden. Genauso wie ich es haben möchte, wenn ich nur wenigen ausgewählten Menschen mein Vertrauen schenke, meine Sorgen und Nöte mitteile. Privates, das zur Superstory mit Beschleunigungsfaktor mutiert, ist nicht mehr privat, sondern öffentlich und ich bin definitiv keine “öffentliche Frau”. Das ist der essentielle Unterschied zwischen Freunden und Bekannten, der Unterschied zwischen Bussi-Bussi und Komm-lass-dich-drücken, der Unterschied zwischen Fundament und Fassade.
Bin ich froh, dass ich/wir kritikfähige, diskrete, unprätentiöse FreundInnen haben.
Bin ich froh, dass bei diesem Bussi-Bussi-Festl und meinem Party-Outing als Frau mit Designerkleidern, Oldtimer und geplanten Individualurlaub niemand aus diesem Kreis dabei gewesen ist. Sie wären vor Lachen gestorben und ich will definitiv, dass meine FreundInnen ewig leben.

© S. Strohschneider-Laue

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Eindeutig zweideutig

Freitag, 14. November 2008

Notiz

Eindeutig zweideutig zum Quadrat

Evas Apfel © Ch. Ranseder

Es geht um Sechs, Sixpack oder doch um Sex?

Obiges grüne Äpfelchen kam im Sixpack und verkündete trotzdem einmalig stolz ”Sechs mit Sexappeal”!

Mit diesem Äpfelchen ist es eindeutig bewiesen: Es ging damals im Paradies - als unsere Ur-zum-Quadrat-Großeltern noch nicht aus Kostengründen nackt herumliefen und auch deshalb ganz verschieden aussahen - um nichts anderes als 6! Und weil drei eine heilige Zahl ist, ist es nicht verwunderlich, dass drei 6-Äpfel mathematische tierische Probleme von satanischen Ausmaßen verursachen, an dem vor allem pubertierende Schüler besonders zu beißen haben.

Und weil Eva Adam zu jener 6-Apfel-Erkenntnis verhalf, zu der er von alleine gar nicht gekommen wäre, sind die heutigen ungesunden Potenzmittelchen klein, rauten-(nein, nicht alraunen)förmig und blau statt gesund, rund und apfelfarben.

© S. Strohschneider-Laue

Siehe auch: Apfeliges Copyright

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Lachnudeln

Mittwoch, 05. November 2008

Notiz

Doppeldeutig III

funny fish © S. Strohscheider_Laue

Schreibfehler mit Nachkorrektur?

Wort zu lang und den unwichtigsten Buchstaben ausgelassen?

Vielleicht wird ein Lachsack (”Lach-sack” nicht “Lachs-ack”) mitserviert!

Egal, denn es war ein echter Hingucker!

Dieser “funny-fish” wurde am 31. Oktober ‘08 in Wien serviert.

© S. Strohschneider-Laue

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Endlich 1968

Freitag, 24. Oktober 2008

Notiz

Endlich 1968 - Film
die 68er sind in die Jahre gekommen
Ein Film von Herbert Link 2008, 55′

1968 wurde ich sieben Jahre und kam in die Grundschule. Wenn man mich zu 1968 befragt, fallen mir trotzdem spontan Dinge, wichtige Ereignisse dieser Zeit ein. Wahrscheinlich, weil die Ereignisse in meiner Familie diskutiert wurden oder wir direkt betroffen waren: Studentenunruhen, Einmarsch der Russen in der Tschechoslowakei, Martin Luther King und Robert Kennedy erschossen, Brandanschlag auf Kaufhaus in Frankfurt und Demonstrationen gegen den Springer Verlag. Und es fällt mir ein Urlaub in Österreich ein, bei dem Betrunkene im Wirtshaus in Deutschland verbotenes Liedgut anstimmten und einem jungem Wiener die langen Haare von der grölenden Dorfjugend abgeschnitten wurden. Erinnerungen, die sich mir erst nach und nach inhaltlich erschlossen haben. Erschlossen, weil ich von der 68er Bewegung ausgelösten Bildungsreform des Deutschen Schulsystems profitierte. Den 68ern habe ich zu verdanken, dass ich in einem meinungsbildenden, kritischen Umfeld aufgewachsen bin und auch in der Schule zum kritischen Hinterfragen und freien Meinungsaustausch ausgebildet wurde. Und den 68ern habe ich es zu verdanken, dass ich als heranwachsende Frau am sich neu formierenden Feminismus und dessen Erfolge teil hatte. Mit Österreich verband ich bezogen auf 1968 höchstens den Wiener Aktionismus, Sigi Maron und sonst nichts und niemanden. Und Sigi Maron war mir auch nur bekannt, weil meine Jugendfreundin, die in ihrer Schule in den 70er Jahren in den Pausen noch im Kreis gehen musste, seine Kritik so schätzte.

