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Spanien hören

Donnerstag, 08. Dezember 2011

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Antje Hinz
Spanien hören

Silberfuchs Verlag 2011, 1 CD, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 9406 6514 9

Spanien hören

Die kulturelle Vielfalt Spaniens wird in 80 Minuten und in 21 Häppchen als geniales Menü serviert. Die Länderreihe hat sich eindeutig zu einer stattliche Sammleredition mit steter Wiederhörqualität entwickelt. Historische, literarische und musikalische Clips lassen auf dieser CD ein ganz besonderes Bild von Spanien entstehen.

Beginnend mit den, zu den ältesten Kunstwerken der Welt zählenden, Höhlenmalereien von Altamira spannt sich ein kultureller Bogen über die Iberische Halbinsel. Phönizier, Griechen, Vasconen, Iberer, Kelten, Römer, Westgoten, Mauren bildeten die vielfältige Basis. In Spanien ist untrennbar mit dem kulturellen Aufstieg während des Mittelalters auch politisch-religiöse Macht verbunden: Islam und Christentum. Das kulturelle Zentrum in islamischer Zeit war Córdoba. Hier entwickelte sich zugleich ein multikulturelles “Mekka der Wissenschaften”. Wie oft wechseln Toleranz und Verfolgung einander ab. Toledo profitiert vom Zuwachs Intellektueller als sie die Stadt verfolgte Juden und Christen aufnimmt. Schließlich wird vom Norden ausgehend die Rückgewinnung Spaniens unter dem fadenscheinigen Deckmäntelchen der (Re-)Christianisierung vorgenommen. Dies mündet letztlich in der Inquisition. Systematische Verfolgung wird in Folge zum religiös untermauerten Staatsgeschäft, das die blühende Multikultur mit ihren Wissenschaftlern und Künstlern vernichtete. In Folge ging für Katholizismus, Kolonialismus und das Reich die Sonne nicht mehr unter. Marienverehrung, Askese auf der einen Seite sowie Don Quijote und das pralle spanische Volkstheater auf der anderen Seite sind nicht nur Gegensätze, sondern logische Folgen der Repressalien. Unter den Bourbonen sank der Stern des Katholizismus, Wissenschaft und Bildung wird zum Staatsanliegen. Dann kam Napoleon. Den Widerstand und den Kriegsgräuel zeigt niemand besser auf als Goya, der modernste, provozierendste, politisch und sozial kritischste Künstler - nicht nur zu seiner Zeit. Der Weg zur Verfassung und Republik war steinig, war aber auch der Weg zur nationalen Musik. Multikulturell, darunter die Musik und Sprache der Galizier, Basken, Katalanen und Roma, wird salonfähig. Ein fruchtbarer Nährboden auf denen einerseits Gaudi, Miró, Dalí, Picasso sich entfalten und andererseits im Zuge von Bürgerkrieg, Diktatur und neuer Nation Lorca, Celaya, Semprún, Marsé ihre Eindrücke in eindringliche, unvergängliche Worte fassen.

Dietmar Mues (†) präsentiert die Vielfalt außergewöhnlich abwechslungsreich vor dem Hintergrund vieler Musikzitate. Den optischen Genuss steuert Roswitha Röschs Grafik bei.

© S. Strohschneider-Laue

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Sitularia - Klänge aus der Hallstattzeit

Sonntag, 09. Oktober 2011

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Michaela Lochner (Hg.)
mit Beiträgen von Alexandrine Eibner, Michaela Lochner, Albin Paulus und Beate M. Pomberger
Sitularia
Klänge aus der Hallstattzeit

ÖAW 2011, 1 CD, Laufzeit 40′31”, 104 S. farbig mit Fotos und Zeichnungen illustriertes Booklet
ISBN 978 3 7001 7002 0

Sitularia - Klänge aus der Hallstattzeit Sitularia: Klänge aus der Hallstattzeit

Das Archäologinnen- und MusikerInnenteam um die Herausgeberin Michaela Lochner lädt zu einer Ohrenreise in die Klangwelt vor mehr als 2.500 Jahren ein. In minutiöser Zusammenarbeit werden die Mittel der Musikarchäologie voll ausgeschöpft, um das Spektrum der Instrumente als auch das damit verbundene Klangerlebnis zu rekonstruieren.

Die Hinweise auf Musikinstrumente aus der Hallstattzeit (ca. 800 -500 v. Chr.) sind spärlich. Obwohl der kulturelle Raum von Ostfrankreich bis in das Karpatenbecken und von Norditalien über Adria bis Balkanhalbinsel reicht. So stehen mehr Bildquellen als tatsächliche Reste von Musikinstrumenten zur Auswertung zur Verfügung. Seiten-, Blas- und Rhythmusinstrumente, die zum Teil eine Tradition bis in die Gegenwart haben, sind in Form und in Spielweise nur bedingt rekonstruierbar.

Das zugehörige Booklet - eigentlich eine ausgewachsene Publikation mit gehaltvollen 104 Seiten - bietet in drei Kapiteln einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand. Im ersten Kapiteln wird die Quellenlage vorgestellt. Erstaunlich aus wie vielen winzigen Details - meist Abbildungen auf Tongefäßen sowie Metallarbeiten und weniger tatsächliche Überreste von Objekten - Instrumente rekonstruiert werden können, wobei der Gesang, das natürlich gegebene Instrument, am schwersten fassbar wird. Diese Bildquellen werden im zweiten Kapitel einer genaueren Betrachtung unterzogen. Da sie auch Einblicke in Alltag und Feste gewähren und damit deutlich werden lassen, wann, wo, wie und von wem musiziert wurde. Dem Instrumentenbau ist das dritte Kapitel gewidmet. Rekonstruktion von Instrumenten ist eine große Herausforderung, die neben den archäologischen Quellen auch historische, ethnologische Vergleiche zieht und einen großen Part musikalische Erfahrung berücksichtigt. Anmerkungen und ein umfangreiches Literaturverzeichnis beschließen den archäologischen Publikationsteil. Die letzten 20 Seiten sind den Musikstücken, dem Ensemble Cantlon und den Biografien gewidmet.

Das Ensemble Cantlon (Albin Paulus, Nadège Lucet, Niki Fliri, Patrick Feldner) sowie Gastmusikerin Beate Maria Pomberger und Dichter David Stifter haben die ältere Eisenzeit auf der CD anklingen lassen. Rund 40 Minuten hallstattzeitliche Klangsphäre begleiten das Lesevergnügen. Erstklassige Musik mit dem “Gerne-wieder-hören-Faktor”, die sicher häufiger gespielt werden wird.

Die Kombination aus wissenschaftlicher Publikation und Klangsphäre ist jedenfalls einzigartig. Dazu kommt noch der optische Genuss durch exzellente Bebilderung und grafische Gestaltung.

© S. Strohschneider-Laue

Sitularia: Klänge aus der Hallstattzeit

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Knochenklang: Klänge aus der Steinzeit

Ensemble Cantalon: Syrinx, Leier & Co.


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Italien hören

Freitag, 22. Juli 2011

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Corinna Hesse
Italien hören

Silberfuchs Verlag 2011, 1 CD, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 9406 6523 2

Italien Hören

Feste, Tradition und ohne Gegensatz dazu steter Wandel zeichnen Italien aus. Vom klassischen Erbe, das aus griechischer Tradition schöpfte und sich anschließend mit der gesamten damaligen Welt verband bis zur Gegenwart führt der kulturelle Streifzug.

In 19 kulturellen Häppchen wird das italienische Werden als perfektes Dinner für die Ohren serviert. Von göttlichen Wurzeln, den Etruskern und deren Städtebündnis ausgehend, entstand die antike Weltmacht Rom. Das römische Imperium verfällt, das Christentum setzt seinen Siegeszug fort und prägt Literatur, Kunst und Kultur. Mit Beginn der Neuzeit rücken der Mensch und sein Schaffen wieder in den Mittelpunkt. Architektur, Kunst, Literatur und Musik schwingen sich zu ungeahnten Höhen. Der Drang zur Einheit und Unabhängigkeit führt schließlich im 19. Jh. zum Königreich über ein wirtschaftlich duales Land. Der Blick nach vorn mündet schließlich nach dem Ersten Weltkrieg im Faschismus. Hier offenbart sich die Schwäche der CD, denn zwischen der Machtergreifung Mussolinis und dem Einmarsch der Alliierten klafft eine schmerzliche Lücke, die auch die anschließende gute Dokumentation der Nachkriegszeit nicht wettmacht.

