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Augenschmaus

Sonntag, 07. März 2010

Non-Fiction

Ingried Brugger, Heike Eipeldauer (Hgg.)
Augenschmaus
Vom Essen im Stillleben

Prestel 2010, 248 S., zahlr. Farbabb. 
ISBN 978 3 7913 5016 5

Augenschmaus: Vom Essen im Stillleben

Das schmucke Buch “Augenschmaus. Vom Essen im Stillleben” hält was sein Titel verspricht. Ob staunenswerter Riesenrettich, prunkvolles Tischgeschirr oder die Reste einer kargen Mahlzeit - die ausgewählten Kunstwerke sind ein sinnlicher Genuss, der die Fantasie beflügelt. Die Vorstellung von Geschmack und Geruch der dargestellten Nahrungsmittel, das Erfinden von passenden Rezepten und das Spekulieren über illustre Tischgesellschaften spornen zu vergnüglicher geistiger Tätigkeit an. Heute setzen Food-Stylisten Leckereien und Geschirr für Lifestyle-Magazine und edle Kochbücher in Szene, früher griffen virtuose MalerInnen zum Pinsel.

Die kunstfertig komponierten Stillleben berichten nicht über heroische Taten, der Mensch ist in ihnen nur indirekt präsent. Dennoch kann, wer sehen will, in ihnen Geschichten von den kleinen Freuden und Ritualen des häuslichen Alltags entdecken. Stillleben erzählen von Hingabe und Askese, Sinnesfreuden und deren Beherrschung, dem Stolz an Besitz von Statussymbolen, Prunksucht und Bescheidenheit, Lebenslust und dem Bewusstsein der Sterblichkeit. In Zeiten periodisch wiederkehrender Hungersnöte mag ein stattlicher Schinken den ultimativen - und daher bildwürdigen - Luxus verkörpert haben. Kostbare Pokale aus Edelmetall, chinesisches Porzellan und andere Preziosen waren in der frühen Neuzeit alles andere als gewöhnlich.

Die Geburt des autonomen Stilllebens im Lauf des 16. Jahrhunderts belebte den Kunstmarkt. Sammler und Genießer schätzten die Werke von KünstlerInnen, die Nahrungsmittel, Hausrat und exotische Kuriositäten einsetzten, um Aussagekräftiges und Schönes zu schaffen. Von den Mitgliedern der akademischen Kreise, in denen Historiengemälde als die Krönung der malerischen Schöpfung galten, wurde das Stillleben jedoch lange Zeit als niedrig geschmäht. Diese Beurteilung erwies sich als kurzsichtig, denn das geringe Ansehen des Stilllebens wurde von KünstlerInnen als Chance begriffen: In diesem Genre konnten sie sich ganz der Lust am Malen hingeben und so neue Wege beschreiten. Diese Flexibilität des Stilllebens als vielseitiger Bedeutungs- und Ausdrucksträger lässt sich an den mehr als 90, in “Augenschmaus. Vom Essen im Stillleben” präsentierten, Kunstwerken ablesen. Zeitlich spannt sich der Bogen von den Anfängen des Stilllebens, als die in den Vordergrund gerückten Lebensmittel noch von szenischen Darstellungen begleitet waren, über das goldene Zeitalter des autonomen Stilllebens im 17. Jahrhundert bis zur zeitgenössischen Videokunst. Damit bietet sich BetrachterInnen die einzigartige Möglichkeit des mühelosen Vergleiches.

Der Wandel der Sachkultur lässt sich an den Stillleben ebenso ablesen wie die Verschiebung der Interessen ihrer Schöpfer. Die MalerInnen des 16. und 17. Jahrhunderts brillierten in der Darstellung der sinnlichen Qualitäten von Nahrungsmitteln und Gegenständen. Sie waren Meister der Wiedergabe unterschiedlicher Texturen, Oberflächen und Spiegelungen. Den KünstlerInnen des 19. und 20. Jahrhunderts hingegen waren die Überwindung der Form, das Experiment mit malerischen Ausdrucksmitteln und schließlich die technischen Möglichkeiten der Neuen Medien ein Anliegen.

Die zahlreichen in “Augenschmaus” versammelten Essays und Katalogbeiträge beleuchten das Phänomen des kulinarischen Stilllebens von allen Seiten. Wie ein gutes Büffet bietet das Buch von allem etwas: Kunsthistorische Analysen des Genres, Betrachtungen zu Esskultur und Tischsitten, tiefsinnige philosophische Überlegungen zur Konsumkultur, Gender-Aspekte der Stilllebenmalerei und vieles mehr. Nur die Realienkunde wird - wie so oft - außer acht gelassen. Das ist schade, denn Stillleben stellen gemeinsam mit Archäologie und musealen Sammlungen eine hervorragende Quelle für die Erforschung der Sachkultur dar. Hungrige Hobbyköche werden sich über die in den Katalogteil eingestreuten Rezepte von Starköchen freuen. Die Zeichen der Zeit gehen auch an Begleitpublikationen von Ausstellungen nicht vorbei.

Die Ausstellung “Augenschmaus. Vom Essen im Stillleben” ist noch bis zum 30. Mai ‘10 im Bank Austria Kunstforum in Wien, zu sehen.

© Ch. Ranseder

Augenschmaus: Vom Essen im Stillleben

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Kontroversen

Mittwoch, 03. März 2010

Notiz

Kontroversen
Justiz, Ethik und Fotografie
KunstHausWien
15. März bis 20. Juni ‘10

150 Jahre Fotografie im historischen, gesellschaftspolitischen und vor allem im juristischen Kontext präsentiert das KunstHausWien. Die vom Musée de l’Elysée Lausanne entwickelte Ausstellung ist ein Pflichttermin für alle, nicht nur für jene, die mit Fotografie beruflich befasst sind, ihr ein größeres Interesse entgegenbringen oder selbst gerne auf den Auslöser drücken.

Chronologisch gehängt, werden rd. 90 Fotografien gezeigt, die schon seit den Anfängen der Fotografie polarisierten und Juristen beschäftigten. Bis heute bieten Fotografen und ihre Werke immer wieder Anlass für Kontroversen. Das sogenannte “Caroline-Urteil”, das vom europäischen Gerichtshof für Menschenrechte 2004 gefällte Urteil, das die Bildberichterstattung über Prominenten einschränkt, ist wohl vielen bekannt. Wie viele sehr differenzierte oder nur oberflächlich ähnliche Streitfragen rund um die Fotografie vor Gericht landen, ist hingegen kaum  bekannt. Es geht dabei weniger häufig um Abgeltung finanzieller Rechte der Urheber, sondern um viele andere, rechtlich abzuklärende Fallbeispiele. 

Fotografie muss nicht gleich Kunst sein, um an ethische, politische oder sonstige zeitgeistige Grenzen zu stoßen. Zu dem sind Zurückhaltung sowie Veröffentlichungen von Fotos ein probates politisches Mittel zur Steuerung der öffentlichen Meinung wie es u. a. für die Atomwaffentests gehandhabt wurde. Dokumentationen, Kriegs- und Katastrophenfotografien können genauso Anlass für Diskussionen, Verbote und rechtlichen Konsequenzen sein. Manipulationen, die die Fotografie selbst betreffen können oder den Kontext in den Fotografien gestellt werden, sind vielfältig und machen zuweilen auch Abgeklärte fassungslos.

Bei 78 eher fragwürdigen als originalen Abzüge von Man-Ray-Fotos ging es um die Rückerstattung von  2,3 Millionen Dollar. Originalfotos und deren retuschierte Varianten oder in einem anderen politischen Kontext interpretierte Fotos belegen politische Zielsetzungen mit Hilfe von Bilddokumenten.

“Alice im Wunderland” oder “Lewis Carrol im Kinderpornoland” war 1858 das Gerücht, das zu kursieren begann, als Carroll die kleine Alice Liddell als Bettelmädchen ablichtete. Die Gerüchte sind auf Grund von ihm selbst vernichteter Fotos und Säuberungsaktionen seiner Familie nach seinem Tod zwar nicht mehr zu bestätigen, können aber auch genauso wenig widerlegt werden. Wo die Kinderpornografie vermeintlich beginnt und wo sie vermeintlich aufhört, ist sowieso ein breites Feld der Interpretation wie auch anhand etlicher Beispiele in der Ausstellung aufgezeigt wird.

Wie gerechtfertigt Fotos sein mögen, die von Sterbenden, Toten und deren Körperteilen gemacht werden, bietet seit dem unautorisierten Foto des Otto von Bismarck im Sterbebett reichlich Konfliktstoff. Egal ob es eine zerfetzte Hand  vom 11. September 2001, das zu Tode erschöpfte und vom Geier beobachtet Kleinkind im Sudan oder die sterbende Omayra Sánchez in Kolumbien ist. Es sind Fotos die polarisieren, sich einprägen, strikte Ablehnung und spontane Hilfsbereitschaft auslösen.

Zwischen freiwilliger Selbstzensur und bedingungsloser Verteidigung der Freiheit der Kunst angesiedelt, sind Entscheidungen, die die Veröffentlichung von Bildern betreffen, die auch nur ansatzweise gegen ein bestehendes Verbot verstoßen könnten. Es ist dennoch subjektiv, ob z. B. die Pose von Angelina Jolie mit Pferd als sodomistisch interpretiert wird oder nicht.

Es hat sich seit jeher für Künstler ausgezahlt die Reichen und Schönen nicht nur wegen ihrer - oft vermeintlichen -Zahlungskraft zu porträtieren. Die Porträts bieten einerseits Einnahmen durch den Verkauf der Abzüge und andererseits das große Potenzial eine Schar zahlungswilliger, weniger berühmter bzw. gänzlich unbedeutender Kunden zu gewinnen. Die Rechtsstellung der Porträtfotografie als Kunstwerk sowie die Sicherung des Urheberrecht am Foto wurde in den USA bereits 1883 durch ein Porträt von Oscar Wilde ausgelöst, das kopiert wurde.

Die großartige Ausstellung mit hohem Mehrwertfaktor benötigt vor allem eines: Zeit. Zeit um die Bilder anzusehen, noch mehr Zeit die erstaunlichen Inhalte der Texte zu erfassen und sehr viel Zeit zum Nachdenken. Während eine Personale nach einem kurzem Rundgang oft das Gefühl der Leere hinterlässt, ist hier der hohe und breitgefächerte Informationsgehalt von bleibenden Wert.

Überraschend ist hingegen die freiwillige Selbstzensur der Ausstellung. Kinder unter 14 Jahren haben keinen Zutritt, sensiblen Personen wird von der Ausstellung abgeraten. Es sollte zumindest Erziehungsberechtigten diese Entscheidung überlassen bleiben, ob sie ihre Kinder mit in die Ausstellung nehmen oder nicht. Unverständlich, denn tagtäglich ist jeder Mensch - unabhängig von Alter und Sensibilität - einer Flut vergleichbarer visueller Eindrücke ausgesetzt, deren kulturhistorischer Kontext und rechtliche Tragweite dabei verschlossen bleiben. Unverständlich, weil auch die unprofessionelle, private Bilderflut, die tagtäglich im Internet veröffentlicht wird, von den gleichen rechtlichen Aspekten und Folgen betroffen ist.

Fazit: Pflichttermin!

© S. Strohschneider-Laue

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Schule schaut Kunst

Montag, 01. März 2010

Österreichweiter Aktionstag
2. März ’10
Albertina, Kunsthaus Bregenz, Kunsthistorisches Museum Wien, Landesmuseum Kärnten, Landesmuseum Niederösterreich, Leopoldmuseum, MAK, Museum Moderner Kunst Kärnten, Oberösterreichisches Landesmuseum, Österreichische Galerie Belvedere, Salzburg Museum, Tiroler Landesmuseen, Volkskundemuseum Wien, Wien Museum.

