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Seelenbruch!

Sonntag, 05. Dezember 2010

Fiction

Eva Lirot
Seelenbruch
Ein Thriller aus Frankfurt
Schardt 2010, 204 S.
ISBN 978 3 8984 1504 0

Seelenbruch: Ein Thriller aus Frankfurt

Dieser Krimi ist ein blutiges Lesevergnügen. Starke Nerven sind somit Voraussetzung für prickelnden Schauder.

Und wie es sich für einen packenden Thriller gehört, muss man nicht lange auf die - vermeintlich - erste Leiche warten. Die Behauptung, dass öffentliche Orte und Menschenmengen sichere Plätze seien, relativiert sich durch diesen Mord schnell; denn die junge Frau wird im vollen Frankfurter Kaiserdom ermordet. Pikanterweise hatten Opfer und Täter während der Bischofsweihe Sex in einem Beichtstuhl. Sex, dessen Höhepunkt mit einer durchschnittenen Kehle beendet wurde. Es war nicht die erste Leiche und wird nicht die letzte Leiche dieses Falles sein. Der Mörder ist ein Getriebener und was ihn antreibt, ist in jeder Hinsicht der blanke Wahnsinn.

Eine Leiche im Kaiserdom ist also Eva Lirot nicht genug. Nach und nach zieht sie ihre Leser genussvoll tiefer in die verstörenden Hintergründe der Morde. Die wendungsreiche Suche nach dem Serienmörder halten den Ermittler Jim Devcon und sein Team ständig auf Trab. Spuren, die auch in die Welt der sozialen Netzwerke zu finden sind, führen schließlich zu einer Studentengruppe um Laura Münchenberg.

Die kniffelige Mischung aus Philosophie, Psychologie und Wahnsinn ist es, die den Leser kalte Schauer über den Rücken jagt. Die exzellent beschriebene Arbeit des Ermittlungsteams sowie der Lokalkolorit von Mainhatten verschaffen “Seelenbruch!” genau jene Prise bildhafte Realität, die einen guten Krimi auszeichnet. 

Eindeutig auch filmtauglich. Es verwundert, dass Eva Lirot ihren Thriller auch noch nicht zu einem Drehbuch umgearbeitet hat und sich die Studios um die Rechte reißen.

© S. Strohschneider-Laue

Seelenbruch: Ein Thriller aus Frankfurt

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Bis zum letzten Tropfen “in vino veritas”

Sonntag, 24. Oktober 2010

Fiction

Martina Fiess, Silvija Hinzmann (Hgg.)  
Bis zum letzten Tropfen
Mörderische Weinkrimis
emons: 2010, 240 S.
ISBN 978 3 8970 5765 4

Bis zum letzten Tropfen

Kriminelle Schreibenergie rund um den Wein zu entfalten, ist besonders leserInnenfreundlich. So manche gedruckte Schandtat wird auch von mir zur späten Stunde, begleitet von einem guten Tropfen, gelesen. Im Vertrauen und ganz “in vino veritas”, begleitet von Blaufränkisch Reserve 2007 las ich die letzte Nacht Bis zum letzten Tropfen durch. Manche Bücher kann man nicht aus der Hand legen und bestimmte Flaschen muss man bis zum letzten Tropfen genießen. Kein Wunder, dass ich die Anthologie nicht aus der Hand legte, bevor nicht der beste Wein zu Champagner veredelt seinen Korken zielgerichtet knallen ließ.

Von 19 AutorInnen wendungsreiche, hinterfotzige, zuweilen augenzwinkernde und allesamt fesselnde Kurzkrimis zu lesen, ist wie die besten Appetithäppchen zu genießen. So kommt es, dass ein leichter Abgang hier ganz gewaltig unter die Haut gehen kann oder - ganz im Sinne von ”Weinverkostertum verpflichtet” - es zu allerlei vergnüglich zu lesenden Schandtaten kommt. Auf 240 Seiten wird gestorben, betrogen, gestohlen und noch viel mehr, ohne dass Schuld und Sühne im Vordergrund stehen. Es ist der Wein, der sein zart-herbes Bouquet verströmt und den Geruch von Schweiß und Saumagen lieblich werden lässt; denn so manche Tat wird erst durch den Wein richtig schmackhaft.