Die sonore Stimme von Rolf Becker leitet wohl moduliert durch 80 kurzweilige Minuten. Passende Musik- und Literaturzitate lassen die Geschichte vor dem inneren Auge auferstehen. Roswitha Röschs Grafik unterstreicht von Cover über Booklet passend das Werden Italiens von seinen antiken Wurzeln bis in die Gegenwart.

Ein weiteres Qualitätsprodukt aus der mit dem Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichneten Länderreihe. Gemeinsam ist allen bereits produzierten Hörreisen der “Gerne-wieder-hören-Faktor”, der auch auf “Italien hören” zutrifft.

© S. Strohschneider-Laue

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Montag, 14. Februar 2011

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Barbara Berberon-Zimmermann 
Polen hören

Silberfuchs Verlag 2010, 1 CD, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 9406 6518 8

Polen hören

Ein weiteres Qualitätsprodukt aus der mit dem Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichneten Länderreihe. Gemeinsam ist allen bereits erschienen Hörreisen der “Gerne-wieder-hören-Faktor”, der auch auf “Polen hören” zutrifft.

Barbara Baberon-Zimmermann verfasste aus der wechselvollen Kulturgeschichte Polens einen repräsentativen Hörreigen. Vom Adler im Wappen, wie die Holzbauten durch Steinbauten ersetzt wurden, von der ersten Akademie, aber auch von der Vielfalt der Menschen im Mittelpunkt von Glauben, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst berichtet sie. Passend eingestreute Text- und Musikzitate komplettieren die gut aufbereitete Information rund um das Land, das zwischen mächtigen Nachbarn aufgeteilt, einst völlig von der Landkarte verschwunden war.

Rolf Becker bringt seine angenehme Stimme so wohl moduliert zum Einsatz, dass die 80 Minuten geballter Information wie im Fluge vergehen. Roswitha Rösch designte in bewährter Weise. Sie schuf mit dem Cover einen ebenso passenden wie würdigen Eyecatcher aus Pferd, Reiter und Polen.

© S. Strohschneider-Laue

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Australien hören

Sonntag, 05. Dezember 2010

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Hilke Maunder 
Australien hören 

Silberfuchs Verlag 2010, 1 CD, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 9406 6522 5

Australien hören

Von der Regenbogenschlange der Schöpfung bis zur multikulturellen Gegenwart führt die Reise. In 20 Kapiteln für die Ohren wird dieser extreme und noch nicht so lange bekannte Kontinent vorgestellt. Der heilige Berg Uluru ist die Heimat der Regenbogenschlange aus dem Schöpfungsmythos der Aborigines. Für die Ureinwohner sind Mensch, belebte Natur, Geschichte und Landschaft untrennbar. Ebenso untrennbar sind die physische und geistige Wirklichkeit. Die Verschmelzung von Erzählungen, Gesängen, Klängen und Felsbildern erschließt den Kontinent und die spirituelle Landschaft. Diese Verschmelzung kommt bei den über 300 Völkern mit ihren verschiedenen Sprachen und Dialekten variantenreich zum Ausdruck.

Eigentlich müsste man sich wünschen, dass Australien nie von Willem Jansz und James Cook entdeckt worden wäre. Denn für in Europa hochgelobte Entdeckungen zahlten seit jeher die indigenen Bevölkerungen den höchsten Preis. Wenn heute an Australien gedacht wird, stehen die schönsten Seiten der Natur im Vordergrund, aber weder Völkermord noch Ökokatastrophen. So erhielten die ursprünglichen Australier, die Aborigins erst 1957 australische Bürgerrechte. Ab 1962 durften Aborigines wählen. Bis 1970 wurden Kinder aus ihren Familien gerissen und zur Umerziehung geschickt. Rechte auf ihr eigenes Land wurden ihnen erst 1976 zuerkannt. Unfassbar ist, dass der Premierminister von Australien erst im Jahr 2008 Worte der Entschuldigung für die an den Aborigines begangenen Verbrechen - Vertreibungen, Massaker und Kindsraub - fand. Kein Wunder, dass der am 26. Januar begangene ”Australia Day” der Weißen zum “Invasion Day” für die Aborigines wurde.

Die Kolonisation Australiens war in jeder Hinsicht unrühmlich. Die englische Öffentlichkeit stellte sich nicht ihren sozialen Problemen. Stattdessen sorgten ein restriktives Rechtssystem und eine ebensolche Deportationspolitik für Nachschub an Sträflingen - darunter auch Kinder - in Australien. Traurige Berühmtheit erlangte dabei die ausbruchsichere Strafanstalt Port Arthur, die in ihrer Unmenschlichkeit durchaus Vergleiche mit Auschwitz und Guantanamo zulässt.

Alle Aspekte von Kunst und Kultur sind durch die australische Geschichte und ihrer Siedler durchdrungen. Die Erforschung des Landesinneren des 5. Kontinents ist untrennbar mit Ludwig Leichhardt verbunden. 1973 erhielt der Australier Patrick White den Literaturnobelpeeis. Für seinen Roman “Voss” diente die schillernd Persönlichkeit Leichhardt als Vorlage. Später entstand aus dem Stoff noch eine Oper. Sogar der Impressionismus hat mit der ”Heidelberg School” eine eigene australische Variante entwickelt. Der erste abendfüllende Film (1906) entstand in Melbourne und behandelte die Geschichte des Volkshelden Ned Kellys, dem Sidney Nolan (1946/47) in einem Bilderzyklus ein weiteres Denkmal setzte. Musikzitate, die den gesprochenen Text begleiten und stellenweise unterlegen, sind von einer außergewöhnlichen Vielfalt.

Hilke Mauner weiß, worüber sie schreibt. Die Journalistin hat die zahlreichen Facetten Australiens in vielen Berichten und Reiseführern verarbeitet. Spannend und aus erster Hand vermittelt sie einen vielfältigen und kritischen Überblick zur australischen Kultur. Selten ist ein Kontinent, ein Land und seine kulturelle Vielfalt einladender geschildert worden.
Andreas Fröhlich spricht, was Hilke Maunder über den 5. Kontinent berichtet. Wer bei dem Klang seiner Stimme an John Cusack, Ethan Hawke und Edward Norton erinnert wird, hat richtig gehört. Er ist der deutsche Synchronsprecher, der hier seiner stimmlichen Bandbreite zum großen Ergötzen der Hörer frönen darf.
Roswitha Rösch gestaltet das Booklet in den erdigen Farben Australiens, die die Präsenz der Regenbogenschlange erahnen lassen.

Der Hörgenuss “Australien” aus der vielfach prämierten Länderreihe des Silberfuchs Verlags überflügelt den hohen Standard, der mit den Vorgängern geschaffen wurde.

Hörproben

© S. Strohschneider-Laue

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Robert Schumann

Dienstag, 23. November 2010

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Corinna Hesse
Das Schumann Hörbuch
Eine klingende Biografie

Silberfuchs Verlag 2010, 1 CD, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 17 1

Das Schumann-Hörbuch: Eine klingende Biografie

Die klingende Biografie zum Paraderomantiker Robert Schumann (*8. Juni 1810) erschien rechtzeitig zum 200. Geburtstag des Komponisten und Pianisten. Die chronologische Struktur des Erzählflusses verbindet den permanenten seelischen Ausnahmezustand Schumanns mit wesentlichen Ereignissen, die sein Leben prägten. Zitate aus Briefen, Literatur sowie aus Schumanns zahlreichen Selbstbetrachtungen werden mit über 50 Musikbeispielen aus seinem Werk unterlegt.