Am 2. März findet der österreichweite Aktionstag “Schule schaut Kunst” statt. Initiiert wurde der Aktionstag vom Universalmuseum Joanneum. Als Kooperationspartner wurden - mit Ausnahme des Burgenlandes - österreichweit Museen und Vertreter der kreativen Fächer gewonnen. Ziel ist es, Schulen zum Museumsbesuch zu animieren und zugleich allgemein auf den Lernort “Museum” aufmerksam zu machen. Obwohl dabei die kreativen Fächer in den Mittelpunkt gerückt werden, ist offensichtlich, dass Lernen im Museum trotz des Schwerpunkts “Kunst” auch alle anderen Unterrichtsfächer betreffen kann.

Werbung braucht die Veranstaltung nicht mehr, die Vermittlungsangebote sind ausgebucht. Der Aktionstag benötigt hingegen Öffentlichkeit - und nicht nur der Aktionstag. Es ist die Bildung, die über “Ausbildung” hinausreichen muss, um Allgemeinbildung zu sein, die dringend Öffentlichkeit finden muss.

“Bildung ist, was bleibt, wenn der letzte Dollar weg ist”, zitiert Sabine Haag, Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums, dazu ganz passend den aus einer verarmten Familie stammenden Mark Twain. PolitikerInnen hingegen zitieren gerne die Kreativwirtschaft als den kulturellen Motor des Landes. Wenn die Kreativität ein Wirtschaftsfaktor ist, dann sollte damit nicht gemeint sein, kreative Möglichkeiten der Geldbeschaffung zu entwickeln. Bedauerlich daher, dass alles was dazu nötigt ist, um gehaltvoll kreativ tätig sein können, den Lehrplanveränderungen und der desaströsen Lehrpersonalpolitik zum Opfer fällt. Inhaltlich betrifft das mehr als “nur” die Fächer Musik-, Kunst- und Werkerziehung. Humanistische Grundlagen tragen wesentlich zum historischen sowie kulturellen Verständnis bei. Kulturkompetenz kommt schließlich nicht von ungefähr. Wer nicht das Glück hat aus einem bildungsaffinen und finanziell abgesicherten Umfeld zu stammen, wird es weniger leicht gemacht sich diese Fähigkeiten anzueignen, vor allem wenn der Pflichtunterricht sich ausschließlich auf das Erlangen von Kernkompetenzen und Sport beschränkt.

In den Bundesmuseen zahlen Kinder und Jugendliche - auch außerhalb des Klassenverbandes - keinen Eintritt. Dennoch werden sich bei den derzeitigen Eintrittspreisen viele Eltern schon aus wirtschaftlichen Gründen überlegen müssen, ob sie ihre Sprösslinge in die Museen begleiten können. Der Anreiz für Kinder und Jugendliche alleine ins Museum zu gehen, wird wohl schon aus Schwellenängsten eher gegen Null tendieren - falls unbeaufsichtigten Minderjährigen überhaupt der Zutritt gestattet wird. Was für die Mehrheit bleibt, ist der Museumsbesuch im Klassenverband. Für die meisten Kinder die einzige Gelegenheit ein Museum von innen zu sehen.

Museen haben den Auftrag zu sammeln, zu bewahren, zu forschen und auszustellen. Dass es mit dem Ausstellen nicht getan ist, sondern jede Ausstellung von ihrer publikumsgerechten Aufbereitung und Vermittlung lebt, ist inzwischen hinreichend bekannt. So liegt es zuletzt an den KulturvermittlerInnen, meist das schwächste Glied in der hierarchischen Struktur der Museen, jungen Menschen positive und gehaltvolle Erinnerungen an das Erlebnis “Museumsbesuch” zu verschaffen. Vielleicht sind nach dem Besuch einige unter ihnen, die wieder kommen und der Institution auch als Erwachsene positiv gegenüberstehen. Nicht zuletzt benötigen selbst die großen Museen in Österreich hohe Besucherzahlen, die nicht von zwangsverpflichteten SchülerInnen dominiert werden, sondern auch erwachsene BesucherInnen aufweisen sollten.

Dem ambitionierten Ansatz des Aktionstages “Schule schaut Kunst” ist hoffentlich über den 2. März 2010 hinaus Erfolg beschieden.

© S. Strohschneider-Laue

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Porträt: Los Angeles

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Non-Fiction

Jim Heimann (Hg.)
Kevin Starr, David L. Ulin

Los Angeles - Porträt einer Stadt
Taschen 2009, En./Fr./Dt., 572 S., über 500 Sw- und Farbfotos
ISBN 978 3 8365 0291 7

 Los Angeles

Städte sind wie ihre Bewohner ständigen Veränderungen unterworfen. Sie wachsen, werden erwachsen und ihre Entwicklung wird dokumentiert. Das großformatige Stadtalbum von Los Angeles ist eine Hommage an historische Momente, die nicht nur die Stadt der Engel, sondern die ganze Welt bewegten. Mehr als 500 Fotos aus privaten Sammlungen, Galerien, Museen und Instituten spüren der Stadt und ihren BewohnerInnen ab den 1860ern nach.

Von den bescheidenen Anfängen über den Bevölkerungsboom, zur Unterhaltungsmetropole und tief in die Wirtschaftskrise sowie durch die goldenen Jahre bis in die Gegenwart spannt sich der fotografische Bogen. Exzellente Texte umreißen dazu die historischen Rahmenbedingungen und richten das Augenmerk auf jene Details, die die Bilderflut zu fassbaren Dokumenten werden lassen.

Die Megastadt mit ihrer magnetischen Anziehungskraft auf Künstler, Reiche und Schöne hat einen Hang zum potemkinschen Dorf. Protzige Kulissen und verwahrloste Ecken treffen auf polierten Reichtum und bittere Armut. Die Auswahl der Fotos präsentiert vordergründig das schöne, moderne, aufstrebende, schillernde und wachsende Los Angeles. Die Würze erhält diese zunächst glatt anmutende Auswahl jedoch durch Schlaglichter auf die gärenden, unruhigen, nicht immer erwünschten oder geförderten Aspekte der Stadt. Verhaftete Transvestiten, verzweifelte aber fröhliche Marathontänzer, den Sieg über Japan Feiernde individualiseren die multikulturelle Menschenmasse und lassen ihre Sorgen, Nöte und Interessen hinter den Hausfassaden und auf den Straßen erahnen. Die realistische, ungeschminkte Seite, die die Geschichte von Mafiaopfern, Volksgruppenaufständen, Elendsdemonstrationen und politische Ereignisse anreißt, zeigt den Moloch hinter dem Glamour. Neben bekannten Fotos, die untrennbar mit Los Angeles und Ereignissen verbunden sind, finden sich in dem Band viele kaum oder unbekannte Aufnahmen. Sie zeichnen ein abwechslungsreiches Bild von einer Stadt in der täglichen geschossen wird - mit Waffen und Kameras. 

Unersättliche, die mehr über Los Angeles wissen wollen, können sich durch ein breites Spektrum an Film-, Musik- und Literaturempfehlungen arbeiten. Biografien der renommiertesten Fotografen und eine Bibliografie schließen das aufwändige Coffee Table Book.

Los Angeles ist nebenan!

© S. Strohschneider-Laue

Los Angeles
Berlin - Rezension

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Magie & Magier

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Non-Fiction

Noel Daniel (Hg.)
Mike Caveney, Rick Jay, Jim Steinmeyer 

Magic Book 1400s-1500s
Taschen 2009, En./Fr./Dt., Riesenformat, 670 S., zahlr. Farb- und Sw-Abb.
ISBN 978 3 8365 0977 0

 Magic Book: 1400s - 1950s

Immer wenn man glaubt, größer, bunter und prächtiger geht es nicht mehr, übertrifft Taschen seine eigenen Produkte. Die Geschichte des magischen Showbiz ab dem 15. Jahrhundert ist ein dreisprachiger Riesenwälzer in fantastisch-magischen Bildern und spannenden Texten.

Lassen Sie sich verzaubern, verblüffen und überraschen. Die größten Illusionisten, Magier, Zauberer und Taschenspieler geben hier eine Vorstellung im Bühnenformat. Über 500 Jahre hinweg wird in über 1000 plakatgroßen Bildern von einer ganz eigenen Kunst Zeugnis abgelegt. Von den Jahrmärkten zu den Unterhaltungspartys der Reichen bis zu den Varieté- und Showbühnen haben Zauberer und Illusionisten ihre (un)durchschaubaren Tricks vorgeführt. Schwebende Jungfrauen sind genauso dabei, wie mit Zähnen aufgefangene Pistolenkugeln, unechte Chinesen, Entfessler, Schwertstecher, Sägefreudige, Feuermeister und Goldmacher. Vom Schamanen zum Showman war es nur ein kleiner Schritt, wie die einzelnen Kapitel belegen.

Und immer wieder drehte es sich um Leben und Tod, Teufelswerk, Geister und anderem übernatürlichen Spuk. Hinter allem standen Menschen mit Gespür für den richtigen Moment und ihr Publikum. Einige der Künstler sind sprichwörtlich wie Houdini geworden, der einzige, der sogar dem Tod entkommen könnte und ausgerechnet an Halloween gestorben ist. In Vergessenheit geraten, sind dagegen die vielen namenlosen Assistentinnen und auch die wenigen weiblichen Illusionistinnen. Madame Girardelli, Adlaide Hermann, Mercedes Talma, Marian Chavez, Suzy Wandas, Evelyn Maxwell oder Margo begeisterten zu ihrer Zeit aber genauso wie ihre männlichen, noch dazu deutlich unattraktiveren Kollegen. Weiblicher Aufputz, der sich freiwillig zersägen ließ oder über die Bühne schwebte, wurde mehr und mehr eingesetzt, denn nicht jeder Magier konnte sich selbst nackt wie Houdini exhibitionieren. Der schmächtige Körper des Holländers Theodore Bamberg hatte erst in chinesischen Outfit unter dem Namen Okito etwas zu bieten. Das verbindende Element aller Magier, Taschenspieler und Illusionisten ist, dass sie eine einsame Kunst, deren Geheimnisse das Kapital stellen, ausüben. Dazu gehört bis heute eine beeindruckende Persönlichkeit und gute Werbung - am besten mit roten faustischen Teufelchen, die hart an der Niedlichkeit vorbeischrammen.

Und seien wir doch ganz ehrlich: Wissen ist Macht und macht zugleich vieles furchtbar langweilig. Wenn man nicht weiß, wo der Spiegel und der Projektor steht, warum es raucht, wieso das Kügelchen verschwunden bleibt und weshalb die zersägte Frau sich putzmunter verbeugen kann, ist das Leben zumindest für eine kurze Zeit wesentlich bunter und überraschender.

Ein genial von Noel Daniel editiertes Buch zu dem Mike Caveney, Rick Jay, und Jim Steinmeyer exzellent recherchierte und aufbereitete Texte beigetragen haben. Die schönste Pflichtlektüre für Illusionisten -Laien und Profis gleichermaßen -, Designer, Werbeleute, Historiker und andere ewig Verzauberte.

