Artikel mit ‘Prestel’ getagged

Yoko Ono - Half-A-Wind Show

Mittwoch, 13. März 2013
eb_000_011.gifEbensolch Rez-E-zine 74/13

Ingrid Pfeiffer, Max Hollein (Hgg.)
Yoko Ono
Half-A-Wind Show
Prestel 2013, Engl., 296 S., 250 Fotos.
ISBN 978 3 7913 5282 4

Yoko Ono Yoko Ono: Half-A-Wind Show

2013/14 - zwei Jahre Yoko Ono Retrospektive

Deutschland, Dänemark, Österreich und Spanien sind die Stationen der Yoko-Ono-Retrospektive “Half-A-Wind Show”: Schirn Kunsthalle Frankfurt 15. Februar bis 12. Mai, Louisana Museum of Modern Art Humlebæk 1. Juni bis 15. September 2013, Kunsthalle Krems 20. Oktober 2013 bis 23. Februar 2014 und Guggenheim Bilbao 18. März bis 7. September 2014.

Yoko Ono 80

Ein Ausnahmekatalog über die Ausnahmekünstlerin Yoko Ono, die den von ihr gestifteten Friedenspreis “LennonOno Grant for Peace” 2012 an die russische Band Pussy Riot verliehen hat. Onos Werk zeichnet sich durch experimentelle Prägnanz ebenso wie Protest aus. Verschränkung statt Beschränkung ist kennzeichnend für die Künstlerin. Dabei sind es vor allem die Ideen, Konzepte, Themen, die das Schaffen der vielseitigen Künstlerin, Filmemacherin, Musikerin und politischen Aktivistin ausmachen, und nicht primär deren dingliche Manifestation.

Eine Retrospektive - wirklich?

Den Auftakt des Katalogs übernimmt Yoko Ono mit einem Statement zu ihrer ersten Einzelausstellung in der AG Gallery in New York 1961 quasi selbst. In den sechs folgenden Beiträgen wird sie sowie ihr Werk einer näheren “Fremd”betrachtung unterzogen. Die Ausstellungsobjekte werden den Beiträgen zugeordnet vorgelegt.

Ingrid Pfeiffer, widmet sich unter dem Titel “Die Welt in Balance bringen”, Oko Onos Beitrag zu einer Kunst der Selbstreflexion von 1955 bis heute. Das “Unfassbare” an Onos Œuvre leitet ihre nachfolgende Gliederung ein: Licht und Schatten, Wasser und Feuer, Luft und Himmel, Material und Immaterialität, Zerstören und Heilen, Balance, Sprache, Musik, Performance, Feminismus und Körper, Absurdität und Humor, Arbeiten im Öffentlichen Raum und Mail Art sowie Ausnahme.

Mit “Yoko Ono und Fluxus” setzt sich Jan Hendricks auseinander. Eingeleitet wird der Beitrag durch ein Schreiben, das beispielgebend für die Immaterialität ihrer Werke kennzeichnend ist: “Die meisten meiner Stücke sollen mündlich verbreitet werden, daher gibt es keine Partitur davon.”

“Yoko Onos Basho - Ein Gespräch” wird von Alexandro Munroe vorgelegt. In Gesprächen, Erinnerungen und Fragmenten, werden Lebens- wie Kunststationen zitiert.

Kerstin Skrobanek bespricht unter “Yoko Ono zwischen den Künsten” des vernetzten künstlerischen Schaffen. Zwischen Handlungsanweisungen und direkten Umsetzungen zeigt sie auf wie Betrachter zu Beobachtern gemacht werden und wie Literatur, Malerei, Musik und Performance sich bei Yoko Ono gegenseitig bedingen.

Mit “Zu den Filmen von Yoko Ono” hlegt Kathleen Bühler eine minutiöse Betrachtung des konzeptuellen Denkens und filmischen Schaffens der Filmemacherin vor. Kontroversielle und experimentelle Zugänge abseits des Mainstreams war auch hier der Hauptimpuls für Yoko Onos Konzepte.

Yoko Onos Musik wird von Jörg Heiser unter dem Titel “Gegen den Wind, gegen die Wand” gewürdigt. Initialzündungen, konzeptuelles Arbeiten und Kooperationen begleiten ihren musikalischen Werdegang.

Die vorgelegten “Texte von Yoko Ono” reichen von “Biography/Statement (1966)” bis zu “What is the Relationship between the World and the Artist? (Mai 1971)”.

Chronologie, Auswahlbibliografie, Autorensteckbriefe, Verzeichnis der ausgestellten Werke und der Fotonachweis beschließen den Katalog.