Schöpferische Fluten entfalteten sich in seinen größten Tiefs. Eines davon wurde ausgelöst durch seinen Kampf um die Hand Clara Wiecks, deren dominanter Vater - durchaus nachvollziehbar - alles gegen diese unerwünschte Verbindung unternahm. Robert und Clara schlossen gegen allen Widerstand 1840 den Bund der Ehe. Clara tauschte damit den dominanten Vater, der ihr Tagebuch führte, für einen weitaus komplizierteren Ehemann ein, der ein gemeinsames Ehetagebuch verlangte. Die gefeierte Pianistin Clara gebar acht Kinder, begann zu komponieren und trug mit ihren Konzerten das Gros zur Haushaltskasse bei. Unterstützung bei diesen Tourneen konnte Clara von Robert nicht erwarten. Im Schatten seiner erfolgreichen Frau zu stehen, behagte ihm offenbar nicht. Er brach die gewinnträchtigen Reisen vorzeitig ab oder er erkrankte. Sein Gemütszustand wird dramatisch. Zwischen seiner bipolaren Störung und Auswirkungen der Syphilis aufgerieben, endet Schumann zwei Jahre nach seinem Selbstmordversuch am 29. Juli 1856 im Irrenhaus.

Schumanns zeitlos schöne Kompositionen sind die Sprache seiner Seele, zu einer Zeit als man den Zusammenhang zwischen beiden noch nicht erkannt hatte. Corinna Hesse bereitet Schumann und seine Musik mit fesselndem Tiefgang auf. Zeitlos schöne Musik und lebendige Präsentation durch Dietmar Mues und Anne Moll lassen Schumann auferstehen. Das von Roswitha Rösch gestaltete Booklet ist perfekter optischer Begleiter des akustischen Genusses. Auf 15 Seiten werden in hoffnungsfrohen Grüntönen, die passend zum Seelenzustand Schumanns mit psychedelischen Mustern unterlegt sind, wichtige Stationen und Bilder aus Schumanns Leben vorgelegt.

Hörproben

© S. Strohschneider-Laue

Das Schumann-Hörbuch

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Mozart Leben in der Musik - Mozart-Hörbuch
Das Händel-Hörbuch - Im Festivalschuber der Internationalen Händelfestspiele Göttingen

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Argentinien hören

Dienstag, 28. September 2010

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Antje Hinz, Josef Tratnik
Argentinien hören
Silberfuchs Verlag 2010, 1 CD, Laufzeit 80′, 16 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 19 5

Argentinien hören

Argentinien, dem Ehrengast der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, ist die musikalische Reise nach von Antje Hinz gewidmet. Dramatische Musikzitate verbunden mit der fesselnden Erzählstimme von Josef Tratnik lassen die gehaltvollen 80 Minuten viel zu kurz erscheinen.

Das Konzept der Hörreisen ist ebenso innovativ wie zeitlos. Exzellent recherchierte Inhalte und für einen flüssigen Vortrag geschriebene Texte garantieren, dass aufmerksames Zuhören selbstverständlich wird. Musikzitate begleiten, akustisch gleichberechtigt, den chronologisch aufgebauten Text. Stimmungsvoll erzählt und perfekt produziert, kann man sicher sein, in jeder Hinsicht ein Qualitätsprodukt zu erwerben. Das eingespielte Team und die konsequente Linie des Silberfuchsverlags spiegeln sich auch im Cover und im attraktiv-übersichtlichen Booklet wider, das von Roswitha Rösch gestaltet wurde.

Zu Argentinien hat wohl jeder eine bestimmte Vorstellung und erfasst damit meist nur einen schmalen Aspekt dieses riesigen Landes. So vielfältig wie Geografie und Klima ist auch die Kultur und die schmerzhafte Geschichte des Argentiniens. Das Silberland (lat. argentum = Silber) mit seinem Silberfluss (Rio de la Plata) war Lebensraum von 30 Ethnien bevor im 16. Jahrhundert Spanier und Katholizismus über das Land hereinbrachen. Einwanderungswellen bildeten seither einen kulturellen Schmelztiegel. Reiche und Arme, Wirtschaftsflüchtlinge, politisch Verfolgte und verfolgte Politiker begegnen sich in Argentinien. Alles ist hier möglich: Jesuiten und Gauchos, Perón und Borges, Königreich, Diktatur und Republik, Terror, Theater und Tango. Jorge Luis Borges sagte treffend über seine Landsleute: “Sie sind Italiener, die Spanisch sprechen und gerne Engländer wären, die glauben, in Paris zu leben”.

Argentinien in 80 Minuten gelungen zu präsentieren, kann nur den Silberfüchsinnen gelingen. Von den Mythen der Ureinwohner in Feuerland, über indigene Völker und Zuwanderungswellen wird der Bogen über Kultur und Politik unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Traumata bis in die Gegenwart gespannt. “Argentinien hören” ist ein Hauch Tango in den Ohren.

Hörproben

© S. Strohschneider-Laue

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Schumann: Kinderszenen

Montag, 21. Juni 2010

ab acht

Marko Simsa, Doris Eisenburger  
Kinderszenen
Eine Geschichte zur Musik von Robert Schumann 
Annette Betz 2010, 27 S., zahlr. farbige Illustr. 1 CD (40′)
ISBN 978 3 2191 1431 7

  Kinderszenen: Eine Geschichte zur Musik von Robert Schumann

Robert Schumann (1810- 1856) wurde vor 200 Jahren geboren. Der Komponist vieler bis heute beliebter Werke wird daher dieses Jahr besonders geehrt.

Unter den zahlreichen Produkten, die anlassbezogen vorgelegt werden, sind auch solche für Kinder zu finden. Ein besonders gelungenes ist die vorliegende  Kombination aus Buch und CD. Aufgegriffen werden Schumanns “Kinderszenen”, ein Zyklus aus 13 kurzen Klavierstücken, die ursprünglich nicht für Kinder, sondern für Erwachsene geschrieben wurden. Das musikalische Bilder- und Geschichtenbuch wird von einer CD begleitet, die eine ideale Kombination aus Musik, Text und Bild darstellt. Liebevoll von Marko Simsa erzählt, entzückend von Doris Eisenburger illustriert und perfekt von Giovanna Farigu am Klavier dargeboten, ist das Buch für die ganze Familie ein Vergnügen.

Musik ist von Beginn an persönlichkeitsbildend und prägend für die weitere Entwicklung von Kindern. Akustische, visuelle und haptische Eindrücke tragen gemeinsam dazu bei, die Umwelt multisensorisch begreifen zu lernen. Ein wichtiger Bestandteil musikalischer Erfahrungen ist es, eine große Vielfalt zu bieten, dazu gehört auch die Musik vergangener Epochen zu spielen. Dass die Begegnung mit der Vergangenheit fröhlich und zwanglos geschieht, dafür sorgt diese gelungene Kombination aus Buch und CD.

© S. Strohschneider-Laue

Kinderszenen: Eine Geschichte zur Musik von Robert Schumann

Und für Erwachsene::
Das Schumann-Hörbuch: Eine klingende Biografie 

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Indien hören

Mittwoch, 18. November 2009

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Peter Pannke, Lisa Fehrenbach
Indien hören
Silberfuchs Verlag 2009, 1 CD, Laufzeit 80′, 16 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 13 3

 Indien hören - Das Indien-Hörbuch: Eine klingende Reise durch die Kulturgeschichte Indiens von den Mythen bis in die Gegenwart

Die klingenden Reisen sind unverwechselbar. Kompakt und stimmungsvoll zugleich verführen sie zu Ohrenreisen in die Ferne. Fundiert aufbereitet, wird die Kulturgeschichte des jeweiligen Landes erzählt. Das klangliche i-Tüpfelchen bildet die jeweilige Kombination aus exzellentem Sprecher und mit Bedacht gewählten Musikzitate. Gemeinsam komplettieren sie die sinnliche Atmosphäre aller Hörreisen. Die anspruchsvollen Produktionen erfreuen durch ihre grafische und akustische Aufbereitung Augen und Ohren gleichermaßen. Aber das wirklich Besondere an Ihnen ist, dass sie wertfrei neugierig auf das Andere, das Fremde machen.