© S. Strohschneider-Laue

Magic Book: 1400s - 1950s

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Mamerot - Chronik der Kreuzzüge

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Non-Fiction

Thierry Delcourt, Danielle Quéruel, Fabrice Masanès 
Sébastien Mamerot - Chronik der Kreuzzüge
Von Karl dem Großen bis Sultan Bajsit
Taschen 2009, 2 Bände, 224 S., zahlr. Farb- und Sw-Abb.
ISBN 978 3 218 00795 5

Mamerot - eine Chronik der Kreuzzüge

Das wunderbar illuminierte Manuskript “Les Passages d’Outremer” aus dem 15. Jahrhundert befindet sich in der französischen Nationalbibliothek in Paris. Text und Bilder erzählen die Geschichte der Kreuzzüge ab Karl dem Großen bis zum Aufstand in Genua (1462). Das unbezahlbare Original in Händen zu halten, ist nur Wenigen vergönnt. Um so schöner ist es, dass Taschen ein hochwertiges Faksimile in herausragender Detailtreue und mit Goldhöhung vorgelegt hat. Begleitet wird dieses Werk von einem umfassenden Kommentarband, der eine vollständige Übersetzung enthält. Prachtband und Kommentarband werden gemeinsam durch einen königsblauen Schuber mit goldenen Lilien geschützt. Zieht man die beiden Bände heraus, hält man zwei gewichtige rot gebundene Bücher in Händen, deren aufwändige Ausstattung jedem Bibliophilen das Herz höher schlagen lassen.

Mit der Entstehung des Originals sind vor allem drei Namen verbunden: Sébastien Mamerot (um 1430-1490), der Autor,  Jean Colombe (um 1430-1493), der Illustrator, und Louis de Laval (1411-1489), der Auftraggeber. Jean Colombe ist für seine unsterblich schöne Buchmalerei der ”Très Riches Heures” des Duc de Berry berühmt und nicht minder fantastisch sind die Illustrationen, die er für “Les Passages d’Outremer” schuf.

Die Kreuzzüge verursachten tiefgreifende politische und soziale Veränderungen. Die vordergründig religiös motivierten Kreuzzüge, hatten wie alle Kriege wirtschaftliche und strategische Hintergründe. “Jenseits des Meeres” (Outremer) vollzogen sich daher auch für die teilnehmenden Adeligen zahlreiche gesellschaftliche Ereignisse, die ihre Wirkung bis in die jeweilige Heimat entfalteten. Eines dieser tiefgreifenden Ereignisse ist wohl den meisten Menschen bekannt: Der berühmte Streit zwischen Richard Löwenherz und Leopold von Österreich vor Akkon im Jahr 1191. Der Zwist mündete schließlich in der Gefangenschaft Richard Löwenherz bei seiner Rückreise 1192 durch Österreich. Das hohe Lösegeld, das seine Untertanen für ihn aufbringen mussten, ermöglichte schließlich den Ausbau der Stadtbefestigung von Wien. Die Beschreibung der gegenseitigen Provokationen vor Akkon, das undiplomatische Verhalten kann man sowohl dem Faksimile als auch der Übersetzung im Kommentarband entnehmen. Die lebendige Schilderung lässt die Mächtigen der damaligen Welt durchaus als postpubertäre, machtgeile Männer erscheinen, die in ihrer Überheblichkeit jegliche, damals üblichen Umgangsformen weit hinter sich ließen. Das erfreut nicht nur Historiker, sondern verschafft noch immer - nach rund 550 Jahren - ein überraschendes Lesevergnügen.

Thierry Delcourt steuert im Kommentarband das umfassende Essay “Die Passages d’Outremer, ein Meisterwerk der französischen Buchmalerei des 15. Jahrhunderts” bei. Gemeinsam mit Danielle Quérel verfasste er zu dem “Editorische Anmerkungen”. Die Übersetzung des Originals besorgten Eva Dewes, Hubertus von Gemmingen und Regine Schmidt. Die Bildkommentare und die Zusammenfassung übernahm Fabrice Masanès. Abgerundet wird der Kommentarband von einer umfassen Bibliografie.

Ein herrliche Anschaffung, die ihren Wert behält!

Mamerot - eine Chronik der Kreuzzüge

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Insekten von Surinam

Montag, 09. November 2009

Non-Fiction

Katharina Schmidt-Loske (Hg.)
Maria Sibylla Merian - Insects of Surinam
Taschen 2009, En./Dt./Fr., 192 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 9783 8228 5278 1

  Merian - Insects of Surinam

Das 1705 erschienene Werk “Metamorphosis Insectorum Surinamensium” ist der brilliante Höhepunkt im Schaffen einer Frau, die mit eisernem Willen ihren eigenen Weg ging. Maria Sibylla Merian (1647-1717) gelang der Spagat zwischen Familie und Berufung, zu einer Zeit als weibliche Selbstverwirklichung die Ausnahme darstellte und Frauen in der Wissenschaft nahezu undenkbar waren. Ihre herausragende Leistung muss daher im Kontext mit der Lebensgeschichte betrachtet werden, da das Werk über die Insekten Surinams eine im Grunde logische Folge der jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit Faltern darstellt.

Aufgewachsen in einem intellektuell geprägtem Künstlermilieu - ihr Vater war der Kupferstecher und Verleger Matthäus Merian d.Ä., ihr Stiefvater der Blumen- und Stilllebenmaler Jacob Marrel, entwickelt Maria Sybilla Merian bereits als 13-jährige ein Interesse für Raupen. Sie verfolgt den Lebenszyklus des Seidenspinners und schreibt ihre erste Abhandlung, “Verwandlung und Veränderung der Seidenwürm”. Glücklicherweise lässt die Familie das begabte Mädchen, das unter anderem Zeichnen, Malen und Kupferstechen erlernt hat, gewähren. Auch der Erwerb des obligatorischen Ehemanns, die Geburt zweier Töchter und der Umzug von Frankfurt nach Nürnberg können Maria Sybilla nicht von ihren naturkundlichen Studien abhalten, die sie um die Suche nach Farbrezepturen erweitert. Ihre erste Veröffentlichung ist jedoch ein Blumenbuch. Wenig später, 1679, erscheint “Der Raupen wunderbare Verwandelung und sonderbare Blumen=Nahrung”. In diesem Buch gibt die Naturforscherin erstmals die Entwicklungsstadien zum Schmetterling, angeordnet auf einer einzelnen (Futter-)Pflanze, wieder. Diese ganzheitliche Darstellung ist etwas völlig Neues. Wo auch immer sich Maria Sybilla Merian aufhält, sammelt sie Raupen - zwei Fortsetzungen des Raupenbuches (1683, 1717) sind die Folge. 1685 verlässt die Künstlerin ihren Mann und zieht mit Töchtern und Mutter bei den Labadisten auf Schloss Waltha ein. In den folgenden Jahren ordnet Merian ihre Zeichnungen und Notizen nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten. Surinam rückt näher, denn Schloss Waltha wird der Sekte vom Gouverneur der holländischen Kolonie zur Verfügung gestellt. Doch zuerst geht es 1691 nach Amsterdam, wo Maria Sybilla den Lebensunterhalt für sich und die Töchter durch den Handel mit Farben und Naturalien sowie der Ausführung von Auftragsarbeiten bestreitet. In der geschäftigen Handelsstadt kann die forschende Künstlerin Sammlungen besuchen, zu deren Exponaten auch Insekten aus Surinam zählen. Ihre Neugier ist geweckt, sie will selbst in dieses Land fahren, um eigene Beobachtungen zu machen. 1699 ist es endlich so weit: Maria Sybilla Merian, mittlerweile 52 Jahre alt, und ihre Tochter Dorothea Maria stechen in See. Zwei Jahre verbringen die beiden Frauen sammelnd, zeichnend und forschend in Surinam, bevor sie gesundheitliche Gründe zur Rückkehr zwingen. Zurück in Amsterdam und wieder genesen macht sich Maria Sybilla voller Tatendrang an die Herausgabe ihres Werkes über die Insekten Surinams.

“Metamorphosis Insectorum Surinamensium” erscheint 1705 und umfasst insgesamt 60 Kupferstiche. Das Geld für die Herstellung des Buches brachte Merian selbst auf, indem sie Subskribenten warb und Auftragsarbeiten annahm. Käufer konnten zwischen einer schwarz-weißen oder einer handkolorierten Fassung des Werkes wählen. Der exquisite Prachtband “Insects of Surinam” des TASCHEN Verlages basiert auf den besonders schön kolorierten Tafeln des in der öffentlichen Bibliothek der Universität Basel befindlichen Exemplars der “Metamorphosis Insectorum Surinamensium”.

Im 18. Jahrhundert präsentierten die 60 Tafeln Ergebnisse der Grundlagenforschung, auf die sogar der Naturwissenschaftler Carl von Linné für sein wegbereitendes Ordnungssystem der Natur zurückgriff. Heute bezaubern Merians Darstellungen durch ihre dekorative Eleganz. Wer in den Medien des 21. Jahrhunderts schon alle Hässlichkeit dieser Erde gesehen hat, ist durch die hübschen Abbilder der “unachtbaren Thierlein” nicht zu erschüttern. Im Gegenteil. Was Merians Zeitgenossen vielleicht als garstig abstoßende Schädlinge angesehen haben, wirkt geradezu niedlich. Auf und um anmutigen, fast ornamental angeordneten Pflanzen tummelt sich eine bunte Insektenschar. Fette Raupen knabbern an saftigen Blättern. Plumpe Kokons und Puppen ruhen auf Ästen und Stängeln. Prächtige Schmetterlinge flattern herum. Käfer krabbeln im Laubwerk oder erheben sich behäbig in die Lüfte. Heuschrecken, Zikaden, Wespen und Ameisen lassen sich gelegentlich blicken. Auf einigen Tafeln hat Maria Sybilla Merian sogar Fösche, Kröten, Eidechsen, Schlangen und Vogelspinnen festgehalten. Auffällig ist das Spiel mit Größenverhältnissen. Merian ist bemüht, die Insekten in Originalgröße wiederzugeben. Die Pflanzen hingegen zeigt sie verkleinert, wohl auch, um möglichst viel von Wuchs und anderen Charakteristika auf dem beschränkten Platz der Tafeln zeigen zu können. Es ist bekannt, dass die Forscherin für ihre Studien auch ein Mikroskop benutzte. Die Künstlerin genießt sichtlich die an den Insekten zu beobachtbaren Farben, Muster und Texturen, die sie nicht nur zeichnet sondern auch beschreibt. Trotz des Bestrebens nach Wahrhaftigkeit der Wiedergabe, verliert die dual Begabte nie den ästhetischen Wert ihrer Bildkompositionen aus den Augen.

Wer mehr über die abgebildeten Insekten und Pflanzen erfahren will, kann allerlei Wissenswertes in den Bilderläuterungen aus der Feder von Katharina Schmidt-Loske erfahren, die Merians Originaltext ersetzen. Die Leiterin des Biohistoricums, Bonn, hat auch den Essay “Maria Sybilla Merians ‘kostbare’ Reise in die Schatzkammer der Natur” zu Leben und Werk der forschenden Künstlerin verfasst. Ergänzendes Bildmaterial, darunter Arbeiten einer der Töchter der Künstlerin, begleitet diesen Text.

“Insects of Surinam” ist ein verführerisch schönes Buch. Maria Sybilla Merians unvergleichliche Darstellungen der Insekten- und Pflanzenwelt Surinams sind eine Augenweide, die niemals an Frische verliert. Auch die Designer des prächtigen Bandes scheinen sich an den dekorativen Krabbeltieren und Räupchen erfreut zu haben. Seitenfüllende Vergrößerungen von Details aus den Tafeln beleben die ohnehin schon attraktive grafische Gestaltung.

Folgen Sie nicht dem in Wohnzeitschriften immer wieder zu bemerkenden Trend, sich aufgespießte Schmetterlingsleichen in Kästchen an die Wand zu hängen. Schaffen Sie sich stattdessen das wunderschöne Buch “Insects of Surinam” an - das schont die Umwelt und stimuliert den Geist.