1968 war doch in dem kleinen und bescheidenen Österreich spürbar. Es gab Empörung, es gab junge Menschen, die das eine oder andere, mehr oder minder laut in Frage stellten. Es gab StudentInnen, die feststellten, das weite Bevölkerungsteile von partieller politischer Amnesie befallen waren, die ihnen ein Leben in selig unbehelligter Verantwortungslosigkeit ermöglichte. Zumindest lässt das der Film von Herbert Link, der im “Endlich 1968. Die 68er sind in die Jahre gekommen” vermuten.
Herbert Link lässt Menschen, die 1968 erwachsen waren, zu Wort kommen. Gibt ihnen Plattform über die Ereignisse und ihr Leben zu dieser Zeit und danach zu sprechen. Nicht alle Interviewten sind Österreicher, nicht alle waren zu dieser Zeit hier und nicht jeder konnte sich mit den rebellischen Zeitgeist junger Menschen im Aufbruch zu neuen geistigen Ufern identifizieren. Sie sind ZeitzeugInnen von Entwicklungen geworden, die auch die “Geschöpfe der Agonie” - wie Thomas Bernhard die Österreicher 1968 bezeichnete - erfasste.
Zu Wort kommen:
Bruno Aigner - Pressesprecher des Bundespräsidenten
Gertrude Fröhlich-Sandner - Vizebürgermeisterin i. R.
Dirk Jarré - Soziologe
Wolfgang Kos - Historiker und Museumsdirektor
Julia Logothetis - Bildende Künstlerin
Said Manafi, Filmemacher
Birgit Meinhard-Schiebel - Vorsitzende der Grünen Senioren Wien
Sigi Maron - Liedermacher
Joop Roeland - Priester
Andreas Unterberger - Chefredakteur
Werner Vogt - Arzt und Publizist
Emmy Werner - Theatermacherin

Vierzig Jahre schaffen Distanz. Manche Aktion wird heute als Abenteuer oder - gescheitertes - Experiment bewertet. Etliches wurde als spannendes Neuland entdeckt, an dem man andere teilhaben lassen wollte. Und es gab jene, die plötzlich mit offenen Augen hässliche Wirklichkeiten erblickten, die sie nie für Wahrheiten gehalten hätten und die es durch sie zu bekämpfen galt. Es kommen in dem Film die ewigen Rebellen genauso zu Wort wie jene, die sich erst nach und nach zu RebellInnen entwickelt haben und solche, die sich konformistisch etabliert haben oder nie einen Grund zum Aufbegehren wahrgenommen haben. Sieben Männer und vier Frauen sprechen sehr persönlich über 1968 und die Folgen.

Eine Dokumentation, die viel Anlass zur Diskussion bietet. Eine angeregte kritische Diskussion von der man nur hoffen kann, dass sie folgen wird; denn 1968 ist vorbei und wir haben stattdessen 1984 in einem untragbaren Ausmaß zugelassen. Junge Wilde werden in Zeiten wirtschaftlicher Katastrophen, totaler Überwachung und in Zeiten in dem sich Armut zum Frauenprivileg entwickelt, systematisch am Denken gehindert.
Brave new world!

© S. Strohschneider-Laue

Siehe und höre Mediathek: 1968 Zeitzeugen

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Kochfest

Dienstag, 15. April 2008

Notiz

Doppeldeutig II

kochfest © K. Kaus

Damen beim Kochfest?