Auf Indien muss man allerdings nicht neugierig machen. Unvorstellbar das Land der Vielfalt nicht reizvoll zu finden. Indien denkt, fühlt und lebt in anderen Dimensionen. Nicht nur hinsichtlich Bevölkerung, Kulturen und Sprache ist Indien ein bunter Gigant. Mitprägend waren für die Entwicklung Indiens die Ausbreitung des Buddhismus, Hinduismus, Jainismus, Islam, Bhakti-Kult, Sufismus, Sikhismus oder auch des Krishna-Kults. Die von innen und von außen kommenden politischen Veränderungen waren zusätzliche Faktoren, die Indien einen nachhaltigen Stempel aufdrückten.

Die neue klingende Reise aus dem Silberfuchs Verlag vermittelt einen akustischen Farbrausch für die Ohren, der Indien mehr als nur gerecht wird. Von den frühen Schöpfungsmythen, über politische, philosophische und religiöse Strömungen bis zum modernen Indien des Mahatma Gandhi, Bollywood oder auch Slumdog Millionär wird der Bogen gespannt. Die enorme Herausforderung eine gewaltige Informationsfülle auf 80 Minuten zu verdichten, ist genial bewältigt worden. Die spannende Aufbereitung in Kombination mit der Stimme von Rufus Beck verführt immer aufs Neue zum Wiederhören. Mit traditioneller indischer Musik unterlegt, entsteht ein Klangerlebnis, das Ohren Curry hören, riechen und schmecken lässt. Dass die Augen bei diesem inhaltlichen und akustischen Fest nicht zu kurz kommen, dafür hat Roswitha Rösch mit farbenprächtiger Gestaltung von CD, Cover und Booklet gesorgt.

Hörprobe 

© S. Strohschneider-Laue

Indien hören - Das Indien-Hörbuch: Eine klingende Reise durch die Kulturgeschichte Indiens von den Mythen bis in die Gegenwart 

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Mozart jr.

Samstag, 11. Juli 2009

ab acht

Tânia Maria Rodrigues-Peters
Mozart in der Zukunft  
BoD 2009, 96 S. sw. Illus.
ISBN 978 3 8370 8398 9

Mozart in der Zukunft  Mozart in der Zukunft

Natürliche Begabung ist eine Seite des Erfolgs junger Talente und elterlicher Ehrgeiz die andere. Wenn die Mischung stimmt, dann stellt sich der Erfolg mit Spaß ein. Wenn der Erfolgsdruck hingegen zu groß wird, kann aus Sehnsucht Sucht werden. Die richtige Balance zwischen Freiräumen, Verpflichtungen und freiwilligen Training zu halten, ist für alle Beteiligten nicht einfach, aber dringend erforderlich. Der Schritt von Förderung zur Überforderung ist schnell getan.

Tânia Maria Rodrigues-Peters erzählt sensibel eine kindgerechte Geschichte über dieses Thema. Obwohl zum Selberlesen geeignet, sollte die Geschichte dennoch vorgelesen werden. Eröffnet sie doch auch Eltern einen Blick auf sich selbst. Zu dem lädt sie ein mit Kindern über Lernerfolg und über Mozart zu reden.

Musik, Fantasie, Freiräume und zwei Buben treffen in der Story auf einander. Der moderne Max trifft den altbackenen Amadeus. Sie haben sehr viel gemeinsam und genauso viel unterscheidet sie auch. Geschickt verwebt die Autorin die Lebenslinien von Max und Amadeus. Sie lässt die Wünsche der beiden Kinder nach Zuneigung und Bewunderung erkennbar werden. Max reflektiert über seine eigenen Grenzen und Möglichkeiten, während der kleine Mozart neugierig die unbekannte Vielfalt erkundet und schließlich doch das Klavier bevorzugt.

Die erstklassigen Illustrationen von Pedro Caraça unterstreichen den Text optisch. Ungewöhnlich aber in diesem Zusammenhang passend ist, dass direkte Reden “mozartmäßig” mit einer Note eingeleitet werden. Man darf gespannt sein, was Tânia Maria Rodrigues-Peters noch einfallen wird.

© S. Strohschneider-Laue

Mozart in der Zukunft

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Griechenland hören

Donnerstag, 28. Mai 2009

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Antje Hinz
Griechenland hören
Silberfuchs Verlag 2009, 1 CD, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 09 6

Griechenland hören Griechenland hören - Das Griechenland-Hörbuch: Eine klingende Reise durch die Kulturgeschichte Griechenlands von den Mythen bis in die Gegenwart

Griechenland, die Wiege Europas: Von der ersten europäischen Hochkultur bis zum modernen Mitglied der EU führt die Hörreise. Zwanzig Kapitel spannen einen genialen Bogen von der Blütezeit, Zerfall und Auferstehung Griechenlands über 5000 Jahre hindurch bis in die Gegenwart. Der Schwerpunkt dieser Silberfuchs-Hörreise liegt auf der Antike. Verständlich, denn Griechenland als Staatsgefüge zeichnet sich durch Jahrhunderte mit Absenz aus. Als Kulturfaktor und prägend für die historische, politische und soziale Entwicklung Europas war Griechenland allerdings stets gegenwärtig. 

Die Hochblüte Griechenlands entwickelte alle wesentlichen Aspekte europäischer Zivilisation. Kontakte zu anderen Hochkulturen schufen wirtschaftliche und kulturelle Grundlagen. Nach der Entwicklung einer eigenen Schrift erlebten Philosophie, Naturwissenschaft, Geschichtsschreibung und Literatur pure Höhenflüge. Was Solon für die Demokratie bedeutete, bedeutete Perikles für den Aufschwung Athens. Perserkriege und der schwelende Konflikt zwischen den antiken griechischen Großmächten Athen und Sparta trennten und vereinten die Griechen zu gleichen Teilen. Untrennbar mit der Philosophie sind vor allem Sokrates, Platon und Aristoteles verbunden. Alexander der Große steht hingegen für politische Entwicklung, militärische Expansion und die Verbreitung des kulturellen griechischen Erbes weit und nachhaltig über die damaligen Grenzen hinaus. Das kulturelle Erbe Griechenlands war auch in Rom willkommen, was sie nicht von der Übernahme Griechenlands abhielt, sondern diese sogar beschleunigte.
Und wieder war es die Sprache und die Schrift, die eine neue Zeit einläutete. Die altgriechische Verkehrssprache des Mittelmeerraumes war etwa zwischen 300 v. bis 600 n. Chr. die Koine. Die Schriften des Neuen Testamtens erreichten dadurch in kurzer Zeit sehr viele Menschen. Das Christentum wurde zur prägenden Religion Griechenlands. Byzanz, Kreuzfahrer, Venezianer, Türken traten in wechselnder Folge die Herrschaft über das zersplitterte Griechenland an. Nur das Griechentum geriet nicht in Vergessenheit.
Zerrissen wie der geographische Eindruck von Festland und Inselwelt ist daher die politische und religiöse Entwicklung Griechenlands ab römischer Zeit. Fremdherrschaften, Monarchien, Kriege, Widerstände und Vertreibungen kamen und prägten Land und Menschen. Der Weg des heutigen Griechenlands in eine moderne Demokratie war steinig. Neben vielen anderen Aspekten europäischer Zivilisation und Tradition sind die populärsten echte griechischen Highlights: Homer, Olympia und Theater. Und überaus passend kam der Vorschlag jährlich eine europäische Kulturhauptststadt zu zelebrieren von der griechischen Künstlerin Melina Mercouri. Und zuletzt sollte man nie vergessen, dass die Demokratie eine gebürtige Athenerin (um 600 v. Chr.) ist und maßgeblich für die Europäische Union ist, der Griechenland seit 1981 angehört.

Akustisch unterlegt von zahlreichen exzellent ausgewählter musikalischer Klänge aller Epochen - u.a. von musica romana - und stimmlich getragen von Rolf Becker. Mit wohl modulierter Sprache gelingt es ihm Stimmungen und komplexe Inhalte zu einer spannenden Einheit zu verweben. Roswitha Rösch zeichnet erneut für gelungene Cover-Gestaltung und Grafik verantwortlich. So macht es wirklich Freude den unentzifferbaren “Diskos von Phaistos” in die CD-Lade zu werfen und Griechenland zu hören.