© Ch. Ranseder

Merian - Insects of Surinam

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Rinde

Dienstag, 03. November 2009

Non-Fiction

Cédric Pollet
Rinde
Die Wunderwelt der Bäume entdecken 

Ulmer  2009, 192 S., zahl. Farbabb.
ISBN 978 3 8001 5911 6

 Rinde: Die Wunderwelt der Bäume entdecken

Einen Baum zu pflanzen ist eine emotionale Geste mit hohem Symbolgehalt. Daher greifen Politiker bei bestimmten Anlässen gerne zum Spaten, um neben einem kostengünstigen Gedenk-Bäumchen für die Medien zu posieren. Schließlich mögen viele Menschen Bäume. Doch wehe ein Wäldchen oder ehrwürdiger Solitär steht einem Bauvorhaben im Weg. Dann wird gnadenlos umgesägt, was Jahrzehnte zum Wachsen brauchte. Es scheint, als hätte der Baum in erster Linie den Menschen zu dienen. Sein ökonomischer und ökologischer Wert ist unbestritten. Doch Hand aufs Herz: Wann haben Sie sich zuletzt einen Baum bewusst angesehen? Sich dabei an der Schönheit seines Stammes, der Blätter, Blüten oder Früchte, erfreut? Deren Reichtum an Formen, Farben und Strukturen bestaunt?

Bäume sind es wert, genauer betrachtet zu werden. Cédric Pollet hat genau das gemacht und dabei eine Leidenschaft für Rinde entwickelt. Der exquisite Prachtband “Rinde. Die Wunderwelt der Bäume entdecken” ist das Ergebnis einer bereits über zehn Jahre währenden Liebe. Dabei fing alles ganz harmlos mit dem Blick auf eine alte Eiche an. “Es war eine Offenbarung, die mein Leben veränderte”, gesteht Cédric Pollet in der Einleitung des Buches. Der ausgebildete Landschaftsarchitekt griff zur Spiegelreflexkamera und begann die Welt zu bereisen, um Baumrinden zu fotografieren. Eine Auswahl der schönsten Bilder ist in “Rinde” zu bewundern. Für seine 81 Baumporträts konnte der Naturfotograf aus dem Vollen schöpfen: mehr als 15.000 Dias sind über die Jahre auf seinen Entdeckungsreisen zusammengekommen.

Zum Staunen gibt es in “Rinde” genug. Die Nützlichen, die Schönen und die Bizarren haben Cédric Pollet gleichermaßen inspiriert. So bietet zum Beispiel Ficus benjamina, als Zimmerpflanze ein schmächtiges Bäumchen, in freier Natur mit seinem Gewirr aus Luftwurzeln einen an Alien erinnernden Anblick. Fröhlich mutet hingegen die psychedelisch rot-grün-gelb-braun gestreifte Rinde des Trichterfrucht-Eukalyptus an. Der Seidenwollbaum wiederum gibt sich mit seiner silbergrauen Rinde, die in maigrünen Rissen und Schildpattmuster aufbricht, überaus elegant. Blick für Blick schärfen die rund 400 Abbildungen das Bewusstsein für die atemberaubende Vielfalt und Anpassungsfähigkeit der Bäume.

“Rinde” ist mehr als ein Fotoband. Das attraktiv gestaltete Buch paart optischen Genuss mit informativem Lesevergnügen. Jeder der ausgewählten Bäume wird mit mindestens zwei Bildern vorgestellt. Ganzseitige Nahaufnahmen der Rinde verwandeln wenige Quadratzentimeter Baumstamm in abstrakte Kunstwerke. Kleinere Fotos geben mehr vom Aussehen der Bäume und der Landschaft, in der sie wachsen, preis. Handelt es sich um eine wirtschaftlich genutzte Baumart, zeigen Fotoserien die Ernte des Naturprodukts. Zwischen die Baumporträts eingeschobene Doppelseiten sind interessanten Phänomenen wie z. B. der Stammblütigkeit gewidmet oder feiern die Vielfalt des Erscheinungsbildes einer Gattung. Die begleitenden Texte bieten eine bunte Mischung aus Botanik und Kulturgeschichte mit einer Prise Kulinarik und Medizin. “Rinde. Die Wunderwelt der Bäume entdecken” hält, was sein Untertitel verspricht. Cédric Pollets Fotos entführen auf eine optische Entdeckungsreise, die lehrt, das Wunderbare im Alltäglichen zu sehen. Mit offenem Auge und wachem Geist lässt sich das Erlebnis des herrlichen Buches vor der eigenen Haustür fortsetzen. Ist das nicht schön?

© Ch. Ranseder

Rinde: Die Wunderwelt der Bäume entdecken

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Helmut Böhm-Raffay

Sonntag, 01. November 2009

Notiz

Was ist das Nichts?  
Helmut Böhm-Raffay
Einer, der zwischen Realität und Illusion mühelos hin- und herspaziert 
Ein Film von Herbert Link 2009, ca. 40′.

Helmut Böhm-Raffay lebt seinen Traum. Spontan will er sein und kreativ nach dem Ende seines minutiös geplanten, technisch orientiertem Berufslebens. Unter dem Pseudonym “Heinz Brandtner” ist er schriftstellerisch tätig. Er schreibt für die Bühne und wird sein eigener Darsteller. Er schreibt zu Bildern und wird so ein Teil von ihnen. Kreativ und spontan sucht er nach seinen persönlichen Plattformen und findet sie oft an ungewöhnlichen Orten. Doch für ihn ist nichts davon raumgreifend genug. Böhm-Raffay hatte seine Liebe zum Tanzen als Junge entdeckt und ist ihr bis in die Gegenwart treu geblieben. Dabei hat er den nach und nach den Gesellschaftstanz hinter sich gelassen. Über Masken, Pantomime und Afro Dance entdeckt er schließlich den Ausdruckstanz für sich. Helmut Böhm-Raffay ist einer, der den Sog spürt und einer, der ein ewig Suchender bleiben wird.

Herbert Link gelang es den kreativen Freigeist Helmut Böhm-Raffay mit der Kamera einzufangen. In der biografischen Dokumentation bewies er sich als Formgeber der Spontaneität und Bändiger einer kreativen Lebensflut. Ganz passend dient daher das Ende des Interviews als Einstieg in den Film. Rückwärts tritt Helmut Böhm-Raffay ins Bild, setzt sich, bekommt das Mikrophon angesteckt von dem er am Ende des Films wieder befreit wird, um diese Bühne zu Gunsten einer anderen zu verlassen. Mit dem spannend inszenierten Film und der verdichteten Biografie unterstreicht Herbert Link dezent das zufällig Unzufällige des “Heinz Brandtner”.

© S. Strohschneider-Laue

Siehe auch:
Don Quixote am Michaelerplatz - Film
Der verzauberte Spiegel. Schauspiel in zwei Abteilungen. - Buch

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Fotokurs: Das weibliche Auge

Montag, 21. September 2009

Non-Fiction

Almut Adler
Das weibliche Auge
Anders sehen, anders fotografieren
Addison-Wesley 2008, 287 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 8273 2632 4

Das weibliche Auge: anders sehen, anders fotografieren - Fotokurs für Frauen

Almut Adler ist Fotografin, Grafikdesignerin und Weltenbummlerin mit offenem Blick für den richtigen Moment große Details und kleine Großartigkeiten einzufangen. Mit vorliegendem Buch entschädigt sie all jene, die keinen Kurs bei ihr besuchen können.  Zugleich bietet sie jenen eine Gedächtnisstütze, die einen Kurs in München oder Spanien besuchten.

Was unterscheidet Almut Adlers vorliegendes Fotobuch von den oft austauschbaren Fotobüchern ihrer männlichen Kollegen?
Es ist die fotografische Improvisationskunst, die im Mittelpunkt steht, und das wohltuende Fehlen von angeberischen Firlefanz. Hier werden Festbrennweiten vorgestellt und nicht Objektivgrößen verglichen. Außerdem wird nichts vorausgesetzt, alles wird knapp und präzise erklärt und das ohne eine Fachbezeichnung durch eine andere zu ersetzen.

Und was dürfen EinsteigerInnen erwarten?
Zwölf Kapitel die vom geschichtlichen Überblick, Aufnahmetechnik, Bildaufbau, Perspektive, Licht, Actionfotografie, Fotomotiv, Filterkunde, Nachtaufnahmen, Spezialthemen, Aufnahmefehler bis zu Activseiten reichen. Im Anhang des strapazfähigen Buches befinden sich ein benutzerfreundliches Glossar sowie ein Stichwortverzeichnis.

Und was hat mir besonders gefallen?
Adler stellt im Überblick die technische Seite und die Funktion einer Spiegelreflexkamera vor ohne Spitzenreiter oder Marken in das Rampenlicht zu rücken. Damit gewährt sie finanziellen Spielraum, den Frauen häufiger beachten (müssen) als Männer. Das ein Foto ein komplexes Produkte ist, das aus dem Zusammenspiel von FotografIn, Spielgelreflex, Motiv und zahlreichen Faktoren wie Licht und Blickwinkel entsteht, wird von ihr von ihr aufgezeigt ohne angehende Fotokünstlerinnen zu entmutigen. Der Fotokurs lebt daher auch von seinen zahlreichen Beispielen. Jede Aussage, jedes Beispiel wird mit passenden Fotos anschaulich belegt. Die Autorin geizt nicht mit Tipps und Tricks, die häufig ganz nebenbei einfließen und dadurch niemals den Charakter eines belehrend geschwungenen Zeigefingers haben. Diese Tipps betreffen ebenso die Körperhaltung der Person hinter der Kamera als auch ganz selbstverständlich scheinende Hinweise auf die behagliche Raumtemperatur für Aktmodelle zu achten. Und besonders schön ist, dass für Almut Adler misslungene Aufnahmen nur dann ein Drama sind, wenn man nicht daraus lernt oder nicht weiß, wie man das Foto retten kann. Bei ihr steht eindeutig der Spaß am Fotografieren im Mittelpunkt ohne die professionellen, technischen Aspekt zu vernachlässigen.

Das großartige Fotobuch für Frauen, muss auch Männer ans Herz gelegt werden; und ganz unabhängig vom Geschlecht gibt es zu viele Menschen, die nur “draufhalten und abdrücken”. Sie haben ihr Gespür für Farben, Formen, Blickwinkel und vieles mehr verloren. Das muss nicht sein. Fotografieren kann man lernen und Kreativität kann man schulen, wie die Fotos von zwei Personen, denen ich das “Das weibliche Auge” bereits geschenkt habe, beweisen.

© S. Strohschneider-Laue

Das weibliche Auge: anders sehen, anders fotografieren - Fotokurs für Frauen

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Papierdesign: unfolded

Montag, 21. September 2009

Non-Fiction

Petra Schmidt, Nicola Sattmann
unfolded
Papier in Design, Kunst, Architektur und Industrie
Birkhäuser 2009, 256 S., zahlr. Farbabb. 
ISBN 978 3 0346 0031 6

 Unfolded: Papier in Design, Kunst, Architektur und Industrie

Papier hat in den letzten Jahren die Herzen der Designer, Architekten und Künstler erobert. Zeichner und mit dem klassischen Printbereich befasste Grafiker schätzen seine Qualitäten ja seit langem. Doch als Mittel zur Aneignung des dreidinemsionalen Raumes ist Papier ein relatives Novum. Dank technischer Entwicklungen in der Papierherstellung, die dem Markt sowohl verbesserte als auch mit völlig neuen Eigenschaften ausgestattete Papiere bescherten, und der Imagekorrektur erlebt das bescheidene Material derzeit eine Hochkonjunktur. Es wird fleißig geklebt, gefaltet, gegossen, geschnipselt, gefräst und manchmal sogar geschraubt. Auch in dem Buch “unfolded. Papier in Design, Kunst, Architektur und Industrie” dreht sich alles um das dreidimensionale Gestalten mit Papier.