Fazit

Eine brillante Zusammenschau zum Werdegang und aktuellen Stand rund um Yoko Ono. Surrogat für jene, die die Ausstellung nicht besuchen können. Handbuch für jene, die den Kunstrhythmus von Yoko Ono auf die Spur kommen wollen. Pflichtkauf für alle, die eine lückenlose Kunstbibliothek besitzen möchten.

© S. Strohschneider-Laue

Yoko Ono Yoko Ono: Half-A-Wind Show

Ebensolch | Kulturzone
Bertha Buch | Amazone
AugenBlick | AmaZino

Fotografie - Viviane Sassen

Mittwoch, 06. Februar 2013
eb_000_011.gifEbensolch Rez-E-zine 73/13

Viviane Sassen
In and Out of Fashion
Prestel 2013, Engl., 296 S., 250 Fotos.
ISBN 978 3 7913 4828 5

Viviane Sassen in and out fashion Viviane Sassen In and Out of Fashion

Der weibliche Blick auf Model und Marke

Die Fotografin Viviane Sassen wurde 1972 in Amsterdam geboren. Noch heute lebt und arbeitet sie in ihrer Heimatstadt. In Österreich wurden ihre Arbeiten zuletzt 2011 im Fotohof Salzburg und der Kunsthalle Wien präsentiert.

Der vorliegende Band bietet eine Retrospektive auf die Modefotografie von Viviane Sassen der Jahre 1998 bis 2012. Darunter befinden sich ausgewählte Fotografien aus mit Preisen ausgezeichneten Serien und Kampagnen für bekannte Marken wie Adidas, Bergdorf Goodman, Carven, Stella McCartney, MiuMiu und M Missoni sowie Fotostrecken für AnOther Magazine, Dazed &Confused, Fantastic Man, i-D, New York Times Magazine, Numéro, POP und Purple.

Wider die Erwartung

Den Hauptteil des attraktiven Bandes nehmen die Fotografien ein.  Den Anhang bilden zwei Beiträge, Katalog, Kurzbiografie und Danksagung.

Nanda van den Berg bietet in “A Sense of Feeling Alive” einen Abriss zur Modefotografie in Bezug auf Magazine. Eine besondere Berücksichtigung gilt dabei nicht nur den Arbeiten von Sassen, sondern auch dem Wann und Wo des schöpferischen Prozess und der Zusammenarbeit mit Team und Models.

“Bright Star” von Charlotte Cotton bringt es bereits zu Beginn auf den Punkt: Modefotografie ist am abwechslungsreichsten und trotzdem das vergänglichste Zeitzeichen, selbst für jene, die es in die Musentempel der Welt geschafft haben.

Der einzige Wermutstropfen im, an sich stimmig zurückhaltenden, Layout mit ganzseitigen Abbildungen in hochwertiger Qualität auf matten Leichtkarton sind die Seitenzahlen. Spärlich aufscheinend, an den essenziellen Stellen - Beiträge und Anhang - fehlend, erweisen sie sich insgesamt als völlig obsolet.

Fazit

Fotografie lenkt den Blick, erzählt aus sich heraus oder lädt zum Erzählen ein: aus der Sicht Sassens und aus der eigenen Befindlichkeit. Sassen bricht mit Sehgewohnheiten, der Blickkontakt existiert zumindest vordergründig nicht. Strukturen, Reflexe, Formen beherrschen ihre Fotografien und werden Sinn stiftendes Konzept.

Unter der Flut entmenscht abgebildeter Models gelingt es Sassen den Models durch den Entzug der Köpfe, Gesichter, Augen jene Privatsphäre zuzusprechen, wo keine üblich ist. Das entprivatisierte Objekt wird zum privaten Subjekt, während die Mode wie von selbst und völlig unaufdringlich in den Fokus der Aufmerksamkeit rückt.

Der Band “Viviane Sassen, In and Out of Fashion” ist ein Pflichtkauf in Sachen Fotografie und Mode.

© S. Strohschneider-Laue

Viviane Sassen in and out fashion Viviane Sassen In and Out of Fashion

Ebensolch | AmazonStore
Bertha Buch | Amazon(e)Store
AugenBlick | AmaZino

Künstlerkolonie Worpswede

Montag, 27. Juni 2011
Non-FictionEbensolch Rez-E-zine 67/11

Doris Hansmann
Künstlerkolonie Worpswede
Prestel 2011, 142 S., zahlr. Abb.
ISBN 978 3 7913 4523 9

Künstlerkolonie Worpswede

“Ich fand ein höchst originelles Dorf, das auf mich einen durchaus fremdartigen Eindruck machte; der hügelige, sandige Boden im Dorfe selbst, die großen bemoosten Strohdächer und nach allen Seiten (so weit man sehen konnte), alles so weit und groß, wie am Meer.”