Hörprobe

© S. Strohschneider-Laue

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Halali Esterházy

Donnerstag, 26. März 2009

Non-Fiction

Stefan Körner (Hg.)
Fürstliches Halali
Jagd am Hofe Esterházy
Prestel 2008, im Schuber, 345 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 7913 4153 8

Fürstliches Halali Fürstliches Halali: Jagd am Hofe Esterházy

Auf Burg Forchtenstein wird vom 10. Mai ‘08 bis 31. Oktober ‘10 die Jagdtradition im Fürstenhaus Esterházy präsentiert. Der Katalog bietet unabhängig von der Ausstellung einen exzellenten Überblick zur Jagdgeschichte zwischen adeligem Privileg, elitärem Zeitvertreib und modernem Waidwerk. Vier Jahrhunderte fürstlicher Jagd werden hier von ihren prächtigsten und selbstbewussten Seiten gezeigt.

Hält man den großformatigen Prachtband in Händen, fällt der Blick sofort auf die moderne Diana mit ihrem Gebirgsschweißhund, die den Schuber zieren. Das leinengebundene Werk hingegen lädt die Augen mit dem Bild eines Jägers aus Meißner Porzellan auf eine Zeitreise ins 18. Jahrhundert. Und der thematisch einstimmende Augenschmaus setzt sich im Inneren ungebrochen mit historischen Stichen, Gemälden, Kunstobjekten, Trophäen, alten und modernen Fotografien - Manfred Horvath, Gerhard Wasserbauer -  fort.

Die AutorInnen des Bandes unterziehen die Jagd und die Jagd der Fürsten Esterhazy in ihren Beiträgen genaueren Betrachtungen.

Henrike Hülsbergen widmet sich unter dem Titel “Jagdlust: Von der höfischen Jagd zur Großwildjagd im 21. Jahrhundert” vor allem den gesellschaftlichen Wechselbeziehungen der männerdominierten Jagd. Dennoch spart sie verhaltenspsychologische Aspekte nicht aus und verleiht ihrem spannend geschriebenen Beitrag eine kritische Note, die man sonst nicht findet.

“Den “Formen und Mitteln der Hohen Jagd” widmet sich ausführlich Margit Knopp. Beizjagd, Hetzjagd und Parforcejagd sind nur drei der von ihr ausführlich beschriebenen Methoden Tiere zur Strecke zu bringen. Jagdformen denen auch die Esterházys und ihre Gäste gerne frönten. Die Kosten waren von Methode zu Methode unterschiedlich, aber bei der Umstellten Jagd nur noch als enorm zu bezeichnen. Die gewaltige Anzahl der erlegten Tiere wurden nicht nur an der höfischen Tafel aufgetischt, sondern wurden u. a. verkauft oder zu wohltätigen Zwecken verschenkt.

Identität, Stand, Würde und Zeitvertreib stellt Stefan Körner in “Die Fürsten Esterházy und die ungarische Jagdgeschichte” in den Mittelpunkt. Tiergärten, Jagdhunde und Ausstattung waren wichtige Besitztümer, die in Urkunden und Bildquellen festgehalten wurden. Der umfangreiche Beitrag schöpft zu dem aus einer Fülle von Originalzitaten und stellt auch durch aktuelle Fotos Querbezüge zwischen historischen Dokumenten und der Gegenwart her.
In einem knappen, wenig reflektierenden weiteren Beitrag widmet Körner sich noch “Wilderei als Diebstahl und Auflehnung gegen den Fürsten”.

Endre Balsay trägt mit “Esterházy-Jagden und -Jagdgebiete bei Eszterháza 1871-1945″ zum Verständnis der wirtschaftlichen Faktoren bei.

“Jagd heute - heute jagen? Die Bedeutung der Jagd bei den Esterházy Betrieben” von  Hans-Peter Weiss verfolgt die wirtschaftliche Bedeutung anhand der betrieblichen Situation bis in die Gegenwart.

Florian Thaddäus Bayer nimmt sich am Beispiel eines Mitglieds der Fürsten Familie der Großwildjagd an. “In beinahe 80 Tagen um die Welt: Prinz Louis Esterházy und die Großwildjagd” werden seine Leidenschaften für Reisen, Jagd und Militär begleitet von zahlreichen Fotografien und Trophäen aufgegriffen. Kuriositäten, darunter die Reisetoilette, die auf den Fahrten mitgeschleppt wurde, wie seltsame Mitbringsel und Präparate begleiten die Biographie. Janós Hasenbock - ein präparierter Hase, der am 31. Dezember 1898 sein Leben aushauchte - mutet unter all den unzähligen Überresten von toten Tieren auf verdrehte Weise geradezu menschlich  an. Auf den Hinterbeinen stehend, stützt er sich auf eine Krücke, um seine verbundene Hinterpfote zu schonen. Um sein Haupt ist ein Tüchlein gebunden und er hat einen geflickten Leinenbeutel umhängen. In der rechten Pfote hält er einen Brief, seinen “Amtlichen Erlaubnisschein” für lebenslange Almosen. Ein überaus spannender Artikel, spiegelt er doch am Beispiel von Prinz Louis Esterházy - oder auch durch Janós Hasenbock - das Selbstverständnis des Adelshauses.

Die richtige Ausrüstung betrifft nicht nur Waffen. “Die Jagdbekleidung am Hofe der Fürsten Esterházy” von Angelika Futschek zeigt deutlich wie Funktionalität mit Standesbewusstsein miteinander verwoben waren. Und dies betraf nicht nur die Fürsten selbst, sondern auch die Ausstattung, die sie ihren jagdlichen Angestellten maßschneidern ließen. Die Schriftquellen informieren genau über die Kosten, sie beschreiben, Stoffqualitäten, Farben und nennen die beauftragten Schneider. Und wenn man von einem Augenzeugen erfährt, dass die Uniform des Fürsten mit Perlen, Brillanten und Smaragden besetzt war, weiß man auch, dass man sich Kleidung für den Angestellten passend zu deren Funktion gut leisten konnte und aus Hofhaltungsgründen auch leisten wollte.

“Josef Haydn, die Jagd und die Musik” greift Gerhard J. Winkler analytisch an ausgewählten Instrumenten und musikalischen Beispielen auf. Josef Haydn war bis 1790 rund 30 Jahre als Musiker und Hofkappellmeister im Dienste der Fürsten Esterházy. Und Musiker dienten seit dem Altertum dazu den Auftraggeber nicht nur zu unterhalten, sondern ihn auch zu preisen und damit seine Hofhaltung zu unterstreichen. Somit widmete sich Haydn musikalisch auch der Jagd, die einen großen Raum der Fürsten einnahm.

Felix Tobler greift unter dem sperrigen Titel “Forstverwaltung und Jagdorganisation des Esterházy-Majorates vom Beginn des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts” ein wirtschaftsgeschichtliches Thema auf. Der Aufbau einer zentralen Jagd- und Forstverwaltung ermöglichte langfristig, zielgerichtet und vor allem wirtschaftlich zu planen.  Auch wenn in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts prunkvolle Hofjagden aus finanziellen Gründen eine Seltenheit wurden. Schade, dass man nichts Näheres über die dienstlichen Verfehlungen des Domänendirektionsrates Rampichel erfährt, das hätte das hochinteressante aber dennoch aus überwiegend buchhalterischen Quellen schöpfende  Jagd- und Forstgeschichtekapitel um geschmackige menschliche Details abseits der Verwaltung bereichert. 

Herbert Zechmeister und Stefan Körner werfen in ”Die Jagdmonturdepots der Fürsten Esterházy: Waffen, Netze und Kutschen für die Jagd” einen ausgiebigen Blick auf den Bestand.1806 enthielt z. B. die Gewehrkammer in Eisenstadt 630 Jagdwaffen. Viele kamen von namhaften Herstellern. Und leider hat sich hier ein Druckfehler eingeschlichen: Der berühmte Joseph Manton wurde fälschlich als Monton bezeichnet. Waffen, Netze, Kutschen und vieles mehr musste gelagert, gepflegt und veraltet werden. Dazu kommen noch die Trophäen, die sich im Laufe der Jahrhunderte gefrönten Jagdlust angesammelt haben. Eine große Herausforderung an das Personal und an den Geldbeutel - damals wie heute.