Der erste Teil des Buches fungiert als Schaufenster für herausragende Projekte, im Rahmen derer Papier auf innovative Weise verwendet wurde. Erste Experimente mit dem vielseitigen Material stammen bereits aus den 60er-Jahren. Bunt bedruckte Wegwerfkleider waren damals in Amerika der letzte Schrei. Von den schlicht geschnittenen Kleidchen zu den ausgetüftelten, gefalteten und gestanzten Kreationen junger zeitgenössischer Designer war es ein weiter Weg. Als wunderbares Experimentierfeld erweisen sich auch Sitzmöbel, wie die zahlreichen Beispiele im Buch belegen. Die Idee Papier für Sessel zu verwenden ist ebenfalls nicht neu: Der aus Wellpappe gefertigte Wiggle Side Chair von Frank Ghery aus dem Jahr 1972 hat bis heute nichts von seiner Attraktivität eingebüßt. Nicht zu unterschätzen ist die Nützlichkeit des Papiers bei der Entwicklung von Prototypen für Möbel und sogar, wie die Entwürfe von Konstantin Grcic zeigen, für Haushaltsgeräte oder Mülleimer.

Selbst in die Architektur hat das Papier Einzug gehalten. Shigeru Ban baute temporäre Gebäude aus Pappröhren und ließ für einen Messepavillon Tragwerksprofile aus Papierresten herstellen. In der Innenraumgestaltung findet Papier, dank seiner hohen Belastbarkeit, bei der Gestaltung von Shops und Messeständen Verwendung. Ein besonders originelles Beispiel für diesen Einsatzbereich ist die Einrichtung eines Büros in der holländischen Stadt Eindhoven.

Zeitgenössische Künstler bedienen sich des Papiers auf neue Art und Weise. Meine Favoriten unter den vorgestellten Projekten, sind die Arbeiten von Peter Callesen. Fingerfertig verwandelt er einfache A4-Blättern in fantasievolle 3D-Welten mit denen er kleine Geschichten erzählt. Überrascht hat mich, dass von der ansonsten repräsentativen Zusammenstellung Künstlerbücher weitgehend ausgeschlossen blieben, obwohl auch sie sich durchaus die dritte Dimension zu eigen machen.

Der zweite Teil von “unfolded” befasst sich mit der Materialkunde. Er ist das Ergebnis der Recherche der Autorinnen nach technischen Papieren für 3D-Anwendungen und birgt manche Überraschung. Beginnend mit der Herstellung entfaltet sich ein beeindruckender Produktreichtum. Die gebotenen Kategorien sind: Modifiziert, Outdoor-Papier, Formteile aus Papierschichten, Chemisch aktiv, Gesintert, Feuerfest und Reinigend, Elektronisch, Textilien, Komposite und Laminate, Tiefgezogen, Wabenstrukturen, Waben-Formteile, CNC-Waben, Formgeschäumt, 3D-Geschöpft, Konstruktionselemente, Origami für die Serie, Computer-Origami und Gelasert.

Fotos, Produktbeschreibungen, Formate, Hersteller, Kontaktadresse und der Vermerk, ob es sich um ein bereits in Serie hergestelltes Papier, ein Unikat oder ein Forschungsprojekt handelt, machen “unfolded” zu einem praktischen Handbuch.

Nicht nur die in “unfolded” vorgestellten Designer durften mit Papier spielen, auch die Gestalter des Buches nutzten die unterschiedlichen haptischen Qualitäten von Papier. Es zahlt sich übrigens aus den Umschlag zu entfalten - aber Vorsicht mit dem Sticker!

© Ch. Ranseder

Unfolded: Papier in Design, Kunst, Architektur und Industrie

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Tag des Denkmals: Kreativität & Innovation

Freitag, 18. September 2009

Notiz

Tag des Denkmals 2009
Kreativität und Innovation
Bundesdenkmalamt
25. September ‘09 - Denkmaltag für Schulen
27. September ‘09 - Denkmaltag für Alle

Seit elf Jahren wird auch in Österreich der Tag des Denkmals durchgeführt - und das sehr erfolgreich. Am 25. September findet ein eigener Termin für Schulen mit speziellem Programm statt. Der 27. September ist für alle Interessierten organisiert worden.

Das diesjährige Programm steht unter dem Motto “Kreativität und Innovation” und verspricht in allen Bundesländern außergewöhnliche Einblicke. Einblicke, die sowohl die Arbeit des Bundesdenkmalamtes, als auch die Arbeit und Attraktionen hinter den Kulissen betreffen. Das Angebot ist so vielfältig wie die Aufgaben der obersten Denkmalschutzbehörde Österreichs. Da für einige Programmpunkte Anmeldungen erforderlich sind, lohnt es sich rechtzeitig die Folder (siehe unten) der Bundesländer durchzusehen und aus über 200 Veranstaltungsorten zu wählen.

Exemplarisch für die Angebote, die von der Urgeschichte bis in die Gegenwart reichen, soll an dieser Stelle u. a. die revitalisierte Brenner-Wohnung genannt werden. Der Architekt entwarf in den 20er Jahren einen bis zu den Möbeln in den Wohnungen durchgestylten Wiener Gemeindebau. Das überraschend moderne, funktionale Design auf 38 m² wird in seinem Nutzfaktor bestätigt, da der Architekt selbst in dieser Wohnung lebte. In Aschach an der Donau (OÖ) kann man seine Erlebnisse in Schloss und Museum zusätzlich beim Ortsrundgang um den barrierefreien Kulturwanderweg bereichern oder in Feldkirch (Vbg.) den Dachboden der Dompfarrkirche Hl. Nikolaus betreten.

Zusätzliche Würze erhält der Tag des Denkmals durch die erste Ausgabe der Publikumszeitschrift “Denkmal heute”, die an diesem Tag gratis in ganz Österreich an die BesucherInnen “Tag des Denkmals” verteilt wird. Zweimal jährlich soll das neue Magazin in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft der Denkmalfreunde herausgegeben werden. Abonnements können ab sofort per Kontaktformular beim Bundesdenkmalamt bestellt werden.

Fazit: Unbedingt hingehen!
Burgenland
Kärnten
Niederösterreich
Oberösterreich
Salzburg
Steiermark
Tirol
Vorarlberg
Wien

© S. Strohschneider-Laue

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Impressionismus - Wie das Licht auf die Leinwand kam

Donnerstag, 10. September 2009

Notiz

Impressionismus - Wie das Licht auf die Leinwand kam
Albertina
11. September ‘09 bis 10. Januar ‘10

“Nicht schon wieder Impressionisten”, mögen manche beim Ausstellungstitel denken. Keine Sorge, es ist keine Déjà-vu verursachende Personale eines Impressionisten, Seerosenschau oder Sonnenblumenpräsentation. Diese Ausstellung bringt dem Publikum den frischen Wind der Freiluftmalerei und den flüchtigen Augenblick in großen Inszenierungen und mikroskopisch kleinen Details näher. So viel und so genial strukturierte Information bekommt man in österreichischen Museen selten geboten. Kein Wunder, ist die Ausstellung doch vom Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corbud konzipiert worden und dort scheint man sich nicht auf rein chronologische Hängungen spezialisiert zu haben. Und noch schöner ist es, dass sich die Albertina dazu entschloss die Ausstellung, die bereits in Köln erfolgreich war, zu präsentieren.

Was unterscheidet diese Ausstellung von den zahlreichen anderen Impressionisten-Präsentationen?
Es ist der gelenkte Blick auf Details, die sonst nicht herausgestrichen werden. Minutiöse Untersuchungen brachten es an den Tag: Selbst so große Werke wie die “Trocknende Wäsche an der Seine” entstanden im Freien und nicht im Atelier. Eine Pappelknospe blieb in der feuchten Farbe haften. Gustave Caillebotte hatte sie beim Malen in der Allee wohl übersehen. Das Forscherteam um die Restauratorin Iris Schaefer vom Wallraf-Richartz-Museum hat die Knospe nach rund 100 Jahren entdeckt und kann dadurch ein weiteres Puzzelstück zur Entstehungsgeschichte des Bildes gefunden. Und das ist längst noch nicht alles, was mit detektivischer Akribie, Mikroskop, Röntgen und dem Einsatz anderer Technologien entdeckt wurde. Farbflächen verraten den Handlungsablauf beim Werden eines Bildes. Randliche Farbfehlstellen belegen die Befestigung des Bildes im Malkoffer oder auf der Feldstaffelei. Löcher und Druckstellen rühren von Abstandhalter zwischen den frischen Bildern her. Vorzeichnungen, Ergänzungen, Übermalungen relativieren sowohl die Spontaneität der Künstler als auch die Wertschätzung der späteren Besitzer. Die Bilder wurden nicht nur künstlerisch “verbessert”, sondern auch gefirnist, ihrer schlichten Rahmen beraubt und mit Prunkrahmen versehen. Und all diese erstaunlichen Erkenntnisse werden in vergrößerten Bildausschnitten deutlich gemacht, so dass es ist eine Freude ist, selbst nach dem winzigen Indiz auf dem Original zu fanden. Es lohnt sich zusätzlich zum Ausstellungsbesuch die Online-Publikation zum Forschungsprojekt anzusehen. Sie wartet mit vielen weiteren überraschenden Entdeckungen und das in guter optischer Qualität sowie perfekten Texten auf.

 

Inszenierungen, Vitrinen mit Malmaterialien und Künstlerutensilien, darunter die dunkle Brille von Edgar Degas, Farbtuben von Vincent van Gogh und die Palette von Georges Seurat sowie wandfüllende Porträtfotos, würdigen die Künstler und ihre Malweise über die 125 ausgestellten Gemälde hinaus.

Erfrischend informativ und kein begehbares Buch; definitiv ein Pflichttermin, an den man sich gerne und vor allem mit inhaltlichen Mehrwert erinnern wird.

© S. Strohschneider-Laue

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modellbauhaus

Freitag, 28. August 2009

Non-Fiction

Bauhaus-Archiv Berlin, Stiftung Bauhaus Dessau, Klassik Stiftung Weimar (Hgg.)
modellbauhaus
Hatje Cantz 2009, 376 S., 302 Abb., 236 davon farbig.
ISBN 978 3 7757 2414 2

Modell Bauhaus Modell Bauhaus

Was den Österreichern die Wiener Werkstätte, ist den Deutschen das Bauhaus. Dessen neunzigster Geburtstag ist Anlass für die neuerliche, breitenwirksame Auseinandersetzung mit der Institution, die fast schon zu einem modernen Mythos geworden ist. Und mit nichts lässt sich der Diskurs über die, von Beginn an die Meinungen polarisierende Ausbildungsstätte besser fortsetzen, als mit Ausstellungs- und begleitenden Publikationsprojekten. 2009 darf sich das kunstinteressierte Publikum daher an “modellbauhaus” erfreuen.