Damen beim feste Kochen?

Damen beim Festkochen?

Fest kochende Damen?

Feste Damen gekocht?

Damen fest gekocht?

Damen fest kochend?

Kochfeste Damen?

Echt unheimlich…

Diese Doppeldeutigkeit wurde im Burgenland entdeckt.

© S. Strohschneider-Laue

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Handleder

Freitag, 11. April 2008

Notiz

Doppeldeutig

Handleder © S. Strohschneider-Laue

Leder aus besten Händen!

Leder aus besten Händen?

Wirklich?

Aus Händen?

Aus besten Händen?

Aus besten Gerberhänden?

Aus besten von Gerbern gegerbten Händen?

Von besten Gerberhänden gegerbte Hände?

Von besten Gerberhänden händisch Gegerbtes?

Von besten Gerberhänden händisch gegerbtes Leder?

Von besten Gerberhänden händisch gegerbtes tierisches Leder?

Echt unheimlich…

Diese Doppeldeutigkeit wurde in Wien entdeckt.

© S. Strohschneider-Laue

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Deutschproblem I

Freitag, 11. April 2008

Notiz

Komm zu mich
ich lern dich Deutsch
im Flüchtli(n)gswerk

Orthographie

Die es geschrieben haben, brauchen die Tafel nicht.
Die es bräuchten, fragen lieber.
Sie war teuer.
Sie bleibt dort.
Dafür hängt sie hoch und der Gang ist finster…

In einem dunklen Winkel im Osten Österreichs gesehen und geblitzt…

© S. Strohschneider-Laue

siehe auch: Deutschproblem II

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Bier-Dosen-Öffner

Freitag, 11. April 2008

Notiz

Werkzeuggebrauch bei Primaten

Bier-Dosen-Öffner

Der Werkzeugerfolg gibt ihnen Recht: Affen stochern mit Stöckchen, um Apfelmus zu angeln und sie stapeln Kisten, um die Banane zu erwischen, die ein Wissenschaftler aufgehängt hat. Der Bonobo Kanzi nutzt einen großen Wortschatz, kann den Kühlschrank aufmachen, Kartoffel schälen und vermutlich auch Dosen öffnen…

Nur der kleine Blonde nimmt einen Flaschenöffner, um eine Bierdose zu öffnen, um an das kleine Blonde darin zu kommen
…und da er nicht verdursten wollte, hat ihm wohl eine große Blonde den Dosentrick verraten müssen!

Diese seltsame Kombination wurde in Linz geknipst.

© S. Strohschneider-Laue

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Wiener Aktion

Freitag, 11. April 2008

Notiz

Kommunale Navigationshilfe
oder

Hundstrümmerlkunst (A)/Hundehaufenkunst (D)

Wiener Aktion © Ch. Ranseder Wiener Aktion © Ch. Ranseder

Ein Aufflammen des Wiener Aktionismus wurde neulich nebenan in Wien vermutet und fotografisch dokumentiert. Noch kann die neue Ausprägung der an die singuläre Uni-Ferkelei erinnernde Übermalungsvariante nicht definiert werden. Diskutiert wird von renommierten Experten der Installationscharakter der an die Straßenkunst und Landart angelehnten Vergänglichkeit am animalisch vollendeten Werk. Die öffentliche Sichtbarmachung der canin verrichteten Notdurft kommt innerlich und äußerlich im abstrahierenden aber signalstarken Grün erdnah als neue Wirklichkeit zum Ausdruck. Die partizipatorisch angelegte Aktion einer Minorität blieb - bisher - eine anonyme Singularität.