Der Katalogteil hebt sich optisch und haptisch vom Textteil ab. Die rauere Papierqualität des Katalogs - der Textteil ist auf Hochglanzpapier gedruckt -  unterstreicht historische Dimension der Objekte zusätzlich. Die Objekte aus vier Jahrhunderten fürstlicher Jagdgeschichte werden gelistet, anschaulich beschrieben und abgebildet. Karten zu den Jagdgebieten und Bibliographie runden das gewichtige Werk, dessen grafische Gestaltung ebenfalls besticht, ab. Ein besseres Korrektorat (u. a. alte/neue Rechtschreibung) wäre allerdings wünschenswert gewesen.

© S. Strohschneider-Laue

Fürstliches Halali: Jagd am Hofe Esterházy

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Georg Friedrich Händel

Samstag, 07. Februar 2009

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Corinna Hesse
Das Händel-Hörbuch
Silberfuchs Verlag 2009, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 08 9

Das Händel-Hörbuch Das Händel-Hörbuch - Leben in der Musik: Eine klingende Biografie mit zahlreichen Briefen von Händel und seinen Zeitgenossen

Die Musik von Georg Friedrich Händel (23. Februar 1685 - 14. April 1759) ist unsterblich. Erstaunlich viele kennen seine Kompositionen und können sich ihrem Charme oder ihren Ohrwurm-Qualitäten nicht entziehen. Weniger bekannt sind sein Geschäftssinn und sein Werdegang zwischen Deutschland, Italien und vor allem England. Klassik-Neulinge kommen an diesem Hörbuch nicht vorbei. Händel-Fans werden noch Neues erfahren und so manche Komposition neu entdecken.

Händel hatte das Glück musikalisches Talent zu besitzen, eine gute Ausbildung zu erhalten und ein - gemessen an vielen anderen von steten Geldsorgen geplagten Künstlern - ungewöhnliches kaufmännisches Geschick zu entfalten. Halle, Hamburg, Rom, Venedig, Innsbruck und Hannover sind die Stationen, die ihn schließlich nach England führen und 1712 in London sesshaft werden lassen. Vor dem Hintergrund seiner musikalischen und wirtschaftlichen Karriere und den historischen Geschehnissen erklingen passende Musikzitate aus seinem vielfältigen Werk, das mit Opern und (patriotischen) Oratorien vielschichtiger ist als die berühmte Wassermusik oder Feuerwerksmusik vermuten lassen.

Der biografisch-musikalische Hörgenuss aus der Reihe “Klingende Biografien” zeichnet sich durch einen gut strukturierten und inhaltlich aufeinander abgestimmten Wechsel von gelesenen Texten (Dietmar Mues) und Musikbeispielen aus. In 17 Kapiteln werden Georg Friedrich Händel, seine Zeit und seine Musik zum Leben erweckt.  Erstklassige Qualität - wie bei allen Produkten aus dem Silberfuchs Verlag - von geschriebenen und gesprochenen Text, ausgewählten Hörbeispielen sowie das übersichtliche Booklet machen das Händel-Hörbuch, auch in Hinblick auf die jährlichen Händel-Festspiele in Göttingen, zu einer kurzweiligen und lohnenswerten Anschaffung.

Hörprobe

© S. Strohschneider-Laue

Das Händel-Hörbuch - Leben in der Musik: Eine klingende Biografie mit zahlreichen Briefen von Händel und seinen Zeitgenossen

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Königinnen oder Die 7 Rätsel des Dietrich B., 1 Audio-CD   -   Rezension 
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Deutschland hören

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Non-Fiction

Corinna Hesse
Deutschland hören
Silberfuchs Verlag 2008, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 02 7

Deutschland hören Deutschland hören: Eine musikalisch illustrierte Reise durch die Kulturgeschichte Deutschlands

Nominiert zum Deutschen Hörbuchpreis (2007 beste verlegerische Leistung, 2008 beste Information), war die Länderreihe schon zweimal. Die Ausstellung “Das “Auge hört mit” würdigte die Leistung auf der Leipziger Buchmesse und jetzt folgt brandaktuell der Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik. Also wer es bis jetzt nicht gemerkt hat, dass diese Ländereihe ein ebsno kurzweiliges wie fundiertes Hörerlebnis ist, sollte spätestens jetzt die Ohren aufsperren und zuhören.

Gelegenheit dazu bietet “Deutschland hören”, das nach Frankreich hören und Türkei hören den diesjährigen Länderreigen schließt. Passend zum Tag der Deutschen Einheit erscheint die moderne Silberscheibe, die grün und golden wie die urzeitliche Bronzescheibe von Nebra gestaltet ist. Ein optischer Geniestreich, denn das bronzezeitliche Objekt aus Deutschland hat weltweite Schlagzeilen gemacht und kulturelle Wellen geschlagen. Sie macht auch den thematischen Auftakt zu den zwanzig Hörkapiteln rund um das kulturelle “Deutschland”. Die “Germania” des Römers Tacitus, die Merseburger Zaubersprüche und Hildebrandslied, mit der passenden musikalische Untermalung von Duivelspack, werfen bezeichnende Schlaglichter römische Wahrnehmung und germanische Selbstsicht. Nach dem geschmiedeten Himmel, im Spiegel des Feindes und Wodans Fährte, wendet sich die CD dem Bildung mit System unter Karl dem Großen zu. Schöner Schein und blutiger Ernst (Walther von der Vogelweide, Nibelungenlied) beschließen das Mittelalter. Mit dem brennenden Gott (Isenheimer Altar), Büchernarren - gefallene Engel und der Kraft des Wortes wird mit Grünewald, Brant, Dürer, Luther die Neuzeit eingeläutet. Meistersinger, Doktor Faust, Dreißigjährigem Krieg und Simplicissimus stehen in Folge für die Suche nach Ordnung und die Kollision von Gegensätze, während im Kapitel “Alles nach Maß und Zahl”, der harmonische Kosmos von Kepler bis Bach im Mittelpunkt steht. Philosophie und Bildung unter Friedrich dem Großen, Menschheitsdramen im Zeichen der Aufklärung von Lessing und Goethe sowie die freiheitliche Ideale am Beispiel von Schiller und Beethoven zeigen einen neuen Wendepunkt auf. Es folgt die staatliche Selbstfindung nach dem Wiener Kongress, eine Neuordnung, die in Folge die Proletarier aller Länder zur Vereinigung aufruft und 1848 für ein Jahr zu einem frei gewählten Parlament führt. Das Deutsche Reich entsteht aus Geld und Gewalt und baut auf Übermenschen und Untertanen. Die inhaltlichen und kulturellen Gegensätze prallten schon vor dem Ersten Weltkrieg aufeinander und werden anschließend zwischen Dada und Bauhaus zum neuen Ausdruck. Und trotzdem zeichneten sich die ”Notzeiten für Blechtrommler” bereits ab auch wenn man das Volk nicht abwählen konnte. Getrennte Entwicklungen unter kommunistischen und kapitalistischen Vorzeichen konnten die Identitätssuche nicht stoppen. Wie das letzte Kapitel “Von Zimmerspringbrunnen und Hobbygärtner” Deutschland treffend nach der Wiedervereinigung beleuchtet.

Ein spannender Abriss, dem man in seiner Leichtigkeit nicht anmerkt wie schwierig es gewesen sein muss in 80 Minuten nur die wesentlichsten Highlights der fast ausschließlich von Männern geprägten Kulturgeschichte herauszupicken. Die identitätstiftenden Höhenflüge sowie unmenschlichen Tiefpunkte wurden im Hörbuch “Deutschland Hören” zu einem kritischen Kulturreigen über und für die Deutsche Bevölkerung. So eingängig-nachhaltig muss Pflichtlektüre für die Ohren sein. Genial geschrieben von Corinna Hesse, genial gelesen von Rolf Becker und grafisch von Roswitha Rösch als echter Blickfang gestaltet. Bitte mehr davon!