Die Deutungsmöglichkeiten der Geschichte und Erzeugnisse des 1919 von Walter Gropius gegründeten Bauhauses sind so facettenreich wie die an ihm lehrenden Persönlichkeiten, darunter Künstler wie Paul Klee, Oskar Schlemmer oder Wassily Kandinsky. Die berühmte Lehranstalt war eine Spielwiese für Individualisten. Das wird auch an den 68, für “modellbauhaus” ausgewählten, Objekten deutlich. Unter ihnen befinden sich natürlich Design-Ikonen, wie der Clubsessel B3 von Marcel Breuer, das Tee-Extraktkännchen von Marianne Brandt oder das Bauhaus-Gebäude in Dessau. Aber auch Kleinigkeiten, die etwas über das Leben am Bauhaus erzählen sind dabei. Das 1919 herrschende Wirgefühl und die Aufbruchsstimmung könnte nicht schöner als in der informellen Einladung in Form eines an die Tür gehefteten Zettels “Unser Spiel, unser Fest, unsere Arbeit” zum Ausdruck kommen. Von Objekt zu Objekt erschließt sich im Rahmen der Werkanalysen langsam die Geschichte des Bauhauses, an dem bildende Kunst, Architektur, Design und Bühnenbild gelehrt wurden. Die Arbeiten von Bauhauslehrern und -schülern dienen als Ausgangspunkt für die Betrachtung von Einzelaspekten wie Schulpolitik, Unterrichtsmethoden und die dem Bauhaus zu Grunde liegenden Philosophien. Der Plural steht hier ganz bewusst, denn es war nicht eine Ursprungsidee, die am Bauhaus Jahr für Jahr starr umgesetzt wurde. Ganz im Gegenteil. Walter Gropius verband in seinem ersten Programm Vision und Praxis und legte damit den Grundstein für einen Entwicklungsprozess, der zu keiner Zeit des Bestehens der das Experiment begrüßenden Schule abgeschlossen war. Vom Gründungsmanifest bis zur Auflösung durch die Nationalsozialisten 1933 erfand sich das Bauhaus immer wieder von Neuem. Jeder seiner drei Leiter, Walter Gropius, Hannes Meyer und Ludwig Mies van der Rohe, drückte ihm seinen Stempel auf. Jeder Wechsel des Standortes - zuerst Weimar, dann Dessau und schließlich Berlin - hinterließ seine Spuren. Nur eines blieb konstant: Der hohe Stellenwert der Architektur.

Trotz der Vielzahl unterschiedlicher Haltungen und der großen Bandbreite der Produkte war das Bauhaus auch ein frühes Beispiel für eine gelungene Markenbildung. Alles war vorhanden: Wort-Bild-Marke, bewusster Einsatz der Sprache, gezielte Pressearbeit, Selbstpräsentation durch Feste, Ausstellungen, Publikationen und nicht zuletzt ein passendes - Stichwort Corporate Architecture - Schulgebäude.

“modellbauhaus” nimmt die unter dem Dach der Marke Bauhaus geeinte künstlerische Pluralität auf und zeigt sich ebenso bunt wie die unvergessliche Ausbildungsstätte. Mit 77 Essays ist die Publikation ein Katalog der Superlative, der mit den vereinten Kräften aller drei der Pflege des Bauhaus-Erbes gewidmeten deutschen Institutionen - Bauhaus-Archiv Berlin, Museum für Gestaltung, Stiftung Bauhaus Dessau und Klassik Stiftung Weimar - entstand. Ein schneller Überblick über die Bauhausgeschichte ist mit einer derartigen Fülle an Beiträgen nur schwer zu erlangen, obwohl die chronologische Gliederung die Orientierung erleichtert. Stattdessen lässt sich das Phänomen Bauhaus in Jahresschritten genießen. Jeder Jahreswechsel wird von einem Trennblatt markiert, dem auf der farbigen Seite Daten zur Entwicklung des Bauhauses und auf der grautonigen Seite Informationen zum Geschehen in Deutschland entnommen werden können. Jahr für Jahr und Kunstwerk für Kunstwerk gewährt “modellbauhaus” LeserInnen die Freiheit nach Herzenslust zu Schmöckern ohne den roten Faden zu verlieren und so eine Institution kennen zu lernen, die Designgeschichte geschrieben hat.

Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau, Berlin, ist noch bis 4. Oktober zu sehen. 

© Ch. Ranseder

Modell Bauhaus

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Früchte - Kunstwerke der Natur

Donnerstag, 13. August 2009

Non-Fiction

Wolfgang Stuppy, Rob Kesseler 
Früchte
Faszinierende Kunstwerke der Natur

Gerstenberg 2009, 264 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8369 2995 0

Früchte Früchte: Faszinierende Kunstwerke der Natur

Als Kind habe ich mit Begeisterung Früchte und Samen gesammelt, sie seziert, getrocknet oder in Gläser gestopft, um zu sehen was passiert. Ins Glas kommen mittlerweile nur noch die schmackhaften Gaben von Obstbäumen in Form von Marmelade. Die Anziehung, die für mich von Früchten und den von ihnen behüteten Samen ausgeht, ist jedoch geblieben. Mit den Jahren sind ihre ästhetischen Qualitäten, die Vielfalt der Farben, Formen und Oberflächenstrukturen, in den Mittelpunkt meines Interesses gerückt. Es gibt so viel zu entdecken! Doch die bizarre Schönheit, die sich unter dem Rasterelektronenmikroskop offenbart, hätte ich mir nicht träumen lassen. Ein Blick in das fantastische Buch “Früchte. Faszinierende Kunstwerke der Natur” und schon hing ich am Haken. Gar nicht mehr aus der Hand legen wollte ich den Prachtband.

Das Buch “Früchte. Faszinierende Kunstwerke der Natur” ist ein Glücksfall. Zum einen gewährt es einen überwältigenden, stimulierenden optischen Genuss. Zum anderen lässt es LeserInnen nicht im Dunkel darüber, was auf den großartigen Aufnahmen zu sehen ist. Ganz im Gegenteil. Die von Rob Kesselers kunstvoll eingefärbten Rasterelektronenmikroskop-Aufnahmen geweckte Neugier, wird von Wolfgang Stuppys Einführung in die Wunderwelt der Botanik gestillt. Eine Fülle ergänzender “konventioneller” Fotos vermittelt das Aussehen der Früchte in “Normalsicht”. Und da ein Blick hinter die Kulissen immer spannend ist, wird am Ende des Buches nicht nur das Millennium Seed Bank Projekt der Royal Botanic Gardens in Kew, England, vorgestellt, sondern sogar der technisch-künstlerische Arbeitsprozess geschildert. Vom Sammeln der Früchte bis zur fertig bearbeiteten Aufnahme ist es nämlich ein weiter Weg.

Pflanzen haben im Lauf der Evolution viele schlaue Strategien entwickelt, um sich zu Vermehren und neue Gebiete zu erobern. Ihre Früchte schützen und präsentieren die wertvollen Samen, ohne die ein Überleben der Art nicht möglich wäre. Sie sind maßgeschneiderte Wunderwerke, egal ob sich eine Pflanze zur Ausbreitung eines der Elemente oder Lebewesen dienstbar macht. Der mit der Zeit entstandene Reichtum an Lösungen der Aufgabe den Nachkommen zu einem guten Start zu verhelfen, ist atemberaubend. Wie komplex eine Frucht aufgebaut sein kann, lässt sich erst anhand der Rasterelektronenmikroskop-Bilder, den Stars des Buches, ermessen. Edel vor schwarzem Hintergrund präsentiert, sind elegant geschwungene, extrem gekrümmte, von bizarren Auswüchsen bedeckte, fein behaarte oder mit gefährlich aussehenden Haken bewehrte Früchte zu bewundern. Der Vielfalt scheint keine Grenzen gesetzt zu sein. Rob Kesseler zaubert mit der digitalen Farbpalette aus nüchternen wissenschaftlichen Aufnahmen kleine Kunstwerke. Details, auf die Wolfgang Stuppy in den Abbildungsunterschriften eingeht, sind farblich so hervorgehoben, dass auch Laien sie sofort finden. Bild und Text, optischer und intellektueller Genuss ergänzen sich in “Früchte. Faszinierende Kunstwerke der Natur”. Dank der feinteiligen Gliederung des Textes muss das Buch auch nicht auf einen Sitz gelesen werden. Kleine Texthäppchen führen von der Frage, was denn eine Frucht sei, über alle Arten von Früchten bis zu den Ausbreitungsstrategien. Wolfgang Stuppy würzt das botanische Grundwissen mit einem Schuss Forschungsgeschichte der Botanik und schmeckt mit kulturgeschichtlichen und kulinarischen Exkursen zur Bedeutung der Früchte ab. Auf Fachvokabular wird dennoch nicht verzichtet. Notfalls hilft ein ausgezeichnetes Glossar wieder auf die Sprünge.

“Früchte. Faszinierende Kunstwerke der Natur” ist ein bemerkenswertes Buch, das sowohl durch die ausgezeichnete Aufbereitung und Vermittlung des Themas, als auch der vorzüglichen grafischen Gestaltung aus der Masse der Pflanzen- und Gartenbücher hervorsticht.

© Ch. Ranseder

Früchte: Faszinierende Kunstwerke der Natur

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Herrenhäuser Gärten jr.

Dienstag, 11. August 2009

ab acht

Kirsten John 
Tobi in den Gärten 
Ein Kinderführer durch die Herrenhäuser Gärten

Nicolai 2009, 65 S., zahlr. Farbfotos und Illustration
ISBN 978 3 8947 9484 2

Tobi in den Gärten, Herrnhäuser Gärten Tobi in den Gärten: Ein Kinderführer durch die Herrenhäuser Gärten

Großer Garten, Berggarten, Georgengarten und Welfengarten bilden zusammen die Herrenhäuser Gärten. Die ehemalige Sommerresidenz der Herzöge, Kurfürsten und Könige von Hannover und England ist voller Überraschungen und mehr als nur einen Besuch wert. Verschiedene historische Gartenstile, Bau- und Kunstwerke locken vor allem Erwachsene in die Anlage. Es gibt aber für Kinder viel mehr zu entdecken als nur das Sealife im Berggarten, man muss nur wissen wo und genau hinschauen.

Natürlich bedarf es ein wenig Hintergrundinformation, um die offensichtlichen und versteckten Besonderheiten zu erkennen. Genau hier setzt “Tobi in den Gärten” an. Kirsten John verbindet geschickt die Geschichte eines Gärtnerjungen aus der Barockzeit mit dem modernen Erscheinungsbild des großen Gartenareals. Einerseits stellt die Autorin das historische dem modernen Erscheinungsbild der Anlage vor und andererseits zeigt sie die sozialen Bedingungen sowie die Situation eines arbeitenden Kindes auf.

Auf den Umschlaginnenseiten sind die Gartenpläne zu finden. Vorne ist der Große Garten, hinten ist der der Berggarten abgebildet. Schwarze, rote und blaue Passagen gliedern den Text in übersichtliche Lesehäppchen. Der schwarze Text, erzählt Tobis Geschichte und folgt seinen Weg durch den Park. Blau hervorgehoben sind in Tobis Story jene Gebäude und Objekte, die auf den Plänen eingezeichnet sind. Rote Textteile bieten Hintergrundinformationen zu Persönlichkeiten und Sehenswürdigkeiten. Auf diese Weise können Kinder nach Lust und Laune leicht die - ohnedies informative - Geschichte verfolgen oder auch nur die Zusatzinformationen lesen. Schade, dass diese geschickte Textgliederung den jungen LeserInnen vorab nicht erklärt wird. Optisch ergänzt wird der Text von ausgezeichneten Fotos, historischen Stichen und zeitgenössischen Illustrationen von Henriette von Bodecker.

Flockig-locker geschrieben und auf das Wesentlichste reduziert, wird das Buch GrundschülerInnen vor als auch nach dem Besuch in den Herrenhäuser Gärten fesseln. Ein Pflichtkauf, wenn man die historische Gartenanlage mit Kindern nicht nur besuchen, sondern kennenlernen möchte.