Die Stellungnahme des künstlerischen Leiters der Halle für die Zukunft der neuen Kunstform blieb kryptisch-pessimistisch, denn “…seine Vorstellung von Kunst definiert sich über virtuelle Raumlayer in einem aufstrebend umhegtem Geviert mit einer abschließenden Einrichtung oben und einem ebenen Konstrukt unten, welches in aktuellen Bezug zum temporären Gestrigen ein imhomogenes Ganzes in extrovertierte Heißluft konvertiert und nasal-fußtaktile Synästheten exkludiert…”

Eine Stellungnahme seitens kommunal Engagierter konnte nicht eingeholt werden. Wohlinformierte Kreise kolportieren, dass eine Übernahme der bürgernahen Kunstform in Planung ist. Die Gründung einer gut dotierten Kommission, die sich aus Kommissionsprofis aus Politik und Wirtschaft zusammensetzen wird, wurde schon in die Wege geleitet. Folder und Plakatwerbung sollen sich bereits in Planung befinden. Am mehrstufigen Eignungsverfahren, das die zukünftigen Hundstrümmerl-Künstler selbst zahlen müssen, wird noch gefeilt. Die schwer unterdotierten Kunstförderungen werden davon unberührt bleiben. Das Entgelt der kommisionär schwer geprüften Künstler wird durch die öffentliche Initialzündung gegeben sein und sich in der Nennung auf der Homepage erschöpfen. Ein Anrecht auf die Künstlersozialversicherung kann davon jedenfalls nicht abgeleitet werden, da die kommissionäre Prüfung nicht die Berufsberechtigung über den akademischen Zugang zur Kunst ersetzen wird.

Übrigens: Die Fußgänger hat die Hundstrümmerl-Navigations-Hilfe jedenfalls gefreut.

© S. Strohschneider-Laue

siehe auch: Wiener Aktion 2009

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K(l)eine Geschenke

Freitag, 11. April 2008

© Chr. Ranseder

K(l)eine Geschenke erhalten die Freundschaft – oder auch nicht

In Zügen kommen oft völlig fremde Menschen mit einander ins Gespräch. Nichts verbindet sie außer der gemeinsamen Strecke. Ich für meinen Teil weiche solchen Gesprächen aus. Entweder schlafe ich tatsächlich oder ich stelle mich schlafend. Ab und an schnappe ich auf diese Weise Gespräche von Mitreisenden auf, die meine Aufmerksamkeit fesseln. Letzte Woche war ich wieder einmal Ohrenzeugin einer interessanten Unterhaltung. In meinem Abteil saßen zwei Herren, die nach und nach ins Gespräch gekommen waren. Leider sprach einer der beiden sehr leise, so dass ich nur eine Hälfte des Gesprächs, die mit Sicherheit die interessantere Hälfte war, verfolgen konnte.

Nein, Sie schenken nicht gerne? Wie seltsam! Vielleicht sollten Sie das Schenken einfach für sich selbst neu erfinden. Man kann es sowieso kaum jemanden wirklich recht machen. Die meisten kaufen sich die Dinge, die sie sich wünschen ohnedies selbst. Ganz egal, ob es ihre Geldbörse erlaubt oder nicht. Glauben Sie mir, Schenken macht mehr Freude als selbst beschenkt zu werden. Allerdings nur, wenn man es richtig macht. Als Kind glaubte ich diese Philosophie des Schenkens nicht, aber jetzt bin ich davon fest überzeugt. Schon die Auswahl des Geschenks ist für mich das größte Vergnügen.

Ach, Sie möchten wissen, weshalb das so ist? Aber gerne!

Eigentlich liegt es in meiner Erziehung begründet; denn meine Mutter sagte immer, „Bedenke stets, was dein Geschenk bedeuten könnte.” Und daran habe ich mich die letzten Jahre strikt gehalten.

So, das verstehen Sie nicht? Ja, aber das ist doch kein Problem, vor allem wenn Sie, wie Sie mir gerade erklärt haben, stets Personen verpflichtet sind, die Sie eigentlich gar nicht mögen. Gerade bei diesen ist es doch am leichtesten etwas Passendes zu finden. Kompliziert erweisen sich eher jene Menschen, denen man wirkliche nahe steht.

Sie müssen demnächst ihren Chef beschenken, obwohl Sie gar nicht wollen? Aus dem Stegreif kann ich Ihnen natürlich nicht raten, da müssen Sie mir schon einiges über Ihren Chef erzählen.