Ulf Annel, Matthias Biskupel, Wolfgang Burger, Horst Eckert, Martina Fiess, Monika Geier, Brigitte Glaser, Carsten Sebastian Henn, Elisabeth Herrmann, Silvija Hinzmann, Thomas Hoeth, Regine Kölpin, Tatjana Kruse, Christine Lehmann, Ulla Lessmann, Hannes Nygaard, Heidi Rehn, Britt Reißmann und Nina Schindler sind die genialen PlotterInnen. Sie präsentieren die Deutsche Anbaugebiete von ihren tätlichen Seiten und werden selbst in kurzen Steckbriefen am Ende des Bandes umrissen.

“Bis zum letzten Tropfen” ist die perfekte Lektüre für Krimifans unter den WeinkennerInnen und für solche, die eines von beiden noch werden wollen! Begleitet mit der richtigen Flasche - ich empfehle nach meiner mit einem fantastischem, aber schweren ostösterreichischen Barrique verbrachten Nacht einen lieblichen Moselwein als idealen Lesebegleiter  - ein geschmackvoll verbrecherisches Vergnügen.

© S. Strohschneider-Laue

Bis zum letzten Tropfen

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Giftmord

Mittwoch, 12. Mai 2010

Helga Schimmer  
Giftmord 
Gerichtschemiker in ihrem Element  

Kremayr&Scheriau 2009, 192 S., Sw.-Abb.
ISBN 978 3 2180 0801 3

 Giftmord: Gerichtschemiker in ihrem Element

Wie die Gerichtsmedizin zur heutigen Wissenschaft wurde, bietet die Grundlage zu den nachfolgenden spektakulären, unheimlichen und nahezu perfekten Todesfällen durch Gift.  Säuberlich in giftige Elemente und anorganische Verbindungen sowie toxische organische Verbindungen getrennt, legt Helga Schimmer die passenden Verbrechen zu den entsprechenden Substanzen vor.  In flotter journalistischer Manier wird erzählt, wie forensischen Toxikologen die jeweiligen Fälle nachweisen konnten. 

Über die Wirkung und den Erfolg von Gift war man vermutlich schon in Urzeiten, aber ganz sicher ab der Antike bestens informiert. Den Nachweis des freiwilligen oder meist eher unfreiwilligen Giftkonsums zu erbringen, war - und ist es teilweise heut noch jedenfalls - nicht so einfach. Mal ganz abgesehen davon, dass bekanntlich “die Dosis das Gift macht”, kann in kleinen Mengen durchaus Verträgliches - wie z. B. Alkohol - in großen Mengen konsumiert zum Tode führen. Die minutiöse wissenschaftliche Spurensuche und ihre Beweise konnten sich vor Gericht außerdem nicht seit jeher behaupten. Auch James Marsh musste 1836 erst einen besseren Arsennachweis als den des Homöopathen Samuel Hahnemann entwickeln - die sog. Marshsche Probe -, um seine wissenschaftliche Glaubwürdigkeit vor Gericht durchsetzen zu können. Wegen der guten Nachweisbarkeit ist Arsen bei Giftmischern aus der Mode gekommen - zumindest solange bis die Gerichtsmedizin begann Arsentests zu vernachlässigen.

Egal ob Arsen, Thallium, Selen, Blausäure dem Essen, Getränken oder Medikamenten beigemischt werden oder ein bisschen Knollenblätterpilzgift heimtückisch unter die Haut gespritzt wird, das Ergebnis ist in jeden Fall verheerend. So locker und flockig auch die Schreibe sein mag, die Autorin weiß, worüber sie berichtet. Helga Schimmer nicht nur Chemikerin, sondern auch bestens mit Giftstoffen und ihren Wirkungen in realen Vergiftungsfällen vertraut. Ihr Buch ist eine fesselnde Lektüre für KrimispezialistInnen, schließlich wollen AutorInnen und LeserInnen wissen, welche Mittelchen probate Opferproduzenten sind. Und wer dann noch nicht genug von Gift hat, wird unter der weiterführenden Literatur sicher fündig werden.

© S. Strohschneider-Laue

Giftmord: Gerichtschemiker in ihrem Element

Siehe auch:
Kriminologie: Eine praxisorientierte Einführung mit Beispielen
Mordmethoden: Ermittlungen der bekanntesten Kriminalbiologen der Welt
CSI-Forensik für Dummies
Von Arsen bis Zielfahndung: Das aktuelle Handbuch für Krimiautorinnen und Neugierige

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Herz der Nacht

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Fiction

Ukrike Schweikert
Das Herz der Nacht
Lyx 2009, 478 S.
ISBN 978 3 8025 8223 3

Das Herz der Nacht

Mystery trifft auf History: Ulrike Schweikert reiht sich mit Herz der Nacht in die Reihe der prominenten Vampirschriftstellerinnen Anne Rice und Barbara Hambly. Sie alle hauchen Untoten jene realistisch anmutende Unsterblichkeit ein, die die LeserInnen wirklich fasziniert.