Dies vertraut Otto Moderson am 3. Juli 1889 kurz nach der Ankunft in Worpswede seinem Tagebuch an. Er war dem Ruf seines Freundes Fritz Mackensen gefolgt, der als erster die Schönheit der Landschaft um den abgelegenen kleinen Ort im Teufelsmoor entdeckt hatte. Wenig später reist auch Hans am Ende an und damit ist das Trio der Gründerväter der Künstlerkolonie Worpswede komplett. Ihren Vorbildern - den Malern der Schule von Barbizon - nacheifernd, zieht es die jungen Künstler ins Freie. Enthusiastisch malen sie Moorkaten, Wolkenstimmungen, Birkenalleen, Wasserläufe und den weiten Horizont des flachen Landes. Bald gesellen sich der Landschaftsmaler Fritz Overbeck und der dem Jugendstil zugeneigte Heinrich Vogeler zu ihnen. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten, schon 1895 gelingt den Malern mit ihrer Ausstellung im Münchner Glaspalast der künstlerische Durchbruch. Das verwundert wenig, denn die Bilder der in ihrem Habitus standesgemäß bürgerlichen Künstler geben sich modern, ohne radikal zu sein. Avantgardistische Positionen halten erst mit den Frauen, allen voran Paula Becker, Einzug in Worpswede.

Doris Hansmann erzählt in ihrem Buch “Künstlerkolonie Worpswede” gekonnt von Entstehung und Schicksal der kleinen Gemeinschaft aus Künstlern und Künstlerinnen, deren Werk noch heute zu bezaubern vermag. Dabei menschelt es ganz gewaltig - Paare finden zueinander und trennen sich wieder, illustre Gäste kommen zu Besuch, Freundschaften zerbrechen und Karrieren erblühen. Die Geschichte der Künstlerkolonie ist geprägt von Freundschaft und Liebe, Eheglück und Beziehungskrisen, gemeinsamen Unternehmungen und heller Lebensfreude, künstlerischen Erfolgserlebnissen und Experimenten, Konkurrenzdenken und beleidigten männlichen Egos, weiblicher Resignation und persönlichen Tragödien. Zahlreiche Zitate vermitteln im Originalton die Aufbruchsstimmung und Befindlichkeiten der KünstlerInnen, die darüber hinaus durch eine Auswahl historischer Fotografien präsent sind. Ihre wichtigsten Lebensdaten sind in tabellarischen Kurzbiografien am Ende des Buches zusammengefasst.

Die umfassende, hervorragend mit Beispielen illustrierte Werkanalyse wirft Licht auf die stilistische Vielfalt in der Künstlerkolonie und stellt das erstaunlich reichhaltige Motivspektrum vor. Dessen Bandbreite reicht von Darstellungen der von den Narben des Torfstichs geprägten Landschaft mit ihren Moorkaten, Torfkähnen und atmosphärischen Farbspielen über Ansichten des Dorfes und der Wohnstätten der KünstlerInnen bis zu Porträts und Akten. Als Modelle dienten den MalerInnen unter anderem Angehörige der bäuerlichen Familien und Alte aus dem Armenhaus, deren Lebenswelten von der Autorin einfühlsam geschildert werden. Darüber hinaus griffen die Worpsweder Kreativen, allen voran Vogeler und Moderson, vereinzelt auch Themen aus der Märchenwelt auf.

Mit dem Buch “Künstlerkolonie Worpswede” ist ein exzellenter Überblick zu Leben und Arbeiten in der berühmtesten Künstlerkolonie Deutschlands gelungen. Sein flott geschriebener Text steht in einem ausgewogenen Verhältnis zu der abwechslungsreichen Bebilderung und die ausgewählten Arbeiten von Otto Moderson, Fritz Mackensen, Heinrich Vogeler, Hans am Ende, Fritz Overbeck, Carl Vinnen, Paula Moderson-Becker, Ottilie Reylaender, Clara Rilke-Westhoff, Marie Bock und Hermine Overbeck-Rohte sind ein überraschend opulenter Augenschmaus.

© Ch. Ranseder

Künstlerkolonie Worpswede

Ebensolch | AmazonStore
Bertha Buch | Amazon(e)Store
AugenBlick | AmaZino