Wenn ich Ihre Aussagen zusammenfassen darf: Er ist inkompetent und Ihre Arbeit gibt er als die seine aus. Darüber hinaus ist er nicht nur korrupt, sondern rechnet seine Spesen zusätzlich ein zweites Mal über einen Verein ab. Und die Sekretärin ist seine Drehscheibe, die man sogar bestechen muss, wenn man einen Urlaubsschein benötigt. Eigentlich müsste es Ihnen eine Freude sein, Chef, Vorzimmerdame und alle Kollegen zu gleichen Teilen zu beschenken.

Gut, ich will Ihnen einen Tipp geben, denn solche Staatsdiener überrasche ich mit Vorliebe. Informieren Sie die Sekretärin, dass die Belegschaft ein Gemeinschaftsgeschenk geben will und sie die Organisation übernehmen soll. Wenn alle ihr Scherflein beigetragen haben, geben Sie sich ratlos, um letztlich eine Geschenksüberweisung vorzuschlagen. Vermutlich wird die Sekretärin alle Bankgeschäfte erledigen. Sie wird darauf die Überweisung des Betrages ganz sicher in ihrem eigenen Namen vornehmen. In Folge die geeigneten Maßnahmen in die Wege zu leiten, wird Ihnen doch wohl nicht schwer fallen. Muss ich noch mehr sagen, außer: Verdacht auf verbotene Geschenkannahme und Bestechungsversuch? Alle werden glücklich sein und das Jobkarussell kann sich vom neuem drehen.

Sie glauben, es käme nichts Besseres nach und zu kompliziert wäre es auch? Dann wählen Sie etwas Gängiges. Überreichen Sie ihr eine mit einem geschmacksneutralen Laxativ präparierte Pralinenschachtel. Ihre Gabe wird seine durchschlagende Wirkung garantiert nicht verfehlen. Für den Chef wird ein exklusiver Wein geeignet sein. Gönnen Sie sich den edlen Tropfen selbst und füllen sie die leere Flasche mit einem billigen Produkt im Tetrapack nach. Er wird den Unterschied entweder nicht merken oder nicht zugeben. Für Sie geht jedenfalls die Kosten-Nutzen-Rechnung auf.

Dachte ich mir, dass Ihnen das gefällt!

Nein, nein, ich will Ihnen keinesfalls das ganze Vergnügen des Schenkens rauben.

Sie gehen tatsächlich regelmäßig trainieren? Und was machen Sie dort? Laufen und Gewichte stemmen, faszinierend! Die Party für die Mitglieder ist wohl ein Anlass seinen Trainingspartnern eine Kleinigkeit zu überreichen. Nein, sagen Sie nichts weiter. Ich kann es mir vorstellen. Der Geruch von Schweiß und Füßen muss - sprichwörtlich - umwerfend sein! Am besten ist, Sie verteilen Fußsalben und Deos.

Das haben Sie im letzten Jahr schon getan? Das nenne ich bedarfsorientiertes Schenken. Sie sind ein wesentlich begabterer Schenker als Sie selbst annehmen. Sagen Sie, ist es seither für ihre Nase erträglicher geworden?

Nein, dann setzen Sie doch dieses Jahr mit kunststofffreien T-Shirts nach. Natürlich mit Ihrem Logoeindruck. Das können Sie zusätzlich als Werbemaßnahme von der Steuer absetzen.

Gern geschehen, Sie müssen sich nicht bedanken. Es war mir eine Freude. Wissen Sie, das Aussuchen von Aufmerksamkeiten ist für mich wie ein gutes Vorspiel. Und der Höhepunkt folgt, wenn meine Geschenke ihre Wirkung entfalten.

Beim nächsten Bahnhof muss ich aussteigen. Es war eine animierende Unterhaltung. Darf ich Ihnen, bevor ich aussteige, ein kleines Präsent zu Erinnerung überreichen?

Das war der Moment als ich vorgab abrupt aufzuwachen und nahezu fluchtartig das Abteil verließ. Ich wollte nicht wissen, was überreicht wurde. Auch wollte ich keinesfalls die Wirkung des Präsents miterleben. Es gibt einfach Geschenke auf die man besser verzichten sollte.

© S. Strohschneider-Laue

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