“Das Herz der Nacht” spielt in der Ära nach Napoleon in Wien und Hamburg. Die historischen Städte - vor allem der Hauptschauplatz Wien - mit den typischen Plätzen dienen Schweikert als Kulissen für ihre realistisch gezeichneten Figuren. Der Realitätseindruck wird zusätzlich durch die berühmten Namen der  Protagonistinnen verstärkt. Alle könnten jenen Familien entstammen, die ihre politischen und wirtschaftlichen Wurzeln in der k.u.k. Monarchie hatten und die mehr oder minder zwielichtigen Drahtzieher jener Epoche waren. Der Adel amüsierte sich zu dieser Zeit zwischen teuerem Spiel, opulenten Bällen und geistreicher Salonkultur, während das soziale Elend in den Vorstädten auf dem Vormarsch war. Den anziehenden Mittelpunkt in diesem schillerenden Reigen bildet der Vampir András Petru Báthory, der nicht umsonst den Namen der ebenso historisch verbürgten wie berüchtigten Blutgräfin trägt. Alles scheint perfekt, bis sich seltsame Todesfälle - weit in hocharistokratische Kreise hinein - ereignen, die eine Verbindung mit Báthory vermuten lassen. Vor diesem Hintergrund entspinnt sich ein perfektes Intrigenszenario in dem sich alles um Macht und Liebe dreht und auch reale historische Persönlichkeiten die Story bereichern dürfen. 

Romantischer Horror und spannender Krimi bilden in diesem Roman eine harmonische und vor allem gut recherchierte Einheit. Die bildhafte Sprache von Schweikert sowie die abwechslungsreich gestalteten Szenenfolge machen es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Der Handlungsverlauf ist schlüssig und mit einigen überraschenden Wendungen garniert, so dass die Spannung, die durch den alten Bekannten Peter von Borgo ( Feuer der Rache, Der Duft des Blutes) angeheizt wird, konstant aufrecht bleibt.

AnhängerInnen des romantischen Vampirgenres werden beim Lesen ebenso auf ihre Kosten kommen wie Krimifans.

© S. Strohschneider-Laue

Das Herz der Nacht

siehe auch:
Feuer der Rache
Der Duft des Blutes

Die Erben der Nacht - Nosferas  -  Rezension
Die Erben der Nacht - Pyras
Lycana: Die Erben der Nacht

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Tatort Wien

Freitag, 09. Oktober 2009

Non-Fiction

Anna Lindner, Thomas Gasser
Wiener Kriminalschauplätze 
50 Orte des Verbrechens

Metroverlag 2009, 126 S.
ISBN 978 3 902517 23 4

 Wiener Kriminalschauplätze: 50 Orte des Verbrechens

50 Orte des Verbrechens von Anna Lindner und Thomas Gasser für den neuesten Band aus der Reihe “wienfacetten” ausgewählt. Quer durch Wien und von Kaiser Joseph II bis Kottan zieht sich die Spur des Verbrechens. Von Diebstahl über Entführung bis zum Mord reichen die Untaten. Die zuckerlbunte Walzerstadt hat einen deutlichen Beigeschmack von Bittermandeln.

Eine fiktive Tat und 49 wahre Minikrimis führen quer durch die Wiener Bezirke. Der Tatort ist jeweils dem Verbrechen vorangestellt. Das Ende jeder Untat wird durch Zitate, Linktipps oder spannende Querverweise abgerundet. Gemeinsam ist den unterschiedlichen Verbrechen der letzten 2. Jahrhunderte, dass sie in aller Kürze tiefe Einblicke in der Heimatstadt der Psychoanalyse gewähren.