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Männertöne | Weiberworte

Dienstag, 01. Juli 2008

Fiction

Carmen Winter (Text), Hermann Naehring (Percussion)
Männertöne - Weiberworte
Phonector 2008, Laufzeit 63,48′

Männertöne - Weiberworte Männertöne - Weiberworte

Diese Konzert-Lesung ist ein ungewöhnlicher Ohrgenuss. Die Texte von Carmen Winter, die auch selbst liest, stimmen nachdenklich und bringen Seelensaiten zum Klingen. Laut Carmen Winter “lebten Männer und Frauen einst auf verschiedenen Planeten (…)”. Ich persönlich bin von den bestehenden Kommunikationsproblemen überzeugt. Viele Frauen sind des männlichen marsianisch nicht mächtig und Männer scheinen es gar nicht erst mit einer “Fremdsprache” zu versuchen. Mal ganz abgesehen davon, dass ich anscheinend oft selbst ausschließlich venusisch zu reden scheine… Die verschiedenen Sprache behindern bis heute die Kommunikation zwischen den Geschlechtern. Man kann sich allerdings der Autorin anschließen, die es erfreulich findet, dass es immer noch Männer und Frauen gibt, “die den Versuch, einander etwas mitzuteilen, nicht aufgegeben haben”.

In dieser Konzert-Lesung werden defintiv zwei Sprachen gesprochen, die ohne Dolmetscher miteinander kommunizieren können ohne die Eigenständigkeit zu verlieren. Gleichberechtigt neben der Textlesung stehen die Kompositionen und Percussionimprovisationen von Hermann Naehring. Der Rhythmus leitet ein, verstärket die Textstimmung und lässt sie nachwirken.

Über eine Stunde lauscht man Vortrag und Konzert und die Zeit vergeht wie im Fluge, weil beide Aspekte von der ersten bis zur letzten Sekunde kurzweilig bleiben ohne in die Belanglosigkeit abzugleiten. Ein ausgezeichnetes Beispiel, dass Anspruch und Publikumstauglichkeit bestens vereinbar sind. Mein persönlicher Favorit ist “Vernebelte Nebenwege”. Hier spielen Lesung und Percussion miteinander, lösen sich ab und stacheln einander an. Echt genial, man wird regelrecht mitgerissen. Ich glaube, dass unter den 18 Tracks jeder sein persönliches besinnliches oder von anderen Sichtweisen getragenes Lieblingswerk finden wird.

Hoffentlich wird es bald eine weitere Konzert-Lesung geben!

© S. Strohschneider-Laue

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Türkei hören

Sonntag, 01. Juni 2008

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Martin Greve
Türkei hören
Silberfuchs Verlag 2008, Laufzeit 79′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 01 0

Türkei hören Türkei hören: Eine musikalisch illustrierte Reise durch die Kulturgeschichte der Türkei

Selbst erfahrene Türkeireisende werden hier in einem geballten Überblick vom mythischen Ursprung bis in die Gegenwart sehr viel bislang Unbeachtetes erfahren. In zwanzig Kapiteln begleitet man das ursprünglich nomadische Volk aus Zentralasien. Der religiöse Schmelztiegel des Islam eint die Kulturen. Die Religion, Politik und Kunst werden untrennbar und die Ausweitung des Reichs aus Zentralanatolien gen Westen unaufhaltbar. 1366 fällt Adrianopel, 1453 schießen die Osmanen ein Loch in die mächtige Stadtmauer von Byzanz. Die letzte Erinnerung an oströmisches Erbe wird damit ausgelöscht. Die Hagia Sophia wird von christlicher Kirche zur Moschee deklariert. In kurzer Zeit wird die Stadt Konstantinopel zur Mega-City mit 400.000 Einwohnern. Erfolgreiche Kriegszüge lassen die Janitscharen, die Infantarie, in Folge zum Schrecken Europas werden. Bereits 1529 stehen sie - allerdings vergeblich - vor den Toren Wiens und 1683 belagern sie die Stadt wieder erfolglos. Das türkische Heer hat für Europa einen Teil seines Schreckens eingebüßt, dafür wird die türkische Kultur zur Mode. Aber auch der Austausch mit den westlichen europäischen Kulturen hat seine Spuren unter anderem in Musiktradition oder den Militärreformen des 19. Jahrhunderts hinterlassen.

Vom frühen Dichter Yunus Emre bis zum Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk der Gegenwart spannt sich der literarische Bogen. Kalligraphie, Buchdruck und Malerei, Musik, Tanz und Islam gehen in der türkischen Kultur eine einzigartige Verbindung ein, die vom großen Vielvölkerstaat geprägt wird. Leichthändig und politsch sensibel, wird die Türkei als vielschichtiger und historisch wechselvoller kultureller Reigen präsentiert. Lebendig, sinnlich und traurig sind die ausgewählten Musikzitate. Sie stehen als harmonischer und dennoch fast gleichwertiger Bestandteil neben der ruhigen Stimme des Sprechers Ercan Durmaz. Mit roten Tulpen und weißen Derwischen auf türkisem Hintergrund hat Roswitha Rösch wieder kluges Gespür für passendes Cover- und Bookletdesign bewiesen.

Man muss die Silberfuchsreisen einfach alle haben. Unglaublich, aber fast besser als eine echte Reise und viel billiger! Ganz abgesehen davon, ist die Türkei Gastland der Frankfurter Buchmesse 2008. Kurzweiliger und stimmiger kann man sich wirklich nicht kulturhistorisch über die Türkei informieren.

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Frankreich hören

Freitag, 30. Mai 2008

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Barbara Barberon-Zimmermann
Frankreich hören
Silberfuchs Verlag 2008, Laufzeit 80′, 15 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 9810 7258 7

Frankreich hören Frankreich hören: Eine musikalisch illustrierte Reise durch die französische Kulturgeschichte bis in die Gegenwart

Die neueste Ohrenreise führt nach Frankreich und nimmt ihren Ausgang nach dem Einsetzen der Schriftgeschichte. Gergovia und die heftigen Auseinandersetzungen zwischen Galliern und Römern machen somit anhand des berühmtesten und französischsten aller Franzosen - Asterix - den Auftakt. Wie bei Asterix ist der Sieg in Erinnerung während die endgültige Okkupation durch der Römer verdrängt wird.

In der gebotenen Fülle ist für die exzellente Audio-CD der knappe Einstieg trotzdem kein Schaden. Die wichtigsten kulturhistorischen Ereignisse folgen in einem attraktiven Reigen. Bestechend ist auch wieder die ausgewogene Mischung aus Musik und Text. Zwanzig geballte Kapitel für über zweitausend Jahre französische Geschichte bieten einen guten Überblick über Krieg und Frieden sowie Kunst und Kultur, die den Nährboden stellen aus denen Staaten entstehen. Von Galliern und Römer, Karl der Große, Troubadoure und durch die Jahrhunderte immer wieder Literatur, Kathedralen, Johanna von Orléans, Bartholomäusnacht, Sonnenkönig, Revolution, Impressionisten und Surrealisten bis zur Kultur der Erinnerung entsteht beim Hören ein eindrucksvolles Porträt vom Werden Frankreichs.

Vielschichtig aufbereitet, mit genialer musikalischer Umrahmung und nicht zu letzt eindringlich von Dietmar Muse gelesen, schafft es die CD neugierig auf Frankreich und mehr zu machen: Vor allem mehr Musik und mehr Literatur. Interessant, was man plötzlich wieder für Bücher aus den Regalen zieht und welche Musik man plötzlich wieder in den CD-Player schiebt.

Es ist zwar schade, dass auf wesenliche Teile der Urgeschichte mit ihren exzeptionellen archäologischen Funden und Orten verzichtet wurde, die trotz mangelnder schriftlicher Zeugnisse dieser frühen Epochen hätten berücksichtigt werden können, aber der geballte 2000jährige “Rest” ist wahrlich genug für eine einzige Audio-CD.

Fest steht, dass man bei dieser Hörbuchserie süchtig wird. Und das geling mit Frankreich hören allemal, zumal auch die optische und haptische Ausstattung von Roswitha Rösch wieder äußerst ansprechend gelungen ist.