© S. Strohschneider-Laue

Tobi in den Gärten: Ein Kinderführer durch die Herrenhäuser Gärten

Und für Erwachsene::
Die Herrenhäuser Gärten
Hannover: Die Stadt an der Leine entdecken und erleben. Ein illustriertes Reisehandbuch

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Modisches Mittelalter

Donnerstag, 06. August 2009

Non-Fiction

Margaret Scott 
Kleidung und Mode im Mittelalter
Theiss 2009, 160 S., zahlr. Farbabb.
ISBN 978 3 8062 2199 2

Kleidung und Mode im Mittelalter  Kleidung und Mode im Mittelalter

Kritik am Aussehen experimentierfreudiger, junger Menschen und Hetzreden gegen Frauen mit Chic sind nicht neu. Im Mittelalter stießen unter anderem die Kürze der Gewänder, die Tiefe der Ausschnitte, die Kostbarkeit der Stoffe, die übertrieben langen Spitzen der Schuhe und die für ein gepflegtes Aussehen aufgewendete Zeit, auf Missbilligung. Männerhaar erregte seit dem Ende des 11. Jahrhunderts periodisch immer wieder die Gemüter.

Kaum wurde Neues ausprobiert und damit Standes- oder Geschlechtergrenzen in Frage gestellt, hagelte es von Kirche und Obrigkeit auch schon Tadel oder gar Verbote. Mit Kleiderordnungen versuchten die Gesetzgeber, den Materialaufwand einzuschränken und die Menschen durch die Festlegung standesgemäßer Kleidungsformen auf ihre Plätze in der sozialen Hierarchie zu verweisen. Doch die Lust an kostbaren Kleidungsstücken und Stoffen, fröhlichen Farben, Zierrat und Putz ließ sich nicht so leicht im Keim ersticken.

Margaret Scott erzählt in “Kleidung und Mode im Mittelalter” wortgewaltig und mit enormem Wissen über das Entstehen der Mode und den Aufstieg der Textilindustrie in der Zeit von 840 bis 1570. Als Quellen dienen ihr illuminierte Handschriften, deren Entwicklung sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht, und eine Vielzahl von schriftlichen Aufzeichnungen, von der Chronik bis zum Inventar. Erfrischend ist das Anliegen der Autorin “…, dem Leser zu zeigen, wie Handschriften - mit angemessener Vorsicht - anhand der Kleidung ‘gelesen’ werden können.” Mit leichter Feder erklärt sie die wechselnden Konventionen der Darstellung, stilistische Vorlieben und maltechnische Beschränkungen, die bei der Entschlüsselung der Bildquellen berücksichtigt werden müssen. So wird Wissenschaft nachvollziehbar.

Tatsächlich ist die üppig mit Abbildungen ausgestattete Publikation weit mehr als eine Kostümgeschichte - nicht zuletzt weil es sich Margaret Scott verkneift, reine Formenkunde zu betreiben. Stattdessen sieht sie Kleidung in ihrem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontext. Die Hülle aus Stoff sollte schließlich nicht nur wärmen, sondern TrägerInnen auch als Ausdrucksmittel dienen. Kleidung war und ist schließlich ein wichtiger Bedeutungsträger. An ihr lassen sich Macht und sozialer Status, die Zugehörigkeit zu einer Berufsgruppe und vieles mehr ablesen. Scott entlockt den Quellen Informationen über nationale Unterschiede, Gemeinsamkeiten oder gegenseitige Beeinflussungen und zeigt wer die Trendsetter waren. Mittelalterliche Kleidungsstücke hatten so exotisch klingende Namen wie Houppelande, Surcote, Hoike oder Skaramangion. Fortschritte in der Schnitttechnik brachten bahnbrechende Neuerungen wie das Armloch und vorne mit Knöpfen geschlossene Gewänder. Und mit der Zeit wurde Kleidung nicht mehr in den Haushalten selbst, sondern von spezialisierten Handwerkern hergestellt.

Ein zweiter Erzählstrang ist den technischen Neuerungen in der Weberei und den verfügbaren Stoffqualitäten gewidmet. Deren Namen verheißen Luxus: Lampas-Seide, Tatarische Seide, Brokat, Sendal, Samt, Scharlach. Aus England kam die beste Wolle, Italien tat sich in der Seidenproduktion hervor - und der Handel blühte. Auch die merkantilen Aspekte des aufstrebenden Wirtschaftszweiges werden durch die Jahrhunderte verfolgt. Margaret Scott formuliert ihre akribisch recherchierten Texte elegant und mit Humor. Sie versorgt LeserInnen sogar mit ausführlichen Erklärungen der prächtigen, detailreichen Buchmalerei. Jede Abbildung wird von einem Text begleitet, in dem die dargestellte Kleidung interpretiert und mit den in der Szene gezeigten Handlungen und Personen in Beziehung gesetzt wird. “Kleidung und Mode im Mittelalter” ist zu gleichen Teilen ein Lesevergnügen und eine Augenweide. Wer noch mehr erfahren will, findet am Ende des Buches zusätzlich zu dem hervorragend gegliederten Literaturverzeichnis ein exzellentes Glossar.

“Kleidung und Mode im Mittelalter” ist ein herrliches Buch, das auf den Spuren der ersten Fashion Victims durch die Welt des Mittelalters führt.

© Ch. Ranseder

Kleidung und Mode im Mittelalter

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Shells Muscheln Coquillages

Donnerstag, 23. Juli 2009

Non-Fiction

Antoine-Joseph Dezallier d´Argenville 
Shells - Muscheln - Coquillages 
Taschen 2009, Dt./En./Fr., 216 S. zahl. Farbabb.  
ISBN 978 3 8365 1111 7

Dezallier d'Argenville - Muscheln Dezallier d’Argenville - Muschelkunde

Seit sich der Mensch Lebensraum am Wasser zu eigen machte, werden Muscheln und Schnecken gegessen, zu Werkzeug und Schmuck verarbeitet oder gegen andere Dinge eingetauscht. Zu Objekten der Begierde im großen Stil wurden sie in Europa jedoch erst nach der Entdeckung Amerikas. Das Interesse galt natürlich nicht den einheimischen Schalentieren sondern den Exoten aus Übersee, mit denen ab dem 16. Jahrhundert Herrscher und Gelehrte ihre Wunderkammern und Kuriositätenkabinette ausstatteten.

Es waren jedoch nicht Portugal oder Spanien, sondern die zur Kolonialmacht mit stattlicher Handelsflotte aufsteigenden Niederlande, die sich zur Drehscheibe des Handels mit Muscheln und Schnecken entwickelten und zu Beginn des 17. Jahrhunderts den Markt für die dekorativen Gehäuse erst so richtig anheizten. Für einen kurzen Augenblick in der europäischen Geschichte waren prächtige Muscheln und Schnecken aus fernen Ländern fast ebenso begehrt und kostbar wie Tulpen. Die Zahl der europäischen Muschelsammlungen wuchs stetig. Mit der Zeit trat neben die Sammelleidenschaft die Lust am Ordnen und systematischen Erfassen, begleitet von dem Bedürfnis die mühsam errungenen Forschungsergebnisse zu veröffentlichen. Und hier kommt der Franzose Antoine-Joseph Dezallier d´Argenville (1680-1765), selbst stolzer Besitzer einer Muschelsammlung, ins Spiel.

Heute sind nicht mehr die Gehäuse von Muscheln und Schnecken die Kostbarkeiten, sondern die historischen Publikationen über sie. Antoine-Joseph Dezallier d´Argenvilles La Conchyliologie, ou Histoire naturelle des coquilles de mer, d´eau douce, terrestres et fossiles ist ein solches Kleinod. Dank des TASCHEN Verlages kann nun der Tafelteil dieser dritten, 1780 erschienenen, Auflage des Muschelbuches, in einer der seltenen kolorierten Versionen, unter dem Titel “Shells - Muscheln - Coquillages” in jeder guten Buchhandlung erworben werden. Und es ist eine Anschaffung, die sich lohnt. Auf 80 großformatigen Tafeln sind berückend schöne, schlicht geformte oder bizarre Muscheln und Schnecken der Weltmeere ebenso zu bewundern wie Kopffüßer, Weichtiere, Seeigel und Krebstiere. Doch nicht nur die Schätze der Meere wurden in detaillierten Radierungen festgehalten. Auch Süßwasserschnecken und -muscheln sowie Landschnecken sind in Hülle und Fülle zu finden. Der neu gewählte Titel “Shells - Muscheln - Coquillages” greift also ein wenig zu kurz, den BetrachterInnen wird viel mehr geboten als die karge, wenngleich dreisprachig leichter am Cover unterzubringende, Wortwahl vermuten lässt. Unter anderem halten glückliche BesitzerInnen des prachtvollen Buches ein Stück Wissenschaftsgeschichte in den Händen.

Der Privatgelehrte Dezallier d´Argenville, studierter Rechtswissenschaftler und durch Ämterkauf schlau die Karriere vorantreibender hoher Beamter, schrieb seine Arbeit über die Muscheln und Schnecken nicht als Hobby. Es lag ihm daran, die Wissenschaft voranzutreiben und dafür schreckte er auch vor dem Sezieren eines Schalentieres nicht zurück. Mit seinem Gartenbuch La Théorie et la Pratique de Jardinage war ihm schon einmal ein Bestseller gelungen. 1742 kam L´Histoire naturelle éclaircie dans deux de ses parties principales, la lithologie et la conchyliologie heraus, in der - nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten gegliedert - auf 32 Tafeln Muscheln und Schnecken präsentiert wurden. Die erste in Frankreich erschienene Muschelkunde war sofort ein Erfolg. Sie wurde sogar von Carl von Linné als Arbeitsunterlage für seinen Überblick über alle damals bekannten Tierarten, die Systema naturae (1758), herangezogen. Statt sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen arbeitete Dezallier d´Argenville weiter an seinem Buch und legte schließlich 1757 die zweite, erweiterte Auflage vor. Die dritte Auflage erlebte er nicht mehr. An seine Stelle traten die Zeichner Jacques de Favanne de Montcervelle und sein Sohn Guillaume. Sie brachten den Text des Buches auf den neuesten Stand, fügten ein Porträt von Dezallier d´Argenville sowie ein zweites Titelblatt hinzu und erweiterten den Tafelteil auf 80 Radierungen. Wer farbige Abbildungen der dekorativ angeordneten Schalentiere sein Eigen nennen wollte, musste die Tafeln von Hand kolorieren lassen. Das geschah selten und nicht nach ein und demselben Vorbild - sehr zur Freude der Antiquare, denn die Qualität der Ausführung bestimmte von diesem Zeitpunkt an den Preis der Tafelbände. Es versteht sich von selbst, dass der TASCHEN Verlag für “Shells - Muscheln - Coquillages” auf ein besonders schönes Exemplar zurückgreift.

Doch das opulente Buch mit dem verführerischen Cover ergötzt nicht nur das Auge. Es stillt durch die Hinzufügung von Essays und der Bestimmung der auf den Tafeln abgebildeten Arten durch Rainer und Sophia Willmann auch den Wissensdurst. So befasst sich Veronica Carpita in “Eine Passion für Muscheln. Dezallier d´Argenvilles Conchyliologie im Spannungsfeld von Naturwissenschaft und Kunst” mit der Entstehungsgeschichte von Dezallier d´Argenvilles Buchprojekt, den Anfängen der Erforschung der Schalentiere und den Spuren, die Muscheln als Symbol und dekoratives Motiv in der Kunst hinterlassen haben.

Rainer Willmann widmet sich den naturwissenschaftlichen Aspekten. Er legt in “Die wissenschaftliche Bedeutung des Conchylien-Werkes von Dezallier d´Argenville” und “Die Benennung der Arten bei Dezallier d´Argenville und Carl von Linné” den Nachhall der Muschelkunde des Franzosen in der Welt der Wissenschaft dar und erklärt wie die auf den Tafeln festgehaltenen Kreaturen zu ihren heutigen Namen kamen.