Die Gerichtsurteile beschließen zwar die Fälle, stehen aber nicht thematisch im Vordergrund. Kritischen LeserInnen wird dennoch auffallen, dass zu oft nicht das eigentliche Verbrechen den Schweiß auf die Stirn treibt, sondern die nachfolgenden Gerichtsurteile. Raub, Unzucht, Körperverletzung und Mord ist keine Männerdomäne, die Rechtsprechung hingegen sehr wohl. Frauen werden strenger bestraft, und schneller - auch bei unsicherer Beweislage - verurteilt. Reichtum und soziale Netzwerke, Mitwisser und Mittäter in einflussreichen Schichten sind durch alle Zeiten gute Garanten für Freisprüche oder milde Urteile. Und es sind bis heute fast ausschließlich Männer, die über Einfluss, Macht und Reichtum verfügen und sich dadurch der (Mit-)Verantwortung entziehen können.

So unterhaltsam und spannend die “Wiener Kriminalschauplätze” sind, sollte man nicht vergessen, dass es 49mal reale Opfer und Täter gab und die Wiener-Realität die beschriebene Kottan-Fiktion weit übertrifft. Es ist kein Zufall, dass schräge Krimifiguren wie Kottan oder Lemming nur Wiener sein können.

© S. Strohschneider-Laue

Wiener Kriminalschauplätze: 50 Orte des Verbrechens 

Auswahl weiterer “wienfacetten”
Jüdisches Wien: Eine Entdeckungsreise von Herzl bis Hakoah 
Wiener Literaturschauplätze: Auf den Spuren großer Namen 
Wiener Frauenspaziergänge
Böhmisches Wien 
Das zuckerlsüße Wien: Vom Betthupferl bis zum Wäschermädel 
Wien und der Tod: Irdische Orte zwischen Himmel und Hölle 

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Lemmings Zorn

Montag, 22. Juni 2009

Fiction

Stefan Slupetzky
Lemmings Zorn
Lemmings vierter Fall
Rowohlt 2009, 303 S.
ISBN 978 3 499 24889 4

Lemmings Zorn Stefan Slupetzky Lemmings Zorn: Lemmings vierter Fall

Wien ist anders und bei Slupetzky mal wieder ganz typisch Wien, schlimmer geht es einfach nicht.  Die Bücher rund um den Lemming sind viel mehr als nur Regionalkrimis. Sie sind in ein kriminelles Geschehen eingebettete, literarisch pointierte Sozialkritik. Die viel zitierte “Wiener Seele” wird außerhalb der Sissi-Stadt gründlich falsch als zuckerlsüße Romantik interpretiert. Alle, die des Wienerischen nicht mächtig sind, halten ja auch die übelsten Aussagen für den charmantesten Wiener Schmäh. Genau deshalb werden die skurrilen Figuren der Lemming-Reihe als überzogen skurril empfunden, obwohl jede einzelne davon bitter-real ist und unbehelligt mit ihrem angeborenen Devot-Buckel in Wien herumläuft.

Es ist Weihnachten, die beste Zeit des Jahres, um in Wien keine Stille zu finden. Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr: Der Lemming kommt nicht zur Ruhe. Nachwuchs Ben stellt sich äußerst übereilig und mit tatkräftiger Hilfe von Angela ein. Jene Angela, die am Heiligen Abend auf den Juniorlemming aufpasst - zumindest bis sie tot neben dem Kleinen liegt. In dieser unaufhörlich lärmenden, lebensfeindlichen Welt sind Klara, die starke Frau an Lemmings schwacher Seite, und der schutzbedürftige Benjamin die treibenden Kräfte. Für sie läuft der Lemming zur Höchstform auf. Wieder steht er nahezu allein gegen Ignoranz, Fremdenhass, Korruption, gedruckten und personifizierten Kleinformaten. Was ein echter Lemming (eigentlich Leopold Walisch und Ex-Krimineser) ist, lässt keinen Fettnapf aus. So trifft allgegenwärtige Faulheit und Inkompetenz gepaart mit Überheblichkeit, die nur noch von Unterwürfigkeit übertroffen wird, auf die Beharrlichkeit des lärmgestressten Lemmings. Und wenn dem Lemming schließlich das zielgerichtete Kotzen kommt, möchte man nur noch applaudieren.

Zuletzt bleibt nur noch eine Frage offen: Wann erscheint bitte das Nächste? Und ich fürchte die Antwort wird lauten: Erst, wenn Wien den Lemming wieder viel zu weit getrieben hat!

Nominiert für Friedrich-Glauser-Preis 2010 in der Sparte “Roman”!