Hörprobe

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Letzte Instanz

Donnerstag, 24. April 2008

Fiction

Holly Loose (Hg.)
Weiße Geschichten: Eine Fan-Anthologie
Periplaneta 2008, 220 S., Sw-Fotos.
ISBN 978 3940767 06 6 

Weiße Geschichten - Letzte Instanz Weiße Geschichten: Eine Fan-Anthologie

Dem Aufruf von Holly Loose, Sänger der Folk-Rockband Letzte Instanz, an die Fans sich von den Liedtexten inspirieren zu lassen und selbst zu schreiben, folgten überraschend viele. Die besten Texte wurden in den vorliegenden Weißen Geschichten, in Anlehnung an die aktuelle CD ”Das weiße Lied”, vereint. In die Fan-Anthologie ains Texte, denen jeweils der inspierende Liedtext vorangestellt ist, von folgenden AutorInnen zu lesen:
Sonja Boltz, Victoria Engel, Stephanie Gerdes, Lisa Grimm, Magdalena Hangel, Steffen Heidrich, Tatjana Heinz, Stefanie Jung, Alex Kager, Pauline Lörzer, Holly Loose, Kristina Lorrek, Ulrike Madest, Denise Meschenitz, Christiane Ranft, Svenja Reiner, Anja Schindelar, Patrizia Sophie Schneider, Claudia Thoß, Matthias Wilhelmy, Kathrin Knoch, Jonas Zeit-Altpeter. 

So vielfältig die Stories sind, ist ihnen doch eines gemeinsam, sie sind berührend und persönlich. Somit stehen sie in enger Verbindung mit dem hohen lyrischen Anspruch der Band, deren Worte und Musik deutlich mehr als nur Konsumgut sind; denn sie inspirieren HörerInnen. In der Musik der Letzten Instanz kann man sich ebenso spiegeln, wie in den Texten der Fans, die in die Anthologie aufgenommen wurden. Eine Eigendynamik, die ebenso beachtlich wie nachvollziehbar ist und ein ganz besonderes Licht auf Musik- und Fanszene wirft.

Kann es noch größere Freiheiten geben als mit Musik, Buch und dem Feuer in sich das Paradies zu suchen? Nein, man muss nicht Fan sein, um das Buch zu lieben. Nicht zuletzt kann man das Buch auch aus sozialen Erwägungen - immer ein guter Grund - kaufen, denn aus dem Verkaufserlös werden Musiker ohne Grenzen unterstützt, die zur Zeit ein Projekt mit Kindern aus Armenvierteln in Ecuador durchführen. Ein in jeder Hinsicht engagiertes wie gelungenes Buchprojekt.

Die Letzte Instanz lässt niemanden kalt und schon gar nicht die Fans. Fans und solche, die es noch werden wollen, haben am 3. Mai ‘08 in Wien im Planet Music Gelegenheit zum Hören und Verstehen. 

© S. Strohschneider-Laue

Weiße Geschichten: Eine Fan-Anthologie

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Israel hören

Mittwoch, 23. April 2008

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Corinna Hesse
Israel hören. Das heilige Land
Silberfuchs Verlag 2008, Laufzeit 80′, 16 S. farbig illustriertes Booklet
ISBN 978 3 940665 00 3

Israel hören Israel hören - Das heilige Land (Audio-CD)

Am 14. Mai 1948 proklamierte Ben Gurion den Staat Israel. Der 60. Gründungstag Israels im Jahr 2008 ist Anlass für die klingende Reise “Israel hören”. Die Audio-CD erscheint am 13. Mai in der bewährten Länderreihe (s. a.  Rezensionen zu China hörenRussland hören, Ungarn hören; Hörproben Silberfuchs Verlag) der beiden Kulturjournalistinnen Corinna Hesse und Antje Hinz.

In 80 fesselnden Minuten wird der zeitliche Bogen von den biblischen Überlieferung bis in die Gegenwart gespannt. Die dramatische Geschichte, die von Vertreibung und Verfolgung ebenso gekennzeichnet ist wie von kultureller Hochblüte und Rückkehr, wird anhand wesentlicher Ereignisse aufgezeigt. Viele davon sind nicht nur archäologisch nachgewiesen, sondern im meist gelesenen Buch der Welt, der Bibel, schriftlich überliefert. Die verbindende Elemente und Ursprünge der drei großen Weltreligionen werden dabei sensibel abseits der religiös-politischen Reibungsflächen in die historischen Betrachtungen einbezogen. Die Bewahrung alter Traditionen als zentrales Element wird leicht verständlich aufbereitet. Die sich aus der wechselvollen Geschichte ergebende kulturelle Brücke aus Orient und Okzident wird zuletzt noch anhand der Sichtweisen zeitgenössischer Künstler aufgezeigt.

Interessierte Menschen jeden Alters zu erreichen, gelingt der Länderreihe spielend. Das Ziel mit “Israel hören” insbesondere jüngere Menschen anzusprechen, geht jedenfalls vollinhaltlich auf. Die akustische Reise durch die wechselvolle Kulturgeschichte macht nicht nur neugierig auf mehr, sondern lädt immer wieder aufs Neue zum Hineinhören ein. Zum inhaltlichen Hörgenuss mischen sich passende musikalische Sequenzen. Die Stimme Rolf Beckers, der sich wieder als genialer Erzähler erweist, hält die Spannung bis zum letzten Wort aufrecht. Das Booklet, das wieder wesentlich mehr als nur Inhaltsverzeichnis ist und daher seinem Namen auch gerecht wird, ist von Roswitha Rösch themenbezogen gestaltet worden. Eine kleine, feine optische Ergänzung zum akustischen Genuss.

Hörprobe

© S. Strohschneider-Laue

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Spanisch für Kinder

Freitag, 11. April 2008

ab acht

Cantado y contado para los amiguitos
Amiguitos – Spanisch für Kinder
Sprecher: Peter Lohmeyer

Silberfuchs
2007, Laufzeit 70′
ISBN 978 398107 257 0

Amiguitos – Spanisch für Kinder Cantado y contado para los amiguitos. Spanisch für Kinder

Eine CD, die Kinder lieben werden, auch wenn sie im Spanischen noch nicht so sattelfest sind, dass sie die Texte lückenlos verstehen können. Einfache Melodien, die spanischen und lateinamerikanischen Volksliedern nachempfunden sind, in der typischen Instrumentierung dieser Regionen, ein paar bekannte Kinderlieder, und dazwischen von einem deutschen Schauspieler gelesene Geschichten und Gedichte – so lernt die Zielgruppe der 3- bis 10-Jährigen ganz nebenbei auch die spanische Sprache. Die Texte sind so aufgebaut, dass von den Zahlen über die Vokale im Alphabet, die Farben des Regenbogens und die Zutaten für einen typischen spanischen Salat und eine Torte, bis zu den Körperteilen, verschiedenen Berufen, Tiernamen und Musikinstrumenten ein breiter Wortschatz abgedeckt wird.

An die Eltern, die mit ihren Kindern mitsingen, mitlesen und vielleicht mitlernen, wurde auch gedacht, und so sind die Inhalte der Lieder und Geschichten nicht allzu banal ausgefallen, sondern ganz im Gegenteil auch für Erwachsene durchaus witzig und unterhaltsam. Kleiner Wermutstropfen: Die Texte im mitgelieferten Büchlein sind in so winziger Schrift gedruckt, dass ein Mitlesen nur sehr schwer möglich ist.

Auf den kostenlosen Download auf der Website, der auf dem Cover angepriesen wird, sollte man zumindest in Gegenwart von Kindern verzichten, denn hier ist das allseits bekannte Lied “La cucaracha” zu hören. Wie man einem Kind im Kindergarten- oder Volksschulalter erklärt, was mit der erbarmenswerten Küchenschabe los ist, die an massiven Marihuana-Entzugserscheinungen leidet, hat wohl niemand überlegt. Diese Gedankenlosigkeit tut jedoch der Qualität der CD “cantado y contado” als didaktisches Instrument und ihrem Unterhaltungswert keinen Abbruch!

Hörprobe

© P. Kunz

Cantado y contado para los amiguitos. Spanisch für Kinder

Siehe auch: 
El tesoro de cuentos / Der Märchenschatz: Cuentos y fábulas de España y Latinoamérica / Geschichten und Fabeln aus Spanien und Lateinamerika
El tesoro de cuentos / Der Märchenschatz: Hörbuch zum Buch CUENTOS Y FÁBULAS DE ESPAÑA Y LATINOAMÉRICA / Geschichten und Fabeln aus Spanien und Lateinamerika
- Rezension

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