“Shells - Muscheln - Coquillages” wird Liebhaber der dekorativen Schalentiere und naturwissenschaftlicher Bücher entzücken. Stillen kann das attraktive Buch die Sehnsucht nach Strandspaziergängen und Muschelsammeln nicht, aber es hilft sie zu lindern.

© Ch. Ranseder

Dezallier d’Argenville - Muschelkunde

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Rowena Dring

Montag, 20. Juli 2009

Non-Fiction

Oliver Zybok (Hg.)
Rowena Dring Falls the Shadow
Kerber 2009, 79 S., zahlr. farb. Abb. 
ISBN 978 3 86678 222 8

Falls the Shadow Rowena Dring: Falls the Shadow

Rowena Drings Arbeiten wirken auf den ersten Blick wie mit einem Zeichenprogramm am Computer erstellte Vektorgrafiken. Dass die Bilder aus winzigen Stoffteilen genäht sind, entginge den Leserinnen und Lesern von “Rowena Dring - Falls the Shadow”, wären nicht zu Beginn und am Ende des Buches je eine Detailaufnahme abgebildet. Das Erlebnis der Textur der unkonventionellen Werke bleibt den Ausstellungsbesuchern und glücklichen Besitzern von Originalen vorbehalten. Alle anderen seien getröstet: Schon zwischen zwei Buchdeckel gepresst, bezaubern die Darstellungen von geheimnisvollen Landschaften und menschenleeren Orten.

Rowena Dring spielt mit Dekonstruktion und Konstruktion, Nah- und Fernsicht. Ihre Motive findet sie auf Reisen und hält sie mit der Kamera fest. Am Computer werden die Fotos so lange bearbeitet, bis der gewünschte Grad an Abstraktion für das Nähmuster erreicht ist. Was übrig bleibt, ist die Essenz einer Landschaft, eine Konzentration des genius loci. Trotz dieser scheinbaren Vereinfachung bleibt die Komplexität des Motivs ebenso gewahrt wie die Tiefenwirkung des Bildaufbaus. Die grafische Dekonstruktion beraubt die Natur nicht um ihre räumliche Dimension, löst ihr Abbild nicht in der Fläche auf, wie es oft bei Jugendstil-Grafiken der Fall ist. In Nahsicht zerfallen die aus monochromen Stoffapplikationen mit der Nähmaschine konstruierten Bildkompositionen in Farbflecke, deren Zusammenspiel an Tarnmuster denken lässt. In der Fernsicht entfalten sie, zwei im Buch abgebildete Ausstellungsansichten liefern den Beweis, einen erstaunlichen Realismus - nicht zuletzt durch das dramatische Spiel von Licht und stark akzentuierten Schatten.

Die großformatigen Landschaften fordern die Mitarbeit der BetrachterInnen. Auslassungen regen dazu an, Laub und Zweige optisch zu ergänzen. In manchen Arbeiten verselbstständigen sich auch die Randlinien der Applikationen, um die Umrisse von schroffen Küsten und Hügeln anzudeuten. In der Auseinandersetzung mit Rowena Drings Bildern wird der Akt des Sehens bewusst. Sie sind eine innovative Einladung zur Interaktion, zur Suche nach dem perfekten Betrachtungsstandpunkt. Ist dieser einmal gefunden lässt es sich, kalmiert von der subtilen Farbpalette aus Grün-, Braun-, Blau- und Violett-Tönen, gut träumen. Eine ganz eigene, fast melancholische Magie geht von den Bildern aus. Es ist, als würde der porträtierte Landschaftsausschnitt den Atem anhalten und einen Moment lang in absoluter Ruhe verharren. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um die grandiose karge Schönheit und Weite der Landschaft des europäischen Nordwestens, Waldstücke mit Bachläufen oder die komplexen, üppigen Laubstrukturen der Oase von Mara, USA, handelt. Vielleicht wirken die Naturszenen so entspannend, weil sie ohne Staffagefiguren auskommen. Der Mensch hat den Ausschnitt der Realität, auf den sich Rowena Dring konzentriert, verlassen. Seine Präsenz wird nur gelegentlich durch Versatzstücke der Zivilisation, wie Hochspannungsleitungen, Häuser, Gartenornamente oder Straßen mit und ohne Fahrzeuge angedeutet. Ein anderer, schon in der Romantik beliebter Kunstgriff, ist der aus dem Fenster in die Ferne schweifende Blick - in Drings Fall natürlich ungestört von der Rückenansicht einer menschlichen Gestalt.

Rowena Dring fängt den Zauber des Augenblicks ein. In ihren Fotografien der Geisterstadt Ruby, Arizona, die ebenfalls in dem reich bebilderten Buch vorgestellt werden, treibt sie das Spiel mit der Wahrnehmung von Zeit auf die Spitze. Die im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts entstandenen, vermeintlich historischen Aufnahmen der wüst fallenden Stadt wurden mittels High-Tech-Equippment auf alt getrimmt. Optisch an die Pioniere der amerikanischen Fotografie anknüpfend, führt Rowena Dring mit diesen Arbeiten eine Tradition fort, während sie diese mit ihren originellen cross-medialen Bildern aus Stoff hinter sich lässt und etwas völlig Neues erschafft.

© Ch. Ranseder

Rowena Dring: Falls the Shadow

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John Heartfield: ZEITausSCHNITTE

Freitag, 17. Juli 2009

Non-Fiction

Freya Mülhaupt (Hg.)
John Heartfield: Zeitausschnitte
Fotomontagen 1918-1938

Hatje Cantz 2009, 176 S., 230 Abb. davon 144 farbig
ISBN 978 3 7757 2432 6

John Heartfield: Zeitausschnitte John Heartfield: ZEITausSCHNITTE. Fotomontagen 1918 bis 1938

John Heartfield arbeitete in einem geschlossenen System. Der Mann mit der spitzen Schere bediente sich der gedruckten Massenmedien, um seine Fotomontagen und deren Botschaften zu verbreiten. Sein Arbeitsmaterial wiederum schöpfte er überwiegend aus der illustrierten Presse, die er mit Argusaugen beobachtete. Unvergesslich sind die für die “Arbeiter Illustrierte Zeitung” entstandenen Montagen, in denen sich Heartfield gegen Adolf Hitler und die nationalsozialistische Bewegung, Krieg und Kapitalismus wandte. Seine originelle, auf alles Überflüssige verzichtende Bildsprache, hat bis heute nichts an Verständlichkeit eingebüßt. Die Fotomontagen haben Biss, obwohl die den Schaffensakt provozierenden politischen Ereignisse und revolutionären Haltungen längst Geschichte sind.

Das opulent bebilderte Buch “John Heartfield: Zeitausschnitte. Fotomontagen 1918-1938″ verfolgt den Werdegang und die Blütezeit des Künstlers, der eigentlich Helmut Herzfeld hieß. Der 1891 in Berlin geborene Pionier der Montage fand seinen Stil als Layouter für die dadaistische Publikation “Neue Jugend”, die in dem von ihm und seinem Bruder Wieland 1917 gegründeten Malik-Verlag erschien. In den von der Zusammenarbeit und Freundschaft mit George Grosz geprägten Jahren, wurde Heartfield zum Berliner Botschafter des Dada. “DADA ist GROSS und John Heartfield ist sein Prophet” trompetet er auf einem Plakat, das sein Selbstbildnis mit zum Schalltrichter geformten Händen zeigt.

Als der Malik-Verlag 1921 begann Romane zu verlegen, wurden Buchumschläge mit einer einfacheren Bildsprache benötigt. Nicht mehr Provokation und Verwirrung wie im Dada waren das Ziel, sondern die klare Kommunikation mit den Kunden. Auch bei der Lösung dieser Aufgabe erwies sich Heartfield, der auf seine Kenntnisse als Werbegrafiker zurückgriff, als innovativer Gestalter. Seine aus wenigen Elementen zusammengesetzten Buchcover sind schlüssige Kompositionen mit erzählerischer Qualität. Das fesselt den Blick. Scheinbar harmlos gefällig, erregen die Einbände Aufmerksamkeit ohne zu schockieren und büßen dennoch nichts an Schlagkraft ein. Doch dem Künstler mit Mission war die Buchhülle nicht genug. In einer Gemeinschaftsarbeit mit Kurt Tucholsky, der die Texte beisteuerte, entstand 1929 das Buch “Deutschland, Deutschland über alles”, ein Rundumschlag gegen Kapitalismus, Militär, Demokratie und rechten Nationalismus.

Bereits 1919 war John Heartfield der KPD beigetreten, in deren Dienst er seine Schaffenskraft stellte. Den Höhepunkt seiner Monteurkunst erreichte er in den politischen Fotomontagen, die er von 1930 bis 1938 für die AIZ anfertigte. Bildidee und begleitender Text der schrägen satirischen Collagen entstanden oft in Zusammenarbeit mit seinem Bruder, Wieland Herzfelde. Danach kam die Schere zum Einsatz. War in Heartfields Sammlung von Pressefotos der richtige Schnappschuss für die Umsetzung des visuellen Konzeptes nicht vorhanden, beauftragte er einen Fotografen, der nach seinen Anweisungen das passende Tableau inszenierte.

Der glühende Pazifist und Kommunist John Heartfield kombinierte Kunst mit kommerziellen Printmedien, um ein möglichst großes Publikum zu erreichen. Das dies nicht ungefährlich ist, musste er am eigenen Leib erfahren. Zur Emigration gezwungen, verlegte er seinen Arbeits- und Lebensmittelpunkt zuerst nach Prag, dann nach London. Erst 1950 kehrte er nach Deutschland, in die DDR, zurück.

Die Autoren des Buches “John Heartfield: Zeitausschnitte. Fotomontagen 1918-1938″ verschränken in ihren tiefgreifenden, akribisch recherchierten Essays Werkanalyse, Biografie und Zeitgeschichte. Das Ergebnis ist weniger ein chronologischer Erzählstrang als ein dichtes Informationsgewebe. Thomas Friedrich, Sabine Kriebel, Roland März, Freya Mülhaupt, An Paenhuysen, Rosa von der Schulenburg, Andrés Mario Zervigón und Peter Zimmermann nähern sich dem politisch engagierten Künstler John Heartfield von vielen Seiten. Lebensweg und künstlerische Entwicklung, Bildanalysen exemplarisch herausgegriffener Fotomontagen, die enge Zusammenarbeit mit dem Bruder, Freundschaften und ihre Auswirkungen auf das Werk, Selbstporträt und Selbstsicht, Arbeitweise, politische und zeitgeschichtliche Hintergründe - all das und vieles mehr ist in der beeindruckenden Publikation zu finden. Auch mit Abbildungen wurde nicht gegeizt. Fotografisches Rohmaterial und fertige Fotomontage, Abbildungen von Buchumschlägen und für diverse Printmedien gestaltete Seiten, Schnappschüsse aus dem Privatleben John Heartfields und dokumentarische Aufnahmen seiner Ausstellungen begleiten die Texte. Zu verdanken ist die Bilderflut dem in der Kunstsammlung der Akademie der Künste, Berlin, erhaltenen Nachlass, aus dem es möglich war für Buch und Ausstellung nach Herzenslust zu schöpfen. Denn natürlich ist “John Heartfield: Zeitausschnitte. Fotomontagen 1918-1938″ eine Begleitpublikation. Die gleichnamige Ausstellung ist vom 29. Mai bis zum 31. August 2009 in der Berlinischen Galerie zu sehen. Zeitgeschichte einmal anders.

© Ch. Ranseder

John Heartfield: ZEITausSCHNITTE. Fotomontagen 1918 bis 1938

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