© S. Strohschneider-Laue

Lemmings Zorn: Lemmings vierter Fall

Siehe auch die ersten drei:
Der Fall des Lemming
Lemmings Himmelfahrt: Lemmings zweiter Fall
Das Schweigen des Lemming: Lemmings dritter Fall
Lemmings Himmelfahrt. 8 CDs + 1 MP3-CD . Lemmings zweiter Fall

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Mord ist ihr Alltag

Freitag, 14. November 2008

Non-Fiction

Helga Schimmer
Mord ist ihr Alltag
Kremayr & Scheriau 2008,
ISBN 978 3 218 00789 4

Mord ist ihr Alltag Mord ist ihr Alltag: Kriminalisten auf Spurensuche

Spurensuche ist telegen, obwohl oder weil CSI und seine Verwandten ebenso weltfremd wie stylish sind. Die TV-Ermittler sind wahre Spurenverteiler und keine Spurensammler. Vielleicht haben sie aber neben dem Unterhaltungswert ein kleinwenig Abschreckungseffekt mit ihrer naiven Kernaussage “wir kriegen alle, bei uns kommt keiner davon”. Und vielleicht sind diese Formate eine Gewinn abwerfende - staatliche geförderte - Präventionsmaßnahme, die billiger ist als in reale Ermittlung zu investieren? Vielleicht investieren Politiker aber nur nicht in Aktivitäten, die einen Bumerang-Effekt entwickeln könnten?

Die Wirklichkeit ist deutlich ärmer an Prada - was nicht nur an den Gehältern liegt - und reicher an sackartiger Schutzkleidung aus Plastik. Und nicht zu vergessen, dass in der realen Welt sich wesentlich weniger Ermittler und Wissenschafter tummeln, die sich dafür akribisch und deshalb erfolgreich mit musealen statt Highend-Equipment mühen dürfen.

Vom Tatort, Chemielabor, Physik und Technik, biologische Spuren und dann noch einmal quer durch die Naturwissenschaft begleitet die Helga Schimmer die Spurensucher. Fünf Kapitel rund um Mord, Betrug, Brandstiftung, Taten im Cyberspace und andere Verbrechen beleuchten die Grenzen und Möglichkeiten der Kriminalisten, ebenso wie deren Erfolge. Die ewig gleichen Fragen nach dem ”Wer ist tot, Was ist geschehen, Wann ist es passiert und Wo”, wird um die essentiellen Fragen “Wer war es, Warum und Womit wurde die Tat vollbracht” detailreich ergänzt. Wissenschaftsjournalistisch zeigt die Autorin an realen Mordfällen auf, wie es tatsächlich um Ermittlung und Erfolg steht.  Eine tolle Lektüre rund um Reifen-, Schuh- und Fingerabdrücke, DNA- und sonstige Spuren, Informationsgewinn aus Insekten, Blut, Knochen und vielem mehr. Also wer hier nicht fündig wird, wird sich wohl selbst in die Fachliteratur einarbeiten müssen. Durch die fettgedruckten Begriffe und erläuternden Abbildungen erhält die spannende Lektüre den Touch eines Handbuchs für kriminalsitisch Interessierte und angehende Hobbyermittler. 

© S. Strohschneider-Laue

Mord ist ihr Alltag: Kriminalisten auf Spurensuche

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Nosferas

Montag, 30. Juni 2008

Fiction

Ulrike Schweikert
Die Erben der Nacht -Nosferas
cbt 2008, 448 S.
ISBN 978 3 5703 0478 5

Nosferas Die Erben der Nacht - Nosferas

Der Roman „Die Erben der Nacht - Nosferas” von Ulrike Schweikert folgt den neuerlichen Trend für Vampirliteratur auf seine ganz eigene Weise. Die Hauptakteure sind Vampirkinder, die für ihre Fortbildung für den Weiterbestand ihrer aussterbenden Spezies bei jedem der Clans je ein Jahr in die Schule gehen sollen. Denn die Vampire haben ein essentielles Problem: Überleben! Daher begibt sich Ende des 19. Jahrhunderts der vampirische Nachwuchs Europas zum Überlebenstraining nach Rom. Die fantasy- und krimierprobte Autorin schuf mit dieser Story - den Auftakt einer Reihe - ein Buch, das Jugendliche ab 12 Jahren, aber ganz sicher auch älteres Publikum begeistern wird.

Im Jahr 1877 gelangen die Anführer der Vampirklans der Dracas aus Wien, Vamalia aus Hamburg, Lycana aus Irland, Nosferas aus Rom, Pyras aus Paris und Vyrad aus London zusammen mit einer weisen Druidin zum Entschluss ihre letzten Kinder zu jedem Clan in die Schule zu schicken. So sollen sie jene geheimen Fähigkeiten von allen Clans lernen, die überlebenswichtig für die Zukunft aller Vampire sein werden. Es steht um die Vampire wegen zahlreicher Fehden zwischen und innerhalb der Clans, eifriger Vampirjäger und ausbleibenden Nachwuchs nämlich schlecht. Das erste Unterrichtsjahr wird bei den Nosferas in Rom abgehalten, wie es das Los entschied. Dort angekommen, müssen die Erben der Clans zunächst ihre Vorurteile gegenüber den anderen überwinden. Manche schließen rasch Freundschaft miteinander, wie der Nosferas Luciano, die Vamalia Alisa und die Lycana Ivy-Maire. Die Nachkommen der Dracas jedoch zeichnen sich besonders durch ihre Arroganz und Gemeinheit aus. Sie erachten es als unter ihrer Würde sich mit den anderen abzugeben, während die Vyrad reserviert und höflich und die Pyras sich selbstgenug und schmuddelig sind. Doch in der vermeintlich sicheren Umwelt verschwinden immer wieder Mitglieder des Nosferas Clans und zu weilen wird so mancher hochgestellter menschlicher Würdenträger mit gefälschten Vampirbisswunden aus dem Tiber gefischt. Mit diesen Ereignissen dürfte wohl der geheimnisvolle Vampirjägerbund der Roten Masken zu tun haben, wie die Jungvampire entdecken.

Bei dieser flüssigen Erzählweise erweist es sich als besonders reizvoll, dass zwischen den Sichtweisen häufig gewechselt wird, wobei sich darunter nicht nur jene einiger ausgewählten Jungvampire befinden. Meistens wird jedoch aus der Sicht von der abenteuerlustigen und wissbegierigen Alisa die Geschichte vorangetrieben. Gastauftritte berühmter Persönlichkeiten wie Oscar Wilde, Bram Stoker und Papst Pius IX. verfeinern die Kulisse des zu dieser Zeit politisch unruhigen Roms. Der spannende Plot und des gut dargestellten historischen Hintergrund machen auch die neue Serie von Ulrike Schweikert gleichermaßen zu einem Leckerbissen für Horrorfans und AnhängerInnen des Historienromans. Das außergewöhnliche Vampirdrama um Verrat und Liebe lässt die “Untoten” jedenfalls wieder ein bisschen unsterblicher werden und bietet den “Lebenden” ein grandios-umfangreiches Lesevergnügen zum kleinen Preis.

© V. Strohschneider

Die Erben der Nacht - Nosferas

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Metzger sieht rot

Dienstag, 27. Mai 2008

Fiction

Thomas Raab
Der Metzger sieht rot
Leykam 2008, 319 S.
ISBN  978 3701 17619 9

Metzger sieht rot Der Metzger sieht rot: Kriminalroman

Nach dem erfolgreichen Roman “Der Metzger muss nachsitzen” sieht der ruhige Willibald Adrian Metzger in seinem zweiten Auftritt plötzlich rot. Wo die Liebe hinfällt macht sie Menschen zu Schattenspringern. Auch der zurückhaltende Restaurator Metzger springt über seinen Schatten und begleitet Danjela Djurkovic auf “eine dieser Massenveranstaltungen” ins Fußballstadion. Als der Tormann während des Spiels stirbt, glaubt Danjela nicht an einen tragischen Zufall. Ihr Misstrauen wird ihr am nächsten Tag vor dem Stadion zum Verhängnis. Sie wird vom aktiven - und zu neugierigen - Fußballfan zum komatösen Opfer geprügelt. Dies ist genau jener Moment in dem jegliche Gelassenheit von Metzger abfällt. Ee mausert sich wieder zum Ermittler und entdeckt viel mehr und abgründigeres als erwartetet.

Auf staatlichen 319 Seiten geben Humor, Gesellschaftkritik und kriminalsitischer Spürsinn einander die Hand. Wien ist offensichtlich ein guter Nährboden für skurrile (Roman)figuren und herzlich-verzweifeltes Lachen, das im Hals steckenbleibt. Abgesehen davon muss man nicht ausgemachter Krimifan sein, um den “Metzger” zu mögen, denn die vielschichtige und ausgereifte Erzählweise von Thomas Raab ist nicht umsonst 2008 zum Friedrich-Glauser-Preis nominiert worden.

© S. Strohschneider-Laue

Der Metzger sieht rot: Kriminalroman

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